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00:01I believe the Tradwife movement is bringing balance back to family.
00:05Viele glauben, dass das Leben als Hausfrau super entspannt ist und
00:09dabei wissen sie gar nicht, wie anstrengend es sein kann.
00:12I believe that Tradwife content...
00:14Auf Social Media trenden immer mehr Frauen, die Tradwife-Content produzieren.
00:20Tradwives sind traditional housewives, also klassische Hausfrauen.
00:24Wobei nicht ganz klar ist, welches traditional hier gemeint ist.
00:29Entweder traditionell, traditionell wie im 19. Jahrhundert oder modern oder genau wie in den 50ern.
00:36Und das Allerwichtigste für ihn ist der Pudding.
00:39So strahlend weiße Wäsche.
00:42Und das polarisiert in den Medien natürlich total.
00:45Ich bin Hausfrau.
00:47Wir sind ganz weit zurück.
00:49Ich finde auch, dass eben nicht nur die Frau zuhause bleibt und kocht und sauer macht,
00:53sondern dass der Mann das auch machen kann.
00:54Ein Thema, das schon lange heftig diskutiert wird.
00:57Und dass rechte Parteien heute wieder für sich nutzen.
01:00Es gibt eben viele Frauen in Deutschland, die würden sich sehr gerne für die Familie entscheiden.
01:06I'm married to a Tradwife.
01:07A Tradwife.
01:08Ich will von einer echten Tradwife erfahren, wie ernst sie es damit wirklich meint.
01:12Und was das überhaupt ist, eine traditionelle Hausfrau.
01:15Aber die vielleicht wichtigste Frage überhaupt, warum geht es beim Thema Hausarbeit niemals um uns Männer?
01:21I'm married to a Tradwife.
01:23A Tradwife.
01:24Man, you know I got a Padwife.
01:26A Padwife.
01:26Kehrarbeit fürs Kind, putzen, waschen, kochen und gleichzeitig arbeiten ist zwar stressig, aber für viele von uns heute Alltag.
01:36Trotzdem scheint es so eine gewisse Sehnsucht nach alten Rollenmodellen zu geben.
01:42Ich werde oft gefragt, ob mein Mann sich nicht mit mir langweilt, aber damit ich interessant für ihn bleibe, schaue
01:49ich gerne nach den neuesten Trends.
01:51Ich treffe eine der populärsten deutschen Tradwives, Karolina Tolstig, oder wie sie sich auf Social Media nennt, xMalischka.
01:59Und dann habe ich mir noch überlegt.
02:02Hallo, Lea.
02:03So, komm gerne rein.
02:04Gerne.
02:05Das ist meine Wohnung.
02:07Und hier drehst du auch eins?
02:08Genau.
02:09Karolina treffe ich auf Mallorca in ihrer Wohnung, mit Blick über die Bucht.
02:15Sie hat einen Aufzug direkt zum Strand.
02:18Die meisten Tradwives filmen sich in Luxusküchen, zum Kochen perfekt geschminkt.
02:24Zum Glück muss man ja auch nicht jeden Trend mitmachen.
02:27Machst du dich mehr für dich selbst schick oder machst du dich auch für ihn schick?
02:32Sowohl als auch.
02:34Und ich finde, das ist auch vollkommen in Ordnung.
02:36Und ich stehe auch dazu, dass ich mich für meinen Partner hübsch mache, auch wenn das viele nicht verstehen.
02:43Und das finde ich schade, weil ich glaube, es ist super wichtig, in der Beziehung immer noch die Person zu
02:52sein, die der Partner so kennengelernt hat.
02:55Ich überlege mir natürlich jeden Tag, was ich für ihn backen kann.
02:59Und weil er ziemlich gute Ansprüche hat, muss das Ganze auch immer so perfekt aussehen.
03:04Und das ist nicht immer recht.
03:06In einem von Carolinas erfolgreichsten Reels spielt eine Werbung aus den 50ern eine große Rolle.
03:12Eigentlich hat sie es ja viel besser als er. Sie darf backen.
03:17So, jetzt aber Tempo. Bald wird Peter da sein mit einem Bärenhunger.
03:22So, jetzt aber Tempo. Bald wird Peter da sein mit einem Bärenhunger.
03:27Mit diesem Jahr. Eine Frau hat zwei Lebensfragen.
03:31Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?
03:36Die Rollen sind klar verteilt, heute bei den Treadrives auf Instagram, so wie damals in der Werbung.
03:42Ja, und das allerwichtigste für ihn ist der Pudding.
03:46Richtig. Sie wissen ja, Männer, die gern Süßes essen, haben einen guten Charakter.
03:52Aber woher kommt das eigentlich, Mann auf Arbeit, Frau am Herd?
03:59Die Erfindung der Hausfrau, so heißt ein Buch der Historikerin Evke Rulfes.
04:05Ich möchte von ihr erfahren, wie lange diese Erfindung denn tatsächlich her ist.
04:12Die Hausfrau, wie wir sie kennen, also dass die Mutter und Ehefrau die ganze Care-Arbeit übernimmt,
04:20ist eine Entwicklung des Bürgertums aus dem 19. Jahrhundert.
04:24Und vorher, also bis ins 18. Jahrhundert, hatte die Ehefrau eher die Rolle der Hausmutter inne.
04:30Und das war eher eine Betriebsleiterin.
04:34Die Industrialisierung zog immer mehr Familien in die Städte. Aber hier war der Wohnraum knapp.
04:40Es gab weder Platz noch Geld für Hausangestellte. Das hatte direkte Konsequenzen für die Frauen.
04:45Wir haben ja eine Dreifachbelastung dann. Mit der Industrialisierung, mit der Fabrikarbeit müssen sie plötzlich alles übernehmen.
04:51Also Kinder, Haushalt und Arbeit.
04:53Mehr Belastung für die Frauen also. Und auch mehr Anerkennung?
04:58In dem Moment, wo die bürgerliche Ehefrau diese ganzen Arbeiten unbezahlt übernehmen muss, um das ökonomische Überleben der Familie zu
05:07sichern,
05:08verliert die Hausarbeit an Wertschätzung und wird es eben auch nicht mehr als Arbeit angesehen.
05:14Sondern natürlich als Liebesbeweis.
05:18Entdeckt die Liebe.
05:19Die Liebe wird dazu benutzt, dass die Ehefrau eigentlich alle ihre Rechte abgibt.
05:26Liebe bedeutet für die Frau, sich dem Mann ganz hinzugeben, sich aufzulösen, ihr kein eigenes Leben mehr zu haben, sondern
05:33ganz nach seinem Willen zu leben.
05:35Neben Kindern und Haushalt erhält jetzt auch die Küche immer mehr Aufmerksamkeit.
05:40Mitte des 19. Jahrhunderts erscheint das erste Kochbuch, das sich direkt an die Hausfrau richtet.
05:45Man solle doch keinen Koch einstellen oder keine Köchin einstellen, sondern lieber selber kochen.
05:52Weil bekanntlich ging ja Liebe bei Männern durch den Magen.
05:55Und das hält sich bis heute. Der Großteil des Dreadwife-Contents zeigt vor allem, wie sie für ihre Männer kochen.
06:02Nur Liebe allein reicht allerdings nicht. Deshalb werden die Frauen in Haushaltskursen vorbereitet und ihre häuslichen Pflichten sogar gesetzlich verankert.
06:12Also im Jahr 1900 ist die Hausfraunehe eingeführt worden. Da ist dann rechtlich festgeschrieben worden, erstens die Frau muss den
06:20Haushalt führen und zwar alle Frauen durch alle Schichten hinweg.
06:24Gleichzeitig, sie verlieren die Entscheidungsgewalt über das eigene Leben. Das ist der sogenannte Gehorsamsparagraf.
06:31Das heißt, sie können keinen Arbeitsvertrag unterschreiben, sie können keinen Führerschein machen, sie können kein eigenes Konto eröffnen.
06:37Hausarbeit optimieren ist in den 1920er Jahren dann ein Riesenthema.
06:42Doch statt Männer mit in die Küche zu stellen, werden alle Arbeitswege ergonomisch auf die Frau zugeschnitten.
06:48In der modernen Küche ist jetzt wirklich nur noch genug Platz für eine Frau, die ihren Mann versorgt.
06:55Bei den Dreadwives ist das genauso. Sie tun alles für ihre Männer, nur sieht ihre Hausarbeit kinderleicht aus.
07:01Damit er immer gut drauf ist, sorge ich dafür, dass er immer etwas Leckeres zu essen hat.
07:07Zum Frühstück habe ich Rührei mit Blattgold gemacht und mir danach eine kleine Pause gegönnt.
07:12Zum Mittagessen gab es dann eine Hähnchenpfanne mit Reis in Herzchenform und dann habe ich mir noch überlegt, was ich
07:19ihm zum Abendessen koche
07:21und habe dann diese selbstgemachten Wraps gemacht und er hat sich sehr gefreut.
07:26Beim Kochen will ich von Carolina wissen, ob ihr die Hausarbeit wirklich so leicht von der Hand geht, wie sie
07:31es in ihren Insta-Reels immer behauptet.
07:33Oder ob da nicht doch mehr Arbeit dahinter steckt.
07:38Definitiv, wenn man sagt, man möchte jetzt drei unterschiedliche Mahlzeiten am Tag frisch kochen, dass das auch ziemlich aufwendig sein
07:47kann.
07:47Und es ist einfach so, dass mein Mann auch einen gewissen Anspruch hat und der scheut sich auch nicht vor
07:55Kritik.
07:56Carolina ist vor drei Jahren nach Mallorca gezogen. Hier arbeitet sie als Content-Creatorin für lokale Restaurants und hat dabei
08:03den Treadwife-Trend für sich entdeckt.
08:06Was wäre, wenn du zum Beispiel einen größeren Job hättest als deinen Partner?
08:10Ich weiß nie, was passiert. Aber ich kann für mich jetzt sagen, dass ich schon denke, dass ich im Haushalt
08:16dominiere, weil ich das auch so ein bisschen aus meiner Familie gewöhnt bin.
08:21Also meine Oma hat das so gemacht, meine Mutter hat das so gemacht und ich fühle mich damit auch gut.
08:28Das heißt, selbst wenn dein Instagram-Kanal oder dein Social-Media-Kanal durch die Decke geht, würdest du das immer
08:34noch so ein bisschen so für dich behalten als Komponente?
08:38Ja, definitiv. Ja, weil ich sage ja auch, ich mache es ja nicht nur für Instagram, sondern es ist wirklich
08:43ein Teil meines Lebens.
08:44Schön, Sie zu sehen, Frau Richter. Hallo.
08:46Hi, schön, Sie zu sehen.
08:48Die Darstellung der Hausfrau in Magazinen und der Werbung beschäftigt die Historikerin Hedwig Richter.
08:56Von ihr will ich wissen, wie und warum das Hausfrauenmodell so populär wurde.
09:05Dieses Modell entsteht eigentlich im 18. Jahrhundert und wird dann vor allem im 19. Jahrhundert ganz wichtig für das Bürgertum.
09:12Eigentlich kann sich auch nur das Bürgertum eine Hausfrau leisten,
09:14eben, dass nur einer arbeitet und das Geld verdient.
09:18Interessanterweise am Ende des 19. Jahrhunderts sagt dann die Sozialdemokratie,
09:22vor allem die Männer in der Sozialdemokratie, manche Frauen haben dann eine andere Meinung,
09:26die sagen dann, wir wollen auch eine Hausfrau haben.
09:28Auch ein Sozialdemokrat, auch ein Arbeiter soll das Recht auf eine Hausfrau haben.
09:32Und dann ist interessant, im Nationalsozialismus wird die Frau als Mutter natürlich absolut idealisiert.
09:39Und ein Versprechen der Nationalsozialisten war, dass sie die Geschlechterordnung wieder in Ordnung bringen.
09:44Sie wollen die Frau aus allen Berufen drücken.
09:49Ich will ihr nur die Möglichkeit im weitesten Ausmaß verschaffen,
09:54heiraten zu können und eine eigene Familie mit Gründen helfen zu können
10:01und Kinder bekommen zu können, weil sie dann, und das ist nun meine Überzeugung,
10:07unserem Volk natürlich am allermeisten mit.
10:15Ansätze der Emanzipation werden im Keim erstickt,
10:19Frauen aus ökonomisch und politisch wichtigen Berufen rausgedrängt.
10:27Ein beträchtlicher Teil dieser Frauenideologie war die Mutterideologie,
10:33dass eben die Frau dafür da ist, dem Führer Kinder zu schenken.
10:36Dazu gehört eben auch, dass Frauen rausgedrängt wurden aus dem Studium,
10:40dass Frauen rausgedrängt wurden auch aus Richterberufen
10:42oder dass Frauen unter gar keinen Umständen mehr etwa im Parlament sitzen konnten.
10:47Aber sie wollten zugleich auch, dass Frauen durchaus gute Nationalsozialistinnen sind
10:51und dass die Frauen auch organisieren.
10:54Im Eroberungs- und Vernichtungskrieg der Nazis
10:56werden Frauen erst als Krankenschwestern gebraucht.
11:00Doch bald müssen sie auch die Männer in der Rüstungsindustrie ersetzen.
11:07Während des Krieges mussten die Frauen dann einfach sehr, sehr viel übernehmen
11:12und sie sind auch in immer mehr Jobs reingekommen,
11:15von denen man vorher gesagt hat, dass die nicht gut für die Frauen sind.
11:17Am Ende werden die Frauen auch in der Wehrmachtdienst verpflichtet,
11:22zum Beispiel als Flak-Helferinnen.
11:27Nach der Befreiung vom Nazi-Regime sind das wieder vor allem die Frauen,
11:31die den Bombenschutt wegräumen.
11:33Doch mit den Kriegsheimkehrern ändert sich ihre Situation.
11:37Ende der 40er Jahre steigt die Arbeitslosigkeit sehr stark an.
11:411950 haben wir weit über 10 Prozent Arbeitslosigkeit.
11:45Und insofern passt es ganz gut, dass man dann gesagt hat,
11:48die Frauen sollen jetzt eben raus und es soll auch Löhne geben,
11:52mit denen ein Mann die Familie versorgen kann.
11:54Also insofern hat es auf den Arbeitsmarkt zunächst sehr gut gepasst,
11:57weil die Arbeitslosigkeit hoch gewesen ist.
11:59Wie hat das mit dem Geld funktioniert?
12:01Also hat eine Familie nicht zwei Gehälter gebraucht, so wie heute?
12:04Viele Familien haben zwei Gehälter gebraucht,
12:06aber das war natürlich eine Illusion.
12:09Viele konnten sich nicht leisten, dass die Frau zu Hause bleibt.
12:12Besonderen Respekt erhalten Frauen allerdings nicht,
12:15wenn sie zum Familieneinkommen beitragen.
12:18Also das kommt immer auf die Milieus an.
12:20Manche haben das als peinlich empfunden, wenn die Frau arbeiten musste.
12:23Für viele war das so ein Statussymbol.
12:25Ich habe eine Hausfrau, meine Frau muss nicht arbeiten.
12:28Aber für viele war es dann eben wichtiger,
12:30dass man sich tatsächlich ein Auto leisten konnte
12:32oder einen Kühlschrank oder die berühmte Waschmaschine.
12:34Das Einmaleins der Hausfrau zeigte eine Fachschau der Hauswirtschaft in Nürnberg.
12:39Vieles, was das Leben der Hausfrau leichter machen kann.
12:42Die Nähmaschine mit Dreiganggetriebe.
12:44Auch die praktische Hausarbeitskleidung wurde gezeigt.
12:48Einen Wettkampf im Großreinemachen von Fußböden.
12:51Als Symbol härtester Hausarbeit der Scheuerlappen.
12:55Gegen ihn trat der moderne Soga an.
12:58Der Soga siegte mit Längen.
13:01Die wahrscheinlich wichtigste und vielleicht auch genialste Erfindung war die Waschmaschine.
13:06Denn das Waschen war für Frauen unfassbar schwer.
13:09Man musste die Wäsche aufsetzen, dann die nasse Wäsche aufhängen.
13:13Und nun kommt die Waschmaschine und nimmt das der Frau ab.
13:16Und interessanterweise wird es dann nicht einfach runter reduziert, die Arbeit der Frau.
13:21Sondern sie erfindet sich dann immer wieder neue Arbeit.
13:25Man muss schon sagen, die Zeit insgesamt, die eine Frau für den Haushalt verbringt sinkt schon.
13:31Also von rund 70 Stunden so um 1950.
13:35Und in den 70ern sind es dann etwa noch 55 Stunden.
13:39Und sie macht es dann, indem sie zum Beispiel, indem es immer mehr Putzmittel gibt.
13:45Und sie so die große Fachfrau wird.
13:46Die Buntwäsche und synthetische Wäsche ist nie sauber genug.
13:50Auch ganz wichtig, die Wäsche wird dann eben jeden Tag gewechselt, jeden Tag Unterwäsche wechseln.
13:56Es wird noch viel, viel mehr gebügelt.
13:59Also ganz viel von den Erfindungen, die der Hausfrau zugute kamen, werden dann eben dadurch aufgefressen, dass die Standards immer
14:06mehr steigen.
14:08Wer sagt Ihnen das? Ist das ein medialer Prozess, der da stattfindet?
14:12Es gab eine ganz, ganz breite Vielfalt an Frauenzeitschriften.
14:16Das sind auf jeden Fall Putzmittel, spielen da eine ganz große Rolle.
14:19Ajax, denn ich kaufe was. Ich will Ajax, denn ich kaufe was. Ich will Ajax, denn ich kaufe was.
14:28Auch immer dieses Gefühl, mache ich eigentlich genug? Bin ich sauber genug?
14:32Gardinen waren riesiges Thema. Das ist dann in den 60er, 70er Jahren, sind meine Gardinen so schön wie die der
14:38Nachbarin.
14:38Was für wunderschöne Gardinen. Einmal. Einmal. Ja, Gardinen zum Träumen.
14:46Ich finde da so interessant und auch so traurig, dass von Anfang an hat man sich eigentlich über Hausfrauen lustig
14:52gemacht.
14:53Ich will Ajax.
14:59Zum Ende gibt mir Hedwig Richter noch eine interessante Überlegung auch für Männer mit.
15:06Wie können wir etwas schaffen, einen Raum schaffen, in dem die Menschen, auch die Männer, sich wohlfühlen,
15:12in dem sie nicht das Gefühl haben, sie sind völlig benachteiligt? Das finde ich interessant.
15:16Und wie kann das die Familie sein? Und dass man dann vielleicht wirklich nochmal neu drüber nachdenkt.
15:20Wie können wir ein Zusammenleben finden, das uns Sicherheit gibt, das uns Schönheit gibt, ohne dass dabei ein Geschlecht unter
15:28die Räder kommt?
15:31Spülmaschinen, Waschmaschinen und Co. erleichtern zwar die Hausarbeit, aber es bleibt immer noch extrem viel zu tun, vor allem mit
15:38Kind.
15:38Trotzdem machen Treadwives auf ihren Kanälen oft absurd aufwendige Dinge, wie zum Beispiel Cola.
15:56Selber Cola machen kann sehr lukrativ sein. Allein ihre Beiträge bringen Nara wohl über eine Million Dollar im Jahr ein.
16:05Aber das Treadwife-Ideal will doch eigentlich, dass nur der Mann das Geld verdient.
16:09Social Media ist für viele Kreatorinnen doch ein Job. Macht Carolina Tolstic den Account also nur aus Spaß?
16:19Es ist eben so, dass jede Hausfrau, die sich heute auf Social Media präsentiert, eben Social Media auch als ihr,
16:29ja nicht unbedingt Job.
16:31Also ich verdiene mit dem Account ja kein Geld, aber dass es natürlich super aufwendig ist und mit viel Arbeit
16:38verbunden ist auch.
16:39Du verdienst mit dem Account gar kein Geld?
16:42Gar kein Geld.
16:42Okay.
16:45Die erfolgreichsten Treadwives verdienen zusätzlich noch Geld mit Werbung oder mit eigenen Produkten. Sie sind also eigentlich Unternehmerin.
16:54Carolina sieht in ihrem Account eher eine Aufwertung des Hausfrauenjobs.
16:59Viele Frauen sehen heute so ein bisschen diesen Traum darin, nur für die Kinder da zu sein und sich eben
17:06nicht mehr für eine 40-Stunden-Woche kaputt zu machen.
17:10Also das Gefühl, was ich oft bekomme, ist, dass diese Frauen oftmals im Schatten des Mannes stehen und dass die
17:18Arbeit von denen gar nicht genug Dankbarkeit erfährt.
17:22Sind per se nur Frauen auf deinem Kanal, die sich da zurückmelden oder auch Männer, die die Hausarbeit machen?
17:27Ich würde sagen, es sind überwiegend Frauen. Und die Männer, die was dazu schreiben, sind schon sehr in der Rolle,
17:40dass sie eben diesen Versorgerpart gerne übernehmen würden.
17:43Und ich glaube, das ist auch reizvoll für Männer, wenn sie wissen, dass sie mit ihrem Gehalt eine ganze Familie
17:49ernähren können, was eben heute kaum mehr der Fall ist, dass diese Position natürlich attraktiv ist.
17:56Männer und ihr angekratztes Ego spielen also auch eine Rolle bei den Treadwives.
18:01Was ich erlebe, unsere Gesellschaft ist nicht besonders hilfreich für Familien, in denen beide Partner arbeiten.
18:10In der DDR schien die Gleichberechtigung weiterentwickelt als in der Bundesrepublik.
18:15Ich möchte wissen, ob das so stimmt und habe dafür die Historikerin Jessica Bock getroffen.
18:21Hallo Frau Bauer, viel zu sehen.
18:23Ja, sehr schön.
18:23Kommen Sie doch bitte rein.
18:24Ja, danke.
18:25Wir sind hier in so einer alten DDR-Musterwohnung.
18:29Vielleicht wollen Sie sich kurz mal das Arbeitszimmer angucken.
18:37Ja, bei uns sah es ähnlich aus.
18:39So ein schmales Zimmer mit Bildern und Spielzeug.
18:44Genau.
18:44So in etwa sah es auch bei meinen Großeltern in Hessen aus.
18:48Vielleicht wollen Sie mal weiterkommen.
18:49Ja.
18:50Ja, ich glaube, die Tapeten, die hat man ganz oft so in den Wohnungen gesehen.
18:54Also, es gab ja nicht so viel Auswahl.
18:56Genau, das stimmt auch wieder.
18:58Hier ist das Zimmer, das Wohnzimmer.
19:01Auch schon mit Kaffee.
19:02Sehr gut.
19:02Ja, genau.
19:03Schon alles gedeckt.
19:07Wie würden Sie die Rolle der Hausfrau in der DDR beschreiben?
19:13Das ist eine interessante Frage, weil es offiziell in der DDR eigentlich keine Hausfrauen geben sollte.
19:19Die Hausfrau stand für ein rückständiges Frauenbild und das Emanzipationsideal der SED war die berufstätige Mutter gewesen.
19:26Und die SED hatte von Anfang an zum Ziel, dann auch die Frauen in die Berufstätigkeit zu motivieren und dafür
19:34auch entsprechende Gesetze, Fördermaßnahmen und Ähnliches erlassen.
19:38Die DDR bietet extra für Hausfrauen Kurse zur Weiterbildung für einen höheren Schulabschluss an.
19:47Der erste Hausfrauenkursus ins Leben gerufen durch die Volkshochschule in Berlin-Köpenick.
19:53Die Mehrzahl von ihnen weiß, dass er Fleiß und Ausdauer voraussetzt, aber auch, dass er nach oben führt.
19:59Eine beachtliche Zahl von ihnen hat sich vorgenommen, den Abschluss der 10. Klasse zu erreichen.
20:06Wir fragten einige Frauen, was sie veranlasste, am Kursus teilzunehmen.
20:11Als ich von diesen Hausfrauen-Lehrgängen hörte, dachte ich, das ist die Gelegenheit, um aus dem Hausfrauen einerlei herauszukommen.
20:19Die Decke ist einem doch bald auf den Kopf, wir fallen nach 10-jähriger Kochtopftätigkeit.
20:23Wie hat man zu Beginn der DDR angefangen, die Hausfrauen in ihre Berufe zu bringen?
20:30Bis 1958 haben circa vier Millionen Menschen die DDR verlassen und diese Arbeitskräfte haben gefehlt für den Aufbau des Sozialismus.
20:38Die SED hat Ende der 1950er Jahre eine Kampagne durchgeführt, das war die sogenannte Hausfrauenkampagne.
20:45Und die Hausfrauenkampagne hat es zum Ziel gehabt, Hausfrauen, die nicht berufstätig waren, zu motivieren, eine Teilzeit- oder Vollzeitarbeit
20:55aufzunehmen.
20:56Sigrid Müller ist nicht nur eine gute Hausfrau und Mutter. Sie weiß, dass die Republik die Hilfe aller Frauen braucht.
21:03Sie sagte uns.
21:04Ich bin Leiterin einer Hausfrauenbrigade in Neubrandenburg. Wir fahren viermal wöchentlich zur LBG Rotespannen nach Postnemerow.
21:13Augenblicklich helfen wir beim Verziehen der Rügel. Um unsere Arbeit noch besser leisten zu können, besuchte ich 1962 einen Lehrgang
21:21für Feldgemüsebad.
21:23Im kommenden Jahr werde ich die Prüfung als Akrotechnikerin ablegen.
21:27Mit dieser Kampagne wollte die SED quasi den Hausfrauen vermitteln, dein Glück ist nicht am Herd in den privaten vier
21:34Wänden, sondern dein Glück ist im Betrieb, im Kollektiv.
21:38Die Berufsauswahl war staatlich gelenkt und es entwickelte sich dann so, dass auch die Frauen zunehmend in Bereichen tätig wurden,
21:46die auch traditionell als weiblich gelten.
21:48Also Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Dienstleistungswesen und das sind auch Wirtschaftsbereiche, die auch im Vergleich zu anderen Berufen, wo überwiegend Männer tätig
21:58sind, schlechter bezahlt sind.
22:00Mit Hausarbeit beginnt der Tag. Da sind Öfen zu heizen, die Kinder müssen zur Schule geschickt werden, die Wohnung soll
22:07auch in Ordnung sein.
22:08So sieht der Arbeitstag einer Hausfrau aus. Aber Frau Schmoll versteht sich, ihre Zeit einzuteilen.
22:14So hat sie nebenbei noch Gelegenheit im Elternbeirat der vierten Oberschule in der Driesener Straße mitzuarbeiten, in der ihre beiden
22:21Töchter Heidi und Dagmar den Unterricht besuchen.
22:24Eines steht für Frau Schmoll fest. Sie will bald wieder in ihrem erlernten Beruf als Kindergärtnerin arbeiten.
22:30Und so ganz im Stillen hat sie den Wunsch, einmal Lehrerin zu werden. So lange aber steht sie hundertprozentig ihren
22:36Mann als Hausfrau und in der gesellschaftlichen Arbeit.
22:41Die Frauen waren erschöpft gewesen. Die Frauen mussten ja auch im Idealfall Vollzeit arbeiten.
22:46Das war in der DDR von 41 bis 45 Stunden die Woche. Und in der Regel begann dann danach, so
22:54sagt es im Volksmund, die zweite Schicht, sprich die Hausarbeit.
22:57Und in der DDR haben auch zu über, eigentlich zu über 90 Prozent die Hausarbeit auch die Frauen gemacht.
23:03Und das war eine große Doppelbelastung und das zeigte sich auch darin, dass Frauen versucht haben, dann auch mit der
23:09Arbeitszeit runterzugehen.
23:10Also Frauen wurden auch zunehmend in Teilzeitarbeit tätig. Das wurde von der SED nicht so gern gesehen, weil die Vollzeitkraft
23:17gebraucht wurde, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, zu produzieren.
23:21Über 3500 Frauen arbeiten in diesem Betrieb. Früher waren auch hier Meister, Techniker und Ingenieure Männer. Heute sieht es anders
23:30aus.
23:30Im Westen geht die ideale Hausfrau höchstens mal zum Friseur.
23:45Vor allem in der Werbung hält sich das klassische Rollenmodell. Selbst wenn das Essen aus der Dose kommt.
23:50Das ist eine Bodensuppe. Ich heirate auch meine Frau, die kochen kann.
23:54Es gab insofern den Blick auf den Westen, dass gesagt wurde, das ist rückständig, die Frauen werden unterdrückt, die werden
24:01zu Hause gehalten und dürfen nicht arbeiten.
24:04Und wir sind viel weiter, weil die Frau emanzipiert ist. Und Emanzipation hieß in der DDR die Berufstätigkeit der Frau.
24:11Aber selbst die Hausfrauen in der DDR sollen ihren Genossinnen im Westen weit voraus gewesen sein.
24:17Das ist richtig. Allein daran zeigt sich die haushohe Überlegenheit der Deutschen Demokratischen Republik gegenüber Westdeutschland.
24:24Die ein Bewusstsein haben, die aktiv sind, die also über ihren engen Horizont hinausgewachsen sind, obwohl sie aus mannigfaltigen Gründen
24:33im Moment nicht berufstätig sind.
24:35Also da kann keine Hausfrau ihnen das Wasser reichen aus einem kapitalistischen Land.
24:40Durch die Berufstätigkeit der Frau hat sich auch bei den Frauen eine ökonomische Engständigkeit entwickelt, die auch Auswirkungen hatte auf
24:49das Selbstbewusstsein der Frau.
24:51Das ist ohne Frage. Und das trug auch dazu bei, dass Frauen, auch wenn die Ehe nicht mehr so gut
24:57lief, sich auch leichter scheiden lassen konnten, weil denen dann nicht die Armut drohte.
25:03Im Westen ist noch bis 1977 die Haushaltsführung erste gesetzliche Pflicht für die Frauen der Ehe.
25:10In der DDR ist die Hausfrauen-Ehe seit Gründung Geschichte.
25:14Es wurden entsprechende Gesetze erlassen, die die Gleichberechtigung der Frau garantieren.
25:19Sie mussten nicht ihren Mann fragen, ob sie einen Beruf ergreifen dürfen wie in der Bundesrepublik.
25:25Frauen durften auch ein eigenes Konto besitzen.
25:29Mit der Wiedervereinigung 1990 verändert sich die Situation für die Frauen im Osten elementar.
25:36Viele Betriebe schließen und es heißt, seid doch froh, dass ihr nicht mehr arbeiten müsst. Jetzt könnt ihr in Ruhe
25:41bei euren Kindern zu Hause bleiben.
25:46Das stieß doch auch bei den Frauen im Osten auf großes Befremden, weil die dachten, ich werde ja nicht gezwungen,
25:52ich will ja arbeiten.
25:54Und es ist auch wichtig für mich, dass ich arbeite und die Frauen wollten weiterhin berufstätig bleiben.
26:01Fünf Jahre nach der Wiedervereinigung werden Frauen im Osten gefragt, wie es ihnen mit der neuen Situation ergangen ist.
26:08Ich hab anderthalb Jahre zu Hause gesessen und weil sie mit der Zeit wird immer verrückt zu Hause.
26:13Man möchte eben auch was anderes noch haben, als nur den Haushalt.
26:17Man kann sich die Arbeit ganz anders einteilen, aber die Lebenserfüllung selbst ist es nicht.
26:21Wie ihr wisst, habe ich als Hausfrau große Verantwortung. Ich muss nicht nur dafür sorgen, dass mein Mann glücklich ist.
26:28Ganz so ernst scheint es auch Carolina Tolstig nicht mit ihrer Berufung zur traditionellen Hausfrau zu meinen.
26:34Trotzdem erntet sie in ihren Reels reichlich Häme.
26:40Aber trifft die Wut da die richtige?
26:42Was mir das vor allem deutlich macht, wir reden viel zu wenig darüber, welche Rolle Männer im Haushalt übernehmen müssen,
26:49damit Frauen besser Care-Arbeit und Beruf verbinden können.
26:52Die meisten Treadwives sind eigentlich Influencerinnen, die eine grundsätzliche Schieflage in unserer Gesellschaft für ihre Popularität nutzen.
27:01Und Provokation ist nun mal die wichtigste Währung auf Social Media.
27:09Hast du das Gefühl, dass in deinen Videos sowas wie die Ironie oder so nicht so wirklich verstanden wird?
27:16Ja, das passiert ganz oft.
27:18Heute habe ich meinem Mann wie jeden Morgen sein Frühstück zubereitet.
27:23Ich versuch's dann ja auch mal auf die Spitze zu treiben.
27:27Und bin dann runter zum Strand gegangen.
27:29Da habe ich die Eier eingesammelt, die der Eierfisch hier jeden Morgen ablegt.
27:33Zum Beispiel bringt uns der Eierfisch ja auch mal das Frühstück vorbei.
27:39Und was für ein Zufall.
27:42Dann Tomaten hinzugefügt, die Eier und obendrauf noch ein paar Kräuter und Feta und das war sein Frühstück.
27:50Ja, die Ironie ist natürlich ein Aspekt meines Kanals, die die ganze Leichtigkeit auch reinbringt.
27:57Ja, also ich sage natürlich, in jedem Spaß steckt ein bisschen ernst. Die Inhalte, die ich teile, die passieren ja
28:04auch so.
28:06Aber ich möchte natürlich den ganzen Humor auch noch beibehalten und meine Community unterhalten.
28:11Und da entstehen eben auch solche Videos.
28:16Das Interview mit Carolina Tolstic hat mir gezeigt, dass Hausarbeit gern idealisiert dargestellt wird.
28:22Wie schon in den letzten 200 Jahren. Die Realität sieht aber anders aus als in den Reels der Dreadwives.
28:29Medien und Werbung prägen unsere Rollenbilder. Können Dreadwives also wirklich unsere Gesellschaft zurückwerfen?
28:37Ich finde diesen Trend der Dreadwives völlig überschätzt. Also das ist eine Groteske, die da aufgeführt wird und die eben
28:46von vielen auch als Groteske wahrgenommen wird.
28:49Aber das ist ja überhaupt nicht so, dass es jetzt plötzlich massenweise junge Frauen gibt, die sagen, ich will Dreadwife
28:55werden.
28:55Also das verändert unsere Gesellschaft überhaupt nicht.
28:57Wenn ich in meinem Umfeld schaue, sehen das auch als selbstverständlich an, dass die Frau berufstätig ist und unterstützen da
29:07auch ihre Partnerinnen dabei.
29:09Dass Frauen den Hauptanteil an Kehrarbeit machen und wenn sie Kinder bekommen, in Teilzeit gehen.
29:16Das sind einfach Strukturen, die sich ganz schwer auflösen lassen und die einfach sehr viel stärker staatlich gestaltet werden müssten.
29:25Lieber politisch was verändern, als in alte Geschlechterrollen zurückzufallen.
29:29Wir müssen es irgendwie schaffen, dass Arbeit und Familie sich ergänzen und kein Familienmitglied am Ende überfordert ist.
29:38Aus Liebe Dinge zu tun ist sicher gut, aber Liebe sollte niemals der Zwang sein, dass nur eine allein für
29:45Haushalt und Familie verantwortlich ist.
29:54Outro
29:57Outro
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