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Abenteuer, Antike ,Mythologie
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00:01Sie ist eine der wichtigsten religiösen Figuren der Welt.
00:06Maria Magdalena.
00:08Für manche steht sie für Erlösung.
00:11Für andere ist sie eine gefallene Frau.
00:14Sie ist eine Sünderin, eine Hure.
00:16Dieser Ruf hängt ihr schon über 1000 Jahre an.
00:20Doch eine Frau will beweisen, dass sie mit Jesus ein Kind hatte.
00:25Sie sieht aus wie im 9. Monat.
00:27Geheime Zeremonien.
00:30Darüber reden wir nicht.
00:32Blutige Massaker und Theorien über verschlüsselte Kunstwerke.
00:37Sind es Hirngespinste oder Teil der größten Vertuschung in der Geschichte des Christentums?
01:06Ein römisch-katholischer Kardinal ist von Rom nach Saint-Maximon in Südfrankreich gekommen.
01:16Er leitet hier eine Zeremonie, die über 700 Jahre alt ist.
01:24Es ist La Fête de Saint-Marie-Madeleine, zu Ehren von Maria Magdalena.
01:44Die in der Region verbreitete Legende besagt, dass Maria Magdalena vor der Verfolgung, die nach der Kreuzigung
01:51von Jesu stattfand, hierher geflohen ist.
01:59Die Christen hier glauben, dass sie hier gestorben ist und hinter dieser goldenen Maske ihr Schädel aufbewahrt wird.
02:11Maria Magdalena ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten des Christentums.
02:19Im Jahr 591 bezeichnete Papst Gregor sie als reue Gesünderin und unterstützte den Volksglauben, dass sie eine Prostituierte war.
02:31Viele glauben das heute noch, obwohl der Vatikan diese These 1969 offiziell verwarf.
02:39Für die Autorin Margaret Starbird gibt es aber noch etwas, das sie an Maria Magdalena fasziniert.
02:52Margaret sucht seit Jahren nach versteckten Botschaften in religiöser Kunst.
02:57Ihre kontroversen Theorien inspirierten Dan Brown zu seinem Bestseller Sakrileg.
03:06Die Figuren des Buchs sind der Auffassung, dass Jesus und Maria Magdalena ein Kind hatten und es noch heute Nachfahren
03:14von Christus gibt.
03:19Historiker und christliche Gelehrte lehnen die These ab, doch Margaret ist überzeugt, dass Jesus verheiratet war.
03:27In Frankreich will sie beweisen, dass Maria Magdalena seine Ehefrau war.
03:58Es ist nur wenig über Maria Magdalena bekannt.
04:01Die Evangelien erwähnen sie kaum, zumindest nicht bis zur Kreuzigung.
04:08Dann kommt sie plötzlich in allen vier Evangelien vor.
04:16In den Evangelien spielt Maria Magdalena eine zentrale Rolle in der Passionsgeschichte.
04:22Sie kommt mit Öl zum Grab, um den Körper ihres Geliebten zu salben.
04:27Im Johannes-Evangelium geht sie allein zum Grab, schaut hinein und sagt dann zum Gärtner,
04:33man hat ihn weggenommen, sagt mir, wohin sie ihn gelegt haben.
04:36Als er sie beim Namen nennt, Maria, erkennt sie Christus.
04:46Es ist das bedeutendste Ereignis in der gesamten christlichen Tradition, die Auferstehung.
04:53Und Maria Magdalena ist unmittelbar dabei und wird Zeuge davon.
04:59Was ist dann passiert? Wo ging sie hin?
05:10Margret beginnt in Südfrankreich mit ihren Recherchen.
05:15Im 12. und 13. Jahrhundert gab es hier die Katara, eine ketzerische christliche Sekte.
05:22Man bezeichnete sie unter anderem deshalb als Ketzer, weil sie einem Bericht zufolge
05:28Jesus und Maria Magdalena als Liebespaar ansahen.
05:33Dafür zahlten sie mit dem Leben, ob es nun stimmt oder nicht.
05:38Als man es nicht schaffte, die Katara zu bekehren,
05:41ordnete Papst Innozenz III. einen Kreuzzug an, um sie auszurotten.
05:52Die Belagerung begann in der Stadt Bézières.
05:58Tausende Einwohner flohen vor den Kreuzrittern in die Kirche, die hier einmal stand.
06:05Doch die Kirche wurde abgebrannt, mitsamt den Menschen darin.
06:16In den folgenden 20 Jahren wurden tausende Katara wegen ihres Glaubens umgebracht.
06:27Die Reiseführerin Sabine Afre beschäftigt sich seit 10 Jahren mit den Katarern.
06:36Ich würde gerne wissen, warum der Papst die Katara ausrotten wollte.
06:40Weil man sie für Ketzer hielt.
06:43Die Katara glaubten an zwei Schöpfer, einen guten und einen bösen.
06:49Doch viele Dokumente dieses Glaubens gingen verloren,
06:52sodass nur noch die katholischen Inquisitoren von den Ansichten der Katara Bericht erstatten konnten.
06:57Ein Chronist hielt die Annahme fest, dass Maria Magdalena die Geliebte Jesu war.
07:04Pierre Lévo de Cernay schrieb, die Zerstörung von Bézières sei eine gerechte Strafe für die verleumderische Behauptung,
07:11dass Jesus und Maria Magdalena ein Paar waren.
07:20Experten sind skeptisch.
07:22Die Katarer glaubten, dass Jesus keinen physischen Körper hatte, also konnte er auch keine Geliebte haben.
07:29Auch in den Evangelien findet sich kein Hinweis darauf.
07:34Doch Margaret denkt nicht daran, aufzugeben.
07:39Leider ist alles weg.
07:41Die Inquisitoren haben die Leichen der Katara genommen und verbrannt.
07:46Aus den Gräbern?
07:47Aus den Gräbern.
07:49Gibt es irgendwo noch was zu entdecken?
07:51Wo könnte ich Spuren der Katara finden?
07:53Fahren Sie nach Cord, das liegt bei Albi,
07:57einer der Regionen, wo die Katara hauptsächlich lebten.
08:01Okay?
08:11Margret folgt Sabines Rad und fährt nach Cord.
08:33Das Steinrelief an den Wänden des alten Rathauses zeigt Tiere, die von Wölfen gejagt werden.
08:40Einige glauben, die Wölfe sollen die Inquisitoren darstellen und die gejagten Wildschweine, die Katara.
08:49Margaret erfährt, dass einige Glaubensansichten der Katara erstaunlicherweise heute noch vertreten werden.
08:55Die Sekte ist jedoch hochgeheim.
09:07Nach einigen Nachfragen wird sie zum Haus von Paul Sander geführt.
09:11Er ist der Erzbischof der Sekte.
09:22Jetzt kann ich Ihnen helfen.
09:25Ich interessiere mich für den Glauben der Katara und besonders dafür, was sie über Maria Magdalena dachten.
09:32Sander gehört einer gnostischen Gruppierung an, der christlichen Sekte, aus der die Katara hervorgingen.
09:40Sander ist vorsichtig. Über manche Dinge möchte er nicht sprechen.
09:48Darüber reden wir nicht.
09:52Verstehe.
09:56Er lädt sie jedoch in seine Kapelle ein.
10:02Folgen Sie ihm.
10:08Sieht die römisch-katholische Kirche ihre Gruppe als Ketzer an?
10:13Ja, sie bezeichnen uns als Heretiker.
10:17Was glaubt ihre Gemeinschaft über Maria Magdalena?
10:21Wir haben eine andere Tradition.
10:24Für uns war sie der wichtigste Apostel.
10:28Sie schrieb ein Evangelium und das bedeutet, dass sie etwas zu lehren hatte.
10:33Wir glauben auch, dass Maria Magdalena die Frau von Christus war.
10:39Wirklich?
10:45Margaret darf bei einer Zeremonie dabei sein, die die wenigsten je gesehen haben.
10:53Einige der Teilnehmer wollen anonym bleiben.
11:09Wirklich?
11:13Ich...
11:23...we Markuss...
11:48Der Erzbischof trägt die Übersetzung eines antiken Textes vor.
11:59Es klingt wie ein Evangelium, doch es steht nicht in der Bibel.
12:06Es heisst dort, drei Frauen hatten ständig Umgang mit dem Herrn, seine Mutter Maria, seine Schwester und Maria Magdalena, die
12:16seine Gefährtin genannt wird.
12:20Seine Mutter, seine Schwester und seine Gefährtin hießen alle Maria.
12:28Nach diesem Evangelium ist Maria Magdalena die Gefährtin Jesu.
12:54Plötzlich wird Margaret gebeten zu gehen.
13:04Er sagte, es sei Zeit zu gehen. Wer weiß, warum er nicht wollte, dass wir den Rest der Zeremonie sehen.
13:13Das Ritual geht zwar noch weiter, doch das Buch, aus dem der Bischof gelesen hat, gab bereits einen Hinweis auf
13:19eine Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus.
13:25Um mehr zu erfahren, ruft Margaret einen Kollegen in Israel an.
13:44Oh, hallo Margaret. Wie geht es dir?
13:49Professor Barry Wilson ist Historiker für das frühe Christentum und antike christliche Texte.
13:57Er glaubt, dass Sander aus einem der gnostischen Evangelien gelesen hat, die über ein Jahrhundert nach dem Markus, dem Matthäus,
14:05dem Lukas und dem Johannes-Evangelium geschrieben wurden.
14:08Zu einer Zeit, als das Christentum noch in seinen Anfängen stand.
14:14Einige der frühen Christen waren Juden, wie Jesus und seine Jünger.
14:20Neubekehrte kamen jedoch auch aus anderen, heidnischen Religionen.
14:26Im frühen Christentum gab es verschiedene Bewegungen und alle hatten andere Vorstellungen davon, wer Jesus war.
14:33Jedoch glaubten auch alle, dass nur sie im Recht seien und den wahren christlichen Glauben hätten und dass alle anderen
14:39im Unrecht seien.
14:44Einige der frühesten Schriften wurden schließlich ins Neue Testament aufgenommen.
14:50Die gnostischen Evangelien gingen jedoch über die Jahrhunderte verloren.
15:07Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges grub der ägyptische Bauer Mohammed Ali in der Wüste einen Krug aus.
15:15Er hatte 1500 Jahre in der Erde gelegen.
15:20In seinem Inneren fanden sich über 50 frühchristliche Texte.
15:26Mohammeds Mutter nutzte jedoch einige Schriftstücke, um Feuer zu machen.
15:34Die übrigen hat Professor Wilson untersucht.
15:43Hallo Margaret.
15:45Hier ist Barry.
15:46Hast du die Texte der gnostischen Schriften von mir bekommen?
15:50Ich dachte, wir könnten die mal durchgehen.
15:52Es ist unglaublich, was da steht.
15:55Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Jesus sprach.
15:59Und dann steht da noch, wer die Bedeutung der Worte versteht, wird das ewige Leben haben.
16:04Im Gegensatz zum Neuen Testament spielt Maria Magdalena in diesen später verfassten gnostischen Texten eine viel größere Rolle.
16:12Petrus sprach zu Maria, Schwester, wir alle wissen, dass der Retter dich lieber hatte als die anderen Frauen.
16:19Sage du uns die Worte des Retters, derer du dich erinnerst und die du kennst, wir aber nicht, weil wir
16:24sie auch nicht gehört haben.
16:25Im Philippus-Evangelium wird erwähnt, dass Jesus und Maria Magdalena sich küssen.
16:32Doch der Text ist alt und wesentliche Wörter fehlen.
16:36Und die Gefährtin des, und da fehlt ein Wort, ist Maria Magdalena.
16:40Der Erlöser liebte sie mehr als alle Jünger und er küsste sie oft auf ihren, das Wort fehlt wieder.
16:48Wie du weißt, interpretieren die Gelehrten diesen Abschnitt folgendermaßen.
16:52Und die Gefährtin des Christus ist Maria Magdalena.
16:56Der Erlöser liebte sie mehr als alle Jünger und er küsste sie oft auf den Mund.
17:03Im frühen Christentum war das Küssen auf den Mund jedoch nicht unbedingt etwas Intimes.
17:09Im Philippus-Evangelium findet Margaret auch den Abschnitt, den Bischof Sander in der Zeremonie vorgelesen hat.
17:18Drei Frauen hatten ständig Umgang mit dem Herrn.
17:21Seine Mutter Maria, seine Schwester und Magdalena, die seine Gefährtin genannt wird.
17:28Das Wort Gefährtin ist wirklich interessant.
17:32Es könnte Partnerin bedeuten oder auch Ehefrau.
17:39Einige Menschen glauben, aus den gnostischen Evangelien eine intime Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena herauszulesen.
17:47Doch die Wissenschaftlerin Helen Bond von der University of Edinburgh weist darauf hin, dass keines der Evangelien ein exakter und
17:55verlässlicher Geschichtsbericht ist.
18:04Es könnte sein, dass hier eine Art von Beziehung zwischen den beiden und auch eine gewisse Intimität angedeutet wird.
18:12Aber man muss sich immer im Klaren darüber sein, dass das keine historischen Texte sind.
18:17Also jeder Hinweis auf Intimität, der hier steht, muss nicht unbedingt bedeuten, dass es auch in Wirklichkeit eine Verbindung zwischen
18:24Jesus und Maria gegeben hat.
18:33Professor Wilson möchte herausfinden, warum keines der gnostischen Evangelien in die Bibel aufgenommen wurde.
18:40Er glaubt, dass man die Antwort in der Anfangszeit der Kirche suchen muss.
18:48Es ist schwer, die frühe Geschichte des Christentums nachzuvollziehen. Es gibt nur sehr wenige greifbare Beweise.
18:57Doch vor kurzem wurde 80 Kilometer nördlich von Jerusalem, in Megiddo, das Bodenmosaik einer der ältesten Kirchen der Welt entdeckt.
19:11Professor Wilson hat jedoch ein Problem.
19:15Die Kirche wurde auf dem Gelände eines Hochsicherheitsgefängnisses gefunden.
19:26Die Überreste des Bodenmosaiks sind nun das bestbewachte antike Artefakt der Welt.
19:36Entschuldigung, ich interessiere mich für das Mosaik der Kirche, die gerade entdeckt wurde. Kann ich reinkommen und Fotos machen? Nein?
19:44Professor Wilson bekommt keinen Zutritt.
19:48Das Gefängnis gibt jedoch Fotos des Bodenmosaiks heraus.
19:56Als erstes möchte Wilson mehr über diese frühchristliche Kirche herausfinden.
20:02Das ist ein sehr detailliertes Mosaik mit sehr vielen Informationen.
20:09Es gibt auch einige Inschriften auf dem Boden.
20:12Meine Frau hat der Kirche einen Tisch gespendet, im Gedenken an den göttlichen Jesus Christus.
20:18Die Anhänger dieser Kirche glaubten also, dass Jesus vollkommen göttlich war, dass er Gott war.
20:25Eine Gruppe von Christen, die die Göttlichkeit Jesu betonten, wurde von Paulus angeführt.
20:34Paulus war wahrscheinlich Römer.
20:37Man musste kein Jude sein, um sich Paulus anzuschließen.
20:40Er hat sich sogar eher darauf konzentriert, Heiden zu bekehren.
20:46Das ist wirklich bedeutsam.
20:48Hier steht, dass Gianus ein römischer Zenturio war.
20:51Und was hat er gemacht?
20:53Er hat sein Geld genommen, seine eigenen Ersparnisse und damit das Legen dieses Mosaiks bezahlt.
21:00Das ist wirklich interessant.
21:01Das zeigt, dass das Christentum auch innerhalb des römischen Militärs verbreitet war.
21:08Obwohl Jesus von den Römern gekreuzigt wurde, gibt es Beweise dafür, dass römische Soldaten sich vom Christentum angezogen fühlten.
21:18Professor Wilson möchte wissen, warum.
21:23Er fährt zu den römischen Ruinen von Caesarea.
21:36Hier steht ein Tempel des Sonnengottes Mithras, der von den römischen Soldaten verehrt wurde.
21:47Sein Tempel ist wie eine Höhle.
21:50Nur zur Sommersonnenwende scheint ein schmaler Lichtstrahl auf den Altar.
22:00Einige der christlichen und mitraischen Rituale waren so ähnlich, dass ein Christ des 2. Jahrhunderts behauptete, der Mithraismus sei das
22:09Werk des Teufels.
22:12Beide Gruppen tranken in einem rituellen Mahl Wein, der ein Symbol für Blut war, und aßen Brot.
22:22Mithras war unsterblich. Und das spiegelt sich in der Auferstehung Christi wieder.
22:31Ich glaube, dass die Grenze zwischen der heidnischen Verehrung von Göttern wie Mithras und der Verehrung von Christus sehr verschwommen
22:38war.
22:38Es waren ähnliche Gottheiten.
22:41Deswegen war die christliche Bewegung bei den römischen Truppen wahrscheinlich auch so beliebt.
22:45Sie war etwas Bekanntes.
22:47Und im 4. Jahrhundert war sogar der römische Kaiser Mitglied der christlichen Bewegung.
22:54Professor Wilson glaubt, dass die Ähnlichkeit zwischen Jesus und den heidnischen Göttern dazu beitrug, das Christentum im römischen Reich zu
23:01verbreiten,
23:02und dass letztendlich das Vermächtnis von Paulus bestimmte, welche Texte in das Neue Testament aufgenommen wurden.
23:08Andere Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Evangelien ursprünglich danach ausgesucht wurden, was die Menschen in der Kirche lasen.
23:15Erst im 4. Jahrhundert wurde eine offizielle Liste angelegt.
23:21Erzbischof Athanasius listete als erster die 27 Bücher auf, die das heutige Neue Testament ausmachen.
23:27Er sagt, dass diese Bücher die Quelle der Erlösung sind und dass sie allein die Lehre des Göttlichen verkünden,
23:34dass sie allein als göttlich angesehen werden sollen.
23:38Das bedeutet also ganz deutlich, dass alle anderen Schriften, auch die der Gnostiker, abgelehnt werden sollen.
23:45Er nennt sie sogar erfundene Werke.
23:51Einige der frühen Kirchenväter haben sich gegen die Gnostiker aufgelehnt.
23:55Sie haben diese Evangelien nicht anerkannt, vor allem weil sie Worte des auferstandenen Jesus sein sollen.
24:03Es sind zusammengestellte, erfundene Dialoge ohne historischen Hintergrund.
24:08Und sie sind stark mit einer ganz eigenen Weltsicht verbunden.
24:11Also denke ich, es ist kein Wunder, dass einige der frühen Kirchenväter sie einfach nicht anerkannten.
24:22Das gesamte Neue Testament wurde vor den Gnostischen Evangelien geschrieben.
24:27Was die Chronologie angeht, sind die Texte im Neuen Testament viel älter.
24:30Sie wurden etwa 100 Jahre vor den frühen Gnostischen Evangelien verfasst.
24:41Die Kirche hat jahrhundertelang ihr Reich von Ketzerei gesäubert.
24:46Doch manche nehmen an, dass der gotteslästerliche Glaube, Maria Magdalena sei die Frau Jesu gewesen, in Frankreich noch am Leben
24:54ist.
24:57Margaret sucht in religiösen Kunstwerken nach Hinweisen.
25:02Ihre Forschung führt sie an die Küste Südfrankreichs, in den alten Hafen von Marseille.
25:12Nach französischer Legende ist Maria Magdalena aus dem Heiligen Land hierher geflohen.
25:22Die Kirche von St. Victor wurde im 12. Jahrhundert erbaut.
25:27Doch darunter liegt eine viel ältere Anbetungsstätte.
25:41Tief unten in dieser antiken Kirche gibt es etwas, das Margaret fasziniert.
25:49Die Kirche von St. Victor wurde im 12. Jahrhundert erbaut.
25:49Die Kirche von St. Victor wurde im 12. Jahrhundert erbaut.
26:14In den Wänden der Krypta stehen antike christliche Sarkophoren.
26:22Auch zu heidnischen Zeiten wurden hier die Toten begraben.
26:43In einem Nebengang versteckt findet Margaret, wonach sie gesucht hat.
26:53Das ist der Stein.
26:59Da ist sie.
27:02Hier hält sich Magdalena am Felsenfest.
27:07Und im Hintergrund hängt Christus am Kreuz.
27:17Sie sieht aus wie im neunten Monat.
27:21Die Konturen des Felsens ergeben diesen Eindruck.
27:24Faszinierend.
27:29Das Relief aus dem 17. Jahrhundert zeigt Maria Magdalena, die vor Christus kniet.
27:35Margaret interessiert dabei vor allem ihre Haltung.
27:38Maria wird oft mit dem Felsen und dem Schädel in Verbindung gebracht.
27:43Forscher meinen, das Relief zeigt sie einfach mit diesen Elementen.
27:47Margaret findet jedoch, dass sie wie eine werdende Mutter aussieht.
27:55Es war immerhin die Wahl des Künstlers, sie in dieser Haltung darzustellen.
28:01Es ist ein steingehaunes Relief.
28:04Natürlich hatte er die Wahl und er hat genau diese Haltung gewählt.
28:10Doch Kunsthistoriker meinen, eine werdende Mutter hätte der Künstler mit einem glatten, runden Bauch dargestellt.
28:20Margaret glaubt, dass weitere Hinweise in anderen religiösen Kunstwerken versteckt sind.
28:26Das berühmteste ist Leonardo da Vinci's letztes Abendmahl.
28:33Wer ist dieser Apostel?
28:36Laut Leonardos persönlichen Aufzeichnungen ist es Johannes.
28:40Doch Margaret ist überzeugt, dass es eine Frau ist, nämlich Maria Magdalena.
28:48Neben dieser Figur sitzt Petrus, der nach der katholischen Tradition der erste Papst war.
28:56Aus Margarets Sicht versucht Petrus, sie mit seiner Hand zum Schweigen zu bringen.
29:03In der anderen Hand hält er ein Messer.
29:05Das wirkt böswillig, doch Wissenschaftler glauben, dies sei eine Waffe zur Verteidigung Christi im Moment des Verrats.
29:14Margaret zählt weitere religiöse Kunstwerke auf, die ihrer Meinung nach eine schwangere Maria Magdalena zeigen.
29:22Die meisten Kunsthistoriker meinen jedoch, zu der Zeit wurden die Frauen einfach völliger dargestellt.
29:33Schließlich macht Margaret eine vielleicht bahnbrechende Entdeckung, die die Theorie stützen könnte, dass Maria Magdalena mit Jesus ein Kind hatte.
29:53Die Beweise liegen 9600 Kilometer entfernt an der Westküste der USA.
30:10Der Forscher und Sammler Jeremy Pine besitzt einen Teppich.
30:16Obwohl er nie öffentlich gezeigt wurde, ist sich Jeremy seiner Herkunft sehr sicher.
30:24Er gehört zu den frühesten christlichen Artefakten, die es gibt.
30:28Er stammt aus dem 2. Jahrhundert und ist damit eines der ältesten Zeugnisse des Christentums.
30:40Pine bestellt Margaret in ein abgelegenes Haus in Nordkalifornien, das inmitten von Weinbergen liegt.
30:54Oh, Margaret, hallo.
30:58Hi, how are you doing?
30:59Hallo, wie geht's? Kommen Sie rein.
31:11Das ist ein unglaublicher Schatz. Wirklich etwas Besonderes.
31:27Die Experten sind sich nicht sicher, welche Symbole der Teppich zeigt und wo er herkommt.
31:33Manche erkennen buddhistische, nahöstliche, heidnisch-mediterrane und christliche Elemente.
31:41Diese Teppichstücke sind in der ganzen Welt einmalig.
31:51Von der Herstellung her wirkt es ägyptisch.
31:54Wir wissen, dass es viele gnostisch-christliche Sekten in Nordägypten und besonders in Alexandria gab.
32:02Wenn wir herausfinden wollen, was die Bilder bedeuten, müssen wir herausfinden, was in Ägypten im 2. Jahrhundert los war.
32:13Die zwei Fragmente zeigen genug, um sich vorstellen zu können, wie der ganze Teppich ausgesehen haben könnte.
32:22Zwei große Kreuze unterteilen ihn in einzelne Abschnitte.
32:30Auf dem Teppich sind vier Figuren abgebildet. Jede scheint auf etwas zu sitzen.
32:40Sind das vielleicht Boote?
32:42Ja, ich glaube, sie sitzen in Booten. Die Figuren oben sitzen in blauen Booten.
32:48Der mittlere Teil fehlt fast vollständig.
32:52Doch wegen der Abbildung der Tierköpfe glaubt Pine zu wissen, was dort gewesen sein könnte.
32:58Man sieht den Löwenkopf hier und unten. Beide sind vollständig erhalten.
33:03Und im Neuen Testament ist ja der Löwe Judas einer der Beinamen von Jesus.
33:09Ja, deswegen denken wir, es ist der Löwe Judas, also Jesus, der hier unten im Mittelstück abgebildet war.
33:17Aber jetzt sieht man leider nur noch seine Haare.
33:23Experten sind sich nicht sicher, ob es sich hier tatsächlich um einen Teppich mit christlichen Motiven handelt.
33:30Die heiligen Scheine der oberen beiden Figuren könnten auf ihre Göttlichkeit hinweisen.
33:39Können wir uns die Frau näher ansehen? Es ist bestimmt eine Frau. Sie ist blond und die Männer sind dunkelhaarig.
33:47Eigentlich gibt es keine Anhaltspunkte dafür, wer männlich und weiblich ist.
33:51Wir müssen hier noch mehr ins Detail gehen.
33:54Für das Haar dieser Figuren wurde ein Goldgelb benutzt und dazu ein purpurfarbenes Garn, das verblasst ist.
34:02Ich glaube, die beiden Farben zusammen hätten dann wie rote Haare gewirkt.
34:07Und wenn wir nach einer rothaarigen Person suchen, die in einer Geschichte aus der Zeit vorkommen könnte, kommen wir auf
34:12Maria Magdalena.
34:14Ich denke, Maria Magdalena passt hier am besten.
34:22Wissenschaftler können das Geschlecht dieser Figur nicht bestimmen und genauso wenig sagen, ob Maria Magdalena wirklich rotes Haar hatte.
34:30Dieser Teppich ist hunderte Jahre älter als die uns bekannten Abbildungen von ihr.
34:38Links daneben ist eine weitere Figur mit Heiligenschein.
34:45Was hat es mit dieser kleineren Figur auf sich? Sie sieht aus wie eine viel kleinere Kopie der Frau hier
34:50und hat auch einen Heiligenschein.
34:54Sie sehen fast identisch aus, aber die Figur hier ist nur halb so groß.
34:59Der Teppich stammt aus einer frühen Epoche und die Kunst ist noch nicht so ausgefeilt.
35:05Aber ich denke nicht, dass es aus Versehen so gemacht wurde, sonst stimmen die Proportionen ja.
35:10Sie ist sicher mit Absicht halb so groß.
35:13Könnte das also das Kind der Frau im blauen Boot sein?
35:17Das könnte sein.
35:18Mutter und Tochter also. Sehen Sie das auch so?
35:22Ich sehe das so.
35:29Die Wahrheit über diesen antiken Teppich bleibt ein Rätsel.
35:33Für manche sieht es nach Christus, Maria Magdalena und ihrem Kind aus.
35:38Aber nicht einmal Experten können das bestätigen.
35:50In Jerusalem versucht Professor Wilson herauszufinden, was der Teppich bedeuten könnte,
35:55wenn er wirklich mit dem Christentum in Verbindung steht.
35:58Es scheint keine Geschichte aus der Bibel zu sein, also sucht er woanders.
36:06Er glaubt, etwas gefunden zu haben.
36:10Die französische Legende besagt, dass Maria Magdalena zusammen mit einigen von Jesus Verwandten und Freunden aus Jerusalem floh und nach
36:18Frankreich kam.
36:20Wenn Maria Magdalena mit Jesus verheiratet war und besonders wenn sie mit ihm Kinder hatte,
36:27hätte sie definitiv nach seinem Tod aus Jerusalem fliehen müssen.
36:34Margaret ist nach Frankreich zurückgekehrt, um hier weiter nach Beweisen zu suchen.
36:42Der französischen Legende nach hat Maria Magdalena die letzten 30 Jahre ihres Lebens in einer Höhle in den Hügeln von
36:49Saint-Boom gelebt.
36:56Die Höhle liegt in dieser Felswand.
36:59Sie wurde zu einer Kapelle umgebaut, die Maria Magdalena geweiht ist und jetzt von dominikanischen Mönchen genutzt wird.
37:19Musik
37:34In der Höhle finden sich Darstellungen von der Höhle.
37:37Das ist eine Kapelle von Bibelszenen mit Maria Magdalena.
37:43Das ist eindeutig Maria Magdalena vor dem gekreuzigten Jesus.
37:51Und es gibt sogar eine Reliquie, die ihr Schienbeinknochen sein soll.
38:00Aber nichts bestätigt die Theorie, dass sie aus dem heiligen Land geflohen ist.
38:09Margaret wendet sich an die Mönche.
38:17Wie die katholische Tradition es will, sieht Bruder Thomas Maria Magdalena als wichtiger Heilige, aber nicht als Apostel.
38:28Hier in der Provence heißt es, dass sie wegen der Verfolgung im heiligen Land auf ein Boot gebracht wurden.
38:36Darin waren Maria Magdalena, Martha, Lazarus, Maria Jacobi und Salome und Maximinus.
38:46Sie überquerten das Meer und kamen in Sainte-Marie-de-la-Mer an, an der Rhône.
38:54Denken Sie, dass die Überlieferungen ein Fünkchen Wahrheit enthalten?
39:00Offiziell sagen wir, dass wir nicht wissen, ob Maria Magdalena hergekommen ist oder nicht.
39:10Bruder Thomas empfiehlt Margaret, nach Sainte-Marie-de-la-Mer zu fahren.
39:15Heute ist es ein Urlaubsort an der Küste Südfrankreichs.
39:24Die Legende besagt, dass sie einige Zeit nach der Kreuzigung hier an Land gespült wurde.
39:34In der Nähe des Strandes steht die katholische Kirche Sainte-Marie-de-la-Mer.
39:42In der Kirche steht ein kleines Boot mit Figuren.
39:49Es sind Maria Salome und Maria Jacobi, die mit nach Frankreich gekommen sein sollen.
39:58Das Boot ist blau. Vielleicht ist das ein Hinweis auf Göttlichkeit.
40:02Blauer Himmel steht ja für Göttlichkeit.
40:05Die Evangelien sagen genauso wenig wie die katholische Überlieferung, dass Maria Magdalena eine Tochter hatte.
40:12Aber interessanterweise berichtet ein Text aus dem 9. Jahrhundert von Maria Magdalenas Reise nach Frankreich.
40:20Sie wird von Josef von Arimathea begleitet, der als Beschützer des heiligen Grals gilt.
40:32Der heilige Gral, der angeblich beim letzten Abendmahl genutzte Kelch, ist für Wissenschaftler nur ein Mythos.
40:41Es wird angenommen, dass das Wort Gral vom griechischen Wort Krater, Gefäß, stammt.
40:49Doch Margaret glaubt, der Mythos enthalte eine versteckte Botschaft.
41:10Die meisten Menschen denken, der Gral sei ein Gefäß oder Kelch, in dem einmal das Blut Christi war.
41:21Ich betrachte aber die Aussprache des französischen Wortes Sangral, das bedeutet übersetzt heiliger Gral.
41:31S-A-N und dann G-R-A-A-L als neues Wort.
41:37Aber wenn man diese acht Buchstaben erst nach dem G teilt, hat man Sangral, was im Altfranzösischen königliches Blut oder
41:48die königliche Blutlinie bedeutet.
41:53Und königliches Blut trägt man nicht in einem Kelch herum, sondern es fließt in den Adern eines Kindes.
42:02Doch diese Ansicht wurde weitgehend abgelehnt.
42:10Wenn man die Legenden vermischt, kommen natürlich die kuriosesten Sachen dabei heraus.
42:17Und vor allem der Übergang vom französischen zum englischen am Ende des Mittelalters ist wunderbar verwirrend.
42:26Mallory schreibt das Wort für heiliger Gral in seiner König-Arthur-Geschichte und den Gral-Geschichten als ein Wort.
42:33Sangreal.
42:34Also S-A-N-G-R-E-A-L.
42:39Manchmal sogar mit zwei L am Ende.
42:42Dass man das Wort falsch aufteilt, sodass aus heilig und Gral heiliges Blut entsteht, ist eine interessante Sichtweise, die aber
42:49erst nach dem Mittelalter aufgekommen sein kann.
42:59Margaret verweist auf die Legende, nach der ein Mädchen mit auf dem Boot war, auf dem Maria Magdalena nach Frankreich
43:05kam.
43:07In der Krypta der Kirche ist ihr eine Statue gewidmet.
43:20Das ist Sarah.
43:24Sie soll eine Dienerin gewesen sein.
43:28Im Hebräischen bedeutet ihr Name Prinzessin.
43:33In manchen Legenden ist Sarah eine Zigeunerin, in anderen eine ägyptische Dienerin.
43:39Sie ist nicht als Heilige anerkannt, doch in dieser Kirche wird sie verehrt.
43:46Für Margaret ist das der letzte Beweis.
43:49Sie glaubt, dass Maria Magdalena die Frau von Jesus und die Mutter seines Kindes war.
43:57Sie ist überzeugt, die Lösung des Rätsels hier in Frankreich gefunden zu haben.
44:02In religiösen Zeremonien mit heretischen Evangelien.
44:07In der Verehrung von Reliquien der Maria.
44:16Natürlich hat Glauben nichts mit greifbaren Beweisen zu tun.
44:21Die Wahrheit über Maria Magdalena wird vielleicht nie ans Licht kommen.
44:26Doch für Margaret sind die Beweise überall zu sehen.
44:45Untertitelung des ZDF für funk, 2017