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00:01Yoga im Test, Ingrid Armbruster hat heute ihre erste Stunde. Ihr Ziel? Mithilfe von Yoga will
00:09sie beweglicher werden, denn seit Jahren fühlt sich Ingrid immer steifer. Wie steif, das merkt
00:15sie gleich bei der ersten Übung. Sie kann ihr Bein kaum strecken.
00:20So, wesentlich weiter geht's nicht. Weiter geht's nicht. Okay, dann bleiben wir so.
00:24Schon als Kind war ich sparsam beweglich, aber ich merke jetzt einfach, dass es im Alter zunimmt und
00:29dass ich jetzt irgendwie muss eine Kehrtwende eintreten.
00:32In den nächsten zehn Wochen wird die Traumatherapeutin täglich üben. Ob sie dann beweglicher wird?
00:41Auch Daniela Elbs beginnt heute mit dem Yoga-Training. Sie hat ein schlechtes
00:46Gleichgewicht und will das verbessern. Damit möchte sie auch ihre ständigen Schmerzen etwas in den Griff bekommen.
00:54Aufgrund der chronischen Krankheit weiß ich, dass das Gleichgewicht beeinträchtigt ist.
00:58Und das möchte ich eben gerne dadurch trainieren, dass ich wieder Stabilität im Leben bekomme.
01:05Zwei Frauen, die mit Yoga ihre Gesundheit verbessern wollen.
01:10Eine jahrtausendealte Bewegungslehre, die seit einigen Jahren sehr in Mode ist.
01:16Aber kann Yoga auch konkrete Beschwerden lindern? Und wenn ja, wie?
01:31Ingrid Armbruster ist sportlich. Sie jongliert regelmäßig mit ihrem Mann, geht wandern und liebt das Radfahren.
01:37Doch all das konnte nicht verhindern, dass sie über die Jahre immer unbeweglicher wurde.
01:42Die Füße schmerzen. Auch die Knie machen Probleme.
01:47Ein Schlüsselmoment war in den Bergen. Da bin ich da hochgekrochen und war dann so glücklich, dass ich überhaupt hochkam.
01:52Und dann kam da so ein 83-Jähriger, top vergnügt und hat sich da vor mich hingeschält und ich dachte
01:57mir, da will ich hin.
01:59Wir sind in Taufkirchen bei München, 3. Dezember. Heute ist Ingrids erste Yogastunde.
02:07Bis Mitte Februar bekommt sie ein individuelles Training von Carolin Baller.
02:13Die Yogalehrerin unterrichtet seit 24 Jahren und bildet auch aus. Außerdem ist sie Heilpraktikerin.
02:24Zunächst eine Bestandsaufnahme. Ingrid kann sich kaum bücken.
02:28Ihre Knie schmerzen zu stark.
02:32Für die erste Übung müsste sie sich auf ihre Fersen setzen.
02:41Sitzpolster müssen da helfen.
02:43Klemm dir mal eins und probier mal oder vielleicht auch zwei in die Kniekehle.
02:49Richte dir das in Ruhe ein und nicht mit Gewalt.
02:53Ahimsa ist der erste Schritt auf dem Yoga-Weg.
02:58Gewaltfreiheit.
03:02Nur so weit, wie es geht.
03:03Die Yoga-Therapeutin zeigt Ingrid eine Bewegungsabfolge, die sie in nächster Zeit üben soll.
03:09Ich habe mir überlegt, dass wir immer ganz viel Wert auf die Atmung legen und dass sie wirklich langsam das
03:18übt und körperbewusst übt, sodass sie sich spürt dabei, dass es nicht so ein Turnen wird, sondern wirklich eine Yoga
03:28-Abfolge wird.
03:29Ingrid bekommt ihre ersten Hausaufgaben.
03:32Ingrid bekommt ihre ersten Hausaufgaben. Es gäbe viele Möglichkeiten, den Körper zu dehnen.
03:36Was ist das Besondere an Yoga?
03:39Wir reisen durch ganz Deutschland, um zu erfahren, was die Wissenschaft schon über die Wirkung von Yoga weiß.
03:49In Rastede treffen wir eine Neurowissenschaftlerin.
03:53Sie hat sich intensiv mit der Wirkung der indischen Meditations- und Bewegungslehre aufs Gehirn beschäftigt.
04:01Ich bin Svenja Borchers. Ich bin Neurowissenschaftlerin und seit zehn Jahren Yoga-Lehrerin, Atem-Coach.
04:12Es gibt verschiedene Yoga-Stile. Bei den meisten werden Haltungen eingenommen, die im Alltag eher selten vorkommen.
04:20Diese Bewegungen finden meist ruhig und im Fluss des Atems statt.
04:25Das trainiert nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn.
04:31Unseren Körper nehmen wir mit Hilfe von speziellen Zellen in unseren Muskeln und Gelenken wahr.
04:38Dank dieser Propriozeptoren erhält unser Gehirn ein ständiges Feedback, wo sich die Gelenke gerade im Raum befinden.
04:47Es entsteht ein Abbild des Körpers im Gehirn.
04:54Die Hauptaufgabe unseres Gehirns ist, unsere Sicherheit zu gewährleisten.
04:58Und je besser unser Gehirn, unseren Körper kennt, Bewegungen einschätzen kann, desto entspannter sind wir letztendlich auch und können uns
05:05auf wesentliche Aufgaben konzentrieren.
05:10Yoga begeistert viele Menschen und hat sich vom Nischensport zu einer Massenbewegung entwickelt.
05:16Doch sind die Bewegungsabläufe wirklich ungefährlich?
05:23Wir fahren nach Zeuthen bei Berlin zu einem Sportphysiotherapeuten.
05:28Verletzungen durch Yoga kennt Robert Priddle aus seiner Praxis für Physiotherapie.
05:35Vor allem das Üben mit Hilfe von Internetvideos sieht er kritisch.
05:40Anfänger überfordern sich oft und schädigen ihre Gelenke.
05:45Ich würde es meistens eher Überlastungsschäden nennen und sie kommen meistens eher durch das längere Halten von Positionen,
05:52weil Menschen häufig anfangen, erst wenn sie Beschwerden haben, überhaupt Yoga zu machen.
05:56Zum Beispiel bei Rückenschmerzen dann anfangen, besonders intensive Rückenübungen zu machen in extremen Positionen.
06:04Die sind oft gar nicht so förderlich zur Bekämpfung der Rückenschmerzen.
06:10Daniela Elbs hat keine Rückenprobleme.
06:14Die Krankenschwester erhofft sich durch ein individuelles Yogatraining ein besseres Gleichgewicht und weniger Schmerzen.
06:20Denn sie leidet unter Fibromyalgie.
06:23Diese Krankheit stört die Schmerzverarbeitung, sodass die Schmerzschwelle sinkt.
06:29Immer wieder hat sie heftige Attacken.
06:32Meine Symptome sind eher so, es ist ein dumpfer Schmerz, der nicht wirklich lokalisierbar ist.
06:38Also ich merke, dass es anfängt an der Halswirbelsäule und dann praktisch den ganzen Körper erfasst.
06:44Die Attacken beginnen oft dann, wenn sich Stress über mehrere Tage aufgestaut hat.
06:49Dann zwingen die Schmerzen Daniela zu absoluter Ruhe.
06:57Sie hat die Hoffnung, dass Yoga sie entspannt und ihren Gleichgewichtssinn trainiert.
07:03Am 3. Dezember beginnt auch bei ihr das persönliche Training.
07:09Sogar leichte Berührungen von Caroline Baller bringen sie zum Schwanken.
07:13Hier ist die Oberschenkel nach außen. Sehr gut.
07:17Es ist sehr wackelig gewesen, wobei ich auf der rechten Seite wackelicher bin als auf der linken Seite.
07:24So ganz zufrieden bin ich da noch nicht.
07:27Die Übungen für ein besseres Gleichgewicht starten mit einem behutsamen Training für die Muskeln im Oberkörper und in den Oberschenkeln.
07:40Man muss schon wirklich sehr darauf achten, dass sie sich nicht überfordert.
07:45Deswegen werde ich immer wieder nachfragen, wie fühlt es sich an, wie fühlst du dich?
07:50Wie ist es mit der Stabilität?
07:52Ich wacke.
07:54Und dann natürlich auch die Atmung, die Ausatmung verlängern.
08:00Einfach, dass das Nervensystem dadurch auch beruhigt wird.
08:05Auch Daniela bekommt einen Plan mit ersten Übungen.
08:09Sie verspricht, in den nächsten zehn Wochen regelmäßig zu üben und uns von ihren Fortschritten zu berichten.
08:18Im Yoga gibt es viele Übungen, die das Gleichgewicht trainieren.
08:22Von ganz einfach bis sehr schwierig.
08:31Ein besseres Gleichgewicht könnte Daniela auch gegen ihre Schmerzen helfen.
08:36Denn das Gefühl, in Alltagssituationen zu wackeln, stresst das Gehirn enorm.
08:42Wir können uns das im Grunde so vorstellen, alles, was unser Gehirn stresst, was uns belastet, das kommt in so
08:50einen sogenannten Stresseimer.
08:52Und dieser Eimer, der fühlt sich auf.
08:54Und es kann sein, dass wir einfach schlecht geschlafen haben oder dass unser Gleichgewichtssinn ungenaue Signale sendet,
09:02wo es einfach nicht gut integriert wird mit unseren Augensignalen, irgendwie ein Störsignal.
09:09Und das kann auch subtil sein, dass wir das gar nicht bewusst merken.
09:12Dazu kann sein, dass wir Arbeitsstress haben oder mit den Nachbarn einen Streit oder was auch immer.
09:18Und alles, was uns belastet, kommt in diesen Eimer.
09:21Und ab irgendeinem Punkt läuft dieser Eimer über.
09:23Und das ist dann der Moment, wo unser Gehirn sagt, Moment, hier geht's nicht weiter.
09:29Ein überlastetes Gehirn sendet Signale wie Schwindelgefühle, ständige Müdigkeit oder auch Schmerzen.
09:38Durch die Yoga-Praxis kann es sein, dass wir unserem Gehirn wieder die Sicherheit geben, sich auf diese Signale verlassen
09:44zu können.
09:45Und dadurch würde sich sozusagen dieser Pegel in dem Eimer wieder senken und darauf einzahlen, dass wir uns besser fühlen,
09:54sicherer fühlen.
09:55Und gegebenenfalls auch so diesem Output-Signal, also gegebenenfalls dem Schmerz, helfen, sich zu reduzieren.
10:07Kann man messen, was durch Yoga im Gehirn passiert?
10:11Um das herauszufinden, fahren wir nach Homburg.
10:13Hier forscht Malvina Garner.
10:16Und dafür geht sie nicht ins Yoga, sondern in ein Fitnesstraining.
10:30Ich bin jetzt hier, um bei dem Sportunterricht teilzunehmen, um zu gucken, ob meine Sportprobanden, also die Kontrollgruppe,
10:40tatsächlich das macht, was sie tun sollte.
10:45Malvina Garner hat 30 TeilnehmerInnen in den Fitnesskursen der Uni gebeten, bei ihrer Studie mitzumachen.
10:53Die Bedingung, sie müssen Anfänger sein und sollen zehnmal hintereinander an dem Kurs teilnehmen.
10:58Sie machen neben dem Konditionstraining auch Kraftübungen und Dehnungen, ähnlich wie beim Yoga.
11:05Verändert sich dadurch ihr Gehirn?
11:12Die Medizinerin ist Yoga-Lehrerin und findet unter ihren Schülern 30 weitere Probanden.
11:19Bedingung auch hier, alle müssen Yoga-Neulinge sein.
11:23Während zehn Wochen übt Malvina Garner mit ihnen eine sanfte Form des Yoga.
11:31Das, was Yoga ausmacht, sind nicht nur diese Körperübungen, sondern wie man diese durchführt.
11:39Das heißt also, dass man mit einer bestimmten Achtsamkeit für den gesamten Körper ununterbrochen arbeitet,
11:46bei jeder Bewegung den Atem mit dazu nimmt und auch in der Position bleibt und ruhig bewusst ein- und
11:54ausatmet.
11:56Von beiden Gruppen lässt sie zu Beginn und am Ende der Studie einen Gehirnscan machen.
12:03Ihre Vermutung, im Gehirn derer, die Yoga machen, könnte sich mehr verändern als im Gehirn der Fitness-Sportlerinnen.
12:12Ganz am Anfang dachte ich zehnmal, ob die irgendwas bringen, ob die wirklich das Gehirn verändern können.
12:20Da habe ich schon etwas gezweifelt.
12:22Wir werden bei der Auswertung der Ergebnisse dabei sein.
12:30Kurz vor Weihnachten sind wir wieder in Taufkirchen.
12:37Gute zwei Wochen haben Daniela und Ingrid geübt und Videos gemacht.
12:42Caroline Baller schaut sie sich heute an.
12:45Gibt es Fortschritte?
12:47Zunächst Ingrid.
12:48Sie wollte beweglicher werden.
12:50Okay.
12:54Ja, toll.
12:55Ah, es ist schon deutlich besser geworden.
12:58Weil die Wirbelsäule sich nicht mehr so als ganzer Block bewegt,
13:03sondern so Abschnitte an der Wirbelsäule.
13:07Und diese Abschnitte bewegen sich jetzt tatsächlich inzwischen schon eigenständig.
13:14Und sie kann auf den Fersen jetzt inzwischen schon mit dem Gesäß nach hinten.
13:19Das ist wirklich toll, weil das sehr schnell ging.
13:24Das ist schon besonders, muss ich sagen.
13:28Also das habe ich selten gesehen, dass sich so schnell was verändert.
13:33Auch Daniela hat in den letzten zwei Wochen täglich geübt.
13:37Es ist anstrengend für sie.
13:44Also so, wie ich das auf dem Video sehe, fällt ihr das schon schwer.
13:50Es sind schon schwierige Haltungen für sie.
13:54Sie wackelt und man sieht schon auch, dass sie viel Kraft braucht.
14:02Zudem hat Daniela noch eine Nachricht.
14:06Ich habe gemerkt, dadurch, dass ich jeden Tag geübt habe,
14:09wenn auch nicht immer das volle Programm,
14:10weil ich doch vermehrt Schmerzen bekommen habe in den letzten Tagen.
14:16Ich muss teilweise die ein oder andere Übung weglassen.
14:19Ja, das tut mir schon ein bisschen leid, dass ich ihr da so viel zugemutet habe.
14:25Ich werde das ändern.
14:27Es ist sehr wichtig, dieses vegetative Nervensystem bei ihr zu beruhigen,
14:34dass es zur Ruhe kommt.
14:37Und werde eine Haltung für die Entspannung mit einbauen, auf jeden Fall.
14:43Die Yoga-Therapeutin wird für das kommende Treffen neue Übungen ausarbeiten.
14:51Wir fahren nach Stuttgart.
14:54Diverse Studien haben bereits gezeigt,
14:56dass Yoga bei chronischen Krankheiten helfen kann.
15:00Und hier in Stuttgart läuft gerade eine wissenschaftliche Untersuchung,
15:03ob Yoga bei Post-Covid hilft.
15:07Am Robert-Bosch-Klinikum treffen wir den Psychologen Holger Kramer
15:12mit einem seiner Studienteilnehmer.
15:16Stefan Stamm leidet nach einer Corona-Erkrankung
15:19unter einer chronischen Erschöpfung.
15:25Es ist sehr vielfältig bei mir.
15:28Es beginnt mit Fatigue,
15:33Neualgien, also Nervenschmerzen, Muskelschmerzen,
15:40Tinnitus, Atemnoten, die in der Stellung ist, beschädigt.
15:46Zunächst erfassen die Wissenschaftler
15:48den Gesundheitszustand von Stefan Stamm.
15:51Wie viel Kraft hat er in seiner Hand?
15:54Wird die sich im Laufe des Yoga-Trainings steigern?
15:58In den nächsten Tagen werden Messgeräte seine Bewegungen aufzeichnen
16:03und die Veränderungen des Herzschlags.
16:05Auch das gibt Aufschluss darüber, wie es ihm geht.
16:09Wie genau Fatigue entsteht beim Post-Covid-Syndrom,
16:13ist bisher nicht bekannt,
16:15obwohl es verschiedene Studien dazu gibt und verschiedene Theorien.
16:18Ein Theorieansatz ist z.B.,
16:20dass es eine sogenannte Silent Inflammation gibt,
16:22also eine stumme Entzündung im Körper,
16:24die gar nicht durch typische Entzündungssymptomatiken auffällt,
16:27aber z.B. durch Fatigue
16:30und durch weitere eher psychisch erscheinende Symptomatiken.
16:35Stefan Stamm wird nun einmal in der Woche
16:37an einem Yoga-Kurs teilnehmen.
16:40Davon verspricht er sich viel.
16:43Gegen Kopfschmerzen kann man immer noch Schmerztablette einwerfen,
16:46aber gegen diesen Müdigkeitsniederschlag
16:49gibt es halt nichts, was man unternehmen kann, außer hinlegen.
16:52Gegen Ende des zwölfwöchigen Kurses werden wir ihn wieder treffen.
17:04Die Forschenden diskutieren,
17:06welche Yoga-Übungen sie den Teilnehmern zumuten können.
17:10Viele Post-Covid-Patienten haben Probleme mit der Lunge
17:13und die Übungen müssen entsprechend angepasst werden.
17:17Die Doktorandin Lisa Möhrchen stellt die Übungen vor.
17:22Und dann wieder ausatmen.
17:24Eine Übung, die ich auch persönlich schön finde,
17:26z.B. Halbmund, den wir eben schon hatten,
17:28eine Hand auf die Rippenbögen legen
17:32und dann nachspüren, okay, inwieweit verändert sich jetzt
17:36mein Brustkorb, wenn ich einatme.
17:39Die Übungen sind so ausgewählt, dass sie gut schaffbar sind,
17:43dass wir also niemanden überfordern,
17:44das ist ganz wichtig bei diesem Beschwerdebild,
17:46sondern dass wir tatsächlich mit den Möglichkeiten,
17:49die aktuell da sind, arbeiten.
17:54Bei seiner vorletzten Yogastunde treffen wir Stefan Stamm wieder.
17:59Elfmal hat der Kurs bislang stattgefunden.
18:02Seine chronische Erschöpfung ist noch nicht besser geworden.
18:07Es gibt keine bahnbrechenden Schritte, die man jetzt macht
18:10und macht Schnipp und morgen ist man gesund.
18:13Das funktioniert nicht, das funktioniert bei mir auch nicht.
18:15Aber es muss Schritt für Schritt sein.
18:18Die Yoga-Lehrerin Birgit Hortig
18:21hat die Anforderungen von Woche zu Woche sehr vorsichtig gesteigert.
18:26Das vorgeschlagene Atemtraining war Teil des Programms.
18:31Es war am Anfang schwierig, Kraftübungen zu machen.
18:34Wir hatten die Sequenzen eingeteilt, also haben wir es wirklich aufgebaut.
18:38Jetzt sind wir gerade eigentlich in der kraftvollen Sequenz.
18:40Und auch da merke ich aber,
18:41dass die Kraft meines Empfindens nach langsam zurückkommt
18:45und auch das Dranbleiben, das Durchhalten.
18:48Also mein Eindruck wirklich, dass da viel mehr Lebendigkeit da ist.
18:55Bewegt die Beine, die Füße, die Knie so ein bisschen,
18:59wie wenn ihr auf der Stelle laufen würdet.
19:01Das Spannende an Yoga,
19:03warum es auch so ein interessantes Forschungsfeld ist,
19:05das ist tatsächlich nicht, wie man oft meint,
19:07nur körperliche Aktivität umfasst.
19:09Sondern Yoga ist aber auch noch die Kombination mit Atemtechniken,
19:13die eine sehr, sehr starke und sehr spezifische Auswirkung
19:16auf das autonome Nervensystem haben können.
19:19Und je nach Yogastil haben wir noch Meditation
19:21und möglicherweise sogar noch einen Ansatz beim Lebensstil.
19:27Auch bei Stefan Stamm hat das Yoga-Training etwas verändert.
19:35Also ich kann jetzt besser auch einschätzen,
19:38tue ich dies, passiert das.
19:40Durch dieses Kennenlernen, den Blick nach innen auch zu lernen,
19:43dass man eine Übung dann auch mal abbricht,
19:45wenn es gerade nicht geht, weil es halt schmerzhaft ist.
19:48Und dafür ist es fantastisch.
19:50Also das hat es auf jeden Fall gebracht.
19:53Anfang Januar in Taufkirchen.
19:56Daniela ist wieder bei der Yoga-Therapeutin.
19:59Das Training hat bislang gegen ihre Schmerzattacken nicht geholfen.
20:04Deswegen bekommt sie heute neue Übungen.
20:07Die sollen sie vor allem entspannen.
20:15Caroline Baller übt mit ihr die Position der Schildkröte.
20:19Bei der starken Vorbeuge muss Daniela bewusst und tiefer atmen.
20:25Und nimm mal wahr, wie so langsam alles von außen herum
20:29immer mehr in den Hintergrund kommt.
20:33Und so, ja, die Sinne langsam so ein bisschen zurückgezogen werden.
20:40Ich bin da positiv.
20:41Ich habe so das Gefühl, dass das was bringen könnte.
20:46Daniela hat einen gesunden Rücken und kann diese Vorbeuge genießen.
20:51Aber die extremen Haltungen beim Yoga sind nicht ohne.
20:56Vor allem beim Üben am Morgen sind die Bandscheiben gefährdet.
21:01Wenn man sich eine Bandscheibe jetzt vorstellt wie ein Autoreifen,
21:05der wird sehr stark aufgepumpt über Nacht.
21:07Das heißt, im entlasteten Zustand fängt eine Bandscheibe an,
21:10Wasser anzusaugen.
21:11Sie ist morgens also prall gefüllt.
21:12Wenn die jetzt degenerativ oder genetisch etwas predisponiert sind,
21:16kaputt zu gehen und man bringt sie morgens jetzt auf Spannung,
21:21dann kann die natürlich einfach reißen.
21:24Das sind sogenannte interne Bandscheibenrupturen.
21:26Und wenn alle durchreißen, dann kann dieses Nukleusmaterial,
21:29das Kernmaterial nach außen dringen.
21:30Das nennt man dann einen Bandscheibenvorfall.
21:32Der Sportphysiotherapeut rät Anfängern deshalb,
21:36Yoga nur mit einem erfahrenen Trainer zu beginnen.
21:42Wieder in Taufkirchen.
21:44Fünf Wochen sind seit Ingrids erster Yogastunde vergangen.
21:48Halbzeit.
21:49Das Absetzen auf die Fersen klappt gut.
21:51Ich kann da jetzt sitzen ohne Kissen dazwischen.
21:55Wunderbar.
21:56Wunderbar.
21:56Das tut sich schon.
21:58Ja, sehr viel dann sogar.
22:00Ich hatte ja vorher immer wieder diese Knieschmerzen, die habe ich nicht mehr.
22:03Ich merke jetzt nur noch, dass insgesamt die Dehnung im Bein fällt.
22:06Also man sieht es am Oberschenkel hinten oder an der Wade.
22:08Aber das Knie selber hat jetzt toi, toi, toi bisher keinen Ärger mehr gemacht.
22:14Entscheidend für die Beweglichkeit ist nicht nur der Körper, sondern auch das Gehirn.
22:19Es muss eine Bewegung erst als sicher einschätzen.
22:23Wenn wir auch in bestimmten Haltungen bleiben, atmen und uns gezielt durch die Ausatmung ja auch in diese Haltung hinein
22:28entspannen können,
22:30merkt unser Gehirn, dass das ein sicherer Bewegungsradius ist.
22:36Und dann gibt das Gehirn die Erlaubnis, die Bewegung auszuführen.
22:40Die Kombination von Dehnung und Atmung ist demnach ein entscheidender Faktor für Ingrids Erfolg.
22:49Zurück nach Homburg.
22:51Zehnmal fanden die wöchentlichen Kurse statt.
22:54Alle VersuchsteilnehmerInnen haben am Anfang und am Ende ihres Kurses ein Bild von ihrem Gehirn machen lassen.
23:02Gab es Veränderungen?
23:04Jetzt liegen die Daten vor.
23:08Malvina Garner und ihr Studienbetreuer Christoph Krick schauen sich die Ergebnisse an.
23:13Es zeigen sich deutliche Veränderungen in den Köpfen der TeilnehmerInnen des Yoga-Kurses.
23:19Ja, ich bin total baff. Hätte ich nicht erwartet. Nach zehnmal. Zehnmal 75 Minuten.
23:27Der Hippocampus hat sich verändert.
23:29Eine Gehirnregion mit großem Einfluss auf das vegetative Nervensystem.
23:34Berühmt wurde er eigentlich damit, dass er wohl für die Gedächtniskonsolidierung sehr, sehr, sehr wichtig ist.
23:44Für Orientierung, für die emotionale Regulierung, für Affektverhalten und Motivation.
23:54Bei den Yoga-Schülern hat sich die graue Masse im Hippocampus verdichtet, wurde also leistungsfähiger.
24:00Bei den Teilnehmern des Fitnesskurses gab es keine Veränderungen.
24:05Die Forschenden der Uniklinik Homburg wollen jetzt herausfinden, woran das liegt und konzentrieren sich dafür auf einen Aspekt des Yoga,
24:14die Atmung.
24:15Die Probanden sollen jeden Tag 20 Minuten bewusst atmen.
24:21Die Ergebnisse stehen noch nicht fest, aber die psychoaktive Wirkung der bewussten Atmung ist bekannt.
24:28Sie hat mit unserer Evolution zu tun.
24:31Schon unsere Ur-Ur-Vorfahren in der tiefen Stammesgeschichte hatten schon dieses Gefüge zwischen Riechsystem und Hippocampala-Formation,
24:44um sich über den Geruch zu orientieren und ihr Verhalten daraufhin auszurichten, was sie riechen.
24:51Ob man jetzt einen Fressfeind riecht und deswegen weglaufen muss und die Amygdala sagt Angst, Angst, Angst.
24:57Oder ob man ein leckeres Futter duftet und dann darauf zuläuft.
25:03Das sind so Verhaltensmuster, die dann eben durch diese Riechformation und Hippocampala-Formation dann so gesteuert worden sind.
25:13Wieder zurück in Taufkirchen. Es ist der 17. Februar. Gleich kommen die beiden Schülerinnen von Caroline Baller.
25:21Das individuelle Yoga-Training wird heute beendet.
25:25Ich bin wirklich gespannt, ob sich was verändert hat.
25:29Und vor allem bin ich gespannt, ob sie auch das, was ich so, die Entwicklung gesehen habe, die ganze letzte
25:36Zeit,
25:37ob sie das auch selbst so sehen und empfinden.
25:41Zehn Wochen haben Ingrid und Daniela fleißig geübt.
25:46Welche Fortschritte haben sie gemacht?
25:48Ingrid wollte vor allem beweglicher werden.
25:53Zur Erinnerung, sie konnte sich im Dezember kaum auf ihre Fersen setzen.
26:01Und heute? Gar kein Problem.
26:06Die Atemübung kann sie ohne Schmerzen in den Knien machen.
26:13Nochmal ein Rückblick.
26:15Vor zehn Wochen brachte sie ihr Bein kaum Richtung Oberkörper.
26:19Und heute?
26:27Schafft sie das sogar in einer Umkehrhaltung.
26:31Also es war wirklich mehr, wie ich erwartet hätte.
26:34Also ich habe schon gehofft, dass sich Beweglichkeit tut, aber dass so viel Beweglichkeit möglich ist in so kurzer Zeit,
26:39nachdem ich ja auch wirklich schon seit sehr vielen Jahren irgendwie jetzt nicht irgendwie die beweglichste war,
26:44fand ich schon sehr spannend.
26:46Und Daniela?
26:48Sie wollte stabiler werden und entspannen.
26:51Jedoch hatte sie seit Weihnachten viel Aufregung in der Familie.
26:56Vor zehn Wochen war sie bei dieser Übung noch sehr wackelig.
27:02Wie ist es heute?
27:07Sehr gut.
27:09Schau mal, deine Schulter, die schaut jetzt so aus, ganz entspannt nach unten.
27:14Fühlt es sich auch so an?
27:14Ja, ist im Nacken deutlich besser geworden.
27:18Sie ist stabiler, aber ihre Schmerzen haben sich noch nicht verringert.
27:24Aufgrund der Stresssituation konnte ich nicht richtig entspannen, aber für das, was ich jetzt gesehen habe, muss ich sagen, war
27:33das doch ein kleiner Erfolg für mich,
27:34dass ich in den Übungen, die vorher so schwierig waren, doch stabiler geworden bin.
27:39Das ist ja nicht so, wie wenn man eine Schmerztablette nimmt, klick, Kopfschmerzen sind weg.
27:45Und deswegen manchmal merkt man, dass dann irgendwann denkt, oh, jetzt sind sie ja weniger, weil das so ganz schleichend
27:54geht.
27:56Fazit?
27:57Fazit?
27:57Wunder gibt es auch beim Yoga nicht.
27:59Aber die ungewohnten Bewegungen fördern nicht nur Kraft und Beweglichkeit, sondern schulen das Gehirn und schaffen Sicherheit.
28:08Studien haben gezeigt, dass Yoga Stress reduziert.
28:11Auch wenn Schmerzen nicht weggehen, ein wenig Linderung verschafft Yoga wohl doch.
28:18Aber es funktioniert nur, wenn man dranbleibt.
28:22Das haben Ingrid und Daniela auf jeden Fall vor.
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