Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 3 Stunden
Auf rund vier Kilometer bricht der Ort Niscemi auf Sizilien ab. Das Risiko war bekannt: der Hang galt als instabil, es gab bereits Abbrüche. Doch vorgesorgt hat kaum jemand. Jetzt sind ganze Viertel dauerhaft unbewohnbar.

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:02Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor Ihrem Haus und plötzlich gibt der Boden unter Ihren Füßen nach.
00:08Genau das ist hier auf Sizilien passiert.
00:10Mehr als 1500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
00:14Viele werden nie zurückkehren.
00:16Dabei war seit Jahren bekannt, das Gebiet gilt als Erdrutsch gefährdet.
00:21Fördergelder waren vorgesehen, doch Schutzmaßnahmen blieben aus.
00:29Mischemi, rund 90 Kilometer südwestlich von Catania.
00:33Rund 25.000 Menschen leben hier in einer der wirtschaftlich schwächsten Regionen Italiens.
00:39Die Straßen der Altstadt, seit dem 25. Januar 2026 sind sie menschenleer.
00:45Auch Carmela Rizzo musste ihr Haus verlassen.
00:48Bei der Feuerwehr wartet sie mit ihrer Tochter auf Hilfe.
00:52Sie will noch einmal zurück, um wenigstens ein paar persönliche Dinge zu holen.
00:59Sie begleiten mich noch einmal ins Haus. Mal sehen, was wir noch finden.
01:06Dann macht sich Carmela auf den Weg, begleitet von freiwilligen Helfern unter Feuerwehr.
01:12Wo wir jetzt untergebracht sind, haben wir kein Holz mehr. Deshalb muss ich den Gasofen holen.
01:20Es ist nicht das erste Mal, dass Carmela alles zurücklassen muss.
01:251997 zerstörte ein Erdrutsch zahlreiche Häuser in Mischemi, auch ihres.
01:30Drei Jahre hat es damals gedauert, bis ich in das neue Haus einziehen konnte.
01:35Seit dem Jahr 2000 habe ich dort gelebt.
01:39Nach dem Erdrutsch von 1997 wurden der Gemeinde Nischemi rund 10 Millionen Euro bewilligt.
01:45Mit dem Geld sollten betroffene Familien unterstützt und gefährdete Häuser abgerissen werden.
01:50Zehn Jahre später folgte ein weiteres Programm.
01:539 Millionen Euro waren für Sicherungsmaßnahmen am Hang vorgesehen.
01:58Realisiert wurden diese Projekte jedoch nicht. Warum? Darüber wird bis heute gestritten.
02:03Der sizilianische Journalist Salvo Catalano ist der Frage nachgegangen, was mit dem Geld geschah.
02:10Diese riesige Bürokratie-Maschinerie in Sizilien spielt in der Sache mit dem Erdrutsch von Nischemi eine entscheidende Rolle.
02:18In den letzten Jahren war das Geld eigentlich da.
02:20Ja, gescheitert ist es meistens an fehlender Planung, an völlig unterbesetzten Ämtern und an der Langsamkeit der Bürokratie.
02:31Der heutige Bürgermeister war zur Zeit der Bewilligungen noch nicht im Amt.
02:36Er weist alle Verantwortung von sich.
02:40Für die Verwaltungen vor mir kann ich keine Rechenschaft ablegen.
02:44Ich kann und werde nur für meine eigene Amtsführung Verantwortung übernehmen.
02:48Dafür gibt es die zuständigen Behörden, die diese Fragen klären müssen.
02:53Inzwischen hat die Taliens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei ihrem zweiten Besuch in Nischemi 150 Millionen Euro zugesagt.
03:01Das Geld soll betroffenen Familien helfen und das Gelände sichern.
03:05Doch den Hang dauerhaft abzusichern, wird keine einfache Aufgabe, sagt der Geologe Filippo Capotto.
03:14Der Riss im Boden ist etwa vier Kilometer lang.
03:18Er reicht sehr tief, deshalb sind bauliche Sicherungen extrem schwierig.
03:24Weitere Erdrutsche ganz verhindern? Wahrscheinlich nicht.
03:29Man kann versuchen, Wege zu finden mit der Gefahr zu leben.
03:32Und wir müssen leider damit rechnen, dass sich die Abrisskante weiter nach hinten verlagert.
03:42Zurück zu Carmela.
03:51Das ist der Gasofen.
03:55In Carmelas Wohnung scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.
03:59Seit dem Tag, an dem die Erde in Nischemi ins Rutschen gerät.
04:03Die Erinnerung daran ist noch immer präsent.
04:07Wir roten uns gerade aus. Ich hatte eben geduscht, war noch im Pyjama und in Hausschuhen.
04:12Plötzlich dieser Krach. Bumm, bumm. Dann der Anruf des Bürgermeisters. Wir müssen sofort raus. Schnell.
04:19Ob Carmela jemals wieder in ihr Haus zurückkehren kann, ist ungewiss.
04:25Ich hoffe nur, dass ich ein Haus bekomme, in dem ich sterben kann.
04:28Damit ich wenigstens weiß, wo ich sterben kann.
04:32Konkrete Pläne aber, wie die Zukunft Nischemis aussehen soll, gibt es bisher keine.
Kommentare

Empfohlen