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NewsTranskript
00:00Feminismus, oh Gott, oh Gott.
00:01Meiner Meinung nach brauche ich es nicht unbedingt.
00:03Würden Sie sich selbst als Feministen bezeichnen?
00:06Muss ich ehrlich sagen, habe ich nicht darüber nachgedacht.
00:09Kommt drauf an, was für ein Feminismus.
00:11Die sagen, sie sind Feministen, wo sie eigentlich nur Männer außer sind.
00:13Immer wieder das Gleiche. Die Frauen wollen mehr zahlen,
00:15müssen mehr Zeit kriegen, wenn man die Firma nachsagen,
00:17dann kann man machen, was man will.
00:19Bei der Frau ist das die Hysterie und beim Mann ist halt die Gewalt.
00:21Die Frauen fangen zum Schreien, zum Kreischen
00:23und natürlich irgendwie muss es dann,
00:25fängt er dann natürlich auch mit einer Gewalt da.
00:28Wenn die Frauen ebenfalls ein bisschen entgegenkommender wären,
00:32nicht hysterisch wären, wäre es vielleicht besser.
00:35Apropos hysterische Frauen.
00:37Schon seit der Antike ist der Begriff Hysterie ein Tool,
00:40um Frauen zu kontrollieren.
00:41Schon Hippokrates hat Hysterie als Frauenkrankheit bezeichnet.
00:45Die Botschaft dahinter, Frauen seien irrational,
00:48emotional und nicht ernst zu nehmen.
00:50Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts
00:52hat sich die Wissenschaft langsam davon verabschiedet.
00:54Und trotzdem ist das Bild geblieben.
00:56Auf Social Media werden heute FeministInnen
00:58noch oft als hysterisch und aufgedreht dargestellt.
01:02FeministInnen sind alle hässlich und grässlich.
01:05Das war Lea Schulz, AfD-Politikerin aus Schleswig-Holstein.
01:09Die neue Rechte benutzt auf Social Media gerne den Slogan
01:12Weiblichkeit statt Feminismus.
01:13Auch in unserer Straßenumfrage in Wien
01:15hörten wir besonders von Männern oft den Satz
01:17Gleichstellung von Mann und Frau ja,
01:20aber extremen Feminismus nein.
01:22Zu schnell würde man als Sexist abgestempelt werden
01:24und es sei ja eigentlich schon alles erreicht.
01:26Meine Meinung ist, dass niemand mehr viel zum Erreichen ist.
01:30Weil es ist schon eigentlich eh mehr alles gemacht worden.
01:32Frauen verdienen in Österreich laut Statistik Austria
01:35durchschnittlich 16,3% weniger als Männer.
01:38Viele Frauen sind besonders im Alter armutsgefährdet.
01:41Auch in der Medizin gibt es einen Gender-Gap.
01:43MECFS ist eine der schwersten chronischen Erkrankungen.
01:46Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen
01:47und genau deshalb ist die Forschungslage noch immer extrem schlecht.
01:51Immer wieder hört man, dass es 2026 keinen Feminismus mehr brauche.
01:55Deshalb habe ich mit Frauen gesprochen,
01:57die diese ganzen Statistiken nicht nur kennen,
01:59sondern sie selbst leben.
02:00Mein Name ist Carina.
02:01Mein Name ist Maria Dolezal.
02:03Ich bin die Sandra.
02:04Ich bin Sozialarbeiterin.
02:05Ich bin 73 Jahre alt.
02:07Ich war von familiärer Gewalt betroffen.
02:09Und ich habe aufgrund von der Fehlbehandlung von Long Covid
02:12seit drei Jahren MECFS.
02:15Und da bleibt mir 250 Jahre im Monat zum Leben.
02:19Einmal wurde ein Sessel nach mir geworfen.
02:22Für mich sehr schwierig, mir einzugestehen,
02:24dass ich ihn nicht so kenne, wie ich dachte, dass ich ihn kenne.
02:282015 kam Carina mit ihrem damals besten Freund zusammen.
02:31Ein knappes Jahr später wurde sie ungeplant schwanger.
02:332020 kam ihr zweites Kind zur Welt.
02:35Die Beziehung begann aber immer stärker zu kriseln.
02:38Grundsätzlich tun mir die Männer ja wirklich leid dafür,
02:40dass sie so erzogen worden sind,
02:42dass sie sich selbst nicht spüren dürfen.
02:44Man sieht das ja auch bei Kindern, oder?
02:46Wenn die nicht mehr weiterwissen, dann fangen sie an hinzuhauen.
02:49Wer möchte schon auf einem Niveau von einem Fünfjährigen stecken bleiben?
02:53Also ich hoffe niemand.
02:542021 trennten sich Carina und ihr Partner einvernehmlich.
02:58Schon während der Beziehung trug sie die meiste Care-Arbeit.
03:00Nach der Trennung übernahm sie alles alleine.
03:03Carina begann wieder zu daten und lernte einen neuen Mann kennen.
03:06Es war irgendwie trotzdem noch der Versuch, ein freundschaftliches Verhältnis zu führen.
03:10Und er hat zu mir dann gesagt, ja, ich sehe schon, ich werde die Kontrolle verlieren und er gewinnt sie über dich.
03:18Und das war so gruselig.
03:19Also es war richtig schwierig und gleichzeitig sehr augenöffnet.
03:27Zu dem Zeitpunkt habe ich mir schon gedacht, dass irgendwas im Busch ist, aber ich kann es nicht benennen.
03:31Er wusste Sachen über mich, wo ich mir nicht erklären konnte, woher sie weiß.
03:36Carina fand später zufällig auf einem ihrer Küchenschränke ein verstecktes Mikrofon.
03:41Mir ist kalt geworden.
03:42Es wird doch jetzt kalt, wenn ich daran denke.
03:44Ich fange an zu schwitzen.
03:45Ich habe mich instant nicht mehr zu Hause gefühlt.
03:47Mein Hirn hat gesagt, ja, geh zur Polizei.
03:49Nein, wir machen keine Anzeige.
03:51Wir können eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft schicken.
03:54Was ich zu Hause gemacht habe, ist, ich habe mich erst mal auf die kalten Fliesen gelegt.
03:57Die Fliesen haben mir irgendwie ein Gefühl gegeben von, ich kann bei mir bleiben, ich spüre mich noch.
04:02Das zu erleben von jemandem, den man zehn Jahre oder länger kennt, dem man vertraut hat,
04:07dem man eine Wohnung schlüsselt, weil er die Kinder dort ab und zu betreut hat, das war schrecklich.
04:11Am 23. August 2023 wird Carina, die zu der Zeit im Wohnzimmer übernachtet, von einem lauten Geräusch geweckt.
04:18Sie steht auf und sieht, dass vom Fernseher an der Wand plötzlich Kabel herunterhängen.
04:22Ich habe gleich gewusst, was das ist und war instant am Schreien und Weinen.
04:28Ich habe in nichts an netter Sachen direkt in das Ding reingeschrien.
04:31Auch daran gedacht, was sich alles da abgespielt hat vor dieser Kamera, weil sie auf meinem Bett gerichtet war
04:36und ich eben zu dem Zeitpunkt auch mit einem anderen Mann quasi zusammen war.
04:40Da sieht man schön diese Blende, die unter dem Fernseher versteckt war mit der Knopfkamera und einem Mikrofon.
04:44Diese Dokumentation ist sau wichtig.
04:46Wenn du keine Beweise hast, dann wird dir nichts geglaubt.
04:48Und dann Aussage gegen Aussage, das ist dieses doppelseitige Klebeband, das abgegangen ist,
04:53wodurch diese Blende, wo die Kamera drin versteckt war, gegen die Wand geklatscht wurde.
04:57Meine damalige Chefin, die hat mich dann zur Polizei begleitet.
05:01Das war wirklich mein Glück, weil ich auch davor diverse Beratungsstellen angerufen habe und gefragt habe,
05:05gibt es Unterstützung?
05:07Nee, nein, also so, das ist zu wenig, ja, weil die Förderung deckelt das nicht.
05:12Und ich müsste das sowieso anzeigen, dann gäbe es vielleicht Prozessbegleitung, aber auch nur,
05:18wenn diese Überwachung meine sexuelle Integrität berührt, indem zum Beispiel Aufnahmen ins Internet gestellt werden.
05:24Ja, wie willst du das nachvollziehen?
05:26Carina litt psychisch und körperlich. Auf dem Weg nach Hause brachen ihr immer wieder die Beine weg.
05:31Sie schaffte es kaum, die Wohnung sauber zu halten.
05:33Ihr Ex stellte die Unterhaltszahlungen ein.
05:35Sie musste Alimente einklagen, ihren Kindern erklären, warum der Papa sich nicht mehr ordentlich meldete.
05:40Das Gericht ordnete schließlich einen Tatausgleich an.
05:44Paradoxerweise war ich zu dem Zeitpunkt auch seit einem Jahr selbst im Gewaltschutz tätig.
05:48Also das muss man auch dazu sagen.
05:49Ich habe da wirklich Glück gehabt auch, dass mich mein Umfeld so aufgefangen hat und gesagt hat,
05:54hey, ich kann dich zu einer Beratungsstelle begleiten.
05:56Die Hemmschwelle, das auch in Anspruch zu nehmen, war auf der sozialen Seite sehr hoch,
06:01weil ich eben selbst auch Sozialarbeiterin bin und man denkt dann, ach ja, ich kenne mich aus, ne?
06:05Also so, ich weiß schon, was ich tue.
06:07Wenn du selber Workshops gibst zu einem Thema, das dich so akut selbst betrifft,
06:11wo du quasi wiederholst gegenüber anderen, was dir passiert ist, auch wenn du es nicht direkt sagst,
06:17das war zu viel.
06:18Und du kannst dann auch nicht als Workshop-Leiterin da quasi vorne stehen und selber fast zusammenbrechen.
06:24Egal, welche Bildung man hat, egal, wie aufgeklärt man ist und fortschrittlich,
06:28man ist nicht davor geschützt, dass man Gewalt erlebt.
06:32Also das passiert einfach.
06:33Ach, und daran kann man nicht viel rütteln.
06:36Das Einzige, woran man rütteln kann, ist, wie man selbst damit umgeht.
06:39Seit April 2024 lebt Carina mit ihren Kindern in einer Genossenschaftswohnung in Wien.
06:44Erst nach einem Jahr konnte sie sich wirklich zu Hause fühlen.
06:46Das, was ihr und ihren Kindern passierte, begleitet sie noch heute.
06:50Diese Angst vor dem Sorgeabstieg der Kinder.
06:53Da gab es Tage, wo ich heimgekommen bin um halb neun und die Kinder sagen,
06:56sie haben Hunger, sie haben nur ein Eis gegessen.
06:58Das sind natürlich Gedanken, die einen weiterhin begleiten.
07:02Mittlerweile geht es mir so gut, dass ich wieder anfange zu leben.
07:06Das war eines der ersten Dinge, die ich hier gemacht habe.
07:08Ich habe diesen Ass abgesägt noch, fertig entrindet, habe mir eine Lichterkette besorgt,
07:12habe die drangehängt, aufgehängt und mir meine Lampe gebastelt.
07:17Was bedeutet so Zuhause für dich jetzt?
07:20Zuhause?
07:20Mein Zuhause ist meine Sphäre.
07:24Da kann ich wirklich ich sein.
07:26Und ich glaube auch, ich lasse da niemanden mehr so schnell rein.
07:28Also dieses ungeniert nackt in der Küche tanzen.
07:32Das sind Sachen machen, die ich vorher zu Hause nicht getan habe
07:34und die ich jetzt einfach mache, weil ich weiß, das ist mein Bereich.
07:37Aus meiner Perspektive als Sozialarbeiterin,
07:40Gewalt zu Hause ist niemals Privatsache.
07:43Das ist ein absolutes No-Go und das kann zur Anzeige gebracht werden.
07:46Und viele haben Angst darüber zu sprechen, weil ihnen nicht geglaubt wird,
07:51weil Frauen oft die Schuld zugeschoben wird an den Dingen, die ihnen passieren.
07:55Wie oft sind Frauen als hysterisch emotional abgestempelt worden?
07:58Es ist halt leider kein Zufall, dass Erkrankungen, die überwiegend Frauen betreffen,
08:03kaum erforscht sind oder psychologisiert werden.
08:06Stichwort History.
08:07Für mich fühlt es sich an, als hätte vor drei, vier Jahren jemand auf die Stopptaste gedrückt
08:13und mich aus der Gesellschaft gekickt.
08:15Teilweise putzten einem Partner die Zähne.
08:17Sandra ist 36 Jahre alt.
08:19Früher war sie in der IT tätig, sportlich aktiv.
08:22Vor vier Jahren erlitt sie ihre zweite Covid-Infektion und lebt heute mit ME-CFS,
08:26dem chronischen Fatigue-Syndrom, einer schweren chronischen Erkrankung,
08:30die vor allem Frauen betrifft.
08:31In Österreich gibt es etwa 75.000 Betroffene,
08:34mehr als fünfmal so viele wie Multiple Sklerose-Patientinnen.
08:38Jeder Tag ist anders von den Symptomen her.
08:41Die meisten sieht man mir gar nicht an.
08:44Dadurch verstehen Leute oft nicht, wie schlimm ME-CFS ist
08:48oder glauben, dass es mir besser geht, nur weil ich dann mal in eine Kamera lächle.
08:53Es sieht halt niemand, dass ich 90 Prozent meiner Zeit in einem abgedunkelten Zimmer verbringe.
08:59Ich habe eine hohe Kollapsneigung.
09:00Ich kann schon aufstehen, aber ich kann nicht lange stehen, bevor ich umfalle.
09:05Deswegen brauche ich auch den Rollstuhl.
09:07Kopfschmerzen, Migräne, kognitive Probleme teilweise, Wortfindungsstörungen, Schmerzen, Muskelschwäche, Muskelschmerzen,
09:16Magendarmprobleme, Übelkeit, Erbrechen.
09:19Das sind so die Dinge, die mich am meisten quälen.
09:22Schon kleinste körperliche oder geistige Belastungen verschlechtern Sandras Zustand massiv, oft für Tage oder Wochen.
09:28Lange wurde die Krankheit psychologisiert. Die Forschungslage ist bis heute sehr schlecht.
09:32Ich kann nur nochmal betonen, dass unter Sexismus in der Medizin nicht nur Frauen, deren auch männliche Angehörige leiden,
09:41sondern auch Männer, die von einer Erkrankung betroffen sind, die mehrheitlich Frauen betrifft.
09:47Das ist dann so, als würde ich Krebs rein über die Psyche erforschen oder erklären versuchen.
09:55Das ist absurd. Bei ME-CFS war das aber jahrzehntelang die Norm.
10:00Mittlerweile gibt es aber trotzdem genug Beweise dafür, dass ME-CFS eine körperliche Erkrankung ist.
10:06Es sind biologische Veränderungen nachweisbar. Es gibt Diagnosekriterien.
10:11Wir haben das einzigartige Kardinalmerkmal der Postexertional Malaes, kurz PEM.
10:17Und trotzdem gibt es aber immer noch Ärzte, die auf Podien sitzen und selbstgefällig und aggressivst über SimulantInnen schwadronieren.
10:31Wenn solche Ärzte dann an den Hebeln der Macht sitzen und darüber entscheiden, wer bekommt Sozialleistungen, wer nicht,
10:38wo fließen Forschungsgelder hin und wo nicht, dann kann man sich denken, warum ME-Betroffene so sträflichst vernachlässigt werden.
10:49Ganz aktuell ist mir die Verlängerung von meinem Behindertenpass abgelehnt worden,
10:54obwohl ich mittlerweile am Rollstuhl angewiesen bin und den bei der ersten Bewilligung vom Pass noch gar nicht gebraucht habe,
11:01also noch gar nicht hatte.
11:01Beim Pflegegeld habe ich vor drei Jahren beantragt, warte ich seit fast einem Jahr auf einen Termin beim Neurologen,
11:10der bekannterweise die Existenz von ME-CFS als nicht erwiesen betrachtet.
11:16Es kann nicht sein, dass Zehntausende Betroffene allein in Österreich keine adäquate Gesundheitsversorgung bekommen
11:24und stattdessen noch mehr in die Zustandsverschlechterung gedrängt werden,
11:29nur weil sexistische Dudes eine Vorstellung von Erkrankungen festhalten,
11:35die im letzten Jahrhundert schon antiquiert war.
11:37Dadurch einem eigentlich zustehende Sozialleistungen verwehrt werden,
11:42wird man halt vom Staat in die Armut gedrängt, gerade Frauen in die Altersarmut.
11:46Das erste Mal, wie ich da hergekommen bin, habe ich auch mich geschämt.
11:50Ganz ehrlich, ach Gott, wie weit bin ich gesunken.
11:54Aber mir ist keine andere war übrig geblieben.
11:57Oh, krähen ist gut, super, heute werde ich wieder verwöhnt, das ist ein Wahnsinn.
12:03Wie lange gehst du denn schon hierhin zur Pfarre, um dir Essen zu holen?
12:06Das ist locker über zehn Jahre, aber nicht mehr.
12:09Aber da komme ich immer wieder so gerne her.
12:11Das ist eine große Familie und wir lieben uns alle.
12:16Also es ist gar nicht nur die Lebensmittel, die dir helfen, sondern auch die soziale Kontakte.
12:21Was mir sehr, sehr viel hilft, so körperlich wie seelisch.
12:25Kultur fährt flach.
12:27Ich weiß nicht, wann ich letztes Mal im Kino, Theater war.
12:31Meine Kinder habe ich nicht einmal gescheit ein Weihnachtsgeschenk kaufen können.
12:36Da habe ich Wüffelzuckerl in Staniolpapier eingewickelt,
12:40der Christbaum aufgehängt und das bleibt hängen.
12:43Und darum habe ich gesagt, der alte Generation, eigentlich sollten sie mehr unterstützen.
12:49Die hat sich wirklich sehr viel gelästert damals.
12:52Und das ist wirklich Österreich aufbaut nach dem Krieg.
12:55Danke dir.
12:56Dankeschön.
12:58Du hast auch viele Taschen dabei.
12:59Wie viele Lebensmittel nimmst du denn immer?
13:00Also von Mittwoch bis Mittwoch reicht alle Fälle.
13:03In der Kleinigkeiten, was ich eigentlich nicht bekomme, das kann ich dazu kaufen.
13:09Trotz der Teuerung, weil ohne das werde ich nicht durchkommen.
13:13Ganz ehrlich.
13:14Ich bekomme nur das Minimale mit Ausgleichszulagen, eben weil ich nicht so viel verdient habe.
13:21Jetzt habe ich ungefähr 1200 Euro zusammen mit den Ausgleichszulagen.
13:26Davon muss ich dann jetzt auskommen.
13:29Alle Ausgaben, die jeder hat, jeden Monat.
13:32Und da bleibt mir 250 Euro in einem Monat zum Leben.
13:36Mit der Pension täte ich vielleicht, wenn gut geht, 14 Tage auskommen.
13:401986 ist mein Mann gestorben, unerwartet, mit 40 Jahren.
13:45Und da habe ich ein bisschen noch was weitergearbeitet.
13:48Natürlich habe ich nicht mehr so viel, weil ich auf die Kinder aufpassen muss.
13:52Wenn man von der Schule kommt, Ernährung, Waschen, wie eine Hausfrau eben etwas hat,
13:58da habe ich nur stundenweise arbeiten können.
14:00Deswegen ist meine Pension nur der Mindestpension, weil ich habe nicht einmal das Minimum erreicht,
14:07was er beim Pensionamt berechnen muss.
14:10Diese Zeit fehlt uns komplett, wo wir Kinder aufgezogen haben.
14:15Da wird es überhaupt nicht berechnet.
14:17Alleinstehender Mutter, was kann anderes machen.
14:20Teilzeit bei den Männern zahlen sie auch Männer, viel mehr.
14:23Warum sind die Frauen weniger wert, wie die Männer?
14:27Das sehe ich nicht.
14:30Entschuldigung, jetzt haben wir gerade von den Männern gesprochen.
14:34Aber das ist wahr.
14:35Das finde ich nur gut.
14:36Nein, ich habe gesagt, die Männer kriegen immer mehr einen Lohn, wie wir Frauen.
14:40Für dieselbe Arbeit.
14:41Ich verstehe es nicht, warum.
14:45Hat halt eine lange Tradition.
14:47Ja, das ist mit der Tradition aber nicht so wirklich gut.
14:51Wie mit vielen Traditionen.
14:52Ja, weil wir haben die Kinder großgezogen, ihr wollt dabei arbeiten.
14:57Okay, ich habe den ganzen Tag arbeiten können, was wir noch Teilzeit gemacht haben.
15:02Es gibt auch Männer, die würden gerne tauschen, glaube ich.
15:05Ja, aber jetzt gibt es das auch, dass der Männer aber vorher, um diese Zeit, wo wir noch gearbeitet haben, war das noch nicht.
15:14Ich will nicht auf euch losgehen.
15:15Ich möchte ja nur meine Meinung sagen.
15:18Hast du das Gefühl dann auch, dass Frauen dann auch sehr unsichtbar gemacht werden in der Gesellschaft?
15:23Zum Beispiel, die kommen aus Osteuropa, arbeiten als Pflegekräfte 24 Stunden Jobs oder als Putzfrauen in prekären Arbeitssituationen.
15:31Und dass die dann irgendwo unsichtbar gemacht werden und man gar nicht viel von deren Realitäten und Problemen mitbekommt?
15:35Ja, das stimmt.
15:37Die werden irgendwie auf die Seite geschoben.
15:40Die sind sowieso zufrieden mit dem Wenigen, was sie bekommen, weil zu Hause haben sich vielleicht noch wenige bekommen.
15:47In den 75er Jahren, als ich nach Österreich komme, trotz dass sie nicht einmal Deutsch können, habe ich nicht das Gefühl gehabt, dass ich außer Seiten bin.
15:56Da haben sie mir alle wirklich geholfen, mit jedem, ob das jetzt ein Lebensmittel geworden war, für die Kinder das Spielzeug.
16:05Da habe ich auf den Füßen gestanden und habe sie gesagt, Maria, du brauchst das, du kommst von einem kommunistischen Land, wie Stänger hätte dir.
16:13Dieser Zusammenhalt, diese Herzlichkeit, also das muss ich sagen, ich würde gerne jetzt das bei den anderen Ausländern erleben.
16:21Nicht auf die Seiten stellen, ach, das interessiert mich nicht, das kann nicht Deutsch.
16:27Gegenteil, hingehen, sagen, fragen, mit Händen und Füßen erklären, das ist menschlich.
16:33Aber sonst, das Seitenstellen, nicht anschauen, das gibt es bei mir nicht.
16:40Oder scharf.
16:41Nein, ich bin selber scharf. Danke.
16:45Ich merke, Humor spielt bei dir auch eine große Rolle, oder?
16:49Ohne das geht nicht weiter.
16:50Das sagen sie immer, deinem Mund muss immer offen sein.
16:55Schinken.
16:55Sehr gut, Schatzelain.
16:57Ich danke dir.
16:59Danke, bis nächstes Mal.
17:00Was nutzt mir das, was ich drübselbasen tue?
17:04Helfen tut mir eh keiner.
17:06Also das bringt nichts.
17:08Warum soll ich mich verstecken?
17:09Ich bin der Arm, ich bin arm aufgewachsen, diese Situation.
17:14Vielleicht lernen die anderen Menschen ein bisschen was von meinen Lebensgeschichten.
17:19Und ein bisschen nachdenken.
17:20Was soll man da wirklich bei den Frauen machen, dass es den Frauen ein bisschen besser geht?
17:26Ich habe so das Gefühl, da wird nicht so viel darüber nachgedacht bei uns in der Politik,
17:29auch wie man Frauen ein besseres Leben schaffen kann, wie Männer und Frauen gleichgestellt werden.
17:34Politik macht viel zu wenig für die Frauen.
17:39Also gut, jetzt für die Alleinstehenden gibt es da Frauenhäuser oder das oder das.
17:44Das finde ich schon super.
17:46Oder von der gewalttätigen Männer, das können sie beschützen.
17:51Das ist okay.
17:52Oder Frauenparkplätze.
17:55Das ist alles okay, aber das kann man alles mit den Verdiensten, das sagt sie.
18:02Weil Armut ist Armut.
18:04Ich kann keine Scheiben Brot von denen abschneiden, dass ich eine Garage, ein Licht habe,
18:11dass ich sichere Heimgehen kann.
18:13Neben Carina, Maria und Sandra gibt es viele Frauen in Österreich, deren Probleme oft unsichtbar bleiben.
18:18Migrantinnen, die für wenig Geld im Mindestlohnsektor arbeiten und Rassismus erleben.
18:23Transfrauen, die ein besonderes Risiko von Gewalt erfahren.
18:26Diese Reportage begann mit Aussagen von Menschen, die meinen, dass man keinen Feminismus mehr in 2026 braucht
18:32oder ihm skeptisch gegenüberstehen.
18:33Wir haben aber auch andere Stimmen gefunden.
18:36Ich bin auf jeden Fall pro Feminismus.
18:37Ich bin dafür, dass Frauen und Männer gleich behandelt werden.
18:40Meine Mutter ist eine Frau.
18:41Meine Tochter wird eine Frau sein.
18:42Meine Schwester ist eine Frau.
18:43Meine Freundinnen sind Frauen.
18:44Solange es ihnen gut geht, geht es mir automatisch auch gut.
18:46Ich glaube, das wird Feminismus auch fördern, dass einfach wir als Personen miteinander emotional umgehen.
18:53Jeder und nicht stark tun müssen und das in uns hineinfressen müssen.
18:57Dafür, dass Männer auch ihre Emotionen zeigen können.
18:59Wenn man jetzt hier und da eine Träne halt fallen lässt, dann ist das halt nicht so schlimm.
19:03Wenn man jetzt verlangt, dass Frauen mehr Rechte bekommen oder dieselben Rechte wie Männer.
19:08Und man als Mann dafür steht, dann kommt es ja meistens so, dass man als Mann Kritik bekommt.
19:12Und da finde ich dann schon eben, dass man diese Kritik eben einstecken soll,
19:15damit man eben auch etwas in Bewegung setzen kann.
19:19Was mir öfters passiert, ist, dass glaube ich viele Männer vor allem den Feminismus unter Anführungszeichen ziemlich satt haben
19:25oder glauben, dass wir eine Art Supremacy haben wollen, was gar nicht der Grund von Feminismus ist.
19:29Und ich glaube, wir sollten da wieder auf eine normale Basis einfach kommen von
19:32wir sind gleichberechtigt und wir wollen jetzt nicht die ganze Zeit nur schreien, ich hasse Männer oder so.
19:36Also.
19:37Vielen Dank.
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