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00:00I am a definitely a Stadtman, here in the village is everything new for me.
00:09Sandy will start here, so like many other Live-Streamers on the land.
00:14Therefore they will start here even in charge, so that it is authentically authentic.
00:23The young and well-educated generation will be locked out of the megacities,
00:28out of the city-cities, out of the city-cities.
00:31Here are not enough jobs for them.
00:36The great comparison to green fields.
00:39We are in a hip designer- shop in Shanghai,
00:42which looks like a futurist's gallery.
00:45Even here are the Dorf-Influencer in Live-Streams, in Kurzvideos.
00:53In the Dörfern find ihr Glück und auch Geld.
00:58I am a correspondent in China, not very immune against Selfies.
01:04I ask myself, what is behind this land type of social media?
01:22Wir sind auf dem Weg zu einer jungen Frau im bergigen Südwesten Chinas.
01:27Guizhou hat zwar viel in Straßen und Brücken investiert,
01:30ist aber dennoch eine der ärmsten Regionen.
01:33Also so langsam habe ich das Gefühl, hier kann jetzt eigentlich gar keine Zivilisation mehr kommen.
01:38Aber auf dieser Strecke etwas weiter muss ja Sandy irgendwo leben.
01:46Sandy habe ich auf Social Media entdeckt.
01:49Sie ist eine der vielen Land-Influencer.
01:51Ich bin mal gespannt, was die 26-Jährige hier genau macht, um Geld zu verdienen.
01:56Auf dem Weg sehen wir hin und wieder ältere Landwirte.
01:59Die Dörfer wirken eher verlassen.
02:09Ich bin überrascht, es wartet schon ein ganzes Empfangskomitee.
02:13Hallo Sandy!
02:19Über den Sommer wohnen ein paar Studentinnen aus der Großstadt bei Sandy im Dorf.
02:24Kaum beginnen wir unser Gespräch, zücken alle ihre Handys und es wird gnadenlos gefilmt.
02:33Bist du auf dem Land aufgewachsen oder in der Stadt?
02:38In der Stadt.
02:39Du bist also Stadtmensch?
02:43Ich bin auf jeden Fall ein Stadtmensch.
02:45Hier im Dorf ist alles neu für mich.
02:49In der Stadt ist es auch nicht so einfach, einen Job zu finden, oder?
02:53Ja.
02:55Ja, es ist hart.
02:56Du kannst sie fragen.
02:58Sie müssen einen Job finden.
02:59Also versuchen wir einfach, uns den eigenen Job zu schaffen.
03:03Sie alle haben ihren eigenen Social-Media-Account.
03:06Sie lernen hier gerade und probieren Dinge aus.
03:13Darf ich euch mal fragen?
03:14Livestreamt ihr jetzt schon?
03:15Sind wir gerade online oder macht ihr nur Videos?
03:19Egal, ich ahne schon, das ist jetzt vermutlich ein Dauerzustand.
03:24Ich liebe diesen Lebensstil, glaube ich.
03:27Glaubt sie, so ganz freiwillig klingt es nicht.
03:32Sandy vermietet hier Zimmer, will Livestreamen und E-Commerce machen.
03:37Sie stellt uns erst einmal ihr Dorf vor.
03:42Wir suchen Reisbauer Chen. Sandy nennt ihn respektvoll Onkel Chen.
03:48Das ist in China üblich.
03:50Die ältere Dame am Dorfplatz kann vielleicht weiterhelfen.
03:54Onkel Chen?
03:55Ich verstehe Ihren Dialekt nicht.
03:58Wir haben zwei unterschiedliche Sprachen.
04:00Hallo, hallo.
04:04Das Lächeln ist doch eine universelle Sprache.
04:14Das Handy muss helfen.
04:21Hier ist er.
04:24Früher oder später kommt doch jeder am Dorfbaum vorbei.
04:28Ihm hat Sandy beigebracht, wie er Videos für Social Media machen kann.
04:34Reisbauer Chen, wie die meisten hier im Dorf, hat als Wanderarbeiter hunderte Kilometer entfernt in einer Fabrik arbeiten müssen.
04:41Jetzt, mit 63, beackert er sein Feld.
04:44In zwei Monaten ist der Reis reif zur Ernte.
04:48Verkaufst du jetzt mehr Reis mit Livestreamen oder so?
04:54Ich verdiene kein Geld damit.
04:58Etwas Reis ist für die Familie.
05:00Den Rest verkauft er und bekommt dafür umgerechnet 700 Euro einmal im Jahr.
05:06Er ist einer von hunderten Millionen Kleinbauern in China, die nach wie vor fast drei Viertel aller Flächen bewirtschaften.
05:15Wo leben denn deine Kinder?
05:16Meine zwei Kinder arbeiten in einer Plastikfabrik, weit weg von hier.
05:23Die kommen selten nach Hause und unterstützen ihn finanziell.
05:26Er zeigt mir seinen Social Media Account.
05:29Sein Display ist zu zerkratzt, um etwas zu erkennen.
05:32Wir nehmen Sandys.
05:33Hier sieht sein Leben unkompliziert aus, lächelnd auf dem Feld mit seiner Frau.
05:39Das Handy nutzt er kaum. Sandy hat ihn dennoch unterrichtet. Ich frage später, warum?
05:48Wer neuen Reis will, das fragt Chen.
05:51Ja, so machst du das.
05:53Okay. Eins, zwei, drei.
05:59Schau zu mir.
06:00Wer neuen Reis haben möchte, kontaktiert mich.
06:06Benutzt du eigentlich chemischen oder natürlichen Dünger?
06:10Chemischer Dünger.
06:12Ah, du hast keine Schweine mehr, deswegen.
06:15Nee, dann lassen wir das weg.
06:19Ich will von Sandy wissen, wie um alles in der Welt die beiden zueinander gefunden haben.
06:25Die Gemeinde hat ihn zu mir geschickt und er kam.
06:29Haben die dir dann irgendwas gezahlt dafür, dass du das machst?
06:33Nein, nein.
06:35Du machst es ehrenamtlich und Onkel Chen auch.
06:39Für, ja, wofür denn eigentlich genau? Und wem nutzt's? Das möchte ich gern genauer verstehen.
06:50Eine bei allen Generationen sehr beliebte Social Media Plattform, Douyin, das chinesische TikTok.
06:57Kurzvideos, viele über das Land leben, man kann teilen, kommentieren und liken.
07:02Hier gibt es aber auch jede Menge E-Commerce und viele kaufen in den Livestreams ein.
07:08Es gibt noch viele andere Social Media Apps, WeChat zum Beispiel, viel mehr als nur der größte Messenger-Dienst.
07:14Hier gibt's nicht nur Livestreams, man kann von der Taxi-Bestellung bis zum Arzttermin alles organisieren.
07:20Kommerz und Leben vermengen sich. In China sind's eine Milliarde User.
07:27Über Douyin habe ich Sandy entdeckt. Und hier finde ich ohne Ende Inhalte, die das Dorfleben anpreisen.
07:34Junge Menschen, die Online-Landwirtschaftsprodukte verkaufen. Ich kann mich da auch ziemlich leicht drin verfangen.
07:43Meine tägliche Bildschirmzeit liegt schon bei beachtlichen vier Stunden. Dabei bemühe ich mich, das Ganze so ein bisschen zu zügeln.
07:50Als allererstes will ich wissen, wie viel Zeit verbringen eigentlich junge Menschen im abgeschotteten chinesischen Internet?
07:58Es gibt nur Schätzungen. Aber die haben es in sich.
08:03Waren es 2018 bei den gesamten 1,4 Milliarden Menschen noch knapp unter drei Stunden am Tag, so waren es
08:102024 schon sechs.
08:14Mittlerweile sind es etwa acht Stunden täglich im mobilen Internet.
08:22Viele haben auch Zeit dafür. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch.
08:26Mit Trends wie Hashtag Lying Flat zu Hause auf der faulen Haut liegen, kommt der Widerwille, sich anzustrengen, zum Ausdruck.
08:33Doch systemkritische Inhalte werden auf den Plattformen schnell gelöscht.
08:38Die Kommunistische Partei zensiert und überwacht das Netz und auch die Plattformen. Erwünschtes wird gepusht.
08:45Es soll nur das geben, was die Partei will. Und die hat ein Projekt. Die ländlichen Regionen wiederzubeleben.
08:52Staats- und Parteichef Xi Jinping findet, die Jungen müssen auch dazu beitragen.
08:57Das heißt nun also, dass mehr junge Leute aufs Land ziehen sollen.
09:02Es betrifft die gut Ausgebildeten, die frische Ideen mitbringen.
09:06Wie das funktionieren soll, werde ich noch genauer erfahren.
09:10Eins aber ist jetzt schon klar.
09:12Schaut man sich andere Zahlen an, dann widerspricht das komplett diesem Trend hier,
09:17der in den letzten Jahrzehnten China rasant verändert hat.
09:20Lebten 1982 gerade mal 21 Prozent in den Städten, so sind es heute mindestens 67 Prozent.
09:27Viele wurden aus der Armut geholt.
09:32Aber das alles stößt gerade an seine Grenzen.
09:35In den Städten gibt es nicht mehr ausreichend Jobs für die gut Ausgebildeten.
09:39Doch auf Social Media davon kaum eine Spur.
09:42Hier finde ich Videos vom Happy-Leben auf dem Land.
09:47Sandy hat sich von diesem Hype auch inspirieren lassen.
09:51Und versucht es mit verschiedenen Geschäftsideen.
09:54Sie ist fernab der reicheren Küstengegend in einer rückständigen Region.
09:59Und das macht es für sie extra schwer.
10:05In diesem renovierten Bauernhaus wohnt Sandy.
10:08Ihr Vater hat es gepachtet.
10:11Die 26-Jährige hat gleich mehrere Geschäftsideen.
10:15Zimmer zu vermieten an junge Städter,
10:17selbst landwirtschaftliche Produkte live zu streamen
10:20und es anderen Leuten beizubringen.
10:23Letzteres macht sie kostenlos.
10:27Bei diesem Video sind es sechs Sekunden Verweildauer,
10:31bei diesem 45.
10:32Welches Video, meint ihr, mag die Plattform lieber?
10:36Das mit 45 Sekunden. Da bleiben mehr Leute dran.
10:42Bloß nicht zu lange auf eine Sache konzentrieren.
10:46So funktioniert das mit unseren Reaktionen, Likes und Herzchen.
10:51Sandy bringt den Studentinnen bei, wie mehr Traffic auf die Seite kommt.
10:57Sommerpraktiker sind auf Pflicht in China.
10:59Die Uni schlägt Kurse vor wie diesen hier, live streamen auf dem Land.
11:04Und Sandy hofft, dass es ihrem Business hilft.
11:07So tickt das Land.
11:08Alles ist vernetzt. Bürger, Behörden und die allgegenwärtige Partei.
11:13Jede Praktikantin hier hat Vorbilder,
11:16ist von einem der zahlreichen ländlichen Influencer
11:19oder Influencerinnen inspiriert.
11:26Aber wie passt das in diesen Dorfalltag hier?
11:30Die Reisfelder kriegen Wasser, die Hauskuhgras.
11:33Es ist 8 Uhr morgens. Nur wenige Menschen sind unterwegs.
11:45Für Sandy und ihre Truppe geht's jetzt zum Livestreamen,
11:48zu dem Ort, wo ein bisschen was los ist, zum Dorfbauen.
11:51Sandy erklärt mir, dass ihr Vater hier Reis anbaut,
11:54auf ein paar Feldern, die er von einem ehemaligen Bauern pachtet.
11:58Nun wird erst einmal die örtliche Bui-Tracht angezogen.
12:03Das wirkt authentischer.
12:10Ein Bauer, der vom Feld kommt, wundert sich über die Performance
12:14und guckt ein bisschen so,
12:16als wären hier auf einmal Außerirdische gelandet.
12:21Sie versuchen, alles Mögliche zu verkaufen.
12:24Pflanzenöl, roten Reis von Sandys Vater.
12:28Es ist ein sportliches Livestream-Doppel.
12:32Sandy Livestreamt die anderen, die wiederum nur sich.
12:37Also mich wird jetzt echt noch mal interessieren,
12:39wie es so im Dorfkern aussieht.
12:43Die meisten sind weggezogen, nur die Älteren dageblieben.
12:47Es sind zwei Welten in einer,
12:50die absolute Parallelwelt zu Sandy und den Studentinnen.
12:55Diese Bäuerin gehört zur südchinesischen Bui-Ethnie mit eigener Sprache.
13:00Sie zeigt mir ihr Zuhause.
13:02Mann und Kinder arbeiten in der benachbarten Stadt,
13:06kommen selten hierher.
13:08Sie lebt von wenig, hat ein paar Schweine und ein Reisfeld.
13:12Ein bisschen was wird lokal verkauft.
13:17Die Landwirtschaft lebt von älteren Menschen wie ihr und Onkel Chen.
13:22Und auch sie hat einen Social-Media-Account mit faszinierendem Beauty-Filter.
13:33Ich frage mich, wer sind die Nachfolger für ihre lebenswichtige Arbeit auf dem Feld?
13:39Sind es diese livestreamenden Studentinnen?
13:43Plötzlich kommt mir alles vor wie eine einzige Theaterkulisse.
13:55Verkauft wurde wenig. Nach anderthalb Stunden, bye-bye.
14:01Ach, keiner zugeschaut. Ich bin echt erledigt.
14:05Handy weg, Klamotten auch.
14:08Was mich erstaunt, wie manche das Training hier wahrnehmen.
14:12Wir livestreamen morgens. Nachmittags nehmen wir Videos auf,
14:16abends wird wieder gelivestreamt.
14:18Die praktische Arbeit erdet mich irgendwie.
14:23Das also ist die praktische Arbeit, die erdet.
14:27Interessant. Ich frage, was sie später einmal machen wollen.
14:32Ich möchte einen guten Job finden, mit dem ich viel Geld verdienen kann.
14:36Ich will in andere Städte reisen und die erkunden.
14:41Ich will in andere Städte reisen.
14:44Könnt ihr euch vorstellen, hier als Landwirtin zu leben?
14:50Nein, sagt Sandy. Kopfschütteln auch bei anderen.
14:56Warum sind sie denn eigentlich alle hier?
14:58Oder sind sie gar nicht so richtig hier,
15:00eher so halb in ihrer digitalen Welt?
15:06Sandys Vater ist vor einigen Jahren schon hierhin gezogen.
15:09Vorher hat er in der Stadt viel Geld verdient.
15:12Das hat er in Tourismus investiert.
15:15Doch es kommen wenig Gäste.
15:18Ohne ihn, das betont Sandy mehrmals,
15:20könnte sie sich hier nicht ausprobieren.
15:22Aber so richtig läuft's für beide nicht.
15:25Das Verführerische, das, was Sandy antreibt.
15:28Der E-Commerce-Markt in China ist weltweit der größte.
15:31Am besten kann man das in der 12-Millionen-Stadt Hangzhou sehen.
15:35Sitz wichtiger Tech-Konzerne wie Alibaba
15:38und vor allem die Livestreaming-Metropole Chinas.
15:42Bauchmuskeln anspannen, Kopf aufrecht.
15:45Dieser agile junge Mann ist einer der vielen Livestreamer in Hangzhou.
15:50Wenn sie das jeden Tag mehrere Stunden machen,
15:53dann dürften sie fit bleiben.
15:59Hinter jeder Tür ein neuer Kommerzkosmos.
16:04In China sind es mehr als dreieinhalb Millionen Livestreams am Tag.
16:10Hier sind es Fitnessartikel wie Energydrinks und vieles andere mehr.
16:17Von Unterhosen, Beauty-Artikeln,
16:20die mithilfe einer Gesichts-Yoga-Lehrerin angepriesen werden.
16:24Was da alles aufgefahren wird.
16:27Wie viel Aufmerksamkeit von allen hierhin fließt,
16:30davon will Sandy auch was abhaben.
16:36Auch in Hangzhou.
16:39Eine Mall, die so wie es aussieht nur dazu da ist,
16:43dass eben gelivestreamt wird.
16:45Sparen die Menschen in China auch wegen der schwächelnden Wirtschaft.
16:48Aber es sind rund 800 Millionen Menschen,
16:51die Livestreams gucken und viele davon kaufen ein.
16:54Ein Hunderte-Milliarden-Euro-Markt.
16:57Ich wäre ja schon fast versucht gewesen,
16:59mir hier so ein schönes Jäckchen auszusuchen.
17:01Aber das ist eigentlich alles nur Kulisse für die vielen Livestreamer.
17:05Damit die Menschen, die in der digitalen Welt sind,
17:09denen eben suggeriert wird, schaut mal her,
17:13ihr kauft ein in einem realen Laden,
17:17der so real ist wie das, was wir hier gerade erlebt haben.
17:22Von dieser E-Commerce-Welt will Sandy profitieren.
17:26Letztlich auch, weil das System es so will.
17:28Aber über das System rede ich mit ihr nicht.
17:30Nicht erwünscht im autoritären China.
17:32Wie war ihr Anfang hier?
17:36Ich hatte das Gefühl, ich habe einen Fehler gemacht.
17:39So weit weg von meinem Mann, meinen Freunden.
17:43Ich habe mich immer wieder gefragt, wohnt sich das?
17:45Oder soll ich aufgeben?
17:49Von Sandys Ehemann erfahre ich erst jetzt.
17:52Er lebt anderthalb Stunden entfernt in der Stadt.
17:54Sie sieht ihn nur selten.
17:56Sie hat dennoch beschlossen, vorerst zu bleiben.
18:03Das sind heftige Lebensentscheidungen,
18:05die sie und die anderen treffen müssen.
18:08Ich möchte gerne wissen, was sie sich genau erhofft.
18:13Ich probiere einfach aus.
18:15Wie kann ich erfolgreicher sein mit den Social-Media-Inhalten vom Land?
18:19Was für Produkte kaufen die Leute in der Stadt?
18:21Aber ich will dabei auch eine gute Work-Life-Balance haben.
18:29Im satten Grün sieht Sandy vor allem eine Business-Chance.
18:34Das hat in China System.
18:36Wenige planen, alle folgen.
18:45Vielleicht werden in ein paar Monaten
18:47mehr und mehr Menschen aus den Städten herkommen.
18:50Wir können live streamen.
18:52Auf dem Feld, auf den Straßen.
18:57Ja, die Idee von ganz oben ist hier angekommen.
19:04Die Wiederbelebung der Dörfer.
19:07Wenn es denn so einfach wäre.
19:13Wir laufen den Bach entlang und checken, wer den Wasserfluss geblockt hat.
19:18Die Realität auf dem Land sieht nämlich ganz anders aus.
19:22Hier geht es jetzt um Existenzielles.
19:25Es ist 11 Uhr nachts.
19:26Sandy und ihr Vater laufen Kilometer und heben schwere Steine weg.
19:32Also es ist auch ein bisschen so ein Wettlauf gegen die Zeit, weil es einfach darum geht, wer den Wasserfluss
19:39auf sein Feld leiten kann.
19:41Und die Angst der beiden scheint mir offenbar groß zu sein, ob nun der nächste Bauer schon wieder in zwei
19:46Stunden kommt und den Weg von ihrem Wasserfluss versperrt, damit er mehr davon abbekommt.
19:54Die Bauern blockieren sich gegenseitig das Wasser für den Reis mit Steinen und anderen Barrieren.
20:01Jetzt kann Sandy nicht live streamen. Sie versuchen zu hören, wo es plätschert.
20:11Ich frage, gibt es irgendwelche Regeln für die Bewässerung?
20:17In unserer Gegend gibt es ausreichend Wasser. Dort hinten entspringt das Bergwasser. Wir müssen also keine Regeln befolgen.
20:29Jeder kümmert sich und ist es noch so dunkel, vor allem um sich selbst. Auch das ist China.
20:37Anderthalb Stunden später und sechs Kilometer weiter. Das Werk ist vollbracht.
20:47Jetzt gibt es Wasser.
20:52Wir haben Wasser und dann gibt es auch Reis.
20:57Wie lange sie das wohl noch mitmacht?
21:03In Sandys Kurzvideos ist unser Team auch schon eingebaut.
21:07Damit muss man hier einfach leben. Das war nicht zu verhindern.
21:11Sandy versucht auf jeden Fall alles. Die Konkurrenz ist riesig. Sie will mehr als 20.000 Follower. Und sie kämpft.
21:19Beim Durchscrollen fallen mir gewisse Hashtags auf, wie dieser hier Hashtag Neue Landwirte Plan 2025.
21:27Ihr Vorbild, Jojo, 11 Millionen Follower, verwendet Hashtag Neue Landwirte auch Hashtag Neue Landwirte Plan 2025 und viele mehr.
21:36Also diese ganzen Hashtags, die klingen schon allein wie offizielle Staatsprogramme und die sind ziemlich sicher, denke ich mir, Teil
21:46eines größeren Ganzen.
21:48Das ist interessant, weil es mit allen Politikfeldern so ist. Den Masterplan gibt die Zentralregierung in Peking vor, einmal im
21:56Jahr.
21:57Im Dokument Nummer eins geht es um ländliche Wiederbelebung, weniger Armut, modernere Landwirtschaft. Und darauf baut dieser aktuelle vierjährige Plan
22:06auf.
22:08In dem werden ziemlich explizit die Ziele für die jungen Menschen genannt.
22:14Junge Menschen sollen ermutigt und angeleitet werden, in ländliche Regionen zurückzukehren, einen Job zu finden, ein Business zu starten.
22:22Also was sich jetzt für uns so wie eine freundliche Empfehlung liest, ist in China dann doch eher eine klare
22:28Vorgabe für das System.
22:29Das Livestreaming vom Land gehört dazu und ist so tatsächlich ein Gewinn für alle. Es kann Bauern helfen, ihre Produkte
22:37teurer zu verkaufen.
22:38Die Plattformen verdienen mit und sie können der allgegenwärtigen Partei zeigen, wir sind dabei.
22:45Douyin etwa, das chinesische TikTok, veröffentlicht einen jährlichen Erfolgsbericht ländliche Unterstützung.
22:51Sie haben die Initiative Hashtag Neue Landwirte ins Leben gerufen, Hashtags viele Milliarden Mal geklickt und millionenfach genutzt.
22:59Es gibt Livestreamer-Ausbildungen überall im Land. Und Douyin vergibt einen Award für den besten Farmfluencer wie zum Beispiel ihn.
23:08Es werden immer mehr, so Douyin.
23:14Der riesige Tech-Konzern Tencent produziert, unterstützt von der kommunistischen Jugendliga und der Landwirtschaftsuni eine eigene Reality-Show,
23:23bei der junge Menschen Start-up-Ideen auf dem Land vorstellen und dann eine Förderung bekommen.
23:29Ich entdecke zahlreiche Regierungsprogramme, die junge Menschen aufs Land schicken.
23:34Werbung in schönsten Farben, damit sie dort tatsächlich in der Landwirtschaft oder als Arzt etwa arbeiten.
23:41Hunderttausende nehmen daran teil.
23:46Und dafür wird viel investiert. Wie zum Beispiel in Zhejiang.
23:53Dort versucht die Region Anji, heute mit Hilfe eines kleinen Drachentanzes, das umzusetzen, was die Pekinger Regierung will.
24:03Mehr junges Leben aufs Land zu bekommen, raus aus den Städten. Zum Festival der Innovationen, wie es heißt.
24:12Es werden Stellen auf dem Land als Social Media Manager, Tourguide oder zum Beispiel als Teferkoster im Dorf angeboten.
24:22Es kommt mir vor wie eine bizarre Mischung aus Hippie-Festival und Kirchentag.
24:28Nur, dass die kommunistische Partei dieses Festival hierhin eingeladen hat und es ist mit organisiert von dem Social Media Konzern
24:36Red Note.
24:37Red Note in China ist ähnlich wie Instagram.
24:40Die einen wollen mit Heißgetränk innehalten und die anderen, auch wenn es nur für einen Moment unter diesem Zeltdach ist,
24:49auch mal bisschen ausbrechen aus den Konventionen.
24:54Die Leute kommen hierher, weil ihr Job so anstrengend und so langweilig ist. Die müssen bis zu 16 Stunden arbeiten.
25:01Die wollen einfach einen neuen Lebensstil finden.
25:07Vielleicht mit Hilfe einer Orangenscheiben-Meditation. So stellt sich ein Dorf aus dem Landesteil Sichuan vor, das Mitarbeiter sucht.
25:18Das Regime und seine strikten Vorstellungen vom richtigen Leben scheinen ganz weit weg und sind doch immer da. Oft anders,
25:26als man denkt.
25:27Die junge Dame mit dem Mikro ist eine örtliche KP-Politikerin. Sie erklärt mir, was sie alles anbieten, um junge
25:35Menschen anzulocken.
25:37Die sollen eher neue Ideen mitbringen, als einfach nur aufs Feld zu gehen.
25:46Junge Menschen haben wenig Geld und wir bieten finanzielle Unterstützung. Dann können sie hier bei uns ein Business starten.
25:57Was genau für Business, frage ich mich. Drinnen stellen sich Dorfinitiativen vor.
26:04Ein geschweißter Tee aus ihrer Region. Diese beiden Jungs haben bereits ein Projekt gestartet.
26:10Guan hat an der US-Elite-Uni Harvard studiert und dort auch zur ländlichen Wiederbelebung geforscht.
26:16Ich bin erstaunt, wie viele hier sind, die im Ausland studiert haben. Er erklärt es mir.
26:22Jeder will einen Inhalt oder Sinn in seinem Leben finden und in den Dörfern, da gibt es eben große Chancen.
26:30Der Sinn sei, den rückständigen Dörfern zu helfen. Es geht aber auch um Chancen, die es in den Städten nicht
26:35mehr gibt.
26:36Der Boom dort ist vorbei. Die Provinz Zhejiang investiert ganz schön viel Geld in ländliche Gebiete.
26:42Ich bin gespannt, was genau Guan dort macht.
26:52Am Dorfeingang die örtlichen Politkader und Infos, was ein gutes Parteimitglied ausmacht.
26:58Die Kommunistische Partei ist hier auch ziemlich präsent, wie so oft, wenn man durchs Land fährt.
27:05Auch in diesem schönen Ort, in dem es ziemlich viele Hotels gibt, hier schon vor Jahren rein investiert wurde in
27:11den Tourismus.
27:12Aber dafür, dass echt Hauptferiensaison ist, ist ziemlich wenig los.
27:19In einer verlassenen Gasse finden wir die Jugendstation, so nennt sich Guans Büro.
27:27Er und sein Team sind gerade mitten in der Vorbereitung.
27:30Deshalb nimmt er uns auch gleich mit zum neuen Café, das am nächsten Tag eröffnet werden soll.
27:37Guan wurde von der Lokalregierung auf Social Media für dieses Dorfprojekt kontaktiert.
27:41In der Stadt hat er ein Beratungsbüro für ländliche Entwicklung.
27:46Ich frage ihn, warum hier so wenig Touristen herkommen.
27:51Es gibt viele andere Reiseziele, die müssen nicht unbedingt hierher kommen.
27:56Sie können auch in andere Dörfer reisen.
27:58Manche sind sogar schöner.
28:00Vor allem diejenigen, die vor kurzem mehr entwickelt wurden.
28:07Guan hat sich ein Konzept überlegt für die Wiederbelebung.
28:11Ganz wichtig, bei sengender Hitze, 40 Grad.
28:15Als erstes wird die Klimaanlage gefüttert und wieder in Gang gesetzt.
28:30Schnellkurs Barista.
28:32Ein hippes Café gehört in China mittlerweile fast schon zum Standard beim Versuch, mehr Menschen anzulocken.
28:38Über den Sommer sind freiwillige Helferinnen aus den Städten hier.
28:43Manche auf Jobsuche, andere studieren noch.
28:49Vielleicht, wenn ich eines Tages ausreichend Geld habe und mir keine Sorgen übers Geld machen muss.
28:55Dann würde ich aufs Land ziehen.
29:02Meine Traumvorstellung ist, drei bis vier Tage in der Stadt und den Rest der Woche bin ich auf dem Land.
29:07Das wäre unglaublich gut.
29:14In diesem Raum hier sollen in Zukunft Städter und einheimische gemeinsam Projekte und Geschäftsideen entwickeln.
29:22Guan erzählt, die örtlichen Politiker kümmern sich mit ums Marketing.
29:28Diese ganze ländliche Entwicklung ist ein Wettbewerb für all die Lokalregierungen.
29:34Sie versuchen auch ihre guten Projekte zu bewerben auf ihren Plattformen.
29:39Das ist für uns eine wichtige Ressource.
29:48Mit anpacken fürs große Ziel der KP. Ich habe mittlerweile das Gefühl, das ist heute irgendwie auch ein Muss im
29:56Lebenslauf.
29:58Das junge Team will mit den Einheimischen ein paar kleine Felder beackern, ein bisschen die Erde berühren.
30:04Doch noch ist man auf Annäherungskurs.
30:12Wir sprechen nicht oft miteinander. Das wird vielleicht mehr, wenn sie hier leben.
30:19Ich bin mir nicht sicher, was es bringt. Nur Touristen bringen uns Geld in die Kasse.
30:27Es ist zumindest so, dass trotz Konsumflaute in China fürs Reisen dennoch Geld ausgegeben wird.
30:34Der Tag endet wie im Bilderbuch. Die Damen vom Club Roter Stern marschieren in die Dämmerung hinein.
30:45Eines Tages, so die Hoffnung, kommen hier wieder mehr Menschen hin.
30:54Am nächsten Morgen im Dorf wieder Synchrondamen. Die begrüßen die Sonne und das Leben.
31:06Heute geht es für Guan und seine Leute um sehr viel. Die Eröffnung des Cafes muss zumindest virtuell gut laufen.
31:14Die Welt da draußen soll von diesem Ort hier erfahren. Vor allem die Städter aus Shanghai und Hangzhou.
31:20Ich bin jetzt hier der erste Gast, der auch natürlich sofort geleistet wird. Da haben wir es wieder.
31:26Wenn möglicherweise die echten Menschen ausbleiben, dann muss das Ganze digital gehen.
31:33Und wenn es nur mit einer Journalistin ist, die im Grunde genommen hier ist und das Ganze dokumentieren.
31:41Humor hilft immer. Bislang sind nur sechs Leute im Livestream. Das kann besser werden.
31:48Guan fremdelt noch ein wenig. Doch von nun an lässt er das Handy für ein paar Stunden nicht mehr los.
31:53Es wird gelivestreamt bis zum Abwinken. Eher noch im Probemodus. Und notfalls auch gegenseitig.
32:06Später dann kommen tatsächlich echte Gäste aus den nahen Städten dazu und Guan zeigt seine Ideen für die Wiederbelebung des
32:14Dorfes.
32:15Zum Beispiel einen Pop-up-Store, in dem immer wieder neue Marken präsentiert werden sollen.
32:20Doch an wen richtet sich das? Ich werde das Gefühl nicht los. Es wirkt wie reingebeamt aus einer anderen Welt.
32:33Für mich ist schwer vorstellbar, wie das hier alles langfristig mehr junge Menschen und Business anziehen soll.
32:39Aber wer weiß, vielleicht entwickelt sich irgendwann eine zündende Idee, die mega erfolgreich wird.
32:48Hier gehört Guan eigentlich hin, habe ich das Gefühl. Er pendelt zwischen Dorf und Shanghai. Da lebt und arbeitet seine
32:55Frau.
32:56Er hat auch keine Ambitionen, diesen Lebensstil zu verändern. Hier fühlt er sich richtig wohl.
33:04Shanghai ist eine sehr weltoffene Stadt.
33:09Die Städte sind nach wie vor das große Ziel für die meisten. Vielleicht ändert sich das gerade.
33:15Bei Guan merke ich, dass er wirklich davon überzeugt ist, dass er von den Investitionen in die Dörfer auch langfristig
33:21profitieren kann. Er spricht von einer neuen Ära.
33:24In den letzten 10 oder 20 Jahren waren es die Infrastruktur und die Immobilienbranche in den Städten.
33:33Aber jetzt glaube ich, für die nächsten 20 Jahre wird das in den Dörfern stattfinden.
33:39All diese Dörfer überlegen, wie sie entwickelt werden können. Das ist es, was mich antreibt.
33:46Guan sieht im Speckgürtel der Städte großes Potenzial.
33:52Weit weg in Guizhou sieht dieses Potenzial ganz anders aus.
33:58Also hier haben wir jetzt mal einen Verkehrsteilnehmer, der ein bisschen langsamer unterwegs ist.
34:02Aber das trägt ja auch gleich zur Entschleunigung bei, nicht wahr?
34:06Wir sind noch einmal auf dem langen Weg zu Sandy.
34:09Die Reisernte steht an. Die Wolken hängen ganz schön tief drin in den Bergen.
34:14Die Regen tropfen da.
34:18Sandy und ihr Vater sind etwas nervös. Es ist schon halb 10 Uhr morgens und der Mähdrescher, den sie angeheuert
34:25haben, kommt nicht.
34:27Und der ist es leider auch nicht.
34:34Das ganze Dorf ist heute auf den Beinen. Die meisten ernten mit den Händen.
34:39Es sind die Älteren auf dem Feld, ohne große Maschinen, wie schon vor vielen Jahrzehnten.
34:45Die Flächen hier sind klein, so wie oft in China.
34:50Selbst die Maschinen, die es gibt, wirken vorsinnflutlich.
34:56Die von Sandys Vater macht auch gleich schlapp.
35:02Sandy wirkt ein wenig unbeteiligt, so als wäre das hier nicht ihre Welt.
35:15Sandy, es ist nicht einfach hier als Landwirtin, was?
35:20Ja, es ist sehr hart.
35:26Elf Uhr, der Fahrer legt endlich los.
35:35Es sieht ein bisschen so aus, als könnte er auch gut beim Rodeoreiten mit einsteigen.
35:44So, Sandy hat jetzt gerade mit ihrem Ratschwing angefangen.
35:48Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass sie ganz viel Druck hat.
35:51Also sie ist irgendwie nicht so gut drauf.
35:54Elf Uhr fünf, schon wieder will die Maschine nicht.
35:57Es wird geschraubt und gezogen.
36:01Und auch das wird dokumentiert.
36:07Vor der Dunkelheit sollte idealerweise alles eingefahren sein.
36:11Viel Zeit bleibt nicht und das Wetter kann jederzeit kippen.
36:16Offenbar steckt der Vater viel Hoffnung ins Livestreamen.
36:19Er steht am Rand und statt aufs Feld starrt er aufs Handy.
36:24Der Vater haut hier ordentlich viel Leid von der Tochter raus.
36:29Die Welt da draußen soll schließlich von diesem Dorf hier erfahren.
36:33Auch damit mehr Touristen in die Herberge kommen.
36:36Darauf hoffen Vater und Tochter.
36:39Die Felder, so wertvoll sie sind, bringen wenig Geld.
36:46Es geht voran.
36:48Nachbarn sind Erntehelfer und bekommen dafür elf Euro am Tag.
36:52Sandy preist weiter den roten Reis an.
36:58Endlich halten sie die Ernte in den Händen.
37:01Ich spüre den Druck der beiden.
37:07Wir sind froh über die Sonne.
37:10Es gibt im Chinesischen ein Sprichwort.
37:13Wenn das Wetter gut ist, dann haben wir Ernte.
37:19Wir können nicht sehr viel verdienen, aber wir haben Freude bei uns.
37:25Der Reis reicht den Bauern hier gerade einmal zum Überleben.
37:29Es ist kompliziert für Sandy.
37:33Je länger ich Zeit mit ihr verbringe, desto deutlicher merke ich das.
37:38Eigentlich müsste sie auch in ihrem Hostel im Spätsommer mehr Gäste haben.
37:43Hat sie aber momentan nicht.
37:44Sie ist allein und sehr viel nachdenklicher geworden.
37:49Wir setzen uns gemeinsam hin und reden über die vergangenen Monate,
37:53über die Wirklichkeit, über Social Media und die idyllische Welt,
37:57die dort gezeigt wird.
37:59Glaubst du, dass deine Generation mittlerweile mehr in der digitalen Welt lebt
38:04als im echten Leben?
38:08Vieles, was online ist, ist eine Lüge, eine Erfindung, ein geschöntes Bild.
38:13Viele Influencer sagen nur das, was die Menschen hören wollen.
38:16Sie glauben vielleicht selbst nicht daran, hoffen aber auf Likes und Shares.
38:20In echt ist das natürlich nicht so.
38:22Aber die Menschen glauben, die Online-Welt ist real.
38:30Sie erzählt mir, dass sie sich noch drei Monate geben will,
38:34um zu sehen, ob sie es hier auf dem Dorf schafft.
38:39Was real ist und was nicht, so beobachte ich, verschwimmt mehr und mehr.
38:45Diese zehn Schauspieler sind Stars in China.
38:48Sie spielen in der TV-Show Werde Landwirt.
38:51Sie machen nicht nur Werbung für landwirtschaftliche Produkte und verkaufen diese per Livestream.
38:56Sie fahren durchs Land, posieren mit örtlichen Kadern, besuchen Schulkinder.
39:03Die und andere sollen spüren, Bauer sein ist cool.
39:06Auch wenn das hier alles herzlich wenig mit dem echten Landleben zu tun hat.
39:11Die TV-Show ist super erfolgreich in China.
39:16Hier ist es so eine Art moderner Propaganda.
39:19Die kommunistische Partei ganz oben, die hat ein Ziel, das sickert durch alle Ebenen.
39:24Und das führt dann, das habe ich bei meinen Recherchen und Gesprächen immer wieder gemerkt,
39:28zu so einer gewissen Mobilisierung.
39:31Es gibt den Druck zu liefern, zu performen, auch wenn es in erster Linie meistens ums Geldverdienen geht.
39:40Die Zentralregierung verkündet stolz, 12 Millionen junge Menschen seien schon aufs Land zurückgekehrt.
39:46Das sind bei Weitem nicht alles Livestreamer, das ist schon klar.
39:50Aber, so denke ich mir, typisch für die autoritäre Planung.
39:55Viele der Livestreamer sind einfach nur da, weil es gerade erwünscht ist.
40:05Nur Sandy nicht mehr. Ein ganz normaler Freitag in Guiyang, der Hauptstadt von Guizhou.
40:11Hier wohnen rund 6 Millionen Menschen und jetzt auch wieder Sandy.
40:17Was ist passiert?
40:22Auf dem Land gibt es nicht so viele Möglichkeiten.
40:25Ich habe auch viele Probleme erkannt, denn im Dorf kann man nur sehr begrenzt E-Commerce betreiben.
40:31Was Größeres geht da eigentlich nicht.
40:36Wie ist das jetzt für dich? Bist du enttäuscht?
40:41Ich habe eigentlich nicht das Gefühl, gescheitert zu sein oder erfolglos.
40:46Es war eine notwendige Erfahrung.
40:49Und die Zeit auf dem Land hat mir den Antritt gegeben, jetzt genau das zu tun, was ich nun vorhabe.
41:01Ich glaube, Sandy war von Anfang an nur halbherzig dabei auf dem Land. Mal ausprobieren, fürs Geschäft.
41:09Sie zeigt uns ihr neues Büro.
41:10Hier arbeiten viele andere auch und produzieren Videos und, wer hätte das gedacht, für Social Media.
41:19Diese Frucht ist eine besondere Spezialität aus Guizhou, Sandys neuer Plan, die jetzt mal ganz groß rausbringen.
41:27Daran arbeitet sie gerade. Den Landwirten würde sowas auch helfen, meint sie.
41:33Ich frage, ob sich diese Art von Frucht nicht besser auf dem Land verkauft.
41:41Wenn du zeigen willst, das Produkt ist naturbelassen und es kommt aus dem Dorf, dann macht das Sinn.
41:47Dann kannst du sagen, hier die Natur, die Vögel, die Flüsse und der Kunde glaubt dir das dann.
41:53Wenn das Produkt aber eher modisch modern ist, dann braucht es das nicht.
42:02Wenn ich das auf dem Dorf verkaufe, ist es sehr billig. Aber in der Stadt kannst du das für mehr
42:09Geld verkaufen.
42:15Sandy ist nach wie vor total überzeugt, dass sie von dem großen Vorhaben der Partei, der ländlichen Wiederbelebung, profitieren kann.
42:24Propaganda und eigene Überzeugung sind verschmolzen.
42:28Aber irgendwie fühlt sie sich auch ein wenig verloren.
42:32Das ständige Online-Sein nie mal abschalten können.
42:38Ich glaube, wir brauchen auch manchmal Momente, in denen wir nichts tun, um nachzudenken, was wir eigentlich tatsächlich machen wollen.
42:46Und wie es überhaupt weitergehen soll.
42:48Manchmal fühle ich mich super busy, jeden Tag busy, ohne überhaupt zu wissen, womit ich so beschäftigt war.
42:59Was ist es denn eigentlich, wovon du träumst?
43:03Mein Traum hat sich gewandelt. Ich hoffe einfach, dass der Weg, den ich einschlagen werde, der richtige für mich ist.
43:12Und das bedeutet auch, im Hier und Jetzt sein zu können, ohne Beauty-Filter.
43:18Doch es herrscht nonstop Ablenkung. Wie hier in dieser Bar, in der uns ungefragt ein Livestream vor die Nase gesetzt
43:24wird.
43:27Also ich dachte, wir nehmen jetzt einfach mal in Ruhe einen Drink zu uns, weil nämlich Sandy schon wieder Livestream
43:33ist.
43:34Beziehungsweise sich mit ihrer Kollegin dazu berät. Und wo sind wir angefangen?
43:41Da ist sie wieder, die virtuelle Welt, die einen nie dort sein lässt, wo man gerade ist. Egal, ob auf
43:48dem Land oder in der Stadt.
43:51Oh!
43:54Was ist das?
43:55Wow!
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