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00:00War das ein Einzelfall oder Teil einer Serie?
00:03Pfleger unter Mordverdacht.
00:05Er ist eigentlich ein Betrüger, ein Dieb.
00:08Wir haben keine Todesursache des Verstorbenen gefunden.
00:11Das kann eigentlich nur mit der Gabe von Insulin möglich sein.
00:14Im Blut baut Insulin sehr schnell ab.
00:16Wir wussten, dass sich die Beweissituation für uns von Tag zu Tag verschlechtert.
00:21Niederträchtig und kaltblütig.
00:23Es sei im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gegangen.
00:26Dieser Mensch hätte eigentlich überhaupt nicht in diesem Bereich arbeiten dürfen.
00:30Die kriminelle Karriere hat bei ihm im Alter von zwölf Jahren begonnen.
00:34Ich hatte kein gutes Gefühl.
00:37Das ist exzessiv viel Insulin.
00:39Das war schlichtweg für unmöglich.
00:4124 Stunden Hilfskraft aus Polen, der im Morden durch Deutschland gezogen ist.
00:52Dass der Umfang so groß wird mit 69 Arbeitsstellen, das war mir in dem Fall nicht klar.
00:57Er war eigentlich überhaupt gar keine Hilfe. Er war ein Serienmörder.
01:03Uns hat keiner irgendwie zugehört.
01:05Und es hätte viel Leid erspart werden können.
01:37Untertitelung im Auftrag des ZDF für funk, 2017
01:53Im Mai 2017 bekommt der 24-Stunden-Pfleger Grzegorz W. von seiner Vermittlungsagentur den Auftrag,
02:00sich um den kranken Heinrich Wischmann in Mülheim an der Ruhe zu kümmern.
02:04Der 91-Jährige lebt noch zu Hause und benötigt Hilfe im Alltag.
02:10Mein Vater hatte Parkinson. Er musste im Rollstuhl sitzen.
02:16Er hatte auch eine leichte Demenz. Er hatte auch mit der Lunge Probleme.
02:27Unsere Mutter ist im September 2015 relativ plötzlich verstorben.
02:33Und der Vater, für ihn war klar, dass er aus diesem Haus, seinem Elternhaus, nicht raus wollte.
02:37Und da wir alle berufstätig waren, mussten wir mit ihm das Arrangement treffen,
02:43dass auch eine Pflegekraft vor Ort sein musste.
02:47Ja, so kam es dann dazu, dass wir uns an eine Agentur gewandt haben.
02:52Die ersten Erfahrungen waren recht okay, sag ich mal.
02:57Dann stellten wir aber fest, dass die Pflegesituation sehr schnell immer wechseln musste.
03:03Also wir hatten einen sehr regen Austausch an Pflegern.
03:11Am 24. Mai 2017 klingelt es an der Haustür von Heinrich Wischmann.
03:18Es ist Grzegorz W., der ab jetzt bei ihm wohnen und sich um ihn kümmern wird.
03:27Ich weiß das wie heute, es war der Mittwochnachmittag vor dem Himmelfahrtstag
03:31und meine Schwester nahm den Pfleger in Empfang.
03:35Dann war der Schreck erstmal groß.
03:38Ich kam rein und sah nur noch, ja, ich sag das jetzt böse, diese Masse von Mensch.
03:47War erstmal ein bisschen sprachlos.
03:52Ich hatte kein gutes Gefühl, hab aber dann gedacht, komm.
03:57Erstmal abwarten.
03:59Der optische Eindruck ist ja nicht entscheidend.
04:02Was uns abgeschreckt hatte, war, er hatte sich in dem Gespräch mit meiner Schwester
04:08überhaupt nicht für meinen Vater interessiert.
04:11Er wollte wissen, wie er ans Internet kommt und wo das Essen ist.
04:17Und meine Schwester wollte, weil die immer so diesen Part hatte mit Tablettenversorgung und so,
04:23sie wollte ihm das erklären und er wiegelte immer nur ab und sagte, wüsste er alles, er könnte pflegen, er
04:27wüsste alles.
04:32Am Abend verlässt die Tochter von Heinrich Wischmann das Haus ihres Vaters mit einem unguten Gefühl.
04:43Mein Bruder kam dann an dem Morgen und dann beschwerte sich der Gregor, dass mein Vater, glaube ich, drei-
04:51oder viermal nachts wach geworden ist.
04:53Mein Bruder hat ihm dann erklärt, dass es eben so ist in diesem Krankheitszustand, aber das fand der Gregor gar
05:00nicht gut.
05:01Und dann schrieb mein Bruder, er hätte geklagt, dass er kein Essen mehr da hätte.
05:06Und dann bin ich kurz darauf auch dann hingefahren und habe Kartoffeln gebracht.
05:12Ich habe aber dann schon gemerkt, die Stimmung war nicht gerade angenehm.
05:18Und bin dann gegen eins, halb zwei schon wieder hin und da klagte mein Vater über das Essen, die Pappe,
05:26die da stünde.
05:27Ich habe dann versucht, meinen Vater ein bisschen zu beruhigen und habe dann in das Zimmer von Gregor geschaut.
05:34Und dann saß der da vor einem vollen Teller mit acht Kartoffeln, mit Fisch drauf, mit allem und aß.
05:42Und hatte dann sein Internet an.
05:45Dann bin ich eine ganze Zeit bei meinem Vater geblieben, weil er war todunglücklich.
05:50Ich habe ihm dann gesagt, ich würde sofort anderen Morgen die Agentur anrufen und er bekäme einen neuen Pfleger, wenn
05:58nicht würde ich da bleiben.
06:06Karin Wischmann fährt nach Hause.
06:08Sie wohnt nur wenige Minuten von ihrem Elternhaus entfernt und will später nochmal nach ihrem Vater schauen, der inzwischen einen
06:16Mittagsschlaf macht.
06:18Ich bin dann gegen 17 Uhr zu Hause gewesen und keine Stunde später rief mein Bruder schon an und sagte,
06:25was ist mit dem Papa?
06:26Der ist überhaupt nicht ansprechbar, der liegt im Bett und lallt nur.
06:31Und dann bin ich ja innerhalb von ein paar Minuten da gewesen.
06:34Und es stimmt. Und dann haben wir den Notarzt gerufen.
06:39Um 19.30 Uhr trifft der Notarzt ein.
06:44Heinrich Wischmann reagiert nicht. Sein Bewusstsein ist getrübt.
06:48Ein Hinweis auf Unterzuckerung, doch die Rettungskräfte messen den Blutzuckerspiegel nicht.
06:57Der 91-Jährige kommt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus.
07:01Seine Tochter Karin begleitet ihn und informiert ihre drei Geschwister.
07:07Mein Vater kam in diesen Schockraum und wir sollten im Wartezimmer eben warten.
07:13Dann wurden wir reingerufen nach einer Zeit und die Ärztin fragte nach der Vorsorgevollmacht
07:19und teilte uns dann eben mit, dass wir uns darauf einstellen sollten, dass er in den nächsten Stunden versterben würde.
07:27Es war ein Schock.
07:33Und wir waren schon eine Zeit bei dem Vater dann mit im Behandlungszimmer.
07:38Dann wurden wir eben angesprochen, ob er Morphium bekäme.
07:42Konnten wir verneinen, weil die Pupillen so verändert wären.
07:48Und daraufhin hat mein Bruder erwähnt, ganz vorsichtig, dass wir seit dem Abend vorher einen anderen Pfleger hätten
07:57und uns das alles sehr komisch vorkäme.
08:00Und da war die Ärztin doch sehr ungehalten.
08:05Dass wir doch dem Pfleger nichts unterstellen sollten.
08:11Mein Bruder und ich waren uns einig, dass wir gesagt haben,
08:14ehe wir den Vater hier jetzt versterben lassen, möchten wir nochmal alles genau abklären.
08:21Und dann wurde ihm Blut abgenommen und dann kam wohl der Anruf, dass er unter zehn Zucker hätte.
08:26Und dann ging alles ganz schnell.
08:28Der bekam eine Infusion und zack, zack, zack, da wurden die auf einmal emsig.
08:33Und innerhalb von kürzester Zeit kam mein Vater bei.
08:43Ich hatte damals Kontakt zu anderen Ärzten im Privaten und habe das erzählt.
08:49Und sofort kam die Diagnose, da muss Insulin im Spiel sein.
08:53Und dann haben wir entschieden, dass einer zur Polizei geht, das melden muss.
08:58Und da bin ich vom Krankenhaus aus zur Polizei.
09:06Diese haben ernsthaft reagiert und ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass sie denken,
09:11ach da kommt eine, die spinnt rum oder so.
09:13Nein, die haben mich ernst genommen.
09:17Die Polizei stuft den Fall nur als Körperverletzung ein.
09:20Grzegorz W. reist ungestört zum nächsten Pflegebedürftigen.
09:25Und Heinrich Wischmann?
09:29Also mein Vater ist freitags ins Pflegeheim gekommen.
09:33Er bekam dann Sauerstoff und man merkte aber, da ging gar nichts mehr.
09:39Und dann ist er verstorben.
09:47Sieben Monate später, in der Nacht zum 12. Februar, setzt Grzegorz W. einen Hausnotruf ab.
09:54Der 87-jährige Franz W. atme nicht mehr.
09:58Kurz darauf trifft der Notarzt in Ottobrunn bei München ein.
10:03Doch jede Hilfe kommt zu spät.
10:05Franz W. ist tot.
10:07Bei der Leichenschau fallen dem Arzt ungewöhnliche Spuren auf.
10:12Punktförmige Einblutungen im Mundraum und hinter den Ohren.
10:16Er alarmiert die Polizei.
10:28Ich kann mich tatsächlich noch ganz gut an den 12. Februar 2018 erinnern.
10:33Es war kalte Witterung, wie üblich an einem Wintertag.
10:37Und eben an diesem Rosenmontag war ich mit meiner Mordkommission dran für die anstehende Bereitschaft.
10:49Das war kurz nach halb acht, als der Kollege von der Vorgänger von der 4. Mordkommission reinkam
10:55und uns berichtete, dass er soeben einen Anruf erhalten hat.
11:00Da sei ein 87-jähriger alleinstehender Mann in der Nacht verstorben.
11:05Die Umstände am Ablebensort seien komisch.
11:11Wir wussten, dass zwei Tage vor dem Tod ein Polizeieinsatz in dem Anwesen war.
11:18Und zwar hat da das spätere Opfer die Notrufzentrale angerufen und angegeben,
11:24bei ihm im Haus wären polnische Einbrecher.
11:27Es war genau der Übernahmetag, als der neue Pfleger kam.
11:31Der Mann war halt etwas verwirrt, hat die Situation vielleicht falsch eingeschätzt.
11:35Franz W. in Ottobrunn, Heinrich Wischmann in Mühlheim an der Ruhr.
11:40Beide Patienten sterben unter rätselhaften Umständen.
11:44Zufall? Oder sind die Ermittler einem Serienmörder auf der Spur?
11:48Wir haben uns dann so verständigt, dass der Johannes und ich direkt vor Ort fahren, nach Ottobrunn.
11:54Und der Kollege vom K-12, zuvor noch eine Rechtsmedizinerin, abholt und hinzuzieht.
12:13Der Herr war alleinstehend, 87 Jahre alt, hat in einer Doppelhaushälfte gewohnt.
12:20Als einzige soziale Kontakte hatte er eigentlich nur seinen Bruder und dessen Frau.
12:26Bei einem Augenscheinnahme des Leichnams haben wir auch diese leichten Hautveränderungen innerhalb der Wange, in den Schleimhäuten festgestellt.
12:40Wenn der Leichenschauer nicht so genau geguckt hätte, dann hätte er sich vielleicht gedacht, alter pflegebedürftiger Mensch, das wird ein
12:47natürlicher Tod sein.
12:48Dann wäre der Verstorbene bestattet worden und mehr wäre nicht passiert.
12:52Und nur weil dieser Leichenschauer was Auffälliges bemerkt hat, wurde die Rechtsmedizin hinzugezogen.
12:59Letzten Endes hat sich gezeigt, dass diese Punktblutungen im Mund, dass das keine Einblutungen waren, sondern das waren eigentlich weitgestellte
13:07Gefäße.
13:09Meine Kollegin kam zu dem Ergebnis, dass wir den Menschen sofort obduzieren müssen, also ohne zeitliche Verzögerung,
13:15weil sie drei fragliche Injektionsstellen am Körper gesehen hat, was grundsätzlich zu einer Insulininjektion passen würde.
13:23Und da Insulin sehr instabil ist, muss man dann versuchen, die Obduktion ganz schnell zu machen,
13:27damit man noch möglichst gute toxikologische Untersuchungsergebnisse erlangen kann.
13:35In der Küche saß dieser polnische 24-Stunden-Pfleger, der sehr beleibt ist in schlapprigen Klamotten
13:44und hat auf seinem Laptop, das er aufgeklappt hatte, polnische Polkernmusik gehört.
13:49Eigentlich ein völlig unnormales Verhalten, also zumindest der Situation nicht angemessenes Verhalten.
14:07Der Herr W. war schmuddelig gekleidet und er war aus meiner Sicht auch massiv übergewichtig.
14:17Ich habe nochmal in den Unterlagen nachgesehen, das waren auf 163 Zentimeter 150 Kilogramm.
14:30Der erste Eindruck war, diese Person kann eine ältere Person betreuen.
14:36Das habe ich eher mal in Zweifel gezogen.
14:38Vielmehr war der Eindruck, dass diese Person gegebenenfalls selbst einen Betreuer braucht.
14:45Ich habe ihn dann ein bisschen zurechtgewiesen, dass es eben der Situation nicht angebracht war,
14:50so laut Musik zu hören, wenn hier gerade eine Person verstorben ist.
14:53Er hat dann nur darauf geantwortet, dass er jetzt umgehend wegfahren möchte.
14:58Er müsse nach Hause.
15:00Der war drei Tage an dieser Einsatzstelle, er hätte eigentlich für vier oder sechs Wochen hier bleiben sollen.
15:06Und sein Schützling stirbt in der Nacht und er ist wenige Stunden drauf, reisefertig und will weg.
15:12Der war schwitzig, der war nervös, das hat einfach alles nicht zusammenpasst.
15:20Wir waren tatsächlich in dem Stadium, dass wir kein handfestes Tötungsdelikt vor uns hatten.
15:26Also wir hatten eigentlich nichts.
15:32In der Früh, ich war gerade so am Aufbrechen Richtung Büro, kam der Anruf von der Mordkommission,
15:40die mir dann mitgeteilt haben, dass es einen wahrscheinlichen neuen Fall gibt.
15:45Wir haben uns dann eben dazu entschieden, dass der Herr W. zunächst als Zeuge mit aufs Präsidium kommt
15:50und da erst mal vernommen wird, einfach weil die Gesamtsituation vor Ort auffällig war.
15:58Also er stand schon mit gepackten Koffern und wollte eigentlich schon wieder abreisen,
16:02was natürlich auffällig dahingehend war, dass das Opfer ja erst kurze Zeit vorher verstorben war
16:08und er ja eigentlich auch nicht wissen hätte können, dass er in dieser Nacht verstirbt.
16:13Und parallel dazu haben wir die Obduktion veranlasst.
16:20Die Ermittler des K11 bringen Gujé-Gosch-W. samt Gepäck zur Dienststelle nach München.
16:26Dort soll er als Zeuge die letzten Stunden von Franz W. schildern.
16:34Unser Ziel war es eigentlich tatsächlich, den Pfleger so lange als Zeugen zu vernehmen,
16:39bis das Ergebnis der Rechtsmedizin da war.
16:44Die Vernehmung habe dann ich übernommen. Parallel hierzu lief eben die Obduktion und diverse andere Untersuchungen.
16:52Der Herr W. sollte erst einfach mal mitteilen, wie denn seine Anreise war, wie lange er das schon machte,
16:59wer war denn alles im Haushalt, wie war sein Tagesablauf.
17:02Da stellte sich eben schnell heraus, dass er erst kürzlich angereist war, erst am 9.02.
17:08Also er hat das eigentlich so dargestellt, dass er Dirk neben dem Bett wachend sitzen würde
17:15und auf jede Regung des zu Betreuenden reagieren würde.
17:19Das wurde natürlich von mir in Zweifel gezogen.
17:21Das ist ja komplett unmenschlich, habe ich gemeint.
17:24Das hält doch niemand durch.
17:25Das ist einfach, wenn man nichts machen kann, dass man da wacht.
17:28Er hat dann felsenfest behauptet, nein, das wäre eine Wache in ständiger Bereitschaft.
17:37Und dann wäre er aber dann doch eingenickt und um drei Uhr nachts aufgewacht und dann hätte er den Tod
17:43festgestellt.
17:44Ich habe dann gefragt und haben Sie erste Hilfe-Maßnahmen geleistet?
17:47Und daraufhin habe ich gemeint, nein, das darf nur eine ausgebildete Person vom Rettungsdienst, er darf das gar nicht.
17:52Dann habe ich eben gesagt, ja, aber wenn die Person vielleicht noch gar nicht richtig tot ist, Sie müssen die
17:58ja vielleicht retten.
17:59Also Herz-Lungen-Massage durchführen oder Beatmung oder irgendwie sowas.
18:06Manche Dinge waren eben dann so für mich befremdlich, dass ich ihnen dann schon in klaren Worten gesagt habe, das
18:11kann ja so jetzt nicht gewesen sein.
18:16Dann geht die Tür auf und der Kollege schaut herein und sagt zu mir, ja, Roland, komm doch mal kurz
18:23raus, wir haben neue Infos.
18:24Es würde aus dem Haushalt eine goldene Uhr fehlen, also Schmuckstücke würden fehlen.
18:29Wir haben dann den Pfleger mit dieser Behauptung konfrontiert und haben gesagt, also es sollen jetzt da Gegenstände fehlen, ob
18:39er da eine Erklärung dafür abgeben könnte.
18:42Der HW öffnete dann vor mir seinen Geldbeutel und zeigt mir so seinen Geldbeutel nach dem Motto, da ist keine
18:48Uhr drin.
18:51Ich habe mit Einverständnis des Pflegers dessen Sachen durchsucht und habe bei dieser Durchsuchung in seinem Geldbeutel eine größere Menge
18:59Bargeld gefunden, EC-Karten, Kreditkarten des Verstorbenen.
19:04Zwischenzeitlich hatte Johannes aber schon den Koffer geöffnet und darin befanden sich Medikamente und Insulin in Ampullenform und ein Insulinpin.
19:16Dann habe ich ein wenig forsch reagiert, als ich dann eben den Insulinpen gezeigt bekommen habe, habe ich jetzt gesagt,
19:22was ist jetzt das?
19:23Der HW meinte daraufhin, ja, das habe er ganz vergessen, seit drei Wochen sei er ja insulinpflichtig, er habe Diabetes,
19:34aber aufgrund der Vernehmungssituation habe er das ganz vergessen.
19:39Ist der Insulinpen von Guzé-Gosch-W die Tatwaffe? Die Rechtsmediziner stehen unter Zeitdruck.
19:46Insulin zerfällt schnell im Körper, auch bei Verstorbenen und lässt sich dann nicht mehr nachweisen.
19:53Die Leiche kam zur Obduktion, wurde von drei Kollegen von mir obduziert, ich war dabei, eine Toxikologin war dabei.
20:00Und natürlich wurde die Obduktion durchgeführt zur Klärung der Frage, was ist die Todesursache, woran ist der Mensch gestorben?
20:10Was man direkt im Rahmen der Obduktion sagen konnte, war, dass der Verstorbene Injektionsstellen hatte.
20:15Der hatte eine am Brust und zwei am Arm, die er eigentlich nicht haben sollte, weil, da haben wir so
20:22einen Medikationsplan vorgelegt bekommen,
20:23weil der Mensch keine Medikamente bekommen hat, die man an diese Körperstellen hätte spritzen sollen.
20:27Also der hat quasi Injektionen bekommen, für die es keine Erklärung gab.
20:32Dann wurde natürlich so ein Urin-Schnelltest gemacht und auch eine Messung am Blutzucker.
20:37Und da hat sich ein Blutzuckerspiegel von 27 Milligramm pro Deziliter gezeigt.
20:42Das ist ein sehr niedriger Spiegel.
20:43Normal sollte der Blutzuckerspiegel bei 70 bis 100 beim Gesunden liegen.
20:48Man spricht von einer Hypoglykämie, wenn der Blutzuckerspiegel niedriger als 60 Milligramm pro Deziliter ist.
20:54Und das kann zu ganz erheblichen Beeinträchtigungen führen, je nachdem, wie niedrig der Blutzuckerspiegel ist.
21:01Und letzten Endes kann es auch zum Tod führen.
21:08Wir haben keine Todesursache des Verstorbenen gefunden, sodass dann im Raum stand, okay, der hat Injektionsstellen, die da nicht hingehören,
21:15hat einen niedrigen Blutzuckerspiegel und hat sonst keinen organischen Grund, warum er zu diesem Zeitpunkt hätte sterben sollen.
21:21Und damit stand dann die Verdachtsdiagnose einer Insulinbeibringung natürlich klar im Raum.
21:26Während die Ermittler den 36-jährigen Guget-Goschwe auf dem Polizeipräsidium befragen, kommt der erste Hinweis aus der Rechtsmedizin.
21:36Alles deutet auf einen Mord durch Insulin hin.
21:40Das war für uns dann der Zeitpunkt, wo der Zeugenstand erledigt war und wir ihm praktisch die vorläufige Festnahme und
21:49den Tatvorwurf des vollendeten Mordes mit Insulin unterbreitet haben.
21:56Er hat angefangen zu schwitzen, auch ein wenig zu zittern und hat dann eben Bedenkzeit verlangt.
22:02Er wolle sich auch überlegen, ob er jetzt doch besser einen Rechtsanwalt hinzuziehen wolle, weil er habe ja nichts getan.
22:11Und dann kam er eben wieder zurück. Er wirkte für mich auf jeden Fall gefestigter und sagte, er wolle das
22:16alles erklären.
22:17Und daraufhin haben wir die Vernehmung weitergeführt, aber jetzt nicht mehr als Zeuge, sondern als Beschuldigter.
22:23Natürlich räumte er ein oder hat er eingeräumt sofort, was offenkundig war, also sprich die IC-Karten des Toten mit
22:32der PIN und auch das Geld.
22:33Hat aber hier als Grund angegeben, das hätte er nach Feststellung des Todes seines Schützlings halt mitgenommen,
22:41weil er eine kranke Mutter zu Hause hätte und dafür Geld benötigt hätte.
22:51Auch habe ich ihn dann konfrontiert, wie das denn ist mit der Gabe von Insulin, was denn dann passieren kann.
22:57Im schlimmsten Fall kann man sterben, aber das hat der Herr W. nie gesagt, sondern er hat nur gesagt, schlimmstenfalls
23:03kann man davon schläfrig werden.
23:04Ich habe ihn dann weiter auch damit konfrontiert, dass Einstichstellen am Oberarm festgestellt worden sind.
23:10Minimale Einstichstellen. Und wie er sich die erklären kann. Und daraufhin hat er dann eben keine Antwort mehr gegeben.
23:17Was ist der Patient verschworben?
23:22Grundsätzlich war klar, es ist der Patient verschworben. Wir haben eine exogene Gabe von Insulin, sodass es klar war, dass
23:30es eine Fremdeinwirkung gibt.
23:32Er war die einzige Person vor Ort. Er hat sich entsprechend auffällig verhalten mit, ich reise jetzt gleich ab und
23:38bin eigentlich schon abreisebereit.
23:40So dass das dann für uns in Summe zu dem Ergebnis geführt hat, dass wir gesagt haben, okay, wir haben
23:46einen Tatverdacht gegen Herrn W.
23:48Daraufhin wurde der Herr W. zur Rechtsmedizin verbracht und körperlich untersucht.
23:57Wir untersuchen hier aus verschiedensten Gründen lebende Patienten. In dem Fall ging es einfach darum zu schauen, ist dieser Mensch
24:05Diabetiker?
24:06Und diesbezüglich natürlich insbesondere schaut man dann, hat der selber Injektionsstellen?
24:14Zwei Injektionsstellen hatte er am Körper, was dazu passt, dass er sich Insulin spritzt oder gespritzt hat.
24:21Grzegorz W. ist seit 2016 Diabetiker. Deshalb besitzt er einen verschreibungspflichtigen Insulinpen, mit dem er seinen Blutzuckerspiegel reguliert.
24:31Die passenden Insulinampulen verschreibt ihm sein Arzt in Polen.
24:38Wenn man jetzt Diabetiker ist, hat der Mensch nicht genug Insulin, weil die Bauchspeicheldrüse krank ist.
24:43Das kann man manchmal noch medikamentös mit Tabletten behandeln. Manche müssen sich Insulin von außen spritzen.
24:50Deswegen wurden sogenannte Insulinpens entwickelt. Die sind sehr praktisch.
24:54Zum einen haben die eine sehr kurze, ganz, ganz haardünne Nadel, sodass es fast nicht wehtut, wenn man sich damit
25:00spritzen muss.
25:02Und außerdem ist es sehr praktisch, da kommt eine Ampulle mit Insulin rein.
25:06Dann gibt es ein schönes Einstellrädchen, wo der Patient sich selber einstellen kann, wie viel Insulin brauche ich jetzt.
25:12Spritzt sich das ins Unterhautfettgewebe und das Insulin wird in den Körper abgegeben und die Sache ist erledigt.
25:19Ein lebenswichtiges Medikament und zugleich eine tödliche Waffe.
25:26Grzegorz W. bestreitet, Franz W. Insulin gespritzt zu haben.
25:30Die Nacht verbringt er im Münchner Polizeipräsidium. Am nächsten Morgen wird er dem Haftrichter vorgeführt.
25:40Bevor er in die Zelle verbracht wurde, hat er darum gebeten, ob er nicht nochmal rauchen kann.
25:46Und dann habe ich mit ihm ein paar Zigaretten geraucht und mit ihm nochmal gesprochen und habe ihm halt signalisiert,
25:52dass seine bisherigen Angaben einfach gelogen sind.
25:55Und dass wir ihm das nicht abnehmen, dass er damit nichts zu tun hat.
26:01Und ich habe ihm halt auch erklärt, dass er jederzeit die Möglichkeit hätte, natürlich seine Angaben auch vor der Polizei
26:07und vor dem Haftrichter nochmal zu berichtigen oder zu ergänzen.
26:12Das ist sein gutes Recht.
26:13Er hat sich dann wohl ein Herz gefasst und hat dann eben auch Kontakt aufgenommen mit meinem Kollegen Johannes, weil
26:18mit mir wollte er nicht mehr so richtig reden.
26:22Er hat daraufhin zu mir gesagt, er würde sich das jetzt, mein Angebot, durch den Kopf gehen lassen und würde
26:29mir morgen nochmal Bescheid sagen.
26:33Die Mordkommission München will wissen, wer ist dieser Mann aus Polen, der seit Mitte 2015 in deutschen Haushalten als Hilfspfleger
26:42arbeitet.
26:43Was weiß die Polizei über ihn? Hat er bereits Straftaten begangen?
26:48Ich und die anderen Kollegen haben uns natürlich versucht, so umfangreich wie möglich kundig zu machen über die Person des
26:56Pflegers.
26:56Und haben dann auch festgestellt, dass es einen Vorfall gab in Weilheim einige Zeit zuvor.
27:04Und da im Rahmen dieser Ermittlungen dann danach Erkenntnisse aufgekommen sind, dass auch diese gepflegte Person später mit einer Unterzuckerung
27:16im Krankenhaus behandelt wurde.
27:19Die Kollegen von der Mordkommission haben dann direkt Kontakt zu den Kollegen in Weilheim aufgenommen,
27:24haben dort auch mit der Kriminalpolizei gesprochen und haben auf dem Weg sozusagen erfahren,
27:30dass es bereits einen weiteren Fall zeitlich früher gegeben hat in Mühlheimer in der Ruhe.
27:38Der Fall Heinrich Wischmann, sieben Monate zuvor.
27:44Wir waren an dem Abend vom 12. mit unserer Kommission zusammengeguckt.
27:49Wir hatten zum einen die Tat in Ottobrunn, wir hatten die Erkenntnisse aus Weilheim,
27:54wir hatten wiederum Hinweise, dass auch möglicherweise in Nordrhein-Westfalen schon was war.
27:58Und wir haben uns alle angeschaut an dem Abend und haben uns gesagt, das hat er nicht zum ersten Mal
28:03getan.
28:04Am späten Abend kam ich dann nach Hause, habe mich dann aufs Sofa gesetzt und dann meinen eigentlichen Vorgesetzten,
28:10der im Skiurlaub war, angerufen.
28:14Der ging tatsächlich auch ans Telefon, gut gelaunt, war im Urlaub und ich habe ihm dann erzählt,
28:20du, kann es sein, dass wir da gegebenenfalls einen Serienmörder haben.
28:23Das war's, das war's, das war's, das war's.
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