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Neukoelln 1960-1990

BERLIN ERLEBEN

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00:00:01Bilder, die in Erinnerung bleiben.
00:00:04Neukölln tanzt Polonaise.
00:00:06Wir ziehen los mit ganz großen Schritten.
00:00:09Und Erwin greift der Heidi von hinten an die Schulter.
00:00:132000 Menschen feiern in der Neuen Welt das Bockbierfest.
00:00:19Da war eine Riesenrutsche von oben, von der Balustrade oben
00:00:25bis runter zum Publikum, wo alle getanzt haben.
00:00:30Da haben die Leute sich auf Säcken gesetzt.
00:00:35Und dann runter von oben nach unten. Das war wirklich toll.
00:00:39Wie sah Berlin einmal aus? Wie fühlte sich die Stadt an?
00:00:44Wir nehmen sie mit in die 60er, 70er und 80er Jahre.
00:00:50Neukölln. Freitags ist hier Lohntütenball.
00:00:53Da stand draußen der Name drauf.
00:00:56Und innen drin war das Geld.
00:00:58Was man in der letzten Woche verdient hatte.
00:01:00Zwei Mark. Riesenbeilkommen, Jochen.
00:01:04Alltag am Maybach-Ufer und Leben auf der Sonnenallee.
00:01:08Die Punker und die Punker, die passen hier nicht rein.
00:01:11Also das gehört nicht dazu.
00:01:15Erinnerungen an den alten Bezirk Neukölln.
00:01:18Neukölln an meinen Tagen war einfach cool.
00:01:20Da innen war unser Rummel.
00:01:22Buko, Britz, Rudo.
00:01:24Es gibt Orte in Neukölln, die sind schon immer da.
00:01:27Und Orte, die neu entstehen.
00:01:29Wie die Gruppiusstadt.
00:01:32Wir hatten ja alle, wir Kinder vom Bahnhof so gesehen.
00:01:35Und waren natürlich auch super neugierig.
00:01:38Sind dann da umgestromert.
00:01:41Einmalige Aufnahmen aus dem alten West-Berliner Bezirk Neukölln.
00:01:45Wir besuchen 30 legendäre Orte.
00:01:48Los geht unser Stadtspaziergang hier, an der Hasenheide.
00:02:00Kapelle, Bier und Schwof.
00:02:03Die neue Welt ist der Amüsiertempel der kleinen Leute.
00:02:07Halt Neukölln kommt am Wochenende hierher.
00:02:10Hier fährt es hier viel besser, als irgendwie in welchen Lokalen.
00:02:13Sagen wir mal, weil hier alles vertreten ist.
00:02:16Man kann sich gelockert geben und nicht so bekotzt.
00:02:18So, das finde ich schön.
00:02:20Das ist der Berliner.
00:02:22Ich kann mich so gehen, wie ich will.
00:02:24Es ist immer etwas los in der neuen Welt.
00:02:28Beliebt sind die Catch-Abende.
00:02:30Ringkampf mit Show.
00:02:31Es gibt ordentlich eins auf die Nuss.
00:02:36Der anständige Held in diesem Kampfe hat jeden Freibrief.
00:02:40Denn er ist kein König der Bösewichter,
00:02:42sondern eine ehrliche Haut wie seine Fans.
00:02:48Ich war in der neuen Welt, als ich ungefähr 16 Jahre alt war.
00:02:55Und zwar spielten da die Who.
00:02:58Und das war auch ein Erlebnis für mich gewesen,
00:03:01weil die da richtig Stimmung gemacht haben auf der Bühne.
00:03:04Nachher die Instrumente zerkloppt haben und alles.
00:03:09Beat, Rock, Pop.
00:03:11Es gibt legendäre Konzerte.
00:03:13Leider das erste Jimi Hendrix-Konzert
00:03:15habe ich dort nicht mitgekriegt.
00:03:17Der war da.
00:03:18Das habe ich erst viel, viel später mitgekriegt,
00:03:21dass er dort gespielt hatte.
00:03:24Aber ich war dort öfters zu Konzerten.
00:03:28Anfang der 80er schockt diese Schlagzeile die Neuköllner.
00:03:32Die neue Welt ist pleite.
00:03:35Es ist sehr traurig,
00:03:36dass wir uns ein bisschen hier noch wegnehmen,
00:03:39was wir noch haben.
00:03:40Für alles ist Geld da.
00:03:41Ja, bloß für uns hier, für ältere Generationen,
00:03:45ist nichts zum Tanzen mehr.
00:03:47Sie wissen nicht, wo Sie sonst hingehen sollten?
00:03:49Nee, wir wissen nicht.
00:03:51Eine Diskothek können wir nicht gehen.
00:03:53Da rufen Sie Oma raus, ne?
00:03:55Drei Jahre bleiben die Lichter aus.
00:03:58Dann geht's weiter.
00:03:59Das Traditionshaus an der Hasenheide erfindet sich neu.
00:04:02Statt Bockbierfest gibt's nun Rollschuh-Disco.
00:04:08Oh ja, neue Welt.
00:04:10Was soll ich sagen?
00:04:11Viel Liebeskummer auch natürlich, ja.
00:04:14Wenn man dann irgendwie...
00:04:15Also die Rollschuhbahn.
00:04:16Ich sag nur Rollschuhbahn.
00:04:17Da waren wir ganz, ganz oft.
00:04:19Das war total toll.
00:04:20Man hatte ja auch seinen Ando gesehen im Kino mit Olivia Newton-John.
00:04:24Und wir wollten alle Olivia Newton-John sein.
00:04:26Das wollten wir sehr oft.
00:04:28Und da war eben...
00:04:29Rollschuh-Disco war das Größte.
00:04:3180er Jahre Diskomusik.
00:04:32Das war ja meine Zeit.
00:04:33Die große 80er.
00:04:35Diskostudio 54.
00:04:37Und dann Human League immer...
00:04:39Dann zu Human League auf der Bahn gefahren.
00:04:43Dann so...
00:04:46Die neue Welt gibt es bis heute.
00:04:49Über 100 Jahre Amüsement.
00:04:54Zum Hermannplatz kommen die Neuköllner in den 60er Jahren mit der 27.
00:04:59Der Platz ist beliebt.
00:05:00Blumen, Strümpfe und belegte Brötchen gibt's hier aus dem Automaten.
00:05:06Die Automatenstraße am Hermannplatz.
00:05:08Da hatte mich meine Mutter auch öfters hingeschickt.
00:05:11Sonntags, wenn das Brot alle war.
00:05:15Da gab's so Brot, Butter und eine Wurst und alles Mögliche gab's da.
00:05:22Was man eben so in so einem kleinen Automaten...
00:05:25Da haben wir so kleine Klappen, wenn man da reinbekommt.
00:05:28War eine ordentliche Strecke, also wo dann die ganzen Automaten standen.
00:05:33Der Hermannplatz ist das Tor zu Neukölln.
00:05:36Ende der 20er Jahre wird hier ein Kaufhaus eröffnet.
00:05:40Der Slogan Großstadt, Weltstadt, Karstadt.
00:05:44Das war bekannt, das Karstadthaus, das größte Kaufhaus Europas,
00:05:51was dann im Krieg schwer Schaden gelitten hat, aber wieder aufgebaut wurde.
00:05:56Am Hermannplatz steht auf Kreuzberger Gelände,
00:06:00aber der überkragende Dachteil ragt auf Neuköllner Gebiet.
00:06:06Und deswegen haben die Neuköllner immer Wert darauf gelegt,
00:06:10zu sagen, ein Teil von Karstadt gehört auch uns.
00:06:14Am Hermannplatz kreuzen sich die U-Bahn Linien 7 und 8.
00:06:18Wer zu Karstadt möchte, muss nicht oben über den Platz.
00:06:22Es gibt einen direkten Zugang.
00:06:24Man konnte ja von der U-Bahn unten durchgehen und dann zu Karstadt rein.
00:06:29Und da war alles so schön aufgeräumt.
00:06:33Ein riesengroßer Mann, der ist mir heute noch in Erinnerung,
00:06:37der guckte über alle Läden hinweg und passte auf,
00:06:40dass keiner klaut und keiner was mitnimmt.
00:06:43Und die Sommerschlussverkäufe, die waren so ...
00:06:47Ja, die Tür ging auf und alles schurmte rein ran an die Dinger.
00:06:51Für den Neuköllner ist Karstadt etwas Besonderes.
00:06:55Hier kann man sich stundenlang aufhalten.
00:06:58Wird doch was für dich, ne?
00:07:07Die hatten so eine tolle Zoo-Handlung mit Reptilien.
00:07:10Und ich weiß noch, dass wir dann immer nach der Schule,
00:07:12wenn wir nichts vorhatten, sind wir da hingefahren
00:07:14und haben uns das wie so einen kleinen Zoo angeguckt.
00:07:17Karstadt, unser KDW halt, na klar, war immer super.
00:07:22Also erstmal ist es natürlich so eine eigene Welt.
00:07:24Damals gab es ja noch die, ich glaube, das war im ersten Stock,
00:07:26die Heimtierabteilung.
00:07:28Und da hatten sie ja unter anderem diesen wahnsinnig schönen Hyazinth-Ara,
00:07:32den man dann immer kurz vorm Feierabend
00:07:34durfte ja dann da frei fliegen auf der Etage.
00:07:37Karstadt bringt etwas weite Welt in den Kiez.
00:07:40Auf dem Hermannplatz, weitestgehend Tristesse.
00:07:45Mitte der 80er wird er 100.
00:07:47Das Fernsehen ist da.
00:07:50Hier vorne das Pflaster.
00:07:51Natürlich ist das sauber und lässt sich fegen.
00:07:54Statt der Bäume hätte man das Rauchwerk pflanzen müssen,
00:07:57damit der ganze Gestank abgehalten wird.
00:08:00Die Autos, die da am laufenden Band hier.
00:08:03Das ist und in der Mitte etwas grün.
00:08:06Etwas grün könnte ja sein, ja.
00:08:09Eine Uhr vor allen Dingen muss hier noch her.
00:08:11Die suchen wir immer.
00:08:14Neukölln, wie es einmal war.
00:08:17Wir fahren zur Cottbusser Brücke.
00:08:19Am und auf dem Landwehrkanal lässt es sich gut aushalten.
00:08:27Brigitte heißt das Fahrgastschiff.
00:08:29Es kommt von der Anlegestelle Wildenbruchbrücke in Neukölln
00:08:32und ist eines der sechs Fahrgastschiffe der Reederei Riedel,
00:08:36die auf dem Landwehrkanal in Richtung Vaueninsel,
00:08:39Wannsee, Stöbchensee und Tegel verkehren.
00:08:42Im Hintergrund die Anlegestelle Cottbusser Brücke.
00:08:46Ich kannte nur die Cottbusser Brücke,
00:08:50weil meine Mutter mal dort so eine Kaffeefahrt mitgemacht hat
00:08:55und sie hatte mich mitgenommen.
00:08:57Das ging von dieser Brücke aus.
00:08:58Daran kann ich mich noch gut erinnern.
00:09:00Ich war vielleicht im Alter von zwölf Jahren.
00:09:04Maybach-Ufer war ja schon die Grenze.
00:09:07Dann auf der anderen Uferseite hat man dann Kreuzberg.
00:09:10Und Maybach-Ufer war immer schon irgendwie schicker,
00:09:14bürgerlicher irgendwie.
00:09:15Aber auch natürlich wahnsinnig schön mit dem Kanal.
00:09:20Es ist einfach wahnsinnig schön da am Ufer.
00:09:22Die Bäume und die alten Häuser.
00:09:25Das hatte immer schon eine unglaublich schöne Atmosphäre.
00:09:31Es ist Wochenmarkt am Maybach-Ufer.
00:09:34Türkische Händler bieten Obst, Gemüse und viele Spezialitäten an.
00:09:38Für die türkischen Gastarbeiter ist der Markt ein Stück Heimat.
00:09:43Anatolien beginnt am Maybach-Ufer.
00:09:46An der Bezirksgrenze zwischen Neukölln und Kreuzberg
00:09:49ist Freitags Türkenmarkt.
00:09:50Einst war dies ein gewöhnlicher Berliner Wochenmarkt.
00:09:59Wir waren da einkaufen, weil wir ja nicht so viele damals türkische Läden hatten.
00:10:06Und die Sachen, die wir zum Kochen benötigt hatten, haben wir beim türkischen Markt gefunden.
00:10:16Und ich als Kind kann mich sehr gut daran erinnern, weil ich ja in der Türkei alle verschiedenen Obstsorten da
00:10:25hatte.
00:10:26Und zum Beispiel Wassermelone.
00:10:30Wir wollten Wassermelone, aber die gab's einfach nicht.
00:10:34Oder Sushi, Aubergine.
00:10:36Der Markt ist beliebt bei Deutschen wie Gastarbeitern.
00:10:40Das Obst darf berührt oder selbst sortiert werden.
00:10:44Niemand meckert.
00:10:45Ich habe das geliebt.
00:10:47Ich habe diese Kultur, diese kulturellen Bereicherungen, die da in die Stadt mit dazu kamen,
00:10:52habe ich als absolute Bereicherung gesehen.
00:10:55Am Maybach-Ufer findet man die berühmte Berliner Mischung.
00:10:59Das Miteinander aus Wohnen und Arbeiten.
00:11:02Immer mehr Firmen ziehen hierher.
00:11:05Jetzt herrscht in verschiedenen Stockwerken schon Hochbetrieb.
00:11:08Das Haus ist mit großen Lastenaufzügen ausgestattet.
00:11:12Jetzt sind hier schon mehr als zehn Firmen zu Hause.
00:11:14Hier wird beispielsweise in den nächsten Tagen eine Musikautomatenfirma einziehen.
00:11:20Bally Wolf hat einen guten Ruf.
00:11:23Dragon und Gloria heißen die beliebten Unterhaltungs- und Geldspielautomaten.
00:11:27Jetzt made in Neukölln.
00:11:30Von Chicago wurde sie nach Berlin verlagert, die gesamte Flipper-Produktion für Europa.
00:11:35300 Mitarbeiter sind bei Bally Wolf in Neukölln damit beschäftigt,
00:11:39die Spielsalons mit Flipper-Automaten zu versorgen.
00:11:42Das wusste ich nicht, dass da so ein doch relativ großer Betrieb ansässig war.
00:11:48Ja, das war eine Arbeitergegend.
00:11:50Richtige Arbeitergegend in Neukölln sowieso.
00:11:53Wir hatten Flipper-Automaten, der war auch immer gut besucht, muss man schon sagen.
00:11:57Der wurde dann irgendwann ausgewechselt.
00:11:59Wenn er nicht mehr so gut besucht wurde, kam halt ein neuer Flipper rein.
00:12:02Deswegen, der Automatenaufsteller hat dann seine Flipper durch die Kneipen gewechselt.
00:12:09Der Flipper ist eine typisch amerikanische Erfindung und es ist aus Amerika hier nach Deutschland gekommen. Stimmt das?
00:12:18Ja, das meint man so. Nach dem Krieg ist das ja im Rahmen der amerikanischen Welle Kaugummi, Rock'n'Roll,
00:12:25Jeans und Flipper, Coca-Cola.
00:12:26Das waren ja so typische Begriffe. Aber ältere Leute werden sich daran erinnern.
00:12:30Und dies ist eigentlich eine deutsche Erfindung, die im vorigen Jahrhundert bereits gemacht wurde.
00:12:35Über 50 Jahre werden am Maybach-Ufer Flipper-Automaten hergestellt.
00:12:40Dann zieht die Firma um nach Rudo.
00:12:43Ich bin nicht frei und ich kann nur reden.
00:12:47Neukölln, Anfang der 80er.
00:12:49Wie in anderen Westberliner Bezirken geht auch hier die Polizei hart gegen Hausbesetzer vor.
00:12:57Wir sind in der Pflügerstraße.
00:12:59Junge Leute wehren sich gegen Kaputtsanierung und Wohnraumvernichtung.
00:13:05Die sagten, das ist nicht in Ordnung, wenn hier Häuser leer stehen und wir haben keine Bleibe.
00:13:13Das war dann schon auch ein Stück Modernität aus dem Zentrum Berlins nach Neukölln.
00:13:25Das war aber nicht in dem großen Ausmaß wie in Kreuzberg.
00:13:32Senioren aus Britz besuchen die Besetzer in Haus Nummer 12.
00:13:36Man will verstehen, sich kennenlernen.
00:13:40Uns wird über Hausbesetzer so viel erzählt, dass ich einfach gemeint habe,
00:13:44man soll sich nicht nur darauf verlassen, was gerade alte Menschen von den bösen Hausbesetzern reden.
00:13:52Und so bin ich mit anderen hier in die Pflügerstraße gegangen, um mal zu sehen, was wohnen hier für junge
00:14:02Leute.
00:14:02Und sind das wirklich die bösen stinkenden Jugendlichen, wie es immer so heißt.
00:14:08Anfang der 80er ist die Idee revolutionär. Jung und alt wohnen zusammen.
00:14:14Wir möchten nämlich hier tatsächlich wohnen und leben und das soll so lebendig wie möglich sein.
00:14:20Und dazu brauchen wir auch viele alte Menschen, ältere Mitbürger, die uns also auch so aus ihren, von ihrer Seite
00:14:27was erzählen.
00:14:28Mein Gott, das ist eines von den Zimmern, dass sich die Galina eingerichtet hat.
00:14:33Guck an, das ist ja sehr schön.
00:14:35Also mir gefällt das unheimlich gut, weil dein Zimmer würde wahrscheinlich anders aussehen, wenn du das einrichtest.
00:14:40Meins sieht auch anders aus.
00:14:41Ich will ja meine Müll mitnehmen, nicht auf den Schrotthaufen schmeißen.
00:14:46Aber das finde ich gerade gut so hier in dem Haus, dass jeder seine Sachen verwirklichen kann.
00:14:53Doch es kommt anders. Aus den Plänen wird nichts. Das Haus Pflüger Straße 12 wird von der Polizei geräumt.
00:15:03Es gab damals noch nicht den politischen Ansatz, Altbauten wieder herzurichten, zu sanieren.
00:15:10Sondern damals war die Zeit, wir reißen den alten Plunder runter, bis hin, dass wir den Stuck von den Fassaden
00:15:19schlugen und machen schönen Betonneubauten.
00:15:23Das sieht man heute anders. Aber damals war das der politische Mainstream.
00:15:29Noch am Tag der Räumung beginnt der Abriss.
00:15:37Wie Kreuzberg und Schöneberg erlebt auch Neukölln Tage des Katschlags.
00:15:43In den Kneipen um die Ecke haben die Menschen andere Sorgen.
00:15:47Viele sind arbeitslos. Viele arbeiten viel und verdienen wenig.
00:15:54Neukölln, da war auf jeden Fall ein Arbeiterbezirk.
00:15:56Und was natürlich dort war, war die Kneipendichte. Die war enorm hoch.
00:16:03Also man hatte manchmal das Gefühl, dass wirklich an jeder Kreuzung vier Kneipen sind, nicht an jeder Ecke eine.
00:16:11Hohbrecht, Ecke Weserstraße. Mitte der 80er ist das Fernsehen im Kiez.
00:16:17Ziehen Sie sich gegenseitig die Kunden aus dem Laden?
00:16:20Ne, die haben meistens alle Stamm. Stammkolli.
00:16:26Es ist Freitagnachmittag, Lohntütenball.
00:16:28Doch der ist auch nicht mehr das, was er mal war.
00:16:31Die Wogen schlagen nicht mehr so hoch, obwohl das Hohbrecht-Eck um diese Zeit schon ganz gut besucht ist.
00:16:36Die Menschen wussten mit dem Begriff Lohntütenball schon etwas anzufangen.
00:16:44Ich kenne die auch noch. Da stand draußen der Name drauf und innen drin war das Geld, was man in
00:16:51der letzten Woche verdient hatte.
00:16:53Wenn ich mich in ihrem Lokal umsehe, dann stelle ich fest, es hat sich eigentlich wenig verändert.
00:16:58Sehr wenig verändert. Das ist noch genauso, wie ich es mit meinem Mann übernommen habe.
00:17:06Und ich will ja auch nicht mehr so viel reinstecken, denn es bleibt ja nicht ewig drin.
00:17:13Was hat denn bei Ihnen eine Molle gekostet vor 30 Jahren?
00:17:16Vor 30 Jahren hat sie gekostet, warte mal, Molle und Korn 40.
00:17:2228 Pfennig?
00:17:23Nee, die Zeiten sind schon vorbei. 40 Pfennig, Molle und Korn.
00:17:31Wie sah Berlin einmal aus? Wie fühlte sich die Stadt an?
00:17:38Wir sind im Kiez um Harzer, Boucher und Heidelberger Straße.
00:17:43Im August 1961 rücken Grenzsoldaten und Kampftruppen an.
00:17:48Die Stadt wird geteilt.
00:17:50Ich war 9 Jahre alt. Ich habe mitgekriegt, dass die Mauer gebaut wurde.
00:17:55Ich habe mitgekriegt, dass ich meine Oma und meinen Opa nicht mehr besuchen konnte.
00:18:00Und dass die halt auch nicht mehr zu mir konnten.
00:18:04In den Straßen fahren Möbeltransporter vor.
00:18:08Die Häuser auf Ostseite werden leergezogen.
00:18:11Die Abendschau beobachtet das Geschehen an der Sektorengrenze.
00:18:15Eine junge Frau ruft verzweifelt nach ihrer Mutter, um sie noch einmal zu sehen.
00:18:21Keiner weiß, wo die Familienangehörigen hinkommen werden.
00:18:2628 Jahre lang wird die Mauer die Stadt teilen.
00:18:30Hier Neukölln, West-Berlin, da Treptow, Ost-Berlin.
00:18:35Die Menschen lernen mit der Mauer zu leben.
00:18:38Heidelberger Straße, da war halt eben auch so ein Neubau auf der West-Berliner Seite.
00:18:45Und dann fing dahinter die Mauer an, also auf der Hälfte der Straße.
00:18:50Also war sozusagen nur noch eine halbe Straße und der Bürgersteig übrig und dahinter war die Mauer.
00:18:56Martha Blüthner wohnt seit Jahrzehnten in der Heidelberger Straße.
00:19:00Unterm Balkon ist der Todesstreifen.
00:19:04Angst habe ich öfter gehabt.
00:19:06Wenn geschossen wurde nachts, ist da einer bis zur Mauer herangekommen.
00:19:09Leider, die hatten wir von Westseite hier eine Leiter hingestellt, dass er rüber konnte.
00:19:14Aber leider ist es fehlgegangen.
00:19:17Und wenn sie den Menschen erschossen haben, dann die haben ja über die Straße rüber geschossen.
00:19:22Also der war leblos gewesen.
00:19:24Wo natürlich der Mensch dann bleibt, weiß man nicht.
00:19:26Der wird abgeholt, in den Hieb drin gesteckt und fertig ist.
00:19:29Also es ist immer unruhig gewesen hier.
00:19:32Und man hat ja manchmal irgendwie die Gedanken, weg zu ziehen.
00:19:36Aber wo soll man hinziehen?
00:19:40Ich weiß auch noch, dass ich eine Klassenkameradin hatte, die in der Oberstufe noch die direkt
00:19:47Heidelberger Straße an der Mauer gewohnt hat.
00:19:48Also sie kam aus dem Haus raus und fünf Meter weiter war die Mauer.
00:19:51Und dass wir dann mal eher zum Geburtstagsgruß auf die Mauer gesprüht haben.
00:19:56Solche Sachen konnte man halt gut machen.
00:19:58Ja, wir sind dann mit unseren Fahrrädern eben so lang rumgecruist.
00:20:02Und ja, und waren dann tatsächlich, dann war dann irgendwann stoppen.
00:20:06Dann standen wir da halt mit Vorderrad direkt an der Mauer dran,
00:20:09hat man dann eben so da hochgeguckt und ja, da war dann halt vorbei.
00:20:13Touristen verirren sich kaum in diese Ecke Westberlins.
00:20:16Und hier an der Lohmühlenbrücke in Neukölln ist die Welt wirklich zu Ende.
00:20:221988 stimmt die DDR einem Gebietsaustausch zu.
00:20:26Seit heute Vormittag kann die Brücke, die hier den Weg von Neukölln nach Kreuzberg abkürzt,
00:20:31wieder von Autos befahren werden.
00:20:32Das letzte Hindernis war ein weißes Band, genau an der Stelle, wo früher die Mauer stand.
00:20:38Nachdem der Scherenschnitt gebührenden Applaus bekommen hatte,
00:20:41fuhren dann zum ersten Mal seit 27 Jahren wieder Autos von der Harzerstraße in Neukölln zum Maibach-Ufer und umgekehrt.
00:20:48Wie finden Sie denn das, dass man jetzt mit dem Auto hier durchfahren kann?
00:20:50Wunderbar.
00:20:52Aber trotzdem finden wir es sehr schön.
00:20:55Das hätten sie schon vor ein paar Jahren früher machen können.
00:20:57Ja, und nun fehlt Wursner, dass sie hier noch, und müssten noch eine Bushaltestelle herbringen,
00:21:02für die Leute, die hier wohnen, dass sie nicht bis unten runterlaufen brauchten.
00:21:06Das wäre dann sehr schön.
00:21:08Ein Jahr später wird die Mauer fallen.
00:21:10Doch das ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
00:21:15Wir sind auf der Sonnenallee. Gute vier Kilometer Neukölln.
00:21:20Ziemlich ruhig damals.
00:21:26Ja, die Sonnenallee war eigentlich auch eine tolle Prachtstraße.
00:21:31Da fuhr die Straßenbahn auch in der Mitte.
00:21:35Welche waren das? Die 27, glaube ich, war das.
00:21:40Und tolle Geschäfte, super Straßen, die Seitenstraßen mit oben, die Häuser, die hatten Dachgärten.
00:21:49Meine, meine Schule war dort, ja.
00:21:52Dementsprechend waren auch relativ häufig dann da so.
00:21:55Aber das war, ähm, das war eine, es war einfach eine große, breite Straße mit ein paar Geschäften.
00:22:04Die Bäume auf dem Mittelstreifen sind umstritten.
00:22:07Sind sie eine Gefahr für den Verkehr?
00:22:10Gerüchte vom Abholzen machen die Runde.
00:22:14Ganz simpel, daran ist überhaupt nichts.
00:22:17Wir bedauern sehr aus Neuköllner Sicht, dass das Thema Sonnenallee, das wir seit drei Jahren von allen Seiten sehr intensiv
00:22:24betrachten,
00:22:25in den letzten Wochen auf die politische Bühne geraten ist.
00:22:28Wir sind der Meinung, dass die sehr schwierig zu lösenden Fragen der Sonnenallee ausschließlich sachlich gelöst werden sollen.
00:22:35Die Sonnenallee ist eine Lebensader von Neukölln.
00:22:3930.000 Fahrzeuge passieren sie täglich.
00:22:42Anfang der 80er steht fest, die Bäume kommen weg.
00:22:47Wie läuft Ihr Geschäft seit Baubeginn?
00:22:49Vom ersten Tag an furchtbar schlecht. Ungefähr die Hälfte Umsatz nur noch.
00:22:54Die Hälfte Umsatz?
00:22:55Nur die Hälfte, ja. Und Unkosten bleiben. Also man weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll.
00:23:0110 Prozent des sonstigen Umsatzes, weil hier überhaupt keine Haltemöglichkeit ist für unsere Autokunden.
00:23:08Die fahren alle vorbei und die Straße ist so beengt, dass auch das Publikum behindert wird.
00:23:14Und welche Konsequenzen hat das jetzt für Ihr Geschäft?
00:23:17Ja, wir haben einen enormen Ausfall.
00:23:19Mit Straßenfesten versuchen die Geschäftsinhaber, Kunden in Sonnenallee zu locken.
00:23:24Es klappt. Die Neuköllner kommen wieder.
00:23:30Wir sind in der Fulda-Straße. Der Turm der Martin-Lutter-Kirche ist weithin sichtbar. Die Kirche prägt den Kiez.
00:23:42Kantor Winfried Radecke bringt in den 70er Jahren neues Leben ins Haus.
00:23:47Im Kirchenraum findet jetzt Theater statt. Neuköllner Oper nennt sich die Gruppe.
00:23:54Adee, mein liebes Schwänzelein. Ich stech mich in mein Ränzelein.
00:24:06Etisbe, es schicket sich nicht also. Die Weiber müssen unten liegen.
00:24:12Wie erbärmlich.
00:24:14Ursprünglich war sie gedacht als ein Kontrastangebot zu den üblichen Kirchenmusiken.
00:24:18Wir erhofften uns einen stärkeren Besuch. Das war auch der Fall.
00:24:22Dass wir Musiktheater im Kirchraum machen. Nein, daran hat noch niemand Anstoß genommen.
00:24:28Die Gemeinde benimmt sich beim Theater im Kirchraum wie eine Theaterbesuchergemeinde.
00:24:34Uns klatscht selbstverständlich auch.
00:24:36Das Experiment glückt. Neukölln hat jetzt nicht nur viele Kneipen, sondern auch eine Oper.
00:24:43Die Theatergruppe wird Jahre später an die Karl-Marx-Straße ziehen.
00:24:49Panker-Pärchen, türkische Frau mit Kind. Ein neues Altarbild gefällt nicht allen in der Gemeinde.
00:24:57Es passt nicht ganz in der Kirche. Ich hätte lieber ein anderes Bild gesehen. Das Abendmahl oder die Fußwaschung oder
00:25:02so etwas.
00:25:04Was mehr so aus der Bibel kommt.
00:25:07Die Punker und die Panker, die passen hier nicht rein. Also das gehört nicht dazu.
00:25:14Nein, also diese Empörung ist bei uns unten im Dorf Rudow nicht angekommen.
00:25:24Neukölln ist West-Berlins größter Bezirk. Ur-Neuköllner, Zugezogene und Gastarbeiter sind Nachbarn.
00:25:31Lebenswelten prallen aufeinander. Eine seltene Aufnahme. Blick auf Rathaus und Karl-Marx-Straße.
00:25:41Berlins Oberschicht hat hier nie gewohnt.
00:25:45Mitte der 70er sind Jugendliche mit Kamera und Mikrofon auf der Karl-Marx-Straße unterwegs.
00:25:52Dies ist die Karl-Marx-Straße, die Hauptstraße von Neukölln.
00:25:59Was halten Sie von Neukölln?
00:26:01Von Neukölln? Ganz gut.
00:26:04Gefällt es Ihnen hier?
00:26:06Ich bin ja hier groß geworden.
00:26:07Und wie sind die Wohnverhältnisse?
00:26:09Ja, das ist ein bisschen primitiv.
00:26:11Was hat sich in letzter Zeit alles verändert?
00:26:14Auf den Türken sind eingezogen, würde ich sagen.
00:26:17Natürlich, Neukölln ist ein schöner Wohnbezirk, oder?
00:26:19Ja, jetzt schon, aber es gibt manche weiter, die in die Pfälze sind.
00:26:23Und der ist hier, oder?
00:26:25Die Karl-Marx-Straße ist die quirlige Geschäftsstraße des Bezirks.
00:26:30Manche nennen sie Avenue.
00:26:34Die Karl-Marx-Straße war die Straße überhaupt.
00:26:39Das war ja, also die alten Gebäude und was dort alles zu sehen war.
00:26:46Diese ganzen Schuhgeschäfte, stiller, leiser, Kofferpanik und so, also diese ganzen kultigen Geschäfte C und A in der Karl-Marx
00:26:56-Straße, das war für mich damals, also eigentlich fast schon wie der Kuhdamm Neuköllns.
00:27:03Und das war immer so eine Reise von Rudow dahin, war immer so das Gefühl, man fährt wirklich jetzt in
00:27:08die große, weite Welt.
00:27:10Und dort war das Hertie-Kaufhaus, Hertie, die Abkürzung von damals vom ersten Eigentümer Hermann Tietz, eine jüdische Familie, die
00:27:23dann enteignet wurde.
00:27:27Dort waren viele Bekleidungshäuser, KJ gekleidet, gut gekleidet.
00:27:35Da gab's Kino, da konnten wir einkaufen gehen. Da gab's, ja, kleine nette Läden, wo man hingehen konnte.
00:27:44Da gab's eine Querstraße von der Karl-Marx-Straße, da gab's zwei Pizzerien.
00:27:51Eine Gastarbeiterfamilie wie viele in Neukölln.
00:27:54Anfang der 70er Jahre eröffnen die Antonellis aus der Toskana ein kleines Restaurant.
00:28:01Einfach ist das nicht.
00:28:04Und hier in Berlin fühlen sich die Antonellis noch immer ein bisschen als Entwicklungshelfer.
00:28:09Und zwar gibt es auch in Neukölln mittlerweile viele italienische und andere ausländische Restaurants.
00:28:14Die deutsche Hausmannskost ist jedoch noch immer und besonders in Bezirken abseits der City ein großer Konkurrent für ausländische Spezialitäten.
00:28:22Die Antonellis haben es geschafft.
00:28:25In jahrelangen Bemühungen konnten sie auch Bulettenfans und Eisbeinliebhaber von den vielfältigen Genüssen,
00:28:31die die italienische Küche neben der schon legendären Pizza zu bieten hat, überzeugen.
00:28:37Buon Apotito. Das lernt der Neuköllner schnell.
00:28:41Das Wahrzeichen von Neukölln ist das Rathaus an der Karl-Marx-Straße.
00:28:48Neukölln ist ein vernachlässigter Bezirk, politisch vernachlässigter Bezirk.
00:28:53Ich habe mich während meiner Amtszeit immer bemüht, die Parameter zu ändern,
00:28:59habe aber dort wirklich nur ganz begrenzt Erfolg gehabt,
00:29:03weil in der großen Politik der Stadt so ein Arbeiterbezirk am Rande nicht die erste Wahl ist,
00:29:13sondern natürlich hat man sich immer da gekümmert, wo die Hochkultur ist, wo der Presseball ist,
00:29:21wo der amerikanische Präsident zu Besuch kommt und nicht in Neukölln.
00:29:29Ein Ort, den nicht viele in Neukölln kennen.
00:29:33Die Jugendarrestanstalt mit ihren 100 Zellen liegt gut versteckt hinterm Rathaus.
00:29:38Tag der offenen Tür im Café Schönstedt.
00:29:41Zum ersten Mal hat die Jugendarrestanstalt Neukölln in der Schönstedtstraße, daher der Spitzname,
00:29:45für heute die Angehörigen der hier untergebrachten jugendlichen Untersuchungsgefangenen eingeladen,
00:29:50sich mit den Haftbedingungen vertraut zu machen.
00:29:53Das konnte man immer von Hören sagen und das alleine hatte schon immer gegruselt.
00:29:58Unter Jugendlichen hat man natürlich drüber gesprochen, weil es dann natürlich immer einen gab,
00:30:04der einen kannte, der da nun eingesessen hat und für eine gewisse Zeit,
00:30:09das waren ja meistens mehr Künstlerstrafen und da wurde dann darüber berichtet
00:30:16und das hat man zur Kenntnis genommen und fand man natürlich auch ein bisschen gruselig.
00:30:23So der Gedanke, da so eingesperrt zu sein, war dann nicht so toll.
00:30:34Im Kiez ist die Freude groß. Am 12. September 1962 bekommt Neukölln eine neue Schule.
00:30:42Die größte katholische Schule der Stadt.
00:30:45Nach zweijähriger Bauzeit konnte Erzbischof Dr. Bench gestern Vormittag
00:30:50die Schulgebäude in der Donaustraße Ecke Rossäcker Straße einweihen.
00:30:54In einer schlichten Feierstunde erteilte der Erzbischof,
00:30:57der an den ersten drei Tagen dieser Woche wieder nach West-Berlin kommen durfte,
00:31:01den Schulräumen den kirchlichen Segen.
00:31:04Die Schwestern an der Schule gehörten zu dem Orden die armen Schulschwestern
00:31:08und für die Lehrerin dort waren wir ja die Kinder.
00:31:15Sie hatten ja keine eigene Familie und entsprechend liebevoll und intensiv
00:31:21haben sie sich auch für unsere Bildung interessiert.
00:31:26Das hat schon einen Unterschied gemacht.
00:31:28Natürlich war man damals auch noch mal ein bisschen strenger.
00:31:31Also es gab Zeiten, da hatte die damalige Direktorin Schwester Inigo
00:31:36plötzlich die Idee, dass sie verbieten möchte, dass wir Minirocke tragen.
00:31:40Und dann stand sie an einem Tag tatsächlich am Schultor eben an diesem,
00:31:45wir hatten ja da so ein Gitter und da stand sie und dann hat sie wirklich so gecheckt,
00:31:48wer Minirock hatte, musste wieder nach Hause gehen.
00:31:53Ich habe oft Minirocke getragen, was soll ich sagen.
00:31:56Aber ich habe denen viel zu verdanken.
00:32:00Zum Schwimmen geht's ins alte Stadtbad.
00:32:04Das Haus ist ein mächtiger Jugendstilbau.
00:32:07Wandelgänge, viele Säulen und Mosaike.
00:32:09Eines der schönsten Bäder Westberlins.
00:32:13Das war ja so ein bisschen sehr historisch alt und so.
00:32:18Und das hat mich nun eigentlich auch nicht so sehr interessiert.
00:32:22Und mein Vater ist dort manchmal hingegangen, um zu baden.
00:32:27Es gab da ja auch eben so Wannenbäder.
00:32:30Man konnte dann eben auch duschen, aber eben auch ein Wannenbad nehmen.
00:32:35Ja, das Schwimmbad war herrlich. Ich liebe das Schwimmbad da mit diesen Seehundlöwen.
00:32:40Und da kommt das Wasser da aus den Seehundlöwen.
00:32:42Und vor allen Dingen ist es ein sehr, sehr schönes altes Bad.
00:32:45Es ist halt kein Spaßbad, sondern es ist wirklich so zum Schwimmen und auch so Wellness machen.
00:32:51Als Kind fand ich es langweilig dort, weil wir hatten ja das Blubb.
00:32:55Aber als Erwachsener fand ich es immer sehr schön.
00:32:58Wie so eine kleine Oase in so einem rauen Neukölln.
00:33:03Die Pracht verblüfft. Baden wie im alten Rom, das kann man hier bis heute.
00:33:10Die Karl-Marx-Straße am Abend. An der Avenue gibt es jetzt Kultur.
00:33:16Die Theaterleute aus dem Kirchenraum sind umgezogen.
00:33:19Kantor Radecke und die Neuköllner Oper haben im Passagehaus eine neue Heimat gefunden.
00:33:25Als ich zur Schule ging, gab es die Neuköllner Oper noch nicht.
00:33:28Und das waren, ja, wie so Ruinen.
00:33:30Es waren so, ja, sehr verfallene Häuser.
00:33:33Und das hatten die Tauben für sich entdeckt.
00:33:38Allabendlicher Szenenwechsel am Eingang des Opernhauses.
00:33:41Der Geschäftsalltag in der Ladenpassage ist zu Ende.
00:33:43Das Amüsement kann beginnen.
00:33:49Vorbereitungen für Amphitrion.
00:33:52Über 50 Mitwirkende, vorwiegend Laien, legen sich für diese Opernparodie nach dem gleichnamigen Uferfilm von 1935 ins Zeug.
00:34:00Sie sind gleichzeitig Schauspieler, Sänger, Pandomimen, Bühnenbauer, Kostümbildner, Orchestermusiker.
00:34:09Ich hoffe, dass die alle hier besessen sind, die mitmachen.
00:34:13Das war so ein bisschen mal die Uridee der Neuköllner Oper.
00:34:16Und das wollen wir auch weiter pflegen, dass jeder nach Möglichkeit alles kann.
00:34:22Wir haben dann immer gesagt, wenn Touristengruppen kamen, sagen Sie mal, haben Sie eine Vorstellung, wie viele Opernhäuser hat Berlin.
00:34:32Nur ganz schlaue kamen darauf, dass es noch die Neuköllner Oper gibt.
00:34:36Das war schon ein bisschen avantgardistische Oper und sehr beliebt bei jungen Leuten.
00:34:46Also die Neuköllner Oper ist auch so etwas, was man dem Bezirk überhaupt nicht zutraut.
00:35:01Im Nachhinein, also als ich dann eben nicht mehr in der Schule war, Jahre später und da öfter mal ins
00:35:06Kino gegangen bin oder in die Neuköllner Oper, dachte ich so, boah, voll fies.
00:35:10Also wenn das damals schon gewesen wäre, wäre das natürlich sehr viel schöner gewesen, mein Schulweg.
00:35:17Im Rollbergviertel säumen Tausende die Straße. Das Radrennen ist ein Volksfest.
00:35:22110 Starter nahmen das Rennen auf, darunter Fahrer aus Holland, Schweden und dem übrigen Bundesgebiet.
00:35:28Nur selten sieht man die Pedaleure so hautnah in Aktion wie auf dem Rollbergkurs, der 50 Mal zu durchfahren war.
00:35:36Das Straßenrennen mit dem Radverein, das war natürlich auch super. Rollbergrennen nannte sich das.
00:35:43Die ganze Karmarkstraße lang und dann die Rollbergstraße hoch, über die Hermann wieder runter und dann Reuterstraße wieder rum.
00:35:51Also es war super und so viele Leute, die da standen und angefeuert haben. Das war wirklich eine schöne Zeit.
00:36:02Den Rollberg kennt in Westberlin jeder. Von hier kommt das beliebte Berliner Kindl. 1972 feiert die Brauerei Jubiläum.
00:36:15Ein Kindl entstand eigentlich mal durch einen Bayern. Und zwar ist es so entstanden, dass ein bayerischer Bierbrauer nach Berlin
00:36:23kam und zuerst das erste Bier nach bayerischer Art gebraut hat.
00:36:27Und daraus ist das uns und den Berlinern sehr beliebte Kindlpilz entstanden.
00:36:31Heute läuft der Bierausstoß wie hier im Stammhaus auf dem Neuköllner Rollberg auf vollen Touren.
00:36:3758.000 Flaschen wandern pro Stunde über das Fließband. Sie werden gefüllt, verschlossen, etikettiert und schließlich konsumiert.
00:36:46Genau, die Kindlbrauerei. Die hat mich immer geärgert. Da hatten wir ja unsere Schule, die Bodinstraße, die war ja eigentlich
00:36:56vom Rücken von der Kindlbrauerei.
00:36:59Und wenn die gebraut haben und wir haben die Fenster aufgehabt, dann hat das so eklig nach Hefe gerochen. Also
00:37:07richtig fürchterlich.
00:37:09Aus den Gullis kam Schaum, Bierschaum kam da raus. Ich weiß nicht, da müssen die dann irgendwas abgelassen haben in
00:37:19die Kanalisation. Daran kann ich mich auch noch gut erinnern.
00:37:25Aufnahmen vom Rollbergviertel Anfang der 70er Jahre. Die Häuser verfallen. Die Menschen leben in bescheidenen Verhältnissen.
00:37:34Der komplette Abriss des Viertels ist beschlossene Sache.
00:37:42Also hier in dem Haus wurde ich geboren. Und hier wohnte der Furt, Hauptmann von Köpnig.
00:37:50Natürlich schon 50 Jahre her, ja. Vor dem Ersten Weltkrieg.
00:37:56Sie doch gekannt?
00:37:57Persönlich noch. Was denken Sie, was hier vier Menschen waren? Taxen, Droschken, Pferdekutschen.
00:38:03Menschen, das war eine Volksparade hier. So war es früher.
00:38:15Dann wurde das Rollbergviertel abgerissen und eine komplett neue Siedlung aufgebaut.
00:38:23Ich glaube, man hätte es sicherlich auch vernünftig sanieren können. Das wäre wahrscheinlich besser gewesen.
00:38:31Letztendlich sind halt Leute dort, mussten raus aus den Häusern, weil die dann abgerissen wurden.
00:38:37Dann wurde denen halt die Rollbergsiedlung dorthin gebaut. Das war erstmal ganz schön.
00:38:43Aber letztendlich wollten sie ja in die sozialen Strukturen aufbrechen, was sie aber eben letztendlich nicht gemacht haben.
00:38:52Und so sieht es heute hier aus. In diesen Häusern, die im ersten Bauabschnitt fertiggestellt wurden,
00:38:58wohnen wieder fast nur Neuköllner, die auch schon vor dem Abriss hier in diesen Straßen zu Hause waren.
00:39:05Die 70er Jahre, die Neubauwohnungen waren halt nur für die Deutschen und wir durften gar nicht in die Neubauwohnung rein.
00:39:16Die sozialen Spannungen nehmen zu. Viele Deutsche ziehen wieder weg.
00:39:22Wir sind im Volkspark Hasenheide. Hier atmet der Neuköllner gerne durch.
00:39:29Aus Trümmerschutt lassen die Stadtväter eine Naturbühne bauen.
00:39:33Theater, Oper, Operette. Amüsement fürs Volk.
00:39:40Oh, wir rufen dort rum. So kennen die Axel. Verächtlich. So, so.
00:39:47Kommt, Kinderchen, kommt.
00:39:51Ja, wir waren oft, insbesondere mit meiner Mama, waren wir oft in der Hasenheide.
00:39:56Ich habe erst später erfahren, dass die Hasenheide ja ihren Namen tatsächlich da hat.
00:40:00Ja, dass da Hasen zur Jagd ausgesetzt wurden.
00:40:01And then there was this creature with the Rotwild, and we took a lot of time and took off from
00:40:10home.
00:40:11Yes, the Volkspark Hasenheide, as I lived there, I visited him and again once again.
00:40:39In the Hasenheide gibt es 1811 den ersten öffentlichen Turnplatz. Reck und Barren werden aufgestellt.
00:40:46Im damals besetzten Preußen standen hinter Sport und Spiel auch politische Ziele.
00:40:52Ging es doch um die Befreiung von napoleonischer Fremdherrschaft und um die Gründung eines deutschen Nationalstaates.
00:40:59Im Frühjahr kommen die Karussells, Festzelte und Buden. Die Maientage sind ein großes Spektakel.
00:41:07Hab Frühling im Herzen und Rummel im Sinn, gehen wir doch mal zu den Neuköllner Maientagen hin.
00:41:13Könnte man reimeslustig dies Geschehen überschreiben?
00:41:17Das war so richtig Kirmes, ja, ja, ja. Mit allem drum und dran, also was es so alles gibt.
00:41:23Also Autoscooter und so genanntes Riesenrad, was nicht so groß war, aber naja, als Kind war es schon groß.
00:41:38Und wie Geisterbahn, ja, alles was es so gibt. Zuckerwatte.
00:41:46Sensationen der Welt.
00:41:48Wir beginnen mit den ersten Sensationen auf dem Strickseil.
00:41:52Ich habe noch ganz kurz eine Bitte an diese junge Herren, die die Stricke festhalten.
00:41:58Fest und ruhig anziehen.
00:42:01Bitte kein Rucken, kein Reißen, denn der Kleinstruck könnte sonst den Artisten das Seil von den Füßen hinweg ziehen.
00:42:10Neuköllner Maientage war auch, war einfach cool, war eben, war unser Rummel, ja, war unser Rummel.
00:42:16Und mit dem, ja, auch ein Highlight waren, waren halt immer so die, diese sogenannten Marktschreier oder diese Losverkäufer so,
00:42:25ja.
00:42:25Und, ja, so die Klassiker, eine Autosroute und so weiter.
00:42:28Und es war tatsächlich noch so, dass man eigentlich wirklich, ja, stressfrei dahin konnte so.
00:42:382022 ist Schluss. Die Grünanlage soll geschont werden. Eine neue Location wird gesucht.
00:42:47Neukölln, wie es einmal war.
00:42:51Wenn am Kolumbiadamm in Neukölln zum Gebet gerufen wird, dann merkt man, der türkische Friedhof ist mehr als ein Friedhof.
00:42:59Er ist ein Stück türkische Identität in einem fremden Land.
00:43:04Erst jüngst wurde auf dem der Türkei gehörenden Gelände eine Moschee errichtet.
00:43:09Der Friedhof war einst ein Geschenk, eine freundliche Geste Preußens gegenüber dem Osmanischen Reich.
00:43:16Ein Großteil der Berliner Muslime lebt in Neukölln.
00:43:20Moschee und Friedhof sind wichtige Orte.
00:43:24Den Friedhof gibt es seit 1866.
00:43:28Das ist die Älteste, genau. Ja, aber es gibt da keinen Platz.
00:43:33Aber sehr viele werden ja auch in die Heimat überführt.
00:43:39Der 120 Jahre alte türkische Friedhof ist zwar pittoresk, aber längst übervoll.
00:43:44Nach islamischem Verständnis darf ein Grab nicht angetastet werden und die alten, noch aus Zeiten preußischer Könige stammenden Gräber beweisen
00:43:53dies.
00:43:53Wenn die Angehörigen nach islamischem Ritus den Toten gewaschen und in den schlichten Brettersack gebettet haben,
00:44:00dann können sie ihn nicht, wie eigentlich üblich, selbst bestatten.
00:44:05Denn der Leichnam wird in die Türkei verfrachtet, weil nur dort für alle Zeiten ein ungestörtes Grab vorhanden ist.
00:44:14Im Sommerbad nebenan gibt es an schönen Tagen kaum einen freien Platz.
00:44:19Rutsche und Sprungturm sind die Renner. Das Gedränge ist groß.
00:44:27Dort habe ich dann letztendlich schwimmen gelernt und bin sogar dann einmal vom drei Meter gesprungen.
00:44:35Hat ein bisschen Überwindung gekostet. Oder war das sogar fünf Meter gewesen? Ich glaube, es war fünf Meter.
00:44:40Aber da hatte ich natürlich so manchen Sonnenbrand bekommen.
00:44:46Ab und zu hatten wir frei von der Schule, aber wir haben unseren Eltern nicht Bescheid gegeben,
00:44:53dass es eigentlich früher Schluss ist. Wir sind heimlich in Kolumbia-Bad gewesen und haben da geschwommen.
00:45:02Wann kletterst du denn da oben rum, sag mal? Was hältst du vom Bademeister?
00:45:05Ja, was will man da weiter zu sagen? So, Jans Juth tut auch bloß seine Pflicht.
00:45:14Wenn sich nicht dran hält, muss eben damit rechnen, dass er sich entweder hinsetzen muss oder aus dem Bad raus.
00:45:21Also Bademeister erstmal grundsätzlich, das ist, wie wir leider wissen, leider nicht mehr so.
00:45:25War ja auch eine Instanz. Das gesprochene Wort war Gesetz quasi.
00:45:32Aber es gab eben auch den schönen Umstand, dass es im Kolumbia-Bad kurz vor Badeschluss quasi
00:45:38dann immer die Durchsage kam, in 20 Minuten ist Badeschluss, die Papiersammler jetzt zum Bademeister.
00:45:43Ja, und dann sind wir halt so mit Papierzangen über die Rasenflächen gelaufen, haben dann praktisch so die Hinterlassenschaften der
00:45:51Besucher eingesammelt
00:45:52und haben dafür dann wiederum auch eine Freikarte bekommen.
00:45:57Erinnerungen an den alten Bezirk Neukölln. Wie sah Berlin einmal aus? Wie fühlte sich die Stadt an?
00:46:09Im Schiller-Kiez ist es ziemlich laut.
00:46:13Der Flughafen Tempelhof, die Flugzeuge, die sind da relativ nah drüber gestartet und gelandet.
00:46:21Dadurch dieser ganz innerstädtische Flughafen, da hat man damals noch eine Menge von mitbekommen.
00:46:30400 Starts und Landungen am Tag erschüttern vor allem die Häuser an der Oderstraße bis in die Grundmauern.
00:46:36Bei Windstille müssen vollbeladene Maschinen, um eine längere Startbahn zu haben,
00:46:40auch Sicherheitsgründen direkt vom Zaun an der Oderstraße starten.
00:46:43Auf Touren laufende Propeller und Düsen befinden sich dann etwa 30 Meter von den ersten Häusern entfernt.
00:46:49Der Schall startender und landender Maschinen wird beim Überfliegen der Häuserschluchten wie ein Echo verstärkt.
00:46:55Als die Bögen 727 hier das erste Mal eingesetzt wurde,
00:46:59die Bögen stand ungefähr 100 Meter Abstand von unserem Haus oder Straße 46.
00:47:05Und ich hatte mich mittags gerade hingelegt, um etwas zu schlafen, weil ich noch sehr krank war.
00:47:11Als die Triebwerke einsetzten, da flog mir der Dreck sprichwörtlich im Bett um die Ohren.
00:47:17Abgerissene Zweige, Käfer, Sand und Staub von den Bäumen.
00:47:21Wenn hier der Wind draufsteht, dann können wir die Fenster und die Türen zahlen.
00:47:25Der Gestank ist scheußlich.
00:47:28Viele Jahre kämpfen die Anwohner um Lüfter und schalldichte Fenster.
00:47:33Doch mit dem Gestank und dem Krach müssen sie noch Jahre leben.
00:47:36Erst 2008 schließt Tempelhof.
00:47:40Wir bleiben im Kiez.
00:47:42Im Eisstadion an der Oder-Straße kann sich jeder austoben.
00:47:47Eishockey, Eisstock schießen, Eis laufen.
00:47:50Das Angebot ist groß.
00:47:51Die Neuköllner kommen gern hierher.
00:47:57Die Flugzeuge flogen um noch drüber und wir sind dann da Eis gelaufen. Das war sehr schön. Das hat auch
00:48:05da gefehlt in der Stadt.
00:48:07Heute ist Eisfasching. Neukölln schlittert in die tollen Tage.
00:48:11Für mich war die Eisbahn immer Horror.
00:48:14Wenn es hieß, wir gehen zur Eisbahn, ich sage, einfach diese Schlitzschuhe anziehen.
00:48:18Dann gehst du dahin mit deinen kleinen Schülchen und tack, tack, tack auf die Eisbahn.
00:48:22Und dann alle fahren sofort los. Ja, alle noch nie gefahren.
00:48:25Ich sage, wieso können die das?
00:48:27Schlitzschuhfahren ist für mich eher so ein traumatisches Erlebnis.
00:48:31Tatort Eisstadion Neukölln. Mittwoch, 19.30 Uhr. Letzte Handgriffe.
00:48:41Die Eisdisco ist der letzte Schrei.
00:48:45Ich glaube, man kann sich das heute nicht mehr so vorstellen, aber wir hatten eben ja keine Computer, keine Handys,
00:48:52das gab es alles nicht.
00:48:53Das heißt, man hat sich zu Tode gelangweilt, wenn man nicht irgendwo hingegangen ist und eben Sachen erlebt hat.
00:48:58Und man wollte auch einfach eben andere Leute kennenlernen, auch nicht nur die aus der eigenen Klasse, sondern eben coolere
00:49:07Leute.
00:49:07Und die fand man dann vielleicht in der Eisdisco oder auch nicht.
00:49:16Unsere nächste Station ist die Städtische Frauenklinik im Mariendorfer Weg.
00:49:22Die Klinik hat einen ausgezeichneten Ruf.
00:49:26Vom Umtausch ausgeschlossen sind diese netten kleinen Pakete.
00:49:30Und selbst wenn es erlaubt wäre, niemand würde sie umtauschen.
00:49:35Das ist Astrid.
00:49:366,5 Pfund schwer, 51 Zentimeter lang, ganz wie sich's gehört.
00:49:41Vielleicht wird sie einmal misswählt oder bekommt den Nobelpreis, wer weiß.
00:49:45Auf jeden Fall ist sie schon heute eine viel beachtete Persönlichkeit.
00:49:49Das 2000. Kind, das in diesem Jahr in der Neuköllner Frauenklinik geboren wurde.
00:49:56Verehrte Frau Werner, im Namen des Bezirksamts Neukölln darf ich mir erlauben, Ihnen die herzlichsten Glück- und Segenswünsche auszusprechen.
00:50:04Da gratuliert sogar Bürgermeister Lasse und der stolzen jungen Mama.
00:50:08Ich bin geboren im Neuköllner Krankenhaus.
00:50:11War ich echte Neuköllnerin, ja.
00:50:15Geboren bin ich im Krankenhaus Neukölln, Mariendorfer Weg.
00:50:18Das Krankenhaus Neukölln hat über weite Bereiche Abteilungen gehabt, die wegweisend waren.
00:50:28Ich erinnere nur an die Geburtsmedizin und an die Perinatalmedizin, die im Krankenhaus Neukölln von Professor Saarling entwickelt wurde.
00:50:40Die Geburtsmedizin hat ihren Ursprung auf der Welt im Krankenhaus Neukölln.
00:50:50Professor Saarling ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Geburtshilfe.
00:50:55Mehr als 60.000 Babys erblicken unter seiner Leitung das Licht der Welt.
00:51:00Einige überleben nur dank seines Einsatzes.
00:51:04Es ist jene unersättliche Neugierde des Professor Erich Saarling, der durch seine Fetalblutanalyse und seine Fruchtwasserspiegelung
00:51:11erstmals Zugang zum ungeborenen Leben fand, damit zum Pionier der perinatalen Medizin wurde
00:51:17und der jetzt hier als Klinikchef die seelische Seite des Kinderkriegens unter die Lupe nehmen will.
00:51:23Ich bin eben tatsächlich auch da zur Welt gekommen.
00:51:26Also ich weiß jetzt nicht, ob meine Mama quasi schon davon, ob sie schon Nutznießerin war sozusagen.
00:51:33Anfang der Nullerjahre wird die Klinik geschlossen. Es sollen Wohnungen entstehen.
00:51:43Wir sind im Körnerpark. Eine Anlage, die man so nicht in Neukölln vermuten würde.
00:51:50Es ist wie so ein Traum. Du kommst da an zwischen den Häusern und dann baut sich dieser Park aus.
00:51:55Das ist wie so eine andere Welt. Das ist wie so, wie das Paradies.
00:52:00Diese Putten, dieser Brunnen auch, dieser herrliche Brunnen da und alles in weiß und sprüht so.
00:52:07Und dann ein Traum. Also da habe ich mich immer sehr wohl gefühlt im Körnerpark.
00:52:12Das war eigentlich auch so wie ich, so barock, so puntig.
00:52:15Der Körnerpark ist ja eine alte Kiesgrube. Und diese Grube hat der damalige Kiesgrubenbesitzer Körner dem Land Berlin vermacht.
00:52:28Seine Kiesgrube ließ er auf eigene Kosten zu einer Parkanlage umgestalten, zum Nutzen und zur Freude seiner Mitbürger.
00:52:36Einige Säulenbalustraden wurden nach dem Kriege nochmals repariert.
00:52:40Inzwischen wuchert das Gras durch die Terrassenstufen und die Seitenmauern zerbröckeln.
00:52:46Hinter den hochgewölbten Fenstern der Orangerie lagern behelfsmäßig die Arbeitsgeräte und Kehrmaschinen des Gartenbauamtes.
00:52:54Und neben primitiv modernen Sitzgelegenheiten aus Beton und Plastik stapeln sich wie nutzloser Schrott
00:53:01die zum Teil durchaus noch wiederverwendbaren Gusseisengerippe einstiger Parkbänke.
00:53:08Trotz leerer Kassen wird die Anlage saniert. Die Neuköllner kommen jetzt wieder gern in ihren Körnerpark.
00:53:16Die Orangerie ist ein Ort für Kunst und Kultur.
00:53:20Bildhauer und Maler Markus Lüppertz richtet sich im Nordflügel Atelierräume ein.
00:53:27Eine Schrift am Haus sorgt um die Ecke für Aufsehen.
00:53:31Zum ersten Mal gibt es in der Stadt einen Billiganbieter für Sarge.
00:53:35Der SFB besucht den Sarg-Discount.
00:53:39Eines ist allen Bestattungsunternehmen gemeinsam, das Ticket für die letzte Reise ist nicht billig.
00:53:45Ein Lebender könnte dafür gut und gerne nach Amerika oder Asien reisen.
00:53:50Dort hatte ich einen Sarg bestellt für meine Mutter.
00:53:53So viel Geld hatte ich nun auch nicht gehabt.
00:53:55Dann habe ich in den Zeitungen geschaut, was es so alles gibt an Beerdigungsinstituten.
00:54:02Und dann sprang mir natürlich Sarg-Discount ins Auge.
00:54:07Und mit dem Namen Discount jetzt nur nicht so ein Problem gehabt.
00:54:11Dann hat er mir gedacht, gehst du da mal hin.
00:54:14Und dann bin ich dort hingegangen.
00:54:17Und wir sind uns dann auch schnell einig geworden.
00:54:20Nur die Rechnung, die hatten sie vergessen mir zu schicken.
00:54:23Die kamen etliche Jahre später.
00:54:26Ob er sie bezahlt hat, wer weiß.
00:54:31Zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee liegt das beschauliche Rixdorf.
00:54:36Was soll man Rixdorf sagen? Das ist alt.
00:54:39Ich sage, in Rixdorf ist Musik, weil beide wissen wir nicht.
00:54:43In Rixdorf ist Musik, Musik, Musik, da tanzt die Flotte Rieke im Ballhaus von Berlin.
00:54:51Aber ob da Musik war, weiß ich nicht.
00:54:54In Rixdorf ist Musik, Musik, Musik.
00:54:57Das böhmische Dorf ist schon ein Stück Historie.
00:55:03Dort sind die Handwerker vom preußischen König angesiedelt worden,
00:55:08als er der Auffassung war, seine Brandenburger Bürger sind zu dämlich für das Handwerk.
00:55:16Und denen muss man das mal beibringen.
00:55:18Hinter dem großen schmiedeeisernen Tor am Karl-Marx-Platz liegt der böhmische Gottesacker.
00:55:25Geschichte findet sich in Rixdorf überall.
00:55:27Wir sind ja auch noch Kutschen rumgefahren.
00:55:30Ich glaube, das ist ein Kutscher-Bestattungsunternehmen.
00:55:32Und dieser Schmied mitten auf dem Richardplatz, das ist ja so alte Bauernhäuser.
00:55:38Und ich weiß noch, damals hatte ich eine Mitschülerin, die dort gewohnt hat,
00:55:41ich glaube, in der Richardstraße, im dritten Hinterhof.
00:55:45Und da war dann plötzlich ein Bauernhof mit Kopfsteinpflaster und da waren Hühner und irgendwelche anderen Tiere.
00:55:52Viele Anwohner setzen sich für den Erhalt des böhmischen Dorfes ein.
00:55:57Albert Schönleber ist 20 Jahre Pfarrer der Brüdergemeinde. Fest verwurzelt im Kiez.
00:56:03Zentrum des böhmischen Dorfes ist das Gemeindehaus mit der Kirche.
00:56:07Brüdergemeine nennen sich diese Protestanten.
00:56:10450 Mitglieder haben sie in Berlin.
00:56:15Es war schon sehr schön und auch diese Eingebundenheit in die Gemeinde war sehr angenehm.
00:56:22Viele meiner Freunde wohnten ganz unmittelbar da.
00:56:25Mein Vater war einerseits stark natürlich eingebunden in die Gemeindearbeit mit, ja,
00:56:29die wöchentliche Predigt und Gottesdienst.
00:56:33Und dann hatte aber darüber hinaus auch sich sehr eingebracht in das Kiezleben dort.
00:56:40Auch am Richardplatz bröckelt der Putz. Die Häuser sind marode. Vieles ist kaputt.
00:56:47Rieksdorf verändert sich. Junge Leute und Gastarbeiter ziehen in die Altbauten. Toilette eine halbe Treppe tiefer.
00:56:56Deutsche mit ihren Kindern sind weggezogen und wir hatten sehr viel Wohnung da.
00:57:02Und als Migrant hatten wir keine Probleme, an die Wohnung ranzukommen.
00:57:07Ich damals habe dann die Wohnung bekommen, die ich jetzt wohne, und zwar drei Monate mietsfrei sogar.
00:57:16Die neuen Einwanderer wohnen im vorderen Teil der Richardstraße. Sie sind in diesem Bezirk inzwischen selbstverständlich.
00:57:24Nach einer Untersuchung hat bereits jede vierte deutsche Familie in Rieksdorf ausländische Freunde und Bekannte.
00:57:30Das Leben hat sich damit auch wieder nach draußen verlagert.
00:57:34Damals war auch Integration eigentlich nicht so ein Problem. Man hat darüber nicht geredet, man hat es gemacht.
00:57:38Also ich habe selber in einem Fußballverein gespielt, wo ich dann der Einzige war mit nicht türkischem Migrationshintergrund.
00:57:45Haben dann gegen eine türkische Mannschaft gespielt und ich war damals noch dunkler Haare, war Mannschaftskapitän.
00:57:51Und es war ein türkischer Schiedsrichter und beim Anstoß fing er an Türkisch zu reden.
00:57:54Und ich habe dann gesagt, nee, nee, das verstehe ich nicht, wir müssen doch schon nochmal Deutsch sprechen.
00:57:58Aber das war alles so wunderbar unproblematisch.
00:58:04Und so Parallelgesellschaften, die sich vielleicht jetzt ausgebildet haben, die habe ich damals noch nicht wahrgenommen.
00:58:12Die berüchtigte Mietskaserne Richardsburg wird Anfang der 70er Jahre abgerissen.
00:58:18Eine rote Trutzburg verschwindet.
00:58:21In den Kneipen am Richardplatz wird Rixdorfer Galgen ausgeschenkt.
00:58:27Ein schöner Likör, nicht zu süß.
00:58:31Im Sommer 1974 rücken am Ende der Sonnenallee die Bagger an.
00:58:37Die Mauer ist nicht weit. Jetzt wird hier gebaut.
00:58:43Das Großprojekt umfasst 20 Wohngebäude, die vier- bis sechsgeschossig errichtet werden.
00:58:47Das 34 Hektar große Gelände ist beiderseits tiefer gelegen als die Sonnenallee.
00:58:53Deshalb werden die Häuser nicht höher sein als die Straßenbäume.
00:58:56Diese fortschrittliche Planung ist der Ausschreibung eines Wettbewerbs auf drängendes Bundesdeutsche Architekten zu verdanken.
00:59:02Denn noch 1962 sahen die Bauträger hier die Errichtung von Punkthochhäusern vor.
00:59:07Mein Vater hatte dort, wo die Heidegg-Siedlung jetzt ist, hatte er einen Garten gehabt.
00:59:14Der musste dann da, also Kleingarten eben, der musste halt letztendlich runter.
00:59:21Der Clou, oben begegnen sich die Fußgänger, unten die Autofahrer.
00:59:25So sieht die Stadt der Zukunft aus.
00:59:29Meine beste Freundin ist 1976 dahin gezogen.
00:59:34Und als ich sie das erste Mal besucht habe, wir waren eben zusammen in der Donaustraße in der Schule,
00:59:40war das für mich, als wäre ich in einem Science Fiction.
00:59:43Ich hatte sowas noch nie gesehen. Ich war total beeindruckt und total begeistert.
00:59:49Das war für uns Kids, war das total toll, da zu spielen.
00:59:53Und wir sind da ganz viel auch immer so lang gelaufen, haben uns versteckt.
00:59:58Die Wohnungen sind anfangs begehrt.
01:00:01Viele Neuköllner haben ihre düsteren Hinterhofwohnungen satt.
01:00:05Heute ist Einzug.
01:00:08Man lernte sich kennen, knüpfte erste Kontakte und bekam dabei ganz nebenbei jene wichtigen Informationen,
01:00:15die man als neuer Mieter in einem Neubau sonst nur mühsam, einzeln, Stück um Stück,
01:00:20über die Hausverwaltung oder beim Hauswart erfragen muss.
01:00:24Vorausgesetzt man weiß, wo die Herren überhaupt zu finden sind.
01:00:26Ich darf Ihnen einen für Sie sicher ganz wichtigen Mann mit vorstellen, nämlich Herrn Hoffmann.
01:00:30Herr Hoffmann ist der zuständige Verwalter, mit dem Sie nachher zu tun haben werden.
01:00:36Sie haben sechs Jahre da gewohnt und relativ viele Leute sind weggezogen, weil es wurde umgewandelt zum Sozialbau.
01:00:46Und meine beste Freundin kommt aus einer Lehrerfamilie und die Miete war bis dahin sehr gut bezahlbar.
01:00:53Und dann wurde eben wegen Sozialbau, wurde so berechnet nach dem Einkommen, wie viel man zahlt.
01:00:58Und dann gab es eine so krasse Mieterhöhung, die hätten fast das Doppelte zahlen müssen.
01:01:04Und da sind natürlich viele dann weggezogen.
01:01:06Jahre später übt der Architekt selbst Kritik.
01:01:09Er habe Wohnklosetts mit Kochnische gebaut.
01:01:15November 1989.
01:01:16Das ist der Grenzkontrollpunkt in der Sonnenallee im Süden Berlins am Treptower Park, kurz nach Mitternacht.
01:01:24Ein Wiedersehen von Berlinern aus Ost und West.
01:01:27Tausende haben den Grenzübergang blockiert und feiern auf beiden Seiten, wenn man so will, eine persönliche Wiedervereinigung.
01:01:36Noch vor Stunden war für die Ost-Berliner die Welt hier zu Ende. Jetzt geht es Richtung Kudamm.
01:01:43Freiheit!
01:01:48Ich fahre zum ersten Mal im Travant. Ich bin aus West-Berlin und habe nur das Auto gesteuert. Der Fahrer
01:01:52läuft hinter mir.
01:01:55Sind Sie das erste Mal da?
01:01:56Ich bin das erste Mal da, ja. Ich gehe mal früher wieder arbeiten.
01:02:00Und was sagen Sie?
01:02:00Einmal frei. Absolut.
01:02:02Bis in die frühen Morgenstunden wird am Grenzübergang Sonnenallee gefeiert.
01:02:07Eine Riesenparty. So ein Tag, so schön wie heute.
01:02:14Bilder wie diese gehören jetzt in die Geschichtsbücher.
01:02:18Viele Jahre zerschneidet die Mauer die Sonnenallee.
01:02:214,5 Kilometer liegen in Neukölln, 400 Meter in Treptow.
01:02:26West-Berliner dürfen die Sektorengrenze mit dem PKW passieren.
01:02:36Am Übergang Sonnenallee in Neukölln, der auch mit Kraftfahrzeugen benutzt werden kann, hatte die Abfertigung ebenfalls schon vor 7 Uhr
01:02:43begonnen.
01:02:43Bis 17 Uhr hatten hier 471 West-Berliner die Mauer passiert.
01:02:48Die BVG hatte von Tempelhof zu diesem Übergang eine besondere Buslinie eingerichtet.
01:02:53Ich glaube, das können Sie heute niemand mehr erklären.
01:02:57Dass da Riesenschlangen standen von Autos, dass die Leute da ihre Passierscheine vorzeigen mussten, um dann durchgelassen zu werden und
01:03:09und und und und.
01:03:09Aber das hatte sich sehr schnell eingespielt und das war in relativ kurzer Zeit geübtes Leben.
01:03:20Wir sind zum Teil zu Fuß über den Grenzübergang Sonnenallee gegangen, später dann viel mit dem Auto.
01:03:25Und das war der Grenzübergang, der für uns der nächste dran war und da unsere Verwandten in Köpenick gewohnt haben,
01:03:34war das auch der, wo wir halt am leichtesten dann rüber konnten.
01:03:38Das war Routine, aber für mich immer befremdlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich es als Kind nicht verstanden
01:03:44habe, warum wir auf dem Rückweg aussteigen mussten.
01:03:48Es war nachts, es wird die Rückbank vom Fahrzeug hochgeklappt, es wurde mit Spiegeln unterm Auto nachgeguckt, Kofferraum musste aufgemacht
01:03:55werden und das habe ich als Kind nicht verstanden.
01:03:57Meist bleibt es am Grenzübergang ruhig. Keine großen Vorkommnisse.
01:04:03Mitte der 80er bekommt West-Berlin ein neues Spaßbad. Das Blub in Britz ist eine Riesenattraktion.
01:04:16Sie haben es also tatsächlich geschafft, die Bauarbeit der Ingenieure, Architekten in 11,5 Monaten dieses 44 Millionen Objekt zu
01:04:23erstellen.
01:04:24Es gibt eine Menge hier zu sehen, das können wir mit der einen Kamera natürlich alles gar nicht einfangen.
01:04:28Oh, das Blub, also über das Blub könnte ich tausend Geschichten erzählen.
01:04:33Das Blub ist natürlich, das war ja irre, dieses Badeparadies, irgendwie in Britz, also wirklich auch am Stadtrand und da
01:04:40kam ganz Berlin hin, um dort zu baden.
01:04:43Das Blub war ganz toll, als es eröffnet wurde, es gab ein Wellenbad.
01:04:47Alle, die in Berlin aufgewachsen sind in den 80ern, die haben halt Erinnerungen ans Blub.
01:04:54Und das Blub ist der Geruch von Chlor, das Design auch, also die Architektur war total, ich glaube es war
01:05:01damals extrem modern.
01:05:04Berlin blubst vor Vergnügen. Mit diesem Slogan wirbt das Berliner Luft- und Badeparadies.
01:05:14Allein in den ersten Monaten kommen tausende Besucher.
01:05:18Und da kommt sie, die hunderttausendste Besucherin des Blub, eine 18-jährige Schülerin aus Spandau.
01:05:24Die lange Fahrt nach Britz hat sich gelohnt, denn als Präsent gab's eine Dauerkarte.
01:05:29Sie hat den halben Tag im Bad ohne Verletzungen überstanden und das scheint nun auch die Regel geworden zu sein.
01:05:3514 Tage, nachdem ein türkischer Junge fast ertrunken wäre, ist die Zahl der Unfälle drastisch gesunken.
01:05:42Seither regelt diese Leuchtturmampel an der langen Rutschbahn den Verkehr.
01:05:48Die Reifenrutsche, die war krass. Da gab's immer Staunen, da gab's so komische Bremsblöcke auf dieser Rutschbahn.
01:05:57Und ich weiß noch, wir haben uns alle die Knie aufgeschlagen und zack, zack sind raufgefahren.
01:06:02Aber es hat irgendwie oben keiner mitbekommen oder die Leute haben gesagt, ist egal ob rot oder grün, wir rutschen.
01:06:08Ja, das war wirklich, na das Blub.
01:06:13Neukölln hat eine neue Attraktion. Doch allzu lange gibt es sie nicht. 2002 macht das Blub wieder zu. Schade.
01:06:23Neukölln, wie es einmal war.
01:06:28Faszinierende Aufnahmen von der Hufeisensiedlung. Viel Grün, viel Luft.
01:06:33Die Architekten wollen den düsteren Mietskasernen etwas entgegensetzen.
01:06:37Darauf kann man schon stolz sein. Ja, das ist etwas, was nicht jede Stadt aufzuweisen hat.
01:06:45Das ist ja somit die erste richtige Arbeitersiedlung, die in Berlin von den Gebrüdern Taut entworfen wurde.
01:06:54Mein Vater ist in der Hufeisensiedlung groß geworden und ist auch dort zur Schule gegangen, ganz in der Nähe.
01:07:02Und dadurch war das sowieso ein Bereich, der von meinen Eltern an mich halt sehr nah herangetragen wurde.
01:07:09In der Onkel-Bräsig-Straße blühen die Bäume. Mit dem Mauerbau ist Werder weg. Die Neuköllner feiern jetzt ihr eigenes
01:07:20Baumblütenfest.
01:07:23Ein Gedenk blühender Zeiten in Werder an der Havel mag Oma, während sie am Obstwein nippt, vielleicht ein wenig melancholisch
01:07:31zumute sein.
01:07:32Die Früchtchen, die Enkel genießen das hier und heute. Wenn's nur gut kandiert ist.
01:07:42C'est la vie, würde der Franzose sagen. Aber hier ist nicht Frankreich, hier ist Britz.
01:07:48Und da sagt der Frühling, vorausgesetzt er wäre Berliner. Sehen Sie, da bin ich.
01:07:55Das war Standardprogramm. Durch die Straße mit den ganzen unglaublich tollen Kirschblütenbäumen, wo alles rosa war und wo ich heute
01:08:06noch hinfahre, um's mir anzugucken.
01:08:08Ich hab das geliebt. Also überall die ganzen Straßen, rosa und weiß. Ich liebe eigentlich rosa und weiß.
01:08:16An Amüsement fehlt es nicht. Die Abendschau ist jedes Jahr dabei.
01:08:21An beiden Osterfeiertagen findet vormittags zwischen 10 und 12 Uhr ein großes Eiersuchen statt.
01:08:27Ausgeschenkt werden auch wieder über 20 verschiedene Sorten Obstwein und Obstsekt.
01:08:33Was machen wir? Das Wetter ist gut. Come on, Frühling, zack, Britzer, Baumblütenfest.
01:08:38Und stimmt, aber eigentlich wird da ganz schön viel gesoffen. Das haben wir damals nicht mitbekommen. Wir waren sehr unschuldig
01:08:44und süß.
01:08:47Das glauben wir gern.
01:08:49Im September 1963 ist ganz Britz auf den Beinen.
01:08:56Mit der heutigen Einweihung der Strecke zwischen Grenzallee und Britz sind 16,7 Kilometer neue U-Bahn-Strecke nach dem
01:09:03Krieg fertiggestellt.
01:09:07Schmetternde Musik empfing heute Morgen die Arbeiter, die an diesem Bau beteiligt waren.
01:09:11Bau-Senator Schwedler dankte den Männern für ihr Werk und lud sie dann nach alter Berliner Tradition ein,
01:09:17als Erste mit dem neuen Zug über die Bahnhöfe Parchimer Allee und Blaschko Allee die etwa drei Kilometer lange Strecke
01:09:23abzufahren.
01:09:24Es gibt Wurstchen, Schrippe und viel Lob vom Regierenden Bürgermeister.
01:09:31Ich begrüße Sie und sage Ihnen unseren Dank. Das gilt für die Verkehrsplaner, die Leiter der öffentlichen Verkehrsunternehmen, die Ingenieure,
01:09:44Techniker, Vertreter der Tiefbauunternehmen,
01:09:47alle, die hier gearbeitet haben, auf die eine oder andere Weise.
01:09:53Britz ist der Großstadt ein Stückchen näher. Bis zum Hermannplatz sind es nur noch zehn Minuten.
01:10:01Wir sind am Gutshof in Britz. Gutspark und Gutshaus sind etwas in die Jahre gekommen.
01:10:11Das Gutshaus war ein Kinderheim, betrieben eigentlich nahtlos nach dem Zweiten Weltkrieg.
01:10:22Und dieses Kinderheim war in Betrieb etwa bis Anfang der 80er Jahre, Mitte der 80er Jahre.
01:10:31Dann ist es eingestellt worden und dann ist das Gutshaus wiederhergestellt worden.
01:10:36Das Guts, bestehend aus einem Verwaltungsgebäude, einem Pferde- und einem Ochsenstall, ist baulich in einem miserablen Zustand
01:10:43und wird nun vom Landeskonservator für insgesamt 1,3 Millionen Mark restauriert.
01:10:51Nach der Fertigstellung soll hier unter anderem ein Heimatmuseum des Britzer Bürgervereins einziehen.
01:10:57Da gibt es auch einen Damensalon. Gibt es da auch einen richtigen Damensalon.
01:11:01Das ist noch so 18. Jahrhundert. Das ist auch sehr, sehr schön. Das ist eigentlich auch so mein Schloss.
01:11:07Es gibt ganz viele Kleinode in Neukölln, die man nicht erwartet.
01:11:12Und eins davon ist das Schloss Britz mit dem wunderschönen Garten dahinter, wo auch jetzt noch viele Veranstaltungen stattfinden.
01:11:25Das ist einfach toll. Also wenn man da Lust hat, Berlin nochmal von einer anderen Seite zu entdecken, kann ich
01:11:32das wirklich nur empfehlen.
01:11:33Und diese alten Dorfkerne zu besuchen, das kann man in ganz Berlin machen. Überall findet man da Perlen.
01:11:42Und wir haben früher immer gesagt, das ist das einzige Ensemble, was so komplett erhalten ist.
01:11:49Mit Feuerlöschteich, mit Dorfschule, mit Kirche, mit Herrenhaus und mit Gutshof, also den Arbeitsplätzen.
01:12:01Und das gibt es nirgendwo anders.
01:12:04Die Republik schaut auf Neukölln. Im April 1985 wird in Britz die Bundesgartenschau eröffnet.
01:12:13Der Süden der Stadt legt sich mächtig ins Zeug. Gärten, künstliche Seen, eine Parkeisenbahn.
01:12:20Die Buga soll Freude in die ummauerte Stadt bringen.
01:12:27Der Berliner freut sich.
01:12:30Was da geplant ist, wissen Sie da näheres?
01:12:32Ich weiß, wo sie hinkommen. Ich freue mich, dass wir überhaupt mal so ein Zentrum hier kriegen.
01:12:36Denn wo soll ich als Großstädter hin?
01:12:38Ich kann ja nur in einem Grunewald, da sind die anderen schon da, wenn ich in Neukölln wohne.
01:12:41Die Fahrzeit ist so weit und da ich in Neukölln wohne, bietet sich das an.
01:12:45Sie würden dann auch spazieren gehen?
01:12:46Ja, auf alle Fälle.
01:12:48Und als sie das eingerichtet haben, war das so eine Mondlandschaft.
01:12:51Und wir sind dann da über ins Horn geklettert und haben dann diese Mondlandschaft da erkundigt.
01:12:55Es hat sich dann schon vieles auch so entwickelt in der Zeit, wo man dachte, ja, das geht hier irgendwie
01:13:00insgesamt in den Bezirken in die richtige Richtung.
01:13:02Park und Seen bieten den Berlinern ganz neue Freizeitmöglichkeiten.
01:13:09Große Träume im Mini-Format auf dem See der Bundesgartenschau.
01:13:12Denn dieser See ist das ganz neue Trainingsgebiet des Modelljachtclubs Berlin.
01:13:18Günter Völz, der zweite Vorsitzende des Vereins.
01:13:21Ja, dieser Sport, wir sehen das als Sport, sind auch im Deutschen Seglerverband.
01:13:26Wir haben auf so einen See seit langem gewartet.
01:13:30Wir haben sonst immer Schwierigkeiten mit den Anglern oder dass man solchen See gar nicht benutzen kann.
01:13:36Aber hier hat man ja fantastische Möglichkeiten geschaffen.
01:13:39Das Buga-Gelände ist ein beliebter Erholungsort für die Westberliner.
01:13:44Nach fünf Jahren wird der Park umbenannt, in Britzer Garten.
01:13:51An schönen Sommertagen tummeln sich hier zwischen 30.000 und 50.000 Großstädter.
01:13:56Trotzdem findet der Einzelne noch immer ein paar stille Winkel, die nicht überfüllt sind.
01:14:04Wir konnten ja nicht ins Umland fahren.
01:14:06Und das war den Westberlinern schon sehr bewusst, diese Begrenzung.
01:14:12Und deswegen hatte die Buga eine ganz große Bedeutung für uns, weil es so ein wirklich großer Raum war mit
01:14:19Natur.
01:14:21Zum Buga-Gelände gehört die alte Holländer-Mühle.
01:14:24Ja, das war aber auch immer ein Einkampf, diese Mühle zu erhalten und zu sagen, lasst ja die Finger von
01:14:34diesem Bauwerk.
01:14:36Es ist ja die einzige Windmühle hier bei uns, wo tatsächlich auch noch das Gewerbe des Windmüllers erlernt werden kann.
01:14:47Zusammen mit anderen hat sie Piet Leo, ein Müller aus Holland, wieder in Schwung gebracht.
01:14:53Was passiert denn hier mit der Britzer Mühle, wenn Sie nach Holland zurückgehen?
01:14:57Ich bin dran, hier in Berlin acht Leute auszubilden. Drei Engländer und vier Berliner.
01:15:04Melitta Pasler kennt die Mühle seit Kindertagen.
01:15:08Als Kind mit meinem Papa auf dem Moped eben an dieser Mühle vorbeigefahren, die noch vom Krieg kaputt war.
01:15:16Und hat mir das immer irgendwie leid getan mit der Mühle.
01:15:19Und deswegen hat es mich interessiert, dass die wieder repariert wird.
01:15:23Und das wollte ich eben auch von Grund auf mitmachen.
01:15:27Wir waren ja ungefähr zehn Leute, die das alle mitgemacht haben.
01:15:32Und auch noch eine andere Dame, die Susanne.
01:15:36Die Engländerin Susanne Smith wird jetzt die Verantwortung für die Britzer Mühle zusammen mit den anderen Jungmüllern übernehmen.
01:15:44Susanne Smith, zu Deutsch Schmidt, 33 Jahre alt, war Zahntechnikerin.
01:15:49Die ursprünglich nur als Hobby gedachte Ausbildung machte ihr so viel Spaß, dass sie jetzt den Beruf wechselte.
01:15:55War eine super Zeit.
01:15:57Und meine Kinder, die sind nach der Schule zur Mühle gekommen, die haben hier gelebt wie auf dem Lande.
01:16:05Und haben dann unten Schularbeiten gemacht.
01:16:08Also das war eine ganz, ganz tolle Zeit.
01:16:11Die Mühle ist längst restauriert.
01:16:14Sie malt wieder.
01:16:21Die Gute 27.
01:16:24Anfang der 60er Jahre fahren auf Westberlins Straßen noch Straßenbahnen.
01:16:29Die Linie 27 bringt die Bukower zum Hermannplatz und zurück aufs Dorf.
01:16:38Na, Bukow war weit weg.
01:16:41Also ich bin ja Rudower und war da auch immer stolz drauf.
01:16:47Und wir jungen Leute aus Rudow haben uns recht wenig in Bukow aufgehalten,
01:16:57weil Bukow war eigentlich noch toter als Rudow.
01:17:02Also da wusste man nicht so richtig, was man da sollte.
01:17:09Berlins Dörfer haben einen schweren Stand.
01:17:12Straßen durchbrachen die Dorfauen.
01:17:15Hoffig behaupteten sich nur die aus Feldsteinquadern gefügten Gotteshäuser.
01:17:19Bukow im Südosten besitzt eine der frühesten Kirchen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts,
01:17:25als das Berliner Land kolonisiert und christianisiert wurde.
01:17:28Die Welt ist hier noch in Ordnung, sagen viele.
01:17:33Wir sind in der Gropiusstadt. Licht, Luft, Sonne.
01:17:38Die Hoffnungen in diese Großraumsiedlung sind groß.
01:17:43Auf den Feldern am Neuköllner Stadtrand wird Anfang der 60er Jahre zum letzten Mal die Ernte eingefahren.
01:17:49Dann kommen die Bagger.
01:17:52Westberlin baut für die Zukunft.
01:17:54Dass das mehr als ein Schlagwort ist, beweisen neue Straßen, schnelle U-Bahn-Linien,
01:18:00gesunde Wohnungen und moderne Siedlungen.
01:18:02Sie ist nicht nur eines der größten und modernsten Wohnungsbauprojekte Europas,
01:18:07sondern vor allem ein guter Beweis für den Lebenswillen der geteilten deutschen Hauptstadt.
01:18:12Wir sind 1971 dort eingezogen und wir hatten unsere Möbel über Schutt und Schlamm da reingetragen.
01:18:22Ganz schicke Häuser. Also wir waren so begeistert.
01:18:25Also ich bin in der Gropiusstadt aufgewachsen und die ganze Gropiusstadt war voll mit jungen Menschen.
01:18:33Es waren so viele Kinder dort überall. Es waren Grünanlagen, Spielplätze.
01:18:38Wir haben ganz viel Leben draußen auf der Straße gehabt, haben uns da getroffen.
01:18:43Von der Gropiusstadt gibt es sogar Ansichtskarten.
01:18:47Viele wollen hier eine Wohnung. Eigenes Bad, eigener Balkon.
01:18:52Doch bald gibt es Probleme.
01:18:54Es führte ja auch zu Umsiedlungen der Bevölkerung aus Kreuzberg, aus der Innenstadt Neuköllens, raus in die Gropiusstadt.
01:19:02Es wurden natürlich auch die sozialen Verhältnisse aus Kreuzberg, aus Innern-Neukölln mit nach draußen gebracht.
01:19:13Wir hatten ja alle, wir Kinder vom Bahnhof, so gesehen und waren natürlich auch super neugierig, sind dann da rumgestromert,
01:19:20haben auch mal versucht, in einem von diesen ganz hohen Häusern in den Fahrstuhl zu kommen und sind hochgefahren und
01:19:28so, weil wir das einfach wissen wollten.
01:19:31Dass Christiane F. dort gekifft hat oder ihre Drogenkarriere begonnen hat, das war irgendwie damals schon auch irgendwie aufregend,
01:19:38weil das immer so ein Warnschuss war. Vorsicht! Drogen! Gropiusstadt! Bäm!
01:19:45Die Anwohner kämpfen gegen das zweifelhafte Image. Die Kirche bietet Kinderbetreuung, es gibt Gesundheitsberatung und Nachmittage für Senioren.
01:19:57Beliebter Treffpunkt ist das Gemeinschaftshaus.
01:20:02Hier ein Blick in ein Restaurant mit Barbetrieb. Wie uns der Geschäftsführer versicherte, werden die Preise dem mittleren und nicht
01:20:08dem ganz prall gefüllten Portemonnaie angepasst sein.
01:20:12In einem Bauteil sind Jugend- und Altenclub zwar getrennt, aber eben doch unter einem Dach untergebracht worden.
01:20:17Hier ein Blick in das Tonstudio, das übrigens wie alle Räumlichkeiten schon heute von zahllosen Kindern und Jugendlichen belagert wurde.
01:20:26Im Haus proben die Gropius-Lerchen. Das Singen kommt gut an. Die Abendschau ist bei einer Probe dabei.
01:20:37Inzwischen gibt es drei Chöre. Die Gropius-Lerchen, den Jugendchor Gropis und eben den Gropius-Chor mit 65 Mitgliedern.
01:20:45Der Freude am gemeinsamen Musizieren stand die soziale Aufgabe dieses Chores dabei niemals im Weg.
01:20:52Am Ende war das eine wirkliche große Chorschule, die von Bernhard Jahn gegründet und geführt wurde.
01:21:00Und wir haben ganz viele Veranstaltungen gemacht. Wir haben in Europa andere Chöre besucht in anderen Ländern und es haben
01:21:09uns Chöre besucht.
01:21:10Und für mich war das ein ganz großer Teil meiner Jugend.
01:21:17Mit Berlin Berlin schaffen es die Gropius-Lerchen in die Hitparade.
01:21:25Berlin Berlin Berlin war damals für uns sehr überraschend, wie sich das entwickelt hat.
01:21:38Dann ist es zur 750-Jahr-Feier mehrfach aufgeführt worden. Wir waren dann eine Gruppe von sechs Mädchen eigentlich, die
01:21:46das aufgeführt haben,
01:21:48die eben auch mal bei der Abendschau oder in der Hitparade dann auf dem Wannsee auftreten konnten.
01:21:54Das war sehr lustig. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Und das hat dann im Endeffekt richtig viel Spaß gemacht.
01:22:02Die Hochhäuser Neu. Die Gegend Kahl. Was ist die Zukunft der Siedlung am Rande der Stadt?
01:22:11Neukölln. Wie es einmal war. Wir sind in Rudow. Als Anfang der 70er Jahre der U-Bahnhof Rudow eingeweiht wird,
01:22:19gibt es keinen großen Bahnhof.
01:22:21Die Feierlichkeiten sind bescheiden.
01:22:24Zu den ersten Fahrgästen auf dem in poppigen Farben gehaltenen Bahnhof Rudow gehörte dieses junge Paar, das hier seine Spanienreise
01:22:31begann.
01:22:32Ihren Fahrgast war der Neuköllner Bürgermeister Dr. Stückeln, der dem Fahrer des Zuges ein kleines Präsent überreichte.
01:22:38Der Blumenstrauß kam von einer glücklichen BVG-Benutzerin, die nun mit der neuen Linie in 17 Minuten am Hermannplatz oder
01:22:45in 35 Minuten am Kurfürstendamm sein kann.
01:22:48Wie Britz und Buko füllt sich Rudow nach Land an. Es gibt Reitturniere und Wettbewerbe der Kleintierzüchter. Neukölln ist hier
01:22:58ziemlich weit weg.
01:23:01Also zum Beispiel in Rudow hätte ich nicht holen wollen. Also das war mir schon damals irgendwie so ein bisschen
01:23:07kleinbürgerlich spießig.
01:23:08War das jetzt nicht wie die Menschen, die dort wohnen, aber ich wollte da nicht hin.
01:23:14Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir eine große Rivalität zum TSV Rudow hatten damals und immer gegen
01:23:19die verloren haben.
01:23:20Es war einfach eine schöne Kindheit, eine behütete Kindheit. Und als Teenager dachte man sich irgendwann, naja, okay, Rudow ist
01:23:29ja schon so ein bisschen dörflich.
01:23:30Das hat sowas von so einer Vorstadt eigentlich, so wie bei den Amerikanern, habe ich immer gesagt, so diese Suburbs
01:23:36irgendwie.
01:23:37Und wir waren eigentlich auch so ziemlich bunte, wilde Kinder.
01:23:42Kaum ein anderer Westberliner Bezirk hat so viele Facetten wie Neukölln.
01:23:47Eben noch Dorf trifft man um Kanal und Küpeninker Straße auf große Fabriken.
01:23:54Neukölln ist Maluche. Die Abendschau ist unterwegs.
01:24:01Abseits der Röhrenlager vom Asbestzementwerk häuft sich der Großstadtschutt zur Rudower Höhe.
01:24:09Wir haben viel so auf der Rudower Höhe oder dem Dorferblick gefeiert.
01:24:13Und da ging es immer gut. Da konnte man gut abends sein. Das war schön fernab.
01:24:19Und man hat niemanden gestört und man wurde nicht sofort gesehen. Das war gut.
01:24:25Von der Rudower Höhe lässt es sich weit über die Grenze gucken.
01:24:31An der Waltersdorfer Chaussee ziehen Grenzsoldaten, Fopos und Bauarbeiter nach dem Mauerbau einen neuen Grenzübergang hoch.
01:24:40Der Flughafen Schönefeld ist nicht weit.
01:24:43Gäste aus dem Westen sollen ihn nutzen.
01:24:46Der regierende Bürgermeister ruft zum Boykott auf.
01:24:49An Takt und Gesinnung unserer Mitbürger zu appellieren.
01:24:55Ob sie einen offensichtlich aus geschäftlichen Interessen neu geschaffenen Reiseweg benutzen wollen,
01:25:04der nur im wirtschaftlichen Interesse der Zone liegt.
01:25:08Viele Westberliner nutzen den Weg.
01:25:11Die Flüge ab Schönefeld sind billig.
01:25:15Den Grenzübergang, den hatte ich dann mal benutzt, um nach Schönefeld zu kommen.
01:25:20Dann bin ich mit dem Flugzeug nach Athen geflogen.
01:25:23Hinten sind wir ja mit dem Bus eigentlich durch die Grenze gekommen.
01:25:26Und der Bus sollte uns eigentlich abholen später.
01:25:29Aber da kam keiner.
01:25:31Und dann sind wir dann den Weg bis zur Grenze gelaufen.
01:25:36War mir ein bisschen unheimlich, jetzt plötzlich dazu einfach im DDR-Gebiet zu laufen.
01:25:42Aber es gab keine Probleme an der Grenze.
01:25:45Da hat man kurz auf den Ausweis geguckt und dann konnten wir durch.
01:25:48Vor allem Gastarbeiterfamilien sind es, die von Schönefeld aus in die Heimat fliegen.
01:25:55Wenn wir in die Türkei gefahren sind in den Sommerferien, dann ganz klassisch drei Tage im Auto.
01:25:59Und es war ein Höllentrip.
01:26:01Und dann gab es aber erschwingliche Flüge von Interflug.
01:26:04So, und dann sind wir tatsächlich zu DDR-Zeiten noch einmal von, ein, zweimal von Schönefeld in die Türkei geflogen.
01:26:12Da sind wir natürlich über die Grenze.
01:26:15Und da ist immer so ein Soldat reingekommen im Bus.
01:26:19Und dann hat er erst mal die ganzen Pässe kontrolliert.
01:26:23Und irgendwie war das so, als ob man, also ich weiß nicht, man hat gedacht, man ist ein Mörder oder
01:26:31so.
01:26:32Und man wollte nur reisen.
01:26:35Unsere letzte Station.
01:26:37Viel Feld, viel nichts.
01:26:40Am Rande von Rudow eröffnet Mitte der 60er Jahre ein Autokino.
01:26:44Die feierliche Eröffnung war ein richtiges Affentheater.
01:26:48Nachdem Fernsehstar Maria Kubitschek das Band durchschnitten hatte, rollten die Wagen an den vier Kassen vorbei auf das Gelände.
01:26:55Die Bildwand ist 18 mal 37 Meter groß.
01:26:59Das war schon ein ziemliches Ding, weil es musste ja auch bis nach hinten in die letzten Reihen strahlen.
01:27:07Es wollten ja auch beim Knutschen alle was vom Film sehen.
01:27:12Ja, das hat Spaß gemacht da.
01:27:14Autokino war urplötzlich völlig normal, kam aus den USA.
01:27:22Kein Mensch kannte im dörflichen Rudow ein Autokino.
01:27:27Essen, rauchen, das war alles für uns als junge Menschen einfach totschick.
01:27:36Wir waren heute, würde man sagen, wir waren cool drauf und völlig in.
01:27:43Wir gehen zwei, drei Mal im Jahr aus Bequemlichkeit.
01:27:47Man kann bequem sitzen wie zu Hause, was essen, trinken, rohren, eventuell mal ein bisschen fummeln oder sati sein.
01:27:55Das ist so, naja, was man anders nicht kann im Kino.
01:27:58Man ist halt das alleine hier so.
01:28:01Ich gehe fast dreimal oder viermal in der Woche.
01:28:04Aber mir gefällt das hier, ich habe meine Ruhe.
01:28:06Ich kann meinen Hamburger essen, mein Bierchen trinken oder was anderes trinken.
01:28:11Was ich nicht in anderen Kölnern kann, ich kann nur meine Searrette hier im Auto rauchen.
01:28:14Bin ungestört.
01:28:15Hab keine Schreie rein um mich, wie in einem anderen normalen Kino.
01:28:18In den 80ern schließt das Autokino.
01:28:22Die langen Neuköllner Nächte sind passé.
01:28:27Neukölln, wie es einmal war.
01:28:29Nie langweilig, immer lebendig und manchmal echt anstrengend.
01:28:35Also wenn ich als Kind mal verschickt wurde und die haben mich mal gefragt, wo wohnst du da in Neukölln?
01:28:42Früher habe ich niemandem erzählt, dass ich aus Neukölln komme und heute ist Neukölln super hip.
01:28:46Alle beleiden mich.
01:28:48Ich dachte immer, nö, ich bin kein Lokalpatriot.
01:28:51Aber sobald jemand irgendwie was Negatives sagt, sage ich immer, ja okay, dann geh doch, Bitch.
01:29:15ische Musik
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