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  • vor 12 Stunden
Sinkende Muschelerträge bedrohen die Existenz vieler Familien am Vembanad-See. Mit neuen Regeln, Aufzuchtprojekten und gemeinschaftlichem Umweltschutz entsteht ein Modell, das Natur und Menschen gleichermaßen hilft.

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Transkript
00:00Der Wembanat-See ist das Herz des kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens im südindischen Bundesstaat Kerala.
00:10Für Fischerinnen wie die 65-jährige Ambika ist der Wembanat überlebenswichtig.
00:16Vor allem wegen der dunkelschaligen Muschelart Black Clam, die auf dem Seegrund zu finden ist.
00:23Sobald die Boote ihre üblichen Fangplätze erreichen, schaben die Werkzeuge über den Seegrund, lösen Schlamm und Sand.
00:30Und die Muscheln landen im Kanu.
00:32Heute fällt der Fang deutlich geringer aus als früher.
00:40Damit die Muscheln sich vermehren, braucht es Salzgehalt im Wasser.
00:44Ohne Salz gibt es keinen Ertrag.
00:47Früher kam salzhaltiges Wasser vom Norden her und wir hatten eine gute Ernte.
00:54Bis zu 70 Prozent der schwarzen Muscheln Indiens stammen aus diesen Gewässern.
00:58Gesammelt von tausenden Fischerfamilien rund um das Dorf Muhamma.
01:03Doch in den vergangenen zehn Jahren mussten sie hilflos zusehen, wie die Erträge um mehr als ein Drittel zurückgingen.
01:09Die Veränderungen im Wembanatsee lassen sich auf den Tanjirmukum-Damm zurückführen.
01:13Eine 1,4 Kilometer lange Barriere, etwa 20 Minuten flussaufwärts.
01:18Sie wurde gebaut, um salzhaltiges Meerwasser aus dem nördlichen Teil des Sees fernzuhalten und so ganzjährige Reisanbauflächen zu ermöglichen.
01:27Der Aquakulturexperte Dr. Padmakumar warnt jedoch vor unbeabsichtigten Folgen solcher Eingriffe.
01:32Wenn ein Gebiet vom Meer abgeschnitten wird, fehlt das Meerwasser.
01:46Und damit die Bedingungen, die die Muscheln zur Fortpflanzung brauchen.
01:50Das hat die natürliche Reproduktion der Art beeinträchtigt.
02:05Zurück im Dorf Muhamma begutachtet die Umweltberaterin Manija Murli den Tagesfang.
02:10Sie arbeitet für eine NGO und hilft den Bewohnern, sich an die veränderte Salzbalance im See anzupassen.
02:16Sie ist überzeugt, die Lösung liegt in einer aktiven Steuerung der Fangaktivitäten.
02:27Auf der anderen Seite des Dams, wo der Salzgehalt stimmt, finden wir viele Muscheln.
02:32Auch zahlreiche Jungmuscheln in dichten Schichten.
02:38Also haben wir begonnen, diese Jungmuscheln gemeinsam mit den Dorfbewohnern zu sammeln
02:42und sie im südlichen Teil des Sees auszusetzen, wo das Wasser nicht salzig ist.
02:46Diese Bereiche werden dann drei bis sechs Monate lang gesperrt, bis die Muscheln ausgewachsen sind.
02:59Murli und tausende Fischerinnen und Fischer wie Ambika helfen der Bevölkerung,
03:03den See wieder als gemeinsame Ressource zu begreifen.
03:07Anstatt zu fischen, bis die Netze leer bleiben, wird der Fang sortiert.
03:11Nur ausgewachsene Muscheln werden weiterverarbeitet, Jungmuscheln kommen zurück ins Wasser.
03:16Wir dürfen die Jungmuscheln nicht überernten.
03:24Wenn wir sie wachsen lassen, erzielen wir später viel bessere Erträge.
03:28Kleine Muscheln bringen vielleicht 90 Rupien.
03:30Aber dieser schnelle Gewinn schadet dem Bestand.
03:33Deshalb müssen wir damit aufhören.
03:34Auch die Schalen der Black Clam bringen zusätzliches Einkommen.
03:55Sie sind reich an Calcium und werden an Hersteller von Baustoffen wie Zement verkauft.
03:59Für Murli hat die Beteiligung der Dorfbewohner positive Auswirkungen
04:07auf das gesamte ökologische Gleichgewicht der Region.
04:09Weil die Gemeinschaft in unsere Aufklärungsarbeit eingebunden ist,
04:20sehen wir, dass sich ihre Fanggewohnheiten ändern.
04:25Sie übernutzen die Ressourcen nicht mehr und sind viel bewusster.
04:29Wenn heute jemand, selbst Außenstehende, überfischt,
04:33meldet die Gemeinschaft das sofort, damit wir eine gemeinsame Lösung finden.
04:39Die Verbesserung der Muschelerträge ist nur der erste Schritt.
04:46Ziel ist es, die gesamte Biodiversität und Nachhaltigkeit der Siedlungen
04:50rund um den See zu stärken.
04:53Die nächste Herausforderung, die Auswirkungen von Tourismus,
04:56Landwirtschaft und Bevölkerungswachstum einzudämmen.
04:59Es gibt nicht mehr so viele Muscheln wie früher,
05:04aber dafür jede Menge Plastikmüll.
05:06Ich glaube, diese Verschmutzung beeinträchtigte ebenfalls die Muschelvermehrung.
05:14Teams aus Dorfbewohnern organisieren inzwischen regelmäßige Säuberungsaktionen.
05:19Sie testen das Wasser, um den Sauerstoffgehalt zu überwachen.
05:26Doch auch Tourismusbetriebe, Reisbäuerinnen und Haushalte
05:29rund um den See beeinflussen das Ökosystem erheblich.
05:32Dr. Padma Kumar fordert einen Plan,
05:39der alle Akteure auf die Bedürfnisse des Wembanat-Sees verpflichtet.
05:48Wir brauchen einen verbindlichen Anbaukalender,
05:52eine wissenschaftliche Steuerung des Damms
05:54und regelmäßiges Spülen des Sees.
05:56Da fünf Flüsse hier münden,
06:00sammeln sich organische Stoffe und Schadstoffe an.
06:05Die Lösung ist ein kontinuierlicher Wasseraustausch mit dem Meer.
06:14Die Bewohner von Muamma fahren weiterhin täglich hinaus
06:17in die Backwaters von Kerala.
06:20Sie sind längst nicht mehr nur Fischerinnen und Fischer,
06:22sind zu Hütern des Sees geworden.
06:26Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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