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00:00:07Musik
00:00:32Bis zum Gründonnerstag 1960 betreibt in der Münchner Lindwurmstraße der Arzt Dr. Otto Braun eine wenig einträgliche Kassenpraxis.
00:00:42Keiner seiner Patienten hätte je vermutet, dass der bescheidene arme Leutearzt in Wirklichkeit ein schwerreicher Mann war und ein gefährliches
00:00:49Doppelleben führte.
00:00:51Nicht einmal sein ebenfalls als arzttätiger Sohn Günther Braun wusste bis dahin, dass Otto Braun seit Jahren im riskanten internationalen
00:00:59Waffengeschäft eine undurchsichtige Rolle spielte und damit sein Millionenvermögen gemacht hatte.
00:01:05Nur eine nicht minder um Unauffälligkeit bemühte Regierungsbehörde hatte Braun ständig im Auge behalten und besonders in den letzten Wochen
00:01:13seine Telefonanschlüsse abgehört.
00:01:15Auf diese Weise erfahren die Pullacher Geheimdienstler am Gründonnerstagnachmittag, dass Brauns Waffenabnehmer, der einstige Gehlen-Agent, Hans-Joachim Brandes unter
00:01:25falschem Namen nach München gekommen ist.
00:01:27Eine ungemein wichtige Überraschung für den Spionageapparat des General Gehlen.
00:01:33Brandes will Braun veranlassen nach Tunis umzusiedeln und von dort seine Waffengeschäfte weiter zu betreiben.
00:01:39Die unauffällige Abreise soll Mittwoch nach Ostern über einen unkontrollierten Schweizer Grenzübergang erfolgen.
00:01:46Dazu kommt es nicht mehr.
00:01:49Brandes, auf den kurz vorher ein gescheiterter Mordanschlag verübt worden war, findet Braun in der Villa am Starnberger See tot
00:01:55auf.
00:01:56Der Arzt liegt erschossen in der Diele, neben ihm unter der rechten Hand die Pistole, die er ständig bei sich
00:02:02trug.
00:02:03Im Hauskeller liegt ebenfalls erschossen die Leiche der Haushälterin und langjährigen Lebensgefährtin Brauns.
00:02:09Über die Gefährlichkeit dieser Entdeckung ist sich Brandes sofort im Klaren.
00:02:14Er will das Haus wieder verlassen, ohne die Polizei zu alarmieren.
00:02:18Das Geräusch eines nicht abgestellten Tonbandgerätes hält ihn davon ab.
00:02:22Der schon lange um sein Leben bangende Arzt hatte im Wohnzimmer eine getarnte Abhöranlage installiert.
00:02:29Auf dem Band ist der Besuch zweier Offiziere des Bundesverteidigungsministeriums aufgezeichnet.
00:02:34Ein Oberst Repenning und ein Oberstleutnant Schröder müssen kurz vor Brauns Tod in der Villa gewesen sein.
00:02:41Brandes nimmt das Band an sich und setzt sich noch in der Nacht mit dem Hausanwalt Brauns, Dr. Sedlmayr, in
00:02:47Verbindung.
00:02:47Er beauftragt ihn von einer Privatdetektei untersuchen zu lassen, ob die letzten Besucher des Arztes auch seine Mörder sein können.
00:02:56Noch in dieser Nacht gelingt es Brandes ins Ausland zu entkommen.
00:02:59Die Polizei wird vom Tod Brauns erst von der Sprechstundenhilfe des Arztes ins Bild gesetzt.
00:03:06In die Tatortuntersuchung schalten sich überraschend Beamte des Bundesnachrichtendienstes unter Leitung des Regierungsinspektors Hohmann lenkend ein.
00:03:15Das Ergebnis der Untersuchung lautet daraufhin erweiterter Selbstmord des Arztes.
00:03:20Dr. Braun Junior, vermeintlicher Alleinerbe des Millionenvermögens, ist mit dieser diskreten Umschreibung der peinlichen Familientragödie zunächst einverstanden.
00:03:30Erst als er bei der Testamentseröffnung erfährt, dass ein wesentlicher Teil des hinterlassenen Vermögens, das Willengrundstück an der Costa Brava,
00:03:37nicht ihm, sondern der letzten Geliebten seines Vaters, Vera Brüne, vermacht worden ist, geht er gegen die unsinnige Selbstmordkonstruktion der
00:03:46Polizei an.
00:03:47Eigentlich nur, um die drohende Testamentsvollstreckung aufzuhalten, erstattet er bei der Münchner Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen Mordes gegen Unbekannt.
00:03:57Der größte Justizskandal der Bundesrepublik ist in Gang gesetzt.
00:04:02Der bayerische Generalstaatsanwalt betraut persönlich den ehrgeizigen Staatsanwalt Rüth mit den heiklen Ermittlungen.
00:04:09Da geschieht ein weiterer Mord.
00:04:12Nach dem Besuch eines abgelegenen Waldcafés wird der Privatdetektiv Brunnecke aus einer vorbeirasenden Mercedes-Limousine heraus erschossen.
00:04:23Brunnecke hatte im Auftrag des Rechtsanwaltes Sedlmayr nach den Mördern Dr. Prauns gefahndet und den einzigen Zeugen des Verbrechens, den
00:04:31Waldcafébesitzer Roger Hentges, ausfindig gemacht.
00:04:35Hentges, Agent des Bundesnachrichtendienstes und mittels Mann des Waffenhändlerringes um Dr. Praun, hat in der Tatnacht die vermuteten Mörder zur
00:04:43Villa des Arztes am Starnberger See gefahren.
00:04:47Nach der Mordung Brunneckers fürchtet Hentges ebenfalls um sein Leben.
00:04:51Spätabends sucht der Rechtsanwalt Sedlmayr auf und fordert von ihm Unterstützung bei der Flucht ins Ausland.
00:04:59Am nächsten Morgen fliegt der Anwalt nach Brüssel und trifft sich im Hotel Bellevue mit dem Waffenaufkäufer Brandes.
00:05:06Beide wissen nicht, dass der Bundesnachrichtendienst aus einem abgehörten Telefongespräch von diesem Treffen in Brüssel Kenntnis bekommen hat.
00:05:15Pardon, Monsieur Brandes.
00:05:18Der Wagen, mit dem Sie gekommen sind, ist doch der Mercedes mit der tunesischen Nummer.
00:05:22Ja, was ist damit?
00:05:23Er ist falsch geparkt, leider.
00:05:24Hm.
00:05:26Was kostet das in Belgien?
00:05:28Menon, Monsieur.
00:05:29Der Wagen muss etwas weiter gefahren werden.
00:05:31Ein paar Meter nur.
00:05:32Ja, er steht auf dem Einstieg zur Kanalisation.
00:05:34Die Arbeiter der Straßenreinigung müssen da rein.
00:05:37Sie brauchen den Wagen nur ein Stück wegzufahren.
00:05:38Ich comprende, natürlich.
00:05:40Pardon, Monsieur.
00:05:41Danke, danke.
00:05:42Sie haben Alkohol getrunken.
00:05:44Sie dürfen nicht fahren.
00:05:45Das ist in Belgien strikt verboten.
00:05:47Hören Sie mal die paar Meter.
00:05:49Lassen Sie es mich lieber machen.
00:05:51Dann haben wir beide keinen Ärger.
00:05:53Na schön.
00:05:55Setzen wir uns erst mal wieder.
00:05:58Okay.
00:06:02Hallo.
00:06:04Merci.
00:06:19Ich sage Ihnen, wo Sie einen Pass und alle anderen Papiere für ihn bekommen können.
00:06:24Wo es in der Bundesrepublik falsche Papiere zu kaufen gibt, ist den Stellen, die hinter
00:06:28der Handgesee sind genauso bekannt.
00:06:29Wie es in der Handgesee sind genauso bekannt.
00:06:57Otto, was ist denn?
00:06:59Wo willst du denn so spät noch hin?
00:07:00Gut, dass du noch auf bist, Elfie.
00:07:02Ruf gleich mal Dr. Sedlmayr an.
00:07:05Oberst Redpenning und Oberstleutern Schröder nehmen mich mit.
00:07:08Sag Sedlmayr bitte sofort Bescheid.
00:07:12Oh Gott.
00:07:13Otto.
00:07:14Gehen Sie nach oben.
00:07:15Los, gehen Sie schon.
00:07:20Ersetzlich.
00:07:23Aber wie kommt denn das auf Tonband?
00:07:25Ich sagte doch, wie Misstrauesspräu in den letzten Monaten war.
00:07:28In seiner Musiktruhe hatte er eine Abhöranlage installiert.
00:07:31Die Mikros waren über das ganze Haus verteilt.
00:07:34Ja, aber warum mussten Sie ihn denn ermorden?
00:07:37Tja.
00:07:40Oberstleutnant Schröder hatte Braun die Freigabebescheinigung des Rüstungsamtes besorgt.
00:07:45Und Redpenning verschaffte ihm von Strauß die so wichtigen Ausvorgenehmigungen.
00:07:50Ich war Brauns Hauptabnehmer.
00:07:53Und nun drohte das alles aufzufliegen.
00:07:55Denn am 8. April hatte der Außenausschuss des französischen Parlaments von der Bundesregierung gefordert,
00:08:01dass die Vorgänge untersucht und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.
00:08:04Es gab aber nur zwei Leute, die verraten konnten, dass Redpenning und Schröder dahinter steckten.
00:08:10Braun und ich.
00:08:15Feine Lage, in die Sie mich da gebracht haben.
00:08:17Das lässt sich ändern.
00:08:19Schaffen Sie mir Handcars her.
00:08:21Wie denn bloß, ohne nochmal Kopf und Kragen zu riskieren?
00:08:26Es gibt da einen abprobten Trick.
00:08:29Achtung, letzter Aufruf für Flug 754 nach London über Brüssel.
00:08:35Planmäßige Abflugzeit ist 10.05 Uhr.
00:08:37Die Passagiere werden gebetet, sich zur Abfertigung zu begeben.
00:08:41Your attention please, it is a final call for flight 754 leaving.
00:08:45Würden Sie bitte mal Ihre Brille abnehmen, Herr Herding?
00:08:50Halt!
00:08:51Stehenbleiben!
00:08:53Festhalten den Mann!
00:08:56Machen Sie weiter!
00:08:58Ja, ja, ist ja gut!
00:08:59Warum ist er nicht weiter?
00:09:01Ja.
00:09:03Ja, wir beeilen uns ja.
00:09:04Bitte sehr, mein Herr.
00:09:07Aber sicher, wir sind doch selbst daran interessiert, dass es möglichst schnell geht.
00:09:11Bitte sehr, mein Herr, selbstverständlich.
00:09:13Stehenbleiben!
00:09:14Wir haben den Pass.
00:09:16Pass?
00:09:16Studentenausweis können Sie haben.
00:09:20Nicht laufen lassen!
00:09:25Warum sind Sie denn so gerannt?
00:09:27Warum sind Sie denn so gerannt?
00:09:28Kann man doch, oder?
00:09:30Oder?
00:09:31Oder?
00:09:54Was ist es?
00:09:56Warum sind Sie denn so gerannt?
00:09:59Wer ist denn so gerannt?
00:10:09Musik
00:10:30Was soll denn das?
00:10:32Wir geben hier eine kleine Pressekonferenz.
00:10:34Das Tonband von der Ermordung Brauns wird mir vorspielen.
00:10:36Und Sie bestätigen dann, dass Repenning und Schröder nach Pöcke gefahren haben.
00:10:40Ich bin doch nicht lebensmüde. Kein Wort, sag ich.
00:10:53Kommen Sie mal da, wartet uns ein alter Bekannter aus Bullach.
00:10:56Wieso?
00:10:57Hauptmann von Kappel.
00:10:58Jetzt zweiter Botschaftsrat an der Deutschen Botschaft in Brüssel.
00:11:02Na und?
00:11:03Ich habe ihn hergebeten.
00:11:12Waren wir die Contenance, lieber Freund?
00:11:15Wozu sind Sie ermächtigt?
00:11:17Die angesprochenen Stellen weisen entschieden zurück,
00:11:19dass gegen Sie, Händges oder Rechtsanwalt Sedlmayr irgendwelche Maßnahmen eingeordnet waren.
00:11:24Geschenkt, geschenkt.
00:11:26Garantieren Sie für die Zukunft unsere persönliche Unversehrtheit.
00:11:29Solange Sie sich im Ausland aufhalten und sich jeglicher Verlautbarung gegenüber Presseleuten heute und in Zukunft enthalten und gegen die
00:11:37Übergabe des Tonbandes natürlich.
00:11:41Bitte?
00:11:43Und was gedenken Sie jetzt der Presse zu sagen?
00:11:46Ich? Gar nichts.
00:11:49Die Herren der Rüstungsindustrie führen heute das Modell einer neuen Schnellfeuerkanone vor.
00:11:54Sie können sich das gern mit ansehen.
00:11:58Das ist die Röntgenaufnahme des Kopfes von Dr. Braun.
00:12:02Die beiden Schusskanäle sind hier deutlich erkennbar.
00:12:06Nach den Untersuchungen der beiden Gerichtsmediziner, Professor Dr. Lavis und Dr. Berg, handelt es sich um sogenannte Schädeldurchschüsse.
00:12:13Hier, Schusskanal A, verläuft annähernd horizontal.
00:12:17Der Einschuss befand sich im Zentrum der rechten Schläfenbeinschuppe.
00:12:21Es war ein Nahschuss.
00:12:22Abgegeben aus einer Entfernung zwischen 10 und 15 Zentimetern.
00:12:26Festgestellt anhand der exhumierten Leiche Dr. Brauns entnommenen Haut- und Gewebeteile.
00:12:31Hören Sie doch endlich auf!
00:12:32Ich habe keine Nerven, mir das auch noch vorführen zu lassen.
00:12:35Das ist furchtbar.
00:12:36Stellen Sie mal ab.
00:12:38Machen Sie bitte Licht.
00:12:43Wir machen mal eine Pause.
00:12:46Entschuldigen Sie, Frau Brüner, aber Sie hatten sich doch ausdrücklich bereit erklärt,
00:12:49bei der Aufklärung des Tatvorganges behilflich zu sein.
00:12:52Soweit ich dazu in der Lage bin.
00:12:54Natürlich.
00:12:54Aber ich war nicht darauf gefasst, mir so etwas ansehen zu müssen.
00:12:58Dr. Braun stand mir nahe.
00:13:00Gut.
00:13:02Dann will ich das Ergebnis der Exhumierung Dr. Brauns so zusammenfassen.
00:13:06Dr. Braun wurde von zwei Schüssen getötet.
00:13:08Von denen jeder Einzelne tödlich war.
00:13:11Da ein Toter nicht ein zweites Mal schießen kann, ist damit widerlegt,
00:13:14dass eine Selbsttötung, ein erweiterter Selbstmord vorlag,
00:13:17wie ursprünglich angenommen wurde.
00:13:18Warum erzählen Sie mir das alles?
00:13:20Ist das hier ein Verhör oder werde ich schon wie eine Mörderin behandelt?
00:13:23Keineswegs, Frau Brüne.
00:13:25Aber sollten Sie dennoch das Gefühl haben,
00:13:28in Ihrer persönlichen Freiheit behindert zu werden,
00:13:30können Sie selbstverständlich jede Aussage,
00:13:32ja jedes Erscheinen zu einer weiteren Vernehmung
00:13:34ohne Angabe von Gründen verweigern.
00:13:37Das wäre mir auch das Liebste.
00:13:39Keine Zeitung kann ich mir aufschlagen,
00:13:41ohne meinen Namen oder mein Bild
00:13:42im Zusammenhang mit diesem Mord an Dr. Braun zu finden.
00:13:46Die Leute im Haus grüßen mich nicht mehr,
00:13:47das muss ich mir doch nicht bieten lassen.
00:13:49Tja, wir haben nun mal Pressefreiheit.
00:13:52Dann werde ich jede weitere Aussage verweigern.
00:13:55Gut, wie Sie wollen.
00:13:58Sie unterschreiben mir dann bitte nur noch ein kurzes Protokoll darüber.
00:14:02Kommen Sie bitte.
00:14:04Im Übrigen habe ich ein Alibi.
00:14:06Die ganzen Osterfeiertage war ich in Bonn.
00:14:08Meine Mutter lag im Krankenhaus.
00:14:10Ihr Zustand hatte sich verschlechtert.
00:14:11Ich bin Gründonnerstag schon nach Bonn gefahren.
00:14:13Na, dann sind Sie doch ohnehin aus der Sache heraus.
00:14:15Wann sind Sie denn Gründonnerstag in München abgefahren?
00:14:18Tja, wann?
00:14:19Ich hatte Otto noch in der Praxis angerufen
00:14:21und ihm gesagt, dass ich meine Mutter im Krankenhaus besuchen müsste.
00:14:25Nach 15 Uhr etwa.
00:14:27Das wird sich ja noch genau feststellen lassen.
00:14:29Sind Sie geflogen oder mit dem Zug gefahren?
00:14:31Ich bin mit dem Wagen gefahren.
00:14:33Sagten Sie nicht vorhin, Sie besäßen keinen?
00:14:35Es war Ottos alter VW.
00:14:36Ich sollte ihn verkaufen.
00:14:37Solche Sachen überließ er immer mir.
00:14:39Ich wollte das auf dieser Fahrt gleich mit erledigen.
00:14:41Wurden Sie dem denn nicht hier in München los?
00:14:43Ich hatte ihn einem alten Bekannten versprochen,
00:14:46in Köln, der einen preisgünstigen VW suchte.
00:14:48Wissen Sie auch noch seinen Namen?
00:14:50Johannes Fairbach.
00:14:52Niederwaldstraße 14 wohnte.
00:14:53In Köln.
00:14:58Detail, das ist er.
00:14:59Aber jetzt muss ich schon.
00:15:01Herr Fairbach?
00:15:02Ja, was gibt es denn?
00:15:04Wir hätten uns ganz gern mal mit Ihnen unterhalten.
00:15:08Polizei?
00:15:08Ja, warte, Johannes.
00:15:10Ja, ich hätte schon mal vor.
00:15:11Ich will nur noch mal hören, was hier noch ist.
00:15:14Ja, was wollen Sie denn?
00:15:15Sag mal, wo hast denn du deine neuen VW?
00:15:18Den habe ich zum Lackieren in der Werkstatt.
00:15:20Ah, zum Lackieren.
00:15:21Ich habe schon gemeint, Sie haben ihn dir gestohlen.
00:15:23Das ist doch sonst immer die üblichen Ausreden.
00:15:24Ich brauche doch keine Ausrede.
00:15:26Ich habe den Wagen ordnungsgemäß gekauft.
00:15:28Von wem denn?
00:15:29Von einer alten Bekannten.
00:15:30Von einer alten Bekannten, so.
00:15:32Mehr weißt du wohl nicht über diese Person.
00:15:34Na doch, Brüne heißt sie, Vera Brüne.
00:15:37Mit einem vom Film war die verheiratet.
00:15:39Ach so, und die fährt einen alten VW.
00:15:41Und verkauft ihn ausgerechnet dir.
00:15:43Ja, warum denn nicht?
00:15:44Wir waren miteinander befreundet.
00:15:45Und da wusste sie, dass ich einen billigen Waren suche.
00:15:48Übrigens, da war nicht ihrer.
00:15:49Sie hat den Verkauf nur vermittelt.
00:15:51Doch, schau her.
00:15:52Die feine Dame vom Film als Gebrauchtwagenhändlerin.
00:15:55Das kannst du deinem Großmutter erzählen.
00:15:56Gesteuern ist der Wagen.
00:15:57Aus einer Mordsache stammt der.
00:15:58Aber das werden wir alles noch klären.
00:16:00Steig erst einmal ein.
00:16:01Ja, was soll denn das?
00:16:01Ich habe nichts verbrochen.
00:16:02Wo soll ich denn hin?
00:16:03Nach München, mein Lieber.
00:16:04Dort werden wir alles an Ort und Stelle klären.
00:16:11Kommen Sie bitte.
00:16:16Und, wo habt ihr ihn?
00:16:17Erst einmal im Polizeigefängnis.
00:16:19Aber wir brachten schnellstens einen Haftbefehl, Herr Staatsanwalt.
00:16:23Bloß auf den Wagenverdacht der Sachheller Reichen
00:16:25können wir ihn ja nicht unbegrenzt festhalten.
00:16:27Den müsst ihr beim Amtsgericht Starnberg beantragen.
00:16:29Starnberg?
00:16:30Wieso?
00:16:30Was haben jetzt die damit zu tun?
00:16:32Sie haben uns doch den Auftrag gegeben, dass wir den Verbar holen.
00:16:34Also, okay, seid jetzt nicht zu schwerfällig.
00:16:36Herr May, sollen jetzt da vielleicht wir den Mord aufklären?
00:16:40Die Vorermittlungen führen, bis die Staatsanwaltschaft entscheiden kann,
00:16:43ob nun Mordanklage erhoben wird oder nicht.
00:16:46Gegen den Fairbach soll auf Mordanklage?
00:16:49Wenn die Brüder die Tat verübt hat,
00:16:51muss sie einen Mittäter gehabt haben,
00:16:53zumindest einen Tathelfer.
00:16:54Allein kann es nie gewesen sein.
00:16:55Und am ehesten käme dafür dieser Fairbach in Frage.
00:16:59Dieser angebliche Verkauf des Braunscher VW
00:17:02könnte doch ebenso gut auch als Dank für geleistete,
00:17:04Tathilfe zu deuten sein.
00:17:06Und überhaupt diese ganze Bekanntschaft der beiden.
00:17:09Sie eine Dame der besten Gesellschaft,
00:17:12geliebte eines Millionärs.
00:17:14Er ein biederer Montageschlosser.
00:17:18Welche Art Bindung soll denn da bestanden haben,
00:17:20wenn nicht die des gekauften Komplissen?
00:17:22Ja, das habe ich dem auch gleich auf den Kopf zuhörgesagt,
00:17:24weshalb sie ihm ausgerechnet den VW verkauft hat.
00:17:27Und eine Quittung, dass er den Wagen bezahlt hat,
00:17:29besitzt er auch nicht.
00:17:30Da bin ich schon dahinter gekommen.
00:17:31Na, sehen Sie uns, so fügt sie Steinchen an Steinchen.
00:17:342.100 Mark habe ich ihr dafür bezahlt.
00:17:37Wann?
00:17:39Den Tag genau weiß ich nicht mehr.
00:17:41Also nicht an dem Tag, als Sie den Wagen übernahmen?
00:17:43Aber nein, die Frau Brüner hatte ja ja keine Zeit.
00:17:46Die Mutter war krank und da musste sie nach München zurück.
00:17:49Und bis sie dann wieder nach Köln kam,
00:17:52da erzählte sie mir das von dem Dr. Braun.
00:17:54Was von dem Dr. Braun?
00:17:57Na, dass er gestorben war.
00:17:58Na, wie gestorben?
00:17:59Sagte sie nur, dass er gestorben ist?
00:18:01Dass er Selbstmord verübt hat.
00:18:04Weiter, weiter, weiter.
00:18:05Hat sie nichts darüber erzählt?
00:18:07Also ich weiß das nicht mehr so genau.
00:18:10Warum streuen Sie sich eigentlich so,
00:18:13Einzelheiten über den damals noch für einen Selbstmord gehaltenen Tod
00:18:16von Dr. Braun zu erzählen?
00:18:18Mir ist das schon mehrfach aufgefallen.
00:18:20Aber ich weiß heute noch nicht, wie das im Einzelnen alles war.
00:18:23Kann sein, dass Frau Brüner mir das erzählt hat.
00:18:26Für mich war es jedenfalls ohne Interesse.
00:18:28Ich hatte den Dr. Braun ja nie gesehen.
00:18:31Na schön.
00:18:32Und wann haben Sie der Brüner das Geld nun gegeben?
00:18:34Na, in diesen Tagen.
00:18:35Ohne Quittung?
00:18:36Aber was sollte ich mir denn von der Frau Brüner extra eine Quittung geben lassen?
00:18:40Ich hatte den Wagen, sie hatte das Geld.
00:18:42So pingelig war ich nie.
00:18:44Wozu hätten Sie denn überhaupt noch das Geld bezahlen sollen, Verbach?
00:18:48Dr. Braun war tot, er hat ein Riesenvermögen hinterlassen.
00:18:52Wir hätten dann noch nach den lumpigen 2100 Mark fragen sollen.
00:18:56Na, die Frau Brüner hat es ihm schon gegeben, glaube ich.
00:18:59Aber Verbach, wann denn?
00:19:01Dr. Braun, der war doch schon tot, wie sie ihn in den Wagen gebracht hat.
00:19:04Na, vorher, sie hat es vorauslagt.
00:19:06Das wollen Sie doch nicht im Ernst behaupten.
00:19:09Ein Mann wie Dr. Braun, der lasst sich doch nicht von seiner Geliebten das Geld im Voraus zahlen.
00:19:14Lumpige 2100 Mark.
00:19:17Ach, lass mich doch in Ruhe, ich weiß es nicht.
00:19:20Ich habe jedem fast das Geld gegeben.
00:19:22Fragst du doch selber.
00:19:23Eine Kleinigkeit, mädige Frau, aber ich bin verpflichtet, Sie danach zu fragen.
00:19:28Die 2100 Mark für den VW Dr. Brauns, den Sie in seinem Auftrag verkauft hatten,
00:19:32ich glaube an einen guten Bekannten von Ihnen, wo sind die geblieben?
00:19:35Sie können natürlich die Aussage verweigern, aber da Sie nun mal gekommen sind...
00:19:41Ja, da muss ich erst mal überlegen.
00:19:43Oder ist der Wagen in dem ganzen Durcheinander nach dem plötzlichen Tode Dr. Brauns vielleicht gar nicht bezahlt worden?
00:19:48Ich meine, das wäre ja möglich, es standen ja jetzt ganz andere Summen zur Debatte.
00:19:52Tja, ich muss wirklich sagen, in dem ganzen Durcheinander, da hatte ich damals wirklich andere Sorgen.
00:19:58In der Zeit ist ja wohl auch Ihre Frau Mutter gestorben.
00:20:02Ja, ja, jetzt erinnere ich mich, als ich zur Beisetzung nach Bonn kam,
00:20:08da wollte ich mich mit Herrn Fairbach treffen.
00:20:10Ich hatte ihm ein Telegram geschickt, aber er meldete sich gar nicht bei mir.
00:20:14Er war wohl auf Montage oder in Urlaub.
00:20:17Ich konnte das damals wirklich nicht erledigen.
00:20:20Oder war es vielleicht so, dass Sie das Geld doch noch von Fairbach erhalten hatten?
00:20:25Aber gewissermaßen er konnte Ihre ja ins Haus stehenden Spanien Erbschaft einfach schon für sich behielten.
00:20:31Nein, ganz unmöglich, Herr Rüth. In solchen Sachen bin ich korrekt.
00:20:35Außerdem hätte ich damit diesem Dr. Brown Jr. ja eine Handhabe gegeben, mich eine Erbschleicherin zu nennen.
00:20:40Dann kann ich also davon ausgehen, dass der Wagen bis heute noch nicht vom Käufer bezahlt worden ist.
00:20:46Selbstverständlich, Herr Rüth.
00:20:51Ach, unsere schöne Mörderin.
00:20:53Grüß Gott, Vera Lein.
00:20:57Ach, um Gottes Willen, Kindchen, du nimmst doch das nicht etwa ernst, was die Zeitungen da zusammenschmieren.
00:21:01Ich bin völlig verzweifelt, Kerl.
00:21:04Komm, setz dich erst mal.
00:21:05Und hör auf zu heulen.
00:21:08Jeder Filmstar würde dich um die Publicity beneiden.
00:21:10Ach, hör doch auf damit, Kerl.
00:21:16Ich habe heute eine Rieseneselei bei der Staatsanwaltschaft begangen.
00:21:20Hast du ihn endlich gesteckt, wer Brown wirklich umgelegt hat?
00:21:23Aber das sind doch reine Spekulationen.
00:21:25Das sind keine Spekulationen.
00:21:27Du weißt doch ganz genau, womit er sein Geld gemacht hat.
00:21:30Darum ging es ja gar nicht.
00:21:33Obwohl das Geld für den Volkswagen geblieben ist, den ich noch kurz vor Ottos Tod verkauft habe.
00:21:41Und was ist mit dem Geld?
00:21:43Na, ich habe es damals behalten.
00:21:46Es hat doch in dem Durcheinander nach Ottos Tod kein Mensch nach dem Wagen gefragt.
00:21:49Und der hat ihn mir ja auch so gut wie geschenkt.
00:21:51Und?
00:21:51Ich wollte diesem Rüth keine Angriffsfläche bieten.
00:21:54Der wartet doch nur darauf, mir irgendwas anzuhängen.
00:21:56Du hast gesagt, dass du das Geld nicht bekommen hast.
00:21:58Ja, ich wollte nicht als Betrügerin dastehen.
00:22:02Kennst du den Käufer näher?
00:22:04Ja, sehr gut sogar.
00:22:06Er war im Krieg desertiert und ich habe ihn bei mir versteckt, bis die Engländer kamen.
00:22:09Dann bring ihm das Geld wieder und red mit ihm.
00:22:12Kert, ich bin vollkommen blank.
00:22:15Wie hoch ist der Betrag?
00:22:172100 hatte er gezahlt.
00:22:19So viel habe ich nicht im Hause.
00:22:23Löse morgen früh den Scheck ein und fahr sofort zu ihm.
00:22:27Du weißt doch, wo er arbeitet.
00:22:29Ja, ja.
00:22:33Ich danke dir sehr, Gerd.
00:22:36Oh, danke.
00:22:39Aber da ist noch was.
00:22:41Schieß schon los, Vera-Line.
00:22:42Ich bin einmal beim Schreiben.
00:22:44Nein, kein Geld.
00:22:45Die wollten von mir ein Alibi haben.
00:22:47Für den Gründonnerstagabend.
00:22:49Ich habe das natürlich abgelehnt, mich zu verteidigen, wie eine angeklagte Mörderin.
00:22:53Richtig.
00:22:53Das hast du nicht nötig.
00:22:54Ja, schon.
00:22:56Das haben sie mir auch zugestanden.
00:22:58Aber ich fürchte, sie werden doch früher oder später herumhorchen.
00:23:01Ich kriege das auch wirklich nicht mehr zusammen, wo ich überall war, ehe ich nach Bonn gefahren bin.
00:23:07Jedenfalls war ich doch noch in der Woche vor Ostern bei dir zur Behandlung.
00:23:11Na, wenn ich dir damit helfen kann, warst du eben Gründonnerstag nochmal da.
00:23:14Hattest Schmerzen.
00:23:15Wer weiß schon, ob ich Praxis gemacht habe.
00:23:18Weißt du noch das Datum?
00:23:20Ja, der 14. April.
00:23:21Aha.
00:23:22Und wann muss es denn gewesen sein?
00:23:24Äh, nach Mitternacht bin ich erst in Bonn gewesen.
00:23:26So zwischen sechs und sieben muss es gewesen sein.
00:23:28Na, also gut.
00:23:29Achtzehn Uhr.
00:23:30So, da hat das auch seine Richtigkeit.
00:23:33Ich bin dir sehr zu Dank verpflichtet, Gerd.
00:23:36Der Hannes, ja, dat kann ich Ihnen auch nicht sagen.
00:23:40Wissen Sie, da wird zu allerhand gemunkelt.
00:23:41Also hier auf der Baustelle, da ist er nicht mehr.
00:23:43Bin seit acht Tagen nicht mehr.
00:23:44Aber am besten fragen Sie mal da drinnen auf der Verwaltung nach.
00:23:46Von mir können Sie das auch erfahren, Frau Brüne.
00:23:51Wollten Sie ihm die 2100 Mark wiedergeben?
00:23:53Bitte lassen Sie mich in Ruhe.
00:23:54Sollte er Ihnen zuliebe gestehen, dass er den VW noch gar nicht bezahlt hatte.
00:23:59Ich muss Sie festnehmen, Frau Brüne.
00:24:01Bitte vermeiden Sie doch jedes Aufsehen.
00:24:03Sie haben kein Recht, mich in meiner Freiheit zu behindern.
00:24:05Doch, jetzt schon, Frau Brüne.
00:24:07Haben Sie einen Haftbefehl?
00:24:09Verdunklungs- und Fluchtgefahren einer Mordsache
00:24:11rechtfertigen allemal eine vorübergehende Festnahme ohne Haftbefehl.
00:24:13Also bitte kommen Sie mit.
00:24:30Und ein Irrtum ist völlig ausgeschlossen, Herr Dr. Stelter.
00:24:34Die Eintragungen in die Behandlungskarten werden vorgenommen,
00:24:37wenn der Patient da auf dem Stuhl Platz genommen hat, Herr Staatsanwalt.
00:24:39Ich wüsste nicht, wie da ein Irrtum unterlaufen könnte.
00:24:42Bitte, Herr Dr. Stelter.
00:24:43Ich möchte doch nur verhüten, dass Sie in eine Sache hineinschlittern,
00:24:46deren Ausmaß und Ausgang Sie nicht übersehen.
00:24:49Sie haben eine gutgehende Praxis, Familie, ausgezeichneten Ruf.
00:24:53Ich weiß, was ich sage.
00:24:54Und deshalb nehmen Sie bitte endlich zur Kenntnis.
00:24:57Gestatten Sie.
00:24:59Frau Brüne ist am 14. April, am grünen Donnerstagabend um 18 Uhr,
00:25:04hier auf diesem Stuhl von mir behandelt worden.
00:25:07Das nehme ich auf meinen Neid.
00:25:12Stimmt es, dass Sie vor vier Jahren die Scheidung von Ihrer Frau eingereicht hatten?
00:25:18Wann ich Frau Brüne behandelt habe, wollten Sie von mir wissen.
00:25:21Ich glaube, das habe ich Ihnen beantwortet.
00:25:22Mein Privatleben...
00:25:23Ja, ja, war Frau Brüne der Anlass zu Ihrem Scheidungsbegehren?
00:25:32Das hat sich meine Frau eingeredet.
00:25:34Auf die Vera war sie ja immer eifersüchtig, grundlos.
00:25:38Außerdem bin ich ja nach wie vor mit meiner Frau verheiratet.
00:25:42Die Rücknahme der Scheidungsklage fiel aber in die Zeit,
00:25:45in der Vera Brüne Dr. Braun kennengelernt hatte.
00:25:52Ich habe keine Ahnung, wann Vera diesen Braun kennengelernt hat.
00:25:56Ihnen soll die Brüne aber versprochen haben, ihre Frau auszuzahlen.
00:26:01Sie werde Dr. Braun des Geldes wegen heiraten und ihn sehr bald beerben.
00:26:05Das ist doch ein erfunder Tratsch von dieser Tilly, die selbst auf Braun scharf war.
00:26:08Tja, wem soll man nun was glauben?
00:26:13Das wissen Sie doch sehr genau.
00:26:15Aber Sie hatten doch ein Verhältnis mit der Brüne.
00:26:17Ich muss doch sehr bitten.
00:26:18Dann warten Sie.
00:26:20Diese eben von Ihnen erwähnte Tilly sagte mir,
00:26:23sie seien der Brüne sexuell völlig hörig gewesen.
00:26:26Die Vera ist eine Bombe im Bett.
00:26:28Sollen Sie wörtlich gesagt haben?
00:26:30Das ist doch wohl etwas unterhalb der Gürtellinie, Herr Staatsanwalt.
00:26:33Darauf erwarten Sie ja wohl keine Antwort.
00:26:34Doch.
00:26:36Ich muss doch schließlich beurteilen können,
00:26:38ob Ihre Aussage Glauben zu schenken ist
00:26:40oder ob Sie aus eben dieser sexuellen Hörigkeit heraus der Brüne
00:26:43ein Gefälligkeitsalibi liefern wollen.
00:26:45Ich habe meine Scheidungsklage wieder zurückgenommen.
00:26:48Das wissen Sie doch.
00:26:49Meine Ehe ist ungetrübt.
00:26:52Das ändert nichts.
00:26:54Wenn es zum Prozess gegen die Brüne kommt,
00:26:57dann wird man Ihnen diese Frage widerstellen.
00:26:59Und Sie werden sie in aller Öffentlichkeit und unter Eid beantworten müssen.
00:27:05Haben Sie das auch bedacht, Herr Dr. Stelter?
00:27:19Also gut.
00:27:21Ich wollte ihr helfen.
00:27:22Sie wissen auch sehr genau, warum.
00:27:25Ich danke Ihnen, Herr Stelter.
00:27:27Sie werden damit keine Unannehmlichkeiten mehr haben.
00:27:30Was würden Sie denn tun,
00:27:31wenn man Sie in einen solch hinterhältigen Verdacht brächte?
00:27:34Keiner sprach es aus.
00:27:35Keine Zeitung druckte es.
00:27:37Aber alle tuschelten Sie es.
00:27:39Und zwischen den Zeilen stand es doch Tag für Tag.
00:27:41Sie hat ihn umgebracht.
00:27:42Die Zeitung haben die Frage gestellt,
00:27:45hat die Brüne Dr. Braun umgebracht.
00:27:46Das ist das Recht der Presse.
00:27:48Hinter jeder dieser Schlagzeilen stand aber ein Fragezeichen.
00:27:51Wie bei uns allen, die wir diesen Fall bearbeiten müssen.
00:27:54Fragezeichen?
00:27:56Ausrufungszeichen waren das.
00:27:57Dicke, fette Ausrufungszeichen.
00:27:59Die Bilder von mir im Badeanzug.
00:28:01In Ottos Villa.
00:28:03Exklusiv berichte über das Liebesverhältnis einer Lebedame.
00:28:06Mit einem Mann, der ihr Vater sein könnte.
00:28:09Das hämmert den Leuten doch ein.
00:28:10Natürlich hat sie den alten Kerl umgebracht,
00:28:12um die klotzige Villa zu erben.
00:28:14Oder wollen Sie das bestreiten?
00:28:15Na gut, gut, gut.
00:28:16Nicht alle unserer Presseerzeugnisse
00:28:18sind von der feinen englischen Art.
00:28:20Aber wenn sich erst mal erwiesen hat,
00:28:21dass Sie es nicht getan haben,
00:28:23da steht Ihnen selbstverständlich das Recht,
00:28:24zu die Blätter zu verklagen
00:28:25und eine angemessene Entschädigung
00:28:27für eventuelle Verleumdungen zu fordern.
00:28:29Aber wie soll man denn nach Monaten nachweisen,
00:28:32wo man zu einer bestimmten Zeit war?
00:28:34Haben Sie Zeugen, die beeilen könnten,
00:28:36wo Sie von Gründonnerstag Nachmittag
00:28:38bis Karfreitag Vormittag gewesen sind?
00:28:40Ich habe zwar welche.
00:28:42Aber ich gebe gerne zu,
00:28:43dass ich an anderen Tagen
00:28:44in eine ähnliche Verlegenheit kommen könnte.
00:28:46Nur würde ich doch da nicht versuchen,
00:28:48Bekannte zu mein Eid anzustiften,
00:28:50um mir ein Alibi zu verschaffen.
00:28:52Sie, Sie sind die Korrektheit in Person, nicht wahr?
00:28:54Sie haben noch nie etwas verkehrt gemacht.
00:28:57Also bitte, Frau Brühne,
00:29:00wenn ich Sie festnehmen lassen musste
00:29:01und jetzt auch noch richterlicher Haftbefehl
00:29:03wegen hinreichend zu begründenden Tatverdachts
00:29:05gegen Sie ergangen ist,
00:29:06haben Sie das einzig und allein
00:29:08sich selbst zuzuschreiben.
00:29:10So eng befreundet mit Dr. Braun
00:29:11und durch das hinterlassene Testament
00:29:12nun mal materiell interessiert,
00:29:15musste ich Sie von Amts wegen
00:29:16in den Kreis der zu überprüfenden Personen einbeziehen.
00:29:18Da wären doch wohl noch andere Personen
00:29:20vor mir an der Reihe gewesen.
00:29:21Wenn Sie auf Dr. Braun Junior hinziehen,
00:29:23muss ich diesen Vorwurf zurückweisen.
00:29:24Er war zur fraglichen Zeit mit Freunden
00:29:27in St. Moritz zum Wintersport.
00:29:28Das ist genauso gut überprüft worden wie Ihr Alibi.
00:29:30Ich meine auch nicht Günther Braun,
00:29:33sondern ich meine Ottos Geschäftsfreunde
00:29:34aus dem Bundesverteidigungsministerium.
00:29:47Würden Sie mir die Namen der Herren sagen?
00:29:49So weit hat mich Otto doch nicht eingeweiht.
00:29:52Aber das wissen ja noch mehr.
00:29:54Warum hat er denn immer eine Pistole bei sich
00:29:56und ständig Angst, dass ihm was passieren könnte?
00:30:00Tja.
00:30:05Es sind natürlich sehr allgemein gehaltene Hinweise.
00:30:08Selbstverständlich werde ich versuchen, Ihnen nachzugehen.
00:30:11Aber vorerst muss ich mich schon an Sie halten.
00:30:14Die Art und Weise, wie Sie versucht haben,
00:30:16Einfluss auf die Ermittlungen zu nehmen,
00:30:17zwingt mich ja gerade dazu.
00:30:20Wieso brauchen Sie ein Alibi,
00:30:22wenn Sie mit dem Mord an Dr. Braun nichts zu tun haben
00:30:25und noch dazu zu einem Zeitpunkt,
00:30:26wo noch nicht die Spur eines Verdachts
00:30:27gegen Sie geäußert worden war?
00:30:28Aber dann sagen Sie mir doch,
00:30:30warum ich Otto umgebracht haben soll
00:30:32und wie ich das gemacht habe.
00:30:36A.G. Fährbach erzählt uns doch nicht so etwas.
00:30:39Die Brüne war doch immer ein sauberes Frauenzimmer.
00:30:42Und kleinlich war sie auch nicht.
00:30:45Und ausgerechnet mit der willst du nichts gehabt haben?
00:30:48Nein!
00:30:49Und wart ihr da doch Sie an!
00:30:50Tja.
00:30:51Als du 1944 auf Fronturlaub warst
00:30:54und sie dich versteckt hat,
00:30:55weil du nicht mehr zurück wolltest nach Russland in den Krieg.
00:30:58Wir wohnten damals in Köln in einem Haus zusammen
00:31:01und das wurde, als ich auf Urlaub kam,
00:31:03von einer Luftmine getroffen.
00:31:05Und da habe ich sie und ihre Mutter ausgebuddelt
00:31:07und aus dem verschütteten Luftschutzkeller rausgeholt.
00:31:10Und dafür hatte sie mich dann versteckt.
00:31:12Ja, freilich, freilich.
00:31:13So etwas verbindet, verpflichtet ja gewissermaßen.
00:31:18Und danach hast du monatelang mit ihr zusammengelebt.
00:31:21Vielleicht sogar in einem Bett schlafen müssen,
00:31:24damit niemand merkt, dass sie einen Deserteur versteckt.
00:31:30Damals.
00:31:31Na ja.
00:31:33Aber wir sind dann bald auseinandergegangen,
00:31:35als die Engel in Köln einrückten
00:31:37und ich in Gefangenschaft kam.
00:31:38Na ja, und später da passen wir ja dann auch ja nicht mehr zusammen.
00:31:41Ja, ja, ich weiß.
00:31:43Sie ist eine feine Dame geworden.
00:31:45Und du bist der biedere Montageschlosser geblieben.
00:31:49Aber eines Tages, da ist sie zu dir gekommen,
00:31:52hat ihr ausgemahlen, wie du als Millionär in dem Traumschloss in Spanien leben könntest.
00:31:59Und dann hat sie dir den anderen Vorschlag gemacht.
00:32:02Sie hat ja alles blendend organisiert,
00:32:04die Pistolen vom Braun besorgt,
00:32:06sodass man nur auf Selbstmord kommen konnte.
00:32:09Und so alte Hosen hat die reingelegt.
00:32:12Fährbach, ehrlich.
00:32:14Wenn ich in deiner Haut gesteckt hätte,
00:32:17ich hätte auch nicht nein gesagt.
00:32:19Sie?
00:32:19Ja, da könnte ich mal denken.
00:32:21Sie kennen sich ja mit Mord auch besser aus,
00:32:23schon von Berufes wegen.
00:32:24Aber ich hätte da nie mitgemacht.
00:32:26Und sie ist auch nie mit so was zu mir gekommen.
00:32:29Hm.
00:32:30Das ist alles, was er ausgesagt hat.
00:32:32Und darauf eine Mordanklage stellen.
00:32:34Nicht einen Belastungszeugen können wir vorweisen.
00:32:37Oder haben Sie vielleicht jemanden,
00:32:38der ihn wenigstens in der Nähe des Tatortes gesehen hat?
00:32:41Er hat kein Alibi.
00:32:42Nun gut, er hat kein Alibi für die Nacht.
00:32:44Seine nächtliche Zechto durch die Kölner Lokalitäten.
00:32:46Na ja, wenn alle voll sind, wer will sich denn da noch erinnern?
00:32:49Wir haben auch niemanden gefunden,
00:32:50der ihm eine solche Tat wenigstens zutrauen würde.
00:32:53Dann schicken Sie den Vorgang noch mal zu mir.
00:33:03Na ja, so gut kenne ich Sie nun auch wieder nicht,
00:33:05dass ich Sie dazu habe.
00:33:06Sie soll Ihrer Mutter nur einem besorgten Brief
00:33:07ins Untersuchungsgefängnis schreiben,
00:33:09ob es nicht doch besser ist,
00:33:10alles zu sagen, was sie über den Mord an Braun weiß.
00:33:13Das möchte ich nicht.
00:33:13Das ist zu direkt.
00:33:14Das könnte Sie misstrauisch machen,
00:33:16dann hätte ich überhaupt keinen Einfluss mehr auf Sie.
00:33:17Na gut.
00:33:18Dann bringen Sie sie wenigstens dazu,
00:33:20das Angebot der Münchner Illustrierten anzunehmen.
00:33:23Das ist ja auch eine Zumutung.
00:33:24Ich soll Sie dazu überreden,
00:33:26einen Exklusivbericht für eine andere Illustrierte zu schreiben?
00:33:29Und wo bleibe ich?
00:33:30Ich habe mir schon genug Läuse in den Pelz gesetzt.
00:33:32Ich bin mit meinem Stern angestellt.
00:33:33Sie kriegen schon noch genug Material für Ihren Stern.
00:33:36Aber im Moment muss es erst mal breiter gestreut werden.
00:33:40Ich bin mit meinem Stern.
00:33:44Ich bin mit dem Stern.
00:33:50Ich bin mit dem Stern.
00:33:54Ich bin mit dem Stern.
00:34:26Danke, das reicht!
00:34:28Okay!
00:34:42Hier, Fred!
00:34:47Ach, danke!
00:34:51Ist das sicher, dass die Bilder veröffentlicht werden?
00:34:53Ja, das hängt von den Bildern ab, aber ich glaube schon.
00:34:56Könntest du mir darauf schon was vorschießen, Fred?
00:34:58Ich bin ziemlich in Druck.
00:35:00Die Wohnungsmiete ist fällig und Mutti will einen Anwalt haben.
00:35:04Sie lassen sie wohl doch nicht raus.
00:35:06Wie viel denn?
00:35:07Ach, ich dachte zwei, dreitausend.
00:35:09Die Anwälte verlangen doch horrende Anzahlungen,
00:35:12ehe sie überhaupt einen Finger krumm machen.
00:35:14Och, da müsste ich ja erst mal eine Bank ausrauben.
00:35:16Nee, Silvie, das ist nicht drin.
00:35:18So, wir können dann.
00:35:33Was soll ich bloß machen?
00:35:35Ich muss doch meiner Mutter helfen.
00:35:37Ohne Anwalt ist sie in der Sache verraten und verkauft.
00:35:39Da kann ich dir nur raten,
00:35:41nimm das Angebot der Münchner Illustrierten an.
00:35:42Ach, das geht doch nicht.
00:35:44Meine Mutter, eine Doppelmörderin soll die Schlagzeile sein.
00:35:47Da kann ich doch keinen Exklusivbericht drüber schreiben
00:35:50und dann noch Bilder aus dem Familienalbum liefern.
00:35:52Das würde ja so aussehen,
00:35:53als sei ich auch davon überzeugt, dass Mutti es war.
00:35:55Ist doch ein Fragezeichen hinter der Schlagzeile.
00:35:58Und für 10 Mille Exklusiv Funeral
00:36:00können Sie schon was Besonderes erwarten.
00:36:02Das geht einfach nicht.
00:36:04Na komm.
00:36:08Also, bis nachher.
00:36:09Ja, wir warten.
00:36:13Ich würde es mir noch mal überlegen, Silvie.
00:36:15Ach, was gibt es da noch zu überlegen?
00:36:17Ich kann das nicht machen.
00:36:19Nicht nur wegen der 10 Mille.
00:36:20Sie würden ja auch Bilder von dir bringen.
00:36:21Das macht dich bekannt.
00:36:22Dein Gesicht würde sich ganz anders einprägen.
00:36:24Es wäre dann viel leichter,
00:36:25dich als Fotomodell aufzubauen.
00:36:27Na, vielleicht klappt es dann auch beim Film.
00:36:28In der Branche muss man bekannt sein.
00:36:30Woher, fragt doch hinterher niemand,
00:36:32wenn man erst oben ist.
00:36:37Vielleicht reden wir noch mal drüber, Fred.
00:36:40Nimmst du mich mit?
00:36:41Ich beeil mich.
00:36:41Nee, du, ich fahr noch nicht nach München ran.
00:36:43Ich hab noch einen anderen Termin.
00:36:44Ruf mich in den nächsten Tagen mal an.
00:36:45Mach's gut, Silvie.
00:36:46Ja, da seid ihr hier.
00:36:47Habt ihr lange warten müssen?
00:36:48Grüß Gott.
00:36:49Grüß dich, Fred.
00:36:59Kommen Sie von Herrn Kossi, fahren Sie mit mir?
00:37:01Lassen Sie mich zufrieden.
00:37:02Ich wollte Sie sowieso in Ihrer Wohnung aufsuchen.
00:37:03Da können Sie auch gleich mit mir fahren.
00:37:05Es ist ja ein Chauffeur dabei.
00:37:07Wer sind Sie denn?
00:37:08Von der Polizei.
00:37:10Es wird Sie wohl nicht sehr überraschen,
00:37:12wenn ich Ihnen sage,
00:37:13dass ich Sie in einer Angelegenheit sprechen muss,
00:37:15die Ihre Frau Mutter betrifft.
00:37:17Kommen Sie, steigen Sie ein.
00:37:21Na ja.
00:37:23Bitte sehr.
00:37:33Woher kennen Sie eigentlich diesen Sternreporter?
00:37:36Wir waren auf einer Penne.
00:37:37Machen Sie jetzt Fotomodell für den Stern?
00:37:39Ja.
00:37:40Herr Irrt wollte mir helfen.
00:37:41Es geht mir nicht besonders gut,
00:37:43seit meine Mutter in Untersuchungshaft sitzt.
00:37:45Ja, da hängt es wohl mit zusammen.
00:37:47Von der Volksbankfiliale
00:37:49sind uns diese beiden Schecks zugegangen,
00:37:51von Herrn Kossi.
00:37:52Sie sind auf das Konto Ihrer Frau Mutter ausgestellt.
00:37:54Wobei die letzten beiden ohne Deckung sind.
00:37:56Das kommt ja mal vor.
00:37:58Merkwürdig ist indessen,
00:37:59dass alle Schecks
00:38:00im Gesamtbetrag von 4.391,65 Mark
00:38:04von Ihrer Frau Mutter ausgestellt sind,
00:38:06als Sie schon lange bei uns in Untersuchungshaft saßen.
00:38:08Dort hatte sich aber weder Gelegenheit,
00:38:09Schecks auszustellen,
00:38:10noch die Möglichkeit, sie einzulösen.
00:38:13Ich habe die Schecks ausgestellt und eingelöst.
00:38:16Das wollen Sie doch wohl von mir hören.
00:38:19Das ist mir ein bisschen zu vereinfacht dargestellt,
00:38:21Fräulein Kossi.
00:38:22Sie haben doch die Unterschriften Ihrer Frau Mutter gefälscht
00:38:24und das Geld widerrechtlich für sich verbraucht.
00:38:26Also verunträumt.
00:38:28Ich musste ja von irgendetwas leben
00:38:30und die laufenden Unkosten bestreiten.
00:38:32Mutti hatte beim Kaufmann anschreiben lassen.
00:38:35Schneiderrechnungen standen noch offen
00:38:36und Abzahlungsraten waren im Rückstand.
00:38:38Alle kamen doch jetzt,
00:38:40als in der Zeitung stand...
00:38:40Haben Sie sich von dem Geld
00:38:41nicht von Kopf bis Fuß neu eingekleidet,
00:38:43Fräulein Kossi?
00:38:44Musste ich ja,
00:38:44wenn ich einen Job als Fotomodell finden wollte.
00:38:46Oder um in den Schwabinger Nachtlokalen
00:38:49auf Herren Ihrer Wahl mehr Eindruck zu machen.
00:38:52Wie viele Nächte waren Sie eigentlich zu Hause,
00:38:53seit Ihre Frau Mutter im Gefängnis ist?
00:38:56Was wird denn nun mit mir?
00:38:58Wollen Sie mich auch verhaften?
00:38:59Lassen wir die strafrechtlichen Folgen
00:39:01der Scheckbetrügereien erstmal beiseite,
00:39:03Fräulein Kossi.
00:39:04Mich interessieren die psychologischen Ursachen
00:39:06Ihres Handelns vielmehr.
00:39:07Warum haben Sie über das Geld
00:39:09Ihrer Frau Mutter
00:39:09so selbstverständlich verfügt,
00:39:11als gehöre es schon Ihnen?
00:39:12Aber das habe ich Ihnen doch schon gesagt.
00:39:14Wofür Sie es verbraucht haben,
00:39:15sagten Sie.
00:39:16Nein, Sie haben darüber verfügt,
00:39:17weil Sie genau wussten,
00:39:18dass Ihre Mutter nicht wiederkommen würde.
00:39:19Aber nein!
00:39:20Völlig sorglos sind Sie mit dem Eigentum
00:39:22Ihrer Mutter umgegangen,
00:39:23als brauchten Sie nie mehr darüber,
00:39:24Rechenschaft abzulegen.
00:39:25Ich wusste mir keinen anderen Rat mehr.
00:39:26Sie wussten genau,
00:39:27dass Ihre Mutter die Mörderin Dr. Brauns ist.
00:39:29Entweder, weil Sie einer Tat
00:39:30selbst Anteil hatten
00:39:31oder zumindest,
00:39:32weil Sie eingeweiht waren.
00:39:32Konnte Ihnen als Tochter
00:39:33ja auch nicht verborgen sein.
00:39:34Aber das ist doch gar nicht wahr.
00:39:35Das ist Mitwisserschaft.
00:39:37Nein!
00:39:37Begünstigung.
00:39:38Möglicherweise sogar Beihilfe
00:39:40zu mordvollem Kassi.
00:39:41Sie sollten sich darüber
00:39:42endlich klar werden.
00:39:50Siegfried Schramm.
00:39:52Viermal vorbestraft,
00:39:54ein ausgesprochener Intelligenztäter.
00:39:56Betrug, Heiratsschwindel etc. pp.
00:39:59war früher mal Journalist.
00:40:02Und vor allem,
00:40:03er spielt Schach wie Fairbach.
00:40:05Das wäre schon mal
00:40:06eine sehr wichtige Voraussetzung.
00:40:09Die meisten Knastinsassen,
00:40:11die schweinigeln ja bloß.
00:40:12Und er hat mehrfach schon
00:40:13der Polizei geholfen.
00:40:15Wie viel hat er denn diesmal zu erwarten?
00:40:17So zwei, drei Jahre.
00:40:18Aber man könnte ihn ja
00:40:20ein bisschen in die Mangel nehmen.
00:40:21So mit Sicherungsverwahrung und so.
00:40:23Da wäre er gewiss bestrebt,
00:40:24sich bei uns beliebt zu machen.
00:40:26Na los rein mit ihm.
00:40:29Und lassen Sie mich
00:40:30mit ihm allein.
00:40:34Bring ihn rein.
00:40:41Grüß Gott.
00:40:45Na was denn?
00:40:46Wollen Sie dem Mann
00:40:46nicht die Knebelkette abnehmen?
00:40:48Und warten Sie da außen.
00:40:50Verzeihung, Herr Regierungsinspektor.
00:40:51Der beschuldigte Schramm
00:40:52ist ausbruchsverdächtig.
00:40:53Ich habe Befehle,
00:40:54nicht aus den Augen zu lassen.
00:40:56Die Verantwortung für ihn
00:40:57übernehme jetzt ich.
00:40:59Dann müssten Sie mir schon
00:41:00bitte den Überführungsschein
00:41:01dieäquitieren,
00:41:02Herr Regierungsinspektor.
00:41:23Vielen Dank auch,
00:41:24Herr Regierungsinspektor.
00:41:25Ja, ja.
00:41:26Sind Sie informiert,
00:41:27weshalb Sie hier sind?
00:41:28Nicht in den Einzelheiten.
00:41:39Lektüre.
00:41:40Lektüre.
00:41:44Für Sie.
00:41:48Ach,
00:41:49der Fallbrüne Fährbach
00:41:51ist ja hochinteressant.
00:41:55Ich habe das verfolgt,
00:41:56als ich noch draußen war.
00:42:01Die Tochter hat jetzt eingestanden,
00:42:03dass Ihre Mutter es war?
00:42:05Ja.
00:42:06Ach.
00:42:06Nur mit diesem Fährbach
00:42:07haben wir noch Schwierigkeiten.
00:42:09Ja, ja, ich verstehe.
00:42:09Was verstehen Sie?
00:42:13Lesen Sie sich das alles
00:42:14erst mal in Ruhe durch.
00:42:17Und dann werden Sie versuchen,
00:42:19das hartnäckige Leugnen
00:42:20dieses Fährbach aufzubrechen.
00:42:21Das meinte ich ja.
00:42:22Sie werden in den nächsten Tagen
00:42:23in die Haftanstalt München-Neudeck verlegt.
00:42:26Ich denke, ich soll hier...
00:42:27Die Ermittlungen in der Sache
00:42:28Brüne Fährbach
00:42:29werden einer Münchner
00:42:30Sonderkommission übergeben.
00:42:31Übrigens,
00:42:32die Beamten wissen
00:42:32von unserer Zusammenkunft nicht.
00:42:34Ja, ja, ich verstehe.
00:42:35Sie werden rechtzeitig
00:42:36in Fährbachs Zelle gelegt.
00:42:38Übrigens,
00:42:38er spielt genauso Schach wie Sie.
00:42:40Da möchte ich verwarnen.
00:42:41Mordverdächtige
00:42:42sind in Einzelhaft
00:42:42unterzubringen,
00:42:43heißt es in der Anstaltsordnung.
00:42:44In diesem Fall
00:42:45ist die Gefahr nicht auszuschließen,
00:42:48der dort seinen irdischen Richtern
00:42:49zu entziehen sucht.
00:42:50Das soll durch diese Maßnahmen
00:42:52verhindert werden.
00:42:53Soll ich mich dann
00:42:54an Sie wenden, Herr Regierungser?
00:42:55An die Beamten
00:42:55der Sonderkommission.
00:42:57Und ebenso,
00:42:58als hätten Sie vorher
00:42:59mit niemandem darüber gesprochen.
00:43:02Ich werde nie im Leben vergessen,
00:43:04wie mir Fährbach
00:43:04mit verängstigter Stimme schilderte,
00:43:06dass er Dr. Braun und Frau Klo
00:43:08im Auftrage von Frau Brüne
00:43:10erschossen habe.
00:43:11Es war Heiligabend
00:43:12beim Schachspiel.
00:43:13Das kleine Tannenbäumchen,
00:43:14das wir zum Christfest
00:43:15in der Zelle haben durften,
00:43:16brannte.
00:43:17Fährbach konnte sich nicht
00:43:18auf das Spiel konzentrieren.
00:43:19Und als ich ihn fragte,
00:43:20was denn heute mit ihm los sei,
00:43:22brach es förmlich
00:43:23aus ihm heraus,
00:43:24dass er den Mord
00:43:25an Dr. Braun
00:43:25und seiner Wirtschafterin
00:43:26auf dem Gewissen habe
00:43:27und damit nicht mehr leben könne.
00:43:29Na,
00:43:30und so weiter
00:43:31und so fort.
00:43:33Mit dieser Aussage
00:43:34steht doch Ihre Anklage
00:43:34wie ein Fels im Meer,
00:43:35mein lieber Rüth.
00:43:36Ich weiß nicht,
00:43:37warum Sie da so nervös sind.
00:43:39Hier,
00:43:39die neueste Ausgabe.
00:43:40Kenne ich.
00:43:41Das heißt doch nur
00:43:42die Stimmung an.
00:43:42Unseren Reportern
00:43:43gegenüber erklärte
00:43:44die 21-jährige
00:43:45Sylvia Kossi.
00:43:47Illustrierten Reporter
00:43:48hatten meine damalige
00:43:49seelische und materielle
00:43:50Notlage ausgenutzt
00:43:51und mit meiner Zustimmung
00:43:53Berichte gebracht,
00:43:53die ich heute
00:43:54nicht mehr aufrechterhalten kann.
00:43:56Der Polizei gegenüber
00:43:57habe ich nur Angaben gemacht,
00:43:58weil ich Angst hatte,
00:43:59wegen Mitwisserschaft
00:44:00ebenfalls verhaftet zu werden.
00:44:02Aber mein lieber Rüth,
00:44:03das gehört doch nun mal dazu
00:44:04zu einem Sensationsprozess.
00:44:06Wenn Sie damals gelogen haben will,
00:44:08warum soll Sie heute
00:44:08die Wahrheit sagen?
00:44:09Sie ist eine Lügnerin.
00:44:10Also,
00:44:11Fox Bopoli,
00:44:12Tochter einer Mörderin.
00:44:13So wirkt das doch
00:44:14auf die Masse.
00:44:17Ja,
00:44:17und wenn die Verteidigung
00:44:18möglicherweise noch
00:44:19ein paar andere Überraschungen
00:44:20bereithält?
00:44:21In diesem Prozess
00:44:22gibt es keine Überraschungen mehr,
00:44:23Rüth.
00:44:23Kann es keine mehr geben?
00:44:25Das Urteil ist nämlich
00:44:26schon längst gesprochen.
00:44:27Hier.
00:44:29Nach Umfrage
00:44:29der Meinungsforschungsinstitute
00:44:31sind 98,4 Prozent
00:44:32aller deutschen Hausfrauen
00:44:33davon überzeugt,
00:44:34dass Vera Brüne
00:44:35eine Mörderin ist.
00:44:3797,3 Prozent
00:44:38forderten in diesem Zusammenhang
00:44:40die Wiedereinführung
00:44:41der Todesstrafe.
00:44:42Und hier.
00:44:43Quicks neuestes Physiogramm
00:44:45der beliebtesten
00:44:47bundesdeutschen Mörder.
00:44:49Vera Brünestin
00:44:50beweist seelische Oberflächlichkeit
00:44:52und fehlende Erlebnistiefe.
00:44:53Abstand der Augenbrauen
00:44:54zur Schläfe
00:44:55erweist kalte Berechnung.
00:44:56Die hervorspringende Oberlippe,
00:44:58Herrschsucht und Egoismus,
00:44:59die Spannweite der Nasenflügel,
00:45:01witternden Instinkt.
00:45:05Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil
00:45:06schon gefällt, Kollege.
00:45:07Der Prozess ist nur noch
00:45:10die nachzuvollziehende
00:45:11Rechtsordnung.
00:45:20Am 25. April 1962
00:45:24beginnt vor dem Schwurgericht 1
00:45:26des Münchner Landgerichts
00:45:27der Sensationsprozess
00:45:29gegen Vera Brüne
00:45:30und Johannes Fehrbach
00:45:31wegen Doppelmordes
00:45:32an dem Arzt Dr. Otto Braun
00:45:33und dessen Haushälterin
00:45:35Elfriede Kloh.
00:45:41Untertitelung des ZDF, 2020
00:46:06Facts
00:46:12Musik
00:46:46Musik
00:47:08Komm Silvie, du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen.
00:47:11Du hast alles getan, was du für deine Mutter tun konntest.
00:47:13Du hast sogar die Aussagen zurückgenommen.
00:47:14Den Rest muss das Gericht verantworten.
00:47:16Silvie!
00:47:18Können Sie nun über das Grundstück an der Costa Brava verfügen?
00:47:20Schön wär's ja.
00:47:21Aber das kann auch Jahre dauern, hat mir das Staatsanwalt eben eröffnet.
00:47:25Das Brüner-Urteil muss als rechtskräftig sein.
00:47:27Und da die Verteidiger schon angekündigt haben, dass sie Revision einlegen,
00:47:30muss der Bundesgerichtshof darüber entscheiden.
00:47:32Eine Justiz ist das!
00:47:35Für Vera Brühne und ihren Mitangeklagten Johann Ferbach
00:47:38war die erste Instanz bis heute auch die letzte.
00:47:41Über Schuld oder Unschuld habe ich nicht zu entscheiden.
00:47:45Erklärte denn auch Bundesanwalt Kohlhaas,
00:47:48als er den Antrag stellte,
00:47:50die Revision der beiden Verurteilten, Brühne und Ferbach, zu verwerfen.
00:47:56Um Schuld oder Unschuld aber geht es.
00:47:59Und da ist eine Instanz zu wenig,
00:48:01wenn man bedenkt, welch schlimme Fehlurteile
00:48:05deutschen Schwurgerichten nach 1945 und auch davor unterlaufen sind.
00:48:12Zweitens haben im Fall Ferbach-Brühne die Aussagen von zwei Hörensagen-Zeugen
00:48:18als Eckpfeiler der Verurteilung herhalten können.
00:48:22Das deutsche Prozessrecht erlaubt das.
00:48:26Beide Zeugen, der Berufsdenunziant Schramm und die Brühne-Tochter Sylvia,
00:48:32waren Musterbeispiele des nichtklassischen Zeugen.
00:48:36Und was nun gerade die Motive betrifft,
00:48:39so sind sie, so sind wenigstens zwei davon,
00:48:42bereits auf den ersten Blick handgreiflich in diesem Fall.
00:48:46Sylvia hatte das Sparkassenbuch ihrer Mutter ausgeräumt
00:48:54und hatte begreifliche Furcht vor deren Rückkehr aus dem Untersuchungsgefängnis.
00:48:57Zweitens, sie verkaufte einer Illustrierten die Briefe,
00:49:01die ihre Mutter aus dem Untersuchungsgefängnis an sie geschrieben hat.
00:49:04Schramm hatte offenkundig als Agent-Provokateur gedient
00:49:08und Vera Brünes Tochter widerrief in der Hauptverhandlung ausdrücklich
00:49:14ihre die Mutter belastende Aussage,
00:49:16die sie vor Beginn der Hauptverhandlung gemacht hatte.
00:49:20Gewertet wurde aber nicht der in der Hauptverhandlung bekundete Widerruf,
00:49:26sondern zum Nachteil der beiden Angeklagten die vorher gemachte Aussage.
00:49:51Achtung, Strafgefangene der ersten Schicht!
00:49:54Es erfolgt gleich eine Anstaltsbesichtigung
00:49:57von einer Kommission des Bayerischen Justizministeriums.
00:50:02Die Maschinen sind abzustellen.
00:50:04Die Strafgefangenen haben neben ihrem Arbeitsplatz Aufstellung zu nehmen
00:50:09und sich einer vorrechten Haltung zu begleitigen.
00:50:13Gestellte Fragen sind knapp und präzise zu beantworten.
00:50:25Achtung!
00:50:43Die Arbeitsproduktivität in diesem Saal ist...
00:50:45Ja, ja, ja, ist genug.
00:50:46Ach, Brünes, kommen Sie mal vor.
00:51:00Strafgefangene Vera Brüne, verurteilt wegen gemeinschaftlichen Raubmordes
00:51:03zu lebenslänglich Zuchthaus.
00:51:04Davon abgesessen sechs Jahre, sieben Monate, zwölf Tage.
00:51:09Ja, ist ja gut.
00:51:11Wenn Sie irgendwelche Beschwerden oder Klagen haben, dann können Sie sie jetzt vortragen.
00:51:16Ich habe keine Beschwerden, Frau Anstaltsdirektor.
00:51:18Ich werde korrekt behandelt.
00:51:20Frau Brüne, ich weiß, Sie hadern noch immer mit Ihrem Urteil und streben seine Revision an.
00:51:25Die Revision ist bereits vor vier Jahren vom Bundesgerichtshof verworfen worden.
00:51:28Eben. Und zwei Wiederaufnahmeanträge, die Ihr Verteidiger gestellt hat, ebenfalls.
00:51:32Jedes Mal von anderen Richtern.
00:51:34Es ist Ihnen doch jede im Gesetz vorgeschriebene Gerechtigkeit widerfahren.
00:51:38Sie sind rechtmäßig verurteilt worden.
00:51:41Mein Verteidiger hat einen neuen Antrag auf Wiederaufnahme meines Verfahrens gestellt, Herr Staatsanwalt.
00:51:46Das ist Oberstaatsanwalt, Rüth.
00:51:48Ja, doch.
00:51:50Ich fürchte, nur diesem Antrag droht die gleiche Ablehnung wie den anderen.
00:51:54Besser wäre es, und das möchte ich Ihnen raten, endlich vor sich selbst ein Schuldbekenntnis abzulegen und ein Gnadengesuch einzureichen,
00:52:02das ich befürworten werde.
00:52:03Weil eben nur noch ein Gnadengesuch und nicht irgendwelche obskuren Sensationszeugen Ihr Schicksal wenden können.
00:52:08Ich will keine Gnade von Ihnen.
00:52:10Ich will von einem Gericht freigesprochen werden.
00:52:13Und zwar wegen erwiesener Unschuld.
00:52:15Seit wir vor etwa einem Jahr die Produktion auf das MTM-Kleinzeitverfahren der amerikanischen Konfektionsindustrie umgestellt haben,
00:52:23erreichten wir im letzten Monat mit 207 Prozent die höchste Arbeitseffektivität aller Frauenstrafanstalten der Bundesrepublik.
00:52:30Das ist ja erstaunlich.
00:52:31Ja.
00:52:31Ach, ich möchte aber doch noch einmal gerne auf diese letzte Strafgefangene, diese...
00:52:35Ach, diese Brühne.
00:52:36Ja, so heißt sie wohl zurückkommen.
00:52:37Ich war damals noch nicht im Ausschuss für die Gefangenenfürworte und habe den Fall nicht so genau verfolgt.
00:52:41Aber die Haltung dieser Frau hat mich berührt.
00:52:45Tritt so eine Mörderin auf, nach so langer Strafhaft?
00:52:48Und hätte sie nicht doch unwillkürlich anders reagiert auf einen in Aussicht gestellten Gnadenakt?
00:52:53Ich weiß nicht.
00:52:55Wenn ich mir vorstelle, jemand könnte unschuldig auf Lebenszeit, sollte man nicht doch noch einmal überprüfen?
00:53:01Nein, ich glaube, ich kann Sie da völlig beruhigen, Herr Kirchenrat.
00:53:04Gerade im Fall Brühne sind, schon wegen des großen Aufsehens in der Öffentlichkeit,
00:53:09alle rechtlichen Möglichkeiten zur Findung wie zur Überprüfung des Urteils ausgeschöpft worden.
00:53:13Ja, ja.
00:53:14Vier Wochen dauerte der Schwurgerichtsprozess.
00:53:17Drei Tage verhandelte der Bundesgerichtshof über das Revisionsbegehren.
00:53:21Drei Wiederaufnahmeanträge wurden behandelt, soweit es die Strafprozessordnung überhaupt erlaubte.
00:53:26Das Urteil hielt allen Anfechtungen stand, weil es richtig ist.
00:53:31Dennoch, Herr Oberstaatsanwalt, wenn Ihnen mein Wort etwas gilt,
00:53:35dann setzen Sie sich bitte dafür ein, dass das Urteil noch einmal überprüft wird.
00:53:38Ja, da kann ich Ihnen jetzt schon eine positive Antwort drauf geben.
00:53:41Im Fall Brühne-Fährbach ist ein neues Wiederaufnahmeverfahren angestrengt worden.
00:53:46Morgen früh höre ich den Zeugen.
00:53:49Na dann schießen Sie mal los.
00:53:51Wer hat denn nun in Wahrheit den Dr. Braun und seine Haushälterin ermordet?
00:53:55Und bitte möglichst ausführlich auch warum.
00:53:57Niemand soll länger behaupten können, die Bayerische Staatsanwaltschaft leiste Beihilfe zu einem Justizmord,
00:54:02nur um die wirklichen Schuldigen, aus welchen Gründen auch immer, zu detten.
00:54:05Das weiß ich nicht.
00:54:07Ach was, das wissen Sie nicht?
00:54:10Da hat sich der Stern und der Spiegel und Quick und wer sonst noch über die Geschichte berichtet,
00:54:15die Sache mit dem Oberstre Penning und dem Oberstleutern Schröder aus den Fingern gesogen.
00:54:19Nicht, aber ich möchte mit all dem nichts zu tun haben.
00:54:22Das müssen Sie doch wohl verstehen.
00:54:24Nun mal langsam.
00:54:25Was Sie möchten, ist hier völlig uninteressant.
00:54:28Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu fordern, dass herausgefunden wird,
00:54:32ob zwei hohe Bundeswehroffiziere wegen irgendwelcher Karelen mit Waffengeschäften
00:54:36womöglich noch im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes
00:54:39oder des ehemaligen Verteidigungsministers Strauß einen Doppelmord verübt haben.
00:54:43Da sind Sie verpflichtet auszusagen, was Sie wissen.
00:54:46Das soll ich in einem öffentlichen Prozess sagen?
00:54:49So weit ist es noch lange nicht.
00:54:51Erst müssen Sie mal hier Angaben machen.
00:54:54Und dann vor der Strafkammer, die zu entscheiden hat, ob der Antrag der Verteidigung, ein Wiederaufnahmeverfahren zu fordern, berechtigt ist.
00:55:01Wenn es so weit kommt, werden Sie erneut vernommen, und zwar vor der Strafkammer, die das Urteil im Fall Brühne
00:55:06-Fährbach gesprochen hat.
00:55:07Die muss dann entscheiden, ob Ihre Aussage glaubwürdig ist und ob ein Wiederaufnahmeverfahren zugelassen wird.
00:55:14Und all diese Verhandlungen erfolgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
00:55:18Erst wenn ein Wiederaufnahmeverfahren zugelassen ist, könnten Sie in einem neuen Schwurgerichtsprozess als Entlastungszeuge angehört werden.
00:55:25Aber das könnte auch gegebenenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen,
00:55:30wenn die Sicherheit der Bundesrepublik durch Ihre Aussage gefährdet schiene.
00:55:34Ach so.
00:55:36Na, also schön.
00:55:38Ich hatte Ostersonnabend 1960, also genau in der Nacht zum Ostersonntag,
00:55:43Reppening und Schröder nach Pöcking zu Braun gefahren.
00:55:45Ostersonnabend? Moment.
00:55:48Hier im Antrag der Verteidigung auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Vera Brühne heißt es,
00:55:54der Zeuge Händges Roger kann bekunden, dass er am späten Gründonnerstagabend,
00:56:00den 14. April 1960 um 21.35 Uhr von seiner Wohnung aus Dr. Braun in Pöcking angerufen,
00:56:07ihn persönlich gesprochen und den Besuch von Reppening und Schröder angekündigt hat.
00:56:11Da ist doch mit keiner Silbe die Rede davon, dass Sie die beiden nach Pöcking gefahren haben.
00:56:15Ich wollte am Ende nicht noch wegen Beihilfe zu dem Mord rankommen.
00:56:19Dem Verteidiger ging es nur darum, die Tat Zeit zu Fall zu bringen.
00:56:23Nach dem Schwurgerichtsurteil hatten wir aber Brühne den Mord um 19.45 Uhr verübt.
00:56:27Wenn ich aber mit Braun noch um 21.35 Uhr telefoniert hatte, konnten Sie mich vorher schon erschossen haben.
00:56:33Also wann denn nun? Gründonnerstag oder Ostersornabend?
00:56:38Tja, dann muss es, muss es Gründonnerstag gewesen sein.
00:56:42Wer will das heute noch wissen?
00:56:44Ich fürchte auf die Aussage eines solchen Zeugen hin,
00:56:49wird sich kein Richter bereit finden, das Urteil eines Schwurgerichtsprozesses für unrechtmäßig zu erklären.
00:56:55Ich habe mich in dieser Sache nicht als Zeuge aufgedrängt.
00:56:57Ein Reporter hat mich ausfindig gemacht, als ich in die Bundesrepublik zurückgekehrt war.
00:57:02Ich wäre schon sehr froh, wenn ich mit diesen alten Geschichten Ruhe gelassen würde.
00:57:08Herr Dr. Otto Braun war vor dem Weltkrieg und während des Weltkrieges Angehöriger der Reichssicherheitsstaaten in München.
00:57:16Und ich habe in 1958 Herr Dr. Otto Braun kennengelernt.
00:57:24Und er arbeitete seit dieser Zeit, seit langer Zeit, für der Bundesnachrichting genau wie ich.
00:57:31Ich habe im Auftrag meiner Auftraggeber in Paris an Herrn Dr. Otto Braun in mehrmaligen Auszahlungen an etwa 3000 DM
00:57:41überreicht.
00:57:56Nach acht Jahren Haft verstarb am 21.06.1970 Johannes Fehrbach in der Haftanstalt Straubing.
00:58:06Frau Brühne, ich bin zu Ihnen gekommen, um Ihre Verteidigung in einem neuen Wiederaufnahmeverfahren zu übernehmen.
00:58:11Da sind Sie schon der fünfte. Nein, der sechste Rechtsanwalt, der das tun wollte.
00:58:16Seit bekannt wurde, dass meine früheren Verteidiger von einem Geheimkonto bezahlt wurden,
00:58:20damit Sie nichts unternahmten, um die wirklichen Mörder Brauns ausfindig zu machen.
00:58:24Ich brauche kein Geld.
00:58:26Dann eben Reklame.
00:58:28Nun hören Sie mir doch mal zu.
00:58:29Ich bringe Ihnen den Zeugen, der beweisen wird, warum und von wem Dr. Braun erschossen wurde.
00:58:33Der Anwalt, der vorige Woche hier saß, der wollte den lückenlosen Beweis erbringen,
00:58:37dass Braun doch Selbstmord verübt hat.
00:58:39Mit zwei Kugeln im Kopf.
00:58:41Nun haben Sie doch etwas Vertrauen zu mir, Frau Brühne.
00:58:43Ach, wer soll denn jetzt noch etwas beweisen?
00:58:46Ich kann das nicht mehr aushalten, dass man immer wieder zu mir kommt und mir Hoffnungen macht
00:58:51und dabei ganz andere Ziele verfolgt.
00:58:54Sie werden doch selbst am besten beurteilen können,
00:58:56in welchen Kreisen Dr. Brauns Mörder zu suchen waren.
00:59:00Der Mann, der darüber genau Bescheid weiß, musste damals ins Ausland flüchten,
00:59:04um nicht das gleiche Schicksal wie Dr. Braun zu erleiden.
00:59:07Er ist erst jetzt...
00:59:08Nein, nein, nein, nein, ich will das nicht alles noch einmal durchmachen.
00:59:12Dieses grauenhafte Wagen, Monat um Monat und dann wieder abgelehnt.
00:59:17Ich habe mich jetzt damit abgefunden.
00:59:20Ich komme hier auch nur raus wie der Hannes Fährbach.
00:59:25Tod.
00:59:27Erst dann wird es Ruhe um den Fall geben.
00:59:32Ich hole Sie vorher raus.
00:59:33Glauben Sie es mir.
00:59:36Unterschreiben Sie mir das hier.
00:59:38Allerdings auch die finanziellen Bedingungen auf der Rückseite.
00:59:41Ich habe kein Geld.
00:59:44Auch wenn ich mal frei bin.
00:59:46Ich will auch das Haus nicht mehr.
00:59:48Sie sollen mir nur die Hälfte der literarischen und publizistischen Rechte Ihres Falles abtreten,
00:59:53wenn ich Sie herausgepaukt habe.
01:00:22Ich will das Haus nicht mehr.
01:00:22Bitte.
01:00:24Achtung, ein Herr Herrmann-Gerns...
01:00:27Würden Sie bitte schön Ihre Sonnenbrille abnehmen, Herr Brandes?
01:00:29Aber gern.
01:00:31Danke.
01:00:34Sie waren lange im Ausland.
01:00:36Ja, bald neun Jahre.
01:00:38Da werden Sie München kaum wiedererkennen.
01:00:39Was denken Sie, was hier gebaut wird für die Olympiade?
01:00:49Schön, dass Sie gekommen sind.
01:00:51Zwei Jahre habe ich gebraucht, um Sie ausfindig zu machen.
01:00:54Tja, Sie wissen ja, in meinem Beruf reist man viel in der Welt herum.
01:00:59Und um die Bundesrepublik habe ich nun mal immer gern einen großen Bogen gemacht.
01:01:03Ach, das ist doch jetzt alles anders hier geworden.
01:01:05Über zehn Jahre sitzt diese Frau jetzt hinter Gittern.
01:01:08Unschuldig, durch offenkundiges Fehlurteil.
01:01:10Der Mann, den Sie mit ihr verurteilt haben, ist inzwischen im Zuchthaus verstorben.
01:01:14Aber es führt keinen Weg ran an dieses Urteil.
01:01:17Mit allen und zum Teil unvorstellbaren Tricks,
01:01:20versteht das die Justiz, sämtliche Wiederaufnahmeanträge zu Fall zu bringen.
01:01:24Und nun soll ich helfen, dieses Urteil zu Fall zu bringen, wie?
01:01:28Ich meine, dass Sie sich entschließen sollten, jetzt auszusagen.
01:01:30Sie haben doch niemanden mehr zu fürchten.
01:01:32Der Bundesnachrichtendienst wird seit 1969 von einer neuen Regierung kontrolliert.
01:01:36Händges ist doch schon seit langem zurück.
01:01:38Warum haben Sie sich nicht an ihn gewarnt?
01:01:42Er hat sich ja als Zeuge für ein Wiederaufnahmeverfahren zur Verfügung gestellt.
01:01:45Hat doch ausgesagt, dass Rappenning und Schröder damals bei Braun waren.
01:01:48Aber seine Aussagen waren so unbestimmt.
01:01:51Entweder hatte er immer noch Angst,
01:01:53Rodert hat es bewusst, um sich nicht festzulegen.
01:01:55Die Richter hatten es jedenfalls leicht, ihn als unglaubwürdig abzulehnen.
01:01:59Was erwarten Sie dann von mir?
01:02:01Ich kann nicht, ich darf gar nichts aussagen.
01:02:04Als ehemaliger hauptamtlicher Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes
01:02:07unterliege ich noch heute seine Geheimhaltungsvorschriften.
01:02:09Dann fahren Sie doch wenigstens mal hin nach Pullach.
01:02:11Sind doch jetzt neue Leute da.
01:02:35Und grüß Gott.
01:02:37Grüß Gott.
01:02:53Hans-Joachim Brandes, 49, Kaufmann aus Wiesbaden, der in letzter Zeit im Fall Brüner eine Rolle gespielt hatte,
01:02:59ist in einem Waldstück bei Schäftlan in der Nähe von München tot in seinem Wagen gefunden worden.
01:03:04Als Todesursache wird eine Vergiftung angegeben.
01:03:08Die Landpolizei wollte den Vorfall zunächst nicht bestätigen, meldete aber am Freitag, ein Hans-Joachim B. habe Selbstmord begangen.
01:03:15Dies ergebe sich aus der Sachlage und aus Abschiedsbriefen.
01:03:18Als Motiv wird eine schwere Krankheit vermutet.
01:03:20Brandes, der im Krieg bei der Abwehr unter Admiral Canaris tätig war,
01:03:24hatte zeitweilig für den Bundesnachrichtendienst in Pullach, wenige Kilometer von Schäftlan entfernt, gearbeitet.
01:03:33Seit über zehn Jahren sitzt Vera Brüne unschuldig in dieser Bayerischen Strafvollzugsanstalt.
01:03:39Sechs gestellte Anträge auf Wiederaufnahme des Prozesses wurden von den Justizbehörden der Bundesrepublik als unbegründet abgelehnt.
01:03:48So steht weiter der Vorwurf im Raum, die Justiz habe kein Interesse daran, das Wiederaufnahmeverfahren durchzuführen.
01:03:57Professor Ulrich Sonnemann ist in seinem Buch Der bundesdeutsche Dreifußskandal viel weiter gegangen.
01:04:03Er spricht von einem Rechtsbruch der Justiz und einem Missbrauch der Macht durch die zweite Gewalt.
01:04:08Trotz eines Strafantrags von Franz Josef Strauß und trotz der Beschlagnahme seines Buches bleibt Ulrich Sonnemann bei seinem Vorwurf.
01:04:15Diese Sprache, die der Justiz unerwünscht ist, spricht das Buch, jenen Beweis führt es.
01:04:24Da das Resultat für die Justiz nicht schmeichelhaft sein kann, ist es in außerordentlich großer Eile verboten, eingezogen, beschlagnahmt worden.
01:04:36Reepening ist seit vier Jahren tot.
01:04:38Sein ehemaliger Chef, Franz Josef Strauß, hat vor ein paar Wochen eidesstattlich versichert, dass er selbst mit dem Mord nichts
01:04:44zu tun gehabt habe.
01:04:45Aber zumindest die Rolle seines Adjutanten ist bis heute ungeklärt.
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