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Neukoelln HEUTE BERLIN ERLEBEN

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00:00:01Von Neukölln hat jeder ein Bild im Kopf. Wie ist es hier?
00:00:06Jeder kennt jeden, hart auf hart, jeder hilft jedem. Und das ist unsere Heimat hier,
00:00:09würde ich sagen. Ich wohne auch über meinen Laden, deswegen, ich fühle mich hier wohl.
00:00:14Drei große Hauptstraßen, angesagte Szeneviertel, manchmal echt Stress im Kiez. Wie tickt Neukölln?
00:00:26Leben pulsiert, voller Energie. Neukölln ist voller Energie.
00:00:32Es gibt grüne und ruhige Ecken, ganz schön. Nachbarschaft, ja, das existiert in Neukölln.
00:00:40Ich finde sogar viel mehr als in anderen Bezirken. Das ist auch ein Grund,
00:00:44warum ich nicht aus Neukölln wegziehen würde. 30 Dinge, wie Neukölln tickt. Wir beginnen
00:00:52unseren Stadtspaziergang am Maybach-Ufer. Freitagmorgen. Es ist Markttag am Maybach-Ufer.
00:01:01Vom Gefühl her trifft sich hier die halbe Stadt. Der türkische Wochenmarkt ist beliebt.
00:01:07Man sollte da nicht hingehen, wenn man Hunger hat und kein Geld. Weil es riecht einfach.
00:01:14Am Maybach-Ufer habe ich lange gearbeitet auf dem Markt. Ich habe Käse, Oliven, Feinkoster
00:01:19gekauft. Deswegen habe ich dazu eine ganz andere Verbindung. Auf dem Markt am Maybach-Ufer bin ich
00:01:25oft, wenn ich zum Beispiel eine Party habe, weil da ist es billig. Oder wenn Freunde aus anderen Städten
00:01:29kommen, weil ich denke mal, boah, das ist wirklich Berlin, das ist Neukölln, hier müssen wir hin.
00:01:34Zweimal in der Woche ist Markttag. Schauspielerin Anna Böttcher kommt gern zum Shoppen hierher. Ein inzwischen
00:01:41schönes Ritual. Ich wohne seit über 20 Jahren im Kreuzberg 61, was ja nicht so weit ist. Und ich liebe
00:01:53diesen Spot, weil hier verbindet sich Kreuzberg mit Neukölln. Wie immer ist das Gewusel groß. Obst, Gemüse, Snicks,
00:02:03Stoffe, alles da. Als ich hier das erste Mal war, da war das wirklich so, da hatte ich irgendwie das
00:02:11Gefühl,
00:02:11ich bin woanders. Ich bin in einem anderen Land oder ich bin eben in Ferien. Und ja, und das hat
00:02:18sich
00:02:18eigentlich nie so richtig aufgelöst, dass man, wenn man hierher kommt, hat man immer das Gefühl, man hat so,
00:02:24man ist kurz raus aus seinem Alltag. Der Stand mit den Nähwaren ist ein Muss. Meist findet sich immer etwas.
00:02:33Ich liebe diese Textilwarenhandelstände, weil ehrlich gesagt, wo kriegt man das in der Stadt? Also in den
00:02:44Kaufhäusern, aber die werden ja meist geschlossen. Also gibt's die, das fast nicht mehr. Und hier auf
00:02:48diesem Markt hat man halt so super die Möglichkeit, wenn man gerne näht und handarbeitet, hier einzukaufen.
00:02:56Der türkische Wochenmarkt ist bekannt für seine tollen Schnäppchen am Ende des Markttages. Das hat
00:03:02sich bis heute nicht geändert.
00:03:06Drei Euro war das hier. Ich hab ne 100. Zeit für eine Verschnaufpause. Ein türkischer Mokka mit
00:03:16Kardamom und ein Börek mit Spinat und Käse. Muss jetzt sein. Bester Börek der Stadt. Also herrlich. Man kann sich
00:03:26die wunderbar aufwärmen.
00:03:27Am Abend Salat dazu. Köstlich. Spitze. Lieb ich.
00:03:33Nächsten Dienstag ist Wiedermarkt am Maybach-Ufer. Wenn Zeit ist, wird Anna Böttcher wiederkommen.
00:03:50Wir spazieren weiter in den Reuterkiez. Ein Viertel mit vielen Cafés, Bars und kleinen Geschäften.
00:03:58Der Reuterkiez ist hip, weil da ist natürlich, ich sag mal, es sind junge Menschen, die dort hingezogen sind mit
00:04:05ihren Familien.
00:04:05Da sind viele Studenten und das finde ich schön.
00:04:10Früher fand ich den Reuterkiez immer cooler, weil da waren ja an Kreuzberg dran und ich hatte irgendwie das Gefühl,
00:04:15da ist mehr los.
00:04:16Aber jetzt so langsam, langsam geht bei mir im Körnerkiez auch was.
00:04:20Wie sich der Reuterkiez entwickelt hat, kann man am Schauraum beobachten.
00:04:25Das Geschäft mit den tollen Möbeln hält sich.
00:04:28Ich bin da ab und zu mal sogar vorbeigelaufen, weil die Kita unsere Kinder da um die Ecke war.
00:04:32Deswegen bin ich da regelmäßig um die Ecke Wobrechtstraße unterwegs gewesen und hab das auch gesehen.
00:04:38Fand es echt immer sehr beeindruckend, was sie da ausstellen.
00:04:41Und hab mich schon manchmal sehnsüchtigen Blickes da vorbeigeschlichen und gedacht, hm, das wäre auch toll für meine Wohnung.
00:04:50Benjamin Destino lebt seit 13 Jahren in Neukölln.
00:04:54Der Kiez ist für den Bochumer längst zu Hause geworden.
00:04:58Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem Engländer Canem Bell, verkauft er fein restaurierte Möbel.
00:05:04Anfangs eine ziemlich gewagte Idee.
00:05:06Wird das gut gehen in Neukölln?
00:05:11Schreibtische, Sideboards oder Stühle.
00:05:14Lange durchsucht er das Internet, um die alten Stücke zu finden.
00:05:18Die Möbel sind selten geworden, die wir hier haben.
00:05:21Und das bedarf auch sehr viel Geduld und Arbeit, die zu suchen.
00:05:27Und die beziehen wir allerdings tatsächlich meistens aus Deutschland und teilweise auch aus Skandinavien.
00:05:36In der eigenen Werkstatt restauriert Canem Bell die alten Möbel.
00:05:41Viel Geduld ist gefragt.
00:05:43Das Abschleifen kann eine anstrengende Arbeit sein.
00:05:48Ihre Liebe zum Retro-Charme haben Callum und Benjamin schon im Teenager-Alter entdeckt.
00:05:57Mich haben immer schon die alten Stilformen interessiert.
00:06:00Und ich finde es auch wichtig, dass man die würdigt und dass man die erhält.
00:06:04Also die meisten Möbel aus unserer Zeit, die basieren eigentlich auf den alten Designs.
00:06:10Das wissen ganz wenige.
00:06:11Und die alten Originale, die sind aber oft viel hochwertiger.
00:06:14Und ich finde es wichtig, schon allein aus Nachhaltigkeitsgründen, dass die Möbel erhalten bleiben.
00:06:23Alten Möbeln eine neue Seele geben.
00:06:26Vintage hat längst viele Fans.
00:06:31Solche Möbel haben ja immer Geschichte und so.
00:06:33Und das finde ich eine richtig coole Idee, eben das nicht wegzuschmeißen, sondern zu sagen,
00:06:39nee, wir restaurieren das, wir richten das geil her und dann hat man das nochmal 50 Jahre.
00:06:46Wir kreuzen die Sonnenallee.
00:06:48Für viele Großstadthölle.
00:06:50Für viele zu Hause.
00:06:54Sonnenallee, ja, spiegelt einfach Geschichte von Berlin, von Deutschland wieder.
00:07:02Die Möglichkeiten, die es gibt, dass Menschen zusammenkommen von unterschiedlichsten Hintergründen.
00:07:10Also die Sonnenallee hat sich sehr stark verändert.
00:07:13Wir haben in der Sonnenallee sehr viele Probleme, auch Gewaltdelikte, muss man sagen.
00:07:17Und jetzt hier fällt mir endlich überhaupt nicht, wie sich die Sonnenallee in all den Jahren verändert hat.
00:07:22Über die Sonnenallee reden alle.
00:07:25Wir schauen später hier vorbei.
00:07:27Um die Ecke, die Bäckerei Mehlwurm.
00:07:30Eine Institution im Kiez.
00:07:33Die sind super nett, die sind freundlich.
00:07:35Man kennt sich, das ist auch so ein Kiez-Gedanke.
00:07:37Also wenn ich da jeden Morgen meinen Kaffee hole, dann weiß man, wer man ist und so.
00:07:41Dann trinkt man einen Kaffee und holt ein Franzbrötchen oder ein Croissant.
00:07:45Ich habe angefangen, mich gesund zu ernähren.
00:07:49Und da bin ich auf diesen Laden gestoßen, richtig stolz reingegangen und fasziniert wieder rausgekommen.
00:07:55Weil ich habe da angefangen, mich vegan zu ernähren und auch so vollwertig.
00:08:00Vollkorn, am besten nur Sauerteigbrot, Brot mit Saaten, Kernen, Körnern etc.
00:08:06Und habe das da alles gefunden.
00:08:09Über 40 Jahre gibt es die Bäckerei in der Panierstraße.
00:08:13Der Mehlwurm ist Anfang der 80er die erste Bio-Bäckerei in Neukölln.
00:08:21Marco Loth ist schon lange dabei.
00:08:23Auch wenn heute kein Kollektiv mehr die Bäckerei führt, der Kollektiv-Gedanke ist noch da.
00:08:28Faire Löhne, gemeinsame Entscheidungen, flache Hierarchien.
00:08:35Man hat hier keinen bösen Chef.
00:08:39Und freies Arbeiten.
00:08:43Selbstbestimmtes freies Arbeiten.
00:08:45Und auch wie viel man arbeiten möchte die Woche.
00:08:49Und das ist alles lockerer und überschaubarer.
00:08:53Persönlicher.
00:08:54Die Arbeitszeiten sind viel flexibler als in anderen Backstuben.
00:09:01Wir haben eine frühe Spätschicht.
00:09:04Welche Fässer?
00:09:05Die Spätschicht.
00:09:07Kann man ausschlafen.
00:09:10Allerdings hat es soziale Nachteile.
00:09:12Wenn man ja erst spät aus oder nach Hause kommt, geht nicht mehr so viel mit noch was.
00:09:17Na ja, gut, ich bin jetzt auch 50. Und die Häuser ziehen ist dann nicht mehr. So wie früher.
00:09:25Pflaume, Walnuss und Roggenkruste sind die Renner im Mehlwurm.
00:09:31Hassan kam aus Westafrika nach Europa. An Vollkornbrot musste er sich gewöhnen.
00:09:38Vorher, ich esse es nicht. Aber jetzt eigentlich Bäcker geworden ist und den habe ich ja so entdeckt, das ist
00:09:46das beste Brot der Welt.
00:09:50Der Mehlwurm ist eine echte Kiezbäckerei. Ob Brot, Brötchen, Gebäck oder Kuchen.
00:09:56Andreas Striegnitz versucht, die Wünsche der Kundschaft zu erfüllen.
00:10:02Rund 100 Brote verlassen die Backstube am Tag.
00:10:09Unsere Brote sind ein schönes Beispiel dafür.
00:10:12In einem normalen Vollkornbrot, da ist Mehl drin, da ist Wasser drin, da ist Salz drin.
00:10:17Sauerteig. Das reicht eigentlich. Damit hat man schon ein ordentliches Brot.
00:10:20Dann kann man natürlich Sonnenblumenkern reinmachen oder Karotten geraspelt, was weiß ich.
00:10:26Aber eigentlich gehört im Brot nichts weiter rein.
00:10:29Wenn Woche der offenen Backstube ist, kann man den Bäckern über die Schulter schauen. Ganz spannend.
00:10:3930 Dinge wie Neukölln tickt. Nirgends ist die Dichte an Barbershops größer als hier.
00:10:45Ich war mit meinem Freund im Barbershop und dann wurde ihm ein Foto gezeigt.
00:10:51Möchtest du diese Frisur? Und wir haben gesagt nein. Und er kam genau mit dieser Frisur raus.
00:10:58Aber es hat auch nur 10 Euro gekostet.
00:11:01Inzwischen gibt es Barbershops ja nicht mehr nur in Neukölln, sondern wirklich auch selbst in Berlin Buch oder Karo.
00:11:07Und es werden immer noch mehr aufgemacht. Also es gibt offensichtlich auch da einen Bedarf.
00:11:12Wie viele Männerfriseure es in Neukölln gibt, zählt niemand mehr. An jeder Ecke wird rasiert und geschnitten.
00:11:19Frauen bekommen in einem traditionellen Barbershop keinen Termin.
00:11:24Wir sind immer noch auf der Panierstraße.
00:11:27Cher O'Neill hat hier den ersten queeren Barbershop der Stadt eröffnet.
00:11:33Wieso dürfen Mädchen mit kurzen Haaren nicht in einen Barbershop gehen? Das ist verboten, weil sie eben Mädchen sind.
00:11:40Oder warum müssen Männer und Frauen, die die gleiche Haarlänge haben, unterschiedlich viel bezahlen?
00:11:45Wenn du den Friseurumhang um den Körper erlegst, hast du einfach nur die Haare vor dir.
00:11:50Wieso richten wir uns beim Haareschneiden so sehr nach dem Geschlecht?
00:11:55Das Konzept kommt an. Ein Barbershop für alle. Egal welches Geschlecht, welche Sexualität.
00:12:05Der Laden rockt. Sophie ist aus dem Prenzlauer Berg gekommen.
00:12:10Ich habe in vielen Friseurläden das Problem gehabt, dass mir ausgeredet wurde, dass die Haare absollen.
00:12:16Dann hieß es immer auch, du hast schöne lange Haare und das gefällt auch den Männern.
00:12:20Und das wollte ich nicht hören. Ich wollte einfach kurze Haare haben.
00:12:23Und ich finde es auch Quatsch, dass ich für die gleiche Kurzhaarfrisur oft als Frau viel mehr bezahle als Mann
00:12:27bezahlen würde.
00:12:29Deswegen finde ich das super. Hier wird halt nicht nach Geschlecht geschnitten, sondern einfach nur nach Haar.
00:12:32Und das finde ich ein super Konzept, gerade in Berlin.
00:12:35Besuch ist da. Rosi Guffler. 40 Jahre hat die Österreicherin in Charlottenburg selbst einen Salon betrieben.
00:12:43Jetzt steht sie Schell mit Rat und Tat zur Seite.
00:12:48Ich finde, in ein Friseurgeschäft gehören Männer und Frauen rein. Das finde ich einfach schön.
00:12:56Bei mir haben drei Leute sich kennengelernt, die haben geheiratet und da war ich auch zur Hochzeit eingeladen, habe ich
00:13:02sogar die Hochzeitsfrisur gemacht.
00:13:04Umsonst, weil ich mich so gefreut habe. Ich habe ja auch so ein großes Herz.
00:13:09Mit ihrem Shop hat Che eine Marktlücke entdeckt. 11.000 Kundinnen und Kunden in vier Jahren. Nicht schlecht.
00:13:19Das ist zwar ein queerer Ort, aber wir freuen uns über jeden.
00:13:23Zu uns kommen Familien, Hetropärchen, hetero- und homosexuelle Menschen, alte Leute und Kinder.
00:13:29Die unterschiedlichsten Menschen. Jeder ist willkommen hier.
00:13:36Über 300.000 Menschen leben in Neukölln. Vielleicht Berlins buntester Bezirk. An fast jeder Ecke ein Café oder ein Restaurant.
00:13:49Also es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt. Was dein Herz begehrt, ja, es ist alles da.
00:13:55Finde ich großartig. Also verhungern tust du da nicht. Und langweilig wird es auch nicht.
00:14:00Also es ist ja eigentlich, das Angebot ist groß, sich da durchzufuttern und mal Sachen auszuprobieren.
00:14:08Wir sind in der Völlerei in der Weichselstraße. Dominik Püsche ist der Chef in der Küche.
00:14:15Jede Speise, die rausgeht, bereitet er von Hand zu. Heute stehen Spätzle auf der Speisekarte.
00:14:25Alles, was man so als Koch, als Handwerker so in der Küche macht, das machen wir alles selber.
00:14:30Weil, ja, schmeckt halt auch anders. Keine Kombinisprodukte, keine Zusatzstoffe drin, alles nur Salz, Pfeffer.
00:14:39Das, was man in der Natur findet. Und das ist halt für mich kochen und jetzt nicht hier heiß Wasser,
00:14:44Tüte auf, fertig.
00:14:47Zutaten und Mengenangaben muss er selten nachschlagen. Fast alle Rezepte hat er im Kopf.
00:14:53Ich meine, Training, Training, Training. Und über die Jahre, 30, 35 Jahre, was das jetzt ist, glaube ich, die ich
00:14:57am Herd bin, ist dann natürlich, kommt dann schon einiges.
00:15:00Man merkt sich einiges. Man entwickelt ein Gefühl mit dem Auge, mit den Händen, mit der Haptik.
00:15:05Das kommt alles irgendwann von alleine, wenn man Tag für Tag trainiert.
00:15:10Das kleine Restaurant führt er gemeinsam mit Lebensgefährtin Silke.
00:15:13Jetzt wird eingedeckt.
00:15:17Jeder hat so seine Ideen auch, was es auf der Karte gibt.
00:15:21Also, er lässt sich auch von mir mal inspirieren.
00:15:24Meine Ideen und darüber reden wir dann auch und dann beschließen eigentlich alles gemeinsam.
00:15:29Das ist unsere Idee wird.
00:15:31Das ist unsere gemeinsame Idee wird, genau.
00:15:34Mediterrane Küche mit Pfiff.
00:15:37Geschmorte Lammkeule in Portwein.
00:15:39Fisch auf Kurkumareis.
00:15:42Und ein veganes Tata.
00:15:45Lecker.
00:15:46Boah.
00:15:47Ich bin ja auch so ein Gourmet, ne?
00:15:50Also, ich kann kochen, aber nicht so kochen wie in sehr vielen Läden in Neukölln, muss ich sagen.
00:15:57Also, das ist der Hammer.
00:16:03Restaurant ist Ableitung von Restauration, wiederherstellen und Menschen wiederherstellen, die auch irgendwie 10, 12, 13, 14 Stunden arbeiten am Tag,
00:16:10gar keine Zeit haben für sich selber einkaufen zu gehen, selber hinzustellen, zu kochen.
00:16:15Und dann ist es natürlich toll, wenn man irgendwo hingehen kann und sich hinsetzen kann und sich wirklich tatsächlich restaurieren
00:16:19lassen kann, wiederherstellen kann.
00:16:22Alle zwei bis drei Wochen wechselt die Speisekarte.
00:16:26Langweilig wird's nie.
00:16:28Wir überqueren den Landwehrkanal und erreichen die Harzer Straße.
00:16:33Lange prägt die Mauer den Kiez.
00:16:35Hier Neukölln, West-Berlin, drüben Treptow, Ost-Berlin.
00:16:42Pflastersteine im Boden erinnern an diese Zeit.
00:16:47Anfang der 80er sieht es hier noch so aus.
00:16:51Das Fernsehen ist im Kiez.
00:16:54Der Fahrdamm ist zum Todesstreifen verwandelt worden.
00:16:57Die Hauseingänge im Parterre Ost wurden zugemauert.
00:17:01Die Kinder beziehen die Mauer in ihren westöstlichen Spielplatz mit ein.
00:17:05Vor wenigen Jahren standen hier noch hohe alte Bäume.
00:17:09Sie fielen dem Sicherheits- und Kontrollbedürfnis der Grenzwächter zum Opfer.
00:17:13Ich habe mit Menschen gesprochen, die sozusagen auf der Westseite in der Harzer Straße gewohnt haben
00:17:20und vis-à-vis vom Wachturm gelebt haben und sozusagen den Grenzern in das Fernrohr geguckt haben.
00:17:26Die Mauer war zwar da, du wusstest, sie ist da, aber nun ist es so, ich bin in der Hauptschule
00:17:30zur Schule gegangen.
00:17:31Also ich war jetzt auch nicht der gebildet, ich bin mit der 9. Klasse Hauptschule abgegangen.
00:17:35Die Mauer war da und wir haben also auch an der Mauer gespielt.
00:17:38Von unserer Seite war das ja möglich, auf der anderen Seite warst du gleich tot, aber die war einfach da
00:17:42gewesen.
00:17:43Und du bist auch mal hoch, hast mal rüber geguckt und hast dir das alles angesehen, aber das war Teil
00:17:47deines Lebens.
00:17:48Du hast damit überhaupt kein Problem gehabt, weil du warst in Berlin mit der Bauern geboren.
00:17:52Der Kiez heute. Schick wie in Prenzlauer Berg wird es hier wohl nie werden. Eine kleine Galerie sorgt für Staunen.
00:18:03Dieser Flauschhund, der hat meine Kinder erschreckt.
00:18:07Und das Interessante ist, von Jahr zu Jahr hat sich ihre Perspektive auf die Galerie verändert.
00:18:12Am Anfang hatten sie Schiss und sind weggerannt und jetzt mittlerweile machen sie Selfies.
00:18:17So daneben, sind halt älter geworden, auf einmal ist es interessant und machen dann halt Fotos mit diesem Hund, mit
00:18:22diesem Monster, ne, sind Monster drin, glaube ich, machen so Fotos.
00:18:27Die Schweizerin Julia Godard und der Franzose Ben Griage haben vor fünf Jahren die Galerie in der Harzer Straße eröffnet.
00:18:35Bei der Namenswahl mussten sie nicht lange überlegen. Mauer Gallery.
00:18:43Wir wollten nicht ignorieren, dass an diesem Ort früher alles verboten war.
00:18:47Wir wollten einen Ort der Freiheit schaffen, wo sich Künstler verwirklichen können und dachten, was für eine gute Idee, die
00:18:54Galerie Mauer Gallery zu nennen.
00:18:56Und der Name war frei. Also haben wir ihn genommen.
00:19:01Im Atelier nebenan zeichnen, malen, kleben und bauen sie. Die Kunst von Julia und Ben ist fröhlich und bunt. Skulpturen,
00:19:12Bilder, Animationsvideos wie Tino Pizza.
00:19:24Tino ist ein Hund, der überall sein Geschäft hinterlässt und das als Kunst verkauft. Recht typisch für Neukölln.
00:19:31What's up, LBB? Yeah, you're watching Tino Pizza. Live and direct from Neukölln.
00:19:39What's pooping?
00:19:41Inspiriert hat uns die Umgebung. Denn die Harzer Straße ist die Straße, wo der meiste Hundekot auf dem Bürgersteig liegt.
00:19:48Der meiste im ganzen Kiez. Vielleicht sogar von ganz Berlin.
00:19:56Mit ihrer Kunst wollen sie sich und anderen eine Freude machen.
00:20:01Wir haben Zwillinge und die liefern uns viel Inspiration, denn sie sind sehr lustig. Und sie sind unser erstes Publikum.
00:20:12Das ist viel mehr als ein Geschäft. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen uns.
00:20:17Von Anfang an war es immer so, dass wir den anderen mit einer guten Idee oder einem tollen Design beeindrucken
00:20:24wollten.
00:20:24Damit der andere sagt, oh, das ist so niedlich. Witzige Geschichte. Das ist die Energie hinter unserer Kunst.
00:20:34Touristen finden nur selten in den Harzer Kiez. Vielleicht wegen der vielen Hundehaufen.
00:20:41Wir sind zurück auf der Sonnenallee. Arabische Straße nennen sie viele. Ein orientalischer Laden reiht sich an den anderen.
00:20:54Ich bin 1991 geboren. Da war die Sonnenallee noch ganz anders, viel ruhiger.
00:20:59Wir haben noch auf der Straße gespielt, was heute nicht mehr möglich ist, weil überall super viele Leben sind, super
00:21:06viele Menschen.
00:21:08Es fühlt sich manchmal wie auf dem Markt an, wenn ich in die Straße da reingehe.
00:21:13Also das ist nicht mehr die alte Sonnenallee. Aber ich finde es trotzdem immer noch schön. Es ist lebhaft. Da
00:21:20passiert immer sehr viel.
00:21:21Irgendwo mag ich auch die Sonnenallee. Ich muss aber sagen, auch in sicherer Entfernung.
00:21:26Ich fahre da sehr oft mit dem Bus entlang, wenn ich nach Kreuzberg fahre und gucke dann aus dem Fenster
00:21:34und bewundere dieses Exotische und auch irgendwo Wilde, also dieses Gewusel.
00:21:43Es ist bunt. Es ist halt Neukölln. Das merkt man schon. Es ist eine große Straße, eine sehr befahrene Straße.
00:21:50Es ist auch manchmal sehr laut.
00:21:52Und wenn irgendwo demonstriert werden soll, dann wird die Straße auch ganz gerne benutzt.
00:21:57Die Silvesternacht 2022. Auf der Sonnenallee herrscht Chaos.
00:22:03In Berlin-Neukölln brannte kurz nach Mitternacht ein Reisebus.
00:22:06Als die Feuerwehr löschen wollte, traf sie nach eigenen Angaben auf eine große, aggressive Menschenmenge und wurde mit Pyrotechnik beschossen.
00:22:15Wieder einmal ist Neukölln in den Schlagzeilen. Das Neukölln, von dem alle immer reden.
00:22:22Murat Efrendilek ist mit seinem Bruder und seinen zwei weißen Katzen unterwegs. Nachmittagsspaziergang auf der Sonnenallee.
00:22:32Warum gehe ich mit denen draußen? Ich wohne im 3. Stock, habe in einer 3-Zimmer-Wohnung und die kennen
00:22:37diese Freiheit nicht.
00:22:39Und die haben Angst, wenn ich meine Tür aufmache, ich kann meine Wohnungstür aufmachen, die gehen nicht raus.
00:22:44Die gehen nur bis zur Tür, gucken in die Treppen, wenn die Menschen sehen, rennen die sofort rein.
00:22:48Und langsam, langsam versuche ich, die immer wieder in die reale Welt zu holen.
00:22:54Von seinem Stammplatz vorm Späti hat Murat einen guten Blick auf alles.
00:23:01An manchen Tagen ist die Sonnenallee ganz friedlich. An anderen Tagen ist hier die Hölle los.
00:23:11Sein Späti läuft gut. Geöffnet ist er rund um die Uhr.
00:23:16Aber natürlich gibt es auch Tage, wo du eklige Menschen musst schlucken und weiter geht. Das Leben geht weiter.
00:23:22Wenn du als Ladeninhaber, Ladenbesitzer, bei jeder Kleinigkeit dich runtersenkst, dann hast du nicht lange hier in Sonnenallee zu atmen.
00:23:31Musst du schon ein bisschen stark bleiben und schon ein bisschen was schlucken können. Das ist Sonnenallee.
00:23:34Wir haben viel gesehen. Ich bin 45 Jahre alt nebenbei.
00:23:38Bekannt ist sein Späti in ganz Berlin. Hier gibt es Süßigkeiten, die es sonst nirgendwo gibt.
00:23:44Murat bestellt in Holland und Amerika.
00:23:49Hier gibt es alles. Was du suchst, kriegst du. Außer Stress und Probleme, findest du sonst alles.
00:23:56Zum Beispiel gibt es, ich war jetzt in der Messe, in der Köln-Messe. Guck mal, das kennt die zum
00:24:00Beispiel bestimmt nicht.
00:24:02So, haben wir noch da oben ein paar.
00:24:06Ja, wisst ihr, was das ist? Kann ich mal sagen. Das ist das Maueramt, Cola, Kacha und so kennt ihr,
00:24:13aber damals noch.
00:24:14Die wurden schockgefrostet. Der Macher ist 36 Jahre alt. Der hat so krasse Ideen und so krasse Maschinen.
00:24:22Aber eben, die Produkte sind ein bisschen teuer.
00:24:25Wer wissen will, wie Neukölln tickt, sollte hier mal vorbeischauen.
00:24:30Ich könnte mir ein Leben ohne Spätis, glaube ich, gar nicht mehr vorstellen.
00:24:34Erstmal die Verfügbarkeit von Kaltgetränken zu jeder Uhrzeit, zu einem fairen Preis.
00:24:38Und es gibt auch nichts Besseres, als in so einer lauen Sommernacht vorm Späti zu sitzen.
00:24:43Und einfach die ganze Nacht da zu sitzen. Man muss keinen Eintritt bezahlen.
00:24:46Man lernt witzige Leute kennen. Das ist Berlin. Und das ist vor allem auch Neukölln.
00:25:00Drei große Hauptstraßen hat Neukölln. Sonnenallee, Hermann- und Karl-Marx-Straße. Da sind wir jetzt.
00:25:08Vom Dach der Shoppingmeile hat man einen tollen Ausblick auf Neukölln.
00:25:12Der Klunkerkranich ist eine der schönsten Rooftop-Bars der Stadt.
00:25:16Am besten, man kommt bei Sonnenuntergang hierher.
00:25:19Schöner Ort, wirklich besonderer Ort.
00:25:22Und in anderen Städten finde ich manchmal so Rooftop-Bars so ein bisschen zu...
00:25:28vielleicht spießig oder so ein bisschen posch, wie man sagen würde.
00:25:31Aber in Neukölln ist natürlich alles lässig so, auch die Rooftop-Bars.
00:25:34Ich bringe dann auch, wenn so Freunde oder Verwandte, Bekannte aus der Türkei oder irgendwo herkommen, das erste ist so,
00:25:40Klunkerkranich musst du unbedingt sehen.
00:25:42Das ist immer sehr schön, sehr faszinierend. Berlin auch mal von Neukölln aus zu betrachten. Das ist sehr schön.
00:25:50Klunkerkranich kannst du halt chillen, relaxen, Party machen. Und dann auch noch dieser Ausblick.
00:25:56Ich war letztes Jahr das erste Mal da, eine Freundin hatte Geburtstag. Ich liebe es. Ich finde diese Weitsicht extrem
00:26:02wichtig. Weitsicht ist wie Balsam für die Seele.
00:26:11Einer der schönsten Neukölln-Momente.
00:26:1630 Dinge, wie Neukölln tickt. Wie die Karl-Marx-Straße ohne Baustellen aussieht, daran kann sich kaum noch einer erinnern.
00:26:25In der Karl-Marx-Straße ist eine Baustelle, wenn man das alles umstrukturiert, also das sind ja verschiedene Bauabschnitte.
00:26:31Und man verändert ja diese Abschnitte sehr stark. Also das heißt, Parkplätze verschwinden, Radfahrwege entstehen.
00:26:39Und das braucht natürlich seine Zeit, weil die buddeln ja bis unten runter und machen alles neu.
00:26:44Auch als Fußgänger, man kann nicht mehr laufen, hier nicht, da nicht, man muss ständig die Seiten wechseln.
00:26:48Man weiß gar nicht mehr, jeden Tag ist es anders, wirklich. Also man läuft die Karl-Marx-Straße lang oder
00:26:52fährt.
00:26:52Und gestern konnte man hier noch rechts, jetzt geht es hier nicht mehr und da. Und ja, Chaos.
00:26:57Es ist Mittagszeit. Chaos ist heute nicht auf der Karl-Marx-Straße.
00:27:03Bei Krops werden die letzten Handgriffe erledigt. Gleich kommen die Mittagsgäste.
00:27:10Das war eine sehr große Herausforderung mit der Baustelle in der Karl-Marx-Straße.
00:27:17Das, ich nenn's mal mit Schlimmste war, wo uns direkt an den Gehweg ein Bauzaun gesetzt wurde.
00:27:23Allerdings keiner zum Durchgucken, sondern der war dicht.
00:27:26Und dadurch, dass der Bauzaun eben dicht war, konnten die Leute uns vom U-Bahnhof nicht sehen und dachten erstmal,
00:27:32wir haben zu.
00:27:33Als er dann nach, oh ich glaube, dreiviertel Jahr ungefähr, endlich weg war, ganz viele Kunden kamen zu uns rein
00:27:42und haben gesagt,
00:27:43ihr habt ja endlich wieder offen, ich freue mich. Nein, wir waren nie weg.
00:27:47Fast 100 Jahre gibt es das Feinkostgeschäft in der Karl-Marx-Straße.
00:27:52Trotz allen Wandels, bei Familie Krop ist es ein bisschen so, wie es schon immer war.
00:28:00Alle Läden haben sich verändert. Da war immer was anderes drin, rein, raus, Friseurladen, Bäckerei.
00:28:07Aber Krop steht seit Jahren da. Und es ist immer voll, da ist immer was los.
00:28:14Geiler Laden, also frischer Fisch. Und eben, meine Frau liebt eben Ceviche.
00:28:19Und da macht man das regelmäßig und da gibt es frischen Fisch. Und Kabel, ja, und dann kann man das
00:28:26da kaufen. Das ist ein super Laden.
00:28:28Und auch so Feinkostsalate und so, richtig cool.
00:28:31Krop Delikatessen, da laufe ich oft vorbei und denke mir so, yeah, bei Omega 3 bin ich dabei.
00:28:37Das Angebot ist lecker. Sprotte, Makrele, Forelle, Lachs und Rotbarsch.
00:28:44Manchmal bestellen Krops auch exotische Fischsorten. Doch die gehen nicht so gut.
00:28:53Experimentell machen wir mal, um was zu zeigen, was der Kunde sich anguckt und sagt, sieht interessant aus, was mache
00:28:58ich damit?
00:28:59Dann machen sie das Gleiche wie mit dem Rotwaschfilet. Toll, geben Sie mal das Rotwaschfilet, das kenne ich.
00:29:04Also sie kaufen letzten Endes eigentlich immer das, was sie kennen.
00:29:07Und am besten läuft in dem Bereich dann das Lachsfilet oder unsere Matjesfilets.
00:29:12Wenn sie die einmal probiert haben, wollen sie keinen anderen mehr.
00:29:17Ururgroßvater Erich Kropp besaß Fischereirechte am Linosee bei Rheinsberg.
00:29:21Was er hier fing, verkaufte er in seinem Laden in Neukölln.
00:29:26Heute führen Marc und Lars Kropp die Tradition fort. Ein Vater-Sohn-Gespann.
00:29:32Klar kommen mal Reibungspunkte, ob nun im Privaten oder im Geschäftlichen.
00:29:36Wir haben den Vorteil, wir können es hier austragen, wir können es zu Hause austragen, aber wir können halt immer
00:29:41über alles reden und jeder kann seine Meinung vertreten, das ist wichtig.
00:29:46Genau, da stehst du um halb sechs morgens in meinem Zimmer und dann wechseln mich, jemand ist krank, könntest du
00:29:50bitte mal.
00:29:51Ja, man muss auch die Vorteile ausnutzen, ist richtig.
00:29:55Kleiner Tipp, Scholle mit Bratkartoffeln. Sehr lecker.
00:30:01Der Rathausturm ist das Wahrzeichen vom Bezirk. Es gibt Führungen hinauf.
00:30:09Wir sind am Stadtbad in der Ganghofer Straße. Wer hier nur schwimmen will, ist verkehrt.
00:30:15Das Stadtbad ist eine prächtige Badeanstalt. Man darf staunen.
00:30:28Hohe Säunen, Wandelgänge, viele Mosaik.
00:30:31Ist ja auch so gemacht wie so eine römische Therme. Und dann war ich im kleinen Bad und das hat
00:30:37mir total gefallen, weil das so schön warm war, das Wasser.
00:30:40Da war ich so lange drin, bis mir die Finger schrumpelig geworden sind und hab das einfach genießen können, dieses
00:30:45schöne alte Bad. Also das hat was.
00:30:48Es ist so eine Oase, man denkt es überhaupt nicht. Stadtbad Neukölln, ich weiß nicht, so Schwimmbäder, Hallenbäder, das manchmal
00:30:55so ein bisschen, I don't know.
00:30:57Aber da war es wirklich so, naja, da musst du jetzt vielleicht öfter mal hingehen.
00:31:03Jeden Freitagabend trainieren Vivi von Hauschelmann und ihre Mutter Daniela Erwachsene, die ihren Schwimmstil verbessern wollen.
00:31:13Dass man Wasser gewöhnt ist und dass man schwimmen kann, sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.
00:31:17Also diese Tatsache, immer den Kopf im Wasser mithaben zu müssen und auch ins Wasser ein-, also auszuatmen.
00:31:25Einatmen über Wasser, ausatmen im Wasser und auch mal ein bisschen die Luft anhalten können ganz viele nicht.
00:31:30Der Kurs ist gut besucht.
00:31:32Gearbeitet wird an der richtigen Atemtechnik, an der richtigen Körperhaltung und an den Bewegungsabläufen beim Kraulen, Brust, Rücken und sogar
00:31:41Delfin schwimmen.
00:31:50Schön den Rücken gerade. Ja, gerade Rücken bitte. Wir wollen trotzdem die Beine hinten lang zusammen machen, nicht schon hier
00:31:58aufhören.
00:32:01Die Akustik im Bad ist nicht die Beste. Die Trainerinnen müssen laut schreien, damit sie verstanden werden.
00:32:07Man vergisst dann doch, was für einen Unterschied das Wasser macht und auch die Badekappe, die ja ordentlich nochmal das
00:32:12Ganze dämpft.
00:32:13Klar und kurz und laut. Aber böse Zungen behaupten, man würde uns im Sportbad Britz bis Rudo hören. Also von
00:32:20daher muss dann einfach auch so sein.
00:32:2445 Minuten dauert der Kurs.
00:32:28Mein Schwimmtraining ist schon sozusagen aus der Schulzeit, so vor über 30 Jahren. Und meine Vöchter schwimmen hier. Und um
00:32:36mal einschätzen zu können, was sie so leisten, habe ich das auch mal gemacht.
00:32:40Also wenn Sie unsere Trainerin fragen, dann können wir uns alle über Wasser halten, aber mit Schwimmen hat das nicht
00:32:44viel zu tun.
00:32:45Macht viel Spaß. Haben eine nette Gruppe, Freitagabend. Meistens gibt es dann auch ein kleines Feierabendbier. Von daher schon.
00:32:53Vorbild für das Stadtbad ist eine antike Therme. Eine edle Eleganz. Um die Ecke, die Neuköllner Oper. Unsere nächste Station.
00:33:09Auch schon allein der Name Neuköllner Oper. Als wenn da so zwei, also von außen gesehen, zwei Welten aufeinander prallen,
00:33:16die aber total zusammengehören. Also die Oper und der Köln, total.
00:33:19Total zeitgenössisch und für junge Leute. Und ja, hip, wie man sagt.
00:33:25Wir sind verabredet mit Eva Kuhn. Die 28-Jährige hat gerade ein neues Stück für die Neuköllner Oper komponiert.
00:33:33Es ist ihr erstes großes Theaterprojekt. Die Aufregung ist groß.
00:33:39Ich bin ein Hirn aus Silikon. Doch voller Neugier und Gefühl. Obwohl ich keinen Körper hab. Denn ich bin kein.
00:33:53Das ist furchtbar. Versuch mal. Ja?
00:33:57In dem Stück geht es um künstliche Intelligenz. Ein brandaktuelles Thema.
00:34:03Das sind jetzt diese vier verschiedenen KI-Sachen sozusagen, die aneinander gehängt werden.
00:34:08Also erst super kitschig und naja. Und dann halt so dieser Techno.
00:34:12Du musst dich jetzt nicht sklarisch an den Rhythmus halten?
00:34:14Nee, überhaupt nicht. Ich hab's nur zur Orientierung genau hingestellt.
00:34:17Nicht alle Musikparts hat sie selbst komponiert. Für einige Passagen hat sie eine KI-App verwendet.
00:34:24Verzweiflung.
00:34:26Generell würde ich nicht sagen, dass wir jetzt komplett durch die KI ersetzt werden. Das glaube ich einfach nicht.
00:34:30Weil es sind immer noch Menschen, die auf der Bühne stehen. Menschen, die Musik machen.
00:34:35Und Menschen wollen auch einfach Menschen sehen, glaube ich.
00:34:38Ich glaube, KI-Musik wird immer größer werden und immer wichtiger werden. Das glaube ich schon.
00:34:42Aber ich glaube nicht, dass sie die Menschen komplett ablösen werden.
00:34:46Christina Kemper kümmert sich um die Kostüme.
00:34:49Die Gewandmeisterin muss schneidern, nähen, Anproben betreuen.
00:34:57Das sind Figurinen von der Kostümbildnerin. Diese Jacke dort seht ihr da auf der Puppe hängen.
00:35:03Dann wird es durchgesprochen. Was muss das Kostüm können? Und dann gehen wir an die Arbeit.
00:35:10Seit 20 Jahren arbeitet sie im Haus.
00:35:13Das ist mir irgendwie passiert. Also ich hätte, glaube ich, auch Steinmetzin werden können.
00:35:18Und dann, ähm, ja, irgendwie fand ich, ich fand alles interessant. Und das hat halt irgendwie geklappt.
00:35:27Also es war nie so, dass ich dachte, boah, ja, nein, das ist meine Berufung. Oder so, nee.
00:35:34Drei große Opern gibt es in Berlin. Und diese feine, kleine.
00:35:40Wir sind in Rigsdorf. Karl-Marx-Straße und Sonnenallee sind nicht weit. Man glaubt es fast nicht.
00:35:50Rigsdorf ist eine eigene kleine Welt. Man möchte sie irgendwie umarmen.
00:35:57Boah, also, wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir, glaube ich, wünschen, eins dieser wunderschönen Häuser in Rigsdorf
00:36:03zu besitzen und da leben zu können.
00:36:06Also quasi so wie so ein kleines Dorf inmitten von einer Großstadt. Toll, wirklich.
00:36:10Wenn ich jetzt so weiter darüber nachdenke, will ich einfach nicht raus aus Neukölln.
00:36:14Und, ähm, deswegen habe ich wirklich auch Tag und Nacht eine Wohnung in Neukölln gesucht.
00:36:19Und dann habe ich die Wohnung auch in Rigsdorf gefunden. Bin super froh.
00:36:24Zum alten Schul- und Betthaus an der Richardstraße gehört ein Glockenturm und ein schöner Garten.
00:36:31Irene Baumann und Paul Patenheimer planen hier die Konzerte des Richardchores.
00:36:37Vor zehn Jahren haben sie den Chor gemeinsam mit Freunden gegründet.
00:36:41Ich habe ein paar Chore ausprobiert und dann hat irgendwie nicht so richtig gepasst.
00:36:46Bei manchen hat das Programm nicht so richtig für mich gepasst.
00:36:49Bei manchen war die Altersstruktur irgendwie, genau, vielleicht nicht so passend.
00:36:52Oder man musste ganz weit fahren. Und wir waren so, viele wohnen in Neukölln oder Kreuzberg.
00:36:57Und, ähm, ja, einfach mal anfangen, war dann so die Idee.
00:37:01Die ersten Proben finden bei Paul Patenheimer im Wohnzimmer statt.
00:37:05Doch das wird schnell zu klein. Das Interesse am Singen ist riesig.
00:37:10In der Bethlehems-Gemeinde wird er fündig.
00:37:16Und, äh, ich habe da den Pastor Krebs getroffen und ihm erzählt, was wir machen oder was wir machen wollen.
00:37:22Und es war, ist für mich bis heute eine ganz besondere Geschichte tatsächlich, dass er einfach gesagt hat, das ist
00:37:27toll, ihr könnt hier proben.
00:37:29Und, ähm, das ist für mich was ganz Besonderes, weil ich glaube, den Chor hätte es vielleicht gar nicht mehr
00:37:34gegeben, ohne so einen unkommerziellen Ort, in dem wir einfach, äh, uns ausprobieren konnten.
00:37:42Jeden Donnerstag ist im Bettsaal der Gemeinde Probe. Paul dirigiert.
00:37:49Der Letzt nochmal mit Helm A, bitte.
00:37:56Das Repertoire ist meist klassisch. Kirchliche Chorele und Volkslieder.
00:38:03Heute steht aber auch ein Lied von Wolf Biermann auf dem Programm.
00:38:08Es passt in die Zeit.
00:38:22Wir beiden sind mega frisch, 1. Februar.
00:38:25Ja.
00:38:25Also wir sind die Neuesten.
00:38:27Wir sind die Allerneuesten, ja.
00:38:28Warum habt ihr euch angemeldet?
00:38:30Weil singen Tolles.
00:38:33So einfach.
00:38:34Schöne Musik und nette Leute, das macht immer so ein sehr gutes Gefühl, wenn man am Donnerstag hier ist.
00:38:39Und, ähm, ja, mir gefällt das so im Detail, diese Zusammen-, was wir machen, zusammen singen, also zusammen Klänge erzeugen,
00:38:46ist auch so ein ganz spezielles Gefühl.
00:38:50Im Kiez gibt es heute gute Restaurants, schöne Cafés und ein paar coole Bars.
00:38:57Verschlafen ist Rixdorf nicht mehr.
00:38:59Wir schauen beim Eismacher vorbei.
00:39:02Das ist was ganz Süßes, im wahrsten Sinne des Wortes.
00:39:06Und zwar, hab ich die erst gar nicht entdeckt.
00:39:10Ich war auf dem Böhmischen Platz und denk immer, sag mal, wo kommen die Kids daher mit dem Eis?
00:39:16Das gibt's doch gar nicht irgendwo, muss ja was sein.
00:39:19Und dann bin ich denen mal hinterhergelaufen und hab dann gemerkt, wenn man um die Ecke geht, eine Eisdiele.
00:39:25Meine Tochter hat um die Ecke Bratschenunterricht gehabt und dann sind wir dann immer hinterher in die kleine Eisdiele gegangen
00:39:31und haben dann unser kleines Eis gegönnt.
00:39:35An schönen Tagen ist die Schlange ziemlich lang.
00:39:40Das ist ganz toll, das ist ein Highlight, es gibt super Eis hier und immer irgendwie bei schönem Wetter kommen
00:39:46wir dran vorbei.
00:39:47Geht irgendwie nicht anders.
00:39:48Das ist Schoko mit Schokosträuseln und der schmeckt so wie geschmilzte Schokolade kalt.
00:39:57Wir kommen ja in jeder Woche.
00:39:59Chris Ramut ist für den guten Geschmack zuständig.
00:40:03Der Eismacher von Rixdorf setzt auf die Klassiker aus der Kindheit und auf ein paar Experimente wie Johannes-Beere-Zimt
00:40:10und Strawberry-Cheesecake.
00:40:12Im Sommer läuft die Eisdiele auf Hochtouren.
00:40:18Auch für die Mitarbeiter oder für uns als Produktionsteam bedeutet das auch, dass wir halt nicht in den Urlaub fahren
00:40:25im Sommer.
00:40:26Das ist ja geblockt sozusagen, weil da ist es dann halt natürlich gefragt, dass wir halt jede Woche, jeden Tag
00:40:33da sind, um zu produzieren Eis.
00:40:35Also da können wir nicht einfach mal kurz für zwei Wochen nach Frankreich oder so.
00:40:39Die Rezepte sind geheim.
00:40:43Ins Stracciatella-Eis kommt echte belgische Schokolade.
00:40:47Darauf legt der Belgier Chris Ramut Wert.
00:40:53Nascht er ab und an bei der Arbeit?
00:40:57Ich bin eigentlich ein herzhaften Typ.
00:41:01Ja, also ich liebe herzhaftes sehr.
00:41:06In Süßmau bin ich eigentlich nicht, aber ich glaube, es ist ganz perfekt für meinen Beruf.
00:41:12Schoko, Erdbeere, Mango gibt's immer im Eisterix.
00:41:16Der Sommertag ist gerettet.
00:41:21Wie tickt Neukölln?
00:41:23Auf den Trottoirs der kleinen Seitenstraßen stapelt sich der Müll.
00:41:28Zum nächsten Recyclinghof ist es eigentlich nicht weit.
00:41:31Der Ruch vom Armenhaus Berlins kommt von Ecken wie diesen.
00:41:36Da stehen große Schilder, Schrottabladen verboten und so bei uns in der Straße mit 10.000 Euro Strafe.
00:41:41Aber das kümmert keinen.
00:41:43Die hauen da einfach ihre alten Matratzen und ihr Zeug einfach hin und keiner räumt es weg.
00:41:49Das ist schon, das ist schon glänzwertig manchmal.
00:41:53Es gibt schon immer noch Ecken, die sind auch immer noch super dreckig.
00:41:55Was mich dann wundert, ja, die Leute ziehen da hin, die Wohnungen werden irgendwie ein bisschen hipper und schicker, aber
00:42:00das bleibt noch.
00:42:01Aber ich habe mich jetzt entschlossen, da selbst Hand anzulegen.
00:42:04Also der Dreck vor unserem Haus, den mache ich weg bis zur nächsten Straßenecke, das mache ich regelmäßig.
00:42:10Der tägliche Spagat. Hier Problemkiez, da lebendiges Viertel.
00:42:17Wir sind im Körnerpark. Sanssouci von Neukölln, sagen manche.
00:42:34Der Körnerpark ist ja total abgefahren. Man denkt auf einmal, man wäre in München oder gar in Italien.
00:42:41So was Schönes, Aufgeräumtes, Ordentliches gibt es in ganz Berlin nicht.
00:42:46Also Körnerpark ist eine kleine Oase. Das ist gerade im Sommer, also da zu sitzen bei schönem Wetter, das ist
00:42:55wirklich so ein Genuss.
00:42:57Und auch spannend, dass man runter geht. Das fand ich immer sehr speziell am Körnerpark, dass er irgendwie so ein
00:43:04bisschen wie in die Erde gebaut ist.
00:43:07Sieben Meter liegt der Park tiefer als die umgebenden Straßen.
00:43:11Der Körnerpark ist ja eigentlich eine Kiesgrube. Und der Kies wurde abgebaut.
00:43:16Und als der abgebaut war, hat dann der Eigentümer praktisch diesen Park verschenkt an den Bezirk.
00:43:22Und da war das ausgehoben, also es war ein Riesenloch. Und dann hat man gesehen, was macht man damit. Kurzfassung.
00:43:28Und dann ist der Körnerpark entstanden.
00:43:30Der Park erinnert an einen Schlossgarten. Nur gibt es kein Schloss.
00:43:36Grüne Wiesen, Wasserspiele, eine entspannte Atmosphäre. Zweieinhalb Hektar Neukölln, die sich gut anfühlen.
00:43:45Wir sind in der Emserstraße. Lisa Simpson hat sich eine kleine Nähstube mit Musikstudio eingerichtet. Wie passt das zusammen?
00:43:55Aufgewachsen ist sie in Kanada und Brasilien. Seit gut zehn Jahren lebt sie in Neukölln.
00:44:04Ich wohne auf der Sonnenallee. Das ist da manchmal laut.
00:44:09Es sind viele Autos und Polizeisirenen und alles.
00:44:15Ja, aber das finde ich auch nicht. Also finde ich auch die Lautstärke von Brasilien im Vergleich zu Deutschland ja
00:44:24eh was anders.
00:44:24Deswegen alle sagen, ah, na, Köln ist so laut. Und ich denke so, geht noch.
00:44:31Ihr Atelier heißt Argentia Costura. Das bedeutet, wir nähen zusammen.
00:44:36In Workshops bringt sie anderen bei, wie man aus alten Klamotten neue Outfits schneidert.
00:44:44Unsere Tochter ist jetzt in dem Alter, wo man sagt, ey, muss man das immer alles kaufen, neu kaufen?
00:44:49Oder kauft man Secondhand? Oder nimmt man halt Papas abgetragene Sachen und näht daraus einfach eine Hose?
00:44:57Das haben wir uns mal überlegt. Wir haben so eine Nähmaschine gekauft.
00:45:00Ich bin der Falsche dafür. Aber meine Frau hat durchaus ein Faible dafür.
00:45:09Aus alt mach neu. Upcycling heißt dieser Trend. Das Ziel ist klar. Weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu Weiterverwendung.
00:45:19Auch ihre eigene Garderobe peppt Lisa auf.
00:45:22Das ist hier eine Weste, die aus einer Hose genäht ist. Oder auch Jacken aus Hosen.
00:45:29Aus Jeanshosen. Da waren hier so die Beine, dann wären dann Ärmel.
00:45:36Jetzt wird die Nähstube zum Studio.
00:45:39Mit kleinen eingebauten Mikros und Loopgeräten in der Nähmaschine erzeugt Lisa Simpson elektronische Klänge.
00:45:57Mit ihrer Nähmaschinen-Performance tritt sie in Galerien und Clubs auf.
00:46:05Das geht auf jeden Fall um dieses Empowerment auch von Frauen, auch das verstärkte Handarbeit dann auf die Bühne zu
00:46:12bringen als so feministischer Ansatz.
00:46:14Nicht nur diese Hausfrauen, die genäht haben, sondern ja auch die ganzen ArbeiterInnen, die dann in der Fabrik immer noch
00:46:22arbeiten und unsere Kleidung herstellen und sind da auch sehr schlecht behandelt.
00:46:27Und das will ich ja auch mit der Performance thematisieren.
00:46:31Einmal im Jahr öffnen Neuköllns Künstlerinnen und Künstler ihre Ateliers.
00:46:36Ende Juni zeigt sich die kreative Szene 48 Stunden.
00:46:4430 Dinge, wie Neukölln tickt. Wir sind an der Hermannstraße.
00:46:54Der neue Friedhof St. Jakob.
00:47:03Da habe ich viele Stunden verbracht und es ist auch so eine ruhige Oase, wieder so ein bisschen tritt man
00:47:09raus, kommt auf die Hermannstraße, da rauscht der Verkehr, geht man hinter die Friedhofsmauer, es ist ja auch so ein
00:47:16bisschen schallgeschützt, dann ist es so ein bisschen eine andere Welt.
00:47:22Beisetzungen gibt es hier nicht mehr. Der Friedhof ist stillgelegt.
00:47:27Für die kleine Kapelle am Eingang suchen Bettina Neff und ihre Kollegen vom Friedhofsverband eine Idee.
00:47:33Wie kann man den Ort und die Kapelle erhalten?
00:47:39Da es eine Riesenraumknappheit hier gibt an der Hermannstraße, immer wieder fragen Menschen an, ob sie Räume für Feierlichkeiten und
00:47:47Veranstaltungen haben können, für Kunst und Kultur, aber auch private Feiern,
00:47:51haben wir gedacht, das wäre eine tolle Gelegenheit, diesen Friedhof auch wieder so ein Stück zurück ins Bewusstsein der Nachbarschaft
00:47:57zu holen und eine Kiezkapelle aufzubauen.
00:48:02Heute ist Jungpflanzenmarkt auf dem neuen Friedhof St. Jakobi.
00:48:06Die Nachbarschaft ist gekommen.
00:48:13Die Kapelle wird für Ausstellungen und Workshops genutzt. Jeden Dienstag ist Yoga-Kurs.
00:48:21Dann einatmen, Kobra, den Ellenbogen an den Körper, stell die Zehen auf, ausatmen, nach unten, schau'n, runter.
00:48:30Körper, Geist und Seele im Einklang. Die kleine Kapelle ist dafür ein guter Ort.
00:48:38Eine Frau, die wollte ja nicht mehr kommen, weil hier halt Toten bestattet wurde. Aber ich finde es eigentlich gerade
00:48:45schön, also dass wir was Fröhliches hier reinbringen, mehr Leben sozusagen in die Kapelle.
00:48:50Also wir wohnen ja auch im Friedhof, wir sind eng mit den Toten verbunden hier in dieser Ecke.
00:48:59Die meisten Kursteilnehmer kommen aus der Nachbarschaft.
00:49:04Ich finde es toll, wenn Leute aus ganz unterschiedlichen Milieus hier zum Yoga kommen. Unterschiedliches Alter.
00:49:12So heißt man Yoga, Yoga für alle. Meine Frau hat mir so ein T-Shirt gemacht sogar dafür. Es gibt
00:49:17nur ein Exemplar.
00:49:19Aber das ist so mein Motto. Yoga für alle soll allen irgendwie was bringen.
00:49:23Berlinweit wird für innerstädtische Friedhöfe eine neue Nutzung gesucht. In Neukölln hat man sie gefunden.
00:49:32Wir sind auf der Silbersteinstraße. 2014 wird sie zur giftigsten Straße Deutschlands erklärt.
00:49:39Die Feinstaubbelastung ist hier besonders hoch.
00:49:46Die Silbersteinstraße ist heute die prominenteste Straße Deutschlands.
00:49:51Reporter sämtlicher Zeitungen und Fernsehsender wollen wissen, wie lebt es sich in der am stärksten von Feinstaub belasteten Kreuzung der
00:49:58Republik.
00:49:59So auch die Abendschau.
00:50:00Wir überlegen schon, dass wir halt umziehen werden. Auch wenn es uns hier schon gefällt, ist uns halt auch wichtig,
00:50:08dass unser Baby gesund ist und eine gute Luft hat und Sicherung.
00:50:13Ich war dann so, ja scheiße, was ist das? Hier meine Tochter ist zehn Monate alt. Was soll ich? Also
00:50:19ich wohne hier direkt um die Ecke.
00:50:20Emserstraße habe ich gewohnt. Und ich bin da spazieren gegangen. Erstmal so richtig friedlich, fröhlich und dann auf einmal was?
00:50:26Und ja, ich konnte halt nicht wegziehen. Ich hatte da kein Geld irgendwo hinzuziehen.
00:50:31Der Verkehr dicht, die Luft schlecht. Alltag in Kiez an der Silbersteinstraße. Rafael Polanco schwört aufs Fahrrad.
00:50:43Ganz ehrlich, wenn ich zum Beispiel jetzt nach Kreuzberg fahre und ich mit dem Auto unterwegs bin, dann brauche ich
00:50:49vielleicht eine halbe Stunde.
00:50:52Und Fahrrad fahren, da bin ich in fünf Minuten da. Ich bin flexibel. Ich mache was für meinen Körper, für
00:50:58meine Gesundheit.
00:50:59Ich mache was für die Umwelt, ja. Und es ist gesund auch für mein Portemonnaie.
00:51:06Das Fahrrad ist das coolste Fortbewegungsmittel in der Stadt. Da ist sich der 46-Jährige sicher.
00:51:16Rafael Polanco ist Mechaniker in einer Fahrradwerkstatt und im Kiez als Hip-Hopper bekannt.
00:51:45Den Song nehmen sie mit Mikro und Computer im Keller der Werkstatt auf.
00:51:50Gedreht wird mit dem Handy.
00:51:53Jamel und Rafael machen schon seit den 90ern zusammen Musik.
00:52:00Wir hatten ja oft Kunden, die reingekommen sind und die meinten, ey, bei dir im Fahrradladen fühle ich mich wohl.
00:52:05Bei dir ist es irgendwie anders.
00:52:06Und dann haben wir gesagt, das müssen wir ablichten. Wir brauchen einen Song, der genau Komobikes Mentalität widerspiegelt.
00:52:11Genau. Und das waren, so ist dann auch die Idee entstanden und so haben wir das auch verwirklicht.
00:52:17Also bei uns ist es auch so, wir gehen an ein Studio, ich nehme mir Papier, er nimmt sich Papier,
00:52:23wir schreiben was, gehen ans Mikrofon und schon ist es fertig.
00:52:25Wir haben so viele Songs an den PCs, die wir noch nicht veröffentlicht haben.
00:52:30Musik ist heute nur noch ein Hobby für Rafael Polanco. Die Werkstatt frisst die ganze Energie.
00:52:40An manchen Tagen ist hier die Hölle los. Die Crew hat im Kiez einen guten Ruf. Schnell, gründlich, hilfsbereit.
00:52:51Sehr zufrieden auf jeden Fall. Also ich habe mein Fahrrad vorbeigebracht, weil ich einen Platten hatte und bin 15 Minuten
00:52:57später wieder hergekommen, um es abzuholen.
00:52:59Also es geht schnell und die Menschen sind nett.
00:53:02Der Kiez ist leider nach wie vor ein Feinstaub-Hotspot.
00:53:09Wir sind in Britz, in der Kolonie am Buschkrug.
00:53:14Mit ihren 420 Parzellen gehört die Kolonie zu den größten im Bezirk.
00:53:21Peter Standfuß ist fast jeden Tag hier. Die Modelleisenbahn ist das Schmuckstück der Parzelle.
00:53:34Vor langer Zeit, meine Frau war schwanger und der Vater hat gesagt, ganz wichtig ist für das Kind, dass eine
00:53:43Eisenbahn da ist.
00:53:45Und dann bin ich einem Angebot von aufgesessen und wusste nicht, wie viel Geld letztendlich noch daran hängt.
00:53:53Die Nachfrage nach einem Kleingarten ist groß in Berlin. Bis zu zehn Jahre beträgt die Wartezeit.
00:54:01Geduld ist gefragt. Viel Geduld.
00:54:06Bei jüngeren Leuten ist das eine sehr beliebte Geschichte wieder, irgendwie so einen Schrebergarten zu haben, da auch vielleicht ein
00:54:14bisschen seinen eigenen Kram anzubauen und auch so ein bisschen rauszukommen.
00:54:19In der Kolonie am Buschkrug passiert genau das. Studierende der Humboldt-Universität bauen Blumen, Obst und Gemüse an.
00:54:27In der Laube verbirgt sich ein Pflanzenlabor.
00:54:31Ich finde es sehr spannend, auch endlich einen praktischen Teil in unserem Studium zu haben.
00:54:35Also ich studiere ja Gartenbauwissenschaften und bei uns ist das leider sehr theoretisch und somit haben wir die Möglichkeit bekommen,
00:54:42endlich auch mal praktisch zu arbeiten.
00:54:45Im Gemeinschaftsgarten Bienenweide sind heute kleine und große Imker am Werk.
00:54:51Ich, Christina, da war gerade nur Hornisse auf dir.
00:54:54Aber eine deutsche Hornisse, nicht die asiatische, oder?
00:54:58Ja.
00:54:58Die wäre gefährlich.
00:55:01Die Bienenweide ist ein Bildungsort.
00:55:04Hier treffen wir uns halt oft auch, meistens so am Wochenende und dann machen wir hier was für die Bienen.
00:55:10Meine Oma bringt uns halt bei, wie man sich um Bienen kümmert und was man da so machen muss.
00:55:18An schönen Tagen treffen sich Lauben, Pieper und Besucher im Herzstück.
00:55:23Mandy Abel hat die Vereinsgaststätte in einer schwierigen Zeit übernommen, mitten im Lockdown.
00:55:31Heute gibt's ein Traditionsgericht. Guten Appetit.
00:55:37Darauf habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut.
00:55:42Königsberger Klopse liebe ich.
00:55:44Aus dem alten Vereinsheim hat Mandy Abel ein kleines schickes Lokal gemacht.
00:55:51Alles raus, frisch renoviert, viel Arbeit war das.
00:55:57Man muss sich vorstellen, das war ein bisschen 80er Jahre Braunraucherkneipe.
00:56:04Und die Leute dann zu überzeugen, dass man's vielleicht etwas moderner machen könnte, war natürlich auch sehr schwierig.
00:56:12Weil das ist ja 30 Jahre so gewesen und warum kommt jetzt jemand und möchte alles umändern?
00:56:18Heute sind alle mit dem Ergebnis zufrieden.
00:56:21Und mit dem Essen sowieso.
00:56:25Mir ist es einfach wichtig, so eine Gemeinschaft.
00:56:28Also ich mag das unheimlich gern, wenn man füreinander da ist und wenn es nicht so dieses klassische Geschäft ist,
00:56:33sondern eigentlich, also ich fühle mich hier wie zu Hause und Freunde kommen zu Besuch.
00:56:39Und das ist mir wichtig.
00:56:41In Britz, Bukow und Rudow ist das hektische Neukölln weit weg.
00:56:47Manche sagen, gut so.
00:56:50Ich finde, Neukölln ist eigentlich eine eigene Stadt, wenn man so will.
00:56:53Also das ist ja wirklich ein riesengroßer, vielfältiger Bezirk.
00:56:58Wir sind in Rudow.
00:57:00Die Welt scheint hier noch in Ordnung.
00:57:03Wir haben auch kleine Geschäfte.
00:57:05Da findet man noch ein Juwelier, ein Reisebüro, da findet man einen Bäcker, da findet man einen Kaffee, ein Restaurant.
00:57:11Und es ist doch so, dass da eine gewisse Vielfalt ist und die Leute gerne dort lang gehen und ihren
00:57:15Einkauf erledigen.
00:57:17Wir sind verabredet mit Sängerin und Schauspielerin Angelika Mann.
00:57:21Die Lütte ist in Rudow seit vielen Jahren zu Hause.
00:57:24Hier fühlt sie sich wohl.
00:57:30Unser Spaziergang beginnt an der alten Dorfschule.
00:57:33Heute ein Ort für Kultur.
00:57:37Ich wohne gerne am Stadtrand.
00:57:40Ich habe ja früher, als ich noch im Osten war, in ein Buch gewohnt.
00:57:42Größte Krankenstadt Europas.
00:57:45Auch schöne kleine Häuser, viel Natur.
00:57:47Und wir hatten auch einen schönen Park, ein Schloss und so weiter.
00:57:50Und da ist Rudow für mich gerade richtig.
00:57:52Also Stadt ist für mich nicht so.
00:57:56So entspannt wie heute sind die Tage selten.
00:57:59Noch immer ist sie viel auf Tour.
00:58:01Und bald wird sie 75.
00:58:04Großer Geburtstag.
00:58:06Wir sind am Dorfkrug.
00:58:08Wie oft waren Sie denn schon hier?
00:58:09Noch nie.
00:58:12Viel unterwegs halt, ne?
00:58:14Also entweder, jetzt machen wir sechs Wochen in Hamburg zum Beispiel.
00:58:17Und dann geht es wieder sechs Wochen dahin.
00:58:19Oder wir sind sechs Wochen auf Tournee.
00:58:20Und dann ist man unterwegs so viel in Restaurants,
00:58:24dass man dann zu Hause nicht in Restaurants geht.
00:58:26Dann ist man, wenn man zu Hause mal ein bisschen kochen kann.
00:58:28Und mein Mann kocht toll.
00:58:30Und ich koche auch ja nicht so schlecht.
00:58:32Oh Mann, sind Sie.
00:58:37Die Rudower kennen ihre Prominenz.
00:58:40Angelika Mann wird oft auf der Straße angesprochen.
00:58:43Es hat mich noch nie genervt, angesprochen zu werden.
00:58:45Es ist ja immer ein Zeichen, dass man die Arbeit, die man macht, ganz gut gemacht hat,
00:58:49dass die Leute sich das gemerkt haben.
00:58:50Insofern ist es viel schlimmer, wenn man nicht angesprochen wird.
00:58:53Der Landschaftspark Rudow-Alt-Klinike ist einer ihrer Lieblingsplätze.
00:58:59Sonne tanken und Vögel gucken.
00:59:04Erst mal bin ich natürlich durch meinen Mann, der ja Biologe ist,
00:59:06der mir in der Beziehung wirklich die Welt erklärt und gezeigt hat.
00:59:11Und da habe ich wahnsinnig viel von profitiert.
00:59:14Also ich kenne jetzt Schmetterlinge, ich kenne Vögel.
00:59:17Ich habe so eine App, wenn irgendwo ein Vogel zwitschert,
00:59:20dann gucke ich, was das für einer ist.
00:59:22Und ich weiß, was es alles gibt.
00:59:23Und das finde ich schon sehr spannend.
00:59:26Nächstes Mal besuchen wir noch die Wasserbüffel.
00:59:31Unsere nächste Station, die Gropiostadt.
00:59:34Unserem Piloten gelingen beeindruckende Aufnahmen von der Großwohnsiedlung.
00:59:44Oh, Gropiostadt.
00:59:46Ich liebe Hochhäuser.
00:59:49Ich liebe Hochhäuser.
00:59:50Es ist fantastisch.
00:59:51Du hast da einen Ausblick.
00:59:54Ich war ja 8. Stock, bin ich groß geworden.
00:59:57Mann, Mann, Mann.
00:59:59Es hat so einen Postkarten-Flavor.
01:00:01Du hast da den Sonnenaufgang, den Sonnenuntergang, wie gemalt.
01:00:04Nur noch schöner.
01:00:06Luft, Luft und Sonne.
01:00:09Unter diesem Motto wird in den 60er und 70er Jahren die Gropiostadt gebaut.
01:00:13Die Siedlung am Neuköllner Stadtrand, geplant von Architekt Walter Gropius,
01:00:18verspricht ein besseres Leben.
01:00:20Ende der 60er wird das erste Einkaufszentrum eingeweiht.
01:00:28Die Eröffnungsfeierlichkeiten am heutigen Vormittag entwickelten sich zum Volksfest en Miniatur.
01:00:34Mit Kind und Kegel war man zum neuen Ladenzentrum gezogen.
01:00:37Ich habe in der Gropiostadt gearbeitet, als ich ein junger Mann war.
01:00:40Ich war damals Ladenfleischer und habe dann also die Leute bedient mit Schnitzel und Kotelett und Bratwurst und was zu
01:00:45essen.
01:00:45Und das hat also richtig doll Spaß gemacht.
01:00:47Daran kann ich mich erinnern.
01:00:49Das Interesse an den Wohnungen ist enorm.
01:00:52Doch Ende der 70er kippt die Stimmung.
01:00:55Die Gropiostadt wird zum Problemstadtteil.
01:00:59Ich finde das auch wichtig, dass wir da auch hingucken und dass wir nicht nur das Leben im Norden, im
01:01:05hippen Norden Neuköllns sehen,
01:01:07sondern dass wir auch auf jeden Fall in die Gropiostadt sehen und gucken, was da alles passiert.
01:01:14Wer auf Neukölln schaut, entdeckt viele Facetten.
01:01:18Der Britzer Garten mit dem großen See und dem Rosengarten bietet Erholungssuchenden unfassbar schöne Natur.
01:01:33Als ich das erste Mal da drin war, ich habe so zwei, dreimal gefragt, ob das noch Berlin ist.
01:01:38Ich war so, hä? Ich kenne das gar nicht und was ist denn hier los?
01:01:44Genießen wir für einen Moment das, was hier los ist.
01:01:55Ausspannen an schönen Plätzen, Sonnetanken, tolle Spaziergänge.
01:02:00Der Britzer Garten bietet alles.
01:02:05Ich bin auch sehr oft mit der Schule da gewesen. Klassenausflüge haben wir sehr oft da gemacht.
01:02:13Ich habe da immer so, in meiner Erinnerung, dass ich da immer sehr fröhlich war, dass die Sonne schien, alles
01:02:19grün, wir gespielt haben. Es ist sehr schön.
01:02:23Das ist mega. Ich finde es super. Also mit diesem See und also auch da wieder, naher Erholung.
01:02:31Da fährt sogar so eine kleine Eisenbahn durch, glaube ich, und so. Das ist alles noch Bundesgartenschau.
01:02:37Finde ich richtig cooles Gelände, muss ich sagen. Fällt mir sehr gut.
01:02:41Zur Hufeisensiedlung ist es nicht weit. Viele sind fasziniert, wie es Architekt Bruno Taut in den 20er Jahren gelingt, eine
01:02:49lebenswerte, farbenfrohe Großsiedlung zu entwerfen.
01:02:58Am Britzer Damm schauen wir bei Curry-Paule vorbei. Hier gibt es eine gute Curry auf die Hand.
01:03:07Zu Curry-Paule ist das eigentlich gekommen durch meinen Vater, weil wir haben in der Siegfriedstraße gewohnt und mein Vater
01:03:12ist immer am Wochenende zum Kranolt-Markt gegangen.
01:03:14Das war ein Wochenmarkt, den gibt es also heute wieder. Und dann hat er immer am Wochenende eine Currywurst gegessen.
01:03:22Und da bin ich mit als Kind, habe die Currywurst kennengelernt und als ich dann nachher Fleischer wurde und Fleischer
01:03:26-Meister wurde, hat mein Vater gesagt, Mensch Junge, mach doch eine Currywurst-Paule auf.
01:03:32Eine Schrauberwerkstatt für Ost-Mopeds in Britz. Was es nicht alles gibt.
01:03:38Die knattern immer bei mir vorbei. Die haben wir am besten nicht gehabt, aber wir kannten sie. Und ja, jetzt
01:03:45sehe ich sie live.
01:03:46Und ich finde es toll, dass sich jemand so eine Mühe gibt, das zu erhalten. Und das ist ja auch
01:03:50ein DDR-Kulturhut, kann man sagen.
01:03:52Das war damals schon so ein kleines Statussymbol für junge Menschen, wenn die noch nicht Auto fahren durften. Dann hatten
01:03:57die halt irgendwie eine Simme.
01:04:00Ich bin früher auch Schwalbe gefahren. Von daher bin ich da sehr, habe ich da ein leichtes Faible dafür.
01:04:05Ich habe mich noch nicht reingetraut in den Laden, weil ich die Schwalbe nicht mehr besitze.
01:04:10Aber ich erinnere mich wehmütig daran, dass ich früher Schwalbe gefahren bin. Und ja, kann das sehr verstehen, dass man
01:04:16das auch heute noch macht.
01:04:19Am Knattern ist die gute alte Simson leicht zu erkennen. Dirk Steffens kommt zur Arbeit.
01:04:28Erstmal sehen die total klassisch aus. Das heißt, man hat so diese 60er-Jahre-Optik, diese geschwungenen Formen, die fand
01:04:34ich immer schon schön.
01:04:35Sie dürfen, anders als jeder Roller, der in Westdeutschland produziert ist oder die heute noch produziert werden, dürfen sie 60
01:04:42kmh fahren.
01:04:43Und mit der einen oder anderen Toleranz fahren die auch mal 63, 64. Und das ist ein Riesenunterschied zu einem
01:04:5045 kmh-Roller.
01:04:52Dirk repariert Schwalben, Simsons und Motorräder. Schon als Jugendlicher schaut er oft in der Werkstatt vorbei. Er wohnt um die
01:05:00Ecke.
01:05:03Ab und zu kam es sogar dazu, dass ich unangenehm aufgefallen bin, weil ich habe immer ganz, ganz viel gefragt
01:05:10und wollte ganz viel wissen, aber habe nie so richtig viele Teile gekauft.
01:05:15Das heißt, ich war immer unfassbar lange in diesem Laden und habe mich mir erfragt, wie ich was repariere und
01:05:21einstelle, habe dann aber letztendlich einen Dichtring für 50 Cent mitgenommen.
01:05:26Die Werkstatt wird damals von Werner Selig geführt. Der Westberliner hat ein Faible für die Ostmopeds.
01:05:34Als sich Werner Selig zur Ruhe setzen will, überzeugt er Dirk Steffens, das Geschäft zu übernehmen.
01:05:41Dann ist es mir wirklich gelungen, ihn eben so lange voll zu quatschen, bis er es eingesehen hat, dass es
01:05:47auch für ihn sinnvoll ist, den Laden zu übernehmen.
01:05:51Weil die Alternative ist einfach grauselig, weil man dann ja eben auch nicht einfach abschließen und gehen kann, sondern da
01:05:59muss der Laden aufgelöst werden, die Teile müssen verkauft werden.
01:06:02Zu dritt führen sie die Werkstatt. Mit Lebensgefährtin Anna und Kumpel Micha. Anfangs gab es einige Zweifler.
01:06:11Wenn man da vorne steht mit unter 30 Jahren und es kommt ein Herr über 50 oder 60 Jahren rein,
01:06:23hat eine Frage zu seinem 50 Jahre alten Moped und die beantwortet ihm jetzt ein 28-Jähriger oder im Fall
01:06:32von meiner Partnerin eine 26-Jährige,
01:06:34dann hatten wir oft das Gefühl, dass uns nicht geglaubt wird, dass wir das wirklich können.
01:06:42Heute ist das kein Thema mehr. Dirk Steffens hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Simson Selig läuft.
01:06:5130 Dinge, wie Neukölln tickt.
01:06:56Der Wartekiez ist ein kleiner Kiez. Schöne Altbauten, viel Grün. Hier kennt jeder jeden.
01:07:02Das ist auch Ben Kuhlemanns Verdienst.
01:07:06Voriges Jahr hat er eine Idee. Junge Leute aus dem Kiez fahren ältere Menschen aus dem Kiez. Mit Rikschas spazieren.
01:07:17Meine Schwiegereltern, die habe ich vor sechs Jahren aus Hamburg nach Berlin geholt und ihnen versprochen, damit angelockt,
01:07:24wir lassen euch nicht alleine, sondern wir unternehmen mit euch etwas. Aber das soll nicht im Auto passieren. Dafür seid
01:07:32ihr eigentlich viel zu alt.
01:07:33Wir machen das mit einer Rikscha. Und das hat sehr gut funktioniert. Da waren so die anderen Heimbewohner neidisch auch
01:07:40darauf.
01:07:41Und alle wollten auch die zweite Platz nebendran besetzen.
01:07:44Die Idee kommt an in der Nachbarschaft. Viele machen mit.
01:08:00Nachbarschaft, ja, das existiert in Neukölln. Ich finde sogar viel mehr als in anderen Bezirken.
01:08:06Das ist auch ein Grund, warum ich nicht aus Neukölln wegziehen würde.
01:08:10Edda und Michaela sind Stammgäste bei Rikscha. Mal geht's mit der Rikscha zum Arzt, mal zum Einkaufen.
01:08:18Heute ist einfach nur Spaß angesagt. Raus aufs Tempelhoferfeld.
01:08:24Dass es eine Möglichkeit ist für ältere Leute, überhaupt mal diese Chance aufs Feld zu kommen. Das haben ja Ältere
01:08:32gar nicht.
01:08:32Dieses wohlige Gefühl. Ich habe auch vorher den Leuten zugewunken und war wirklich richtig begeistert oder bin begeistert, dass es
01:08:43sowas überhaupt gibt.
01:08:45Chauffeur John kommt aus den Niederlanden. Sein drei Jahren lebt er in Berlin.
01:08:53Das macht ultra Spaß, zusammenzufahren. Und ich lerne Berliner, Berlinerinnen kennen, die schon ewig hier sind.
01:09:00Die können mir alles erklären, alles erzählen über Berlin, über das Feld.
01:09:06Also für mich ist das schon so ein neues Kapitel in meinem Berliner Leben eigentlich.
01:09:12Tonio hat Besuch von seinem Bruder Sami. Dank Rikscha können sie das Feld erleben.
01:09:20Ohne Rikscha war halt ein bisschen schwierig, oder, aufs Feld zu kommen, weil wir halt, weil das so weitläufig ist.
01:09:26Ja.
01:09:26Und mit der Rikscha können wir einfach übers ganze Feld fahren und kommen schnell von A nach B überhaupt in
01:09:34Berlin. Oder?
01:09:35Ja.
01:09:37Alle machen das ehrenamtlich. Wer sich eine Rikscha ausleihen oder damit gefahren werden möchte, einfach bei Ben melden.
01:09:48Alle sagen, wow, ne? Also es gibt ja noch niemanden im Kiez, den du nicht kennst.
01:09:53Etwa. Du bist ja fast der Bürgermeister von dem Kiez.
01:09:58Und das fand ich faszinierend. Also ich gebe den Leuten was, es ist alles umsonst, ja, aber ich kriege auch
01:10:06sehr viel zurück.
01:10:08Das Tempelhofer Feld ist die Lieblingsstrecke der Crew. Viel frische Luft, ordentlich Wind in den Haaren.
01:10:19Am Wochenende trifft sich bei schönem Wetter Halbneu-Köln auf dem Feld.
01:10:26Wenn ich dann aufs Tempelhofer Flugfeld komme, da öffnet sich diese Weite und das macht was mit uns.
01:10:31So, das öffnet uns innen drin auch. Wir können ein bisschen durchatmen. Ich glaube, wir werden ein bisschen ruhiger.
01:10:37Als ich angekommen bin, hat mir jemand gesagt, das finde ich zum Beispiel ganz geiles, unnützes Wissen, das Tempelhofer Feld
01:10:44ist in der Fläche größer als Monaco.
01:10:48Wusste ich nicht. Und das stimmt tatsächlich. Tempelhofer Feld hat 318 Hektar, glaube ich, und Monaco 205. Also in der
01:10:55Fläche, ne?
01:10:56Und dann habe ich jeden Morgen gedacht, ach, jetzt bin ich einmal durch Monaco gelaufen.
01:11:01Wir treffen Rollschuh-Tänzerin Umi Yanta und die Mitglieder des Jamskate-Clubs.
01:11:07Das Tempelhofer Feld ist ihr Freizeitspielplatz. Der glatte Boden, ideal zum Rollschuhlaufen und Tanzen.
01:11:37Ich habe noch nie Protektoren zum Schutz benutzt. Auch nicht, als ich angefangen habe.
01:11:42Ich kann meinen Körper, wenn ich falle, gut kontrollieren, weil ich viele Jahre lang Capoeira gemacht habe.
01:11:48Erst gestern bin ich hingefallen. Hier kann man das noch sehen, aber ich habe nie große Verletzungen. Ich kenne meinen
01:11:54Körper.
01:11:56I can't stand my body.
01:11:59In Pandemiezeiten erlebt Rollschuhlaufen ein Revival. Auf Rollen über den Asphalt sausen vertreibt die Sorgen der Pandemie.
01:12:08Ich glaube, speziell im Jahr 2020 mit Corona hatten die Leute natürlich viel mehr Zeit.
01:12:15Und auch mehr Zeit, sich mit sich auseinanderzusetzen, auch mehr Zeit, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen.
01:12:20Und ich glaube, das Feld war natürlich jetzt in Berlin ein super Platz und Dinge ausprobieren.
01:12:28Und für viele Leute war das dann auch das Rollschuhfahren.
01:12:32Das Tempelhofer Feld grenzt an den Neuköllner Schiller-Kiez. Hier hat Umi früher gewohnt.
01:12:38Die Jamskate-Crew trifft sich noch immer im Kiez.
01:12:43Ich glaube, wir lieben den Schiller-Kiez so sehr, weil er genauso bunt ist wie unsere Skate-Community.
01:12:48Hier kommen irgendwie Menschen aus allen sozialen Schichten zusammen, aus jedem Alter, verschiedene Gender.
01:12:55Und genau das repräsentiert eben auch die Skate-Community.
01:12:57Wir sind so ein bunter Haufen und das lieben wir so sehr, dass man sich austauscht, dass man zusammenkommt, egal
01:13:02wo man herkommt, was der Background ist.
01:13:08Wahrzeichen des Schiller-Kiezes ist die Genezareth-Kirche auf dem Herford-Platz.
01:13:232019 zieht ein altehrwürdiges Geschäft in den Kiez. Der Zauberkönig.
01:13:31Generationen von Neuköllner Kindern sind mit dem Laden aufgewachsen.
01:13:38Dann kann man da Karten, Spielkarten, Zaubertricks kaufen. Super, super schöner Ort, um mal was Neues auszuprobieren.
01:13:51Also das ist ganz ungewöhnlich, finde ich, so was.
01:13:53Ich hätte am liebsten alles genommen, aber habe mich dann entschieden für künstliche Eier und habe die dann auf dem
01:14:02Frühstückstisch hingeschummelt.
01:14:05Und es war mir ein diebisches Vergnügen, als alle versucht haben, das Ei aufzuschlagen, da hat sich nichts getan.
01:14:12Also das ist so ein großartiger Laden, also da könnte ich zweimal in der Woche reingehen.
01:14:17Bei diesem Trick muss man sich richtig gut konzentrieren können, weil nur wenn man sich konzentriert, bleibt es gerade.
01:14:24Aber wenn sie Konzentration nachlässt, fällt es zusammen.
01:14:28Krass.
01:14:30Die Inhaberinnen kennen sich seit Kindertagen.
01:14:34Kirsi Hinze und Karen Germann sind Schulfreundinnen.
01:14:38Als Karens Tante in Rente geht, übernehmen sie das Traditionsgeschäft.
01:14:43Die Idee war eigentlich, es ist doch schade, wenn es keinen Ort mehr gibt, wo die Kinder ihr Juckpulver kaufen
01:14:48können.
01:14:49Dass wir dann am Ende jetzt so viel zaubern während der Arbeit, war uns damals absolut nicht klar.
01:14:55Eigentlich war uns gar nichts klar, was wir hier machen, was das überhaupt wird.
01:15:00Aber es war auch gut so, weil würde man es vorher wissen, so ein Geschäft zu übernehmen und was dahinter
01:15:05steckt, wie viel Arbeit oder auch Zeit, eventuell macht man es dann nicht.
01:15:10Es gibt eine goldene Regel. Einmal wird der Zaubertrick vorgeführt. Wie er genau funktioniert, wird erst nach dem Kauf verraten.
01:15:20Das war schon immer so.
01:15:22Ja, das war schon immer so.
01:15:24Das muss auch schon beinbehalten werden.
01:15:27Aber sonst würden sie ja eventuell den Trick gar nicht kaufen.
01:15:29Weil wenn man das Geheimnis hinter dem Trick kennt, dann ist es manchmal ja enttäuschend.
01:15:34Die Täuschung wird zur Enttäuschung ab und zu beim Trick.
01:15:38Am Wochenende gibt es Zauberkurse für Kids. Der elfjährige Mars hat schon einige besucht.
01:15:46Wenn wir das Glas hier raufpacken, ihr seht, hier ist ein 2-Euro-Stück drin.
01:15:50Wenn ich dieses Cent-Stück jetzt versuche, durchs Glas zu zaubern, funktioniert es natürlich nicht.
01:15:55Aber mit etwas Magie ist das Cent-Stück bei dem 2-Euro-Stück angelangt und auf magische Weise durchs Glas
01:16:06gekommen.
01:16:06Ich zaubere jetzt insgesamt seit 6 Jahren und ich es einfach cool finde, Leute zu beeindrucken, Leute zu auszutricksen.
01:16:17Ich habe Zaubern kennengelernt, weil mich viele Leute Harry Potter genannt haben, früher in der 1. Klasse.
01:16:23Und dann wollte ich mal Harry Potter kennenlernen.
01:16:25Dann habe ich gewusst, dass er...
01:16:26Und dann habe ich auf einer Startseite gefunden, dass er ein Zauberer ist.
01:16:32Und dann wollte ich mir mal das angucken.
01:16:34Es gibt zwar keine echte Magie, aber man kann die Magie so nachstellen.
01:16:38Und dass man so Leute auch veräppeln kann mit Zaubern, mit dem scharfen Gummibärchen.
01:16:44Und ich finde einfach cool, wenn man so Menschen einfach mal verzaubern kann.
01:16:51Zauberkönig!
01:16:53Ein zauberhafter Ort im wahrsten Sinne.
01:17:00Wie tickt Neukölln?
01:17:02Wir bleiben im Schillerkiez und schauen uns eine Straße weiter um.
01:17:06Im Froschkönig.
01:17:08Es ist Abend geworden.
01:17:11Ja, da war ich mal drin.
01:17:13Das finde ich ganz geil.
01:17:14Eigentlich, weil es so alte Sofas teilweise ist.
01:17:16Also das erinnere ich, fand ich richtig gemütlich.
01:17:20Der Froschkönig ist Kultkneipe.
01:17:22Oder ganz korrekt, Literatur- und Pianobar.
01:17:26Frank Zirnstein hat sich über die Jahre eine große Stammkundschaft aufgebaut.
01:17:34Ich würde gerne so von 20 bis 80 gerne die Leute drinnen haben, egal was.
01:17:39Und dass sich das irgendwie miteinander vermischen und sagt halt, okay, die Prämisse, das ist ein freundlicher Ort für freundliche
01:17:44Menschen.
01:17:44Und das ist der Kern, dann ist das perfekt.
01:17:48Wie jeden Mittwochabend ist heute Stummfilmabend.
01:17:53Ich selber komme nicht aus dem Kiez, ich wohne sehr weit entfernt, aber ich bin nicht der Einzige, der von
01:17:58weit an reist, um diese Atmosphäre hier zu erleben.
01:18:02Ich komme seit zwölf Jahren her, ich weiß nicht, ich liebe hier alles.
01:18:09Martin Betz stimmt sich ein. Er wird den Stummfilm am Klavier begleiten.
01:18:16Wir spielen dann einfach spontan dazu und es kann sein, dass wir natürlich lauter Mist spielen, weil wir einen schlechten
01:18:24Tag haben.
01:18:25Aber meistens verschmilzt das sehr gut.
01:18:27Und es ist natürlich nach meiner Erfahrung sehr viel leichter, zu einem guten Film zu spielen, weil der Film liefert
01:18:35dann schon was.
01:18:36Und die Aufmerksamkeit der Zuschauer ist dann auch mehr an Film gebunden.
01:18:42Christopher Scholz ist Stummfilmexperte und führt in den Film ein.
01:18:48Ich freue mich sehr, Ihnen und Euch heute Abend wieder einen außergewöhnlichen Stummfilm näher bringen zu dürfen.
01:18:54Das ist heute Abend der Mann mit der Kamera, The Man with the Movie Camera, im Original Czellowiks Kinoapparatum von
01:19:02Zyger Werthoff aus dem Jahr 1929.
01:19:09Ein bisschen ist es jetzt im Froschkönig wie früher, als im Lichtspieltheater große Orchester zum Stummfilm spielten.
01:19:17Eine kleine Zeitreise.
01:19:22Das, finde ich, macht hier so Spaß, gerade weil es halt irgendwie nicht in so einem hochkulturellen Kontext geschieht.
01:19:30Also irgendwie die Leute hier aus dem Kiez, die fahren jetzt nicht nach Mitte und geben 20 Euro oder mehr
01:19:35für eine große Aufführung von Metropolis aus,
01:19:38sondern vielleicht, wenn sie noch nie was mit Stummfilmen zu tun hatten, sagen, ach, hier um die Ecke in einer
01:19:42Bar werden Stummfilme gezeigt.
01:19:43Na, da gehe ich mal hin, trinke mein Bier und schaue mir das an. Und so bleiben sie dann hier
01:19:47und kommen immer wieder.
01:19:48Boah, ja, ich möchte extrem viel lernen über Filme. Alte Stummfilme auch noch? Ja, ja, auf jeden Fall. Ich war
01:19:55noch nie da, da möchte ich hin. Auf jeden Fall. Ja, ja, ja, schön.
01:20:00Der Eintritt ins Stummfilmkino ist frei. Der Pianist freut sich über eine Spende.
01:20:09Sonntagmorgen. Wir sind noch einmal am Maybach-Ufer. Der Flow-Markt steht in vielen Reiseführern. Sollte man nicht verpassen.
01:20:24Ein Flow-Markt. Der Flow-Markt ist tatsächlich ein Pflichttermin. Schade, dass er nur alle zwei Wochen ist. Oft denke
01:20:33ich so, ah Mist, gerade das Wochenende verpasst.
01:20:36Ich finde ihn toll. Er ist nicht so überlaufen wie andere Flow-Märkte in Berlin. Es gibt echt gutes Essen
01:20:41und man kann gute Schnäppchen machen.
01:20:44Frieda Knips ist die Tochter von Maler Dietrich Grabers. Vielleicht hat sie heute Glück und verkauft etwas.
01:20:54Ich habe sehr viele Flow-Märkte ausprobiert und der Flow-Markt hier gefällt mir einfach am besten, weil er ist
01:21:01bunt, er ist harmonisch, er ist schön, direkt am Wasser.
01:21:06Und ich habe das Gefühl, dass die Leute hier am besten verstehen, was die Kunst von meinem Vater will.
01:21:16Die nostalgische Sofortbildkamera von Thomas Nitz ist ein Hingucker. So etwas gibt's noch? Porträts auf Fotopapier.
01:21:25Ich habe mich für verrückt gehalten. Was willst du noch? Die haben nochmal noch 100 Handyfotos am Tag. Was willst
01:21:32du denn hier mit einem Foto noch verkaufen?
01:21:33Ob ich auf dem Stand mit so einer alten Kamera? Ich habe gesagt, lass es mal probieren. Einfach probieren. Und
01:21:37habe ich gemacht. Hat geklappt.
01:21:39Die Leute waren begeistert und die sehen doch wirklich ganz anders aus wie normale Digitalfotos. Und deshalb macht es Spaß.
01:21:46Es macht richtig Spaß.
01:21:48Der Reuter-Kiez ist Neuköllns angesagteste Ecke. Man kann hier zehnmal sein und hat immer noch nicht alles geschafft.
01:21:57Im Chicha kommt peruanische Küche auf den Teller.
01:22:01Ja, kenne ich. Toller Laden, tolles Essen, super coole Leute, die da arbeiten.
01:22:06Und ich habe denen sogar dazu verholfen, dass sie im Grumelieu erwähnt wurden und eine gute Punktzahl bekommen haben,
01:22:12weil ich offensichtlich einem Testesser gesagt habe, dass er da hingehen soll. Also ich wusste gar nicht, dass er da
01:22:17hingehen würde.
01:22:17Und auf einmal wurden sie erwähnt. Und ich habe eine große Flasche Champagner gekauft.
01:22:22Die peruanische Küche gilt als eine der besten Lateinamerikas.
01:22:26Beeinflusst vom Pazifik, den Anden und dem Dschungel. Sehr experimentierfreudig.
01:22:34Nach dem Abitur wollte ich eigentlich Schauspieler werden, habe aber noch eine lange Reise durch Südamerika gemacht.
01:22:40Ich war ganz lange in Peru und das erste Mal auch alleine da.
01:22:45Und habe da halt so den Boom der peruanischen Küche mitbekommen, den es damals gab, 2010.
01:22:53Und das war so das erste Mal, dass PeruanerInnen sich wirklich für ihre Kultur gezeigt haben und richtig Lust hatten,
01:23:02die nach außen zu tragen.
01:23:04Und da wollte ich Teil von sein und habe entschieden, ja, ich werde Koch.
01:23:08Ein Spitzenkoch. Was Simon Limon und sein Team in der Küche zaubern, begeistert die Gäste.
01:23:16Frittierter Maniok, Maiskuchen und Schweinebauch.
01:23:19Die Spezialität des Hauses, Ceviche. Roher in Würfel geschnittener Fisch mit Salz, Limettensaft und Koriander.
01:23:26Zum Essen wird Pisco Sour serviert. Ein Drink aus Traubenmost, Limettensaft und Zuckersirup.
01:23:34Mit dem Chicha kam ein bisschen südamerikanisches Flair nach Neukölln.
01:23:39Chef Robert Peveling-Oberhak setzt auf lockere Atmosphäre und frohe Farben.
01:23:45Die Idee, ein Restaurant aufzumachen, hatte ich schon mein Leben lang, glaube ich.
01:23:49Aber dass es dazu dann wirklich kommt, dass man diesen Sprung dann auch macht ins kalte Wasser mit keiner Ahnung.
01:23:55Und alle Leute, die ich so frage, die Restaurants selber unterwegs waren oder selber Restaurants aufgemacht haben, haben alle mir
01:24:01davon abgeraten.
01:24:02Mein Vater hat mir gesagt, mach das doch nicht, du kannst da so viele andere Sachen.
01:24:04Aber irgendwie hatte ich das mir in den Kopf gesetzt und da bin ich dann auch manchmal ein bisschen zu
01:24:09stur oder zu dickköpfig durch die Wand.
01:24:11Dann habe ich das gemacht.
01:24:12Es wird Nacht im Reuterkiez. Gibt's heute wieder Party?
01:24:17Es ist immer was los. Sei es Tanzen, sei es Partys, sei es irgendwelche Veranstaltungen, sei es, keine Ahnung, viel.
01:24:26Also jeden Tag ist da was los. Man langweilt sich einfach nicht mehr in Neukölln.
01:24:29Im Posch-Teckel bereiten sich Judith Schmidt und Bernd Enes auf den Partyabend vor.
01:24:36Ein ganz besonderer Abend steht an. Ihre Bar in der Pflügerstraße feiert Zehnjähriges.
01:24:42Posch-Teckel heißt Vornehmer Dackel, das Maskottchen der Bar.
01:24:51Es gibt sogar Dackelfilme und Dackelweine.
01:24:56Dackel sind halt einfach wahnsinnig bekloppt und dadurch auch wahnsinnig lustig.
01:25:00Und wenn man sich das Treiben von so einem Dackel mal ein bisschen anschaut, dann ist es doch wirklich, dann
01:25:04braucht man eigentlich keinen Fernseher mehr.
01:25:07Aus den Boxen kommt The Smiths und Oasis. Musik aus Manchester.
01:25:12Ich habe die Stadt betreten und war sofort verliebt. Und das hat mich bis heute nicht nur losgelassen.
01:25:21Also ich liebe diese Stadt sehr, weil es gibt eigentlich, es gibt nur zwei Themen in dieser Stadt, Fußball und
01:25:27Musik.
01:25:28Also andere Fragen werden einem auch nicht gestellt. Welches Team bist du? Welche Bands hörst du? Und da habe ich
01:25:34mich gleich zu Hause gefühlt.
01:25:35Die größte Herausforderung für mich war tatsächlich jahrelang Musik zu hören, mit der ich zumindest zu Beginn nicht so viel
01:25:40anfange.
01:25:40Was mir eigentlich so ein bisschen wurscht war, hauptsächlich den Leuten gefällt es.
01:25:43Also ich kann ja, wenn ich hier mal meine Lieblingsband spiele, dann Bernd muss das jetzt sein.
01:25:48Also Entschuldigung, also Zahlen bitte.
01:25:59Wie immer ist man textsicher im Posch-Teckel. Gute Musik, gutes Bier. So kann es heute Abend weitergehen.
01:26:11Es ist eine schöne, lockere Atmosphäre, ungezwungen. Man kann sich über alles unterhalten und, ja, von Kommen und Gehen und
01:26:21gemischtes Publikum.
01:26:22Es ist für mich keine Familie, deshalb bin ich gerne hier.
01:26:25Die Musik ist gut natürlich, ne? Und die Leute sind in meinem Althaus, gibt's ja auch nicht überall.
01:26:30Irgendwann hat man aufgehört zu zählen, wie viele Bars es im Reuterkiez gibt.
01:26:39Was macht Neukölln aus? Wir fahren ins Rollbergviertel, unsere letzte Station. Im Schwutz feiert die Queerle-Community.
01:26:50Das ist eine Institution und es ist ein guter Laden und da kann man auch ganz easygoing mal hingehen.
01:26:55In vielen Berliner Clubs ist es so, kommt man nicht rein oder man muss das anhaben oder dies anhaben.
01:27:00Und deswegen finde ich es schön, dass da alles erlaubt ist und jeder und jede kann da einfach hingehen.
01:27:04Man hat Spaß, man kann bis morgens da feiern und super unterschiedliche Menschen, auch queere Menschen.
01:27:13Und das letzte Mal, als ich da war, bin ich um sechs Uhr, glaube ich, morgens rausgekommen.
01:27:19Heute ist Drag-Open-Stage-Show. Wer liefert die beste Performance?
01:27:25Ich finde es richtig, richtig wichtig, dass da unterschiedliche Lebensrealitäten richtig präsent sind und stattfinden und sich ausleben können.
01:27:34Deswegen, ja, keep rocking. Ja, Schwutz ist richtig.
01:27:40Miss Camilla Universe aus Kolumbien interpretiert den Helene Schlager ganz neu.
01:27:54Für mich war das ein langer Weg hierher. Schon als Kind habe ich die Kleider meiner Mutter getragen, aber in
01:28:00Kolumbien durfte ich nicht ich selbst sein.
01:28:03Die Drag-Shows haben mich gerettet, als ich Drogenprobleme hatte und meine Sucht mich beinahe umgebracht hat.
01:28:08Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber Drag hat wirklich mein Leben gerettet.
01:28:12It saved my life. It sounds a little bit cheesy, but it's good.
01:28:19Die Show ist guter Trash.
01:28:23Für mich bedeutet einfach, das ist schon ein bisschen Klischee, aber es bedeutet einfach Freiheit.
01:28:30Also ich bin von Augsburg hierher nach Berlin, seit einem Jahr wohne ich hier in Berlin.
01:28:36Und jetzt kann ich wirklich endlich mal wirklich leben und mein Leben ausleben, wie ich eigentlich immer wollte.
01:28:55Und was morgen sein wird, das weiß man nie in Neukölln.
01:29:11Die Show ist guter Trash.
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