00:01Weitläufiger Open World, ein unverbrauchtes Mittelalter-Setting, prächtige Grafik dank
00:06Unreal Engine 5 und das alles in einem authentischen Pferdespiel. Schon bei der Ankündigung von The
00:12Legend of Kimori wurden wir als langjährige Pferdemädchen hellhörig. Noch dazu stammt
00:17es vom Entwicklungsstudio Acer Interactive, die vorher die Ostwind-Spiele gemacht haben,
00:22das sind also Pferdeprofis. Am 3. März startet Kimori nun endlich in den Early Access und wir
00:27haben dem Gaul mal etwas genauer ins Maul geschaut. Schon nach wenigen Spielstunden wird klar,
00:34die Vision eines großen Pferdespiels ist in der Early Access Version bereits deutlich erkennbar.
00:39Allerdings muss Kimori sich bis zum vollen Release noch ordentlich anstrengen, um sich die Sporen zu
00:45verdienen. Bevor wir hier direkt anfangen zu meckern, wollen wir erstmal loben, das Setting ist einfach
00:57toll. Im 13. Jahrhundert setzt das große Reich der Mongolen auf die sogenannten Yam-Kuriere,
01:03um weiter voneinander entfernte Siedlungen zu verbinden. Das kann man sich wie einen
01:07mittelalterlichen Lieferdienst vorstellen. Per Pferd wurden Waren und Nachrichten durch die Weiten der
01:12mongolischen Steppe transportiert. Da dieses Transportsystem für entlegene Siedlungen oft
01:16überlebenswichtig war, waren die Yam-Reiter angesehene Leute. In The Legend of Kimori spielen wir
01:22Nada, eine dieser jungen Kurierreiterinnen. Wir galoppieren hoch zu Ross von A nach B,
01:28stellen Lieferungen zu und verbessern so nach und nach unser Netzwerk an Kurierstationen.
01:33Eine richtige Story gibt es zum Early Access Release allerdings noch nicht. Die Kampagnen-Missionen
01:38sollen auf dem Weg zum Full Release Stück für Stück nachgereicht werden. Bislang bietet uns The
01:44Legend of Kimori lediglich einen Einblick in die Erkundungs- und Survival-Mechaniken der Spielwelt.
01:48Nach etlichen Fantasy-Open-Worlds fühlt sich das historische Setting jedoch angenehm geerdet und
01:54unverbraucht an. Als mongolische Postbotin spielt sich unser Alltag im Sattel ab. Das Reiten steht
02:01bei Kimori konsequent im Vordergrund. Unser Pferd ist eben nicht nur Vehikel in Form eines behaarten
02:07Motorrads mit 1 PS, sondern der wahre Hauptcharakter des Spiels. Zum Beispiel hat Nada selbst gar keinen
02:13Lebensbalken. Stattdessen achten wir auf Gesundheit und Ausdauer unseres Pferdes. Survival-typisch gibt's
02:19außerdem Anzeigen für Hunger, Durst und Stimmung des Tieres. Den ganzen Tag durchgaloppieren ist
02:24nicht, da geht unserem Ross nicht nur die Luft, sondern auch die Lust aus. Um das Pferd bei Laune
02:29zu halten, müssen wir in regelmäßigen Abständen rasten, striegeln, füttern und tränken. Jedes Pferd
02:35hat zudem unterschiedliche Stärken. Einige sind auf Geschwindigkeit gezüchtet, andere halten
02:40wiederum Kälte oder Hitze besser aus. Zu einem gewissen Grad können wir diese Statuswerte über
02:45gezieltes Training beeinflussen. Das perfekte Rennpferd gibt's aber nur über das detaillierte
02:50Zuchtsystem. Damit können wir bestimmte Eigenschaften unserer Pferde über Generationen
02:55hinweg in eine gewünschte Richtung ausbauen und kombinieren. Die Kurieraufträge holen wir uns bei
03:00den vielen verstreuten Siedlungen ab. Mal benötigt ein Schamane eine neue Trommel, mal sollen wir ein
03:06Paarballen Stoff quer durch die Steppe transportieren. Einfach querfährt ein drauf lospreschen ist aber
03:11selten eine gute Idee, denn schwieriges Gelände macht die Pferde müde und ein Sturz beschädigt
03:16empfindliche Fracht. Vor dem Ausritt muss die Route auf der Karte mit Wegpunkten geplant werden. Ein
03:23sehr cooles Feature, das bereits auf kleiner Fläche viel Spaß macht. Auch das Gewicht in den Satteltaschen
03:28muss wenigstens einigermaßen gleichmäßig verteilt sein, sonst geraten unsere Pferde schnell
03:33ins Straucheln. Dadurch werden wir langsamer, verlieren Ausdauer oder das Tier verletzt sich
03:38sogar. Leider gerät durch all diese für sich genommen interessanten Mechaniken der Spaß am
03:43Reiten etwas ins Hintertreffen. Denn ständig ist unser Pferd müde, hungrig oder halbtot,
03:49weil wir es gewagt haben, einmal 30 Sekunden am Stück zu galoppieren. Survival-Enthusiasten dürfte
03:55das nicht stören. Andere könnten allerdings schnell die Geduld verlieren, wenn der Tank unseres Gauls
04:01nach wenigen hundert Metern schon wieder leer ist. Wir raten außerdem allen, möglichst viel
04:06im Sattel zu bleiben, denn die Pferde-KI ist teilweise doof wie Steppengras.
04:20Mehrfach mussten wir einen Spielstand neu laden, weil unser Pferd sich in einem Tümpel ertränkt
04:25hat, statt daraus zu trinken. Stürze von Klippen sind ebenfalls eine beliebte Todesaat.
04:31Da wir nicht manuell speichern können, müssen wir dann häufig die zuletzt zurückgelegte
04:35Strecke noch einmal abreiten. Einige Mechaniken funktionieren auch noch nicht so recht. Der
04:42Brückenbau etwa, der Abkürzungen auf manchen Routen erschließen soll, bewirkt momentan absolut
04:47gar nichts, selbst wenn wir alle nötigen Rohstoffe zum richtigen Ort gesteppt haben. Toll!
04:56Richtig ärgerlich ist, dass viele dieser Mechaniken vermutlich durch Dialoge in den
05:01Story-Segmenten erklärt werden, die ja im Laufe des Early Access hinzugefügt werden. Will eine
05:06Händlerin, dass wir für sie Fleisch finden, sagt sie uns mutmaßlich ja auch von wo, aber in der aktuellen
05:13Early-Access-Phase fehlt davon jede Spur und wir stehen mit Pfeilen und Bogen auf weiter Flur.
05:19Der Punkt, an dem unsere hoffnungsvolle Laune vollends in Frust umschlug, war eine Quest,
05:24bei der wir einen schneebedeckten Berg hoch mussten. Der Wegpunkt führte uns weit in den Osten, weg von
05:29dem einzigen Berg mit Schnee weit und breit. Gut, das Spiel wird schon wissen, was es tut. Das hier ist
05:35sicher nicht der einzige Berg mit Schnee in der gesamten Mongolei. Zwei Kilometer später wartet hier aber nur
05:41ein Dornenbusch mit endlos Thymian, sonst nichts. Nach ewiger Suche über die nahen Gipfel sind wir dann
05:47wieder zwei Kilometer zurückgeeselt und sind auf gut Glück mit Kältetränken bewaffnet den
05:52ursprünglichen Berg hinauf. Dass die Tränke nur 30 Sekunden gehalten, wir aber insgesamt zehn Minuten
05:57den Berg hinauf gebraucht haben, hat uns jetzt auch nicht mehr abgeschreckt. Oben angekommen wartete dann
06:02tatsächlich das Questziel und ein hübscher Ausblick. Für den Rückweg konnten wir uns nur leider keine
06:08weiteren Kältetränke mehr kaufen. Die gab's hier nicht.
06:15Außerdem fehlen die einfachsten Komfortfunktionen. Das Inventarmanagement fällt besonders mit dem
06:20Controller fummelig aus, Questmarker zeigen ins Leere und ohne ordentlichen Questlog wissen wir
06:26viel zu häufig nicht, was wir eigentlich tun sollen. Als wir bestimmte Abschreckungspfeile craften sollten,
06:32kamen wir schließlich gar nicht mehr weiter, da wir die benötigte spezielle Kochstelle nirgends
06:37finden konnten. Ein echter Hingucker von The Legend of Kimori ist dagegen die schicke Grafik
06:43der Unreal Engine 5. Die ermöglicht eine atemberaubende Weitsicht und stimmungsvolle Beleuchtung.
06:51Die weitläufige Open World ist mit ihren vielen unterschiedlichen Biomen schön abwechslungsreich
06:56gestaltet. Von verschneiten Gipfeln, über grasbedeckte Steppen, matschigen Sümpfen bis hin zur
07:03sonnenverbrannten Wüste wird unser reiterisches Können in nahezu jedem Terrain gefragt.
07:08Wenn der Wind beim Galopp durchs hohe Steppengras die Mähne unseres Pferdes zu Wehen bringt und
07:14ein Adler über uns am Himmel seine Kreise zieht, fühlen wir uns beinahe wirklich wie ein Reiter
07:20im Reich von Genghis Khan.
07:28Richtig gut gelungen sind die Animationen der Pferde, wenn sie denn funktionieren.
07:35Ein Red Dead Redemption 2 hat zwar insgesamt schönere 3D-Modelle, aber die glaubwürdigen
07:40Bewegungsanimationen der Vierbeiner beim Springen, Galoppieren und Richtungswechsel zeigen, dass hier
07:46viele Profis am Werk waren. Schaut doch einfach mal, wie fein das Pferd hier beim im Kreislaufen
07:51die Beine überkreuzt.
07:55Die Pferde grasen auch automatisch oder trinken aus Flüssen, wenn wir stehen bleiben. Herrlich!
08:00Die Pferde und die Spielwelt sind ganz klar die Stars von Kimori.
08:12Deutlich weniger gelungen fallen die Animationen der menschlichen NPCs aus.
08:20Ihre Bewegungen wirken Hölzern. Selbst in einem Wachsfigurenkabinett haben wir schon lebendigere
08:26Gesichter gesehen. Teilweise laden Haare und Kleidung der Figuren noch nach, während wir
08:30bereits mit ihnen reden. Das verleiht dem Spiel aktuell einen gewissen Gruselfaktor.
08:40Auch die Wettereffekte sind noch verbesserungswürdig. Wetterumschwünge kommen wie aus dem Nichts.
08:45Wenn es regnet, fällt die Sichtweite oft auf nur wenige Meter. An Weiterreiten ist so eigentlich
08:51nicht zu denken. Dumm nur, dass wir nicht überall unser Lager aufschlagen können, sondern im Blindflug
08:57durch die Gegend irren müssen, bis der Sturm sich legt.
09:01Und auch bei der Performance besteht aktuell noch Ausbaubedarf. Auf unserem Testrechner
09:06mit GeForce RTX 5080 Ti, 32 GB RAM und Wego HD Auflösung läuft das Spiel zwar meistens mit
09:13um die 90 bis 100 FPS. Gelegentlich kommt die Framerate aber trotzdem unschön ins Stottern.
09:19Mehrere Abstürze während des Tests trüben zudem den technischen Gesamteindruck.
09:26Insgesamt erscheint The Legend of Kimori zum Early Access Start deutlich unfertiger, als
09:30es die Trailer und Ankündigungen der Devs zum Anschein hatten. Statt einer runden Vorab-Version
09:35haben wir es hier eher mit einer frühen Alpha zu tun, die die Grundmechaniken des fertigen
09:40Spiels grob umreißt. Diese Mechaniken funktionieren zwar für sich genommen auch schon einigermaßen,
09:45ohne Story mangelt es allerdings noch an Spielspaß und Langzeitmotivation, da die einzelnen Elemente
09:51nicht ordentlich zusammenhängen. Dass die Quests weitgehend Liefermissionen sind, passt zwar zum
09:56Setting. Wirklich packen kann Kimori uns damit aber noch nicht. Selbst das ewige Hin- und Herreiten
10:03geht einem irgendwann so sehr auf die Nerven, dass man sich eine Schnellreisemechanik wünscht. Das ist
10:08eine Todsünde für ein Reitspiel, bei dem es um Routenplanung geht. Wenn dann noch haufenweise Bugs
10:14dazukommen, wird der Pferdespaß wirklich vollends ausgebremst. Von einem gut durchdachten, aber
10:20dafür vielleicht kleineren Early Access, wie bei Baldur's Gate 3 oder Abiotic Factor, fehlt hier jede
10:26Spur. Klar, ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss, aber etwas mehr wäre hier trotzdem schön
10:32gewesen. Blickt man auf die vergangenen Spiele von Acer Interactive zurück, scheint es fast, als habe sich das
10:45Studio mit The Legend of Kimori ein wenig übernommen. Bislang war das Team für Simulatoren wie Ambulance Live und
10:52dem Police Simulator und die beiden Ostwind-Spiele bekannt. Allesamt Projekte mit deutlich kleinerem Umfang und
10:59nur mittelmäßigen Steam-Reviews. Mit Kimori will das Team deutlich mehr. Riesige Open World,
11:06Prachtgrafik, unverbrauchtes historisches Setting, ausgeklügelte Reit- und Survival-Mechaniken und und und.
11:12Tatsächlich bringt The Legend of Kimori im Early Access bereits jede Menge Potenzial und mechanischen
11:18Tiefgang mit. Sollte all das tatsächlich einmal fertig werden, könnten wir es hier mit dem nächsten
11:24Cozy-Game-Hit zu tun haben und einem Pflichtkauf für alle Pferdefreunde. Momentan überschattet der
11:31Frust aber noch den Unterhaltungswert. Solltet ihr euch für das mongolische Reitabenteuer interessieren,
11:37empfehlen wir beim Early Access erstmal abzuwarten und euch nach einigen Updates oder sogar erst zum
11:43vollen Release aufs Pferd zu schwingen.
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