00:01Wir gehen nirgendwo hin. Wir nehmen unsere Forderungen nicht zurück.
00:11Wir leben frei auf unserem Land. Unsere Vorfahren haben uns dieses Land gegeben.
00:18Wir gehen dorthin und kämpfen.
00:28Im Herzen Indiens liegt dieser Waldgürtel der Distrikte Pana und Chatharpur, bekannt für seine Tierwelt, wasserreichen Flüsse und fruchtbaren Böden.
00:42In Harmonie mit der Natur leben hier indigene Gemeinschaften.
00:46Sie sind für ihren Lebensunterhalt und ihre Existenz von Wäldern und Ackerland abhängig.
00:58Matibay Ahivar wurde im Alter von sieben Jahren in das Dorf Pailcoa verheiratet. Sie lebt seit Jahrzehnten hier.
01:11Dieses Land ist so kostbar wie ein Diamant aus Pana.
01:14Selbst wenn sie uns alles wegnehmen, bewahren wir das Land als Erinnerung für unser ganzes Leben und für kommende Generationen.
01:29Doch die Regierung will ihnen ihr Land wegnehmen. Sie sind verzweifelt.
01:40Dieses Haus, dieses Zuhause, diese Holzstämme, aus denen es gebaut ist, der Unterstand, die Wände.
01:47Sollen wir das alles mitnehmen? Wie sollen wir das zurücklassen?
01:52Wohin sollen wir gehen? Was sollen wir tun? Was sollen unsere Kinder tun?
01:57Im Jahr 2024 kündigte die indische Regierung ein ehrgeiziges Flussvernetzungsprojekt an, um Dürreprobleme in der Region Pundelkant zu bekämpfen.
02:07Vom Bundesstaat Madhya Pradesh aus sollen überschüssiges Wasser aus dem Einzugsgebiet des Ken-Flusses in das wasserarme Betwar-Flussbecken in
02:16Uta Pradesh umgeleitet werden.
02:18Die beiden Flüsse sollen durch ein Netz von Tunneln verbunden werden, um Trinkwasser, Bewässerung und Strom aus Wasserkraft bereitzustellen.
02:26Dafür werden 14 Dörfer mit Tausenden von Stammesangehörigen umgesiedelt.
02:31Die Regierung hat eine Entschädigung von umgerechnet fast 11.000 Euro pro Erwachsenen-Familienmitglied angekündigt.
02:39Doch die Dorfbewohner sagen, das sei nicht genug. Seitdem protestieren sie gegen das Projekt.
02:45Für Mati Bai ist der Protest mittlerweile so selbstverständlich wie der Sonnenaufgang.
02:50Gemeinsam mit anderen Frauen haben sie ihren Protest gegen die Regierung in ein Ritual verwandelt.
02:56Eines, das bittere Winter und glühend heiße Sommer überstanden hat.
03:03Uns bleibt keine andere Wahl, als für unsere Rechte zu kämpfen, da uns diese Krise getroffen hat.
03:09Wir rennen von einer Stelle zur nächsten, um Gehör zu finden, obwohl wir so alt sind.
03:15Die Polizei schlägt uns mit Stöcken und stößt uns weg.
03:18Wir halten die Unterdrückung aus und fordern sie heraus.
03:25Es ist Mittag und die Temperatur liegt bei über 40 Grad.
03:28In dieser sengenden Hitze sind diese Dorfbewohnerinnen und Bewohner hierher gekommen, entschlossen, sich Gehör zu verschaffen.
03:37Im vergangenen Monat griffen sie zu drastischen Maßnahmen.
03:40Sie legten sich auf Scheiterhaufen und banden sich Schlingen um den Hals, während sie am Ken-Fluss kampierten,
03:47als Symbol dafür, dass das Projekt für sie einem Todesurteil gleichkommt.
03:52Die Regierung nennt unsere Proteste ein Drama.
03:55Das ist kein Drama. Das ist unsere Lebensrealität.
03:59Wir sitzen auf unseren Scheiterhaufen.
04:01Und selbst wenn die Regierung das Wasser aus dem Damm freigibt, werden wir weiter dort liegen bleiben.
04:09Unterstützt werden sie von der politischen Aktivistin Divya.
04:12Sie sagt, die Menschen von ihrem angestandenen Land zu vertreiben sei, als würde man einen Fisch aus dem Wasser nehmen.
04:21Die Kultur der indigenen Menschen, der Menschen, die mit Wasser, Wald und Land verbunden sind, wird vollständig zerstört.
04:30Und nicht nur das, auch viele Lebensgrundlagen gehen verloren.
04:35Die Proteste haben den Fortschritt des Projektes möglicherweise verlangsamt.
04:40Doch die Regierung ist entschlossen, es bis 2031 fertigzustellen.
04:49Die Zukunft des Ken-Betwa-Projekts ist sehr vielversprechend.
04:53Es ist ein äußerst ehrgeiziges Projekt.
04:56Wir werden es auf jeden Fall fertigstellen.
04:58Einige Menschen lehnen es aus eigennützigen Gründen ab.
05:06Doch vor Ort stößt diese Haltung auf großen Widerstand.
05:14Solange unsere Forderungen nicht erfüllt werden, kann dieser Damm nicht gebaut werden, egal was passiert.
05:20Selbst wenn sie uns töten.
05:22Es ist so traurig, dass wir alle weinen und auf unseren Scheiterhaufen liegen.
05:26Aber das kümmert die Regierung nicht.
05:31Ihren Protest wollen sie in jedem Fall weiterführen.
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