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  • vor 6 Minuten
Abenteuer, Antike ,Mythologie

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Transkript
00:03In dieser Episode von Mysterien der Menschheit, hunderte von Skeletten in Unterwasserhöhlen.
00:10Kinder, die verstümmelt und umgebracht wurden.
00:15Sieht aus, als hätte man mit einem großen Messer auf den Kopf des Kindes eingeschlagen.
00:19Um das jahrtausendealte Rätsel dieser Gewalttat zu lösen, muss sich ein Mann auf die Reise ins Jenseits begeben.
00:28Dieser Weg führt in die Unterwelt und in uralte Kammern des Todes hinabsteigen.
00:37Das musst du dir ansehen!
01:04Unter der mexikanischen Region Yucatan befinden sich über 5000 Unterwasserhöhlen, die sogenannten Cenotes.
01:12Nur wenige dieser Höhlen wurden bisher erforscht.
01:17Der Höhlentaucher Guillermo de Andal taucht leidenschaftlich gern durch diese Unterwasserwelten.
01:23Hier geht eine Höhle in die nächste über.
01:27Fremdartig, dunkel, gefährlich.
01:31Doch dieser Tauchgang ist anders.
01:34De Andal spürt, dass er nicht allein ist.
01:45Ein menschlicher Schädel. Er sieht sehr alt aus.
01:51Diese Entdeckung soll sein Leben verändern.
02:02Der Schädel ist so alt, dass die Polizei sich nicht für ihn interessiert.
02:06Doch De Anders Neugier warf Fragen auf, die ihn selbst 30 Jahre nach dem Fund noch beschäftigen.
02:18Wer war dieser Mensch? Wieso lag er in der Höhle?
02:25Um diese Rätsel zu lösen, wurde De Ander Spezialist für Höhlentauchen und studierte Archäologie.
02:32Heute ist er Professor für Unterwasserarchäologie an der Universität von Yucatan.
02:37In über 30 Jahren wurden in den Höhlen von Yucatan etwa 600 Skelette gefunden.
02:43Viele von ihnen werden hier im Keller des Anthropologischen Museums gelagert und untersucht.
02:57Dr. David Volkanes arbeitet als Anthropologe in diesem Museum.
03:02De Ander ist aufgefallen, dass eine bestimmte Art von Skeletten häufiger vorkommt.
03:09In dieser Sammlung finden sich sehr viele Kinderknochen.
03:14Ja, es sind viele Kinder.
03:18Fast 80 Prozent der Knochen, die De Ander untersucht hat, stammen von Kindern zwischen drei und zwölf Jahren.
03:27Offensichtlich wurden viele von ihnen getötet, als gerade ihre zweiten Zähne herauskamen.
03:33Es war ein gewaltsamer Tod.
03:35Hier ist eine Schnittwunde.
03:37Ja, eindeutig.
03:40Und dies sieht aus wie von einer Axt.
03:43Wahrscheinlich eine Enthauptung.
03:47Es sieht so aus, als wären einige der Kinder sofort nach ihrem Tod in die Höhlen geworfen worden.
03:53Bei anderen wurde zunächst noch das Fleisch vom Körper entfernt.
03:57Sieht aus, als hätte man mit einem großen Messer auf den Kopf des Kindes eingeschlagen, wodurch diese große Schnittwunde entstand.
04:09Wahrscheinlich sollte es skalpiert werden.
04:14Das lässt darauf schließen, dass das Kind bei einem Opferritual starb.
04:23Die Knochen stammen von den Maya, einer großen Zivilisation, die sich von Mexiko bis Mittelamerika erstreckte und 3000 Jahre überdauerte.
04:35Die Anders Fund ist einzigartig, denn bisher gab es keine Beweise dafür, dass die Maya Opferrituale bei den Cenotes durchführten.
04:47Die Maya waren eine hochentwickelte Zivilisation, deren Ursprung im zweiten Jahrtausend vor Christus liegt.
04:55Sie bauten große Festungen.
04:58Sie entwickelten komplexe Kalender, von denen manche glauben, dass sie das Ende der Welt voraussagen.
05:05Zur Wintersonnenwende 2012.
05:08Und historische Dokumente lassen darauf schließen, dass die Rituale der Maya blutig und brutal gewesen sein könnten.
05:16Ohne Knochenfunde bleibt es jedoch bei Geschichten und Legenden.
05:21Möglicherweise enthält die Anders Fund die entscheidenden Beweisstücke dafür, dass die Maya Opferrituale bei den Cenotes durchgeführt haben.
05:28Und zwar in großem Stil.
05:34Er will sich die schriftlichen Beschreibungen der Opferrituale genauer anschauen.
05:38Denn vielleicht gibt es eine Verbindung zwischen ihnen und den Skeletten.
05:49Im 16. Jahrhundert versuchten die spanischen Eroberer, die Riten und die Kultur der Maya zu vernichten.
05:58Die Maya-Priester wurden vor Gericht gestellt und grausam gefoltert.
06:03Die Gerichtsprozesse fanden in diesem Kloster statt und wurden von den Spaniern schriftlich dokumentiert.
06:19De Ander trifft sich mit dem Archäologen Alfonso Morales.
06:24Sie wollten, dass die Maya zur katholischen Religion übertreten.
06:28Aber das gelang ihnen nicht, denn die Maya waren mit ihrem eigenen Glauben fest verwurzelt.
06:34Also zerstörten die Spanier alles, sämtliche Bräuche und jegliche Beweise für die Existenz dieser Religion.
06:42Diese Terrorkampagne wurde 1562 unter der Führung des spanischen Bischofs Diego de Landa ausgeführt.
06:51Die Gewaltherrschaft des Bischofs dauerte nicht einmal ein Jahr.
06:57Doch in dieser kurzen Zeit überwachte de Landa die Zerstörung tausender Maya-Artefakte, Manuskripte und Hieroglyphen.
07:06Zurück blieben hunderte Seiten mit Geständnissen.
07:12Diese Dokumente befinden sich hier, weil die Folter und die Tötungen hier in diesem Konvent stattfanden.
07:19Diese Dokumente müssen also viele Informationen enthalten, die wir verwenden können.
07:27Doch die Glaubwürdigkeit dieser Dokumente ist umstritten.
07:31Manche Forscher glauben, dass die Maya-Priester die Menschenopfer nur gestanden, weil sie gefoltert wurden.
07:42Morales gibt de Landa ein Buch mit den Geständnissen.
07:47Vielleicht können die Aufzeichnungen der Prozesse mehr Aufschluss darüber geben, warum die Maya Kinder in den Cenotes opferten.
07:56Während er die unter Folter abgegebenen Geständnisse studiert, fällt ihm ein Augenzeugenbericht über die Taten eines Maya-Priesters ins Auge.
08:06Und dann nahmen sie einen Jungen namens Juan Pot.
08:09Er war ein Waisenkind aus dem Dorf. Sie erhoben sich und schnitten ihn auf.
08:16Er war noch am Leben, gefesselt an einen Pfahl.
08:19Und dann rissen sie sein Herz heraus.
08:28Als das Opferritual beendet war, nahmen sie seinen leblosen Körper und warfen ihn in einen Cenote.
08:41Hier finden sich hunderte solcher Beschreibungen von Opferritualen.
08:45Und in fast allen Fällen stehen sie im Zusammenhang mit den Cenotes.
08:50Unklar ist jedoch, ob dieser Bericht der Wahrheit entspricht.
08:55Wir müssen diese Orte finden und nach Beweisen für diese Aufzeichnungen suchen.
09:02Deanda braucht handfeste Beweise für die beschriebenen Ereignisse.
09:08Wenn er den Cenote finden kann, an dem das Menschenopfer stattgefunden hat, wäre das ein Beweis dafür, dass die Maya
09:14-Priester die Wahrheit gesagt haben.
09:17Dann wären die Beschreibungen der Opferrituale in den Prozessaufzeichnungen doch wahr.
09:25Doch das ist keine leichte Aufgabe.
09:28Die in den Dokumenten erwähnten Cenotes sind in keiner Karte verzeichnet.
09:33Er muss sie selbst suchen.
09:39Hallo, gibt es hier einen Cenote?
09:43Okay, danke.
09:45Nicht in dieser Gegend?
09:47Deanda nimmt sich jedes einzelne Prozessdokument vor.
09:50Eine Arbeit, die nie zuvor bei einer archäologischen Untersuchung durchgeführt wurde.
09:56Ein kleiner Junge wurde getötet, drei oder vier Jahre alt.
10:01Kanun klingt sehr vielversprechend.
10:03In den Aufzeichnungen taucht ein Name auf.
10:06Katnun.
10:08Wie oft wird es erwähnt?
10:11In der Gegend gibt es auch einen Cenote namens Kanun.
10:19Hallo, gibt es hier einen Cenote?
10:22Die Hauptstraße hoch, sie führt direkt dorthin.
10:25Ah, vielen Dank.
10:27Hallo, ist das der Weg zum Cenote?
10:30Ja, da lang.
10:32Perfekt, danke.
10:39Ich glaube, wir sind da.
10:53Auf einer verlassenen Farm findet er zwischen Bäumen versteckt etwas, das aussieht wie ein alter Brunnen.
11:01Ich muss da runter.
11:03Um zu beweisen, dass es sich um den Cenote aus den Aufzeichnungen handelt, muss Deanda nicht nur Beweise für das
11:10Opferritual finden, sondern auch die Überreste des erwähnten Jungen.
11:16Gemeinsam mit einigen Männern aus dem Dorf bereitet er sich auf den Tauchgang vor.
11:29Der Schacht führt tief hinunter in eine Höhle.
11:32Ein großer Brunnen, gefüllt mit eiskaltem Wasser.
11:45Unter der Wasseroberfläche findet Deanda ein riesiges Labyrinth aus Tunneln und miteinander verbundenen Höhlen vor.
11:55Kaum ein Teil dieser riesigen dunklen Welt wurde bisher in einer Karte verzeichnet.
12:00Die Menschheit weiß mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Geografie dieser unterirdischen Flüsse.
12:07Deanda sucht auf dem Höhlenboden nach Beweisen, die den Bericht über das Kindesopfer stützen.
12:16Dies sollte eine der Stellen sein, die in den Inquisitionsaufzeichnungen beschrieben wurden.
12:34Plötzlich entdeckt er etwas. Es ist kein Stein.
12:38Ein Schädel.
13:03Das ist das Skelett eines sehr jungen Menschen.
13:11Er kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich hier um das Kind aus den Aufzeichnungen handelt, aber eins
13:17steht fest.
13:18Hier wurden Kinder geopfert.
13:22Das ist sicher nur die Spitze des Eisbergs. Sieht so aus, als wären die Aufzeichnungen wahr.
13:35Doch weder diese Entdeckung noch die Aufzeichnungen selbst verraten etwas über die Motive für diese Tötungen.
13:41Oder über den Grund, warum die Skelette in den Cenotes liegen.
13:47Die Antwort auf diese Fragen findet Deanda heraus, wenn er weiß, welche Vorstellungen die Maya vom Tod hatten.
13:54Dazu fährt er zu den Ruinen einer alten Maya-Stadt namens Ekbalam, Schwarzer Jaguar.
14:05Die Stadt erlebte ihre Blütezeit im 6. Jahrhundert nach Christus, dem goldenen Zeitalter der Maya.
14:12Hier finden sich in Steinmonumenten eingeritzte Hinweise auf religiöse Maya-Städten.
14:19Die Archäologin Dr. Julia Miller arbeitet seit vielen Jahren an der Entschlüsselung dieser Steinreliefs.
14:31Ein großer Teil der Stadt muss noch ausgegraben werden.
14:36Doch in ihrer Mitte wurde eine Pyramide gefunden, die sich in erstaunlich gutem Zustand befindet.
14:42Im Inneren liegt das Grab des Stadtgründers, das mit zahlreichen Reliefs verziert ist.
14:48In den Steinen sind Tiere eingemeißelt, die die Maya offensichtlich mit dem Tod verbanden.
14:56Das ist das Maul eines Erdmonsters.
15:01Hier unten sehen Sie die Zähne. Das ist der Unterkiefer.
15:04Die Zähne verlaufen an der Seite bis nach oben. Das ist der Oberkiefer.
15:08Über den Zähnen sind zwei Augen.
15:11Sie glaubten, dass das Erdmonster die Unterwelt bewacht.
15:15Genau, denn hier fand eine Bestattung statt. In dem Gebäude liegt ein Grab.
15:21Schauen Sie sich diese Schädel an. Sie befinden sich anscheinend noch im Verwesungsprozess.
15:26Es ist noch Fleisch dran, aber man kann die Knochen schon sehen.
15:31Es scheint eine Verbindung zwischen den Menschenopfern und der Vorstellung der Maya von der Unterwelt zu geben.
15:47Die Ander kehrt nach Merida zurück, um ein Buch zu finden, das diese Unterwelt beschreibt.
15:55Dieses Buch heißt Popol Vuh. Es handelt vom Schöpfungsmythos der Maya.
16:00Ich sehe Götter. Die Unterwelt.
16:07In Popol Vuh wird die Unterwelt Shibalba genannt. Ort der Angst.
16:12Shibalba war das Reich von neun Todesgöttern, den dunklen Herren der Unterwelt.
16:21Das Buch erzählt von zwei Wesen mit dem Namen Hunapu und Spalanke, auch bekannt unter dem Namen Heldenbrüder.
16:31Die Todesgötter beordern sie in die Unterwelt.
16:37Sie machten sich auf den Weg nach Shibalba, jeder mit seinem Blaswohr.
16:42Schnell stiegen sie die steilen Stufen des Berges hinab und überquerten den Schlammfluss und den Fluss des Blutes, wo sie
16:48in eine Falle gehen sollten.
16:49Das dachten zumindest die Bewohner von Shibalba.
16:56Das klingt nach einer Beschreibung von Höhlen. Höhlen mit Wasser darin.
17:07Wie viele andere altertümliche Unterwelten, war auch Shibalba ein Ort, an dem lebensgefährliche Prüfungen und Torturen warteten, die nur wahre
17:17Helden bestehen können.
17:18Dies ähnelt einer weiteren Mythologie, die jedoch von einem anderen Kontinent stammt.
17:24Im alten Ägypten mussten sich auch die Pharaonen auf einer Reise durch die Unterwelt begeben, durch vorgeschriebene Tore schreiten und
17:32Höllenqualen überstehen.
17:35Als die Heldenbrüder das Reich der Todesgötter erreichen, müssen sie eine Reihe von Prüfungen bestehen, um den Tod zu überlisten.
17:44So müssen sie einige Nächte in verschiedenen schrecklichen Häusern verbringen.
17:48Eines dieser Häuser ist voll mit scharfen, spitzen Klingen.
17:53Ein anderes voller Fledermäuse. Im dritten Haus herrscht absolute Finsternis.
17:59Das ist der erste Test in Shibalba. Sobald sie den Ort betreten, beginnt ihr Untergang. Das glauben die Bewohner von
18:08Shibalba.
18:09Natürlich betreten sie das düstere Haus. Ein dunkles Haus, natürlich.
18:16Höhen sind dunkle Häuser. Das ist fantastisch. Wir müssen zurück zur Ausgrabungsstätte und nach Beweisen für diese Geschichte suchen.
18:27Die Unterwelt der Maya könnte der Schlüssel zum Rätsel um die Tötungen in den Cenotes sein.
18:33Doch das Popol Vuh als Quelle zu benutzen, ist nicht unproblematisch.
18:39Es wurde im 18. Jahrhundert von einem katholischen Priester namens Francisco Chimines entdeckt und übersetzt.
18:45Viele Forscher glauben, dass Chimines die Geschichten geändert und übertrieben hat.
18:51Deanda muss einen Beweis dafür finden, dass die Geschichten im Popol Vuh wahr sind.
18:56Dazu muss er sie mit den frühesten Beschreibungen von Shibalba vergleichen.
19:01Es gibt einen Fund, der dazu geeignet wäre, aber er befindet sich hunderte von Kilometern weiter südlich, in Guatemala.
19:09In einem riesigen Dschungel, in dem eine der ältesten und größten Maya-Städte liegt.
19:28In diese Stadt gelangt man am besten mit dem Hubschrauber.
19:50Nach einem langen Flug über den dichten Regenwald ragt plötzlich die Spitze eines uralten Monuments zwischen den Baumwipfeln hervor.
20:04Es ist die alte Stadt El Mirador, der Aussichtspunkt.
20:08Zu seiner Blütezeit war El Mirador das Juwel der Maya-Zivilisation, mit einer Einwohnerzahl von etwa 100.000 Menschen.
20:23Deanda klettert einen Hügel hinauf, der dicht mit Bäumen bewachsen ist.
20:27Bei diesem Hügel handelt es sich jedoch um eine der größten Pyramiden der Welt, Ladanta.
20:35Sie ist vollständig von Erde bedeckt, nur ihre Spitze ragt heraus.
20:45Dieser Ort verändert alles, was wir bisher über die Maya-Zivilisation wissen.
20:54Die Größe dieser Stadt und das Fachwissen, das für ihre Erbauung nötig war, zeigen, dass die Maya weitaus fortschrittlicher waren
21:01als bisher angenommen.
21:11Doch die Stadt gibt auch Rätsel auf.
21:15Irgendwann im zweiten Jahrhundert verließen die Menschen El Mirador plötzlich.
21:19Niemand weiß warum.
21:22Ich stehe auf einem der ältesten Gebäude der Maya.
21:27Das ist großartig.
21:32Eine Theorie besagt, dass die Maya unter einer schlimmen Dürreperiode litten.
21:37Während dieser Dürreperiode fiel die Ernte schlecht aus.
21:40Es gab zu wenig Nahrungsmittel für die Versorgung großer Städte.
21:48Zurück am Boden macht sich Deanda auf die Suche nach einer der frühesten Darstellungen der Schöpfungsgeschichte der Maya.
21:56Es ist ein großes Steinrelief, acht Meter lang.
22:03Es sieht so aus, als wäre die Geschichte von Popol Vuh darauf dargestellt.
22:07Die Heldenbrüder in Chibalba.
22:11Doch passt das Relief wirklich zu den Geschichten im Buch Popol Vuh?
22:17Diese beeindruckende Szene zeigt die Heldenbrüder, wie sie durch die Unterwelt schwimmen.
22:21Hier sind einige Wassermotive abgebildet.
22:25Deanda ahnt, was in dieser Szene dargestellt wird.
22:28Dem Popol Vuh zufolge nehmen sich die Heldenbrüder das Leben, als sie mit einer unlösbaren Aufgabe konfrontiert werden.
22:37Ihre Asche wird in einen Fluss gestreut und das Wasser bringt die Heldenbrüder zurück von den Toten.
22:43Sie werden zu Sonne und Mond und sichern den natürlichen Verlauf von Tag und Nacht.
22:48Von Jahreszeit zu Jahreszeit.
22:53Als ihre Asche ins Wasser gelangt, erstehen die beiden wieder von den Toten auf.
22:57Das hier ist wahrscheinlich die Szene der Wiederauferstehung.
23:01Es sieht aus, als ob diese Person schwimmt, fast wie die Bewegung, die wir beim Höhlentauchen machen.
23:08Auf diesem Relief haben die Maya die Unterwelt dargestellt.
23:12Genauso wie im Grab von Ekbalam.
23:14Die Reliefs entstanden um 200 vor Christus.
23:18Sie könnten beweisen, dass der katholische Priester, der das Popol Vuh im 18. Jahrhundert übersetzte, sich diese Geschichten nicht ausgedacht
23:26hat.
23:29Es ist beeindruckend.
23:3119 Jahrhunderte später beschreibt das Popol Vuh die gleiche Szene.
23:37Dies ist eine sehr alte religiöse Tradition, ein sehr alter Mythos.
23:41Es ist keine Erfindung, wie einige Menschen behaupten.
23:45Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg.
23:56Das Relief von El Mirador zeigt, dass die im Popol Vuh beschriebene Reise der beiden Brüder in die Unterwelt eine
24:02wahre Darstellung des Maya-Glaubens ist.
24:06Wenn Deanda Beweise dafür in den Cenotes finden kann, ist er vielleicht einen Schritt weiter auf der Suche nach dem
24:13Grund, warum diese Menschen geopfert wurden.
24:19Hoctun wird mehrmals erwähnt.
24:23Deanda konzentriert sich auf einen Ort namens Spiss, der mehrmals in den Prozessaufzeichnungen auftaucht.
24:34Hier könnte es sein.
24:37Schauen wir nach.
24:50Das ist es.
25:22Sieht ganz gut aus.
25:32Das sieht aus wie ein Krokodil.
25:35Die Maya glaubten, dass Krokodile in der Unterwelt leben.
25:40Das Krokodil ist in die Höhlenwand eingeritzt.
25:45Ein Krokodil in der Unterwelt.
25:47Das passt.
25:48Hier hat jemand viel Zeit investiert, um ein Symbol von Chibalba zu hinterlassen.
25:54Diese Höhle ist sehr vielversprechend.
26:21Sieht aus wie ein perfektes Quadrat.
26:30Vielleicht ein Altar.
26:31Das stammt definitiv von Menschenhand.
26:36Hier in der Mitte stand mal was.
26:38Vielleicht ein Andachtsplatz.
26:40Ein Opfertisch?
26:42Vielleicht eine Götterstatue?
26:44Wir sind in der Unterwelt, also war es bestimmt ein Andachtsplatz.
26:55Die Maya glaubten, dass nur unter besonderen Bedingungen eine Brücke zwischen der körperlichen und der geistigen Welt geschaffen werden konnte.
27:03In Trance, durch Opferrituale oder durch den Tod.
27:09Vielleicht nutzten die Maya die Cenotes als eine Art Portal oder Verbindung zwischen der materiellen und geistigen Welt.
27:24Das ist ein Sakbe.
27:27Ein Sakbe ist eine Maya-Straße.
27:32Der Sakbe führt in die spirituelle Welt, zu Religion und Pilgertum.
27:39Das ist fantastisch.
27:42Soweit ich weiß, ist das der erste Sakbe, der sich in einer Höhle befindet.
27:51Und besonders spannend ist, dass die Heldenbrüder in Popol-Wu an eine Wegkreuzung gelangen.
28:02Das Popol-Wu erzählt, wie Hunapu und Spalanké, die Heldenbrüder, an einen Scheideweg gelangen, von dem ein Weg zu den
28:09Todesgöttern führt.
28:15Einer dieser Wege spricht zu ihnen und sagt, ich bin der Schwarze Weg, ihr müsst mir folgen.
28:21Und das taten sie.
28:25Die Heldenbrüder nahmen den Weg gen Westen.
28:31Und im Westen liegt die Unterwelt, wohin die Seelen der Toten reisen.
28:39Wenn dieser Sakbe nach Westen weist, dann passt er perfekt zu dem Schwarzen Weg nach Shibalba, der im Popol-Wu
28:46beschrieben wird.
28:48Schauen wir mal, wo dieser Weg hinführt.
28:56Der Weg führt nach Westen, in die Unterwelt, nach Shibalba.
29:06Die Maya haben den Weg in die Unterwelt nachgebildet.
29:10Die Ander folgt ihm.
29:20Fantastisch. Der Weg führt nach Westen, zum Wasser.
29:28Die Heldenbrüder folgten dem gleichen Pfad.
29:31Sie nahmen den Schwarzen Weg und gelangten ans Wasser, an einen unpassierbaren Fluss.
29:37Genau das Gleiche passiert hier.
29:40Ich habe das Gefühl, den gleichen Weg wie die Heldenbrüder zu gehen.
29:46Ich muss tauchen.
29:51Nun ist Deander selbst auf dem Weg in die Unterwelt.
29:58Wie in Shibalba warten auch in diesem Höhlensystem zahlreiche lebensbedrohliche Herausforderungen auf ihn.
30:19Nachdem er untergetaucht ist, markiert Deander seine Route mit einer Sicherheitsleine, damit er im trüben Wasser den Weg zurückfindet.
30:27Er schwimmt westwärts, nach Shibalba.
30:34Okay, mal sehen, was ich finde.
30:46Die alten Maya glaubten, dass der Regengott Sha'ak in den unterirdischen Flüssen lebt.
30:52Vielleicht waren die Knochen, die Deander gefunden hat, ein Opfer an den Regengott.
31:03Deander taucht noch tiefer in die Maya-Unterwelt.
31:15An der westlichen Seite dieser Kammer entdeckt er einen Eingang zu einer anderen Höhle.
31:24Dieser Fluss ist wahrlich unpassierbar.
31:28In anderen Cenotes sieht es so aus, als wären die Leichen abgelegt worden, als der Wasserstand sehr niedrig war.
31:35Doch Deander kann in dieser Höhle keine Überreste eines Menschenopfers finden.
31:43Sieht aus, als wären hier keine Leichen.
31:49Er würde diesen Ort gern noch weiter erforschen, aber seine Luft wird langsam knapp. Er muss umkehren.
31:59Loses Sediment wurde aufgewirbelt und das Wasser ist zu trüb, um klar sehen zu können.
32:10Deander ist zwar ein erfahrener Höhlentaucher, aber bei schlechter Sicht muss auch er langsamer schwimmen.
32:17Es ist wie die Asche der Heldenbrüder, die im Wasser am Ort der Angst schwebt.
32:22Ein weiteres Hindernis.
32:25Doch dieses Mal ist es Deander, der es überwinden muss.
32:46Was für ein großartiger Ort. Ich war nah dran.
32:53Spiss ist eine unglaubliche Entdeckung.
32:55Die Maja haben Shibalba also nicht bloß in Reliefs abgebildet, sondern den gesamten Ort tatsächlich aufgebaut.
33:03Ein echter Weg, der nach Westen führt, zu einer Reihe von Prüfungen, wie sie auch die Heldenbrüder ablegen mussten, bevor
33:10sie wieder auferstanden sind.
33:14Doch noch fehlt die Erklärung, warum sie gebaut und wieso Kinder in den Cenotes getötet wurden.
33:27Wieder zurück an der Universität vergleicht Deander noch einmal die Lage der Cenotes mit den Prozessaufzeichnungen und dem Popol Vuh.
33:39Er findet einen Hinweis auf einen bestimmten Cenote, der eine Erklärung für die Opferrituale bietet.
33:48Erwachsene wurden geopfert, weil die Götter Blut forderten, um die Maja mit Wasser zu versorgen.
33:53Und hier haben wir den Anlass dazu.
33:57Wasser.
34:00Wahrscheinlich opferten die Maja den Göttern während der großen Dürreperiode viele Menschen für Wasser.
34:07Die Cenotes waren die einzige Wasserquelle in der Region Yucatan.
34:11Vielleicht ist Wasser des Rätsels Lösung.
34:16Ein Ort taucht immer wieder in den Prozessaufzeichnungen auf.
34:23Sie opferten zwei Mädchen und dann warfen sie ihre Leichen in einen Cenote namens Tachzibichen.
34:34Es scheint, als wären die Opfer kilometerweit zu dieser bestimmten Höhle getragen worden.
34:40Sie muss etwas Besonderes an sich haben.
34:49Der Professor versteht nun, warum die Einheimischen noch immer Angst vor den Cenotes haben.
34:56Deanda fährt in ein nahegelegenes Dorf, um sich Rat von Don Paco zu holen.
35:01Einem Maja-Priester, der die alten Traditionen und die Weisheit der Maja bewahrt.
35:07Wie bei vielen Menschen in dieser Region ist auch Don Pacos Glaube eine Mischung aus dem alten Maja-Glauben seiner
35:13Ahnen,
35:14und dem spanischen Katholizismus der Konquistadoren.
35:24Was halten die Menschen heute von den Cenotes?
35:29Sind es gut oder schlechte Orte?
35:33Wir gehen nicht in die Höhlen, da kann so viel passieren.
35:37Alles hat eine Seele. Mit den Cenotes ist es das Gleiche.
35:41Man muss den spirituellen Eigentümer respektieren.
35:45Manchmal hören wir von Unfällen. Die werden von einem bösen Geist verursacht.
35:51Für die Einheimischen scheinen die Cenotes eine direkte Verbindung zur Unterwelt zu sein, dem Ort der Angst.
35:58Deanda respektiert die Höhlen und den Glauben der Maja.
36:03Ich brauche einen Schutz, damit ich in die Höhlen gehen kann.
36:06Am besten den, den sie mir schon mal gegeben haben, nur etwas stärker.
36:16Mein Schutzengel, mein schützender spiritueller Führer, hilf mir, meinem Bruder zu helfen.
36:22Im Namen des Gottes, der den Himmel und die Erde geschaffen hat, bitte erhöre mich.
36:26Segne diesen Bruder. Amen.
36:37Nach der rituellen Reinigung sucht Deanda nach dem Cenote namens Tatsibitschen.
36:43Die Höhlen-Systeme in diesem Gebiet sind berüchtigt.
36:47Deshalb nimmt er seinen Teamkollegen und erfahrenen Höhlenforscher Jorge Peres mit.
37:01Vor vielen Hunderten von Jahren haben vielleicht schon Maya-Priester, Kinder und Erwachsene diesen Weg entlang geführt.
37:12Hier ist es!
37:47Der einzige Weg nach innen führt durch einen engen Spalt in der Felswand. Das erste Hindernis.
37:56Langsam kriecht Deanda durch die winzige Öffnung.
38:03Er benutzt eine Gaslampe, da diese einen größeren Bereich erleuchtet als eine Fackel.
38:24Plötzlich klafft vor ihm ein steiler Felsspalt, der in die Tiefe führt.
38:31Unglaublich! Jorge, das musst Du Dir ansehen!
38:53Unglaublich! Das hier drüben sieht aus wie ein Gebäude.
39:02Es sieht aus wie ein Altar.
39:07Ein Altar in einer Höhle.
39:11Dieses von Hand geschaffene Gebilde ähnelt den schrecklichen Steinhäusern, in denen die Heldenbrüder übernachten mussten.
39:18Das ist ein Steinhaus.
39:22Man kann sogar die Spuren der Hände sehen, die diesen Tempel erschaffen haben.
39:30Unglaublich!
39:33Mal sehen, was wir noch finden können.
39:35Es gibt sicher noch mehr Häuser wie dieses hier.
39:45Auch hier haben die Maya den Weg in die Unterwelt nachgebildet.
39:57So etwas habe ich noch nie gesehen. Nicht in dieser Größe.
40:01Es erinnert mich sehr an das Popol Vuh und die Heldenbrüder auf ihrem Weg nach unten, wo sie in Steinhäuser
40:07gehen und Hindernisse überwinden müssen.
40:15Und nun blockiert dieses riesige Hindernis den Weg zur anderen Seite der Höhle.
40:22Und diese kleine Tür.
40:24Man muss auf Knien hindurchkriechen, um zur anderen Seite zu gelangen.
40:33Es scheint, als hätten sie versucht, Hindernisse und Gefahren für denjenigen in den Weg zu legen, der diesen Ort betritt.
40:40Wie Priester oder ganz besondere Leute.
40:49Los, schauen wir mal, was sich dahinter verbirgt. Gehen wir!
41:02Wieder sieht es so aus, als hätten die Maya ein Portal geschaffen, das als Brücke zwischen der Realität und der
41:09spirituellen Welt fungiert.
41:14Die Tür führt zu einer großen inneren Kammer.
41:19Der Boden der Kammer scheint künstlich angelegt worden zu sein.
41:23Gut möglich, dass menschliche Überreste unter die Anders Füßen liegen.
41:31Es sieht so aus, als hätten sie es absichtlich dort aufgestellt, um die Mitte der Höhle zu markieren.
41:41Das Zentrum.
41:43Das ist ein weiteres, klares Zeichen für den Kult um Shibalba.
41:52Gehen wir weiter.
42:01Wenn Deanda recht hat, sollte er am Ende dieses Weges einen Zenote finden.
42:08An diesem Ort lebte der Regengott Schaak mit seinen vier kleinen Helfern.
42:31Das ist großartig.
42:33Genau was ich erwartet habe.
42:37Wir gelangen zu einem weiteren Wasserloch, einem neuen Zenote.
42:42Das ist ein eindeutiges Zeichen für das, was die Maya hier unten suchten.
42:48Viele der Beschreibungen aus dem Popul Vuh finden sich hier unten wieder.
42:59Seine Forschungen in anderen Zenotes haben gezeigt, dass die Maya während Dürreperioden vermehrt Menschenopfer erbrachten.
43:08Zum ersten Mal haben die Skelette, die im flachen Wasser gefunden wurden, eine Verbindung zwischen der Dürre und den Menschenopfern
43:15hergestellt.
43:17Deanda hat bewiesen, dass in diesen Höhlen brutale Tötungen stattgefunden haben.
43:24Die Maya-Priester führten Kinder, ähnlich den Helfern des Regengottes Schaak, hinunter in die Tiefe und opferten sie.
43:34Jedes Skelett, das Deanda in all den Jahren gefunden hat, wurde dem Wasser übergeben, wo dem Glauben der Maya nach
43:41der Regengott lebte.
43:44Wasser ist die einzige Konstante in unserer Studie.
43:48Erinnern Sie sich an die menschlichen Überreste im Wasser einer Höhle, einem Zenote?
43:52Ohne Zweifel besteht die Unterwelt aus Wasser.
43:55Die Höhlen repräsentieren sowohl den Tod als auch die Wiedergeburt.
43:59Die Heldenbrüder reisten nach Shibalba, damit sie dort sterben und als Sonne und Mond wieder auferstehen konnten, um die Welt
44:05der Maya aufrecht zu erhalten.
44:07Ich bin davon überzeugt, wir haben Shibalba in Yucatan gefunden.
44:12Das ist das Ende oder vielleicht der Anfang der Maya-Unterwelt.
44:19Letzten Endes war die erhöhte Anzahl von Menschenopfern nicht genug, um die Maya-Zivilisation vor dem Untergang zu retten.
44:28Was vor 30 Jahren mit der Entdeckung eines einzelnen mysteriösen Schädels in einem Zenote begann,
44:34endet mit einer entscheidenden Erkenntnis über die brutalen und blutigen Praktiken einer uralten Zivilisation,
44:40die verzweifelt ums Überleben kämpfte.
44:58WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR