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00:03Man is ständig a Fon, the Tochter Fon, the Ex-Fra Fon, the Nichte Fon and so on, but last
00:11but not least,
00:12you don't have anything else, except for the consequences.
00:17And this Tochter Fon is still today and still everywhere.
00:24What is scary, because you have lived a life and so much done.
00:43Marie-Thérèse Rélin has created a Praline with the Conditor Eberhard Schell with a Praline.
00:50You can see here, you have to see the mass is very clear.
00:56It should be sweet surprise.
00:59It's a lovely memory of her mother, Maria Chelle,
01:03the first German-speaking Hollywood-Diva of the time,
01:07who would be in January 1926 her 100th birthday.
01:11My mother would taste every Praline from the whole Sortiment.
01:16The chocolate was her and all.
01:20At the MGM in America,
01:21damals hat es sich im Vertrag drinnen stehen,
01:24dass sie nur Salat so mehr oder weniger essen darf.
01:27Jedes Stück Zucker wurde gemeldet,
01:29weil die wollten eine schlanke Marilyn Monroe haben neben Juhl Brunner.
01:35Marie-Thérèse wird auch heute noch oft
01:38auf ihre berühmte Mutter angesprochen und mit ihr verglichen.
01:41Dabei musste sie schon früh ihren eigenen Weg gehen
01:44und hat sich mit viel Ideenreichtum
01:46aus schier ausweglosen Situationen befreit.
01:49Ein Leben zwischen Hollywood und Hausfrau.
01:52Meine Mutter war keine Köchin, sie war in Welser.
01:54Da kam sie nicht dazu, viel zu kochen.
01:56Aber ich habe Kochen von meiner Großmutter gelernt.
01:58Und ich habe als Achtjährige schon ein Menü für Gäste gemacht.
02:01Ich hatte als Kind so einen Mini-Herd,
02:04einen elektrischen neben dem großen Herd.
02:06Und dann hat meine Großmutter gekocht
02:08und ich habe alles in klein nachgemacht.
02:12Marie-Thérèse Rélin wird 1966
02:15als Tochter des glamourösen Schauspielerpaares Maria Schell
02:19und Veit Rélin geboren
02:21und wächst zusammen mit ihrem vier Jahre älteren Halbbruder Oliver
02:25aus Maria Schells erster Ehe in Hebertal bei Wasserburg auf.
02:30Die schweizösterreichische Großfamilie Schell
02:33ist seit Generationen eine gefeierte Künstler-Dynastie.
02:37Es ist ein weltoffenes, lebendiges und kreatives Zuhause.
02:41Maria Schell ist den Frauen ihrer Zeit weit voraus.
02:44Als Karrierefrau bringt sie das Geld nach Hause.
02:48In der Villa in der Nähe von Wasserburg
02:50kommen Weltstars wie Liz Taylor oder Richard Burton zu Besuch.
02:55Doch wenn die Eltern für Dreharbeiten unterwegs sind,
02:58herrscht Ruhe im Haus.
02:59Wenn ein ganz kleines Kind, also ein Säugling,
03:02oder das man nicht richtig mitdenken kann,
03:04der merkt nur, Mama ist weg.
03:06Und das löst enorme Verlustängste aus.
03:09Und so gesehen war ich dann froh, dass Maria Therese kam,
03:12weil plötzlich war ich nicht mehr allein.
03:13Wir waren dann zu zweit und haben uns zusammen
03:17irgendwie so ein bisschen eine Bruderschwesternschaft aufgebaut.
03:21Wir hatten uns.
03:24Meine Mutter war ja wahnsinnig verliebt in meinen Vater
03:26und meinen Vater in sie.
03:28Und dann hat sie vor mir ein Baby verloren.
03:31Und mein Vater hat gesagt, es kommt gleich wieder.
03:35Und das war ich dann.
03:38Und insofern war ich wirklich ein Wunschkind.
03:42Ein absolutes Wunschkind.
03:44Ja, aber sie hat sehr zu mir gehalten
03:46und hat das nie wirklich bewusst ausgenutzt irgendwie.
03:49Ich bin was Besseres irgendwie in der Richtung.
03:52Also sie hat mir eigentlich Halt gegeben.
03:54Wir haben uns gegenseitig Halt gegeben.
03:56Ich habe meine Eltern wirklich geliebt.
03:59Das ist zum Beispiel schöne Erinnerungen an beide,
04:01wenn die in Salzburg gelesen haben die Mozart-Briefe.
04:04Da habe ich nämlich das Nannerl gespielt,
04:06das kleine Nannerl auf der Bühne,
04:08weil die nicht wussten, wo man sie mich aufräumen sollte.
04:10Da haben sie gesagt, setz mal auf die Bühne.
04:12Das hat meinen Bruder auch noch verkleidet.
04:14Fand ich super.
04:16Die Eltern versuchen die Kinder möglichst oft bei sich zu haben,
04:20wenn sie unterwegs sind.
04:21Schon mit vier Jahren wird Marie-Therese von ihrem Vater
04:24in einer ersten Rolle besetzt in seinem Film
04:27Die Pfarrhaus-Komödie.
04:28Hast du auch schon etwas auswendig reden gelernt?
04:31Was denn?
04:32Fünf Föhnchen hat der Franz.
04:34Eins wedelt.
04:35Eins wedelt mit dem Schwanz.
04:37Eins geht weiter.
04:39Warte.
04:40Das ist der spitze, der brave, der südlich, der schaffe.
04:44Ein Geld in dunkler Nacht auf weiße, hohe Wacht.
04:47Nicht immer kann die Familie bei Dreharbeiten zusammen sein.
04:51Und die Kinder sind ohne Eltern in Wasserburg.
04:54Doch ihr Vater hat ein besonderes Geschenk für sie.
04:57Da kam mein Vater irgendwann mal nach Hause.
04:59Das ist eine schöne Erinnerung.
05:01Das sehe ich, wie er mit dem Dackel ankam, mit dem Bazi.
05:03Der Bazi war ein ganz wichtiges Teil in meinem Leben.
05:07Dann habe ich Fridolin bekommen.
05:09Und Fridolin habe ich fast acht Jahre bei mir gehabt.
05:14Und Fridolin war so zahm.
05:16Der hat bei mir im Bett geschlafen.
05:17Der war immer frei.
05:19Also der war nicht eingesperrt.
05:21Den habe ich einfach so gezähmt.
05:23Und in der Nacht hat er sich da reingelegt in meine Hand.
05:27Und dann sind wir so eingeschlafen.
05:29Wenn es ihm zu viel war, ist er freiwillig dann in seinen Käfig gegangen.
05:33Und Fridolin konnte alles nachsingen.
05:35Sämtliche Opern, alles Mögliche, was er gehört hat.
05:37Der hat gesungen.
05:39Da hat man immer das Gefühl gehabt.
05:41Aufs der Kehle springt ihm das Herz raus.
05:44Und der hat mich wirklich abgöttisch geliebt.
05:49Und ich habe ihn abgöttisch geliebt.
05:51Jetzt schauen wir mal, ob es hier offen ist.
05:53Hartzache, komm, komm, wir gehen mal da rein.
05:56Mein Gott, das ist echt Kindheit, oder?
05:58Ja.
05:58Wahnsinn.
06:00Schau mal, die schönen Bäume.
06:02Im Kindergarten in Ekling lernt Marie-Thérèse ihre Freundin Angelika kennen.
06:07Noch heute sind sie eng befreundet.
06:10Wie haben wir uns damals kennengelernt?
06:13An der Tafel für Fingermalfarben.
06:16Da gab es eine Tafel mit Papier bespannt.
06:19Ja.
06:19Genau.
06:20Und da standen wir beide davor mit beklecksten Fingern, sollten da irgendwie draufmalen.
06:23Und du standst neben mir und hast mich abgerinst.
06:26Ich bin die Mausi, wie warst denn du?
06:31Und das war der Anfang.
06:32Das war der Anfang.
06:33Das war der Anfang, genau.
06:34Ja, so war das.
06:37Marie-Thérèse verbringt bald viel Zeit bei den Heinzels.
06:40Mutter Luitgaard ist ausschließlich für die Familie da.
06:44Eine Hausfrau, wie es Marie-Thérèse von ihrer eigenen Mutter nicht kennt.
06:49Du hast immer tausend Ideen gehabt, und du hast immer tausend Argumente gehabt,
06:52die ich nicht widersprechen konnte.
06:52Ich hab immer gesagt, mach mal so, Gelie, oder?
06:54Ja, und da Gelie sagt immer, ja, mach mal, das war meine beste Gesonnen.
06:58Wenn ich gesagt hab, ich mach's nicht, dann hast du tausend Argumente gehabt,
07:01dass ich irgendwann gesagt hab, okay.
07:06Nicht nur zwischen den Mädchen entwickelt sich eine dicke Freundschaft.
07:10Bald freunden sich auch die Eltern an.
07:12Die Heinzels werden für Marie-Thérèse zur erweiterten Familie.
07:17Das war meine zweite Familie einfach, Punkt.
07:20Also das ist einfach, mit denen bin ich aufgewachsen.
07:22Und meine Mutter war ja viel nicht da.
07:25Du hast ja gelitten.
07:26Ja, du hast ja gelitten.
07:27Die ersten Tage, wenn sie weg war.
07:29Und dann hab ich halt bei denen gewohnt.
07:31Also ich war einfach immer, das war mein zweites Zuhause.
07:34Und auch heute noch, wenn ich da wieder reinkomme,
07:36das ist genauso wie, das ist einfach noch mein Zuhause.
07:39Das hat sich nicht verändert.
07:41Alles andere hat sich verändert, aber das hat sich nicht verändert.
07:44Und da hatte ich den ganz normalen Familienbetrieb,
07:46den ich sonst nicht hatte.
07:48Also einfach ins Wirtshaus gehen.
07:49Also all die Dinge, die mit meiner Mutter auch aus dem Grund nicht gingen,
07:53weil meine Mutter immer erkannt worden ist.
07:55Und dann kamen die Autogrammjäger.
07:57Und von meiner Mutter war es immer schwierig, außer Haus zu gehen.
07:59Und da bin ich einfach mitgelaufen.
08:03Maria Schell weiß ihre Tochter bei den Heinzels in besten Händen.
08:07Luitgard und Helmut werden Marie-Therese Zieheltern.
08:11Hier hat sie ein eigenes Zimmer und nimmt am gesamten Familienleben teil.
08:15Hier ist immer jemand für Marie-Therese da.
08:19Die Marie-Therese ist auch, wenn die Mutter länger weg war,
08:22die hat schon sehr oft gelitten und ist krank geworden.
08:26Und haben wir, dass wir einen Arzt gerufen haben, was machen wir denn und so weiter.
08:30Das ist schon des Öfteren einmal vorgekommen.
08:34Wie die Heinzels ihr Familienleben gestalten, prägt Marie-Therese.
08:39Seit 55 Jahren hat sie dort ein zweites Zuhause.
08:43Sie ist ein bisschen Tochter, muss ich sagen.
08:45Sie ist für mich ein bisschen eine Tochter.
08:49Nach wie vor.
08:50Die hat mich so mehr oder weniger schon geschätzt,
08:53als so die Mama, wie man so sagen kann.
08:56In ihrer Ziehfamilie lernt Marie-Therese, füreinander da zu sein.
09:07Eine besondere Beziehung verbindet sie auch mit der einstigen Disko-Legende Penny McLean,
09:13einer mütterlichen Freundin, die sie schon seit ihrer Kindheit kennt.
09:19Hochsozial.
09:19Und das war sie schon als Kind.
09:21Sie war immer besorgt, dass der andere am Tisch auch was hatte und dass die anderen auch.
09:27Und ob der Omudi auch da gut geht und ob derjenige das auch hat, was er braucht.
09:32Und ich habe mich immer gefragt, woher kommt das in der Familie?
09:37Und die Marie-Therese, die war immer unterschätzt.
09:43Aber in Wirklichkeit ist das eine hoch introvertierte Frau.
09:48Und das war sie als Kind schon.
09:49Tief beobachtend, nachdenkend und immer registrierend, was mit ihr geschah,
09:58aufgrund des Umgangs, den die anderen ihr abgeliefert haben.
10:04Als sie zwölf Jahre alt ist, verlässt der Vater ihre Mutter.
10:08Marie-Therese bricht zusammen.
10:11Marie-Therese versucht, ganz für die Mutter da zu sein.
10:15Von da an habe ich auch bei meiner Mutter geschlafen in diesem Ehebett rum,
10:19weil ich wusste, sie packt es allein gar nicht.
10:22Was die Öffentlichkeit nicht weiß,
10:24Maria Schell leidet an einer bipolaren Störung, ist manisch-depressiv.
10:29Entweder strotzt sie vor Energie und Tatkraft
10:31oder sie versinkt in Depressionen.
10:33Eine Herausforderung.
10:35Also ich habe ja meine Mutter abgöttisch geliebt.
10:38Die Verletzung hat meine erst im Nachhinein mitgekriegt.
10:43Und ich habe mich, was ich ja heute noch tue,
10:47immer an alles wie ein Chamäleon angepasst.
10:49Meine Mutter musste viel weg sein, weil sie den ganzen Laden geschmissen hat.
10:55Alle Männer haben sie irgendwo ausgebeutet.
10:57Die Wunden, die sie in meine Seele reingeschlagen hat,
11:01die habe ich erst später kapiert.
11:03Und jetzt, im Nachhinein, kapiere ich erst,
11:05dass diese Wunden aus einer Krankheit heraus entstanden sind.
11:13In der Schule tut sich Marie-Therese schwer.
11:15Sie hat eine Lese-Rechtschreibschwäche und wird von ihren Mitschülern gemobbt.
11:22Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Mädchen im Gymnasium
11:26und an die Tafel gerufen worden bin, um Feu de Papier zu schreiben.
11:30Also ein Blatt Papier, Französisch.
11:32Und ich wusste nicht, wie man Feu schreibt.
11:35Und ich habe mich vor der ganzen Klasse angepinkelt, einfach aus Angst.
11:39Also ich merkte, dass da meine Hose nass wird.
11:40Ganz schrecklich. Das ist ein ganz schrecklicher Gedanke.
11:42Ich würde ja eh schon gemobbt.
11:46Aber sie findet dort auch eine Seelenverwandte, Silvia Hatzl.
11:50Diese stammt ebenfalls aus einer künstlerischen Familie
11:53und ist heute selbst freie Künstlerin.
11:57Gemeinsam rebellieren die Mädchen gegen das starre Schulsystem
12:01und leben ihre Kreativität aus.
12:04Ein Talent, dass Marie-Therese im Leben noch helfen wird,
12:08ihren Weg zu finden.
12:10Wir haben uns immer die Unterröcke gekauft.
12:13Weißt du das noch?
12:13Ja, genau.
12:15Die Unterröcke und so.
12:16Und ich habe immer die Opa-Hemden angehabt
12:18mit so einem breiten Gürtel und so.
12:20Wallende, immer wallende, große, lange Kleider.
12:23Genau.
12:23Vor allem mit dem riesen Gürtel.
12:25Ja, genau.
12:26Ich hatte die nur die Unterhemden an.
12:28Genau.
12:28Ein paar Sachen hinknäht.
12:29Und da hast du Federn angenäht
12:31und du hast einen Verweis gekriegt von der Schule.
12:33Solche Sachen an.
12:35Erst vor wenigen Jahren haben die beiden Freundinnen
12:38auch über die Kunst wieder zusammengefunden.
12:41Ich weiß auch nicht.
12:43Ja?
12:43Es ging.
12:45Dann kann man rein.
12:48Oder weißt du noch nicht, wie ich?
12:49Ja, du bist ja irgendwann verschwunden aus Wasserburg.
12:52Ja.
12:53Du bist deinen Weg gegangen, ich bin meinen gegangen.
12:55Ja, ich musste allein meine Aktionen durchführen.
12:58Und das war schwieriger.
12:59Ja, wir haben uns eigentlich schon vermisst.
13:01War auch schön, wie wir uns jetzt wiedergefunden haben, gell?
13:03Ja, umso schöner.
13:06Heute planen sie eine Performance nur für sich,
13:08um ihre Freundschaft zu feiern.
13:14Toll.
13:14Immer dasselbe innen und nie das gleiche Wasser.
13:18Freigeister werden sie immer sein.
13:23Nach außen hin strahlt die Familie Schell.
13:27Doch es gibt dunkle Abgründe.
13:29Das hat mich als Kind wahnsinnig geschädigt,
13:32dass ich als drei-, vier-, fünfjährige
13:34nackt vor meinem Vater stehen musste und gemalt wurde.
13:38Ich weiß noch, wie kalt es mir war,
13:40wie schrecklich es war für mich,
13:42wie unangenehm es war.
13:43Und meine Mutter in ihrem Männerwahn immer mir suggerierte,
13:47dass es doch ganz großartig ist,
13:48wenn ein großer Künstler mich malt.
13:50Das war ganz schrecklich für mich.
13:52Und mit ihrem Onkel, dem Oscar-Gewinner Maximilian Schell,
13:56verbinden Marie-Thérèse auch traumatische Erinnerungen.
14:01Mein Onkel war ja nicht nur negativ,
14:03er war ja auch für mich durchaus auch zu verehren.
14:07Also wurde er mir auch von der Mutter suggeriert,
14:10also Maxli über alles.
14:13Und als Kind wurde ich halt dann in der Badewanne,
14:16wenn ich, wenn dann irgendwelche Feste waren oder so,
14:20und ich solche, diese schrecklichen Fußschmerzen hatte,
14:23die einfach wirklich ganz schrecklich waren,
14:24hat meine Mutter gesagt, ich soll ein Bad machen,
14:27ein heißes Bad.
14:28Und dann wurde halt mir Onkel Maxli, wenn er da war,
14:32ins Bad geschickt und dass er mir Geschichten erzählt.
14:35Und dann saß er halt dort und hat halt seine Hand
14:38ins Wasser gleiten lassen.
14:40Was ja nicht unbedingt angenehm war.
14:42Aber dadurch war ich schon trainiert drauf.
14:44Und wie ich dann 13 war oder so,
14:48habe ich halt dann mal übernachtet bei ihm.
14:50Und dann bin ich ihm halt nicht ausgekommen.
14:56Marie-Thérèse wird von ihrem Onkel missbraucht.
15:01Ihr ist bewusst, dass sie das, was in dieser Nacht geschehen ist,
15:05niemandem anvertrauen kann.
15:06Aus Scham und Angst,
15:08dass ihre Familie in den Schmutz gezogen wird.
15:12Marie-Thérèse schweigt.
15:1642 Jahre dauert es,
15:18bis sie es wagt, darüber zu sprechen.
15:25Ich habe das 2012 das erste Mal aufgeschrieben gehabt.
15:29Ich habe es total verdrängt.
15:32Es gibt ein Plakat, das habe ich in Bad Nauheim gesehen,
15:35da stand drauf,
15:38es war nicht deine Schuld, es war kein Versehen,
15:42es war kein schlechter Sex, es war Vergewaltigung.
15:45Und genau diese,
15:49diese wichtige Mitteilung,
15:51die wollte ich vielen Menschen geben.
15:56Und dann habe ich eben mir gedacht,
15:59es ist ganz wichtig, wenn ich Vorreiterin bin,
16:02für viele Frauen,
16:03denen ich immer suggeriert habe,
16:07sie müssen die Sprachlosigkeit durchbrechen,
16:09sonst wird sich nichts ändern.
16:102023 macht sie den Missbrauch öffentlich.
16:15Ein emotionaler Kraftakt.
16:17Doch einige Medien stürzen sich schamlos auf ihre Geschichte
16:20und stellen sie als Täterin dar.
16:23Effekthascherei, genau.
16:24Ich betreibe Effekthascherei,
16:26wurde in den Zeitungen geschrieben.
16:29Und das ist, boah.
16:31Und wenn, dann bin ich diejenige,
16:34unter Anführungsstrichen,
16:35die einen Racheakt übt.
16:38Anders ihr Bruder.
16:41Er stellt sich hinter sie.
16:44Wenn mein Onkel noch gelebt hätte,
16:46also dem Zeitpunkt hätte ich ihn zur Rede gestellt,
16:49hat mich auch sehr schwer enttäuscht,
16:51weil der Maximilian eigentlich
16:52für eine gewisse Zeit in meinem Leben
16:53sogar eine Art Vaterersatz war.
16:56Und wie ich das dann gehört hatte
16:58und auch von seiner Tochter das gelesen hatte,
17:03war das eine schwere Enttäuschung,
17:05weil, wie soll ich sagen,
17:07er hatte eine sehr dunkle Seite
17:12in seinem Wesen,
17:14in seiner Seele,
17:16wo ich mir ziemlich sicher bin,
17:18dass diese Aussagen,
17:19ob jetzt von der Tochter und auch von meiner Schwester,
17:21dass das eine Richtigkeit hatte.
17:23Weil in Sachen Frauen,
17:24das war immer sehr, sehr schwierig bei Maximilian.
17:35In der 9. Klasse auf dem Gymnasium
17:37hat sie nur schlechte Noten.
17:40Man hält Familienrat im Hause Schell
17:43und beschließt, den Teenager aus der Schule zu nehmen.
17:51Meine Mutter hat an sich gedacht
17:53und hat etwas gemacht,
17:55was ich bei meinen Kindern nie zugelassen hätte.
17:57Sie hat mich von der Schule genommen
17:58und gesagt, lass mal Französisch,
18:00geh mal nach Paris. Mit 16.
18:02So. Allein. Bäm.
18:04Ohne Ausbildung.
18:06Ohne Schulabschluss.
18:08Ohne Schulabschluss.
18:09Weil ich bin ja durchgefallen im Gymnasium.
18:11Ich hab also nicht mal die mittlere Reife.
18:14Im Grunde hab ich nur Hauptschulabschluss.
18:191982 verlässt Marie-Thérèse Wasserburg Richtung Paris.
18:23Ihre Mutter hat organisiert,
18:25dass sie bei der Agentin Olga Ochstig wohnen kann.
18:28Zum ersten Mal ist sie auf sich allein gestellt.
18:31Aber die ersten drei Monate, die waren hardcore.
18:33Ich bin einfach mit der Sprache überlastet gewesen.
18:35Ich hab eine Nierenbeckenentzündung gehabt.
18:37Ich war schwer krank.
18:39Ich saß heulend neben dem Telefon,
18:41hab gewartet, dass meine Mutter anruft.
18:42Also furchtbar, ganz, ganz schrecklich.
18:46Als Marie-Thérèse mitbekommt,
18:48dass die Mutter der Agentin monatlich 3000 Mark überweist,
18:52sucht sie sich selbst eine Wohnung,
18:54zieht aus und nimmt Schauspielunterricht.
18:57Sie besinnt sich auf das,
18:58was sie von ihrer Familie kennt.
19:00Dabei trifft sie auf Isabelle von Carajan
19:03und Emmanuelle Beard.
19:04Sie lernt perfekt Französisch.
19:06Noch ahnt sie nicht,
19:07dass bald ihre internationale Filmkarriere starten wird.
19:12Und ich hab da trotzdem meinen Weg total gewuppt.
19:17Und dann hat die Olga Ochstig,
19:19die hat dann das Angebot für Secret Places in der Hand gehabt
19:24und hat mich vorgeschlagen.
19:26Und da bin ich dann richtig nach England
19:29und hab Casting gemacht.
19:31Und das war eine reine Frauenproduktion.
19:34Mit 16 Jahren spielt sie ihre erste Hauptrolle.
19:38Zelda Barron,
19:39die am preisgekrönten Hollywood-Film
19:41Yentl mitschrieb, ist die Drehbuchautorin
19:44und führt Regie.
19:45Und da haben sie eben eine Darstellerin gesucht,
19:48die die ganzen Sprachen spricht.
19:51Der Film hatte schöne Auszeichnungen
19:53in Taromina und in Toronto gekriegt,
19:57war gespielt in Amerika,
19:59in Australien,
20:01in Kanada, in Frankreich.
20:03Ich wurde verglichen
20:04in der New York Times
20:06mit den jungen Ingrid Bergmann.
20:09Und so weiter.
20:10Und das war wirklich ein sehr schöner,
20:12glanzvoller Start ins Berufsleben.
20:16Bis 22 habe ich dann
20:18eine steile Karriere gemacht.
20:24Marie-Therese dreht
20:26weitere internationale Filme.
20:28Darunter ist auch das unverhoffte Glück.
20:31Für ihre Darstellung
20:32in diesem Film wird sie
20:34im Alter von 19 Jahren
20:35mit der goldenen Kamera ausgezeichnet.
20:38Ich möchte dir schnell was sagen,
20:40weil erst einmal finde ich es wunderbar,
20:42dass du mich zum ersten Mal
20:43einen Preis überreichst,
20:45weil der Blackie war der Erste,
20:47der mich in seine Fernsehsendung
20:49reingeholt hat.
20:49Und wegen ihm habe ich ein bisschen gelernt,
20:53weniger rot zu werden vor der Kamera
20:56beim ersten Abend.
20:57Und ich möchte Ihnen allen
20:58ganz herzlich danken für diesen Preis.
21:01Danke.
21:03Der Blackie Fuchsberger,
21:05den ich sehr geliebt habe,
21:06hat mir den Preis überreicht.
21:09Und der Blackie sagte,
21:10du bist so schön wie deine Mutter,
21:12du hast die gleichen Augen wie deine Mutter,
21:14du hast die gleiche Stimme wie deine Mutter,
21:15du bist so gut wie deine Mutter.
21:18Am Schluss dachte ich, ich bin meine Mutter.
21:20Die saß unten im Publikum und weinte,
21:23vor sich hin so,
21:25mein Töchterchen,
21:26da war dann der Stolz da,
21:28waren ja auch die Kamer auf sie gerichtet.
21:30Nur, anders als es scheint,
21:33bekommt sie von ihrer Familie
21:34keine Anerkennung für diesen Erfolg.
21:38Und wir saßen in Maximilians Wohnung
21:43in Grünwald.
21:46Und plötzlich fing Maximilian an,
21:50also ich weiß nicht,
21:51ob der Preis nicht viel zu früh
21:53und sagt, die Maria ist sofort da,
21:55ich finde auch der Preis ist ja viel zu jung,
21:58was hat sie bis jetzt getan.
22:00Also dieser Preis,
22:02also ich meine,
22:02das sollten großartige Schauspieler bekommen.
22:06Und die Imi und ich,
22:07wir saßen da und schauten uns an
22:10und dann sahen wir Marie-Thérèse.
22:13Und die Augen waren voller Tränen.
22:16Und dann sind wir mit ihr in die Küche gegangen
22:20und haben gesagt, hör dir das nicht an.
22:24Hör dir das nicht an.
22:26Naja, das ist nicht schön.
22:28Das ist einfach, ich meine,
22:29ich verstehe es auch bis heute nicht,
22:31weil es natürlich für,
22:35wenn eins meiner Kinder eine Auszeichnung kriegt
22:37oder eine Ehrung kriegt,
22:38dann springe ich vor Freude im Dreieck.
22:43Und der Maximilian,
22:45der war halt eifersüchtig.
22:47Du sollst keine anderen Götter neben dir haben.
22:53Kurz nach der Preisverleihung
22:55zieht es Marie-Thérèse nach Hollywood.
22:58Doch beide Filme,
22:59die sie dort drehen soll,
23:00kommen nicht zustande.
23:03Und dann war ich zwar goldene Kamera ausgezeichnet,
23:07aber ohne Engagement.
23:09Und habe angenommen,
23:12die AZ-Diskussion für die Abendzeitung,
23:16Podiumsdiskussion ist die Liebe noch zu retten.
23:19Und dort lernte ich Franz Xaver Krütz kennen.
23:22Und ich dachte mir,
23:23den Typen lasse ich ja sowas von abfahren.
23:25Ja, das was geht.
23:26Da habe ich ihn auch abfahren lassen.
23:29Und dann haben wir am 1. Juli,
23:32haben wir uns dann wieder getroffen,
23:3487,
23:351. Juli 87,
23:36wieder getroffen.
23:37Und zwar beim ZDF in München.
23:39Und da stand ich an der Rezeption,
23:41so mit Mini-Rock,
23:42schwarzem Gürtel,
23:43Dingsbums,
23:44solchen High Heels.
23:45Also ich hatte ja High Heels,
23:46die gingen ja bis zum Himmel hoch.
23:48Und da kam er mit seiner Pfeife an
23:50und sah mich
23:50und war schockverliebt,
23:52nach wie vor.
23:54Und der Krütz muss man sagen,
23:55wenn es drauf ankommt,
23:56also gewisse Dinge,
23:57da ist er feig,
23:58da traut er sich dann nicht.
23:59Sonst kann er große Goschen haben,
24:02aber da ist er feig.
24:04Und dann hat er mich gesehen
24:05und hat genickt
24:06und dann habe ich gesagt,
24:07tja,
24:08warst du wohl zu feig, mich anzurufen.
24:11Und dann hat er mich aber angerufen.
24:18Es beginnt eine ungewöhnliche Liebe
24:21zwischen der 21-jährigen Schauspielerin
24:24und dem 20 Jahre älteren Dramatiker.
24:34Ich war einfach schockverliebt,
24:36wie ich dieses Mädchen gesehen habe.
24:38Ich war bläm, bläm.
24:39Ich war fix und fertig.
24:43Und habe sie dann ja bekommen.
24:45Und so weiter und so fort.
24:46Und dann hast du in der Küche gesessen
24:48und hast deine Mama angerufen.
24:49Das weiß ich nicht mehr.
24:52Und dann war ich ganz jung verliebt da.
24:56Und dann sagte er,
24:57Mama, weißt du,
24:58in wen ich mich verliebt habe?
25:00In die Tochter von Maria Schell.
25:02Das werde ich nie vergessen.
25:03Aber das war damals ein Name natürlich.
25:06Ja, klar.
25:07Bald darauf ist Marie-Thérèse schwanger.
25:101988 kommt Tochter Josefine zur Welt.
25:13Die Babyfotos verkauft Franz Xaver Krötz
25:16für 50.000 D-Mark an die Boulevardpresse.
25:23Es ist halt so, ich komme aus Pasing.
25:25Und Pasing war damals noch eine Arbeiterstadt fast.
25:2946 bin ich geboren.
25:31Und das war Hollywood.
25:33Die ganze Familie, die kamen Gott sei Dank
25:35von einer anderen Ecke.
25:36Nicht von dieser gottverfluchten Scheiß-Spar- und Elendsecke.
25:41Nein, die kamen von, boah, wunderbar, toll, Hollywood.
25:46Also insofern, du kamst für mich auch von Hollywood.
25:50Deine Schönheit war mindestens Hollywood.
25:52Eigentlich mehr.
25:54Eben.
25:55Es war die schönste Frau von München.
25:58Während der Ruhm von Franz Xaver Krötz
26:01als Dramatiker immer größer wird,
26:03werden die Rollenangebote für Marie-Thérèse weniger.
26:07Sie ist nun Mutter und unterstützt ihren Lebenspartner.
26:11Die unterschreiben.
26:12Ach so, die wollen das zurückhaben, ja.
26:13Die sind von Ihnen, unterschreiben aber nicht von mir.
26:17Ich habe es eigentlich gut geheißen.
26:19Nur war der Franz Xaver damals
26:22ein leicht aufbrausender Mensch
26:24oder schnell aufbrausender Mensch.
26:27Wo ich natürlich dann,
26:29wenn es zu unangenehmen Geschichten kam,
26:33ich als Bruder schon gesagt habe,
26:35bitte behandle meine Schwester gut.
26:38Marie-Thérèse entscheidet sich ganz für die Familie.
26:42Als Hausfrau kümmert sie sich allein um Mann und Kind.
26:45Krötz gefällt es.
26:47Man muss sich damit abfinden, dass die Zeit vergeht
26:49und dass man alt wird oder so wie ich jetzt,
26:51dass man fast 80 wird.
26:53Aber diese Kinderfotos, die ploppen so auf
26:56und die erinnern mich dann so an wirklich gute Zeiten.
26:59Und dann denke ich mir, nein, tu die Fotos weg.
27:02Sonst wirst du nur traurig.
27:07Sie entschließt sich,
27:09eine Mutter wie ihre Ziehmama Luitgard Heinzel zu sein.
27:12Die Familie hat Vorrang.
27:16Nach der Geburt von Tochter Lena 1992 wird geheiratet.
27:221995 macht Sohn Ferdinand die Familie komplett.
27:26Zusammen gehen sie auf Reisen rund um die Welt.
27:30Mit ihrer ältesten Tochter Josefine
27:32und den beiden anderen Kindern
27:34hat Marie-Thérèse ein enges Verhältnis.
27:39Meine Eltern sind immer für mich da gewesen.
27:41Vielleicht manchmal sogar mehr, wie mir lieb ist.
27:44Weil mein Papa ist ja Schriftsteller.
27:46Der ist 24 Stunden zu Hause gewesen.
27:47Wir haben viel gereist.
27:48Wir haben viel Zeit miteinander verbracht.
27:50Als zwei Kinder schweres Asthma entwickeln,
27:54sucht die Familie einen Ort zur Heilung
27:55und findet diesen auf Teneriffa.
27:57Die Insel wird zum zweiten Lebensmittelpunkt.
28:01Die Kinder gehen dort auch zur Schule.
28:03Hier kann Marie-Thérèse sie selbst sein.
28:06In großer Distanz zu ihrem alten Zuhause
28:08findet sie eine neue Freiheit.
28:11Aber natürlich, da wir in beiden Welten aufgewachsen sind,
28:15also sowohl in Spanien als auch in Deutschland,
28:17war das schon so eine Mischung aus beiden.
28:21Und darum, dass sie halt auch so jung war,
28:23war es halt so, dass sie immer mit dabei war,
28:24alles gemacht hat.
28:27Dass sie halt auch ein bisschen die coole Socke war,
28:29die halt auch alles erlaubt hat und so.
28:32Nicht alles, aber das meiste.
28:34Und das war schon schön.
28:36Es war halt ein Kontrast gegenüber meinem Vater,
28:38der auch viel gemacht hat.
28:39Aber der einfach vom Altersunterschied
28:41halt doch noch mal ein Stückchen älter ist.
28:43War schön, seine junge Mama zu haben.
28:47Ab 2001 steht die Ehe auf dem Prüfstand.
28:51Das Paar lebt zusehends in verschiedenen Sphären.
28:55Ich habe einen Dichter geheiratet, der kompliziert war,
28:57der 24 Stunden am Tag betreut werden wollte,
29:00aber im Hintergrund natürlich leise und still.
29:03Und ich habe drei Kinder großgezogen.
29:06Da blieb keine Luft mehr dazwischen.
29:09Sie spürt, dass sie ausbrechen muss.
29:11Doch sie besitzt kein eigenes Geld.
29:14Auch die Mutter kann sie nicht unterstützen.
29:16Sie ist krank.
29:18So, dass mir bewusst geworden ist,
29:21dass ich keine Rente erhalten werde,
29:24weil ich Kinder großziehe.
29:26Dass ich keine sozialen Absicherungen habe.
29:28Dass ich finanziell abhängig bin von meinem Mann.
29:31Dass ich praktisch null Wiedereinstiegschancen
29:33habe in dem Beruf.
29:35Nach neun Jahren Ehe weiß sie um die Belastungen,
29:38Hausfrau für eine fünfköpfige Familie zu sein.
29:41Sie möchte diese Probleme öffentlich machen
29:44und hat einen Geistesblitz.
29:46Die Hausfrauenrevolution.
29:48Ihr Ehemann ist davon nicht begeistert.
29:51Ihr ist nicht bewusst, dass dies das Dynamit ist,
29:55das ihre Ehe sprengen wird.
29:57Und da habe ich beschrieben,
29:59dass ich die Hausfrauenrevolution gründe.
30:01Das kann ich mir noch sehr gut erinnern an diesen einen Abend.
30:03Und habe die wirklich so revolutionär,
30:06hat sich kaputt gelacht.
30:07Und ich habe gesagt, nein, ich meine das im Ernst.
30:10Ich gründe die Hausfrauenrevolution.
30:12Und da, da, da und so. Politisch.
30:15In der Nähe macht ein Computerladen auf.
30:18Dort kauft sie sich 2001 ihren ersten PC.
30:22Der Verkäuferin erzählt sie von ihrer Idee der Hausfrauenrevolution
30:25und diese schlägt ihr eine eigene Website vor.
30:28Als noch Ehefrau eines Dichters
30:31beginnt Marie-Therese selbst zu schreiben und zu posten.
30:35Und mein Ex-Mann sagte damals,
30:36was braucht denn denn der Hausfreund einen Computer?
30:38Ich wusste, der weiß ich auch noch nicht.
30:40Aber irgendwas wird schon gut sein.
30:43Sie gewinnt immer mehr Frauen für ihre Idee.
30:45Sie unterstützen sich gegenseitig bei der Einarbeitung
30:49in die Computertechnik und ins Internet
30:51und machen mit Aktionen auf sich aufmerksam.
30:54Also wir sind die Hausfrauenrevolution.
30:56Also ich meine, es gibt noch ein paar mehr,
30:58aber wir sind jetzt hier mal so eine kleine Minderheit.
31:03Und wir wollen uns einsetzen für das Image der Hausfrau,
31:06das verstaubte Image der Hausfrau einfach mal entstauben.
31:10Und daraufhin hatten wir am Tag der Eröffnung 2700 Klicks,
31:14was damals wahnsinnig viel war.
31:18Als politisch motivierte Pionierin der Hausfrauenrevolution
31:21steht Marie-Thérèse wieder in der Öffentlichkeit.
31:26Anfang der 2000er wird sie so eine der ersten Influencerinnen
31:31des digitalen Zeitalters.
31:33Das, was heute selbstverständlich ist mit Social Media für alle
31:37und so weiter, das war damals wirklich die Leute,
31:40also mich haben ja auch Feministinnen angegriffen.
31:43Also diese, eben, dass ich da einen Hausfrauen-Chat ins Leben rufe,
31:48ja, dass sich da Frauen austauschen können, Hausfrauen.
31:52Also, ja, das war so.
31:53Und das war auch der Hintergedanke zu sagen,
31:56wir üben das Wort Hausfrau.
31:59Und wir stehen dazu, dass wir Hausfrauen sind
32:02und wir haben Bedingungen.
32:06Die Hausfrauenrevolution findet ein paar Jahre später ihr natürliches Ende.
32:10Es gibt Streit.
32:12Andere Frauen gründen neue, ähnliche Plattformen.
32:15Doch Marie-Thérèse hat eine neue Leidenschaft gefunden, das Schreiben.
32:20Sie erhält den Auftrag für eine gut bezahlte Zeitungskolumne
32:23und schreibt ihr erstes Buch.
32:25Dann lernt sie den Autor Hauke Brost kennen.
32:28Gemeinsam schreiben sie, wie Frauen ticken.
32:31Es wird ein Bestseller.
32:32Das Buch, wie Frauen ticken, hat sich über 200.000 Mal verkauft.
32:38Und ich hab mich dann 2006 wirklich als Bestseller-Autorin scheiden lassen.
32:43Also, das muss man erst mal schaffen,
32:45dass man aus dem Nichts heraus sich eh schon einen Beruf erschreibt,
32:51aber als kleine Kolumnistin.
32:52Aber dann bei der Trennung wirklich sagt, ich bin Bestseller-Autorin.
33:00Ja, ich sag ja die ganze Zeit, dass man tausend Tode in einem Leben stirbt.
33:05Also, das sind ja immer verschiedene Abschnitte, die man hat.
33:09Glücklich war ich nie.
33:10Das lag aber nicht an ihr.
33:12Das lag an meinem Temperament.
33:15Dein oberstes Gebot heißt, ich darf keine Heiterkeit zulassen.
33:19Erste Gebot von dir.
33:21Ich war immer ein mit mir unzufriedener Künstler.
33:24Ja, du warst auch mit deiner Literatur verheiratet.
33:26In erster Linie.
33:28Ich war die zweite Gattin dann.
33:30Aber er war mein bester Esser.
33:32Also überhaupt.
33:33Also, meine Küche hat er sehr geliebt.
33:35Mein bester Esser war es doch.
33:37Ah, ja, ja.
33:38Und wenn er sehr gut drauf war, war ich die erste Leserin seiner Stücke.
33:42Aber nur, wenn er gut drauf war.
33:44Vielleicht hätte ich einfach eine nette, junge, hübsche Bäuerin heiraten sollen.
33:49Die gut putzen kann.
33:52Die gut putzen kann.
33:53Dann wäre mir wieder was anderes entgangen.
33:55Also, so ist halt das Leben.
33:57Ich hätte sie ja behalten.
33:59Also, sie wollte mich nicht behalten.
34:02Es gibt Gründe dafür.
34:05Die werden wir nicht voll auf in der Kamera ziehen.
34:09Das war ein wahnsinniger Kraftakt.
34:12Aber die Marie-Therese ist ein sehr starker Mensch.
34:14Und das ist ein Stehaufmantel, die immer wieder aufsteht und immer wieder was Neues versucht.
34:19Und sich da rauszulösen war schwer.
34:23Es hat auch danach keine anständigen Männer mehr in ihrem Leben gegeben.
34:28Sie hat auch, glaube ich, keine Lust mehr irgendwie auf eine weitere Beziehung.
34:31Also, das war ihre Lebensbeziehung, die viel Kraft gekostet hat.
34:36Aber, ja, sie ist ein Stehaufmantel.
34:38Sie ist eine self-made woman.
34:42Und ich bin froh, dass sie es geschafft hat.
34:44Weil andere Menschen zerbrechen an so einer schwierigen Beziehung.
34:49Über all die Jahre wurde auch das Verhältnis zu ihrer Mutter immer belastender.
34:56Deren Stimmungsschwankungen beeinflussen ihr Denken, Fühlen und Handeln.
35:00Schulden häufen sich an, da sie durch ihre Krankheit den Bezug zu Geld verliert.
35:071990 stehen sie erstmals gemeinsam vor der Kamera.
35:11Es wird einer der letzten Filme von Maria Schell sein.
35:15Meine Mutter war unerträglich beim Drehen.
35:18Meine Mutter hat nicht verkraften können, dass ich meine eigene Art habe zu spielen.
35:23Und hat mir mitten in die Aufnahme, in die Großaufnahme gesagt,
35:27Ja, was spielst du denn da? Bist du Cyrano de Bergerac?
35:30Und da musste ich dem Regisseur wirklich sagen,
35:33Könnten Sie der Dame sagen, dass ich so spiele, wie Sie das wollen?
35:38Und ich gehe so lange in meine Garderobe und werde nicht mehr vor die Kamera gehen, bis das geklärt ist.
35:45Und das hat dann auch stattgefunden. Also ich musste mich richtig abgrenzen von meiner Mutter.
36:01Die Depressionen der Mutter werden immer schlimmer. Sie kann kaum mehr arbeiten.
36:07Sie zieht sich immer öfter auf die Alm der Schells in Kärnten zurück.
36:13Ich höre noch den Schrei meiner Mutter am Telefon, als meine Großmutter gestorben ist.
36:18Es ist ganz schrecklich, dass die gestorben ist.
36:20Hat sie sich ins Bett gelegt, da war sie 70 und ist praktisch nie wieder aufgestanden.
36:25Neun Jahre lang. Ein langer, langer Leidensweg einer großen Schauspielerin.
36:33Am 26. April 2005 stirbt Maria Schell auf der Familienalm in Breitenneck in Kärnten.
36:44Ihre Familiengeschichte kann und will Marie-Therese nicht abstreifen.
36:48Doch sie nimmt jede Herausforderung mit Kreativität und Kraft an.
36:53Heute ordnet sie ihr Leben neu und gibt kostbare Schmuckstücke ihrer Mutter anlässlich deren 100. Geburtstags in die Versteigerung.
37:01Hier, das ist ja das Armband meiner Mutter und ich weiß nicht, ob sie es schon gesehen haben, aber da
37:07ist ein Datum drin, eingraviert.
37:10Und dann habe ich mich gefragt, was ist das für ein Datum?
37:14Und nachdem meine Mama ja kugeln kann, habe ich dann das eingegeben und sehe, aha, 26.04.1957 war ihr
37:21Hochzeitstag mit ihrem ersten Mann.
37:24Und das Interessante ist daran, dass sie sich diese Megaschweren, haben sie sich mal angelangt, das ist wahnsinnig.
37:31Ja, das ist unglaublich.
37:32Unglaublich schwer.
37:33Dann halte ich auch, schweres Gold.
37:35Ja, die hat es auf beiden Seiten gehabt.
37:37Ach nein.
37:38Das heißt, sie hat sich Handschellen zur Hochzeit gemacht.
37:41Also anders kann ich es nicht irgendwie deuten.
37:43Und das mega Interessante daran ist, dass der 26. April auch ihr Todestag war.
37:50Und ich meine, der Armreif hat ja auch einen hohen materiellen Wert.
37:53Das ist ja massives Gold.
37:54Also wir wissen alle, dass der Goldpreis sehr hoch ist.
37:57Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.
37:58Und mit Trianten und Rubinen besetzt.
38:00Wir schätzen das momentan auf einen Ansatzpreis von 20.000 bis 30.000 Euro.
38:05Also das stellt schon einen Gegenwert auch dar.
38:11Auch wenn sich Marie-Thérèse ihre eigene Karriere wieder aufgebaut hat, stehen ihre Kinder nach wie vor im Mittelpunkt.
38:20Nach der Scheidung wohnt sie vorwiegend auf Teneriffa.
38:24Dort, 3000 Kilometer von ihrem Ex-Mann entfernt, erlebt sie 2006 den schlimmsten Moment ihres Lebens.
38:33Da hatte ich einen Freund, dem sein Sohn war zu Besuch und mein Sohn.
38:38Und wir sind im Haus gewesen und die Kinder, denen haben wir so Kracher gekauft.
38:43Also so zum Zünden, weil sie daran so Freude hatten, so Krach zu machen.
38:46Und man hörte sie auch die ganze Zeit und dann hörte man länger nichts mehr.
38:52Und dann plötzlich hörte ich den Schrei von diesem Freund von mir, von dessen Sohn.
38:58Und dieses Kind schrie Papa.
39:01Aber der schrie Papa, wo du gewusst hast, es ist jetzt in dem Moment ganz, ganz was Schlimmes passiert.
39:09Ihr Sohn Ferdinand stürzt 28 Meter von einer Klippe in die Tiefe.
39:16Ein Gesteinsbrocken, auf dem er steht, hat sich gelöst.
39:20Ich rannte los und in meinem Kopf waren all die Mütter von meiner Familie, die...
39:30Jede Mutter hat ein Kind verloren eigentlich, quasi durch die ganze Familie gezogen.
39:35Also es waren immer irgendwelche Kinder, die gestorben sind.
39:39Und ich dachte, ich bin jetzt die Nächste.
39:42Weil als ich sah, wo der Barranco war, wo er runtergestürzt ist, war mir klar, das kann er nicht überlebt
39:49haben.
39:50Und mein Freund, der kannte sich aus mit Sportunfällen und ist losgelaufen und um diesen Barranco rumgelaufen.
39:59Und dann stand er da und ich sah, wie er die Hand so nach unten macht und dreht zu mir
40:09rüber und so macht.
40:11Und dann wusste ich, er lebt.
40:17Wie durch ein Wunder ist Ferdinand nur leicht verletzt.
40:23Seitdem habe ich unheimlich viel Dankbarkeit in mir.
40:26Das ist so eine... Also eine Sekunde kann dein Leben verändern.
40:34Und das ist mir sehr bewusst geworden.
40:36Und deswegen liebe ich sehr intensiv jeden guten Moment.
40:39Und bin auch immer froh, wenn alle gesund sind und nicht so ein Damoklesschwert über dir hängt.
40:48Ja, also alles andere ist dann auch unwichtig. Es ist einfach nur unwichtig.
40:53Marie-Therese ist mehrfache Bestseller-Autorin.
40:57Sie hält Seminare, nimmt Hörbücher auf, organisiert Kulturveranstaltungen.
41:02Und sie engagiert sich sozial.
41:04Dafür wurde sie im Januar 25 in Wien mit dem Golden Arrow geehrt.
41:10Sie hat immer wieder neue Ideen, die sie in die Tat umsetzt.
41:14Ja, das bewundere ich auf jeden Fall. Das habe ich auch bis heute bewundert.
41:19Dass sie auch so oft auf die Schnauze gefallen ist. Und zwar, weil sie auch einen Größenwahn hat.
41:24Also sie hat sich manchmal so viel eingebildet, dass was wird. Und dann ist es nichts geworden.
41:30Und wenn du dann tief runterfällst, dann musst du wieder aufstehen.
41:36Und sie ist jedes Mal wieder aufgestanden mit neuen Ideen, mit einer neuen Kraft.
41:42Und es ist eine ganz große Qualität, die hat sie.
41:45Aber auf jeden Fall ist es wunderbar, dass sie sich da befreit hat.
41:49Also das finde ich toll. Wäre ich ja blöd, wenn ich das nicht toll fände.
41:53Nein, die Frau hat sich gemacht.
41:57Ich kann ja nicht meine Seele abschneiden.
41:59Also das, was man auf der Bühne leistet, leistet man aber auch beim Schreibtisch.
42:03Also wenn ich schreibe, ist es natürlich immer emotional.
42:06Also egal, was ich erfinde oder was ich mache.
42:11Insgesamt hängt immer mit meinem Ich zusammen.
42:14Sonst könnte ich es ja nicht produzieren, auch wenn es meine Fantasie ist.
42:17Und wir kennen alle den Film, den wir selber im Kopf immer ablaufen lassen.
42:24Und der muss gelebt werden, egal was ich gerade mache.
42:44Ich weiße nicht,ああ und fluid sind noch abschneiden.
42:57Das ist ein如意 auszurent.
42:58Ichieuze und freueih mich damit, bis jetzt draußen zu ihr.
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