- 6 hours ago
Category
📺
TVTranscript
00:00I said to my mother, I'm the happy person on the world, if it's a book.
00:05Spoiler, I'm not.
00:06Hello.
00:07How are you?
00:09Lilia.
00:09I'm very happy.
00:12I had to learn that for writing not only is important,
00:16what I say, but also what I leave.
00:26This could be an advice to a debut.
00:30If you have nothing to say, it's a beautiful language.
00:36The main job itself is like...
00:40You have to fail.
00:42You have to fail so well,
00:44you have to fail so well,
00:48you have to fail.
01:05You have to fail.
01:05I wrote for my days, then short stories.
01:07And just since I was 13 or 14, I read a lot.
01:11And I knew,
01:13I'd want to do what I want to do with literature.
01:15But I had never realized that I could write or that I could become a author.
01:26I worked in a book where I had to check out the manuscript.
01:31There are so many texts and there is a lot of waste.
01:36I hated myself in the Overheblichkeit,
01:38that I said, you could better write a book in a book,
01:42but you don't do it.
01:43And you say, oh, they write bad.
01:46And they all have the courage to do it.
01:51And that was a moment where I thought,
01:53now try to write a book.
01:56Caroline Wall finds Schönheit in Tragik,
01:59Mut in Hoffnungslosigkeit.
02:02In two years she wrote two Bestseller.
02:05Gerade her debut is filmed.
02:08The most, what I write, is actually already found,
02:12but maybe sometimes inspired by things I observe.
02:17I often observe people.
02:19I often observe people.
02:19I'm in my tunnel, I have music on,
02:21but I'm happy when things happen around me.
02:25And sometimes I make the music sometimes out
02:27and I listen to the other's conversations.
02:34My thesis is that it started as a child,
02:37because I didn't have so many friends.
02:39And I felt often as an outside person,
02:43who watched a lot,
02:45who watched so many dynamics.
02:47I think I was always very interested.
02:51And then it became more stronger.
02:54And then it became American.
02:55My name is Soppen.
02:55Our next door was the 6th pass,
02:585th, Leipzig, Halle Airport.
03:00Schreiben bedeutet für mich vor allem,
03:02neue Räume zu erkunden,
03:04sich mit Menschen zu befassen,
03:06die anders sind als ich,
03:07die anders ticken,
03:08die aus einem anderen,
03:10aus einem anderen Kreis kommen
03:12und so irgendwie neue Welten,
03:14sich irgendwie zu erschließen.
03:17There are also so many texts from Millennials who live in Berlin, who live in Berlin, who
03:23are trying to find Tinder and still tinders, who sell their food for food. But I didn't want
03:32to write that. I wanted something else, something else that is not only for my bubble, but
03:41I would like to write about it, but I would like to write about it.
03:48For the first one, I don't need longer than the other one.
03:56Everything happens in my writing. It's never planned, it happens.
04:01It happens with the figures, I'm with them, I'm with them, I'm with them, I'm with them
04:08and I'm with them, so I'm with them. So it's always hard,
04:13hinterher was to stretch or to change, if I've already written it,
04:18because I think, that's just happened.
04:31Schreiben ist ein bisschen wie Träumen. Es ist nichts Kontrollierbares, Rationales.
04:38Deshalb braucht man, deshalb brauche ich, einen dunklen Ort, an dem ich in diese Träume eintauchen
04:47kann. Unsere gewohnte Umgebung ist so alltäglich, so banal. Ich sehne mich nach einem magischen Ort,
05:07der ganz anders ist. Danach suche ich auf meinen Nachtwanderung.
05:29Ich habe immer das Gefühl, das Buch ist schon irgendwo da draußen.
05:40Ich habe es nicht exakt vor Augen, aber ich fühle, dass das Buch längst existiert. Ich muss es nur finden.
06:03Schon als Kind habe ich mich nirgends so recht zu Hause gefühlt.
06:06Da war immer so ein komisches, nagendes Gefühl, dass ich diese Welt nicht verstehe.
06:12Warum stehen die Leute alle morgens auf und gehen zur Arbeit?
06:17Was ist der Sinn dahinter? Warum in aller Welt sind wir hier?
06:22Für mich ist Schreiben ein Weg, damit umzugehen.
06:31Ich schreibe hier, an diesem Tisch, aber mit geschlossenen Vorhängen.
06:39Alte Worte, Geistergeschichten, kindliche Vorstellungskraft. Matthias Rikonen wird in Finnland manchmal auf der Straße erkannt. Er hat fünf Romane veröffentlicht.
06:54Ich schreibe, seit ich fünf bin. Damals konnte ich noch nicht selbst schreiben. Ich bin zu meiner Mutter gegangen und
07:01habe gesagt, bitte schreibe das auf. Ich habe ihr gesagt, was sie schreiben soll.
07:17Du musst aufrichtig sein und ein Thema finden, wofür du brennst. Das macht das Herz einer Geschichte aus.
07:32Früher, als wir jünger und noch am Anfang unserer Karrieren standen, sind wir in Buchhandlungen gegangen. Es gab diese Regale,
07:40wo die Bestseller stehen.
07:42Wir haben heimlich die Nummer eins herausgenommen und sie gegen unsere eigenen Bücher ausgetauscht.
07:57An Bücher kommt man leicht. Wenn man über etwas schreiben will, was man selbst nicht direkt erlebt hat, sind Bücher
08:08einer der besten Wege, um zu verstehen, wie etwas ist.
08:26Eines meiner Bücher besteht zu einem Viertel aus alten finnischen Wörtern. Ich habe jahrelang historische Wörterbücher gelesen, um diese Worte
08:34zu sammeln.
08:37Dabei kam ich dann irgendwann an den Punkt, wo ich das Gefühl hatte, jetzt kannst du beginnen, die eigentliche Geschichte
08:44zu schreiben.
08:59Ein Roman kann alles sein. Oberflächlich gesehen muss nichts der Wirklichkeit entsprechen.
09:05Aber auf einer tieferen Ebene, das ist meine Meinung, sollte jedes Buch einen Funken Wahrheit enthalten.
09:18Etwas, das du selbst erfahren hast, das hinter den Buchstaben das Herz des Buches bildet.
09:27Und das muss wahr sein, denn wenn es das nicht ist, fühlt sich ein Buch meistens seicht an.
09:41Es gibt dieses Phänomen, dass Menschen, die ihre Stimme zum ersten Mal aufgenommen hören, dazu neigen, sie zu hassen.
09:51Mit der Schreibstimme ist es genauso.
09:54Das, was du schreibst, schreibst du 20, 21 Mal.
09:59Und wenn du geduldig bist, kommt beim 22. Mal etwas dabei raus, was anders klingt.
10:07Nicht nach deinen Tagebucheinträgen und Briefen, nicht nach der Stimme, die du selbst nicht ausstehen kannst.
10:13Plötzlich kommt dann eine neue Stimme.
10:42Plötzlich kommt dann eine andere Stimme.
10:45There is nothing, what you have in the Schublade and have to go out.
10:48It's always present.
10:54It's good that no one can look into my mind.
10:56There is chaos.
11:01Jonas Jonasson is going to show up in the world.
11:05In 2009, his debut was the 100-year-old,
11:08the door was disappeared.
11:10It was millions of dollars.
11:13It is so hard to concentrate.
11:16It's very hard to concentrate.
11:17It's very hard to concentrate,
11:17because there is always something to do,
11:19what I should do.
11:21There is the Schirrspüler,
11:23who says,
11:23you can turn me off.
11:26And then the laundry machine is here.
11:32And the plants hear the two of them
11:34and they say,
11:35and we are thirsty.
11:37So,
11:38the only thing I found is to escape from it all.
12:00Are you ready?
12:04Yes.
12:04Yes.
12:05Is it over?
12:07It is over.
12:08Yes.
12:08Yes, yes.
12:08Yes.
12:09Yes.
12:10Yes.
12:10It is.
12:17So vor einem Jahr tauchte er hier auf. Ich komme schon seit zehn Jahren her. Das ist mein zweites Wohnzimmer.
12:31Ich wusste nicht, wer er ist. Ich dachte, er sei halt irgend so ein Typ, der am Computer sitzt.
12:36Dass er Schriftsteller ist, habe ich später erfahren, als die Leute sagten, das ist dieser Typ, Jonas.
12:53Wenn ich in meiner Bubble bin, mit Kopfhörern im Ohr, kann ich alles ausblenden. Um mich herum könnte eine Demo
12:59toben.
13:23Der Arbeitstitel, auf den ich erst vor zwei Tagen gekommen bin, könnte lauten, der Unruhestifter und der Unruhestifter.
13:31Der erste Unruhestifter ist der große Philosoph Voltaire. Es ist alles im 18. Jahrhundert angesiedelt. Superintellektuell, oder?
13:43Der zweite Unruhestifter ist ein einfacher Schuhmacher. Ich liebe es, gegensätzliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen zu lassen.
14:05Bevor ich anfange zu schreiben, weiß ich, womit ich beginne. Ich kenne die verschiedenen Haltestellen, wenn man das so nennen
14:12kann.
14:12Und ich weiß, wo der Bus am Ende ankommt. Immer an einem glücklichen Ort.
14:28Seine Bücher sind so, du weißt nicht, was passieren wird. Und gleichzeitig ist es so lustig.
14:36Ich kann so lachen. Ich sollte dasselbe tun, aber ich bin nicht so mutig wie sein 100-Jähriger.
14:51Man könnte mich heute als einen superpositiven, optimistischen und gleichzeitig neurotischen, gestressten,
15:00angstbesetzten Menschen beschreiben, der sich Sorgen um den Zustand der Welt macht.
15:09All das zusammen ergibt ein Jonas-Jonasson-Buch. Man könnte sagen, ich bin meine eigenen Bücher.
15:32Ich bin mein bester und wichtigster Kritiker. Ich gehe immer wieder zurück und lese mir selbst laut vor.
15:47Kapitel, die ich geschrieben habe oder teile davon. Und ich höre genau hin.
15:52Wenn ich beim lauten Lesen stolpere, frage ich mich, warum bin ich gestolpert?
15:59War die Musikalität, die Harmonie nicht gut genug? Dann muss ich das neu schreiben.
16:08Oder habe ich an etwas anderes gedacht? Wenn ja, lag es daran, dass es nicht interessant genug war?
16:34Wenn die Menschen draußen miteinander umgingen wie hier, wäre die Welt ein besserer Ort.
16:42Darf ich vorstellen? Die Hoffnung.
16:46Hopefully.
16:59Ich bin das erste Mal in Elmau für eine Lesung.
17:06Was mir als erstes aufgefallen ist, ist die Stille.
17:12Ich finde die Stille zum Beispiel auch so wichtig, nicht nur beim Schreiben, auch im Leben.
17:19Iris Wolf geht mit Worten Sparsam um, schafft klare Bilder, erzählt auch rückwärts.
17:25Dafür war sie 2024 für den Deutschen Buchpreis nominiert.
17:29Ich bin eine Langsamschreiberin. Ich brauche Jahre, bis sich ein Stoff so entwickelt, dass ich mit ihm zufrieden bin.
17:46Jede Geschichte verlangt nach einer Form, die genau für sie richtig ist.
17:51Das heißt, gehe ich in die Multiperspektive, erzähle ich aus einer Figurenperspektive heraus, wie gehe ich mit der Zeit um?
17:59Weil wir Schreibende müssen ja immer die Gleichzeitigkeit der Dinge in eine chronologische Abfolge führen.
18:05Mache ich Rückblenden, mache ich Vorausdeutungen oder erzähle ich rückwärts?
18:10Versuche ich die Zeit vollkommen aufzulösen?
18:12Also beides ist wichtig. Auch ein Formbewusstsein in der Sprache und das Brennen für ein Thema.
18:20Haben Sie eigentlich eine Lieblingsseite?
18:22Nein, dürfen Sie sich aussuchen. Sie gehen voran.
18:33Es gibt die Zeit, sagte er sich. Es gibt die Sprache, die auch die deine ist.
18:38Und niemand wird dich hinauswerfen, weil du nicht dazugehörst.
18:42Erst recht nicht. Und der Gedanke ließ ihn lächeln, wo du eine Wochenkarte hast.
18:45In meinen Büchern denke ich gerne nach über Menschen aus Südosteuropa, deren Leben sich auch angesichts der großen politisch-gesellschaftlichen
18:58Veränderungen des vergangenen Jahrhunderts so unglaublich verändert haben.
19:02Was macht das mit einem Menschen? Was sind diese Prägungen eines Lebens? Und gleichzeitig kann man sich daraus befreien?
19:18Das ist für Traute. Für Traute.
19:21Sie sind mit Stolzenbürger und ist geboren.
19:22Ach, ja, na klar.
19:28Ich bin in Hermannstadt geboren, in Siebenbürgen und dann aber in Banat aufgewachsen, was zwei ganz unterschiedliche Regionen sind in
19:36Rumänien.
19:38Und ausgewandert sind wir dann, als ich acht Jahre alt war, nach Deutschland.
19:42Aber so ein Stück weit habe ich so den Klang noch mit drin oder Bilder oder Gerüche oder Gerichte, also
19:49was alles dazugehört.
19:51Also irgendwie muss ich in meinen Geschichten immer von da aus losgehen oder dahin zurückkommen.
19:57Ich versuche aber immer auch ganz viel neue Welt in meine Bücher reinzulassen.
20:10Ich kann eher arbeiten, wenn ich alleine bin. Und auch das Nachdenken ist ja etwas, was alleine geschieht.
20:16Und beim Schreiben ist es genauso. Man ist erst mal alleine mit der Geschichte.
20:20Man muss allein sein gut aushalten können.
20:32Es gibt andere Schreibende, die machen sich einen Plan, die skizzieren und plotten erst mal ihre Figuren.
20:39Aber ich habe inzwischen das Vertrauen, dass es mir besser gelingt, auch interessanter für mich als Schreibende ist,
20:46wenn ich überhaupt nicht weiß, wohin mich eine Geschichte führt.
20:54Erstmal ist es nur ein von hier aus laufe ich los.
20:58Und wie sich diese erzählte Welt dann zusammensetzt, das ist sozusagen ja eine Perspektive der Jahre,
21:04über die ich an etwas schreibe. Und da kann ganz viel Neues dazukommen.
21:12Man kann nehmen, was einem zufällt. Alles schreibt mit an einer Geschichte.
21:21Wenn ich in etwas vertraue, dann tatsächlich der Fantasie.
21:26Die schlimmste Zeit ist, wenn man weiß, die Geschichte muss jetzt raus.
21:31Ich darf nichts mehr verändern. Oder die Welt, wie ich sie jetzt so erzählt habe, oder die Szene, die ist
21:38für immer so da.
21:39Ich will sie nicht loslassen. Ich denke immer, eigentlich bräuchte ich noch ein Jahr mehr.
21:55Mir stand das hier bevor. In Finnland gehe ich nicht auf Buchmessen, wenn ich nicht muss.
22:10Ich habe ziemlich schwere Avantgarde-Literatur geschrieben, aber auch massenkompatible Belletristik.
22:19Und man kann es sich leicht ausrechnen.
22:22Wenn ich ein Avantgarde-Buch schreibe, dann stehe ich beim Signieren oft alleine da.
22:32Wenn überhaupt, kommt vielleicht einer. Oder keiner.
22:41Ich hatte immer Zuspruch und Unterstützung.
22:46Aber ich konnte am Anfang nicht wissen, ob mich überhaupt jemand veröffentlicht.
22:51Ich habe beschlossen, wenn ich mit dem Schreiben kein Geld verdiene, dann bin ich eben arm.
22:57Schreiben ist das, was ich tue.
23:08In Finnland kann man von Buchverkäufen nicht leben.
23:11Man ist auf Stipendien angewiesen.
23:19Aber natürlich gibt es nicht ausreichend Stipendien für all die Leute, die Schriftsteller sein wollen.
23:25Man weiß eben nie, ob man eines bekommt.
23:34Wo geht es zum finnischen Stand?
23:38Der finnische Stand?
23:40Erst kommt Ebene 4C, dann Ebene 4.1.
23:48Irgendwo da muss es sein.
24:03Das alles hier ist ein notwendiges Übel.
24:11Wie Hausputz.
24:13Sauber machen bringt keinen Spaß, aber es muss sein, damit du in deinem Haus leben kannst.
24:20Zur Buchmesse gehen ist wie putzen.
24:22Du musst Interviews geben und deine Bücher präsentieren, damit sie gelesen werden.
24:28Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich lieber zu Hause und würde lesen oder schreiben.
24:33Und zwar alleine.
24:59Ich habe den Mauerhof heute mitgenommen.
25:02Das ist das neueste Mitglied meiner Stofftier-Gang.
25:05Meine Mama hat irgendwann angefangen, mir Stofftiere zu schenken, weil ich das eingefordert habe,
25:10dass ich gerne Stofftier haben will, damit ich nicht alleine auf Lesereise bin.
25:14Dann habe ich ein Schwein bekommen und ein Hase und eine Robbe und jetzt den Mauerhof.
25:22Und den nehme ich heute mal mit zur Lesung, damit er das auch mal sieht.
25:25It's just to tell you that I love you.
25:30Hallo.
25:31Ich freue mich, hier zu sein.
25:35Hi.
25:35Ich bin Silja.
25:36Caro.
25:37Ihr habt ein paar Insta ganz viel geschrieben.
25:38Ach, schön.
25:38Ich nehme dich einmal bitte da.
25:39Ich finde es bei Lesungen immer krass, wenn man über die Figuren spricht und alle oder viele
25:44Leser erinnern, die wirklich als echte Menschen wahrnehmen und man über die spricht wie über
25:49echte Menschen.
25:50Und so soll es sein.
25:51Das sind echte Menschen.
25:52Und wenn ich die auch beim Schreiben nicht mehr kontrollieren kann oder für die Entscheidung
25:56treffen kann, dann sind es gute Figuren.
26:00Dankeschön.
26:02Weißt du, was lustig ist?
26:03Vor einem Jahr warst du in Erfurt.
26:05Ich habe vorher bei der Buchmesse gearbeitet.
26:06Ja.
26:06Kannst du dich erinnern an die Lesung?
26:09Ja.
26:09Das war meine allererste Lesung.
26:11Ja, siehst du?
26:12Total verrückt.
26:13Und dann bist du so durch die Decke gegangen.
26:14Und jetzt denke ich, krass, was aus dir geworden ist.
26:17Ja.
26:17Als ich dann sagen konnte, ich bin hauptberuflich Autorin, das war der schönste Moment.
26:23Das ist so cool.
26:24Ich habe es dann auch ständig gesagt, ich bin Autorin, weil es mich so gefreut hat, dass
26:28ich jetzt vom Schreiben lebe und weil sie das erste Mal so alles richtig angefühlt hat.
26:40Ja, ich glaube, ich fange einfach jetzt mit dem Anfang an.
26:44Wer hat es denn schon alles gelesen?
26:50Ich ziehe mein Smartphone aus der Bauchtasche.
26:54Ich.
26:55Dieser marineblaue Koffer.
26:58Ich.
26:58Hat Mama den damals mit nach Frankreich genommen?
27:02Tilda.
27:03Fragezeichen.
27:04Ich schicke ihr ein Foto.
27:06Tilda.
27:07Nein.
27:08Tilda.
27:10Bist du unterwegs?
27:11Tilda.
27:12Wann kommst du an?
27:14Tilda.
27:15Ida, du kommst aber.
27:17Tilda mit ihren tausend Fragen macht mich so wütend.
27:20Ich glaube, dass ich jedes Gefühl, was meine Figuren irgendwie fühlen, in irgendeiner Weise
27:24vielleicht auch nicht in so einer krassen Ausprägung kenne, weil sonst könnte ich es, glaube ich,
27:28nicht beschreiben.
27:29Es sind natürlich oft in mancher Hinsicht irgendwie krassere Situationen oder intensivere Gefühle,
27:37aber den muss ich dann eben auch nachfühlen.
27:40Konzentriert schneide ich die Würfel ein bisschen kleiner.
27:43Als die Würfel bereits viel zu klein sind, viertel ich sie noch einmal und bringe den Satz hervor,
27:47den ich noch nie hervorgebracht habe.
27:50Meine Mama ist tot.
27:51Und Subjekt, Prädikat, Subjekt, Prädikativ, easy.
27:56Vor allem für Trauer finde ich schwierig, die richtigen Worte zu finden.
27:59Und wenn man es dann geschafft hat und abends irgendwie liest und das Gefühl hat, dass man
28:03das irgendwie so in Worte gefasst hat, dass man sagt, ja, so ist es, so fühle ich das
28:10und damit bin ich zufrieden.
28:12Dann bin ich immer so, ja, richtig erfüllt, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich
28:18mich dann auch selbst ein bisschen besser verstanden habe.
28:20Ich bin extra wegen dir aus Düsseldorf angereicht.
28:23Wirklich?
28:24Wie lange fährt man von Düsseldorf?
28:25Fünf Stunden weiter für Jahr.
28:27Wirklich?
28:28Ich habe dich ewig, ich glaube, in Düsseldorf und in Köln verpasst.
28:31Und jetzt übernachtest du hier, oder?
28:33Ja, klar.
28:34Ja.
28:35O-L-A.
28:36Genau.
28:40Das ist so, glaube ich, das Geheimrezept, einfach nicht so viel denken, nicht so viel
28:47konstruieren, einfach rauslassen, die Figuren sprechen lassen.
28:50Und ich weiß auch nicht, wie die Geschichte endet.
28:53Das weiß ich nie.
28:54Ich glaube, dann würde es mir auch keinen Spaß machen, wenn ich wüsste, worauf es hinausläuft.
28:58Und wenn ich dann am Ende bin, dann weiß ich auch gar nicht, dass es das Ende ist.
29:02Also es ist nicht so, oh, ich schreibe gerade die letzte Seite, ist gleich vorbei, sondern
29:05ich bin, oh, fuck, das ist jetzt das Ende.
Comments