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In Kambodscha floriert eine globale Scam‑Industrie. Milliardensummen gehen an Betrüger verloren – und manche Täter sind selbst Opfer.

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Transkript
00:05Es ist eine globale Betrugsindustrie, die in Kambodscha jedes Jahr Milliarden erbeutet.
00:11Mit falschen Identitäten werden Menschen auf der ganzen Welt in Beziehungen gelockt und zu Online-Investitionen überredet.
00:19Viele der Täter hinter den Bildschirmen kommen aus Indonesien.
00:23Sie sagen, sie seien Selbstopfer, verschleppt, geschlagen und gezwungen, Fremde zu betrügen.
00:28Jetzt geht Kambodscha gegen die Szene vor.
00:32Hunderte Anlagen wurden durchsucht, tausende Menschen befreit.
00:36Ein riesiges kriminelles Netzwerk gerät unter Druck.
00:55Mittagessen in einem der größten Sammellager für ehemalige Scam-Arbeiter in Kambodscha.
01:00Die Menschen hier wurden aus Indonesien angeworben.
01:04Eine der größten Gruppen in der illegalen Betrugsindustrie, die Arbeitskräfte aus der ganzen Welt anzieht.
01:11Nachdem bei einer landesweiten Razzia die großen Scam-Zentren geschlossen wurden, suchen viele nun Hilfe bei der indonesischen Botschaft.
01:19Auch Noventri.
01:24Die 32-Jährige hat ihr Visum überzogen und wartet jetzt auf Dokumente, um endlich nach Hause zurückkehren zu können.
01:33Ich bin jetzt seit fünf Wochen hier.
01:37Noventri war vor einem Jahr für einen Job nach Thailand gereist und wurde dann nach Kambodscha verschleppt, sagt sie.
01:43Zu ihrem Schutz nennen wir nur ihren Vornamen.
01:48Wer die vorgegebenen Ziele nicht erreicht hat, wurde körperlich bestraft.
01:54Sie haben mich in einen Bunker gebracht und meine Hände gefesselt.
01:59Drei Tage lang haben sie mir nichts zu essen gegeben.
02:02Drei Tage musste ich dort schlafen.
02:09Tausende Indonesier haben die Notunterkunft hier bereits durchlaufen.
02:13Und ihre Geschichten ähneln sich.
02:15Sie bewahrten sich auf vermeintlich seriöse Jobs im Ausland, wie Rohim.
02:19Und landeten stattdessen in Scam-Zentren, die von kriminellen Netzwerken betrieben werden.
02:28Das sind die Narben von der Misshandlung.
02:31Ich wurde mit einer scharfen Waffe geschlagen, weil ich kein Geld verdient habe.
02:38Jeder, der kein Geld einbrachte, wurde geschlagen und gefoltert.
02:43Ich wurde mit einer Schraubung.
02:44Ich habe mit einer Schraubung.
02:46Ich habe mit einer Schraubung.
02:46In großen Wohnkomplexen wie diesen haben Rohim und Noventri gearbeitet.
02:51Scam-Zentren gibt es in ganz Kambodscha.
02:54Oft versteckt, in Sonderwirtschaftszonen und streng bewacht.
02:59In den vergangenen Monaten haben die Behörden nach eigenen Angaben
03:03hunderte verdächtige Standorte durchsucht und fast 200 Zentren geschlossen.
03:08so wie dieses hier in der Hauptstadt Phnom Penh.
03:11In den Anlagen wurden die Arbeiter für verschiedene Betrugsmaschen geschult.
03:16Viele konzentrierten sich auf sogenannte Romance oder Investment Scams.
03:21Ziel ist es, Opfer emotional zu manipulieren
03:24und sie dann dazu zu bringen, Geld zu überweisen.
03:31Noventri und ihr Freund Salman erklären, wie das funktioniert.
03:34Die Anleitungen zum Aufbau falscher Online-Identitäten sind sehr detailliert.
03:41Wir machen sogenanntes Character Packaging.
03:44Wir müssen eine gute Figur erschaffen, ein gutes Profil.
03:48Dafür brauchen wir eine attraktive Frau mit Einfluss wie eine Influencerin.
03:54Wir nutzen ihre Bilder, ihre Videos, alles von ihr.
04:06Ich benutze das Gesicht einer Frau.
04:08Ich bin ein Mann, aber ich benutze das Gesicht einer Frau,
04:11damit sich ein Mann in mich verliebt.
04:14Und so entsteht die Chance, Geld von ihm zu bekommen.
04:22Ermittler sagen, der erste Kontakt soll wie ein Zufall wirken.
04:26Auf diesem Bildschirm sind noch die letzten Nachrichten zu lesen.
04:32Entschuldigung, ist das der Kontakt für das Reisebüro in Paris?
04:36Ist das die Nummer des Übersetzers in Norwegen?
04:38Die Opfer sind häufig alleinstehende Geschäftsleute oder Rentner.
04:43Schritt für Schritt werden sie zu einer Investition verleitet.
04:46Meist über eine gefälschte Krypto- oder Handelsplattform,
04:50die seriös aussieht, sagt Jason Tower vom United States Institute of Peace,
04:55der organisierte Kriminalität in Südostasien untersucht.
05:03Was Sie hier sehen, ist eine dieser gefälschten Handelsplattformen,
05:07die Betrüger nutzen, um weltweit Geld zu stehlen.
05:10Sie sehen die Zielgruppen.
05:12Englischsprachige Länder, Japan, Korea, chinesischsprachige Regionen.
05:16Spanien ist dabei, Deutschland auch.
05:19Sie zielen auf ein globales Publikum.
05:28Für Kambodscha steht viel auf dem Spiel.
05:31Das kleine Land versucht, seinen Ruf als kulturelles Reiseziel zu schützen.
05:36Viele Bürger haben das Gefühl,
05:38ihr Land wird von kriminellen Netzwerken gekapert.
05:41Die Scam-Industrie ist riesig.
05:44Schätzungen zufolge erwirtschaftet sie jährlich 40 bis 50 Milliarden Dollar
05:49in Kambodscha, Myanmar und Laos.
05:52Die Regierung von Premierminister Hun Manet geht nun dagegen vor,
05:56mit dem Ziel, die Scam-Zentren innerhalb weniger Monate zu zerschlagen.
06:02Das Scam-Netzwerk, oder was wir die Schattenwirtschaft nennen,
06:06zerstört unsere ehrliche Wirtschaft.
06:09Es schadet dem Ruf Kambodschas, beeinträchtigt Tourismus und Investitionen.
06:13Deshalb müssen wir das beseitigen, damit die echte Wirtschaft wachsen kann.
06:18Exportorientierte Industrie, Produktion, Automobilsektor,
06:21das ist besser für unsere Wirtschaft.
06:28Der ehemalige Scam-Arbeiter Agus, der seinen echten Namen nicht nennen möchte,
06:32ist skeptisch.
06:33Er wurde bei den Razzien befreit,
06:35glaubt aber nicht, dass die Industrie so schnell verschwinden wird.
06:46Als die Razzia stattfand, bekam der Boss einen Anruf.
06:49Vielleicht von der Polizei oder vom Militär.
06:53Sie sagten, es werde eine Operation geben.
06:56Der Boss ließ uns gehen, aber gab uns weder unsere Pässe noch unseren Lohn.
07:04Agus sagt, viele Betrüger seien einfach weitergezogen
07:07und hätten ihre Arbeit woanders wieder aufgenommen.
07:11Den Behörden steht noch viel Arbeit bevor, ist Jason Tower überzeugt.
07:19Wenn der Ansatz Kambodschas nur darin besteht, eine einmonatige Kampagne zu machen gegen ein Problem,
07:28das über ein Jahrzehnt durch Korruption und staatlich eingebettete Kriminalität gewachsen ist,
07:35dann wird das nicht funktionieren.
07:38Es braucht langfristige Reformen, um die Ursachen zu bekämpfen, die diese Industrie so groß gemacht haben.
07:50Für die indonesischen Behörden ist derzeit die größte Herausforderung,
07:54ihre Staatsbürger wieder aus dem Land zu holen.
07:57Viele haben ihr Visum überzogen und warten jetzt vor der Botschaft auf Dokumente,
08:02um ohne hohe Strafen nach Hause zurückkehren zu können.
08:07Lange Listen zeigen, wer einen Platz auf einem Flug bekommen hat.
08:14Eine weitere Schwierigkeit ist zu entscheiden, wer Opfer ist
08:17und wer bewusst an den Betrugsmaschen beteiligt war,
08:21sagt Krishnaji Patadireca von der indonesischen Botschaft.
08:29Nach unseren bisherigen Ermittlungen gibt es keine Hinweise darauf,
08:33dass sie zur Arbeit gezwungen wurden oder Opfer von Menschenhandel sind.
08:40Es gibt dagegen Hinweise, dass sie schon wussten, welche Arbeit sie hier in Kambodscha ausüben.
08:49Botschafter Santo Darmo Sumarto empfiehlt strengere Ausreisekontrollen für Indonesier.
08:54Es gebe Hinweise, dass einige nach ihrer Rückkehr erneut in Scam-Zentren gearbeitet haben.
09:08Wie kann es sein, dass jemand, der noch nie mit einem Computer gearbeitet hat und keine andere Sprache als Indonesisch
09:14spricht,
09:14glaubt, er könne damit Geld verdienen?
09:20Wir müssen dieses Problem angehen. Viele glauben, das sei ein schneller Weg, reich zu werden.
09:27Der ehemalige Scam-Arbeiter Argus bestätigt, dass man die Betrugsmaschen schnell lernen könne und kaum Vorkenntnisse brauche.
09:37Auch wenn wir nicht gut Englisch sprechen, haben die chinesischen Bosse dafür eine Maschine, die wir AI-Master nennen.
09:44Sie kann alles. Wenn dein Gesicht nicht gut aussieht, kann es attraktiv gemacht werden.
09:50Wenn du nicht schön bist, kann dein Gesicht schön gemacht werden.
09:57Salman und Noventri hoffen bald die Erlaubnis zu bekommen, nach Hause zurückzukehren.
10:02Sie beteuern ihre Unschuld, kennen aber auch Menschen, die mit dem Betrug viel Geld verdient haben.
10:10Andere sind sehr gut darin. Sie sind sehr professionell beim Betrügen.
10:21Sie lernen schnell, verdienen viel Geld und steigen auf, werden Teamleiter oder Berater.
10:29Alle hier werden nach ihrer Rückkehr in Jakarta befragt.
10:33Die indonesische Regierung prüft rechtliche Konsequenzen, obwohl die Straftaten im Ausland begangen wurden.
10:40Rohim macht sich große Sorgen.
10:44Wir bitten um Mitgefühl. Wo bleibt die Menschlichkeit? Wir wurden gefoltert, sind erschöpft und wurden nicht bezahlt.
10:51Und jetzt kehren wir nach Indonesien zurück und werden dort strafrechtlich verfolgt?
10:55Wir wollen einfach nur nach Hause. Es ist, als ob man aus einem Tigerkäfig entkommt, nur um in den nächsten
11:01zu geraten.
11:03Nach Angaben der kambodschanischen Regierung haben seit Beginn der groß angelegten Razzien mehr als 210.000 Ausländer das Land verlassen
11:12und sind in ihre Heimat zurückgekehrt.
11:15Experten sagen jedoch, dass weitere neue Arbeiter nach wie vor am Flughafen der Hauptstadt ankommen.
11:22Nur die unteren Ebenen der Täter zu verfolgen, werde das Problem nicht lösen.
11:27Es brauche internationale Zusammenarbeit, um die Netzwerke dahinter zu zerschlagen, sagt Jason Tower.
11:36Das ist ein neuer illegaler Markt.
11:38Diese Form des Betrugs hat sich erst in den vergangenen drei bis vier Jahren weltweit ausgebreitet.
11:43Die Strafverfolgung holt langsam auf.
11:46Aber wir müssen auch sehen, dass dies ein globales Netzwerk ist, mit Schwerpunkt in Südostasien, aber Verbindungen in die ganze
11:53Welt.
11:59Zurück in der Unterkunft. Ein Liebeslied mit bitterer Ironie.
12:06Der indonesische Text handelt von der großen Liebe. Worte, die viele hier einst nutzten, um Vertrauen aufzubauen und damit zu
12:17täuschen.
12:27Das ist ein wichtig Luca zu her.
12:36Die Strafverfolgung holt.
12:38Die Strafverfolgung holt.
12:41Die Strafverfolgung holt.
12:42Vielen Dank.
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