00:00Ich verspreche euch, Silent Hill Townfall ist eines dieser Spiele, die ihr nicht vergessen
00:06werdet. Die schaurige Atmosphäre, die packende Geschichte, dieses unglaublich detaillierte
00:10Weltdesign, in dem ihr jeden einzelnen Telefonhörer, jede Ritze in der Hausfassade förmlich unter
00:16den eigenen Fingern spüren könnt. Silent Hill Townfall ist eine Erfahrung, die ich so noch nie
00:22erlebt habe und noch lange in mir tragen werde. Aber ist Townfall auch ein gutes Spiel? Super,
00:28dass ihr fragt, denn genau das werde ich euch jetzt beantworten. Kurzer Disclaimer, eigentlich
00:33ist Kollegin Nathalie Haupttesterin von Townfall, aber sie hat sich beim Spielen die übelste
00:38Erkältung eingefangen, deshalb springe ich jetzt fix ein. Nathalie lässt aber liebe Grüße
00:43da. Liebe Grüße und danke, Timmy. Und je mehr von euch in die Kommentare gute Besserung
00:49Nathalie schreiben, desto schneller wird sie gesund. So, ihr müsst übrigens keine Angst
00:53vor Spoilern haben, ich werde hier in puncto Story nur die Ausgangssituation des Spiels
00:57schildern. Außerdem muss ich auf ein, zwei Kreaturen eingehen, gegen die ihr antretet,
01:02um das eigentliche Gameplay des Spiels zu bewerten. Ich zeige euch aber keine Szenen
01:06aus dem späteren Spielverlauf und verrate auch keine Storywendungen. Los geht's!
01:10Silent Hill Townfall hat einen interessanten Entwicklungshintergrund. Es stammt vom schottischen
01:15Studio Screenburn, die nominell noch nie ein richtiges Horrorspiel, sondern vor allem
01:19Adventures gemacht haben. Geschrieben und dirigiert wird das Projekt aber von John McKellen, der damals
01:24an Alien Isolation 1 gearbeitet hat. Und dieses Hin und Her merkt man dem Spiel an. Auf der
01:29einen Seite habt ihr oft eher rätsellastige Passagen in einem unglaublich detailliert
01:34gestalteten britischen Inseldörfchen namens St. Amelia. Auf der anderen Seite fühlt sich
01:38Townfall tatsächlich häufig an wie Alien Isolation. Will heißen, ich schleiche um Ecken und werde
01:44von irgendeinem Vieh überrascht, das mir mit einem Schlag den Kopf abreißt.
01:47Silent Hill Townfall beginnt, wie viele Nächte im Berghain enden. Mit einem Infusionskatheter im Arm
01:53wird Hauptfigur Simon an einer fremden Küste angespült und hat keine Ahnung, wie er hier
01:57gelandet ist. Ihr erkundet die verlassenen Straßen des nebligen St. Amelia und merkt schnell,
02:02irgendetwas stinkt hier gewaltig. Und dieses Irgendwas ist wie üblich der große Reiz von
02:07Townfall. Es macht unglaublich viel Spaß, Hinweise darauf zu sammeln, was zum Geier hier passiert ist,
02:13weil das Spiel selbst recht wenig verrät oder für euch zusammenpuzzelt. Selbst wenn ihr noch nie
02:18ein Silent Hill gespielt habt, checkt ihr schnell, dass Simon irgendeine Beziehung zu
02:22diesem Ort hat. Plakate künden von Protesten der verschwundenen Bewohner, ihr findet Hinweise auf
02:27einen dubiosen Konzern und mehr will ich an der Stelle gar nicht verraten. Für den ersten
02:32Spieldurchlauf haben wir zwischen 11 und 19 Stunden gebraucht, doch selbst nach dem Abspann geht die
02:37Reise weiter, denn wie üblich schaltet ihr mehrere Enden frei. Bis zu 5 diesmal. Die schauspielerische
02:43Leistung des Casts ist dabei klasse. Vor allem von Kezia Burrows als Krankenschwester Zoe Alice
02:48und Terry O'Quinn als dobioser Richard. O'Quinn kennen die Älteren von euch vielleicht noch als
02:53Locke aus der Serie Lost von vor 21 Jahren. Ich fass es nicht. Jovan Adepo macht seinen Job als Simon
03:01ebenfalls super. Alle Figuren müssen diese typische Silent Hill Ballons finden aus
03:06Ich weiß mehr als du, lieber Spieler, liebe Spielerin, aber weniger als ich wissen müsste. Und für so ein
03:12vergleichsweise kleines Studio sieht Townfall auch richtig, richtig gut aus. Auf dem PC läuft das
03:17Spiel sowohl bei Natalie als auch bei mir komplett reibungslos ohne Ruckler. Allerdings haben wir
03:21beide auch jeweils einen sehr starken Rechner mit einer RTX 5080. Wartet mit schwächeren Maschinen
03:26unbedingt erste Benchmarks nach Release ab. Bei den Konsolen sieht es leider ein bisschen anders aus,
03:31aber auch nicht dramatisch. Sowohl auf der Basis PS5 als auch auf der Pro bietet Townfall einen 30 und
03:37einen 60 FPS Modus. Im hauptsächlich von uns getesteten Performance Modus kamen sie auf der
03:42Basis PS5 und der Pro zu spürbaren Nachladerucklern beim Durchqueren der Spielwelt. In späteren Gebieten
03:48häufen sie sich, gestört haben sie den Spielfluss aber nicht. Auf beiden Konsolenmodellen sieht
03:52besonders die Umgebungsgrafik richtig schick aus, mit ein paar kleinen Abstrichen. Objektkanten und
03:58Schatten flimmern teilweise, vor allem auf der Basis PS5. Auf der Pro sieht das im Gegensatz dazu sehr
04:03sauber aus, hier kommt es nur ganz selten mal zu einem minimalen Kantenflimmern. So, um rauszufinden,
04:09was in St. Amelia eigentlich abgeht, löst ihr Rätsel. Und die sind wunderbar haptisch. Haptisch heißt,
04:15Townfall spielt in den 90ern und die Devs haben sich sichtlich bemüht, den ganzen Krempel, den wir
04:21damals benutzt haben, im Spiel auch glaubhaft umzusetzen. Ihr wurstelt die ganze Zeit an irgendwelchen
04:26alten Apparaturen rum. Beispielsweise müsst ihr eine Guthabenkarte aufladen, um den Strom in einem Haus
04:31anzuschalten, weil das in vielen britischen Kleinstädten damals so gemacht wurde. Ihr klettert
04:36da in so eine kleine Kammer unter der Treppe und müsst da an den Schaltern rumwerkeln. An anderer
04:40Stelle fummelt ihr mit Disketten an einem alten PC herum und müsst Datenträger austauschen. Und
04:45natürlich ist eine der Disketten im Eimer, also sucht ihr in einem Hardwareladen eine Floppy-Disk-Reparaturdiskette
04:51und falls ihr auch nur im Entferntesten ein Faible für alte Gerätschaften übrig habt oder damals schon auf
04:56der Welt wart, dann ist Townfall so ein cooler Nostalgie-Trip. Aber auch unabhängig davon machen
05:01die Rätsel einfach Spaß, weil sie so logisch funktionieren. Ihr habt das Gefühl, echte
05:05Apparaturen kennenzulernen, um weiterzukommen. Das Spiel wechselt dabei immer mal wieder offener
05:10und enge Areale ab. Also offen heißt jetzt nicht Open World oder so, aber zum Beispiel könnt ihr am
05:15Anfang fast ganz St. Amelia erkunden. Manchmal entscheidet ihr auch selbst, an welchem Rätsel-Hotspot
05:20ihr in welcher Reihenfolge weitermachen wollt. Gerade diese offenen Gebiete haben mir unheimlich viel Spaß
05:25gemacht, weil es so viele kleine Geschichten in den ganzen Häusern, Schrebergärten und Gassen zu entdecken gibt. Klar, ein paar
05:30Assets wiederholen sich auf Dauer schon, aber trotzdem erweckt die Spielwelt das Gefühl des
05:34Handgebauten. Das Gefühl einer Welt, in der mal Menschen gelebt haben. Namen tauchen mehrfach
05:39auf, ich kann mir, wenn ich will, im Kopf einen Werkkentweden von St. Amelia zusammenpuzzeln.
05:44Das Faible für alten Krams ist übrigens mehr als nur Fassade. Euer wichtigstes Instrument im Spiel
05:49ist ein alter CRTV-Handfernseher, so ein kleiner, klobiger Gameboy, den ihr immer wieder nachjustieren
05:54müsst, um Botschaften zu empfangen oder Gegner zu sehen. Und da sind wir bei der anderen Seite von
06:00Silent Hill Townfall, dem Horror. In St. Amelia gibt's allerlei Kreaturen, die euch ans Leder wollen.
06:07Und allerlei heißt fünf unterschiedliche Gegnertypen, also nicht die Welt, aber sie
06:11unterscheiden sich dafür drastisch in der Art, wie ihr mit ihnen umgehen müsst. Auch hier zeige ich
06:16euch aus Spoilergründen nur die allerersten beiden und damit auch die häufigsten. Diesen Läufern hier
06:21begegnet ihr als erstes. Sie können ihn auch recht bequem im direkten Nahkampf herausfordern, zumindest auf
06:27den beiden niedrigeren der drei Schwierigkeitsgrade. Das Kampfsystem von Townfall ist extrem zweckmäßig.
06:33Mit dem Knüppel in der Hand blockt ihr oder haut zu. Spannend wird das Ganze erst dadurch, dass jeder
06:38Feindkontakt in erster Linie eine Ressourcenabwägung ist, denn Ressourcen sind in Townfall sehr knapp
06:43bemessen. Waffen gehen unheimlich schnell kaputt, Medikits sind selten, es wird also nicht hinhauen, einfach
06:48jeden Feind anzugreifen. Die Kämpfe selbst sind also nicht sonderlich spannend, die Abwägung dahinter aber schon.
06:54Wann suche ich überhaupt die Konfrontation und wann vermeide ich sie lieber? Das gilt vor allem für
06:59den zweiten und häufigsten Gegnertypen, die Unterhosenmänner. Wer mal nachts am Münchner
07:03Ostbahnhof war, der weiß eh, Unterhosenmännern solltet ihr tunlichst aus dem Weg gehen. Die
07:08Kollegen halten unglaublich viel aus, greifen auch aus mittlerer Distanz an und ja, spätestens hier
07:13lernt ihr deshalb das Schleichen. Und hier kommt der Alien Isolation Teil von Townfall ins Spiel. Den
07:18Großteil der Konfrontationen werdet ihr umschleichen. Auch das funktioniert spielerisch sehr rudimentär,
07:23ihr könnt um Ecken und Kanten pieken, ihr könnt Flaschen werfen, um Feinde abzulenken und ihr könnt mit
07:29eurem Gameboy durch Wände sehen. Und das ist tatsächlich auch mein größtes Problem mit Townfall. Die
07:34Schleichereien gingen mir irgendwann auf den Keks. Ja, am Anfang ist es Nervenkitzel pur, den Unterhosenmännern
07:39aus dem Weg zu gehen, ihre Routen auswendig zu lernen und den perfekten Moment abzupassen, aber das Ganze
07:44wird dann doch recht schnell alt. Irgendwann war ich nur noch genervt, wieder ewig abwarten zu müssen, bevor ich zu
07:50diesem
07:50einen nächsten Rätsel-Hotspot zurück kann, weil ich erst fünf Gegnern aus dem Weg gehen muss.
07:55Am Ende bin ich sogar durch viele Areale einfach wie ein aufgeschrecktes Huhn durchgerannt, weil mir
07:59die Geduld ausgegangen ist und Unterhosenmänner nicht so lange laufen können. Auf dem höchsten
08:04Schwierigkeitsgrad erspähen die Feinde übrigens auch den Leuchtkegel eurer Taschenlampe, also Achtung!
08:09Da muss ich aber auch einräumen, dass mir diese Art Gameplay schon in Alien Isolation auf Dauer
08:13langweilig wurde. Kollege Natalie hat ein deutlich größeres Horrorspielherz als ich und sie hat das weit weniger
08:19gestört. Das ist wahrscheinlich also eher eine Typenfrage, ob euch diese Art von Stealth-Gameplay
08:24schnell auf den Keks geht.
08:26Townfall bemüht sich auch immer wieder um Abwechslungen, die ich euch hier aber nicht spoilern will.
08:30Im großen Ganzen spielt sich das Spiel also wirklich rund und originell. Einige Abschnitte mit Gegnern
08:34sind sogar richtig, richtig klasse. Aber ausgerechnet die zwei intensivsten Stellen im Spiel sind die
08:39frustigsten Trial-and-Error-Passagen, sodass zumindest ich nach dem Abspann wirklich die Nase voll von
08:44dem ganzen Stealth-Zeugs hatte. Zumal das Spiel dazu neigt, diese Stresspassagen wirklich in die
08:49Länge zu ziehen, als hätten die Devs sich gesorgt, dass ihr Spiel ansonsten zu langweilig wird. Was es
08:53ironischerweise nie wird, außer in den Schleichpassagen. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, denn von
08:59Townfall selbst hatte ich jedenfalls definitiv nicht die Schnauze voll. Ganz im Gegenteil. Ich habe lange
09:05kein Spiel mehr mit einer so einnehmenden Atmosphäre erlebt. Der dröhnende Soundtrack, das lakonische
09:10Schauspiel des Casts. Dieses mysteriöse, stille St. Amelia. Ich kam ein ganzes Wochenend lang quasi
09:16keine Sekunde los von Townfalls Sog. Die Story selbst hat mich bis zum Ende bei der Stange gehalten.
09:21Ich finde die Auflösung auch sehr originell, aber der Weg dahin war der eigentliche Star der Show.
09:26Ihr solltet ein bisschen Geduld für frustige Schleichpassagen mitbringen, aber wenn ihr ein
09:29Herz für haptische Rätsel und so ein bisschen Lost Places Erkundung habt, dann gebt Townfall unbedingt
09:35eine Chance. Ihr werdet es nicht bereuen.
Kommentare