Drei Tage nach dem Amoklauf an einem Grazer Gymnasium mit zehn Todesopfern sind Vertreter aus Kirche und Politik am Donnerstagabend zu einem Gedenkgottesdienst in den Wiener Stephansdom gekommen. Der Administrator der Erzdiözese Wien, Josef Grünwidl, spendete die Begrüßungsworte. Zwar ende die Staatstrauer heute nach der einstündigen Messe, "doch die Wunden, die der schreckliche Amoklauf [...] gerissen hat, bleiben", sagte Grünwidl zu Beginn kurz nach 18.00 Uhr.
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00:00Im Gedenken an die Opfer des Amoklaufs von Graz hat am Donnerstagabend im Wiener Stephansdom ein überkonfessioneller Gottesdienst stattgefunden.
00:08Neben den politischen Spitzen wie Bundespräsident Alexander von der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker
00:13haben auch Vertreter und Vertreterinnen der Ökumene und anderer Religionen sowie hochrangige Vertreter aus dem Sicherheitsapparat teilgenommen.
00:21Der Gedenkgottesdienst, zu dem die österreichische Bischofskonferenz in Abstimmung mit der Bundesregierung lud,
00:27bildete den Schlusspunkt für die dreitägige Staatstrauer.
00:30Die Staatstrauer endet heute um 19 Uhr mit diesem Gottesdienst.
00:37Doch die Wunden, die der schreckliche Amoklauf in den Familien, bei den Freunden, Lehrern der Opfer und bei sehr vielen Menschen aufgerissen haben,
00:49diese Wunden bleiben.
00:52Wir vertrauen, Gott ist da.
00:55Er ist dort, wo wir sind.
01:01Und wenn Menschen leiden, dann ist Gott im Leiden.
01:06Er lässt uns nicht im Stich, nicht in der stillen Verzweiflung, nicht im leisen Weinen
01:13und auch nicht dann, wenn wir unsere Klagen ausschütten und unseren Schmerz hinausschreien.
01:21Gott ist da, um in unsere Dunkelheit ein Licht der Hoffnung zu bringen.
01:29Zum Läuten der Pomerin wurden in Erinnerung an die toten Kerzen entzündet.
01:35In dieser Trauerzeit fand ein merkliches Zusammenrücken statt.
01:46Wir haben eine gemeinsame Aufgabe, eine gemeinsame Verantwortung für das Gelingen von Leben neu gespürt.
01:57Im Anblitz des Anderen, des Bruders, der Schwester, nicht den Feind zu sehen.
02:07Bischof Wanke hat einmal die Werke der Barmherzigkeit ins Alltägliche miteinander übersetzt,
02:18wenn man leidenden Menschen zuspricht und einfach sagt,
02:24ich höre dir zu, ich rede gut über dich, ich teile mit dir, ich trage deine Last,
02:37ich gehe ein Stück mit dir und ich bete für dich.
02:44Das schulden wir unseren lieben Brüdern und Schwestern in großer Not,
02:49aber das schulden wir uns immer im Zusammenleben.
02:56Dazu drängt uns die Sehnsucht.
03:00Dazu will Hoffnung beseelen.
03:04Hoffnung ist die demütigste Gestalt des Glaubens.
03:11Hoffnung stellt sich dort ein, wo Glaube, sein Schauen und vor allem das Vertrauen
03:18verloren hat, was angesichts derartiger Ereignisse nur allzu verständlich ist.
03:28Wir nehmen Anteil, wir hoffen,
03:33Licht möge erneut das Dunkel der Nacht vertreiben,
03:40Lebensfreude wieder zurückkehren,
03:42Für alle aber, die unwiederbringlich ihr Leben lassen mussten,
03:52Möge gelten, was einst geschrieben wurde.
03:58Gott selbst wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.
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