00:00Over, Out and Above is the first exhibition of the artist in Berlin
00:27Clara Liden here in the Schweiz.
00:29Clara Liden is a artist who has been in the early 2000s with questions of the public space,
00:37but also of the private space.
00:39How are these spaces defined?
00:41What social conventions and norms define these spaces?
00:46And how are we moving through these spaces?
00:48She works with very different media, but also in the area of sculpture, installation,
00:54often architectural interventions, both in the public space as in the institution.
01:00The point for Clara Liden's work is always the own body,
01:04but how are we moving through these public, private, but also institutional spaces?
01:11It's often about how some public spaces,
01:14which are not to us anymore, but are now privatized,
01:18how we could have these spaces again for us, maybe only for a short moment.
01:54And then in handgemachte Dias übersetzt.
01:57Also das sind dann wirklich Video-Stills,
02:00die sie aus mit dem Handy gefilmten Videos entnimmt.
02:04Die druckt sie dann mit einem Tintenstrahldrucker auf Folie,
02:07schneidet die mit der Hand aus und montiert sie dann in einem Diarahmen.
02:10Also es sind wirklich so analog handgemachte Dias,
02:13die fast an so diese Komik von schwarz-weißen Stummfilmen erinnern
02:17oder so Slapstick-artige Momente auch wiedergeben
02:21und sie eben auch immer im öffentlichen Raum zeigt,
02:23wie sie so vielleicht bei Handlungen und Aktionen,
02:27die vielleicht nicht so ganz konventionell sind
02:29und eben auch die Frage verhandeln,
02:30wie können wir uns von gesellschaftlichen Normen, Regeln und Konventionen befreien
02:35und diese ein bisschen überwinden, wenn auch nur für einen Moment.
02:40Die Ausstellung ist die erste Ausstellung von Klaralin in der Schweiz.
03:00Wir bringen hier vor allem auch Neuproduktionen in die Kunsthalle Zürich.
03:05Punktuell werden diese Arbeiten auch von Leihgaben
03:09oder älteren existierenden Arbeiten ergänzt.
03:12Auf beiden Stockwerken gibt es zwei ganz tolle, großformatige skulpturale Arbeiten.
03:19Die Arbeit, in der ich mich aktuell befinde, ist eine ihrer neuen skulpturalen Arbeiten,
03:23die sehr raumgreifend ist.
03:25Eine Arbeit, die aus gefundenen Architekturen besteht.
03:29Ich befinde mich hier gerade in einem Schutzgang,
03:32wie er eigentlich auf Baustellen dem Schutz von Fußgängerinnen und Fußgängern dient.
03:38Was vielleicht das Besondere an dieser Arbeit ist,
03:40dass sie nicht im traditionellen Sinne oder skulpturalen Sinne einfach nur eine Skulptur ist,
03:45der wir im Raum begegnen und die wir einfach von einer Seite betrachten,
03:49sondern dass es wirklich eine skulpturale Arbeit ist,
03:51die auch sich dadurch entfaltet, dass wir uns dazu verhalten.
03:56Das heißt, eine Skulptur, die auch ihre Wirkung erst bekommt,
04:00wenn wir um sie herum gehen, durch sie gehen in diesem Fall auch
04:04und auch immer unseren eigenen Körper in Relation dazu setzen.
04:08Die Arbeiten sind auch eigentlich mit Originalspuren, in dem Fall aus der Stadt,
04:14in der sie ursprünglich gestanden, überzogen.
04:19Also die Graffitis, der Spur, diese ganzen Verschleißerscheinungen,
04:22die sind auch immer Teil der Arbeiten von Clara Lieden.
04:25In Dialog gesetzt sind sie auch mit ein paar älteren Arbeiten,
04:30beispielsweise diese Leuchtkästen, die hier im Raum hängen.
04:33Das sind ebenfalls Arbeiten, die Clara aus dem öffentlichen Raum entwendet,
04:39aber dann auch nicht einfach in den Ausstellungsraum überführt,
04:43sondern schon auch immer noch die Farbe abkratzt.
04:46Also sie sind eigentlich Leuchtkästen,
04:49die vielleicht zu Werbezwecken von Banken gedient haben,
04:52EC-Automaten.
04:54Ein Leuchtkästen gehörte der Berliner Zeitung
04:57und das sind jetzt alles Spuren, die hier nicht mehr zu sehen sind.
05:00Aber es sind natürlich immer noch die ganzen Stickers, Graffitis
05:04und quasi diese Spuren, Gebrauchsspuren oder Spuren des Alltags
05:09sind ebenfalls immer Teil dieser Arbeit.
05:12Eine neue Arbeit, die auf beiden Stockwerken zu sehen ist,
05:30ist auch die neue skulpturale Arbeit der Untitled Holes.
05:35Holes, also wie das englische Wort für Löcher,
05:39sind quasi diese runden Betonkreise,
05:43die witzigerweise eigentlich das genaue Gegenteil von Holes sind,
05:46also von Löchern, sondern das sind eigentlich die Positivformen eines Loches.
05:50Wenn man im öffentlichen Raum oder Baustellen
05:53quasi für Kanaldeckel oder sonstige Bauarbeiten mit einem großen Bohrer ein Loch bohrt,
05:58dann nimmt man da quasi natürlich sehr, sehr viel Material raus
06:02und Clara nimmt diese Betonblöcke und setzt die hier in den Ausstellungsraum
06:08und wo sie dann quasi auch ihrer eigentlichen Funktion
06:11oder ihrer eigentlichen Kontext entwendet werden
06:13und dann hier zu skulpturalen Arbeiten werden.
06:16Im zweiten Stockwerk der Ausstellung gibt es ebenfalls zwei großformatige Skulpturen,
06:21die aus ebenfalls genutzten Bauzäunen gebaut wurden,
06:25die auch in ihrer ganzen Erscheinung auch sehr stark an die Minimal Art der 60er und 70er Jahre erinnert,
06:32so wie auch die Schutzgänge unten im ersten Stock der Ausstellung.
06:38Und dort entfalten sich diese Kuben auch, also bilden quasi eine Art Parcours,
06:43durch die man sich hindurch bewegt.
06:46Die Kuben sind auch quasi direkt an den Eingang der Ausstellung gesetzt
06:51und vor die beiden Fenster des Ausstellungsraumes
06:53und verdecken so eigentlich auch nochmal den Blick nach außen.
06:56Also es geht sehr stark auch um diese Fragen von Ausschlussmechanismen und Zugänglichkeit.
07:01Die Kuben sind geschlossen, wir können nicht hinein, wir wissen nicht, was sich dahinter befindet.
07:05Und durch diese Positionierung im Raum, der Kuben im zweiten Stock beispielsweise,
07:10entstehen natürlich auch immer wieder neue alternative Räume, Nischen, Gänge,
07:14die wiederum auch nochmals ein paar Arbeiten von Clara Lieben beinhalten oder beherbergen.
07:21Eine davon ist eine Mülltonne, eine Leihgabe von der Stadt Luxemburg,
07:27eine große silberne Tonne, die Teil von ihrer fortlaufenden Serie untitled Trashcans ist.
07:34Das ist eine Sammlung an verschiedenen Abfallbehältern, Mülleimern,
07:40die unterschiedlichen Städten entnommen wurden.
07:42Sei es Berlin, Stockholm, Zürich, New York, alle Städte sind vertreten.
07:49Und in dem Fall haben wir jetzt einen Abfallbehälter genommen,
07:52der eben eigentlich in Luxemburg zu finden ist, aber auch punktuell in Berlin.
07:56Und gewissermaßen funktionieren diese Abfallbehälter, die ja dann hier komplett im Ausstellungsraum
08:03dem Kontext entnommen werden, ihrer Funktion entledigt werden und einfach so als Objekte im Raum stehen
08:09und als Skulpturen wahrgenommen werden können, funktionieren aber gewisserweise auch immer noch
08:13als Porträts der eigentlichen Herkunftsorte.
08:43Für mich war eigentlich ganz klar, dass ich gerne so den Auftakt meines Programms
08:47als neue Direktorin der Kunsthalle Zürich wahnsinnig gerne mit Clara Lieden machen wollte.
08:52Clara Lieden ist eine Künstlerin, die sich wirklich seit den frühen 2000er Jahren
08:56mit Fragen von öffentlichem Raum auseinandersetzt, die natürlich auch Fragen sind,
09:01die uns hier im institutionellen oder musealen Kontext immer auch betreffen.
09:06Die Kunsthalle Zürich hat sich auch über die letzten vier Jahrzehnte ihres Bestehens
09:09immer wieder neu erfunden und ist gewisserweise ja auch ein öffentlicher Raum,
09:13der ja auch immer wieder mit jeder Ausstellung durch die jeweiligen Künstlerinnen und Künstler,
09:18die eingeladen sind, neu gedacht wird, neu definiert wird und neu verhandelt wird.
09:31Vielen Dank.
09:58Vielen Dank.
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