Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 2 Tagen

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Lungenkrebs ist die tödlichste Krebserkrankung in Österreich.
00:04Mehr als 4000 Menschen sterben jedes Jahr daran.
00:07Nicht, weil moderne Medizin versagt, sondern weil die Diagnose oft viel zu spät erfolgt.
00:12Eine neue österreichweite Umfrage zum Weltkrebstag zeigt,
00:16das Wissen über Krebs ist groß, doch bei der Vorsorge bleiben viele untätig.
00:20Expert, Ihnen warnen. Dieses Versäumnis kostet Leben.
00:24Mit gezieltem Screening, moderner Diagnostik und aktiver Beteiligung der Patientinnen und Patienten
00:29könnten viele Todesfälle verhindert werden.
00:32Im Rahmen einer Pressekonferenz des Karl-Landsteiner-Instituts für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie
00:38in Kooperation mit dem Future Health Lab und unterstützt von AstraZeneca Österreich
00:43sprechen Lungenexperte Primarius Aschang-Wallipur und Patient-Advocate Klaas Röhl
00:49über die größten Versäumnisse und die größten Chancen im Kampf gegen Krebs.
00:54Herr Primarius Wallipur, warum ist Lungenkrebs bis heute die tödlichste Krebserkrankung in Österreich?
01:01Lungenkrebs ist deshalb die tödlichste Krebserkrankung in Österreich,
01:04weil wir die Erkrankung meist nach wie vor zu einem sehr späten Zeitpunkt diagnostizieren,
01:09also großteils im weit fortgeschrittenen Lungenkrebs-Stadium,
01:12wo die Erkrankung sich nicht nur auf einen kleinen Herd reduziert,
01:16sondern oftmals beide Lungenflügel betroffen sind oder auch sogenannte Absiedlungen,
01:19also Metastasen, auftreten. Von daher wäre es wichtig, hier die Erkrankung früher zu erkennen,
01:25wo wir in einem heilbaren Erkrankungs-Stadium noch bessere Behandlung anbieten können.
01:30Die Behandlung hat sich grundsätzlich sehr toll entwickelt.
01:33Auch im fortgeschrittenen Stadium haben wir bessere Behandlungsmöglichkeiten,
01:36aber sie sind noch wesentlich erfolgreicher, wenn wir Lungenkrebs früher erkennen.
01:40Wie spät wird Lungenkrebs in Österreich heute meist entdeckt?
01:44Und was bedeutet das konkret für die Heilungschancen?
01:46Wir haben in Wien ein großes Lungenkrebsregister, wo wir uns tatsächlich genau anschauen,
01:51wie Lungenkrebs diagnostiziert wird, wann es diagnostiziert wird,
01:55wie lange es dauert, bis jemand vorstellig wird und welche Therapie etabliert wird.
01:59Anhand dieser Informationen wissen wir, dass rund 75 Prozent der Betroffenen in einem Stadium entdeckt werden,
02:05wo Lungenkrebs nicht mehr heilbar ist und lediglich bei einem Viertel der Betroffenen
02:09Lungenkrebs in einem heilbaren Stadium Stand heute entdeckt wird.
02:13Daher wäre es wichtig, dass wir hier einen sogenannten State-Shift,
02:17also eine Verschiebung hin zu früheren Stadien, eine Früherkennung etablieren,
02:21um das zu erzielen und die Behandlungschancen zu erhöhen.
02:24Was würde sich verändern, wenn wir Lungenkrebs mit Hilfe eines Screening-Programmes
02:28systematisch früh erkennen würden?
02:30Wenn wir es schaffen, Lungenkrebs früher zu erkennen, erhöht das die Behandlungschancen deutlich.
02:35Wir wissen, dass die Überlebenschance bei einem Betroffenen in einem fortgeschrittenen Stadium
02:38bei etwa 20 bis 25 Prozent innerhalb von fünf Jahren liegt.
02:43Bei einem Frühstadium, also Stadium 1 und 2, haben wir Überlebenschancen von 70 bis 80 Prozent.
02:48Das ist ein fundamentaler Unterschied.
02:50Daher wäre es wichtig, dass wir Patientinnen und Patienten früher entdecken,
02:54anhand eines Krebsfrüherkennungsprogramms, weil da die Behandlungsmöglichkeiten besser sind
02:59und die Krebserkrankung in vielen Fällen auch geheilt werden kann.
03:02Wie müsste ein gutes Lungenkrebs-Screening konkret ablaufen?
03:06Wer sollte untersucht werden und wie aufwendig ist das?
03:09Ein Lungenkrebsfrüherkennungsprogramm ist bereits in vielen Ländern etabliert.
03:12Das kann man sich abschauen.
03:13Das gibt es in Deutschland, das gibt es in England.
03:15Und das würde so aussehen, dass man bei Risikogruppen,
03:18also das sind vor allem Personen, die eine Raucherkarriere hinter sich haben,
03:22mindestens 50 Jahre alt sind und dann eine sogenannte Niedrigdosis-CT durchgeführt wird.
03:27Das ist eine sichere Maßnahme, die sehr rasch und einfach innerhalb weniger Sekunden Lungenkrebs entdecken kann.
03:34Das müsste man, wenn die erste Untersuchung negativ ist,
03:37dann in entsprechenden jährlichen Abständen wiederholen.
03:41Niedrige Strahlenbelastung, einfach durchzuführender Test mit hoher Aussagekraft
03:45und bereits in vielen Ländern etabliert.
03:47Warum gibt es dieses Screening in Österreich bis heute nicht,
03:51obwohl Studien, Technik und internationale Programme längst vorhanden sind?
03:55Es braucht einfach schlichtweg den gesundheitspolitischen Auftrag,
03:58Lungenkrebsfrüherkennung in Österreich zu etablieren.
04:01Man war vermutlich zögerlich, weil bislang die wissenschaftliche Evidenz noch nicht klar war.
04:05Das ist heute passé.
04:07Wir haben klare Vorgaben, wie man es macht.
04:09Wir wissen, bei wem wir es machen müssten, sprich, wer die Risikogruppen sind.
04:13Man weiß auch konkret, welche Untersuchung durchgeführt wird.
04:16Man weiß, dass es sicher ist.
04:17Man weiß auch, dass es einen gesundheitsökonomischen Mehrwert hat,
04:20weil man teure Therapien im späteren Stadium dann seltener braucht
04:24und im früheren Stadium die Behandlung noch dazu günstiger ist.
04:27Natürlich komplett abgesehen davon, dass den Betroffenen noch viel Persönliches leider spart bleibt,
04:32weil man Lungenkrebs in vielen Fällen heilen könnte.
04:35Herr Röhl, warum scheitert heute Früherkennung?
04:38Was können Patient-Innenorganisationen dazu beitragen, dass Krebsvorsorge ernst genommen wird?
04:43Es gibt verschiedenste Faktoren, warum Früherkennung scheitert.
04:47Einerseits Bequemlichkeit, Zeitmangel, aber auch die Angst vor möglichen auffälligen Befunden.
04:53Die Unsicherheit, was passiert denn da mit mir, ist das schmerzhaft.
04:56Aber ganz banal auch fehlende Aufforderungen und Einladungen.
05:00Und ich glaube, das ist nicht ein Faktor.
05:02Es ist ein Zusammenspiel all dieser Faktoren, die dann letztendlich zu dem Resultat führen,
05:06dass Früherkennung nicht ausreichend genutzt wird.
05:09Und Patientenorganisationen können, glaube ich, vor allem da, wenn es Risikopatienten sind,
05:14einen wichtigen Beitrag leisten, weil da schon der Kontakt besteht
05:17und man wichtige Aufklärungsarbeit leisten kann,
05:20weil Patientenorganisationen bei den jeweiligen Patienten-Communities ein hohes Vertrauen genießen
05:25und dann zusammen mit den Fachärzten gemeinsam hier Aufklärung betreiben können
05:30und auch motivieren können, diese wichtigen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.
05:35Die neue Studie zeigt, Wissen über Krebs ist vorhanden, aber viele gehen trotzdem nicht zur Vorsorge.
05:42Das kennen wir alle, dass wir etwas wissen, was gut für uns wäre und wir tun es dann nicht.
05:46Ich glaube, das ist ein typisches menschliches Phänomen.
05:50Aber gerade bei der Krebsversorger ist es natürlich eine Hürde, die man überwinden muss.
05:54Und ich glaube, dass da ganz wichtig ist, dass Vertrauensärztinnen hier persönlich eine Einladung aussprechen
06:01und dass diese Krebsvorsorgeuntersuchungen möglichst niederschwellig wahrzunehmen sind.
06:06Dass es nicht aus Bequemlichkeit scheitert, aber vor allem nicht aus der fehlenden Einladung,
06:11diese Untersuchung wahrzunehmen und der Empfehlung von einem Arzt oder Ärztin meines Vertrauens.
06:16Was motiviert Menschen am stärksten, tatsächlich zur Vorsorge zu gehen?
06:20Der stärkste Motivator, was auch in der Studie genannt wurde,
06:22ist die persönliche Einladung oder Aufforderung von einem Arzt oder Ärztin meines Vertrauens.
06:28Deswegen sind die allgemeinen Medizinerinnen hier so wichtig,
06:31weil das sind die Ärztinnen, zu denen man schon jahrelang Kontakt hat,
06:35die man bei jedem Wehwehchen, sage ich mal, aufsucht.
06:38Wenn da klar die Aufforderung kommt, gehen Sie dahin, machen Sie das, das ist wichtig für Sie,
06:42dann ist das, glaube ich, der größte entscheidende Faktor.
06:45Natürlich auch bei Fachärztinnen, wenn da die persönliche Aufforderung kommt und Empfehlung kommt, das zu tun.
06:51Auch Aufklärung erfolgt im Sinne von, was passiert denn da genau,
06:53dass da vielleicht Ängste genommen werden können,
06:55dass das jetzt eine schmerzhafte Untersuchung sein könnte.
06:58Da kann man den größten Hebel ansetzen.
07:01Primarius Wallipur, wenn wir Früherkennung, moderne Diagnostik und neue Therapien konsequent nutzen,
07:06wie könnte die Situation bei Lungenkrebs in zehn Jahren aussehen?
07:10Es wäre wünschenswert, dass wir schaffen, dass die sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate
07:13bei Lungenkrebs dann eine Größenordnung von nur noch 50 bis 70 Prozent erreicht.
07:19Oder anders formuliert, dass hoffentlich zumindest jeder Zweite länger als fünf Jahre lebt,
07:24der an Lungenkrebs betroffen ist.
07:25Derzeit ist es nur jeder Fünfte.
07:27Das ist verdaulich, das ist traurig.
07:28Wir wissen, wie es geht und man könnte das verbessern,
07:31sprich persönliches Leid, Überleben und eben den bereits genannten gesundheitsökonomischen Mehrwert schaffen.
07:37Herr Primarius, wenn wissenschaftlich längst klar ist, dass Lungenkrebs-Screening wirkt,
07:41was fehlt dann noch, damit es in Österreich umgesetzt wird?
07:45Lungenkrebs-Früherkennung ist wissenschaftlich bewiesen.
07:48Es gibt viele Länder, die bereits etabliert haben.
07:51Es hat einen gesundheitsökonomischen Mehrwert.
07:54Wir wissen wer, wir wissen wie.
07:56Wir müssen es nur noch machen.
Kommentare

Empfohlen