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00:00I was the worst friend on earth.
00:02I was from the victim to the victim.
00:04I was in this relationship.
00:06I was the sick and sick friend,
00:08who was very controlled.
00:09I looked at his phone,
00:10and I didn't want to go out.
00:12I knocked him out of his car,
00:16because...
00:17that a man comes out of his car with his friends.
00:20That was for me a great deal.
00:26It's so nice to have you today.
00:27You are a very interesting mix.
00:32Pastorin and Influencerin.
00:34They love you because of your humor,
00:38your openness.
00:39And those who don't know it,
00:40they look at it now.
00:41I'm Merle,
00:42the slowest and slowest Läufer in the world.
00:44So langsam,
00:45that my man Enno can just walk around.
00:47And now we can walk around 4 kilometers together.
00:49So that you can finally get out of the way.
00:51How many times you take for 3 days?
00:55I have a lot of stress.
00:56I'm worried about three times
00:57I'm going to do a day in the work.
00:59Although I never do that in the life.
01:01I'm going to do three days
01:02and I'm still going to do it.
01:04I'm going to act like six.
01:05Do you have to do it again again?
01:07There are still people who never wash their Woll-
01:09or Strick-or-strike?
01:10It was said that it's really a bit too.
01:12And honestly,
01:13I said to say,
01:14By Strick & Wolle bin ich noch schmerzbefreiter
01:16als bei meinen BHs.
01:18Da bin ich sehr gerne eine ekelige.
01:26Also bei den Stricksachen hattest du mich.
01:30Ich habe einen großen Strickpullover,
01:32wo ich dachte, ja, aber ich fühle das sehr.
01:34Ich habe ihn neulich gewaschen.
01:35Ich bereue es, dass ich es getan habe.
01:36Ist er auch so?
01:38Lassen wir es lieber gleich.
01:40Danke dafür.
01:41Ich sage immer, Merle macht das auch so.
01:42Ich mache es ab jetzt auch so.
01:43Ist dir irgendwas peinlich?
01:44Ist dir irgendetwas auf dieser Welt peinlich?
01:46Leider ja.
01:47Mehr als man denkt wahrscheinlich.
01:49Das Filmen in der Öffentlichkeit.
01:51Bis heute kann ich es nicht.
01:53Es ist wieder die Angst vor Ablehnung
01:56und irgendwie davor, dass Leute das judgen.
01:58Das Schlimmste.
01:59Sonst ist mir wenig peinlich,
02:01aber paradoxerweise genau das,
02:02was ich eigentlich jeden Tag mache.
02:03Das Ganze gucken wir uns später noch an.
02:06Du hattest eine erste Beziehung.
02:08Du warst 16 Jahre alt
02:09und diese Beziehung war richtig, richtig toxisch.
02:12Und kannst du erzählen, was passiert ist damals?
02:15Wir sind also mit 16 zusammengekommen.
02:17Das war meine erste Beziehung, muss man dazu sagen.
02:19Es war ein richtig schöner Start
02:20und wir hatten anfangs eine richtig gute Zeit.
02:23Das war so mein Nonplusultra.
02:25Und das hat sich so aufgebaut,
02:27dass es, glaube ich, einfach immer kontrollierender wurde,
02:31dass wir einfach nur noch uns beide kannten.
02:34Also das war völlig normal,
02:35dass wir jeden Abend von 18 Uhr bis ich morgens aufgewacht bin,
02:40telefoniert haben.
02:40Dadurch hat sich das so ein bisschen entwickelt,
02:42dass ich einfach immer abgesagt habe bei Freundinnen
02:45und keine Zeit mehr hatte.
02:46Das heißt, meine sozialen Kontakte
02:47sind halt immer weiter runtergebrochen.
02:49Und es hat dabei nie irgendjemand von außen was gesagt,
02:52dass es irgendwie falsch sein könnte.
02:54Dass er auch, das habe ich erst später herausgefunden tatsächlich,
02:57dass er meinen Laptop kontrolliert hat,
03:01dass er mein Handy kontrolliert hat,
03:02dass er war so ein Computertechnik-Freak.
03:05Und es war zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl,
03:08dass es irgendwie falsch ist, dass es kontrollierend ist.
03:10Wenn ich das heute anschaue, denke ich mir um Gottes Willen,
03:12weil Rennmädchen so, aber es war einfach völlig normal,
03:16dass ich ihm erzählt habe, wo ich gerade bin.
03:18Dass er das auch komischerweise sehr oft wusste, wo ich hingehe,
03:22weil er natürlich die Nachrichten auf meinem Laptop gesehen hat und so weiter.
03:25Aber auch dadurch, dass er weiter weggewohnt hat,
03:28öfter mal hergefahren ist und dann an Orten war, wo ich war,
03:32ohne dass ich wusste, dass er da war.
03:33Aber es war immer so, ach krass, er interessiert sich für mich.
03:36Und ich glaube, so war es letztendlich auch von ihm irgendwie geplant.
03:39Also dass ich einfach, dass er mein Fokus ist,
03:43dass diese Kontrolle und dieses Eingeengtsein
03:45und dieses, ich bestimme alles, was du tust,
03:47ich weiß, wo du bist, ich weiß, was du machst,
03:49ich weiß, was du denkst.
03:50Lass mal kurz zum Laptop zurückgehen.
03:52Du sagtest, er war Computerfreak, war Technik-Nerd.
03:56Was hat er gemacht?
03:57Ich weiß nicht, es gibt so ein Programm,
03:59das nutzt man auch manchmal,
04:00um dann irgendwie auf den Laptops von anderen
04:03dann irgendwie was zu machen.
04:04Und ich dachte, mega cool, er kann mir alles einstellen.
04:07Er hat mir dann auch, es war mein erster Laptop
04:09und ich hatte das erste Mal, ich wohne auf dem Dorf,
04:10das erste Mal Internet auf meinem Laptop
04:12und die ersten sozialen Medien, die es dann da irgendwie gab.
04:16ICQ hieß das damals noch, das war so,
04:18ich weiß nicht, ob ihr das kennt.
04:20Das war so, genau, das war das Medium damals.
04:23Und ich dachte, mega toll, dass er mir das alles einrichtet.
04:27Bis ich dann immer zwischendurch dachte,
04:30krass, dass der das weiß.
04:31Irre.
04:32Habe ich dir gar nicht erzählt.
04:33Aber ich habe es nicht hinterfragt
04:35und es ist heute auch irgendwie so beschämend, das zu erzählen.
04:38Das ist für mich von außen nicht so so,
04:39meine Güte, Mädel, hast du das nicht irgendwie mitbekommen oder so?
04:43Okay, er kontrolliert dich, er beobachtet dich,
04:46er weiß alles über dich,
04:47bis hin zum Hacken deiner Kamera, deiner Laptop.
04:50Genau, genau.
04:51Das heißt, dieser Mensch hat dich beobachtet.
04:52Genau, auch beobachtet über die Kamera,
04:56also auf dem Laptop,
04:57den er natürlich selber auch für mich eingerichtet hat.
05:00Und das habe ich irgendwann gesehen.
05:02Ich glaube, ihr könnt immer darauf achten,
05:03wenn die Kamera blinkt, dann ist irgendwas nicht richtig.
05:06Und erst später habe ich dann halt,
05:08dadurch, dass ich selber recherchiert habe
05:10und auch meine Eltern so, wissen wir auch nicht.
05:12Also es war neu, das war das Internet.
05:14Ich war 16, es gab noch kein Instagram
05:16und kein irgendwie Smartphone-Internet oder so.
05:21Um dann zu checken, boah, krass, der sieht alles.
05:24Und selbst da habe ich noch nicht direkt gedacht,
05:28oh mein Gott, wie kannst du das nur tun?
05:30Das ist ja völlig übergriffig.
05:32Tatsächlich?
05:32Es war immer noch, okay, eigentlich will ich das nicht
05:37und es ist irgendwie eklig
05:40und ich habe irgendwie Gänsehaut am ganzen Körper
05:43und trotzdem macht er das bestimmt,
05:48weil er mich beschützen will.
05:50Kurz bevor ich 20 geworden bin,
05:52hat sich das dann so verlaufen sozusagen.
05:55Es ging auch so weit,
05:56dass er dann bei meinen Eltern vor der Tür stand
05:58und da halt auf mich gewartet hat,
06:00während meine Eltern im Urlaub waren.
06:01Und da hatte ich das erste Mal Angst.
06:02Also dass er so das Gesicht gezeigt hat
06:05und gesagt hat, wir müssen noch mal reden.
06:07So, du gehst nicht weg.
06:09Krass.
06:09Ich lasse dich nicht alleine.
06:10Ich weiß alles über dich.
06:12Und das hat mir dann zum ersten Mal Angst gemacht,
06:15zu wissen,
06:17ah, okay, das möchte ich gerade nicht
06:19und das fühlt sich falsch an.
06:21Und ich glaube nicht,
06:22dass Männer so mit mir reden sollen
06:24und dass ich eine Beziehung so anfühlen muss,
06:26dass ich Angst vor dir bekomme
06:28und dass ich davon träume,
06:30dass du auf einmal so vor mir stehst.
06:32Was hat das mit deinem Alltag gemacht?
06:34Also ich hatte nie eine Benennung dafür
06:37bis zu meiner Therapie,
06:38bis ich gemerkt habe,
06:40ach krass, ich wurde immer kontrolliert,
06:42ich wurde immer eingeengt.
06:43Dadurch hat sich irgendwann eine Essstörung entwickelt.
06:47Also auch mit 16 hat es dann irgendwie so angefangen.
06:49Dadurch, heute würde man sagen,
06:51okay, ich habe was gefunden,
06:52was ich kontrollieren kann.
06:53Das ist das, was ich esse.
06:55Das ist das, was ich an Sport mache.
06:57Das ist mein Körper,
06:58wenn alles andere mir schon genommen wird.
07:00So, er hat entschieden, was ich anziehe.
07:02Er hat entschieden, mit wem ich mich treffe.
07:04Er war eifersüchtig auf meine Eltern,
07:07auf meine Geschwister.
07:09Und es hat halt nie jemand von außen gemerkt,
07:12weil ich wollte ihm ja gefallen.
07:14Also diese Abhängigkeit war so stark,
07:17dass ich mir meine eigene Abhängigkeit gesucht habe.
07:21Und bis heute sind daraus halt krasse Ängste geblieben.
07:25Und da bin ich dann mit 19, 20,
07:28nach dieser Trennung bin ich direkt,
07:31also dann habe ich meinen jetzigen Mann in der Zeit,
07:34so als Übergang, Gott sei Dank, kennengelernt.
07:37Ich war ja nie nicht in einer Beziehung.
07:40Also ich hatte diese Beziehung,
07:41das war meine erste Beziehung,
07:42und mein Non-Fluss-Ultra
07:44und bin dann in eine neue Beziehung rein
07:46und währenddessen in eine Klinik gegangen,
07:49aufgrund meiner Essstörung
07:50und der dadurch entstandenen Depressionen,
07:53einfach weil ich so isoliert war,
07:54weil ich so alleine war.
07:55Und dann in der Klinik habe ich so erst gecheckt,
07:58was ich für einen Haufen Scheiße bin irgendwie.
08:01Also das, was ich noch irgendwie da übrig bin
08:04und wie meine ganze Jugend einfach nur diese Beziehung war
08:08und nicht mehr, ich hatte keine Freundinnen mehr,
08:11ich bin nie ausgegangen.
08:13Ich habe mich irgendwie verloren in meiner Essstörung
08:16und dieser einzigen Kontrolle, die ich hatte in Sport
08:19und bin deshalb dann auch in die Klinik gegangen,
08:21um das aufzuarbeiten.
08:22Gott sei Dank aber auch.
08:24Voll, voll.
08:25Ich glaube einzugestehen, dass man Hilfe braucht,
08:27in die Klinik geht.
08:28Immer, immer.
08:28Das ist so, so wichtig, dass du den Schritt gegangen bist.
08:31Alle, alle.
08:32Richtig.
08:34Gott sei Dank.
08:36Das war einfach diese Spirale.
08:40Du hast deinen ersten Partner.
08:41Du weißt noch nicht, was auf dich zukommt.
08:42Du kannst es auch nicht vergleichen.
08:43Wie war denn dann für dich diese Zeit in der Klinik?
08:46Ich glaube, der Grund, warum ich diese Zeit geschafft habe,
08:49war, so traurig es ist, zu sehen,
08:51wie schlimm es noch werden kann.
08:53Also da waren junge Frauen,
08:55die seit langer Zeit dort waren.
08:57Und ich hatte schon immer so, glaube ich,
09:00diesen tiefen Wunsch in mir,
09:03ich selbst möchte was verändern.
09:05Ich glaube, dass das ganz wichtig ist,
09:06wenn man so ein Thema angeht,
09:09um dann zu checken,
09:11das ist jetzt die Endstation.
09:12Alle gehen gerade studieren.
09:13Alle haben irgendwie ein geiles Leben.
09:15Und ich sitze hier irgendwie von Mama in die Klinik gebracht
09:18und kriege mein Leben nicht geschissen.
09:21Was soll ich mit dem Abi machen?
09:22Was habe ich für eine Zukunft?
09:24Was liebt mich überhaupt noch irgendwie ein Mann?
09:27Kann ich eine Beziehung führen?
09:28Kann ich nochmal vertrauen?
09:30Aber trotzdem zu wissen,
09:32das ist meine einzige Chance.
09:33Also die 20er warten.
09:35Ich habe alles verpasst und ich möchte leben.
09:39Und in der Klinik gab es dann auch
09:41einen ganz besonderen Moment für dich, ne?
09:43Ja.
09:44Was ist da passiert?
09:46Ich habe erstmal meinen Mann
09:50drei Wochen vorher kennengelernt
09:53im Fitnessstudio.
09:54Das ist so richtig Klischee.
09:55Er war der Fitnesstrainer
09:56und ich war die, die trainiert hat.
09:58Und dann dachte ich mir,
09:59der sieht gut aus.
10:00Und dann, genau,
10:01haben wir uns kennengelernt.
10:02Und ich habe ihm dann auch direkt gesagt,
10:05hey, ich bin krank so.
10:08Ich bin jetzt bald weg.
10:10Ich glaube nicht,
10:10dass das eine gute Idee ist.
10:12Und er hat mich gezögert,
10:14mir zu sagen,
10:15dass er den Weg mit mir geht.
10:16Okay.
10:17Also gibt es Applaus.
10:21Und eigentlich bedankt ihr euch.
10:26Genau.
10:30Und dann, ja,
10:32war das natürlich für mich
10:33ein Antrieb zu wissen,
10:34krass,
10:34ich kenne diesen Mann
10:35irgendwie noch nicht gut.
10:38Aber er hat sich für mich entschieden
10:40und er hat gesagt,
10:41okay, ich gehe den Weg mit dir.
10:42Und irgendwie so der Wunsch,
10:44einfach gesund geliebt zu werden,
10:46war super groß.
10:48Und in der Klinik habe ich,
10:50als jemand,
10:51der schon immer mit Gott unterwegs war,
10:53würde ich sagen,
10:53meinen Glauben wiedergefunden
10:55und auch einen Deal
10:57mit Gott geschlossen,
10:57sage ich immer.
10:58Die Ärzte und die ganzen Therapeuten
11:01haben mir hier
11:01drei bis sechs Monate gegeben.
11:05Und ich will hier schneller raus.
11:07Wenn du mit mir hier
11:08in vier Wochen rausgehst,
11:11dann werde ich mein Leben
11:12in deinen Dienst stellen.
11:14Und dann werde ich,
11:15ja, das ist also
11:16im frommen Jargon
11:17sagt man irgendwie
11:19Zeugnis sein
11:19von dem,
11:20dass es dich wirklich gibt.
11:21Und ich glaube,
11:21das kann ich heute sagen,
11:23weil ich nach genau
11:24vier Wochen
11:25entlassen wurde,
11:26ohne dass das
11:27vorher irgendwie
11:29zu sehen war,
11:30dass ich das schaffe.
11:31Und jetzt sitze ich hier.
11:39Das heißt Gott auf der einen Seite
11:40als Geschenk für dich,
11:41da in vier Wochen rauszukommen,
11:43was unglaublich ist,
11:45aber auch einen Enno,
11:46dein Ehemann,
11:47dein jetziger
11:47und hoffentlich
11:49bis in alle Ewigkeit Ehemann.
11:50Das klingt so,
11:51das klingt so.
11:51Das klingt so straflich.
11:52Das muss doch für immer bleiben.
11:56Das machen wir es für immer.
11:57Ich sag gar nichts dagegen.
11:58Ich muss eigentlich nur sagen,
12:00es ist so schön,
12:01dass, obwohl du in die Klinik
12:02gegangen bist,
12:03dass Enno gesagt hat,
12:04ich bin an deiner Seite,
12:05ich bleib da.
12:06Gleichermaßen denke ich mir
12:07aber auch so,
12:08okay,
12:08die Ex-Beziehung,
12:10die ja mit so viel Kontrolle
12:12verbunden war,
12:13hat sich die dann vielleicht
12:14auch irgendwie
12:16in eure neue Beziehung
12:17so ein bisschen übertragen?
12:18Das war crazy.
12:20Ich war die schlimmste Freundin
12:22auf Erden.
12:23Ich hoffe,
12:23heute mache ich das
12:24als Ehefrau besser.
12:25Aber klar,
12:27ich habe das erst später
12:28alles natürlich
12:29Gott sei Dank aufgearbeitet
12:31und wusste gar nicht,
12:32dass wenn man
12:33in bestimmten Strukturen
12:35aufwächst
12:35oder irgendwie gelebt hat,
12:37dass man die dann
12:38einfach adaptiert
12:39und auch internalisiert hat
12:41und das übernimmt.
12:42Und plötzlich war ich irgendwie
12:43so,
12:44ich sag mal so,
12:45ich bin vom Opfer
12:46irgendwie zum Täter geworden
12:47und war in dieser Beziehung
12:48plötzlich,
12:48die krankhaft eifersüchtige Freundin,
12:51die super kontrolliert hat,
12:52die diese Engel
12:55irgendwie gebraucht hat.
12:56Ich habe ihn nicht
12:57alleine gelassen.
12:58Ich wollte nicht,
12:59dass er rausgeht.
12:59Ich habe mich
13:00auf sein Auto geschmissen,
13:03weil ich,
13:04ich schäme mich,
13:05ich schäme mich.
13:06Aber toll,
13:07dass du sowas,
13:07toll,
13:08dass du sowas sagst.
13:09Nein,
13:09also es war wirklich
13:10über alle Maße einfach.
13:11Ich wusste ja selbst nicht,
13:14was ich da mache,
13:15aber wenn er weggegangen ist,
13:16war das für mich Bedrohung.
13:17Ich meine,
13:17ich habe mit meinem Ex-Partner
13:18jeden Abend telefoniert,
13:20der ist nie weggegangen.
13:21Das war mein Fokus.
13:22Ich wusste ja auch nicht,
13:23was soll ich in der Zeit
13:24sonst machen.
13:26Und dann sind natürlich,
13:27also,
13:28dass ein Mann
13:29abends weggeht
13:30und sich mit seinen Freunden trifft,
13:31das war für mich Hochverrat.
13:32Also warum hat er denn noch ein anderes Leben,
13:35weil mein Partner vorher
13:36und dann natürlich auch die Vorwürfe,
13:38aber mein Freund vorher,
13:39der war immer da.
13:41Und ich bin dir nicht wichtig genug.
13:43Und das dann natürlich auch,
13:44also ich war auch kontrollierend
13:46und manipulativ.
13:46Ich habe in sein Handy geschaut.
13:48Ich war all das,
13:51wovon ich eigentlich
13:52so viel Schaden getragen habe.
13:53Du hast in sein Handy geschaut
13:54und wir durften wohl bemerkt,
13:56wir durften,
13:57du hast es uns angeboten,
13:58auch in dein Handy schauen.
13:59Und wir haben einen Chatverlauf
14:01von euch beiden.
14:02Danke,
14:03dass du uns den zur Verfügung stellst,
14:04weil ich glaube,
14:06ehrlich gesagt,
14:06einige kennen genau so ein Szenario.
14:09Das jetzt uns da zu bieten,
14:11das habe ich irgendwie Respekt vor.
14:13Und das ist ein Vorbild,
14:14so was zu machen.
14:17Hättest du auch nicht machen müssen.
14:19Ich glaube,
14:20viele erkennen sich darin.
14:21Und es ist ja nichts,
14:22was du böse meinst,
14:23sondern was einfach aufgrund von
14:26der Psyche passiert,
14:27aufgrund von Vergangenheit passiert,
14:28aufgrund der Geschichten,
14:29die einem widerfahren sind.
14:30Deswegen danke,
14:31dass du das mit uns geteilt hast.
14:33Und ich finde es so krass,
14:34wie Enno reagiert,
14:36wie entspannt er ist,
14:37wie ruhig er ist.
14:38Enno, du bekommst
14:39einen großen Applaus dafür,
14:41weil das ist überragend.
14:44Aber wenn man es mit Abstand
14:46jetzt anschaut,
14:47denke ich mir,
14:48meine Güte,
14:49entspann dich.
14:50Aber wenn du sagst,
14:51du hast dich sogar
14:51bei ihm aufs Auto geschmissen,
14:53das heißt,
14:54sowas kam öfter vor.
14:55War das irgendwie so euer Normal?
14:57Also es war schon so,
14:58dass ich jedes Mal
14:59eine Szene gemacht habe,
15:00wenn er irgendwie.
15:01Und er hatte,
15:02also er hatte diesen Freundeskreis,
15:04den ich ja auch nie hatte.
15:05Und irgendwo tief in mir
15:06habe ich mir das natürlich
15:07auch gewünscht,
15:08irgendwie einfach Freunde zu haben,
15:09zu denen man irgendwie abends geht
15:11und mit denen man dann abhängt.
15:13Und so,
15:15wenn man dann in so einem Moment
15:16ehrlich zu sich ist,
15:17was halt gar nicht passiert,
15:19weil du ja so sehr
15:20in dieser Rolle bist,
15:21dieser Verlustangst,
15:23dann kannst du dir
15:24wahrscheinlich auch eingestehen,
15:25boah krass,
15:26das ist eigentlich,
15:27hätte ich das auch gerade gerne.
15:29Und wie oft hat er mir
15:30angeboten,
15:31mitzugehen?
15:32Aber ich kam da nicht raus.
15:33Also das war irgendwie
15:35meine Persönlichkeit
15:36und ich war froh,
15:38wenn ich ihn dann,
15:39also wenn er dann
15:39zu Hause geblieben ist.
15:40Ich habe immer gesagt so,
15:41du bist mein Ein und Alles,
15:43ich kann ohne dich nicht leben,
15:44du musst zu Hause bleiben.
15:45Also wirklich so,
15:46dass er ein schlechtes Gewissen hat.
15:47Wenn man manipulativ ist,
15:49hast du ja unterschiedliche Gesichter,
15:51dir selbst das zu legitimieren,
15:52dass du es jetzt gerade geschafft hast,
15:54dass dein Partner sich isoliert,
15:56so wie du es eigentlich
15:57immer gehasst hast.
15:58Und gleichzeitig aber zu wissen,
16:00ich muss dieses schlimme Gefühl
16:01von diesem Herzschmerz
16:03jetzt nicht aushalten,
16:04so wenn er da
16:05mit irgendwelchen anderen Frauen ist
16:06und er könnte sich verlieben.
16:08Und ich war eifersüchtig
16:09auf seine Schwester,
16:10auf seine Mutter.
16:11Also alles,
16:12was irgendwie nicht ich war,
16:13war eine Gefahr.
16:14Total, total.
16:15Aber gab es dann auch
16:16einen Moment,
16:17wo du,
16:17oder wo ihr beide gemerkt habt,
16:19wir sind hier an der Grenze
16:20oder wo er auch gesagt hat,
16:22ey ganz ehrlich,
16:23ich habe dir so viel Vertrauen gegeben,
16:24ich war so nett
16:25und habe so viel Verständnis gezeigt,
16:27aber mir reicht's?
16:27Voll, ja.
16:29Also das war tatsächlich
16:30diese Situation,
16:31wo ich mich auf sein Auto
16:33geschmissen habe
16:33und er hat sehr oft gesagt,
16:35mehrlich,
16:35ich kann das nicht mehr,
16:36das ist nicht gesund,
16:37das ist nicht richtig
16:38und es war so viel ernster
16:40und so anders als all die Male,
16:42wo wir diskutiert haben.
16:43Ich wollte diese Beziehung
16:44nicht verlieren
16:45und ich wusste natürlich,
16:46tief in mir wissen wir alle,
16:47wenn wir solche Probleme haben,
16:48dass es nicht richtig ist
16:49und dass wir auch darunter leiden.
16:51Ich glaube,
16:51an manchen Tagen
16:52ist es immer noch irgendwie
16:53tief in mir drin
16:54und wir sind jetzt
16:54zehn Jahre,
16:56fast elf Jahre zusammen.
16:57Und verheiratet,
16:58seit 2021 verheiratet.
17:00Wie seid ihr rausgekommen?
17:03Also wo war der Punkt,
17:05wo ihr es habt lösen können?
17:06Es war schon so
17:08und es ist halt so,
17:10ich sag auch immer,
17:11ich weiß,
17:11dass Selbstverantwortung eklig ist
17:13und dass das irgendwie bedeutet,
17:14dass ich mich nicht mehr
17:16in diese Opferrolle lassen kann.
17:18Und ich bin dann,
17:19also durch den Klinikaufenthalt
17:20bin ich auch
17:21in eine Verhaltenstherapie gegangen,
17:22also habe ambulante Therapie gemacht,
17:24habe das dann natürlich auch
17:25mit meinem Therapeuten besprochen,
17:29der natürlich auch jetzt nicht verwundert war
17:31über meine neue Beziehung
17:32und dass ich dann
17:33diese Verhaltensmuster übernehme.
17:35Und es war schon so diese Mischung aus,
17:38okay, ich gehe in Therapie,
17:39ich gehe das,
17:40ich habe das Problem.
17:41Und das ist meine Verantwortung.
17:43Das bedeutet nicht,
17:44dass mein Mann mich nicht unterstützt.
17:46Er hat direkt gesagt,
17:47hey, ich gehe das mit dir an,
17:49vielleicht kann ich dir einen Rahmen bieten
17:50für dieses Problem.
17:52Aber trotzdem ist es nicht seine Verantwortung,
17:56mir zu zeigen,
17:57dass ich ihm vertrauen kann.
17:59Wie ist es denn heute,
17:59wenn er abends weggeht?
18:01Mittlerweile kann ich wirklich,
18:03lege ich meine Hand für ins Feuer,
18:04wenn Frauen da sind,
18:05reden wir nochmal drüber.
18:06Ich schalte ihn dabei an,
18:07wenn du antwortest, warte.
18:12Nein, ich glaube,
18:14dadurch, dass wir auch verheiratet sind
18:17und ich gemerkt habe,
18:19okay, wenn ich keinen Grund dafür bekomme,
18:22eifersüchtig zu sein,
18:23dann ist es nicht mein Recht,
18:25sondern ist es wieder die alte Merle,
18:26die irgendwie da durchkommt.
18:28Das ist ja nicht alles.
18:29Ich meine, das kriegt ihr hin.
18:31Aber du hast heftige Angststörungen.
18:34Also es ist was übrig geblieben.
18:36Irgendwo verlagert sich.
18:37Das kannst du uns mal erklären,
18:38für die, die das sich nicht vorstellen können,
18:40was das ist.
18:41Das ist ja das Problem an der ganzen Sache.
18:43Irgendwie, das ist auch so schwer,
18:45das zu benennen,
18:46wenn man irrationale Ängste hat.
18:47Also wenn jetzt irgendwie jemand hier
18:50ein gebrochenes Bein hat
18:51oder was erlebt,
18:52was wir irgendwie uns vorstellen können,
18:56wo wir sagen können,
18:57boah, das kann ich gerade verstehen,
18:58dass das wirklich schlimm ist.
18:59Aber zu sagen,
19:01ich habe Angst,
19:03auf irgendwie einen Geburtstag zu gehen,
19:05wo ich Leute nicht kenne
19:06und ich muss da vielleicht mit meinem Auto hin
19:07und ich muss da parken
19:09und ich habe Angst,
19:10mein Auto zu parken,
19:11da würde ich ja sagen,
19:12komm jetzt,
19:13also du hast da einen Parkplatz,
19:15meine Güte,
19:15da packst du dann dein Auto rein,
19:16sonst fragst du irgendwie jemanden von außen.
19:18So, das kann ja nicht das Problem sein.
19:21Und bis heute habe ich in sehr vielen Bereichen Ängste,
19:26sei es irgendwie alleine schlafen zu Hause,
19:30kann ich bis heute nicht.
19:32Ich traue mich nicht in Parkhäuser,
19:34ich traue mich nicht,
19:34mein Auto zu parken,
19:35ich traue mich nicht in Menschenmengen
19:37alleine irgendwo hingehen.
19:39Also ich bin schon,
19:40ich bin nicht emotional abhängig von meinem Mann,
19:43aber immer, wenn jemand mit mir ist,
19:45ist das meine Sicherheit
19:46und das ist wieder die Sicherheit von damals.
19:48So irgendwie,
19:49dass jemand für mich etwas kontrolliert,
19:52weil ich Angst habe,
19:53etwas nicht kontrollieren zu können
19:54und das beschäftigt mich auf allen Ebenen
19:57und ich probiere es auch immer wieder,
19:59die Ängste anzugehen,
20:01aber Ängste sind halt,
20:03also dein Körper reagiert.
20:05Wir gucken mal rein,
20:06weil da sieht man das besonders deutlich.
20:08Ich habe so viele Ängste
20:10und es ist so schwer,
20:13jeden Tag dafür zu kämpfen,
20:15dass sie aufhören,
20:16dass es besser wird.
20:17Ich bin 31
20:18und ich habe Angst,
20:19alleine zu Hause zu schlafen
20:21und dann schlafe ich einmal
20:24alleine zu Hause
20:25und dann ist es nicht gegessen,
20:27dann ist die Angst nicht weg.
20:28Respekt davor,
20:30dass du das in der Offenheit zeigst
20:32und dann sagst du,
20:33ich bin eine 31 Jahre alte Frau,
20:35die nicht abends alleine schlafen kann
20:36und dann muss ich wieder zu meinen Eltern.
20:39Das ist heftig.
20:40Das ist beschämend.
20:43Nee.
20:44Also für mich ist es so,
20:45weißt du,
20:45weil man rechtfertigt ja immer viel
20:47mit seinem Alter und sagt,
20:48ich bin 25 und ich kann schon das und das
20:50und mit 20 machst du das
20:52und ich glaube,
20:52alleine zu Hause schlafen
20:53kann man vielleicht schon
20:55im Kindesalter oder Jugendalter,
20:57aber für mich ist das
20:58die Herausforderung meines Lebens so.
21:01Was hilft dir,
21:02das zu überwinden,
21:03wenn wir Leute haben,
21:04die sagen,
21:04ja, ich kenne das?
21:05Was kann man machen?
21:07Ich habe gelernt,
21:09dass Angst mit mir gehen darf.
21:14Also so,
21:15tu es trotz deiner Angst,
21:16das ist mein Lebensmotto irgendwie.
21:18Ich darf sie fühlen
21:20und ich darf die Gefühle fühlen,
21:22die da irgendwie drin hängen
21:23und merke dann,
21:26okay,
21:26vielleicht kann ich doch noch
21:27einen Schritt weiter gehen.
21:28Ich kock mir jetzt schon in die Hose,
21:30aber ich werde euch zeigen,
21:31dass alle überleben,
21:32wenn wir im Leben mal mutig sind
21:33und keine Pipelflieser mehr sind.
21:34Deshalb werde ich jetzt so
21:36einkaufen gehen.
21:37Boah, das sieht schon scheiße aus.
21:39Du musst mit,
21:40das weißt du.
21:40Am allerschlimmsten sind Kinder,
21:42weil man denen anseht,
21:44dass sie orientiert sind.
21:45Erwachsene gucken einmal
21:46und dann gucken sie wieder weg.
21:49Und ich glaube,
21:50Dinge trotzdem tun
21:51und das klingt irgendwie so plakativ
21:53und irgendwie so,
21:54das ist jetzt dein Tipp,
21:56aber mit jedem Schritt,
21:58den ich irgendwie vorwärtsgehe
21:59und den ich,
22:00ich habe schon versucht,
22:01alleine zu Hause zu schlafen
22:02und von dreimal
22:02habe ich es einmal geschafft
22:03und danach habe ich es
22:04wieder nicht geschafft.
22:06Oh, das ist schön.
22:06Und immer wieder versuchen
22:08und gnädig mit sich selbst sein.
22:11Ich finde das so toll.
22:13Liebe Merle,
22:14vielen Dank dafür,
22:15dass du so viele andere Menschen
22:16empowerst
22:17und dass du diese Geschichte
22:18mit uns geteilt hast.
22:19Schön, dass du da bist.
22:20Dankeschön.
22:21Und danke, Enno,
22:22dass du an ihrer Seite stehst.
22:23Das will ich.
22:26Noch mehr Talks von Dieb und Deutlich
22:27gibt es hier in der ARD Mediathek.
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