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DER JUNGE IM SCHRANK [German Creepypasta]

An einem verschneiten Weihnachtsabend versteckt sich Emil aus Trotz im Kleiderschrank und bleibt dort länger als je zuvor. Sein Bruder versucht verzweifelt, ihn herauszulocken. Er klopft, redet und bringt sogar Emils Lieblingsessen vorbei. Doch niemand antwortet. Stattdessen breitet sich eine seltsame Stille aus und unheimliche Gerüche erfüllen das Haus.

Nachzulesen unter:
https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Der_Junge_im_Schrank
von Mr.Zaru

#creepypasta #creepypastagerman #creepypastadeutsch

Kategorie

😹
Spaß
Transkript
00:00Der Junge im Schrank
00:04Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, wie schnell es zu Geschrei und umherfliegenden Spielsachen kommen kann.
00:11Besonders dann, wenn man sich gemeinsam ein Zimmer teilt.
00:15Und in diesem Fall hat eine in zwei geteilte Nintendo DS dafür gesorgt, dass sich Emil im Schrank vergräbt.
00:23Das tat er immer, wenn er beleidigt war.
00:26Komm endlich aus dem Schrank, sagte ich mit matter Stimme.
00:30Das Teil lässt sich bestimmt wieder reparieren.
00:33Als älterer Bruder, der zumindest die Reife eines Teenagers besaß, wusste ich, dass das, was ich sagte, Blödsinn war.
00:41Das Teil war hinüber, wie meiner spartes Taschengeld für die nächste Zeit.
00:46Zu meiner Verteidigung, ich hatte ihm die Konsole deshalb entrissen, da er nicht teilen wollte.
00:52Dabei zerbrach sie schneller, als ich erwartet hatte.
00:56Später an diesem Abend war es bereits dunkel.
00:58Über der verschneiten Stadt hing der Nebel wie ein Vorhang.
01:03Kälte drang durch das Fenster, also schloss ich es.
01:06Und wie ich meinen Bruder kannte, würde er in Kürze wieder aus dem Schrank steigen.
01:11Was dieses Mal jedoch nicht passierte.
01:1419.18.
01:16So lange war er noch nie da drin, was mich ein wenig verwunderte.
01:21Andererseits war Sturheit nichts Neues bei ihm.
01:24Ich klopfte ein paar Mal an die Schranktür.
01:27Nichts passierte.
01:29Weißt du noch, wie du einmal in einem Karton eingepennt bist, sagte ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
01:35Dabei stieg ein erdiger Geruch auf, vielleicht wegen der frischen Luft oder einfach nur wegen meiner laufenden Nase.
01:42Ich klopfte vier weitere Male.
01:46Bleibst du da echt die ganze Nacht hocken?
01:48Fragte ich.
01:50Hallo?
01:50Jemand da?
01:52Nach einem letzten Klopfen gab ich schließlich auf.
01:55Ich wollte nicht den restlichen Abend damit verbringen, den Kleiderschrank anzustarren.
02:01Soll er doch drin versauern, dachte ich.
02:04Ich fröstelte plötzlich, ohne zu wissen warum, als ich noch einmal kurz hinter mich blickte, bevor ich mich zum Gehen
02:11bewegte.
02:12Das Fenster war zu.
02:14Ich begab mich in die Küche.
02:16Der geöffnete Kühlschrank füllte mein Gesicht in ein kaltes Licht, als ich zum Tiramisu des Vortages griff.
02:23In der Auflaufform sah es inzwischen wie von übergroßen Ratten angefressen aus.
02:28Es schmeckte aber noch.
02:30Wie immer grüßte mich das Krümelmonster, als ich den Kühlschrank wieder schloss.
02:35Ich setzte mich auf das Sofa.
02:37Dabei sinnierte ich über das merkwürdige Verhalten meines Bruders.
02:41Was tat er so lange im Schrank?
02:43Im Dunkeln sitzen und Däumchen drehen?
02:46War das wirklich seine Art, um Stress abzubauen?
02:50Um mich abzulenken, schaltete ich den Fernseher an.
02:53Galileo.
02:54Der tausendste Dönerbeitrag.
02:56Ich wechselte das Programm.
02:58Eine Sendung über Weihnachtsmärkte.
03:01Irgendwann dürstete es mich nach einer Milch.
03:04Wieder das blaue Monster.
03:06Unverändert grinsend.
03:07Der Gedanke an Emi ließ mir keine Ruhe, als erneut ein Hauch von Erde aufzog.
03:13Ein Geruch, der hier nicht hingehörte.
03:16Fremd.
03:17Eigenartig.
03:19Ich kontrollierte die Fenster.
03:21Alle geschlossen.
03:22Alle Jalousien abgesackt.
03:24Das irritierte mich mehr, als ich zugeben wollte.
03:27Ich ging wieder nach oben, zum Kleiderschrank.
03:31Sag mal, riechst du das auch?
03:34Fragte ich.
03:35Keine Antwort.
03:36Ich klopfte.
03:38Dieses Mal klang das Holz dumpfer.
03:40Etwas anders, fast erstickt.
03:44Ich klopfte etwas stärker.
03:46Kannst du mich hören?
03:47Fragte ich.
03:49Ein Satz, der an diesem Abend unzählige Male folgen würde.
03:53Wie denkst du, dort für immer zu bleiben?
03:55Keine Antwort.
03:57Da er immer noch die beleidigte Leberwurst spielte, überlegte ich, wie ich ihn herauslocken konnte.
04:03Mir kam eine Idee.
04:05Also wieder nach unten.
04:07Nochmals am Krümelmonster vorbei.
04:10Worauf ich es abgesehen hatte, befand sich unter einer Alufolie.
04:15Auch das war noch vom Vortag übrig.
04:17Emils Lieblingsessen.
04:20Kinebohnenlasagne.
04:20Dazu konnte er sicherlich nicht Nein sagen.
04:24Ich habe eine Überraschung für dich.
04:27Sie wird dir gefallen, rief ich.
04:30Mehr oder weniger kam mir die Stille aus dem Zimmer zu dicht vor.
04:34Bestimmt nur meine Nerven.
04:36Ich erbärmte die Lasagne in der Mikrowelle, kehrte zurück und stellte den dampfenden Teller vor den Schrank,
04:42als wollte ich einen Geist besänftigen.
04:45Zuversichtlich klopfte ich.
04:47Hey, ich habe hier dein Lieblingsessen.
04:49Keine Reaktion.
04:52Das Klopfen klang dumpfer, als würde etwas hinter der Tür nachgeben,
04:56und es erfolgte erneut dieser unbestimmte Erdgeruch, stärker als zuvor.
05:02Wenn du aufgegessen hast, bring den Teller zum Spülen in die Küche, sagte ich, zunächst mit gefasster Stimme.
05:09Dann langsam kroch mir die Stille mehr in die Ohren, als ich zugeben wollte.
05:13Bevor ich ging.
05:15Und bitte, komm raus.
05:18Den weiteren Abend verbrachte ich mit dem Lesen von Memes, mit Zerro-Posts und Diskussionen auf Twitter.
05:25Dann hatte ich keine Lust mehr und legte das Handy weg.
05:28Mein Blick wanderte zur Treppe, die im Halbschatten lag.
05:32Der Weg nach oben, zum Schrank.
05:35Kommst du raus?
05:36rief ich nach oben.
05:37Stille.
05:39Steinernes Schweigen erfüllte das Haus.
05:42Ich überlegte fieberhaft, was ich tun könnte, um ihn herauszulocken.
05:47Mein Blick blieb am Christbaum hängen, reichlich geschmückt mit Gelanden, Weihnachtsgugeln und Lichterketten.
05:54Vereinzelt hingen Figürchen von Nussknackern und Engeln.
05:58Auf der Spitze des Baumes glomm ein Stern und unterhalb lagen bereits die ersten Geschenke.
06:05Mama gab sich wie jedes Jahr besonders viel Mühe beim Schmücken.
06:09Wenn sie mich bei meinem Vorhaben erwischen würde, gäbe es Ärger.
06:14Obwohl es eigentlich erst morgen soweit war, klemmte ich mir das Weihnachtsgeschenk für Emil unter den Arm.
06:20Ein blaues Paket mit roten Schleifen.
06:22Und kehrte damit zum Schrank zurück.
06:24Die Lasagne stand noch immer unangetastet da.
06:29Der erdige Geruch war stärker geworden.
06:32Der Baum redete ich mir ein.
06:35Nein, kein billiges Plastikteil.
06:37Ein echter, frisch geschlagener Nadelbaum aus dem Wald.
06:41Vielleicht war es der Christbaum.
06:44Hoffentlich.
06:45Hörst du mich?
06:47fragte ich.
06:48Weißt du noch, das Baumhaus.
06:50Du oben, ich unten an der Leiter.
06:52Du hast, du hast dich gesägt und die ganzen Späne flogen in mein Gesicht.
06:56Wir haben uns totgelacht.
06:58Ich stellte das Geschenk vor den Schrank.
07:01Es war das kleine Holzbrett, ein Überbleibsel, frisch geschliffen, mit Emils Initialen.
07:07Jedenfalls, ich hab dir ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk mitgebracht.
07:11Es hat mit der alten Geschichte zu tun, sagte ich.
07:14Vielleicht willst du doch rauskommen.
07:17Nichts.
07:18Ein Gefühl von Enge breitete sich in meiner Brust aus.
07:22Vielleicht wegen der Erinnerungen.
07:24Vielleicht wegen der Stille.
07:26Seltsam, wie klar ich die Szene mit den Sägespänen vor Augen hatte.
07:30Ich klopfte.
07:32Immer wieder.
07:33Das Klopfen schien nicht nur hohler zu klingen, als leergestoff dahinter.
07:37Ich meinte sogar, etwas Feines wie Späne auf meinem Kopf zu spüren.
07:41Ein Rieseln.
07:42Aber da war nichts.
07:44Mich beschlich ein mummiges Gefühl.
07:47Bitte, komm einfach raus.
07:50Mehr brachte ich nicht heraus.
07:53Ich hatte fest damit gerechnet, spätestens zur Schlafenszeit 23 Uhr hektische Schritte
07:59und das Zerfetzen des Geschenkpapiers zu hören.
08:02Aber nichts.
08:03Nur der Abspann eines Weihnachtsfilms rang aus dem Wohnzimmer.
08:07Ich lief im Flur auf und ab, immer wieder zur Kommode schielend.
08:11Dort befanden sich das Telefon und die Notiz.
08:15Sind bis morgen bei einem Geschäftsessen.
08:17Zwischen 20 und 1 Uhr nur im Notfall anrufen.
08:21Haben euch lieb.
08:23Ich schluckte.
08:24Kannst du mich hören?
08:26Ich war wieder im Zimmer, vor dem Schrank.
08:29Willst du eine Entschuldigung?
08:31Ist es das, was du willst?
08:33Fragte ich mit wachsendem Missmut.
08:35Okay.
08:36Es tut mir leid.
08:38Bist du jetzt zufrieden?
08:39Die anhaltende Geräuschlosigkeit fühlte sich falsch an
08:43und ließ meine Verdrossenheit größer werden.
08:45Die Stille wurde zu dicht.
08:48Zu schwer.
08:50Meine Verdrossenheit schlug um in Ärger
08:52und mein Ärger schlug allmählich um in Verzweiflung.
08:57Draußen ist das Telefon, sagte ich.
08:58Wenn du jetzt nicht rauskommst, rufe ich Mama an.
09:01Ich hob die Faust und klopfte.
09:05Kälte kroch mir die Glieder hoch.
09:07Nicht von draußen, nicht vom Fenster.
09:10Der Erdgeruch hing schwer in der Luft.
09:13Das Klopfen klang dumpfer als jemals zuvor.
09:17Ich atmete flach ein und...
09:19Ich hatte das Gefühl,
09:21mir ein paar feine Staubkörner aus dem Haar reiben zu müssen.
09:25Bitte, komm raus.
09:27Bitte.
09:29Kaum mehr als ein Stottern spuckte ich aus.
09:32Emil.
09:34Inzwischen war mein Arm völlig ausgelaugt,
09:36schwer wie Blei.
09:38Das Klopfen fühlte sich an,
09:39als ob man gegen Erde schlägt.
09:42Ein merkwürdiges Vibrieren.
09:44Schwindel überkam mich,
09:46ich zitterte
09:47und ich hatte das Gefühl,
09:49etwas drückte meine Brust zusammen.
09:51Warum war es plötzlich so eng?
09:54Warum roch ich Erde?
09:57Ihre Gedanken rasten durch meinen Verstand.
10:00Nichts ließ sich mehr sortieren.
10:03Alles zog sich zusammen
10:05und das nicht nur in meinem Kopf.
10:08Ich tastete nach etwas Festem,
10:10Kaltem,
10:11ein stiller Widerstand.
10:14Das Holz über mir drückte wie ein Deckel.
10:17Lockere Erde rieselte von oben.
10:20Seit wann lag ich hier unten?
10:23Die eigene Hand konnte ich vor Augen nicht sehen.
10:26Eine erdrückende Enge.
10:28Und so stickig,
10:30dass das Atmen schwer fiel.
10:31Ich schlug immer wieder.
10:34Der Widerstand blieb stumm.
10:37Graues Holz war alles,
10:39wonach ich tastete.
10:41Mit jedem Trommeln, Schreien und Hämmern
10:43rieselten Erdkrümel auf mein Gesicht.
10:47Kein Emil.
10:48Kein Schrank.
10:50Kein Zuhause.
10:51Ich schrie und schrie und schlug um mich,
10:54noch lauter, fester,
10:55aber ohne Echo.
10:57Keiner konnte mich hören im Dunkeln.
11:00Bis auf die Würmer um mich herum.
11:03Holz.
11:04Erde.
11:06Totenstille.
11:08Ein einsamer Grabstein.
11:11Lichter brannten in den Straßen
11:13hinter dem toten Acker.
11:15An einem anderen Ort
11:16würde gleich der Gänsebraten serviert.
11:20Später gäbe es die Bescherung.
11:22Heute,
11:23am Weihnachtsabend.
11:25Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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