00:00Zoos sind nicht mehr zeitgemäß. Diesen Satz liest man oft.
00:03Tiere gehören in die Natur, heißt es. Schützen wir sie dort, wo sie hingehören.
00:07Der Wunsch dahinter ist richtig. Nur genau daran arbeiten moderne Zoos längst.
00:12Othon Schreiner,
00:13Moderne, wissenschaftlich geführte Zoos sind längst nicht mehr reine Ausstellungsorte,
00:19sondern Kompetenzzentren für Arten, Umwelt und Tierschutz.
00:22Der Druck ist groß.
00:24Schon 2019 schätzte der Weltbiodiversitätsrat, rund eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht.
00:32Zerstörte Lebensräume, Übernutzung, Verschmutzung, Klimawandel.
00:38Ein großer Teil der Arbeit dagegen passiert dort, wo Gäste nie hinkommen.
00:43Hinter den Kulissen, in Forschungskooperationen und tausende Kilometer von Wien entfernt.
00:49In Mexiko etwa.
00:50Dort wurde der Tequila-Kerpfling wieder angesiedelt, mit Unterstützung des Hauses des Meeres.
00:57Gemeinsam mit den Gewässern, ohne die eine Auswilderung sinnlos wäre.
01:01Othon Schreiner,
01:03Was nützt uns ein seltener Fisch im Aquarium, wenn es keinen Fluss mehr gibt, in dem er leben kann?
01:08Was nützt uns ein seltener Fisch im Aquarium, wenn es keinen Fluss mehr gibt, in dem er leben kann?
01:14Wenige Monate zuvor, Madagaskar.
01:17Eine Expedition mit der Zoologischen Staatssammlung München und der Universität Antananarivo.
01:24Das Team entdeckte zahlreiche, bislang unbekannte Tierarten und stieß auf eine Bedrohung, die kaum jemand kennt.
01:32Aus den Brettwurzeln mächtiger Bäume werden Scheiben herausgesägt, für Holzpfannen zum Goldwaschen.
01:38Die Bäume nehmen massiven Schaden.
01:42Doch Artenschutz beginnt nicht erst auf Madagaskar.
01:45Er geht mitten in Wien weiter.
01:47In koordinierten Zuchtprogrammen entstehen genetisch wertvolle Bestände bedrohter Arten.
01:53Kein Zoo arbeitet dabei für sich allein.
01:57Zoos und Aquarien weltweit sind ein Netzwerk.
02:00Bestände werden abgestimmt, Wissen geteilt, Projekte gemeinsam umgesetzt.
02:05Davon profitieren nicht nur Panda und Tiger, sondern auch die bayerische Kurzohrmaus,
02:12hochbedrohte Hochlandkerpflinge oder der Donaustör im Projekt Lifeboat for Sturgeon.
02:19Dazu kommt Forschung über das Verhalten der Kurzohrmaus,
02:23über die Gruppendynamik bedrohter Listaffen,
02:25über Steinkorallen, die aktiv Wasserströmungen erzeugen
02:30und Welterstnachzuchten wie die der Haarfrösche, die international für Aufsehen sorgten.
02:36Und dann ist da das, was Millionen Menschen erreicht – Bildung.
02:41Eine Studie aus dem Jahr 2026 zeigt,
02:45Zooprogramme stärken die Verbundenheit mit der Natur.
02:48Am deutlichsten bei jenen, die vorher wenig Bezug hatten.
02:51Weltweit besuchen über 700 Millionen Menschen jährlich Zoos und Aquarien.
02:58An erster Stelle steht dabei immer das einzelne Tier.
03:01Tiergerechte Anlagen, Rückzugsorte, Beschäftigung, tierärztliche Versorgung.
03:07Im Haus des Meeres ist dafür in den letzten Jahren viel entstanden.
03:11Eine neue Tierarztpraxis, offen auch für Tierhalterinnen und Tierhalter aus Wien.
03:16Eine Auffangstation für Reptilien und Amphibien.
03:20Eine hochmoderne Giftschlangenabteilung.
03:23Und eine Süßwasseranlage, die konsequent Arten zeigt, die kurz vor der Ausrottung stehen.
03:29Mitten im Häusermeer Wiens steht ein ehemaliger Flackturm.
03:33Beliebte Attraktion und wissenschaftliche Institution.
03:37Wer hinter diese Mauern blickt, geht oft mit einem anderen Bild wieder hinaus.
03:42O-Ton Schreiner
03:44Gäbe es keine Zoos, wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, sie zu erfinden.
03:49Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, ob wir Zoos brauchen, sondern welche Zoos wir brauchen.
03:56Frage 023 Halloween
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