00:00Glamping am Bahnhof von Utrecht, was wie ein Sommercamp für neue Studierende aussieht,
00:06ist in Wirklichkeit eine Notlösung angesichts der dramatischen Wohnungsnot in den Niederlanden.
00:11Es ist wirklich hart. Ich wohne bei meinen Eltern, weil es unbezahlbar ist.
00:15Es ist so schwierig, eine Wohnung zu finden.
00:18Im Moment lebe ich in einem sehr teuren Studio, aber ich finde einfach nichts anderes.
00:23Wir sind nach Utrecht gefahren, um uns die Lage im Land genauer anzusehen.
00:30Utrecht Hauptbahnhof. Zum Unistart hat die niederländische Bahn Zelte für neu angekommene Studierende aufgestellt.
00:37Doch nach der Einführungswoche verschwinden die Zelte wieder, der Bahnhof kehrt zum Alltag zurück.
00:42Genauso wie die Probleme, erzählt uns Boa Seeland.
00:46Jetzt sind die Zelte weg und die Studierenden, die eine Woche nicht pendeln mussten, müssen das jetzt wieder.
00:52Manche mehr als zwei Stunden, nur um zur Uni zu kommen.
00:55Boa arbeitet für die nationale Studierendenvertretung.
00:58Und weiß genau, wie angespannt der Wohnungsmarkt im Land ist.
01:02Allein im letzten Jahr stiegen die Mieten um mehr als fünf Prozent.
01:06Auch er zahlt 700 Euro im Monat für nur neun Quadratmeter in einer WG in Amsterdam.
01:13Jeden Monat, wenn ich die Miete zahle, denke ich, wow, so viel Geld für die Hausbesitzer und das mitten in einer Wohnungsnot.
01:20Das macht mich richtig wütend. Und genau das gibt mir auch die Energie, mich für Mieterrechte und bessere Wohnbedingungen einzusetzen.
01:30Einmal pro Woche arbeitet Boa beim Notfalltelefon der nationalen Studierendenvertretung.
01:35Eingerichtet, um bei der Wohnungssuche zu helfen und sie über ihre Rechte zu informieren.
01:40Der Service wird immer wichtiger, denn Missbrauch und Betrug nehmen zu.
01:44Die häufigste Frage, die uns gestellt wird, ist wenig überraschend.
01:48Wie finde ich ein Zimmer?
01:50Aber wir hören auch oft von nicht zurückgezahlten Kautionen oder ungültigen Verträgen.
01:54Wir sehen immer mehr Betrugsfälle auf Wohnungsportalen.
01:58Da überweisen Studierende Geld für ein Zimmer, das es gar nicht gibt.
02:06Die Lage spitzt sich zu.
02:08Auf einem Wohnungsportal liegt die durchschnittliche Miete für ein WG-Zimmer in Utrecht inzwischen bei 800 Euro im Monat, erzählt uns Boa.
02:15Für viele ist das nur mit der Finanzierung der Eltern, einem Kredit oder mehreren Nebenjobs zu finanzieren.
02:21An der Universität Utrecht beginnt das neue Studienjahr.
02:26Doch statt Konzentration und Vorfreude auf das Studium belastet der Druck der Wohnungsnot viele Studierende.
02:32Es ist ziemlich beunruhigend, hier einen Master zu beginnen, ohne eine Wohnung gefunden zu haben.
02:38Einige mussten sogar ihren Studienplatz ablehnen, weil sie einfach kein Zimmer gefunden haben.
02:44Ramon Ellenbruck arbeitet für die Universität Utrecht und unterstützt Studierende bei der Wohnungssuche.
02:51Lange war er stolz auf den internationalen Ruf der Hochschule, doch heute wird dieser Ruf von der Wohnungsnot überschattet.
02:58Selbst wenn internationale Studierende hier einen Studienplatz bekommen haben, ohne Unterkunft raten wir ihnen nicht zu kommen.
03:09Das tut uns im Herzen weh, aber wir müssen realistisch sein. Es gibt einfach nicht genug studentischen Wohnraum.
03:15Die Universität Utrecht betont, dass sie helfen möchte. Doch der Gesetz darf die Uni in den Niederlanden selbst keinen Wohnraum für Studierende bereitstellen.
03:23Die Verantwortung liegt bei privaten Investoren und der Stadt. Die haben wir mit der Wohnungskrise konfrontiert.
03:29Unser Ansatz ist natürlich mehr bauen. Die Stadt wächst jährlich um rund 3000 Wohnungen.
03:36Bis 2026 sollen 1500 davon speziell für Studierende entstehen.
03:42Aber wir brauchen Unterstützung auf nationaler Ebene und das ist im Moment eine große Herausforderung.
03:48Eine Herausforderung auch deshalb, weil die niederländische Regierung erneut auseinandergebrochen ist.
03:53Nun stehen Neuwahlen an. Und wie in vielen Ländern Europas ist das Thema Nummer eins die Wohnungskrise.
04:00Öffentliche Wohnbaugesellschaften haben in den letzten Jahren nur die Hälfte der versprochenen Wohnungen fertiggestellt.
04:06Landesweit fehlen schätzungsweise 400.000 Wohnungen.
04:10Boa ist sich deshalb sicher, dass auch in den nächsten Jahren viel zu tun haben wird.
04:17Viele Studierende sind wirklich in einer prekären Lage,
04:20kennen ihre Rechte nicht und wissen nicht, wie es weitergeht.
04:24Wenn wir sie unterstützen können, machen wir damit einen Unterschied.
04:29Boa hofft, dass die neue Regierung das Thema ganz oben auf die Agenda setzt,
04:33damit kein Studierender mehr in einem Zelt schlafen muss.
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