- vor 7 Monaten
Oma muss aus gesundheitlichen Gründen mit der Arbeit am Würstelstand aufhören. Doch bevor sie sich endgültig zur Ruhe setzt, erreicht sie, dass Otto wieder eine Stelle als Wurstfahrer bekommt. (Text: ORF)
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00:00Entschuldige, Otto, aber der Zug hatte 18 Minuten Verspätung.
00:09Macht doch nichts, Paulchen.
00:11Ich warte mit meiner Kutsche manchmal eine halbe Stunde.
00:13Die hält es knapp in Berlin. Die Leute laufen wieder.
00:18Schön, wieder Berliner Luft zu schnuppern.
00:21Das ist doch derselbe Mief wie früher.
00:23Ach, danke schön.
00:26Sind die prima, dass du hier bist?
00:28Wie, Mann, dass ich wieder zu Hause bin?
00:34Meinst du denn, dass das gut geht, wenn ich bei Oskar wohne?
00:38Nee, warum soll das gut gehen?
00:40Ihr beiden ollen Zausels mit der Frau Fabich.
00:43Aber er hat mich doch so herzlich eingeladen.
00:48Sicher, aber du weißt doch, Paulchen, Gast, der länger als drei Tage bleibt,
00:52der stinkt wie ein fauler Fisch.
00:54Ja, aber ich will doch alles bezahlen.
00:56Meine Miete, mein Essen.
00:59Ja, und damit fängt der R ja meistens schon an.
01:02Aber bitte versuch's.
01:04Vielleicht klappt's.
01:05Manchmal geschehen ja nur Zeichen und Wunder.
01:07Ach, mein Gott, du bist ja ganz heiß.
01:28Wenn das nicht besser wird, dann müsste ich dir vor Doktor anrufen.
01:31Such nach Telefon, die machen mich heute fertig.
01:38Ja?
01:39Färber?
01:40Nee.
01:41Margot ist nicht da.
01:42Lass einkaufen.
01:44Was?
01:45Och, Mensch, ja, der erzählt er doch selber.
01:47Ich hab jetzt keine Zeit.
01:48Unsere Kleine ist krank, ja?
01:51Ja, ja, ja, gut.
01:52Tschüss.
01:53Tschüss.
01:53Ich ruf die Frau Doktor lieber gleich an.
02:06Das ist mein Freund Paulchen, äh, Herr Rettich.
02:10Frau Fabich.
02:11Ja, guten Tag.
02:12Sehr angenehm.
02:14Wir wollen doch jetzt essen.
02:15Es wird alles kalt.
02:16Das Badezimmer ist draußen im Flur, gleich rechts.
02:19Ja, Dankeschön, aber ich weiß ja hier Bescheid.
02:25Du, die ist aber sehr streng, deine Frau Fabich.
02:29Na ja, ja, ja, aber sie ist mir eine große Hilfe.
02:32Und ich komm auch sehr gut mit ihr zurecht.
02:34Sag mal, darfst du denn auch alleine ausgehen?
02:37Aber tja, tja, tja, natürlich.
02:40Ich darf überhaupt fast alles.
02:44Mahlzeit, meine Schöne.
02:45Tag, Mahlzeit, mein Fett.
02:47Na, wie jetzt, wie läuft's?
02:48Och, ganz gut, war ein Vordervormittag mit Currywurst.
02:51Riecht, Mann, du.
02:52Ich mag das Zeug ja nicht.
02:53Nee?
02:54Was magst du denn, mein Fretchen?
02:55Na, du, wegen mir müsst kein Fleisch geben.
02:57Ich mag so Salat, Gemüse, Obst und so, wa?
02:59Was denn? Vegetarier?
03:01Na, nun nicht aus Weltanschauung, aber...
03:04Hier.
03:05Hier hast du den Lieferschein.
03:07Danke.
03:08Darf ich?
03:09Hm.
03:10Und dann, äh,
03:12hab ich dir noch was mitgebracht.
03:13Ach, mein Wild, ja?
03:14Hm.
03:17Ach.
03:18Das ist ja großartig.
03:20Ich hab's fixiert, war jetzt, äh...
03:21Du, das sieht mir ja sogar ähnlich.
03:23Das ist ja das Schlimme.
03:25Wieso?
03:26Du, ein Maler oder, oder ein Bildhauer, war,
03:28bei dem man auf den ersten Blick erkennt,
03:30was er meint, na, Mann, der ist doch nicht wert in der Kunst.
03:32Damit kannst du ja kein Geld verdienen.
03:33Da hast du ja noch mehr.
03:34Hm, ja, zum Beispiel, was ist denn das hier?
03:36Nur, das ist ein Junge.
03:38Ach, ja, und das hier?
03:39Eine Tänzerin.
03:40Na, siehst du?
03:40Da siehst du mal, was ich für ein altmodischer Maler bin.
03:42Ach, Unsinn.
03:44Na, ja, doch, doch, wisst du, und deshalb hau ich ja auch ab.
03:46Ich fau mal meine Hütte aufpflanzen, Rote.
03:48Sag mal, komm doch mit.
03:49Ich? Mitkommen?
03:51Ah, ja.
03:52Manchmal träum ich auch von sowas.
03:54Mensch, du, das wär doch toll.
03:55Auch für Ottilie, die könnte ja zusammen mit den anderen Kindern aufwachsen.
03:58Was denn für andere Kinder?
03:59Ja, die von der Gruppe, ich fahr natürlich nicht alleine hin, du, das sind zehn Erwachsene und eben vier Kinder, was?
04:04Du, Magda, sag doch, ja, ich mag den nämlich sehr gerne.
04:08Lass mal ein Jut sein, Manfred, wisst du?
04:10Ich bin keine Aussteigerin.
04:13Und außerdem würde ich wahrscheinlich in Lanzarote auch bloß eine Currywurstbude aufmachen.
04:18Na, ja, schade, du, ich wollte dir helfen, deine Träume wahrzumachen.
04:22Tschüss, Magda.
04:23Tschüss.
04:26Hat mir aber alles sehr gut geschmeckt.
04:28Ja, das freut mich, Herr Rettich.
04:30So, Pautchen, abräumen und Geschirr abwaschen.
04:34Was, wir abwaschen?
04:35Natürlich, damit es in der Küche nicht so rumsteht.
04:37Hier, nimmst du dir das Tablett, los.
04:39So, und Vorsicht, nichts zerbrechen.
04:41Es ist alles sehr teuer.
04:42Ja, ja, wir passen schon auf.
04:44Und die Bestecke ganz richtig in den Kasten.
04:46Ja, ja, ja.
04:56Ostler, so, ja?
04:57Musst du denn nach jedem Essen das Geschirr abwaschen?
05:02Na, ja, das hat sich so eingebürgert.
05:04Das wäre aber nichts für mich.
05:06Was macht denn die Farbig eigentlich, wenn sie so eine große Hilfe ist?
05:11Sie kocht meistens.
05:13Ach, nicht immer?
05:14Nee, immer nicht.
05:15Und wer holt ein?
05:17Na, ja, ich natürlich.
05:18Und wer macht die Wohnung sauber?
05:20Na, ja, dabei hilft mir.
05:21Ich habe manchmal, weißt du, und dann passt sie auf, wenn ich die Fenster putze.
05:26Macht's wenigstens die Wäsche.
05:27Nee, nee, die geben wir weg.
05:29Weißt du, sie ist doch sozial.
05:31Und dann braucht sie ja sehr viel Ruhe.
05:32Ja, ja, ich glaube, du hast ein Verhältnis mit ihr.
05:37Aber du bist ja verrückt, Mensch, in meinem Alter.
05:39Na, was ist denn?
05:41Ja, wisst du, so genau kann ich das auch nicht sagen.
05:44Aber ich glaube, man fühlt sich nicht mehr so ganz alleine.
05:50So, und jetzt nehmen wir einen gewaltig zur Rost, mein lieber Paul.
05:55Weißt du, die Farbig braucht ja nichts davon zu wissen.
05:59Prost, Paul.
06:01Prost.
06:03Keine Aufklärung, keine Karten, Männer.
06:20Na, Schwester, jetzt mal wieder zu doll in der Disco getanzt, wa?
06:25Ja, Kleiner, da hast du reinklassen sollen.
06:32Stehst nicht auf Punker, hm?
06:34Na ja, nicht direkt, ne?
06:39Na, lass mal, Schwester, wir sind auch nur Menschen.
06:41Wo willst du denn hin?
06:43Nur da rüber, zur Burschtbude.
06:45Zieh dir den Latsch mal wieder an, die Käfe über den Damm.
06:48Ja?
06:50Weißt du, das ist aber nett von dir.
06:53Ne, lass mal, komm, da kann ich schon alleine, wisst du?
07:06So, jetzt kann ich alleine weiter.
07:09Dankeschön.
07:10Keine Ursache.
07:12Sag mal, Junge, musst du so rumlaufen?
07:14Ja.
07:15Warum?
07:15Das Protest.
07:16Gegen was?
07:17Gegen alles.
07:18Aha.
07:18Na ja, dann mach mal.
07:20Vielleicht hast du auch recht, ne?
07:22Also dann nochmals vielen Dank auch.
07:24Ist gut, Schwester, mach's gut und bleib gesund.
07:26Du, sag mal, und wenn du mal ne Wurst willst, ja?
07:29Ich lad dir in...
07:30Ah, lass mal, Schwester, ich bin Vegetarier.
07:33Vegetarier.
07:34Aha.
07:35Komm.
07:37Ey, vielleicht ne saure Jurke, ja?
07:40Guck mal, Willi, Oma hat nen neuen Freund.
07:42Sag mal, ne dolle Type, du.
07:43Und der Salat?
07:49Wenn sie bloß nicht so wackelig auf de Bene wäre, aber sie denkt ja immer, ohne sie geht's nicht.
07:54Aber jetzt, wo das Geschäft so ruhig ist, schaffe ich das auch mit Margot alleine.
07:58Wer war denn das nun wieder?
07:59Kommt später, ja.
08:01Kann man sowieso so aufgehalten.
08:02Du, Magda, geh mal sofort nach Hause, ja?
08:05Die Ottilie, da ist was.
08:07Was ist denn?
08:08Na, die Kleine hat Fieber und hustet wie so'n oller Seebär.
08:11Ich hab schon noch Frau Doktor Barnes angerufen.
08:14Gut, Mutter, tschüss.
08:19Also, machen Sie sich mal keine Sorgen, Magda.
08:23Aber das Fieber.
08:24Das bisschen Temperatur kriegen wir doch bis zum Abend runter.
08:27Die Lunge ist jedenfalls frei.
08:29Und das geben Sie in die Milch, ein bisschen Honig rein und in zwei Tagen ist die Kleine wieder kurz munter.
08:35Also, kein Keuschwiss, oder?
08:36Keine Spur.
08:37Ich würde ein bisschen Zock gekriegt haben.
08:40Aber ich möchte was anderes mit Ihnen besprechen, Magda.
08:44Wie lange wollte eure Oma eigentlich noch auf die Straße schicken und in der Bude verwurschten?
08:49Ihr seht ja denn nicht, dass die Frau total abgewirtschaftet ist.
08:52Liebe Frau Dredigen, sie hört ja nicht.
08:55Ach, Quatsch, sagt sie, ich bin ein olles Schlachtross.
08:57Oder ihr wollt mich raus ekeln aus der Bude.
09:00Man kann einfach nicht mit ihr darüber sprechen.
09:02Ja, werdet's noch schwer haben.
09:04Na, und Otto?
09:05Kann der nicht mal für Sie einspringen?
09:07Ach, das kann man jetzt nicht von ihm verlangen, wo er den ganzen Tag Taxe fährt.
09:10Na, meine Damen, wo fahren wir denn zusammen hin?
09:12Zum Amtsgericht, bitte.
09:14Na, da haben wir ja nun einige zur Auswahl.
09:16Amtsgericht Charlottenburg, Amtsgericht Tierjärten, Amtsgericht Morbid.
09:19Amtsgericht Charlottenburg.
09:21Ich muss da...
09:22What's limit?
09:23Mh...
09:24Na, das kenn ich.
09:25Na, Mann.
09:27Halt auch hinter mir, vor zwei Jahren.
09:30Ist was?
09:30Oh Gott, jetzt hab ich in der Aufregung meine Vorladung.
09:34Zu Hause gelassen?
09:35Nein, bei meinem Rechtsanwalt.
09:37Und wo wohnt er?
09:37Weißstraße 107, Dr. Bornemann.
09:40Schaffen wir das noch?
09:4214.15 Uhr ist Termin.
09:43Wer will denn nun geschieden werden?
09:45Sie oder er?
09:46Er, mein Mann.
09:47Ich sei nicht die richtige Partnerin für ihn, meint er.
09:51Und das nach vier Jahren.
09:52Das verstehe ich nicht.
09:54So ein junges, hübsches Frauchen alleine zu lassen?
09:56Na ja, aber wenn's in der Ehe eben nicht klappt,
09:59dann soll man Sie nicht lange quälen.
10:00Sehe ich denn so gequält aus?
10:02Ne.
10:02Jetzt kann man nur eigentlich nicht gerade sagen.
10:05Also Sie hatten zwei Buletten in Bier, das macht 4,80.
10:08Für dich.
10:09Stimmt so.
10:10Dankeschön.
10:10Ja.
10:12Na, und der Herr?
10:13Ach, Süßensherr.
10:14Tja, auf wieder mal im Lange, ja.
10:17Das Jahr ist rum.
10:18Wussten Sie, dass Ihre Versicherung ausläuft?
10:20Ne, also da hab ich bis jetzt nicht hinab.
10:22Und die Prämien sind leider auch wieder gestiegen.
10:25Na, das kann ich mal denken.
10:27Leider ist auch für uns das Risiko heute größer geworden,
10:29gerade mit Imbisswagen.
10:30Es gibt viel Ärger in letzter Zeit mit den Buden.
10:33Beschädigungen durch Raudis,
10:34da wird eingebrochen,
10:35dort die Ware geklaut,
10:36Feuerschäden.
10:38Manchmal verschwindet so ein ganzer Wagen über Nacht
10:40und dann finden Sie ihn nach Wochen
10:41auf dem Frottplatz wieder.
10:42Ja, dann machen Sie doch keine Angst, Herr Hans.
10:45Letzten Endes ist doch der Wagen unserer Existenz, ne?
10:47Ich weiß, Frau Ferber, ich weiß.
10:49Und gerade deswegen will ich Ihnen hier
10:50einen günstigen und ausreichenden neuen Versicherung machen.
10:54Können Sie mir mal ein schönes Bierchen einschenken?
10:56Ja, na klar.
10:56Ich seh mir in der Zwischenzeit mal den Zustand des Wagens an.
10:59Ja, na kommen Sie doch rin.
11:00Weichstraße 107, sagten Sie.
11:02Ja, gleich im Herd.
11:03Auffahren kann ich natürlich leider nicht.
11:05Es geht ganz schnell.
11:07Ich hol nur rasch die Unterlagen
11:08und dann fahren wir zurück zum Gericht.
11:09Jetzt schaffen wir Dicke.
11:11Könnten wir direkt noch einen kleinen Beruhigungsschluck zusammentrinken, ne?
11:14Oder vielleicht danach.
11:15Unsere Scheidung muss doch gefeiert werden.
11:17Mhm, vielleicht.
11:19Wie kann ich Sie denn erreichen?
11:20Na, ganz einfach.
11:21Taxiruf.
11:23Wagen Nummer 5117
11:25und schon bin ich da.
11:27Aber machen Sie rasch.
11:29Ich kann so schwer in der zweiten Reihe stehen.
11:31Ja, ja.
11:32Eine Minute.
11:33Höchstens zwei.
11:34Also, wenn ich mal hochrechne, Frau Färber,
11:47dann hat der Wagen einen Zeitwert 12.000 Mark.
11:51Nicht gehört?
11:52Keinesfalls.
11:53Der Zahn der Zeit.
11:54Da sind doch schon alle Androschstellen.
11:57Der Unterboden ist ziemlich morsch, klar?
11:58Aber die feuchten Winter in den letzten Jahren
12:01sieht ja noch ganz proper aus.
12:04Aber, naja, ich kann es ja noch mal
12:06durch einen Sachverständigen prüfen lassen.
12:08Aber eines kann ich Ihnen jetzt schon sagen, Frau Färber.
12:11Mit Ihrer Jahresprämie von 480 Mark
12:14gegen Einbruch und Diebstahl
12:16sind Sie immer noch ziemlich unterdrücklich, ne?
12:20Also, das heißt auf Deutsch,
12:22wenn wirklich was passiert,
12:23stehen wir nackt ohne Hemd da, ne?
12:24Also, viel kriegen Sie nicht raus.
12:27Ich will es noch mal durchrechnen.
12:28Hey, wollen Sie noch Wurzeln schlagen?
12:36Fahre ein Stück vor, ich will raus.
12:38Ja, gleich.
12:43Mein Gottiklo, der Mann von dir
12:45hat wirklich unsere Scheidung.
12:46Aber ja, fahre nicht,
12:47das hat doch alles keinen Sinn.
12:49Ich meine, wenn ich heute eine Versicherung abschließe,
12:51will ich wieses Nacht ruhig schlafen können, ne?
12:54Und wenn wir nun legen?
12:56Hm, das wird teuer, Frau Färber.
12:58Das kostet mindestens das Dreifache an Prämie,
13:02wenn ich sowas bei meiner Versicherung
13:03überhaupt durchkriege.
13:05Ich will's versuchen,
13:06aber reden Sie doch erst mal mit Ihrer Familie,
13:09ob das Geschäft so ne Belastung überhaupt trugt.
13:11Ist ja immerhin
13:12ein ganz schöner Schluck aus der Pulle, ne?
13:15Töne.
13:15Also, wiedersehen, Frau Färber.
13:17Der Aas hat mich verladen.
13:36Haben Sie vielleicht
13:41eine junge Frau ins Haus hier hinsehen?
13:43Rote Tigerjacke und so?
13:45Ja, die ist wohl in den Durchgang,
13:47über den Hof.
13:48Das ist ein zweiter Ausgang zur Heerstraße.
13:51Ah, na gut.
13:54Falls sie jemals zurückkommen sollte,
13:55dann grüßen Sie sie mal schnell von mir, ja?
13:57Wer sind Sie denn?
13:59Ich heiße Klein Dovi und bin...
14:01...dass Sie auf so einen alten Trick hereinfallen, Herr Krüger.
14:03Nee.
14:04Man guckt sich doch seine Leute an, die man fährt.
14:06Wahrscheinlich hab ich zu genau hingeguckt, ne?
14:08Vermute ich auch.
14:10Ja, aber die 30 Mark,
14:11die muss ich Ihnen nun abziehen.
14:12Oh.
14:12Und dann bleibt nicht mehr sehr viel für Sie.
14:15Teilen wollen Sie sich den Schaden
14:16mit mir wohl nicht, ne?
14:18Nee, Herr Krüger.
14:19Teilen ist nicht.
14:20Sie haben ja schon zu viel Leerkilometer.
14:23Sie bringen zu wenig.
14:25Naja, ich kann mir ja nun nicht
14:26die Fahrjäste mit dem Lasso einfangen.
14:28Außerdem möchte ich mal eines sagen.
14:30Dass ich immer bei Ihnen
14:31die miesesten Schlitten fahren muss,
14:32das passt mir auch nicht.
14:34Was heißt denn das?
14:35Meine Wagen sind alle tadellos und auch.
14:36Na, na, na, Frau Kleiner.
14:38Neulich ist mir auf dem 1549
14:40der Automatikjord gerissen.
14:42Und dann haben Sie mich auf den Benziner
14:44mit der abgelatschte Kupplung gesetzt.
14:46Herr Krüger,
14:47wenn Ihnen irgendetwas nicht passt,
14:48Sie können jederzeit bei mir wieder aufhören.
14:50Ich habe Ihnen gleich gesagt.
14:51Taxifahren ist kein Zuckerlecken.
14:53Nee, nee, ich möchte auch
14:54auf den 5117 bleiben.
14:56Naja, ich werde es versuchen.
14:57Aber versprechen kann ich Ihnen nichts.
15:01Sag mal, macht dir das eigentlich Spaß,
15:03hier so die Luft zu verpesten?
15:05Du hast doch früher nicht geraucht.
15:06Ich bin eben Spätentwickler.
15:08Und dann, wenn deine Frau farbig
15:10das Bisschen Rauch nicht vertragen kann,
15:12dann gehe ich eben abends in die Kneipe.
15:14Das ist ja nicht bloß wegen der Farbe.
15:16Ich mache das auch nicht.
15:17Und außerdem ist es nicht gesund.
15:19Gesund ist es bestimmt nicht.
15:21Aber die drei klaren,
15:23die du da eben verzwitschert hast,
15:25die sind okay,
15:26richtig Stärkungsmittel
15:27für dein krankes Herz.
15:29Moment, Moment.
15:30Was heißt drei klare?
15:32Es waren zwei.
15:33Es waren drei, Oskar.
15:36Aber egal.
15:37Sag mal ehrlich.
15:38Glaubst du nicht,
15:39dass wir uns geirrt haben?
15:41Womit wir irrt?
15:43Sieh mal,
15:44du hast mich doch sozusagen
15:45als dein Freund eingeladen,
15:47bei dir zu wohnen.
15:48Und als dein Freund
15:50bin ich von ganzem Herzen gekommen.
15:52Ja,
15:53du hättest aber ruhig
15:54einen Blumenstrauß mitbringen können
15:55für Frau farbig.
15:56Stimmt,
15:57habe ich vergessen.
15:57Kriegst du morgen.
15:58Aber lass mich ja ausreden.
16:01Mit dem Zusammenwohnen bei dir.
16:04Ich kull ja jens gerne mal
16:05frische Schrippen
16:06und mit sieben Uhr früh ruf
16:07und du wasch auch mal ab.
16:10Wie auf Zehenspitzen,
16:12wenn deine Frau farbig schläft.
16:14Für eine Weile schlaf ich auch mal
16:16hinten in die kleine Kammer
16:17zum Hof.
16:19Aber auf die Dauer
16:20nimm mir's nicht übel, Oskar.
16:22Auf die Dauer ist das nicht
16:24das Jelbe vom Ei
16:25für Paulchen Rettich.
16:26Ach,
16:28dann willst du wohl nicht bleiben.
16:30Doch,
16:31sehr gerne.
16:32Aber ich bin nun mal
16:33kein Untermietertyp,
16:34der seine Zigarette
16:35auf dem Balkon ruft,
16:37bloß weil's da farbig
16:38nicht passt.
16:39Und ehe unsere Freundschaft,
16:41unsere olle Freundschaft
16:42in die Binse geht,
16:45da will ich dir
16:46einen Vorschlag machen.
16:47Ja,
16:48schieß los.
16:49Ich finde,
16:50wir sollten Frau farbig
16:51in Urlaub schicken,
16:53wo sie doch so zart
16:54und angegriffen ist.
16:55In Urlaub?
16:56Entschuldigung,
16:57ab wohin denn?
16:58Nein,
16:58auf meine Klitsche,
16:59äh,
16:59in meine Villa
17:01im Bayerischen Wald.
17:03Da hat sie zauber
17:03und gepflegt
17:04und muss sich
17:05um nischt kümmern.
17:06Aber Mensch,
17:07weißt du,
17:07wo die so klingelig ist?
17:09Det wird dir schon gefall,
17:11lass mich mal machen.
17:12Vielleicht haben wir Glück
17:13und sie kommt nie wieder.
17:15Dann wollen wir zwei Bäder
17:17aber mal Berlin
17:18auf den Kopf stellen.
17:19Warte,
17:20wir zwei Bäder
17:21ganz alleine?
17:22Na klar,
17:23wir müssen doch mal
17:23wieder unter Leute.
17:25So alt sind wir
17:26ja nur hoch nicht.
17:27Das stimmt.
17:28Darauf einen vierten klaren.
17:30Herr Orwa,
17:31groß Beulichin.
17:32Vorsicht.
17:34Nee,
17:34nee,
17:35dazu können wir mich
17:36nicht zwingen.
17:37Doch,
17:37das können wir,
17:37Mutter.
17:38Wir können dich sogar
17:38festbinden.
17:39Wir können dir sogar
17:40Handschellen anlegen
17:41und dir den Wohnungsschlüssel
17:43wegnehmen.
17:44Wisst ihr,
17:44was det ist?
17:46Det ist Nötigung
17:47und Freiheitsberufung.
17:49Ja,
17:50dafür könnte er
17:50ins Gefängnis kommen.
17:52Och,
17:52Kinder,
17:53bitte,
17:54nur eine kleine Woche.
17:57Da ist doch noch
17:57wahnsinnig viel zu tun.
17:59Da kommt zum Beispiel
17:59dieser Versicherungsonkel,
18:01der kommt wegen
18:01der Jahresprämie
18:03und der Strom,
18:04der muss auch
18:05abgerechnet werden.
18:07Und dann möchte ich
18:08mal so schrecklich
18:08gerne von der Stadt
18:10Samenkunden
18:11verabschieden.
18:12Jetzt kommt Otto.
18:13Der wird bestimmt
18:14dasselbe sagen.
18:16Na,
18:16Abend.
18:16Na,
18:17na,
18:17alle drei zu Hause?
18:18Keiner macht Spätdienst?
18:20Ich hab um 10
18:20schon zugemacht,
18:21weil ich nicht mehr los war.
18:23Na,
18:24und bei dir?
18:24Ach,
18:24mein Schrein war nicht drüber.
18:26Ich will mir jetzt mal
18:27meine Tochter angucken,
18:28damit ich wieder Laune kriege.
18:29Aber wechsel nicht auf,
18:30ne?
18:30Du und hier nicht so dicht daran.
18:32Du stinkst so nach Benzin.
18:34Na,
18:34mit Ode Cologne
18:35fährt meine Kachel leider nicht.
18:36Ein Kraftfahrerkind
18:37muss sich dran gewöhnen,
18:38wenn Papa kommt.
18:39Du Margot,
18:40hol mal für Otto ein Bier.
18:43Siehste,
18:44was hab ich gesagt?
18:46Und Tilia hatte
18:47so schön geschlafen.
18:48Na,
18:48wie singt meine Kleine?
18:50Ich höre die Arme,
18:51du.
18:51Also,
18:52ein richtiges Mädchen,
18:53wenn ein Kerl an Bette kommt,
18:55schreit's,
18:55wo vergeben wird.
18:56Otto!
18:57Hallo,
18:57Entschuldigung,
18:58keine Scherz.
18:59Also,
19:00was gibt's Neues?
19:01Bist ja so stille,
19:02Oma.
19:02Ist was los?
19:03Die wollen mir aus der Bude raus ekeln.
19:06Ja,
19:06ich soll in den Ruhestand treten.
19:08Dann find ich ja auch richtig.
19:10Sieh mal,
19:10ich will ja nicht
19:11einen Halter vorwerfen.
19:12Ich möchte mich auch verbitten,
19:13ja?
19:14Aber Oma,
19:15wir meinen's doch nur gut mit dir.
19:17Ja,
19:17wer hat denn das Geschäft
19:18aufgebaut an der Nolle,
19:20he?
19:20Ich alleine.
19:21Also,
19:21das stimmt nur nicht.
19:23Das waren wir beide.
19:24Ja,
19:24aber ich hatte die Idee.
19:26Und jetzt soll ich abtreten?
19:28Also,
19:28jetzt will ich mal
19:29ein Machtwort sprechen.
19:30Oma,
19:30mach Schluss.
19:31Als du anfingst,
19:32damals an der Nolle,
19:33da warst du noch
19:33ein blutjunges Mädchen
19:34von 60 Jahren
19:36auf Elfenfüßen.
19:37Das ist nun vorbei.
19:38Das ist nicht vorbei.
19:40Doch,
19:40Oma.
19:41Und wenn du mit dem Gesicht,
19:42was du jetzt machst,
19:43da unten in der Bude sitzt,
19:44da verkauzt du nur die Kunden.
19:45Die denken ja,
19:46da sitzt die Cousine von Frankenstein.
19:47Ach,
19:48Otto.
19:49Na ja,
19:50dafür bist du aber
19:52die beste Großmutter,
19:53die ich kenne.
19:54Die Motilie hängt an dir
19:55und von Kindern verstehst du was.
19:57Ach,
19:57Mensch,
19:58Otto.
19:59Noch eine Woche,
20:00ja,
20:00zum Abgewöhnen,
20:01wirst du?
20:02Also gut,
20:03hier wird ja noch
20:04eine Woche Frist.
20:05Ja.
20:06Und wenn ihr ins Schwimmen kommt,
20:07rufe ich Uschi an.
20:09Die ist auch arbeitslos,
20:10aber perfekt in Wurst
20:11und hat gerade ihren Edgar
20:13da diesen Knölch abgeschoben.
20:14Ach,
20:14Mensch,
20:15muss denn das sein
20:16ausgerechnet,
20:17Uschi?
20:18Ja,
20:19Uschi.
20:20Die hat uns damals
20:21prima ausgeholfen
20:22und die wäre glücklich,
20:23wenn sie Frühschicht machen kann.
20:25Wollen Sie eine Thüringer?
20:26Ja,
20:26nehmen Sie Thüringer.
20:26Thüringer,
20:27gut,
20:27ja.
20:28Also ich verstehe nicht,
20:29wo der Manfred bleibt,
20:31der immer zu spät kommt.
20:32Sie kommen ja hier ins Schleudern,
20:34die Buletten sind auch schon aus.
20:36Ach,
20:36da kommt er ja,
20:37na endlich.
20:38Moment mal,
20:39das ist doch nicht der Manfred.
20:40Nee,
20:41der ist er nicht.
20:42Mahlzeit.
20:43Sie sind Frau Färber,
20:44vermute ich.
20:45Fräulein Färber,
20:46ja.
20:46Fräulein Färber?
20:48Ja,
20:48das bin ich.
20:49Das ist mir hochrest.
20:51Tut mir leid,
20:51dass ich so spät komme.
20:52Mein Name ist Brinkmann,
20:53mir ist ein Fahrer ausgefallen.
20:55Ja,
20:55der Manfred,
20:56ne?
20:56Ja,
20:56der,
20:56nun muss ich mich alleine
20:57in das Steuer klemmen
20:58und muss ausliefern fahren.
21:00Ach,
21:00der Chef persönlich?
21:01Ja,
21:02was soll es,
21:03Sie brauchen ja Ihre Ware,
21:05übrigens alle gut sortiert,
21:06oben drauf die Wiener,
21:07da drunter die Krakauer.
21:09Ah ja.
21:09Ja,
21:10es gibt ja heute keine zuverlässigen Leute mehr.
21:13Ach,
21:13Herr Brinkmann,
21:14das sagen Sie nicht.
21:15Also,
21:16wir wüssten das schon eben,
21:17was,
21:17Willi?
21:17Ich glaube,
21:18tatsächlich.
21:19Würden Sie denn jemanden fest einstellen?
21:22Aber mit Kusshagen,
21:23wer ist es denn?
21:24Mein Schwiegersohn,
21:25den Späli,
21:26Otto Krüger,
21:26Berufsfahrer seit 30 Jahren,
21:28für Wurst und Fleischwaren.
21:30Na,
21:30das passt doch großartig,
21:31nicht?
21:32Also,
21:32im Moment fährt er ja Taxe.
21:34Na,
21:34her mit dem Mann,
21:35kann sofort bei mir anfangen.
21:36Ach,
21:37Mensch,
21:37Willi,
21:38ruf sofort den Otto an,
21:39er ist bestimmt zu Hause,
21:40er ist heute Nacht gefahren.
21:41Mach ich.
21:42Ja.
21:42Ja,
21:49Krüger,
21:52Willi,
21:54was?
21:57Mensch,
21:57das ist ja ein Ding.
21:59Ja,
22:00na klar,
22:02bringt man's Würstchen,
22:02knackig und frisch,
22:03Hummer herweg.
22:04Klinik,
22:06fest oder als Aushilfe?
22:09Fest?
22:09Da,
22:11da gibt doch die Taxe sofort wieder ab,
22:13und wer wurscht,
22:13Fahrer?
22:14In ne Stunde kann ich da sein.
22:16Ja,
22:17ich hab Oma nen Kuss.
22:19Sag ihr,
22:19sie ist und bleibt die Seele von Butter geschöpft.
22:22Na denn,
22:24ran an die Bulletten.