00:00Die längste Rezession der Zweiten Republik hält an, WIFO und IHS haben am Donnerstag
00:05ihre Konjunkturprognose für 2025 massiv gesenkt und erwarten ein drittes Rezessionsjahr.
00:13Heuer fällt das reale Bruttoinlandsprodukt in Österreich um 0,3 Prozent.
00:19Somit wird 2025 das dritte Rezessionsjahr in Folge.
00:26Schon 2023 ist die österreichische Volkswirtschaft um ein Prozent geschrumpft, 2024 ist sie
00:32um 1,2 Prozent kleiner geworden.
00:34Noch nie in der Nachkriegsgeschichte ist unsere Volkswirtschaft so lange geschrumpft.
00:41Das BIP wird 2025 um zweieinhalb Prozent kleiner sein als 2022, pro Kopf gerechnet sogar um
00:51vier Prozent kleiner als 2022.
00:55Die Wirtschaftsleistung ist um circa 1.700 Euro pro Einwohnerin gefallen.
01:02Nirgendwo sonst in der EU oder in der OECD ist die Wirtschaftsleistung stärker rückläufig
01:09als in Österreich und selbst wenn 2026 das Wachstum zurückkehrt, wird es schwach bleiben.
01:18Österreich steckt also in einer Wirtschaftskrise und mittlerweile ist klar, die Krise ist zu
01:24einem großen Teil strukturell und nicht bloß zyklisch, sie ist zu einem großen Teil hausgemacht
01:32und nicht bloß importiert und von selber geht die Krise nicht weg.
01:38Die neue Bundesregierung muss mutige Strukturreformen auf den Weg bringen, um den Abstieg zu stoppen.
01:47Wenn nicht entschlossen gehandelt wird, dann blicken wir 2029 auf ein ganzes Jahrzehnt
01:54ohne Wachstum zurück.
01:56In den Wirtschaftswissenschaften wird in diesem Zusammenhang von einer Lost Decade gesprochen.
02:03Mein Kollege Gabriel Felbermayr hat eben ein sehr düsteres, aber leider unbedingt richtiges
02:08ungeschminktes Bild der wirtschaftlichen Lage gezeichnet, in der sich Österreich derzeit
02:12befindet und hat einen ziemlich lauten Weckruf angestimmt, dass nun je eher, desto besser
02:18ein Paket ambitionierter Reformen auf den Weg gebracht werden muss, um den festgefahrenen
02:23Wachstumskarren aus dem Dreck zu ziehen.
02:24In diesen Weckruf möchte ich uneingeschränkt einstimmen.
02:29Es gibt keine wirkliche Alternative zu tiefgreifenden Anpassungen, die gewohntes Aufbrechen und
02:34vielen etwas abverlangen werden.
02:36Dafür braucht es jetzt eine nationale Kraftanstrengung.
02:40Das Gute ist, die Hebel, um die wirtschaftliche Dynamik in unserem Land nachhaltig zu entfachen,
02:45wieder zu entfachen, haben wir zu einem Guteil selbst in der Hand, denn die Probleme, Gabriel
02:49Felbermayr hat darauf hingewiesen, mit denen wir konfrontiert sind, sind zu einem Guteil
02:52eben nicht importiert, sondern hausgemacht.
02:55Diese Probleme haben sich zwar schon länger aufgebaut, aber die Dringlichkeit zu handeln
02:59ist in den drei Monaten, die seit der Winterprognose vergangen sind, noch einmal deutlich größer
03:05geworden.
03:06Bremst wird Österreichs Wirtschaft durch schwache Industrie-Exporte, Konsum-Zurückhaltung,
03:10Sparpläne der neuen Regierung sowie US-Zölle.
03:13Wenn wir wieder nachhaltiges Wachstum in Österreich sehen wollen, dann braucht es massive Reformen,
03:19Reformen, die im Inland ansetzen, unter die die reale Wirtschaftsleistung und die Haushaltseinkommen
03:26wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringen.
03:30Die Sparanstrengungen in den öffentlichen Budgets sind ein Teil davon, aber es braucht
03:36auch Anpassungen von Pensionen, Löhnen, Sozialleistungen.
03:40Insgesamt ein Rendezvous mit der Realität.
03:44Die Krisen haben uns ärmer gemacht, das lässt sich nicht länger vertuschen.
03:49Große Herausforderung also, groß genug, um zu rechtfertigen, dass die neue Bundesregierung
03:54in den Krisenmodus wechselt, ohne dabei allerdings in Panik zu verfallen.
03:59Krisenmodus, das heißt für mich zügiges und pragmatisches Handeln für zielgerichtete
04:03Anpassungsmaßnahmen.
04:04Das Regierungsprogramm und die bereits vorliegenden Pläne für den Doppelhaushalt 2025-2026 zeigen
04:12durchaus diese Qualitäten.
04:14Es bräuchte aber angesichts der gravierenden strukturellen Wirtschaftsprobleme noch mehr
04:18Mut zu unpopulären Entscheidungen und schwierigen effizienzsteigenden Strukturreformen.
04:23Um die Akzeptanz dafür zu sichern, gilt es dabei, die soziale Balance zu wahren und Überforderungen
04:29sowohl der Unternehmen als auch der privaten Haushalte zu vermeiden.
04:33Wir haben eben aber gehört, dass auch die privaten Haushalte einen nicht unwesentlichen
04:38Teil der Anpassungslast werden tragen müssen, weil eben ihre verfügbaren Einkommen davongelaufen sind.
04:44Der lang erwartete Aufschwung wird laut IFO und IHS 2026 kommen, sollte sich die österreichische
04:51und die globale Wirtschaft im laufenden Jahr sowie derzeit prognostiziert entwickeln.
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