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DAS KINDERKRANKENHAUS [German Creepypasta]

Zwei Freunde erkunden nachts ein verlassenes Krankenhaus. Was als harmloses Abenteuer beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum. Unheimliche Geräusche, gespenstische Stimmen und eine düstere Präsenz lassen sie erkennen, dass sie nicht allein sind. Diese unheimliche Geschichte handelt von verlorenen Seelen und dem Grauen verlassener Orte.

Nachzulesen unter:
https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Das_Kinderkrankenhaus

#creepypasta #creepypastagerman #creepypastadeutsch

Kategorie

😹
Spaß
Transkript
00:00Das Kinderkrankenhaus
00:03Eine junge Frau besucht, gemeinsam mit einem Freund,
00:07mitten in der Nacht ein leerstehendes, von der Zeit gezeichnetes Säuglingskrankenhaus.
00:12Die Angst, die sie danach im Alltag begleitet, wird innerhalb mehrerer Monate zum Problem.
00:19Sie kann kaum noch essen oder schlafen.
00:22Das Haus verlässt sie nur noch selten.
00:24Ihr Begleiter begeht zwei Monate nach dem Besuch in jenem Krankenhaus Selbstmord.
00:30Doch was war passiert?
00:32Claudia Eckart, 25. September, 13 Uhr
00:36An mich
00:37Lieber Frederik, als Journalistin einer kleinen Großstadtzeitung
00:43trifft auch mich jedes Jahr aufs Neue, das große Sommerloch.
00:46Ähnlich wie die Bahn, die sich überrascht zeigt, wenn es im Winter kalt ist und schneit
00:51oder es im Sommer warm wird, trifft es mich Jahr für Jahr wie ein Schlag.
00:56Auf einmal wird es still.
00:58Viele meiner Kollegen ziehen mit ihren Familien gen Land und Meer, egal wohin.
01:04Hauptsache raus aus dem grauen Alltagstrott.
01:07Und in der Stadt wird es still.
01:09Bitter, wenn das interessanteste Ereignis ein sprechender Papagei ist,
01:13der die Menschen in seiner Nachbarschaft beleidigt und das gleich auf fünf Sprachen.
01:19Gelegentlich klingelt dann mein Telefon und gelangweilte Leser versuchen sich bei mir zu verdingen
01:24und ihr Taschengeld durch eine Geschichte aufzubessern.
01:27Ganz zum Leidwesen meiner Gehirnzellen.
01:30Die Tage in der Redaktion dehnen sich wie Kaugummi
01:33und ich unterhalte mich in der leeren Küche mit der Kaffeemaschine.
01:37Ein trauriges Leben, dieser Sommer.
01:39Umso erfreuter war ich, als ich eines schönen Tages auf eine außergewöhnliche Geschichte stieß.
01:45Ich habe nicht danach gesucht, schließlich war es mein freier Tag
01:49und ich wollte lediglich im Park ein Eis essen gehen und schreiben.
01:53Doch als ich mich an meinen Lieblingsplatz unter einer riesigen Eiche zurückziehen wollte,
01:59saß dort bereits jemand.
02:00Eine junge Frau, blass, mit dunklen Ringen unter den Augen.
02:05Bei ihrem Anblick bekam ich das Gefühl,
02:07dass sich meine Eingeweide zusammenzögen und eine kalte Hand nach mir greifen würde.
02:12Albern, ich weiß.
02:14Eigentlich glaube ich auch nicht an so etwas wie Auren oder diesen ganzen Quatsch.
02:19Aber dennoch, diese junge Frau schien von etwas Bösem umgeben zu sein
02:23und ich verstehe bis heute nicht, warum ich trotzdem weiterging.
02:28Womöglich lag es an meiner journalistischen Neugier, die mich weitertrieb.
02:32Oder das dringende Bedürfnis, mir mal wieder eine herzergreifende Geschichte anzuhören,
02:37die ich bis aufs Letzte ausschlachten könnte.
02:39Als ich jedenfalls an meinem Platz ankam, schaute die junge Frau zu mir auf und lächelte müde.
02:45Wie eine Freundin, die bereits auf mich gewartet hatte,
02:49deutete sie neben sich und bat mich, mich doch zu setzen.
02:52Ich weiß noch, dass hier allmählich meine Alarmglocken schrillten.
02:56Es kam vor, dass Journalisten wie ich Probleme bekamen.
03:00Entweder mit Lesern, die einfach keine Grenzen kennen,
03:03oder mit jenen, die unsere Arbeit verachten und sich nur durch Drohgebärden verständigen können.
03:09Zu welchem Typ diese Dame wohl gehörte?
03:12Sie wirkte ruhig, beinahe erleichtert, mich zu sehen.
03:16Später sollte ich erfahren, dass sie tatsächlich auf mich gewartet hatte.
03:21Sie hatte mich ein paar Mal im Park gesehen und nur auf den richtigen Moment gewartet,
03:25um mir ihre Geschichte zu erzählen.
03:28Und diese Geschichte möchte ich hier nur niederschreiben,
03:31auch wenn ich nicht weiß, wie ich das machen soll.
03:34Alles Liebe, Claudia
03:36Ein Besuch an verlassenen Orten
03:40Luise Schmidt ist eine junge Frau Mitte 20,
03:43sehr ruhig, mit klarer Stimme, die nicht einmal bebt, während sie spricht.
03:47Sie scheint gefasst zu sein,
03:49auch wenn ihr die Anstrengung der letzten Tage deutlich anzusehen ist
03:53und sieht mir beim Sprechen geradewegs in die Augen.
03:56Die junge Frau ist gelernte Grafikerin,
03:59arbeitet seit drei Jahren in einem kleinen Unternehmen im Prenzlauer Berg,
04:03wo sie mit ihrem Freund auch wohnt.
04:04Ihr Leben lief in den richtigen Bahnen,
04:07bis vor einigen Monaten, in denen ihr Glück anfing zu bröckeln.
04:11Alles begann bereits im Dezember,
04:14zumindest ist sich Luise dessen sicher.
04:17Zu diesem Zeitpunkt war ihr Freund Jonas
04:19gerade für einige Wochen mit Freunden verreist
04:21und sie war zu Hause geblieben.
04:24Nach inzwischen eineinhalb Wochen allein
04:26in der geräumigen Drei-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss eines Altbaus
04:29wuchs das Gefühl der Langeweile stetig.
04:31So war sie froh, als sich Kai, ein langjähriger Freund, meldete
04:36und sie zu einer Lost Place Tour in der Nacht einlud.
04:39Bei dem Begriff Lost Place handelt es sich um einen Pseudo-Anglizismus,
04:44der sinngemäß für vergessener Ort steht.
04:46Obwohl die korrekte Bezeichnung Abandoned Premises
04:49zu deutsch aufgegebene Liegenschaft wäre,
04:52hat sich über die Jahre hinweg die neue Bezeichnung durchgesetzt.
04:56Inzwischen hat sich eine regelrechte Szene entwickelt,
05:00in der solche vergessenen Orte besucht werden.
05:02Nicht selten illegal.
05:05Fotos und Berichte werden in Foren wie 22places.de
05:08und in etlichen Facebook-Gruppen und Instagram getauscht und präsentiert.
05:13Dabei handelt es sich meistens um Bauwerke der jüngeren Geschichte,
05:17Ruinen der Industriegeschichte
05:18oder nicht mehr genutzte militärische Anlagen beispielsweise.
05:22Allerdings lässt sich jeder Ort,
05:24welcher mit der Zeit in Vergessenheit geraten ist
05:27und nun von der Natur zurückerobert wird,
05:29als Lost Place bezeichnen.
05:32Zwischen Prenzlauer Berg und Unglück
05:34An dem Samstag im Dezember,
05:37es hatte zuvor den gesamten Tag geschneit,
05:39lud Kai Luise zu einem besonderen Gebäude ein,
05:42einem Kinderkrankenhaus.
05:44Es klang spannend,
05:45nachts durch ein verlassenes Kinderkrankenhaus zu ziehen,
05:48sagt Luise heute und lächelt dabei müde.
05:51Sie bereue es nicht.
05:53Nicht jeden Tag zumindest.
05:55Inzwischen sitzen wir in ihrer Küche.
05:57Sie kocht Kaffee und stellt zwei Tassen auf den Tisch.
06:00Die Einrichtung ist typisch für Prenzlauer Berg.
06:04Holzmöbel, alles irgendwie zusammengeschustert
06:06und doch perfekt aufeinander abgestimmt,
06:09mit diesem gewissen Do-it-yourself-Charakter.
06:12Ich meine, in so einem Krankenhaus steckt ja auch jede Menge Geschichte
06:15und sowas mag ich.
06:17Wenn man sie fragt, warum sie meine,
06:20dass dieser Tag der Beginn ihres Unglücks gewesen sei,
06:23wird die junge Frau einen Moment still.
06:25Sie scheint leicht zu schwanken
06:27und beinahe will man aufstehen und sie stützen,
06:30doch da fängt sie sich bereits wieder
06:31und brüht den Kaffee fertig auf.
06:34Ehe sie sich dann auch hinsetzt,
06:36stellt Luise Gebäck auf den rustikalen Küchentisch,
06:38der bereits zahlreiche Spuren der Zeit trägt.
06:41Erst dann erzählt sie weiter.
06:44Von dem Tag, ehe ihr Freund sie abholte.
06:47Von den Vorbereitungen für einen solchen Ausflug.
06:51Vorbereitungen, dazu zählen für Luise und ihre Freunde Kleinigkeiten,
06:55die andere wohl für verrückt halten würden.
06:58Die junge Grafikerin sucht dann alles für ihren kleinen Zauberbeutel zusammen.
07:02Ein Beutel aus abgewetztem Leder,
07:04den sie vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt hat
07:07und seitdem immer zu solchen Touren mitnimmt.
07:10Darin befinden sich meistens einige Kerzenstummel,
07:13ein bunt getrockneter Kräuter und Salz.
07:16Sie sagt, das würde reichen, um böse Geister abzuwehren
07:20und genug Zeit zu schinden, um aus dem Gebäude zu flüchten.
07:24Luise sieht sich selbst nicht als Hexe oder ähnliches, wie sie sagt.
07:28Aber ein bisschen Vorsicht schadet doch nicht, oder?
07:30Und wenn es nur für das gute Gefühl ist.
07:33Das gute Gefühl sollte sich dieses Mal jedoch nicht einstellen.
07:37Am späten Nachmittag klingelte Kai und wartete, wie immer unten auf der Straße.
07:42Da war Luise längst fertig und schloss nicht einmal eine Minute später
07:46bereits die Wohnungstür hinter sich ab.
07:49Sie beschreibt sehr bildhaft, wie ihre Schritte ungewöhnlich laut im Treppenhaus wiederhalten
07:54und ihr Herz anfing zu rasen.
07:56Angst.
07:57So beschreibt es die junge Frau heute.
07:59Ab dem Augenblick, als sie die Wohnung verließ, hatte sie Angst und wusste nicht, wovor.
08:04Ein weiteres Mal hält sie inne und denkt nach.
08:08Dann sagt sie, ich war immer schon etwas empfindlich, aber meistens schiebe ich es auf meine blühende
08:13Fantasie, die mir dann einen Streich spielt.
08:17Diese Fantasie, wie sie es nennt, habe sie aber auch oft genug vor größerem Unheil bewahrt,
08:22meint sie.
08:23Warum sie ausgerechnet an diesem Abend nicht darauf gehört hat, das ist ihr bis heute schleierhaft.
08:30Milchchoranstalt und Säuglingsbehandlung
08:33Bereits bei ihrer Ankunft am Krankenhaus war klar, warum dieser Ort so besonders war.
08:39Er befand sich mitten an der Straße, gut einsehbar von der Straßenbahn aus.
08:43Und da es Winter war, waren auch die Büsche kaum bewachsen und spendeten nur spärlichen
08:48Schutz vor neugierigen Blicken.
08:50Doch es war dunkel, die Straße kaum befahren.
08:53Nur alle halbe Stunde zog eine Straßenbahn vorbei oder hielt ein Wagen an der Ampel.
08:59Die Freunde erkundeten das Gelände zuerst von außen, rauchten und beobachteten den Verkehr.
09:05Erst als sie sich sicher waren, dass sie die nächste Zeit keiner mehr stören würde, während
09:10sie durch eine der wenigen Lücken im Zaun das Gelände betraten, gingen sie rein.
09:14Um im 20. Jahrhundert der steigenden Sterberate von Säuglingen etwas entgegenzusetzen, wurden
09:21in Preußen immer mehr Säuglingskrankenhäuser errichtet.
09:25Das Kinderkrankenhaus, welches Luise und ihr Freund besuchten, war eines davon.
09:30Der Grundstein hierfür wurde im Jahr 1909 gelegt.
09:33Es befindet sich auf einem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück und war das erste seiner Art
09:39in Preußen.
09:40Für die Planung und die Aufsicht war zu dieser Zeit der Gemeindebaurat Karl James Bühring
09:46zuständig.
09:47Dessen Aufgabe war es, aus dem Bezirk eine bessere Wohngegend zu machen, welche vor allem
09:52die höheren Schichten anlocken sollte, die von den sonst entstehenden Mietskasernen eher
09:57abgeschreckt wurden.
09:59Nach der Eröffnung verfügte das Haus über Kapazitäten für etwa 60 Säuglinge.
10:04Zudem, und dies stellte das Besondere an dem Krankenhaus dar, gehörte zum Gelände Preußens
10:09einzige Milchkuranstalt.
10:11Es gab also einen Kuhstall, welcher Platz für 38 Tiere bot, eine Molkerei und die
10:17dazugehörigen Anlagen, um die Milch zu verarbeiten.
10:20Selbst für die Lagerung und den Transport war gesorgt worden.
10:24Auf dem Grundstück gab es, neben dem Kuhstall, auch einen Pferdestall und die dazugehörige
10:29Remise.
10:31Anmerkung der Redaktion, eine Remise ist ein Gebäude für die Beherbergung von Wagen und
10:36Geräten, für drei Wagen sowie eine Knechtstube.
10:40Auf diese Weise war es möglich, die überschüssige Milch und daraus hergestellte Produkte auch
10:45an die Bevölkerung zu verkaufen.
10:48Kunst im Zerfall
10:49Auf dem Gelände, so beschreibt es Luise, herrschte eine bedrückende Stille.
10:54Der Schnee lag unberührt auf der Erde und den Stufen zu den Gebäuden, ohne Anzeichen,
10:59dass dort noch Leben existieren würde.
11:02Von oben warf der Vollmond sein Licht auf die Freunde, während sie begannen, sich umzusehen.
11:07Direkt an der Straße liegt die Aufnahmestation.
11:10Jedenfalls hat Kai das gesagt.
11:12Im Internet findet man leider keine Informationen zu der Lage der Gebäude, ergänzt die junge
11:17Frau und lacht leise.
11:19Sie trinkt ihren Kaffee aus und erzählt dann weiter.
11:22Ein paar Street-Art-Künstler haben sich in dem Gebäude ausgetobt.
11:26Jedes Zimmer ist in einer anderen Farbe gestrichen und hat ein Thema.
11:31Tatsächlich sind Lost Places ein beliebtes Ziel für Street-Art-Künstler.
11:35Sie bieten eine Leinwand, die man so in dieser Form sonst nur schwer findet.
11:40Ein starker Kontrast, wenn man sich die brüchigen, grauen Fassaden des Kinderkrankenhauses ansieht
11:45und dann in der ersten Etage einen rosafarbenen Flur mit Herzen betritt.
11:50Das Spiel mit diesem Kontrast beschreibt Luise als spannend und faszinierend.
11:55Jedoch sind es nicht nur Street-Art-Künstler, die sich an dem Charme von Lost Places erfreuen.
12:00Auch Fotografen haben diese Orte als perfekte Szenerie für ihre Bilder entdeckt.
12:05Nicht nur Hobbyfotografen ziehen über verlassene Grundstücke oder durch stillgelegte Bahnhöfe.
12:10Es kursieren viele Arbeiten im Netz, wo Profifotografen ihre Modelle in alten Operationssälen posieren lassen.
12:18Ein beliebtes Ziel für solche Fotos sind die Heilstätten in Belitz.
12:23Über Seiten wie baumundzeit.de ist es möglich, sich dort Termine geben zu lassen.
12:28Entweder für eine thematische Führung durch die Gebäude oder auch für Shootings.
12:33Solche Führungen sollen das Illegale betreten und damit oft einhergehende Unfälle verhindern.
12:39Während sich die Natur nach und nach das Grundstück und die darauf liegenden Gebäude zurückerobert,
12:45halten die künstlerischen Projekte es in unserer Zeit fest.
12:49Allerdings gibt es auch in der vermeintlichen Aufnahmestation Bilder, die einem den Atem stocken lassen.
12:55An einigen Türen sind Schneeflocken und Engel zu sehen.
12:59Das sind so Fensterbilder, die schon sehr lange drauf sein müssen.
13:03Luise vermutet, dass diese Fensterbilder wohl von den Schwestern aufgeklebt wurden,
13:08um die Station etwas freundlicher zu gestalten.
13:11Wahrscheinlich für die Eltern, die in Sorge um ihre Kinder waren.
13:15Solche Kleinigkeiten sind es, die einem wieder bewusst machen, an was für einem Ort man sich befindet.
13:21Schließlich wurden in einem Extragebäude, dem Isolierpavillon, auch Keuchhusten und Diphterie,
13:27beides lebensbedrohliche Erkrankungen der Atemwege, behandelt.
13:31Während sie spricht, zittern Luises Hände, nur erkennbar an ihrer Tasse.
13:36Dort sind auch Kinder gestorben.
13:38Natürlich sorgt dieser Gedanke für ein komisches Gefühl.
13:42Dies sei auch der Grund gewesen, weswegen sie sich nichts weiter dabei gedacht hat,
13:47als sich ihre Brust immer wieder zusammenzog und ihr regelmäßig ein Schauer über den Rücken lief.
13:52Die Kälte, das Bewusstsein über die Geschichte dieses Ortes und die Tatsache,
13:57dass man sie von der Straße aus sehen konnte,
14:00war für die sonst sehr rationale Frau eine logische Erklärung ihrer Gefühle.
14:04Auch wenn das Krankenhaus gerne als Geister-Hotspot bezeichnet wird,
14:09glauben zu diesem Zeitpunkt weder sie noch ihre Begleitung an solche übernatürlichen Dinge.
14:14Brände und Unfälle bis zur Anzeige
14:18Allerdings wird auf diversen Seiten auch davon abgeraten, das Gelände zu betreten.
14:23Mitvergnügen.com stellte im Jahr 2016 das Gebäude in ihrem Beitrag zu den elf gruseligsten Orten Berlins vor
14:30und verwies darauf, dass es dort allein 2013 mehrfach gebrannt habe
14:35und sich die Gebäude somit in einem desolaten Zustand befänden.
14:39Im selben Jahr berichteten wir und andere Medien von einem Unfall auf dem Gelände.
14:44Zwei Fotografen waren hier auf Fototour.
14:48Einer von beiden verunglückte, als der marode Boden im dritten Stock zusammenbrach.
14:53Mehrere Knochenbrüche und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch waren die Folge.
14:58Auch dessen waren sich die beiden bewusst,
15:00als sie im Dezember kurz vor Mitternacht über das Grundstück schlichen,
15:04um sich das Hauptgebäude anzusehen.
15:06Die Uhrzeit war bewusst gewählt, um den Gruselfaktor zu erhöhen
15:10und die Tour spannender zu gestalten.
15:13Beide waren mit Taschenlampen und Kameras ausgerüstet.
15:16Zudem hatte Kai ein Messer dabei, von dem Luise zu diesem Zeitpunkt nichts wusste.
15:21Auf Nachfrage, warum ihr Begleiter ein Messer bei sich trug,
15:25antwortete sie lächelnd, zum Schutz.
15:28Gerade im Winter schlafen Obdachlose in solchen Gebäuden.
15:31Es ist besser als auf der Straße.
15:33U-Bahnhöfe sind meistens laut und werden regelmäßig kontrolliert.
15:38In den Kellern von vergessenen Häusern haben sie ihre Ruhe
15:41und es ist halbwegs warm und trocken.
15:44Obwohl draußen keine Fußspuren zu sehen waren,
15:47mieden sie Kellerräume und achteten darauf,
15:49nur durch Gänge zu ziehen, aus denen sie gute Fluchtmöglichkeiten hatten.
15:54Entdeckten sie in einem Bereich Schlafsäcke oder einen Campingkocher,
15:58suchten sie einen anderen Weg.
15:59Ich würde auch nicht wollen, dass ein Fremder mitten in meinem Schlafzimmer steht.
16:04Das hat irgendwo auch mit Respekt gegenüber diesen Menschen zu tun.
16:08Ein Ärgernis für die Nachbarschaft.
16:11Begegnungen mit Obdachlosen, Touristen auf Abenteuerjagd
16:15und Künstler auf der Suche nach einer neuen Leinwand.
16:17Für die Nachbarschaft ist das einst so imposante Kinderkrankenhaus
16:22lediglich noch ein Ärgernis.
16:24Einst als das führende Krankenhaus seiner Art Europas bekannt,
16:28gibt es seit seiner Schließung im Jahr 1997 nur noch Probleme.
16:33Immer wieder wurden Pläne vorgestellt,
16:35um das Krankenhaus zu restaurieren und wieder in Betrieb zu nehmen.
16:392006 wurde es an russische Investoren verkauft,
16:43welche versprachen, daraus ein alternatives Krebszentrum zu errichten.
16:47Zu sehen war davon jedoch nichts.
16:50Durch ein Gerichtsurteil ging das Grundstück dann 2015
16:53wieder in den Besitz der Stadt über.
16:56Dem Eigentümer blieben die eingetragenen Grundschulden
16:59in Höhe von mehr als 5 Millionen Euro, die zu begleichen sind.
17:03Seit der Rückführung wird über die Nutzung gestritten.
17:06Lage und Größe des Grundstückes
17:08würden mehrere Möglichkeiten zur effektiven Nutzung bieten.
17:11Der Bezirk Pankow beispielsweise möchte darauf Wohnungen errichten.
17:16Geplant sei eine Mischnutzung aus Gewerbe und Wohnen.
17:19Doch der ehemalige Eigentümer, MWT, ging in Berufung
17:23und ein abschließendes Urteil ist auch jetzt im Jahr 2018,
17:27also 21 Jahre nach Schließung, nicht getroffen.
17:30Und so zerfällt es weiter und lockt Besucher wie Luise und Kai an.
17:34Die Leute dachten, ich sei verrückt.
17:37In einem der ersten Bereiche, einem langen, leeren Gang,
17:41von dem mehrere Zimmer abgehen und welcher zu den Fahrstühlen führt,
17:45kam es das erste Mal zu merkwürdigen Vorkommnissen.
17:48Wir liefen hintereinander, mit einem guten Meter Abstand zwischen uns.
17:53Rechts von uns lag der Hof, gut sichtbar durch die scheibenlosen Fenster.
17:56Da ich die Stille nicht ertragen habe, musste ich einfach vor mich hersummen.
18:01Ich glaube, es war die Melodie aus dem Film Das Geisterschloss.
18:06Plötzlich blieb Kai vor ihr stehen und drehte sich zu ihr um, die Augen weit aufgerissen.
18:11Dies war der Moment, in dem Luise das Messer entdeckte.
18:14In seinen Augen konnte ich Angst erkennen.
18:17Er richtete sein Messer auf mich und atmete schwer ein und aus.
18:22Tu das nie wieder, sagte er und senkte erst dann das Messer.
18:27Als wir weitergingen, murmelte ich eine Entschuldigung
18:30und dass ich nicht wusste, dass mein Summ ihm so einen Schrecken einjagen würde.
18:35Doch es sollte sich herausstellen, dass das Summen der jungen Frau
18:39nicht der Grund für seine Reaktion gewesen war.
18:42Als sie es ansprach, schien er verwundert,
18:45er habe nicht einmal mitbekommen, dass sie gesummt habe.
18:48Aber dass sie ihn am Bein berührt habe,
18:50habe ihn erschreckt.
18:52Ich bin stehen geblieben und habe ihn ungläubig angesehen.
18:56Immerhin liefen wir ja recht weit voneinander entfernt,
18:59ich konnte ihn also gar nicht berühren.
19:02Wir entschieden uns daran zu glauben,
19:04ein Tier wäre, ohne von uns bemerkt zu werden,
19:07an seinem Bein vorbeigelaufen.
19:09Diese Erklärung erschien ihnen logisch,
19:11wirkte mittlerweile jedoch wenig beruhigend.
19:14Das Bedürfnis, gehen zu wollen,
19:17beschlich sie das erste Mal,
19:18als nur wenige Meter weiter eines der Kabel,
19:21die überall von der Decke hingen,
19:23anfing im Wind zu schaukeln.
19:25Erst einmal nichts Ungewöhnliches,
19:27immerhin waren sämtliche Scheiben in dem Gebäude zerschlagen.
19:31Das Glas knirschte bereits die ganze Zeit unter ihren Füßen
19:34und dazu kam, dass viele Türen offen standen.
19:38Allerdings entschied sich das Kabel in einem eher unwahrscheinlichen Winkel,
19:43einfach plötzlich zu verharren.
19:44Auf den Aufnahmen, die Luise gemacht hat,
19:47ist deutlich zu erkennen,
19:49wie das Kabel in einem schätzungsweise 45-Grad-Winkel
19:52in der Bewegung innehält.
19:54Es verharrt etwa eine Minute in dieser Position,
19:57ehe es dann wieder locker schwingt.
19:59Als hätte es jemand losgelassen.
20:02Kurz darauf hängt es wieder verhältnismäßig schlaff nach unten
20:05und wird nur leicht vom Wind bewegt.
20:07Wir wollten immer noch an den Wind glauben,
20:10erklärt Luise Verlegen.
20:12Die Grafikerin weiß selbst,
20:14wie unwahrscheinlich und unglaubwürdig
20:16ihre Geschichte ab diesem Moment klingt.
20:19Dennoch will sie sie erzählen,
20:20eine Last loswerden,
20:22welche sie seit Monaten verfolgt.
20:24Nach dieser Nacht hat sie versucht,
20:26mit anderen darüber zu sprechen.
20:28Doch niemand wollte ihr glauben.
20:30Die meisten fingen an zu lachen
20:32und bewunderten sie für ihre Fantasie.
20:34Andere wiederum äußerten ihre Sorge
20:37und fragten, ob alles in Ordnung mit mir sei,
20:40so Luise.
20:41Die Logik wehrte sich auch weiterhin
20:43gegen jede übernatürliche Möglichkeit.
20:47Nach dem Vorfall mit dem Kabel
20:48machten sie eine Pause,
20:50besprachen sich und rauchten eine Zigarette.
20:53Immer wieder schauten sie sich den Teil des Videos an,
20:56um sicherzugehen,
20:57dass beide dasselbe gesehen haben.
20:59Und obwohl ab da die Angst vorherrschte,
21:02zog es beide tiefer in das Gebäude hinein.
21:05Ihre Neugier überwog,
21:06ebenso wie der Wunsch,
21:08alles Übernatürliche mit der Kamera festzuhalten.
21:11Also gingen sie weiter den Gang entlang,
21:13lauschten in die Dunkelheit,
21:15die nur vom Mondlicht
21:16und ihren Taschenlampen erhellt wurde.
21:18Dabei lief die Kamera ununterbrochen mit.
21:21Die Aufnahmen sind gut.
21:23Trotz der Dunkelheit ist viel zu erkennen
21:25von dem Dreck und den Schmierereien.
21:28Auch ihre leisen Gespräche zwischendurch sind zu hören.
21:31Es geht um Möglichkeiten,
21:33um Erklärungsversuche.
21:35Schließlich wird es eine Weile still um die beiden,
21:38bis ein Schrei diese Stille durchbricht.
21:40Der Schrei ging uns beiden durch Mark und Bein,
21:43erklärt Luise mit einem deutlich sichtbaren Schaudern.
21:46Und ja, selbst auf der Aufnahme
21:48lässt der Schrei das Blut in den Adern gefrieren.
21:51Dabei ist jedoch nicht klar,
21:53ob er von einem Menschen oder einem Tier stammt.
21:57Kai versucht es mit einem Obdachlosen zu erklären,
21:59der ihnen Angst einjagen will.
22:01Doch Luise ist sich sicher,
22:03dass es sich um die Stimme eines Kindes handelt.
22:06Für einen Erwachsenen war das einfach zu hoch
22:08und nach einem Tier klang das meiner Meinung nach auch nicht.
22:12Kai sieht das anders und will nachsehen gehen.
22:15Er läuft vor, wartet nicht auf die junge Frau,
22:18welche erst unschlüssig im Gang stehen bleibt.
22:21Es vergehen einige Sekunden,
22:23die sich selbst beim Ansehen des Videos wie Minuten anfühlen.
22:27Schließlich ist zu hören,
22:29wie sie leise über ihn schimpft und ihm dann nachgeht.
22:32Zwischen Lizard Berlin und Kinderweinen
22:35An den Fahrstühlen trafen sie sich wieder.
22:38Zwei Schächte nebeneinander, zu beiden Seiten offen.
22:42Ihr Begleiter stand bereits an einem der Schächte
22:44und leuchtete mit der Taschenlampe nach oben.
22:47Als Luise dazu stieß und in den Schacht steigen wollte,
22:51hielt er sie fest und deutete nach oben.
22:54Über ihren Köpfen hing der Fahrstuhl
22:57und wie stabil die Kabel und Dreitseile noch waren,
23:00konnte keiner von ihnen abschätzen.
23:01In diesem Augenblick fühlte ich mich an Resident Evil
23:05oder Final Destination erinnert
23:07und habe innerlich drei Kreuze gemacht,
23:09so Luise.
23:11Der andere Schacht war dafür leer,
23:13nicht einmal mehr Kabelwaren zu sehen.
23:15Ein weiterer Schrei ist auf den Aufnahmen zu hören.
23:19Dann ein Weinen.
23:20Dieses Mal ist klar,
23:21dass das die Stimme eines Kindes ist.
23:23Die Stimme scheint aus dem Fahrstuhl
23:25im ersten Schacht zu kommen.
23:26Ein lautes Pochen folgt.
23:29Sofort begeben sich die zwei auf die Suche
23:31nach einem Weg in die oberen Etagen
23:33und stoßen dabei auf ein Treppenhaus,
23:35welches sich im turmähnlichen Anbau
23:37des Krankenhauses befindet.
23:38Das Geländer war längst derzeit zum Opfer gefallen
23:41und so mussten sich die zwei
23:43während ihres Aufstieges
23:45dicht an der Wand halten.
23:47Ein Sturz konnte nicht nur Knochenbrüche
23:49wie bei dem Fotografen im Jahr 2016 bedeuten.
23:52Wenn man falsch aufschlug,
23:55brachte ein Aufprall möglicherweise auch den Tod.
23:58Zwischen die Graffiti an den Wänden
24:00schlichen sich unglaubliche Kunstwerke,
24:02teils von bekannten Street-Art-Künstlern,
24:05die Luise tatsächlich erkannte.
24:07Darunter waren Tobo,
24:09einer der bekanntesten Künstler Berlins,
24:11und Lizard Berlin.
24:13Doch mit dem Trommeln und dem Weinen im Ohr
24:15konnte sie sich nicht an den Bildern
24:17und der Aussicht von der inzwischen
24:19freischwebenden Treppe erfreuen.
24:20Der Fahrstuhl war offen und leer.
24:24Auf der Etage angekommen,
24:26in der sie den Fahrstuhl vermuteten,
24:28liefen Kai und Luise die Strecke zurück
24:30bis zu den Fahrstühlen.
24:32Dorthin zu gelangen war allerdings schwerer als erwartet.
24:36An mehreren Stellen war der Boden eingebrochen
24:39und nur noch Balken aus morschem Holz
24:41boten einen Übergang.
24:43Wagemutig oder eher lebensmüde und dumm
24:46tasteten sich beide über die klaffenden Löcher im Boden.
24:49Unter ihnen die nächste Etage,
24:51zum Teil auch kaum mehr begehbar.
24:54Wir kamen gar nicht auf den Gedanken,
24:56dass wir ja einfach die Polizei
24:57oder die Feuerwehr hätten rufen können,
25:00sagt Luise auf Nachfrage.
25:02Allmählich sieht man ihr die Erschöpfung an,
25:05die Anstrengung,
25:06die dieses Gespräch ihr abverlangt.
25:08Ihre Stimme wird brüchig
25:10und sie muss immer häufiger eine Pause einlegen.
25:13Ihr Kaffee ist inzwischen kalt,
25:15dennoch nimmt sie wieder einen Schluck.
25:17Also, weißt du, der Fahrstuhl war leer,
25:20sagt sie schließlich und lächelt dabei müde.
25:23Dann lacht sie, laut, sodass ihr die Tränen kommen.
25:27Während sie sie wegwischt,
25:28atmet sie tief durch und fährt fort.
25:31Wir kamen da an
25:32und der Fahrstuhl war offen und leer.
25:34Die Panik, die wir auf dem Weg hatten,
25:37war also völlig umsonst gewesen.
25:39Die eine Panik hinter sich gelassen,
25:41setzte an dieser Stelle aber nun eine neue ein.
25:44Sie befanden sich in einem Gang mit einigen Zimmern.
25:48Sämtliche Türen waren offen.
25:50Sie gingen nach außen auf
25:51und blockierten ihnen die Sicht.
25:54Aus einem der ehemaligen Bettenzimmer
25:56waren leise Schritte zu hören.
25:59Sie sind auch auf den Aufnahmen,
26:01ebenso die Kinderstimme,
26:02die leise zu singen begann.
26:04Es war ein Kinderlied,
26:06das wir beide aus unserer Kindheit kannten.
26:08Der Mond ist aufgegangen,
26:10erinnert sich Luise
26:11und streicht sich mit der Hand über den Unterarm.
26:14Meine Mutter hat mir das immer vorgesungen
26:16und ich habe es meinen Nichten und Neffen vorgesungen.
26:20Das Stimmchen auf der Aufnahme ist dünn und heiser,
26:24gelegentlich durchbrochen von einem herzzerreißenden Husten.
26:27Vorsichtig ziehen Kai und Luise weiter,
26:30hin zu dem Zimmer, aus dem sie die Stimme hören.
26:33Anders als in Filmen dargestellt,
26:35fängt die Aufnahme nicht an zu rauschen.
26:37Als Warnung, dass nun etwas Unheimliches geschehen würde.
26:42Wäre mir allerdings lieber gewesen.
26:44Vielleicht, so sagt sie heute,
26:46wäre die junge Frau dann eher gewillt gewesen zu gehen.
26:50Sich einfach umzudrehen
26:51und das Krankenhaus zu verlassen.
26:54Nun kann man auf dem Video sehen,
26:56wie sie die Kamera vor sich hält
26:57und langsam an der Tür vorbeigeht.
27:00Das Bild wackelt dabei.
27:02Ich habe am ganzen Körper gezittert
27:05und das nicht vor Kälte.
27:07Ihr Begleiter blieb dicht hinter ihr
27:09und leuchtete in das Zimmer.
27:11Was die Kamera dann einfängt,
27:13lässt selbst mich den Atem anhalten.
27:16Auf dem verbeulten Gestell eines Krankenhausbettes
27:19sitzt ein kleines Mädchen.
27:21Das lange blonde Haar glänzt
27:23im hereinfallenden Licht des Mondes
27:25und sie sinkt.
27:27Geistererscheinungen als Ergebnis
27:29einer Halluzination?
27:32Geistererscheinungen beschäftigen die Menschen
27:33schon seit vielen Jahrzehnten.
27:36Der Mensch sucht immer Erklärungen
27:38für Dinge, die passieren
27:39und wenn das Wissen und die Logik erschöpft sind,
27:42können Geister oder göttliche Mächte
27:44eine akzeptable Lösung
27:46für das Gehirn darstellen.
27:47Viele dieser Erscheinungen
27:49lassen sich auf naturwissenschaftliche Ursachen
27:51zurückführen.
27:52Andere wiederum rühren von psychischen Erkrankungen
27:56oder anderen medizinischen Leiden her.
27:59Forscher unterscheiden verschiedene Formen
28:01von Geistern.
28:02Stille Geister und sprechende Geister.
28:06Anhand der jeweiligen Form
28:08könne man erste Schlussfolgerungen
28:09über die Ursachen anstellen,
28:11heißt es aus Fachkreisen.
28:13Doch sowohl Kai wie auch Luise
28:15waren sich sicher,
28:16dass weder eine körperliche
28:17noch eine geistige Erkrankung vorlag.
28:20Eine weitere Möglichkeit
28:22stellte Einflüsse der Umwelt dar.
28:24In Lost Places konnten sich
28:26über Jahre hinweg
28:27Stoffe in der Luft abgelagert haben,
28:29die Halluzinationen auslösen können.
28:32Wurde in einigen Gebäuden
28:34beispielsweise Asbest verbaut
28:35oder gab es in dem Krankenhaus
28:37früher womöglich viele Gerätschaften
28:39mit Blei oder Quecksilber?
28:41Auch bestand die Chance,
28:43dass dort inzwischen Pflanzen gewachsen waren,
28:45deren Sporen zu der Halluzination führten.
28:48Die Angst und die Geschichte des Gebäudes
28:50hätten dann ihr Übriges getan.
28:53Doch warum war dieses Mädchen
28:54dann auf dem Video zu sehen?
28:56Das haben wir uns auch immer wieder gefragt,
28:59aber das ist bisher noch das harmloseste,
29:01erklärt Luise und pausiert das Video.
29:04Sie hält es nicht mehr aus,
29:06will die Bilder nicht weiterlaufen lassen,
29:08nicht jetzt zumindest.
29:10Auch kann sie nicht mehr sitzen.
29:12Verständlich,
29:13immerhin reden wir nun seit etwa zwei Stunden
29:15über die Nacht im Krankenhaus.
29:17Also steht sie auf
29:19und beginnt abzuwaschen.
29:20Dabei erzählt sie weiter,
29:23wie sie einen Moment
29:24in der Tür stehen bleiben
29:25und das Mädchen beobachten.
29:27Es leuchtet nicht,
29:28ist nicht durchsichtig.
29:30Nichts, was in Filmen oder Büchern
29:32über Geister gesagt wird,
29:34trifft auf dieses zierliche Geschöpf zu.
29:36Und dennoch sind sich beide sicher,
29:38dass das Kind nicht am Leben sein kann.
29:41Nach einer Weile drehte es sich zu ihnen um,
29:43so dass sie sein entstelltes Gesicht sehen konnten.
29:46Ihr sei so schrecklich langweilig.
29:49Luise hält inne,
29:51wischt sich mit der nassen Hand
29:52ein paar Tränen von der Wange.
29:54Sie sei immer schon sehr kinderlieb gewesen
29:57und der Anblick dieses entstellten Gesichts
29:59habe ihr beinahe das Herz zerrissen.
30:02Es war wohl deutlich zu erkennen gewesen,
30:05dass die Frakturen und herausgelösten Hautschichten
30:07mit Gewalt zugefügt worden waren.
30:10Die Grafikerin erzählt,
30:12dass das Mädchen sein Lied noch beendete,
30:14ehe es sich dann,
30:15immer wieder unterbrochen von seinem Husten,
30:17direkt an sie wandte.
30:19Die Kleine sprach uns direkt an,
30:21ob wir mit ihr spielen möchten,
30:23ihr sei immer so langweilig.
30:25Dies war der Moment,
30:27in dem wieder Leben in die beiden Freunde kam
30:29und wohl auch in das Haus.
30:31Im Gang hinter ihnen knallten Türen
30:34und weitere singende Stimmen waren zu hören.
30:37Mit bebender Stimme berichtet Luise davon,
30:40wie sie nun versuchten,
30:41schnellstmöglich wieder zu der Treppe zu gelangen.
30:44Ein schwieriges Unterfangen,
30:46da der Balken sich unter unserem Gewicht extrem bog
30:49und wir nicht wagten,
30:50nach vorne oder hinter uns zu blicken.
30:53Der Gesang wurde laut ihrem Bericht
30:55durch das Weinen und Schreien von Säuglingen verstärkt.
30:58Alles davon wird von den Videoaufnahmen belegt.
31:02Auch wie sie schließlich die Treppe erreichten,
31:05einige Stufen nahmen
31:06und ihnen dann der Weg
31:07von einem kleinen Jungen versperrt wurde.
31:09Er trug altmodische Kleidung,
31:12Lumpen, wie Luise es mit einer gewissen Traurigkeit nennt.
31:16Trotz ihrer Angst hatte sie auch Mitleid mit diesem Wesen,
31:19schien es doch aus ärmlichen Verhältnissen zu stammen
31:21und kein Glück im Leben gekannt zu haben.
31:24Nun stand das Geisterwesen vor ihnen
31:26und hielt einen Ball vor der Brust.
31:29Wir sollten mit ihnen spielen,
31:31seufzt Luise.
31:32Einfach nur spielen,
31:34sonst würden sie den Doktor wecken.
31:36Den Doktor zu wecken,
31:38hörte sich für Luise und Kai nach etwas an,
31:41worauf sie verzichten wollten.
31:43Trotzdem drehten sie sich um,
31:45in der Hoffnung,
31:46einen anderen Weg nach draußen zu finden.
31:48Doch der Weg in den Gang war inzwischen versperrt.
31:51Etwa zwölf Kinder,
31:53Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters,
31:55standen an der Treppe
31:56und sahen erwartungsvoll zu ihnen hinunter.
31:59Uns blieb gar nichts anderes übrig,
32:02wiederholt Luise immer wieder.
32:03Wir mussten mit ihnen spielen,
32:05wenn wir auch nur eine Chance haben wollten,
32:07wieder lebend nach Hause zu kommen.
32:10Verstecken und suchen
32:12In Extremsituationen
32:14kann das Gehirn Leistungen erbringen,
32:16die man sonst nicht für möglich gehalten hätte.
32:18Für Luise war dies die Reaktion ihres Begleiters,
32:22die sie bis heute, wie sie sagt, beeindruckt.
32:25Mit einem Mal schien er die Ruhe selbst zu sein
32:27und er verkündete,
32:29dass wir natürlich mit ihnen spielen würden,
32:32aber nur,
32:32wenn wir das Spiel aussuchen dürften.
32:35Sie stand neben ihm,
32:37fühlte sich wie gelähmt,
32:38konnte nichts sagen
32:39und wusste nicht,
32:40wie ihnen sein Vorschlag helfen sollte.
32:42Die Kinder jedenfalls schienen sich zu freuen,
32:45auch wenn man dies nicht
32:47in allen Gesichtern deuten konnte.
32:49Erst als Kai Verstecken und Suchen vorschlug
32:51und den Kindern auftrug,
32:53dass sie uns zuerst suchen sollten.
32:55Bis 150 sollten sie zählen,
32:58ganz langsam,
32:59damit wir genügend Zeit hätten,
33:01um uns zu verstecken.
33:02Es war ein gemeiner Trick,
33:04aber ich war ihm dankbar dafür.
33:06Zu ihrer beider Überraschung
33:08gingen die Kinder darauf ein
33:09und schlossen die Augen.
33:11Alle außer den Jüngsten,
33:12die das Spiel wohl eh nicht verstanden hätten.
33:15Kai und Luise nutzten laut ihrer Aussage
33:18die Gelegenheit
33:19und liefen nach unten.
33:20Sie achteten nicht auf Hindernisse
33:22oder darauf,
33:23nah an der Wand zu laufen,
33:25um nicht in die Tiefe zu stürzen.
33:27Unten angekommen,
33:29konnten sie das Zählen der Kinder
33:30kaum noch hören,
33:31geschweige denn verstehen.
33:33Doch sie hielten sich auch nicht
33:34mit Lauschen auf,
33:35sondern suchten nach einem Ausgang.
33:38Der Zugang,
33:39durch den sie hineingekommen waren,
33:41war zu weit weg.
33:42Aber wir waren uns verdammt sicher,
33:44dass rechts von der Treppe
33:45irgendwo noch ein weiterer Ausgang
33:47sein musste.
33:48Aber Kai wollte sich gar nicht weiter
33:50mit Türen aufhalten
33:51und zog mich zu einem Fenster.
33:53Die Scheiben waren schon vor langer Zeit
33:55herausgeschlagen worden.
33:56Der junge Mann half Luise nach draußen,
33:59ehe er dann selbst hinauskletterte.
34:01Eilig folgten sie dem Trampelpfad
34:04Richtung Straße.
34:05Dann war alles vorbei.
34:06Der Zaun am Stromkasten war verbogen.
34:09Sie mussten sich nicht einmal anstrengen,
34:11um das Gelände zu verlassen.
34:13Einige Meter weiter stand ein älterer Herr,
34:16der mit seinem Hund spazieren ging.
34:18Der schaute uns so missbilligend an,
34:20dass wir glaubten,
34:21er würde die Polizei verständigen.
34:23Wir konnten nicht anders,
34:25aber wir mussten einfach lachen.
34:27Ihr Abend endete damit,
34:28dass sie zur Straßenbahn gingen
34:30und sich hinsetzten.
34:31Die kalte, frische Luft
34:33ließ sie ruhiger werden
34:34und schon daran glauben,
34:36sich alles nur eingebildet zu haben.
34:38Erst ein paar Tage später
34:40sahen wir uns die Aufzeichnungen an
34:42und entdeckten noch etwas,
34:43was uns an der Straßenbahn
34:44gar nicht aufgefallen war.
34:46Die zusätzliche Szene
34:48zeigt eines der Gebäude
34:49auf dem Grundstück.
34:50Eines von denen,
34:52die bei Bränden völlig zerstört wurden.
34:54Auf dem Dachstuhl steht
34:55ein kleines Mädchen mit einer Laterne
34:57und scheint direkt zu ihnen herüberzusehen.
35:01Gefunden
35:02Mehrere Tage
35:03saßen die Erlebnisse der Nacht
35:05in ihren Knochen,
35:06bis sie in Vergessenheit gerieten,
35:08erklärt Luise.
35:10Inzwischen wird es draußen dunkel
35:12und sie schaltet das Licht
35:13in der Küche ein.
35:14Der Abwasch ist erledigt
35:16und eine weitere Kanne Kaffee
35:17aufgesetzt.
35:18Wir wollen das Gespräch
35:20heute noch beenden,
35:21auch weil Luise immer wieder betont,
35:23dass sie nicht wisse,
35:24wie viel Zeit sie noch habe.
35:25Zudem hat mich die Neugier gepackt.
35:28Ihr Alltag wurde schwieriger
35:30zu meistern.
35:31Überall meinte Luise,
35:32Kinderstimmen zu hören.
35:34Zwischen realen Kindern
35:35auf der Straße
35:36glaubt sie,
35:37die entstellten Gesichter
35:38der Kinder
35:38aus dem Krankenhaus
35:39zu sehen.
35:40Das ging so weit,
35:42dass ich nachts
35:43weinende Babys hörte,
35:44aber die Kinder im Haus
35:45sind alle schon ein wenig älter
35:47oder noch nicht geboren.
35:49Schließlich der Anruf
35:50von Kais Freund.
35:51Man habe seinen Leichnam gefunden,
35:53auf dem Dachboden
35:55des Kinderkrankenhauses.
35:56Ein paar Jugendliche
35:58waren als Mutprobe
35:59tagsüber auf das Gelände gegangen
36:01und so weit nach oben gegangen,
36:02wie sie konnten.
36:04Ihnen soll ein Geruch
36:05entgegengekommen sein,
36:07der ihren Magen
36:08in die Knie zwang.
36:09Zumindest steht es auch so
36:11in den Zeitungsberichten,
36:12die mir Luise zeigt.
36:14Und auch ich erinnere mich
36:16an den Fall,
36:17da wir ebenfalls
36:17darüber berichtet haben.
36:19Damals war ein Kollege
36:20von mir damit
36:21beauftragt gewesen
36:22und auch er hatte
36:23hier in dieser Küche gesessen
36:25und Luise Fragen gestellt.
36:27Er hielt mich für verrückt,
36:29sagt Luise
36:29und setzt sich an den Tisch.
36:31Aber ich bin ihm
36:32nicht böse deswegen,
36:34ich halte mich ja selbst
36:35auch für wahnsinnig.
36:36Nach dem Leichenfund
36:38ging es für Luise
36:38weiter stets bergab.
36:40Sie war sich sicher
36:41und ist es auch heute noch,
36:43dass die Kinder
36:43aus dem Krankenhaus
36:44sie verfolgten.
36:45Also verließ sie
36:47das Haus nicht mehr.
36:48Der Abfall stapelte sich,
36:50wohl bis heute Morgen
36:50noch, in der Küche.
36:52Ihrer Meinung nach
36:53wollen die Kinder
36:54das Spiel zu Ende spielen.
36:56Kais Augen waren verbunden,
36:58als hätte er nun zählen sollen.
37:00Da sie nicht mehr
37:01zur Arbeit ging,
37:02verlor Luise ihren Job.
37:03Durch die täglichen
37:05Streitigkeiten
37:05mit ihrem Freund
37:06zerbrach ihre Beziehung.
37:08Die Miete zahlt sie
37:09nur noch von ihrem Ersparten.
37:11Aber wer weiß,
37:12wie lange das noch reicht.
37:13Was sie sich wünscht?
37:16Eigentlich will ich nur
37:17mein normales Leben
37:18zurückhaben.
37:19Vielleicht hätte ich
37:20mit Jonas
37:21und seinen Freunden
37:22wegfahren sollen.
37:23Dann würde Kai
37:23vielleicht auch noch leben.
37:26Eins, zwei, drei.
37:28Alles muss versteckt sein.
37:30Ob dem so wäre,
37:31ist fraglich.
37:32Kai war laut Polizeibericht
37:34schon länger
37:35in psychiatrischer Behandlung.
37:36Ob Luise davon wusste?
37:38Nein,
37:39das hat er mir nicht erzählt,
37:41aber ich glaube dennoch nicht,
37:42dass das eine Rolle spielt.
37:44Für die Gerichtsmediziner
37:45war die Sache schnell klar.
37:47Selbstmord.
37:48Die Ermittler
37:49trugen dies in ihren Bericht ein.
37:51Kein Wort von Geistern.
37:53Die Rede ist nur
37:54von einem wachsenden
37:55Verfolgungswahn.
37:56Noch eine Stunde
37:57sitzen wir gemeinsam
37:58in der Küche.
37:59Luise zeigt mir Bilder,
38:01die sie in den letzten Wochen
38:02gemacht hat
38:03und tatsächlich
38:04sind dort verschwommen,
38:05Kinder zu erkennen.
38:07Schämen,
38:07welche in Seitengassen
38:08auf sie zu warten scheinen.
38:10Meistens in der Bewegung
38:11aufgenommen.
38:12Nur ein einziges
38:14ist klar erkennbar.
38:15Aufgenommen auf der Straße
38:17vor dem Haus
38:17zeigt es einen Jungen
38:19mit einem Ball in der Hand
38:20und ein Mädchen
38:21mit einer Laterne.
38:22Sie deuten scheinbar
38:24zu der Grafikerin,
38:25während sie das Bild macht.
38:27Schließlich verabschiede ich mich
38:29und Luise sichert mir zu,
38:30mir alle Aufnahmen
38:31und Bilder zukommen zu lassen.
38:33Noch während ich
38:35in der U-Bahn
38:35Richtung Alexanderplatz sitze,
38:37bekomme ich eine E-Mail von ihr.
38:39Sie bedankt sich dafür,
38:41dass ich ihr zugehört habe
38:42und versichert,
38:43dass sie nicht erwartet,
38:44dass ich die Geschichte
38:45veröffentliche
38:46oder auch nur glaube.
38:47Ich selbst bin derweil
38:49noch immer unschlüssig.
38:50Zu viele Fragen
38:51sind offen geblieben,
38:52doch ich soll keine
38:53Gelegenheit mehr bekommen,
38:55ein weiteres Mal
38:56mit Luise zu sprechen.
38:57Bereits am nächsten Nachmittag
38:59betrat die Polizei
39:00unsere Redaktion.
39:02Luise war tot
39:03in ihrer Wohnung
39:03aufgefunden worden,
39:05mit einem Zettel
39:06in ihrer Hand.
39:07Darauf stand lediglich
39:08eine Zahl.
39:10150.
39:12Claudia Eckhardt,
39:1328. September,
39:1517.43.
39:17An mich.
39:18Lieber Frederik,
39:20ich weiß,
39:20wie sehr du es hast,
39:21in deinem Urlaub
39:22E-Mails zu beantworten
39:23und nun belästige ich dich
39:25bereits zum zweiten Mal.
39:27Tja,
39:27ich weiß nicht einmal,
39:28ob du meine Reportage
39:30bereits gelesen hast,
39:31geschweige denn,
39:32was du darüber denkst.
39:33Ach,
39:34ich bin mir ja nicht mal sicher,
39:35ob ich es selbst glaube.
39:37Vermutlich ist das
39:38alles völliger Humbug
39:39und ich wurde gekonnt
39:40an der Nase herumgeführt.
39:42Aber hier sind
39:43in den letzten Tagen
39:44echt seltsame Dinge
39:45geschehen,
39:46die mich an dieser These
39:47zunehmend zweifeln lassen.
39:50Zuallererst konnte ich es
39:51mir nicht nehmen lassen,
39:52mal ein bisschen tiefer
39:53zu forschen,
39:54was dieses Krankenhaus
39:55anbelangt.
39:56Du kennst mich,
39:57wenn ich mich einmal
39:58festbeiße,
39:59dann lasse ich nicht mehr los.
40:01Und tatsächlich bin ich
40:02auf eine Art Archiv gestoßen,
40:04in dem dieser Doktor
40:05erwähnt wird.
40:06Es gehört einer
40:08ehemaligen Angestellten,
40:09die alles mitgenommen hat,
40:11als das Krankenhaus
40:11geschlossen wurde.
40:13Offenbar gab es auch
40:14eine Art Universität
40:15auf dem Gelände.
40:16Dort sollten eigentlich
40:18nur Schwestern
40:18ausgebildet werden,
40:20aber du kennst ja
40:21diese geldgierigen Männer.
40:22Offenbar hat dieser
40:23Dr. Eschenberg
40:24ein Angebot erhalten,
40:26in dem Waisenkinder
40:27seinem Krankenhaus
40:28zur Verfügung gestellt wurden.
40:29Er hat sie mit
40:30Keuchhusten und
40:31Diphterie infiziert
40:32und Impfstoffe
40:34an ihnen ausprobiert,
40:35die damals gerade erst
40:36in der Entwicklung waren.
40:38Einige der Kinder
40:39reagierten wohl mit
40:40so heftigen
40:41allergischen Reaktionen,
40:42dass sich in ihren
40:43Gesichtern und an Armen
40:44und Beinen
40:45Geschwüre bildeten,
40:46die zu den
40:46Entstellungen führten,
40:48von denen Luise
40:49mir erzählt hat.
40:50Einigen Protokollen
40:51und Briefen zufolge
40:53war der Doktor
40:53echt grausam.
40:54Er hat die Kinder
40:55zum Teil tagelang
40:56hungern lassen
40:57oder sie von der
40:58Außenwelt isoliert.
41:00Schläge waren normal
41:01und trotzdem berichten
41:02Schwestern in ihren
41:03Briefen davon,
41:04dass die Kinder
41:05ihn geliebt haben.
41:06Sie nannten ihn
41:07zum Teil sogar
41:08Vater.
41:09Ich will mich heute
41:10selbst in dem
41:11Krankenhaus umsehen.
41:12Wenn die Geschichte
41:13wahr ist,
41:14dann ist das vermutlich
41:15eine verdammt dumme Idee,
41:16aber es lässt mir
41:17einfach keine Ruhe.
41:19Außerdem brauche ich
41:20Bilder,
41:20die besser sind als die,
41:22die Luise mir noch
41:23geschickt hat.
41:24Mach dir noch
41:25einen schönen
41:25Resturlaub.
41:26Wir sehen uns am Dienstag.
41:27Liebe Grüße,
41:29Claudia.
41:30Claudia Eckert,
41:3128. September,
41:3323.07.
41:35An mich.
41:36Frederik,
41:37tja, an der Story
41:38ist wohl doch mehr
41:38dran als erwartet.
41:40Ich bin tatsächlich
41:41in dem Krankenhaus
41:42und hier ist gerade
41:43ein Ball
41:43die Treppe hinuntergerollt.
41:45Von oben höre ich
41:46Kinderstimmen.
41:48Ich habe Angst
41:49und trotzdem bin ich
41:49so dumm und gehe nicht.
41:51Vermutlich spielt mir
41:52die Furcht
41:53einen bösen Streich.
41:55Sehr geehrte Leser
41:56und Leserinnen,
41:58mein Name ist
41:59Frederik Clist
42:00und ich bin der
42:01Chefredakteur
42:01dieser kleinen Zeitung.
42:03Viele von Ihnen
42:04kennen unsere
42:05werte Kollegin
42:06Claudia Eckert
42:07als eine gewissenhafte
42:08Journalistin.
42:09So auch ich.
42:10Umso entsetzter war ich,
42:12als ich vor einigen Tagen
42:14mein E-Mail-Postfach
42:15überprüfte
42:15und diese Nachrichten fand.
42:18Normalerweise steht
42:19das Briefgeheimnis
42:20bei uns über allem.
42:22Doch dieses Mal
42:23wollte ich Ihnen
42:24den Schriftkontakt
42:25nicht vorenthalten.
42:26Grund hierfür ist,
42:28dass dies
42:28der letzte Artikel
42:29von Claudia ist.
42:31Unsere geschätzte
42:32Kollegin wurde gestern
42:33tot aus dem
42:34ehemaligen Säuglings-
42:35und Kinderkrankenhaus
42:36Weißensee geborgen.
42:38Neben ihr lag
42:39ein alter Lederball.
42:41Wir können nicht
42:42nachvollziehen,
42:43was genau passiert ist.
42:44Die Ermittler sagen,
42:45es war Selbstmord.
42:47Doch wir wollen Ihnen
42:48unsere Trauer
42:49nicht verbergen.
42:50Wir in der Redaktion
42:51sind eine kleine,
42:53eingefleischte Familie.
42:54Der Verlust
42:55eines Familienmitgliedes
42:56ist schmerzlich.
42:58Vor allem,
42:59wenn dieser Verlust
42:59so unverständlich ist.
43:01Claudia Eckert
43:03war eine fleißige Frau.
43:04Sie hat ihren Bachelor
43:05in Journalistik
43:06mit 1.0 absolviert
43:08und anstatt sich
43:09bei einer der großen
43:10Zeitungen zu bewerben,
43:11kam sie zu uns.
43:13Wir haben sie hier
43:14als ein Naturtalent
43:15kennenlernen dürfen,
43:16welches noch
43:17dem uninteressantesten Thema
43:18etwas Spannendes
43:19abgewinnen konnte.
43:21Sie fand Geschichten,
43:22die anderen verborgen blieben
43:24und lieferte
43:25in einer immer
43:25besser werdenden Qualität.
43:27Zurück lässt sie
43:28ihren Mann
43:29und zwei Kinder.
43:30Mögen sie die Trauer
43:31überstehen.
43:33Was ihre Reportage angeht,
43:35keine Ahnung,
43:36wie viel davon stimmt.
43:37Einige der Fakten
43:39konnten wir tatsächlich
43:40während der Kontrollrecherche
43:41bestätigen.
43:42Die Videos und Fotos
43:44sind noch im Labor,
43:45doch der bisherige Stand
43:47lässt vermuten,
43:47dass sie echt sind.
43:49Aber ehe die Untersuchungen
43:51nicht abgeschlossen sind,
43:52möchte ich mir
43:53hierüber kein Urteil erlauben.
43:55Inzwischen ist es
43:56der Berliner
43:57Immobilienmanagement
43:58GmbH,
43:59kurz BIM,
44:00gelungen,
44:00die Übertragung
44:01des Grundstückes
44:02durchzusetzen.
44:04Zwar fehlen
44:04noch einige Unterschriften,
44:06doch es werden immerhin
44:07nun genaue Pläne
44:08angefertigt,
44:09wie das Grundstück
44:10in Zukunft
44:11zu sichern ist.
44:12Aufgrund der Gefahr
44:13für Leib und Leben
44:14ist auch die Geschäftsführerin
44:16der BIM
44:17der Auffassung,
44:18dass ein Betreten
44:19von Unbefugten
44:20in Zukunft
44:21unter allen Umständen
44:22verhindert werden müsse.
44:23Nun ist es für Claudia
44:25zu spät.
44:26Doch es ist ein Anfang.
44:29Hochachtungsvoll,
44:30Ihr Frederik Klist
44:31das ist fyrit.
44:33Ich bin sehr
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