00:00Wir sind so etwas ein wenig von allem. Also Grundlage ist, wir betreiben eine
00:25Liegenschaft, die gehört einer Stiftung, der Ernst-Paul-Kultur-Stiftung.
00:29Und unter anderem haben wir die Aufgabe vom Stiftungsrat im Zentrum von Zürich
00:40indirekt den Zürchern darzulegen, dass es eigentlich noch das Appenzellerland
00:45gibt. Und wenn wir vom Appenzellerland sprechen, sprechen wir den Kanton
00:51Appenzell-Innerhoden, Ausserhoden und das Dokkenburgerland. Die sind beide kulturell
00:56mit gleichem Gedankengut, ähnlichen Traditionen unterwegs.
01:01Was wollen wir hier bewirken? Wir möchten eigentlich die Zürcher oder wer auch
01:08immer hier ein- und ausgeht, ein wenig sensibilisieren über eine wunderschöne
01:13Gegend. Eine Gegend, die unwahrscheinlich viele Traditionen hat. Wir wollen es
01:18machen. Wir machen es mit verschiedenen Anlässen.
01:22Wir machen es mit einer jährlichen Ausstellung. Das ist die Ausstellung, die
01:26Sie jetzt gerade besichtigen. Wir machen einen Neujahrsanlass. Wir haben
01:32verschiedene Vorträge. Wir brauchen auch Mittel. Wir haben das Glück, dass die
01:38Stiftung Besitzer in einer Liegenschaft ist, diese Liegenschaft. Wir vermieten
01:44unsere Räume und versuchen dann das, was am Ende noch bleibt, eben immer wieder in
01:50die Stiftung hineinzugeben. Also wir verlangen eigentlich keinen
01:54Eintritt, solange das noch geht. Aber durch das versuchen wir eben, mehr Leute zu
02:00sensibilisieren. Das ist ganz vereinfacht ausgedrückt, das
02:04Hauptbunker Penzell und die Ernst Kulturstiftung. Vielleicht noch etwas zum
02:08Hause. Das Haus wurde 1911 gebaut. Wir sind also über 100 Jahre alt, als
02:16Möbelgeschäft. Ich war selber Innenarchitekt. In der 15. Generation
02:22haben wir hier gearbeitet. Ich wollte einfach, als in die Jahre kamen,
02:28ich bin überzeugter Schweizer, natürlich Appenzeller auch, aber ich wollte einfach,
02:35dass mitten in der Stadt, nicht dazu, als waren die Banker natürlich sehr gefragt,
02:40heute sieht es anders aus, dass irgendwie doch noch etwas besteht, wo, ja, Herr
02:46Schweizer, Frau Schweizer, aber auch wo immer die Leute herkommen, ein- und
02:50ausgehen können. Und das ist eigentlich, wir haben ein Haus, das verschiedene
02:56Stile aufweist. Es wurde oben, ich weiss nicht, ob sie das schon gesehen haben, im
03:01ersten Stock Kunst und Handwerk vereint sich hier und das ist mein Leitmotiv.
03:06Wenn wir etwas tun, versuchen wir es professionell zu machen.
03:10Das muss realisierbar und bezahlbar sein und wir möchten Nachhaltigkeit.
03:16Also wir versuchen immer etwas zu hinterlassen, so auch diese Ausstellung.
03:20Das spricht jetzt vor allem die älteren Leute an. Ich gehöre auch zu dieser
03:23Kategorie und wir wollten sie einfach irgendwie so ein wenig sensibilisieren,
03:30dass wir eigentlich alle in einem Alter stehen, wo wir noch etwas für die
03:34Gemeinschaft tun können. Und das ist auch der Grund der Ausstellung.
04:04Das Thema Alt werden, das betrifft uns ja alle. Da gibt es kein Entkommen. Aber wir
04:11können immer noch beeinflussen, wie wir uns dann selbst, wie wir fühlen, dazu
04:17dabei fühlen, oder? Und mit unserer Ausstellung, Altes, Junges, Junges, Alt,
04:22möchten wir eigentlich durch diese Kunstobjekte, zwei Künstler, dann zeigen,
04:29oder kann man auch so sagen, einen Raum schaffen, in dem die Besucher durch
04:36diese Kunstobjekte sich Gedanken machen über das Thema Alt sein und Alt werden.
04:59Der Künstler Stefan Inau hat mich auch diese Frage gestellt, oder? Wieso bringst du uns beide zusammen?
05:06Was ist unsere Gemeinsamkeit, oder? Da habe ich gesagt, ja, es gibt vieles von euch,
05:11gemeinsames. Du musst das einfach sehen, schauen und spüren. Und was ich sehe,
05:19das ist, dass wir uns gemeinsam einig sind. Wir sind einig, dass wir uns gemeinsam einig sind.
05:25Sehen, schauen und spüren. Und was ich sehe, das ist das weiß vielleicht viele,
05:31erste Gemeinsamkeit, beide sind Appenzeller. Sie haben die Wurzeln im Appenzellerland.
05:37Eine aus inneren Hoden und eine aus außen Hoden, oder? Und zweite Gemeinsamkeit ist,
05:44ich weiß nicht, ob sie das auch bemerkt haben, die Objekte. Und der Zufall spielt eine große Rolle
05:50bei beiden Künstlern. Stefan Inau lässt sich inspirieren, oder? In dem, was er sieht,
05:56aus seinem Material, oder? Das ist wirklich aus Hand, aus Land, diese schriftliche Denkweise,
06:04oder? Was an diesem Moment entsteht. Und das ist auch bei Ludwig Stocke nicht anders.
06:11Er lässt auch den Zufall, das spielt eine große Rolle in seiner Arbeit. Vielleicht kam eine Idee,
06:17aber was danach kommt, das sind viele Zufälle, die zusammenkommen. Und dritte Gemeinsamkeit
06:24sehe ich auch bei den beiden. Sie haben ein großes Können, beides, oder? Und das auf der
06:33einen Seite auch, wie sie denken, wie sie über die Sachen, oder über das Leben,
06:39über dieses philosophische Denken, das sehe ich in sehr, sehr vielen gemeinsamen Sachen.
06:43Und kommen noch dazu, von Form her, einer nimmt das Stil vor, dass sie zum Thema Out werden.
06:51Weil, was kommt Ihnen in den Sinn, wenn wir über Out sprechen? Oder, was fällt Ihnen auf?
06:59Welches Material kommt Ihnen in den Sinn, wenn wir daran denken, aha, wie unser Körper im
07:06hohen Outen, wie wirkt das bei uns? Welche Emotionen kommen bei Ihnen plötzlich zum Vorschein?
07:16Und bei Ludwig Stocke ist das so, er nimmt das Stil vor aus einem Material, das symbolisiert
07:23diese Zerpräglichkeit, Instabilität des Lebens. Und das finde ich so ein passendes Material
07:31und auch so passend zum Thema Out werden, oder Out sein, oder Jung. Und trotzdem, Stil vor,
07:38betrachtet er aus einem modernen Material, das man sich gut formen lässt, oder?
07:44Auf der anderen Seite, von Stefan Innauern, ich denke, bei ihm, wieso ist er zu dieser Ausstellung gekommen?
07:51Das ist wegen seines Projekts, das heißt, das heißt auch auf Englisch, oder?
07:59Friends of Hopeless Chairs. Das ist vorhin der hoffnungslose Stühler, das finde ich dazu so passend.
08:06Weil, ich habe Sie vorher noch gefragt, was kommt dann Ihnen emotionell in den Sinn, oder?
08:14Welche Emotionen verbinden Sie mit dem Thema Out werden, Out sein, oder?
08:21Ist das gewisse Gelassenheit, oder Ruhe, oder Zufriedenheit, oder eher ein bisschen hoffnungslos?
08:29Und das ist, finde ich, ein so spannendes Thema. Und Stefan Innauern, er nimmt dann Stühle,
08:35die niemand mehr haben will, und dann erschenkt er in gewissem Sinne mit seiner Schöpfung
08:44ihm ein zweites Leben, einen zweiten Jungen, kann man auch so sagen.
08:49Und bei ihm war sehr entscheidend, der Stuhl bleibt immer noch, das kann man immer noch sitzen, oder?
08:57Diese Funktion muss so bleiben. Aber anstelle sie zu reparieren, macht er wirklich auf eine
09:05spielistische Art und Weise diese Objekte. Und das, aus dem ersten Augenblick, wenn man das sieht,
09:14denkt man, das ist ein bisschen komisch, oder ist ein bisschen anders, aber wenn man genau betrachtet,
09:22es hat so viele Dinge drin, und jeder kann selber dann anfangen, den Dialog zu führen,
09:28das ist sehr, sehr entscheidend. Und das ist genau auch bei den Objekten von Ludwig Stocker.
09:34Und bei Ludwig Stocker hat er uns einfach erzählt, schauen wir mal, nehmen Sie diese Wahrnehmung,
09:41oder nicht zuerst auf den Titel schauen, sondern nehmen Sie sich Zeit, um dieses Objekt genau
09:51zu betrachten. Und wir haben hier eigentlich viele Objekte auch von Ludwig Stocker hier ausgestellt,
09:59in dem Sinne, weil jeder hat seine eigene Wahrnehmung. Und jeder findet etwas Besonderes,
10:06zu ihm passend, oder? Und für mich, das ist auch sehr, sehr entscheidend, ist diese Auswahl,
10:14überlassen wir es ganz Ihnen. Sie bestimmen, Sie entscheiden, welche Objekte Sie anfangen können.
10:22Und das ist auch, das kann man auch so sagen, das ist auch etwas für mich Kunst. Für mich ist Kunst
10:30nicht nur eine Begegnung, sondern das schafft auch einen Dialog. Und genau in diesem Moment,
10:37in dem Sie Ihre Aufmerksamkeit nur auf ein bestimmtes Objekt hechten, und in dem Moment
10:44schafft es dann einen Raum nur zwischen Ihnen und dem Objekt. Und das ist auch das Ziel von der Ausstellung
10:52zum Thema «Aus, jung, junges Auge». Und mit diesen Möglichkeiten, mit diesen Kunstobjekten
10:59oder bei den Appenzeller Künstlern, möchten wir eigentlich auch Ihnen die Möglichkeit schenken,
11:07oder einen Raum schaffen, um das zu ermöglichen, dass Sie sich selbst mit Ihren Gedanken,
11:13mit Ihren Emotionen, mit Ihren Gefühlen auseinandersetzen und sich neu denken.
11:19Vielleicht schafft, eröffnet sich eine neue Perspektive. Das wäre doch schön.
11:24In dieser Zeichnung ist eigentlich immer ein Zitat aus dem Buch.
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