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00:01In Rot am See in Baden-Württemberg soll heute ein Mann sechs Menschen erschossen und zwei weitere schwer verletzt haben.
00:10Insgesamt 30 Schüsse soll der Mann abgegeben haben.
00:14Er hat seinen Vater, seine Mutter und vier weitere Verwandte erschossen.
00:20Der Täter hat drei Seiten voll geschrieben und die hat er später selbst als eine Art Abschiedsbrief bezeichnet.
00:27Ich wusste, dass ich es töten würde.
00:32Die Dorfbewohner sind geschockt.
00:34Das ist unvorstellbar, zumal man ja alle gekannt hat.
00:47Guten Abend und willkommen zu KripoLive-Tätern auf der Spur.
00:51Er war still, zurückgezogen, ein Einzelgänger mit dunklen Gedanken.
00:56Niemand ahnte, was Adrian S. in diesem Gasthof plante.
01:00Am Ende wurden hier sechs Menschen getötet vom Sohn, der überzeugt war, dass ihn seine Mutter und seine Schwester vergiften
01:08wollten.
01:10Rot am See hat 5600 Einwohner.
01:15Saskia Huck ist zum ersten Mal seit vielen Jahren an dem Ort, an dem ihre allerbeste Freundin sterben musste.
01:22Caroline, getötet in der Gastwirtschaft ihres Stiefvaters Klaus S., von dessen Sohn Adrian.
01:31Es ist schwierig hier zu sein, weil ich eben weiß, was hier passiert ist und dass das davor hier eigentlich
01:41ein geselliger Ort war.
01:42Das war ein Gasthaus, das war eine Kneipe.
01:45Die ganzen Leute vom Ort sind hierher gekommen, haben hier eine schöne Zeit verbracht, sind Kegeln gegangen, haben ihr Bier
01:51getrunken.
01:53Und jetzt ist alles im wahrsten Sinne des Wortes tot.
01:58Nur zehn Minuten, bevor Saskias beste Freundin Caroline in der Gaststätte ihres Stiefvaters ums Leben kam, schickte sie ihr noch
02:07eine Sprachnachricht per WhatsApp.
02:09Wir sind da, alles gut.
02:11Ein Satz leichter hingesagt und im Rückblick kaum zu ertragen.
02:15Es war eine sehr offene Familie, eine tolerante Familie und die Caro hat sich auch mit psychischer, emotionaler Gesundheit auseinandergesetzt
02:27und sie hat mir auch in schweren Zeiten immer geholfen, ist immer da gewesen.
02:33Wir haben uns kennengelernt in der sechsten Klasse, das waren 26 Jahre etwa, die wir eben ganz eng befreundet waren.
02:42Und sie war ein Freigeist, also sie hat sich nicht gerne an Konventionen gehalten.
02:48Sie war sehr spontan, sie war sehr emotional, sie war sehr lebenslustig, sie war sehr empathisch, freundlich, eine tolle Freundin.
03:00Der Gasthof zum Deutschen Kaiser.
03:03Hier wohnt Adrian seit einigen Jahren mit seinem Vater Klaus S. unter einem Dach.
03:09Zuvor hatte er bei seiner Mutter gelebt, zusammen mit seinen Halbgeschwistern Caroline und Holger.
03:192019 haust der 26-jährige Student im zweiten Stock der Gastwirtschaft.
03:24Ein junger Mann, der kaum noch spricht, der sich in eine digitale Welt zurückgezogen hat.
03:30Ein Nerd mit einem tödlichen Hass in sich.
03:33Adrian hat viele Jahre vor der Tat schon einen ersten Plan geschmiedet.
03:39Und zwar wollte er seine Mutter und seine Schwester mit K.O.-Tropfen betäuben,
03:44dann fesseln und über eine längere Zeit, also über Wochen hinweg, irgendwie quälen.
03:51Der hatte entsprechende Utensilien in seinem Zimmer schon gehortet, also Klebeband,
03:56einen Beil hat man da später gefunden, Gaskartuschen.
03:59Und er hatte sich auch übers Internet sämtliche Chemikalien besorgt,
04:04die man braucht, um selbst K.O.-Tropfen herzustellen.
04:07Und hat auch selbst Formeln aufgeschrieben, die sogar gestimmt haben,
04:11obwohl er ja kein ausgebildeter Chemiker ist.
04:14Doch irgendwann ändert er seinen Plan.
04:18Er will seine Mutter und seine Schwester nun erschießen.
04:22In dem festen Wahn, sie würden ihn mit Hormonen vergiften.
04:27Adrians Problem, die beiden sind nie gemeinsam anzutreffen.
04:32So muss er lange auf eine Gelegenheit warten.
04:35Sie ergibt sich schließlich, als in Schwebnitz in Sachsen die Großmutter stirbt.
04:44Die angesetzte Beisetzung der Großmutter auf dem Friedhof in Schwebnitz sah Adrian als die perfekte Möglichkeit,
04:51seine Tat umzusetzen, weil dort alle Familienmitglieder zusammenkommen würden.
04:56Und endlich also auch seine Mutter und seine Halbschwester zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein werden.
05:02Deswegen dachte er, das ist wirklich der perfekte Moment und seit langem, seit mindestens zwei Jahren der erste Moment,
05:10an dem er seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzen könnte.
05:14Kurz nachdem er vom Tod der Großmutter erfährt, schreibt Adrian einen Brief.
05:19Wirr voller Widersprüche.
05:23Er versucht sich zu erklären, für das, was er vorhat.
05:27Sucht nach Gründen, nach einer Art Rechtfertigung.
05:31Es sind bruchstückhafte Sätze, durchzogen von Misstrauen, Wahn und Wut.
05:36Ein Abschied und zugleich ein stiller Auftakt zur Tat.
05:42Selbst wenn ich die Möglichkeit hätte, S über 20 Jahre zu foltern, wäre es nicht dasselbe, da ich ein unschuldiges
05:49Kind war.
05:50Somit verwarf ich im Laufe der Zeit den Gedanken an Rache und auch an Gerechtigkeit.
05:55Stattdessen entschied ich, dieses Übel aufzuhalten, sodass S nie wieder jemandem das antun können, was es mir angetan hat.
06:05Als S bezeichnet Adrian seine Mutter. Ein Akt der Entmenschlichung.
06:11Die geplante Tat bereitet er im Januar 2020 akribisch vor.
06:16Dazu gehört auch, dass er sich den geplanten Tatort zuvor genau anschauen will.
06:21Seinem Vater sagt er, wie so oft, dass er nach Stuttgart zum Studieren muss, obwohl er da längst nicht mehr
06:27studierte.
06:32Am 21. Januar fährt er dann los. Bis nach Schwebnitz sind es 450 Kilometer.
06:39Nach mehr als fünf Stunden Fahrt kommt er dort endlich an.
06:46Um dort den Ort auszukundschaften, an dem die Beisetzung der Großmutter stattfinden soll, weil er glaubt, dass er dort seinen
06:54Plan umsetzen kann.
06:57Der Friedhof von Schwebnitz liegt am Rande des Dorfes mit rund 2500 Einwohnern.
07:06Adrian kennt den Ort gut.
07:10Als Kind war er oft hier bei seinem Großvater.
07:15Damals verstand er sich mit Carolin und Holger, seinen Halbgeschwistern, noch gut.
07:24Jetzt denkt er an die Beisetzung und seinen mörderischen Plan.
07:30Viele Trauergäste werden kommen, eine Gelegenheit und zugleich ein Risiko.
07:39Was, wenn man ihm die Waffe entreißt, ihn die vielen Menschen stoppen?
07:44Vermutlich fährt er mit solch dunklen Gedanken nach Dresden, wo er übernachten wird.
07:51Adrian macht sich am nächsten Morgen auf den Rückweg.
07:54Allerdings hat er nicht Rot am See als erstes Ziel, sondern er wird einen kleinen Umweg machen.
08:02Er wird nach Nürnberg fahren, zu einem Waffenhändler.
08:06Dort hatte er einige Tage vorher angerufen, hat nach einer ganz bestimmten Waffe gefragt.
08:12Es war eine Walter Q5 Champion.
08:18Die lässt er sich nun dort auch vorführen.
08:22Ja, und was hier das Schöne ist, den blauen Abzug.
08:25Das Markante an dieser Waffe ist der blaue Abzug.
08:28Adrian prüft die Waffe, halbautomatisch, liegt sicher in der Hand, präzise, gefährlich.
08:35Eine Wahl mit fataler Konsequenz.
08:38Dazu nimmt er noch 350 Patronen, unterschiedliche Geschosstypen.
08:44Und mit diesem Einkauf, rund 1500 Euro hat er dafür bezahlt, setzt er seinen Weg nach Rot am See fort.
08:52Zuerst fährt er allerdings nach Beimbach zu seinem Schützenverein.
08:56Etwa fünf Kilometer von Rot am See entfernt.
09:02Adrian hat jahrelang, muss man sagen, auf diesen Moment hingearbeitet, hat alles vorbereitet, hat sein ganzes Leben danach ausgerichtet.
09:10Er ist 2017 in einen Schützenverein eingetreten, in dem auch großkalibrige Waffen geschossen wurden.
09:21Nimmt dort seine Waffe, um sie einzuschießen.
09:31Wow, eine Wolter, Q5. Kannst du mal anfassen?
09:35Ja, klar.
09:37Ach, eine super Waffe.
09:39Boah, klasse.
09:41Denn schon in drei Tagen findet die Beerdigung in Schwebnitz statt.
09:45Dann soll die Waffe perfekt funktionieren.
09:48Und so feuert er dutzende 9 Millimeter Geschosse auf die Zielscheiben.
09:54Die Schützenkameraden werden neugierig, was es mit der Pistole auf sich hat.
10:01Im Schützenverein hat das keiner ungewöhnlich gefunden.
10:05Einige von den Schützenkameraden haben ihn gefragt, wo er jetzt die Waffe her hat.
10:11Und das hat er denen erklärt.
10:13Aber es war völlig normal.
10:14Adrian war auch in der letzten Zeit ein guter Schütze.
10:17Er hat auch für den Schützenverein an Wettkämpfen teilgenommen.
10:20Er hat zum Teil vordere Plätze belegt, sodass sein Name sogar in der Zeitung stand.
10:28All das gehörte wohl auch dazu, um seinen Plan, die Mutter und die Schwester zu töten, schließlich perfekt umsetzen zu
10:37können.
10:39Er wusste offenbar, dass man erst 26 Jahre sein muss, um an eine Waffenbesitzkarte zu kommen, ohne ein psychiatrisches Gutachten
10:49vorlegen zu müssen.
10:50Also darauf hat er auch noch gewartet.
10:52Es sind keine 72 Stunden mehr, bis die Großmutter beigesetzt wird.
10:57In Adrians Kopf ein unheilvolles Gewirr.
11:01Düstere Gedanken, die kommen und gehen wie Schatten im Nebel.
11:05Seit Jahren glaubt er, seine Mutter vergifte ihn mit weiblichen Hormonen.
11:10Dass seine Schwester dabei hilft.
11:13Dass auch der Vater nicht unschuldig ist.
11:15Einen unterwürfigen Hund nennt er ihn.
11:18Sie alle müssen sterben, glaubt er.
11:21Der einzige Ausweg, den Adrian jetzt noch sieht.
11:25Es spielt auch keine Rolle.
11:27Ich muss dieses Monster so oder so aufhalten.
11:29Und man kann das Böse nur aufhalten, indem man es tötet und seine Diener mit heben.
11:35Das Monster.
11:36So nennt er seine Mutter.
11:37Die Diener sind Vater und Schwester.
11:40Adrian hat sein Zimmer eigentlich zu einer Festung umfunktioniert.
11:44Er hat eine Überwachungskamera, einen Bewegungsmelder installiert.
11:49Er erlaubt niemanden reinzukommen.
11:51Selbst wenn Besuch kam, hat er maximal so einen Spaltbreit aufgemacht und hat seinen Kopf rausgesteckt.
11:56Er hat aber niemanden reingelassen.
11:58Und wenn er mal auf Toilette musste, die befand sich praktisch über den Flur, hat er jedes Mal abgeschlossen.
12:05Also weil er Angst hatte, dass in der Zwischenzeit jemand in sein Zimmer kommt und ihm irgendwelche Lebensmittel, die dort
12:11gelagert waren,
12:12unter anderem die Haarmilch, von der er sich fast ausschließlich ernährt hat, vergiften könnte.
12:19Das ist ja eine Überraschung.
12:21Das ist ja wirklich.
12:28Er hat auch schon seit ungefähr einem Jahr sämtliche Telefonate auf dem Festnetztelefon seines Vaters abgehört,
12:36hat alle gespeichert, um sie dann später abzuhören, wenn er mal nicht da war, oder hat direkt live mitgehört.
12:48Zwei Tage vor der Beerdigung der Großmutter sagt er seinem Vater, dass er nicht mitkommt nach Schwebnitz,
12:54weil er einen wichtigen Termin an der Uni hat.
12:58Ich wollte dir sagen, dass ich da nicht mit möchte morgen.
13:02In Wirklichkeit will er alleine heimlich nach Schwebnitz fahren, um sie alle zu erschießen.
13:11Ursprünglich wollte ich Rache nehmen und es foltern, so wie es mich gefoltert hatte.
13:16Doch das ist vollkommen unmöglich.
13:27Am 24. Januar ruft seine Mutter überraschend im Gasthof an.
13:32Die Familie hat sich spontan entschlossen, den Vater, der ursprünglich mit der Bahn nach Schwebnitz fahren wollte,
13:37jetzt mit dem Auto mitzunehmen.
13:39Für Adrian zunächst ein Schock, aber dann plötzlich eine Chance.
13:44Er erfährt, dass nun die gesamte Reisegesellschaft nach Rot am See kommt.
13:48Und da muss es bei ihm irgendwie Klick machen, da muss irgendwie in seinem Kopf alles durcheinander laufen.
13:55Weil plötzlich bietet sich für ihn offenbar die Möglichkeit, die Tat nicht in Schwebnitz auf dem Friedhof umzusetzen,
14:02sondern vielleicht in Rot am See.
14:06Jetzt sind sie da.
14:09Adrian sieht keinen Plan mehr.
14:13Nur noch den Abgrund.
14:16Und der rückt immer näher.
14:24Eigentlich wollten alle zusammen gerade wieder in ihre Autos steigen, um weiterzufahren.
14:30Kommt plötzlich die Mutter von Adrian und sagt zum Vater, also mit der Jacke, die er sich ausgesucht hat,
14:36kannst du nicht zur Beerdigung gehen, hast du nicht eine andere Jacke.
14:39Und das war eigentlich so der entscheidende Moment.
14:42Die beiden beschließen, nochmal ins Haus zu gehen, hochzugehen, Treppenflur hochzugehen,
14:47um eine andere Jacke für Adrians Vater zu holen, die besser zu einer Ballsetzung passt.
15:01In dem Moment, in einem Bruchteil von Sekunden offenbar, trifft er die Entscheidung, die Tür aufzustoßen und sofort zu schießen.
15:18Sein Vater wird tödlich getroffen. Aber die Mutter kann fliehen.
15:23Die Mutter ist schon ein ganzes Stück weiter unten, versucht in einen Nebenraum zu flüchten, in die Küche.
15:29Aber Adrian schießt nochmal aus halber Höhe und trifft sie in den Rücken.
15:34Dann kommt sein Halbbruder Holger auf ihn zugerannt, versucht, Adrian aufzuhalten.
15:41Holger wird von drei Geschossen getroffen, dreht sich sofort um und rennt nach draußen.
15:48Von da an scheint aber Adrian noch alles geschossen zu haben, was sich bewegte.
15:53Er verletzt Großvater und Großmutter schwer.
15:56Dann erschießt er Onkel und Tante. Und noch immer ist nicht Schluss.
16:05Aber sein eigentliches Ziel ist ja Caroline und die Mutter.
16:15Caroline ist bei Holger, der schwer verletzt auf einer Bank vor dem Haus liegt.
16:22Sie versucht zu helfen. Da steht plötzlich Adrian vor ihr. Und schießt.
16:32Wortlos, ohne zu zögern.
16:36Adrian ist dann wieder ins Haus zurückgegangen. Er wusste, dass seine Mutter schwer verletzt war, dass er sie getroffen hatte.
16:43Also insgesamt mit fünf Geschossen schon. Aber er wollte ganz sicher gehen, dass sie auch wirklich tot ist.
16:53Er sah, dass sie noch lebte, dass sie noch atmete. Und deshalb hat er ihr dann aus nächster Nähe nochmal
17:00in die Schläfe geschossen.
17:03Und dann war sie tot.
17:17Und es war noch jemand im Haus, der ganz viel davon mitbekommen hat und angesehen hat.
17:23Nämlich einer von den Neffen, der ältere Neffe, der war damals 14 Jahre alt.
17:27Und er hörte die Schüsse, er hörte das Knallen und wollte eigentlich nur noch raus.
17:32Rannte deshalb in ein Hinterzimmer, weil er wusste, dort befindet sich ein Fenster.
17:37Und wollte rausspringen. Merkte dann aber, dass vor dem Fenster ein Fliegengitter festgeschraubt war.
17:42Er kam nicht raus. Er war völlig in Panik.
17:45Er rannte in die andere Richtung, kam wieder an der Küche vorbei.
17:51Und plötzlich, als er in die Küche kommt, steht Adrian mit der Waffe vor ihm, wie ein Geist, wie ein
17:58schwarzes Ungeheuer.
17:59Doch dieses Mal schießt Adrian nicht.
18:08Der Neffe kann flüchten. Unverletzt. Draußen trifft er seinen kleinen Bruder. Zwölf Jahre alt, der sich versteckt hatte.
18:19Die beiden laufen los, ohne zu wissen, wohin. Aber weg von dem, was hinter ihnen liegt.
18:27Adrian hat in kurzer Zeit, in vielleicht 5, 6 Minuten, 30 Patronen abgeschossen.
18:34Und eigentlich war die nächste Patrone für ihn selbst gedacht. Also er wollte sich eigentlich selbst töten.
18:40Aber weil ihm durch den Kopf schießt, ich muss der Menschheit, der Welt erklären sozusagen, warum ich das getan habe.
18:48Und deswegen entscheidet er sich letztendlich, sich nicht umzubringen und wählt dann in der Gaststube die 110.
19:02In Ahlen ist ein junger Polizist am Apparat und spricht mit Adrian 20 Minuten lang.
19:08Gibt ihm Anweisungen, hält ihn hin und schickt die Kollegen zum Tatort nach Roth am See.
19:15Adrian sagt ihm, dass er blutrünstige Monster erschossen habe.
19:20Der Polizist weist ihn an, die Pistole liegen zu lassen, aus dem Fenster zu steigen und sich zu ergeben.
19:30Danach wird er zum Verhör nach Schwäbisch Hall gebracht.
19:34Am Tatort versammeln sich inzwischen Dutzende Polizisten.
19:38Ein Ort des Schreckens.
19:39Was ist geschehen?
19:41Ein Attentat?
19:43Ein Amoklauf?
19:44Zunächst bleibt alles unklar.
19:47Erst später zeichnet sich das ganze Ausmaß ab.
19:50Auch der Bürgermeister ist inzwischen am Tatort.
19:53Ich bin gefragt worden, ob ich noch die Opfer identifizieren kann.
19:59Das habe ich aber abgelehnt, nachdem ich mitgekriegt habe, was alles war.
20:03Da bin ich dann nicht dazu hingegangen.
20:05Bis in den späten Abend sichern Ermittler Spuren.
20:09Derweil wird Adrian von der Polizei verhört.
20:12Erst als man ihm sagt, wen er tatsächlich getötet hat, was er offensichtlich nicht weiß, ist er bereit, alles zu
20:18gestehen.
20:19Und in Roth am See herrscht Fassungslosigkeit.
20:22Der ganze Ort war geschockt.
20:26Also es war, man kann es eigentlich gar nicht beschreiben.
20:30Es war so unglaublich, dass in so einem friedlichen, idyllischen Ort wie Roth am See so ein grausames Massaker passieren
20:37kann.
20:38Das lag wirklich wie ein schweres Tuch über den Ort die nächsten Tage, die nächsten Wochen, Monate noch.
20:44Der Prozess gegen Adrian S. beginnt am 29. Juni 2020 vor der ersten Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellmangen.
20:54Angeklagt wird er wegen sechsfachen Mordes.
20:59Auch Saskia, die beste Freundin von Carolin, ist zum Prozess gekommen.
21:04Also das war für mich eine extreme Situation, weil er hatte ja Handfesseln und er hatte Fußfesseln.
21:10Und als wir vor dem Gericht gewartet haben, da haben die ihn gebracht.
21:15Und dieses Klirren von diesen Fußfesseln, das werde ich nie vergessen.
21:20Das hat so gekliert am Boden.
21:22Und das war sehr unheimlich.
21:26Das war schon eine sehr emotionale und heftige Situation.
21:30Aber er hatte jetzt nicht, dass er mich irgendwie fixiert hätte mit Blicken oder sowas.
21:35Das ist nicht passiert.
21:36Adrian gesteht im Prozess die gesamte Tat.
21:39Dass er seinen Onkel, seine Tante und seinen Halbbruder erschossen hat, bedauert er.
21:44Bei der Mutter bereut er nichts.
21:46Für seine Anwälte ist die Strategie der Verteidigung klar.
21:50Sie zweifeln an seiner Schuldfähigkeit.
21:53Jetzt hat sich relativ früh abgezeichnet, dass die ganze Sache darauf hinausläuft.
21:59Die Frage, ob er schuldfähig ist, vermindert schuldfähig oder schuldunfähig.
22:06Und zum anderen natürlich die Frage, ob es am Ende eine Verurteilung wegen Mordes oder wegen Totschlag gibt.
22:15Dass Adrian nicht schuldfähig sein könnte, könnte durch einen Wahn entstanden sein,
22:21der sich während eines Krankenhausaufenthaltes im Jahr 2012 entwickelt haben soll.
22:31In dieser Zeit muss bei Adrian so der Glaube entstanden sein, dass seine Mutter ihn vergiften will.
22:38Und zwar kommt es daher, dass er, so erzählte er es später, von einem Arzt gesagt bekommen haben will,
22:45dass man in seinem Blut ein synthetisches Hormon, Ethinyl, Estradiol, nachgewiesen hat.
22:53Das ist praktisch ein Wirkstoff in Antibabypillen.
22:56Und für ihn war das so die Erklärung, meine Mutter wollte mich immer vergiften.
23:00Und deshalb sollte sie sterben.
23:03Das Gericht stellt im Verfahren fest, dass Adrian sich alles nur eingebildet hat und wegen dieses Wahns nur vermindert schuldfähig
23:10ist.
23:10Was nach Einschätzung des forensischen Psychiaters Dr. Matthias Michel eine kaum zu heilende Erkrankung ist.
23:19Ein solcher Wahn ist extrem schwierig zu behandeln.
23:23Das muss man auf jeden Fall sagen.
23:24Alle Formen von Wahnstörungen sind sehr, sehr hartnäckig, schwer zu behandeln.
23:30Und je länger so ein Wahn angedauert hat, umso schwieriger wird es mit der Behandlung, umso schlechter ist die Prognose.
23:36Hat auch der Gutachter ja schon so gesehen, eben gerade weil es sich so schwer behandeln lässt.
23:42Und aus dem Maßregelvollzug wird man ja erst dann entlassen, wenn tatsächlich keine Gefahr mehr von der betroffenen Person ausgeht.
23:50Also sprich die Erkrankung so weit behandelt ist, dass man sich da relativ sicher sein kann.
23:55Und das, fürchte ich, wird bei ihm sehr, sehr schwer zu erreichen sein.
24:00Das Urteil. 15 Jahre Haft wegen Mordes und versuchten Mordes.
24:08Dazu Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.
24:20Das Urteil. 15 Jahre Haft wegen Mordes.
24:24Das Urteil. 15 Jahre Haft.
24:28Das Urteil. 15 Jahre Haft.
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