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SpaßTranskript
00:00Musik
00:46Morgen, Herr Eriksson. Ich habe Ihnen ein leckeres Lachsbrötchen mitgebracht. Und die Post habe ich auch schon abgeholt.
00:54Jede Wette, dass Sie diese Spinner schon wieder geschrieben haben. Herr Eriksson? Herr Eriksson?
01:13Oh mein Gott.
01:18Ja, wenn schon, da oben dann noch ein Stück nach links.
01:26Ehe du es noch weiter nach rechts schiebst, lass es so, wie es jetzt ist.
01:30Da unten kann sowieso keiner links.
01:32Ja, wo denn hin?
01:32Ja.
01:35Kühlwetter?
01:36Wie bitte?
01:37Kiesewetter. Was kann ich für Sie tun, Frau Schwadenbeck?
01:39Zur Abwechslung mein Mord. Höchststraße 39. Dann nur noch den nackten Engeln folgen.
01:44Ja.
01:59Das Opfer ist Gustav Eriksson. Der Gustav Eriksson. Er hat erotische Literatur verlegt.
02:0554 Jahre, verheiratet, keine Kinder.
02:10Todesursache?
02:12Wahrscheinlich Gehirnblutung. Aufgrund des Schlags, den er vor die Stirn bekommen hat.
02:16Mit stumpfem Gegenstand.
02:18Statue geblutet. Erotika, Lust zum Lesen e.V. Wahrscheinlich ein Preis oder so.
02:25Todeszeitpunkt?
02:26Gestern Abend. Zwischen 22 und 24 Uhr. Er hat Abwehrverletzungen an der rechten Hand.
02:33Das heißt, er hat den Schlag kommen sehen?
02:35Hat ihm aber nichts genützt.
02:37Aha.
02:39Fragen Sie doch mal die Spusi nach Einbruchspur. Fehlt irgendwas? Brieftasche?
02:45Seine teure Uhr hat er jedenfalls noch. Vom Verkauf dieser Uhr könntest du dir locker deinen abgebrannten Bauernhof wieder aufbauen.
02:52Davon könnte ich mir wahrscheinlich zwei Bauernhöfe kaufen.
02:55Also, klassisch eine Raubmord können wir wahrscheinlich ausschließen.
02:58Nichts.
03:00Das heißt, der Täter war bereits im Büro oder Ericsson hat ihn reingelassen?
03:04Oder er besitzt einen Schlüssel.
03:09Ich will ja nicht pietätlos erscheinen. Aber spinnig? Sieht unser Opfer nicht aus wie ein toter Hamster?
03:23Oh Gott.
03:38Soll ich dich mal?
03:47Ich zog Amelie an mich, vergrub mein Gesicht im zarten zerbrechlichen Nacken und zog ihren Duft in mich auf, ein
03:55Geruch von frischem Gras.
03:57Das klingt nach Moretti.
04:02Die Nummer reingelesen. 20. 30 Seiten höchstens.
04:09More?
04:12Amors Begierde.
04:15Das ist Morettis neuer Roman. Der soll bald rauskommen.
04:21Das könnte passen.
04:23Sie meinen, Ericsson wurde mit Morettis neuem Roman...
04:27Das Maul gestopft. Das dürfte kein Zufall sein. Ich meine, es wäre einfacher gewesen, das Briefpapier zu nehmen, oder?
04:37Mein Beileid, Frau...
04:39Bach. Anne Bach. Ich war Herr Erikssons Sekretärin.
04:51Nein, danke.
04:55Diese goldene Statue, Anne.
04:57Das ist der Verlegerpreis, den Herr Eriksson für den Dirigent der Liebe bekommen hat.
05:04Wer hatte denn alles Zugang zum Büro?
05:06Ich? Natürlich. Und Frau Eriksson. Aber die kommt hier nur ganz selten mal vorbei.
05:13Frau Eriksson hat sich noch nicht gemeldet? War das doch merkwürdig, wenn der Ehemann nicht nach Hause kommt?
05:17Die hatte gestern einen Termin in Hamburg und kommt erst heute Nachmittag zurück.
05:23Oder hätte ich sie vielleicht anrufen sollen und die sagen sollen das?
05:27Nein, nein, nein. Das machen wir schon.
05:30Ist Ihnen in der letzten Zeit irgendwas an Ihrem Chef aufgefallen, besonders gestern?
05:33Er war wie immer. Jedenfalls bis Herr Moretti kam.
05:38Also mit dem Dirigenten hat er einen richtigen Hit gelandet.
05:40Ich glaube, mit dem einen Buch, da hat er mehr verkauft als Thomas Mann im ganzen Leben.
05:43Sex sells. Ist er eigentlich Italiener oder Franzose?
05:47Deutscher. Dieter Büxendorf. Ja, die Timo Moretti ist nur Künstlernummer. Verkauft sich besser.
05:55Das glaube ich sofort. Wann kam denn Herr Moretti gestern vorbei?
05:59Kurz vor neun.
06:00Was ist dann passiert?
06:02So genau weiß ich das nicht. Die beiden waren ja im anderen Büro.
06:06Aber auf alle Fälle stritten sich die beiden plötzlich.
06:10Sie haben gar nichts gehört. Nicht mal so mit halbem Ohr.
06:15Na ja, okay. Also, die haben sich wegen des neuen Buchs gestritten.
06:21Keine Ahnung warum. Und dann, dann musste ich auch gleich los.
06:26Zu meinem Tango-Tanzkurs. Und danach bin ich noch ins Durstchen.
06:31Oh, das kenne ich. Da gibt's Toast Hawaii. Ganz lecker.
06:38Hatte Ihr Chef denn irgendwelchen Ärger mit Geschäftspartnern? Wurde er bedroht?
06:43Nein. Nein. Es gab nur diese Lesebriefaktion.
06:49Arme Irre, wenn Sie mich fragen. Die haben meinen Chef und Moretti schon ziemlich übel beschimpft.
06:55Haben Sie diese Briefe noch?
06:56Aber sicher. Die durfte ich ja gar nicht wegwerfen.
07:00Herr Eriksen war richtig stolz auf diese Briefe.
07:03Viel Feind, viel Ehr, hat er immer gesagt.
07:10Ich würde ja gerne mal mit Herrn Moretti sprechen.
07:13Darf ich seine Adresse bekommen und die von Frau Eriksen?
07:16Natürlich. Bitte sehr.
07:19Danke.
07:19Zu Hause ist Moretti allerdings nur sehr selten anzutreffen.
07:24Ich hätte da noch eine bessere Idee.
07:28Ah, zwölf Uhr, Buchhandlung kurz.
07:43Bei der Eriksen geht immer nur die Mailbox an.
07:47Was lesen Sie denn da?
07:51Was Männer wollen? Ein erotischer Ratgeber.
07:54Haben Sie denn etwa vom Tatort mitgenommen?
07:56Glauben Sie, dass das Buch auch was mit dem Mord zu tun hat?
07:59Wohl kaum. Sie können doch nicht einfach...
08:01Ja, ich muss ja recherchieren. Ich muss das Milieu kennenlernen, Fakten sammeln.
08:05Fakten?
08:09Gucken Sie mal hier. Hier steht, 85 Prozent aller Männer stehen auf Reizwäsche.
08:13Können Sie sich das vorstellen?
08:15Ich kann mir ja eine ganze Menge vorstellen.
08:17Aber es gibt Frauen, die sehen im Friesenherz und Gummistiefeln einfach besser aus.
08:32Trocken
08:34Sonst
08:34Pahnen
08:56Gucken Sie mal hier.
08:58in Ihren Shows gleiten.
09:03Danke.
09:06Danke.
09:09Vielen, vielen Dank.
09:11Dankeschön.
09:13Ich bin so leid vorgetragen,
09:15da kommt das Ganze noch viel
09:16emotionaler rüber.
09:18Wenn Sie das sagen.
09:21Ich würde ganz gern noch
09:22mit einem Heinrich-Heine-Zitat schließen.
09:26Himmlisch war es,
09:28wenn ich bezwang
09:30meine sündige Begier.
09:31Aber wenn es mir nicht gelang,
09:33so war es doch eine Großpläsier.
09:38Dankeschön.
09:39Dankeschön.
09:40Auch wenn Ihr persönlicher Alltag
09:43vielleicht nicht ganz so erotisch ausfällt,
09:45wie in meinen Büchern beschrieben,
09:46so nehmen Sie es mit Gelassenheit getreu dem Motto
09:48kommt's mir heute nicht,
09:51kommt's mir morgen.
09:53Genau.
09:54Dankeschön.
09:55Vielen Dank.
10:01Wägel.
10:02Wägel, richtig.
10:02Ja.
10:05Bitteschön, alles Gute.
10:06Ich danke Ihnen.
10:09Ich hätte auch gerne ein Autogramm
10:11für Sandra, meine Tochter.
10:13Ja, gerne.
10:15Sie kennt alle Ihre Bücher.
10:17Ah, schön.
10:18Ja?
10:19Mhm, alle.
10:21Welches Buch mögen Sie denn besonders kennen?
10:23Äh,
10:26Eiszeit der Herzen.
10:28Mhm.
10:28Und welche Szene in dem Buch?
10:29Mhm.
10:30Na komm, kannst du Ihnen ruhig sagen, meine Große.
10:32Die Stelle mit dem Mann und der Frau,
10:38wo die sich küssen.
10:40Die küssen sich ja nun andauern.
10:41Ja, deswegen blieb sie ja so stark in Erinnerung.
10:44Da mag's wohl liegen.
10:46Die Liebe ist immer noch das stärkste literarische Motiv.
10:49Ja, ja, das stimmt.
10:50Aber ich finde, Sie sollten zur Abwechslung auch mal was anderes schreiben.
10:54Krimi zum Beispiel.
10:55Aha.
10:57Und worum sollte es Ihrer Meinung nach in den Krimi gehen?
10:59Toter Buchverleger?
11:02Die Idee gefällt mir.
11:03Erschlagen.
11:05Na, einen Verleger, den könnte ich auch manchmal erschlagen, oder?
11:07Ja, ja, aber es kommt noch besser.
11:09Nachdem der Buchverleger erschlagen wurde,
11:12stopft ihm der Mörder nachträglich noch das Maul.
11:15Mit einem Manuskript.
11:17Und wissen Sie, wie das Manuskript heißt?
11:20Amorsbegierde.
11:24Gestatten, Kiesewetter, Kripo Lübeck,
11:26das ist meine Kollegin Sandra, äh, Frau Schwabenbeck.
11:32Sie hatten gestern einen Streit mit Herrn Eriksson, dafür gibt's Zeugen.
11:35Warum ging es denn?
11:36Hat Ihrem Verleger Ihr neuer Roman nicht gefallen?
11:39Ganz im Gegenteil.
11:40Gustav fand, ähm, Amorsbegierde grandios.
11:42Es war auch kein richtiger Streit,
11:44also auch wenn's ein bisschen laut geworden ist.
11:46Es ging ganz einfach um die inhaltliche Ausrichtung meiner nächsten Bücher.
11:48Äh, weniger Sex, Megawatt?
11:50Das ist doch Blödsinn.
11:51Ich wollte nur ganz einfach zu meinem alten Schreibstil zurück.
11:55Wieso? Und damit waren Sie doch unglaublich erfolgreich.
11:57Ich weiß.
11:58Gustav war ja auch dagegen.
12:00Wo Moretti draufsteht, da muss auch Moretti drin sein.
12:03Aber ich bin ja keine Nudelmarke.
12:05Ja, da war ich Verleger wohl anderer Meinung.
12:07Nun, jetzt hören Sie mal.
12:10Wieso hätte ich ihn denn umbringen sollen?
12:12Dann beißt doch nicht die Hand, die einen füttert.
12:13Der Mann hat mich groß gemacht.
12:15Da gab's ganz andere Wirrköpfe, die ihm ans Leder räuten.
12:18Wie lange waren Sie denn bei ihm?
12:20Eine Stunde etwa, also.
12:22Letztendlich war es auch eine hitzige Diskussion,
12:23aber am Ende haben wir uns die Hand gegeben und dann bin ich gegangen.
12:25Und dann?
12:26Bin ich nach Hause, ins Bett.
12:28Ich war müde.
12:30Und nein, dafür gibt es keine Zeugen.
12:35Wir brauchen nur Ihre Fingerabdrücke.
12:38Ja, von mir aus.
12:39Also, soll ich jetzt mit aufs Revier kommen, wo die Mom ist?
12:41Nein, nein.
12:42Ist nicht nötig.
12:44Sie gestattet?
12:45Ach.
12:49Und halten Sie sich bitte zur Verfügung.
12:52Ich brauch Sie sicher noch.
12:53Ja, verstehe.
12:55Wie hat eigentlich Elisabeth Gustavs Frau auf den Tod reagiert?
12:59Wir haben Frau Eriksson noch nicht erreicht.
13:02Stehen Sie denn mit ihr im Kontakt?
13:04Echt?
13:05Nein, nur nicht.
13:15Die Kollegen haben Frau Eriksson zu Hause angetroffen.
13:18Sie erwartet uns später im Büro ihres Mannes.
13:20Alles klar.
13:23Schöne Grüße von der Spusi.
13:25Leider keine brauchbaren Fingerabdrücke am Manuskript.
13:27Und an der Statue auch nicht.
13:29Wurde alles abgewischt.
13:30Was ist mit den Seiten in seinem Mund?
13:32Das Einzige, was ich da noch nachweisen könnte, wären die Bakterien aus Erikssons Mundflora.
13:37Verzichte.
13:38Die Kopfhunde?
13:39Nur ein kräftiger Schlag.
13:40Hirnblutung.
13:40Der Mann war sofort tot.
13:43Diese Manuskriptseiten.
13:45War nur eine literarische Zugabe.
13:48Das war nicht nur eine literarische Zugabe.
13:50Der Täter muss eine Stinkwut auf Gustav Eriksson gehabt haben.
13:52Und diese Wut muss was mit den Manuskriptseiten zu tun haben.
13:55Ja, oder es war ein Ablenkungsmanöver.
14:02Elke, meine allerliebste Staatsanwältin, würdest du bitte mal die Vermögensverhältnisse von Frau Eriksson checken?
14:10Also was ihr gehört, ob sie erbt und so weiter, du weißt schon.
14:13Danke.
14:16Sofried?
14:17Sehr.
14:20Elisabeth fand Morettis Lesung einfach atemberaubend.
14:24Ach, so schade, dass ich nicht dabei war.
14:27Und stell dir vor, er hat mit einem Heine-Zitat geendet.
14:32Klar.
14:33Wer selber nicht schreiben kann, der schmückt sich mit fremden Fädern.
14:36Du tust Moretti Unrecht.
14:37Der Dirigent der Liebe hat eine äußerst präzise und hochpoetische Sprache, sehr selten.
14:44Und die Bilder, die er immer wieder für die Liebe erfindet, sind von solch einer emotionalen Wucht.
14:50Wenn ich das schon höre, Dirigent der Liebe, Eiszeit der Liebe, das ist doch keine ernstzunehmende Literatur.
14:57Du kennst gar nichts von ihm.
14:59Du solltest wenigstens den Dirigenten lesen.
15:01Ich hab meinen Thomas Mann und meinen Fontan und meinen Tolstor.
15:04Ja, alle tot.
15:06Du hast eben kein Gefühl für erotisch-emotionalen Tiefgang, Ria.
15:17Lars?
15:18Danke.
15:20Schöne Tasche. Für Dich?
15:22Nur mal gucken.
15:24Du guckst dir nur mal so Damenhandtaschen an.
15:27Also gut, Steffi hat Geburtstag. Soll Überraschung werden.
15:33Für mich waren die Handtaschen damals zu teuer.
15:36Naja, damals ging ja auch das Auto, die Waschmaschine und der Kühlschrank gleichzeitig kaputt.
15:41Wenigstens machst du dir Gedanken, was sie sich wünschen könnte.
15:44Aber du schenkst ihr die nicht in grün.
15:48Hey.
15:48Hey.
15:49Ich hab einen Blick ins Handelsregister geworfen und mich über Frau Eriksson schlau gemacht.
15:53Sie ist reich.
15:54Sehr reich.
15:55Sie erbt alles, jetzt wo Eriksson tot ist.
15:58Angefangen von der Stadtvilla bis hin zum Verlag.
16:00Und bei dir?
16:01Immer noch arm wie eine Kirchenmaus.
16:03Ach, ähm, ich will nicht unhöflich sein, aber die Frau vom Bürgermeister, die ist Moretti-Fan und...
16:08Ah, das heißt, ich soll ein bisschen Gas geben, ne?
16:10Das heißt, dass wir alle Interesse daran haben, dass der Fall wirklich schnell abgeschlossen wird, oder?
16:15Das ist eine schöne Tasche, aber eine furchtbare Farbe.
16:18Siehst du?
16:19Nimm sie.
16:20Aber in schwarz.
16:25Eine schöne Tasche.
16:29Na, Schröter?
16:31Hat er gebohrt?
16:32Ach, hat mir nur ein bisschen auf den Zahn gefühlt.
16:34Ah, das können Sie für mich jetzt auch mal tun.
16:37Bitte einmal lesen.
16:39Armus Begierde.
16:41Ist das das Originalmanuskript?
16:43Das haben wir doch am Tatort gefunden.
16:45Und damit haben Sie den armen Mann ausgestopft?
16:47Naja, nicht ganz.
16:49Ich möchte, dass ich das mal gründlich lesen.
16:51Ich?
16:53Herr Schröter, Sie sind doch derjenige von uns, der die Lübecker-Szene am besten kennt.
16:57Sie sind der Dienstälteste, Sie haben am meisten erlebt.
17:00Sie sind ja praktisch personifiziertes Polizeivissen.
17:04Also, wenn es Anspielungen in diesem Buch gibt auf zum Beispiel hochgestellte Lübecker Persönlichkeiten,
17:10dann sind Sie doch der Erste, dem das ins Auge springt.
17:15Schön, dass es mal einer anerkennt.
17:28Mein Beileid, Frau Eriksson.
17:29Wir müssen Ihnen leider ein paar Fragen stellen.
17:31Können wir das nicht morgen machen?
17:33Tut mir leid.
17:36Kommt Ihnen das hier bekannt vor?
17:38Das ist Morettis neuer Roman.
17:40Das soll in Kürze rauskommen.
17:42Wir haben Teile dieses Manuskripts in seinem Mund gefunden.
17:48In seinem Mund?
17:53Verdächtigen Sie Moretti?
17:56Gustav und er waren gute Freunde.
17:58Auch zwischen guten Freunden kann es mal Streit geben.
18:00Das hat Herr Moretti selbst gesagt.
18:02Mein Gott!
18:04Zwischen denen gab es immer wieder künstlerische Differenzen.
18:08Aber Gustav ist Geschäftsmann.
18:11Nach dem Dirigenten hätte er alles von Moretti auf den Markt gebracht.
18:14Er ist ein Marketing-Genie.
18:17Didi hat Charisma.
18:20Ist ein absoluter Publikumsliebling.
18:23Wegen seines Charms und seiner Eloquenz.
18:25Wir haben ihn zum Aushängeschild des Verlags gemacht.
18:28Und gut mit ihm verdient.
18:31Leute, das ist ja undenkbar.
18:32Die Sekretärin Ihres Mannes hat uns Drohbriefe überlassen.
18:36Die kriegen wir jede Woche.
18:39Wir sind ein Erotik-Verlag.
18:41Hat das Ihrem Mann Angst gemacht?
18:43Gustav?
18:45Ein, der hat sich eher darüber amüsiert.
18:47Das sind doch Neider.
18:49Verklemmte Spinner.
18:52Tu.
18:59Waren Sie glücklich mit Ihrem Mann?
19:01Wir sind 30 Jahre verheiratet.
19:07Ich habe niemanden geliebt außer Gustav.
19:09Frau Bach hat uns erzählt,
19:11Sie waren auf einer Dienstreise, als Sie immer ermordet wurden.
19:13In Hamburg.
19:14Und Sie sind heute wiedergekommen?
19:15Heute Nachmittag, ja.
19:16Das heißt, Sie haben in einem Hotel übernachtet?
19:20Im Triathlon.
19:21Das ist ja ein Außenalster.
19:23Warum sind Sie nicht nach Lübeck zurückgefahren?
19:25Das ist doch nicht mal eine Stunde Fahrzeit.
19:27Ach, ich bin nachtblind.
19:29Und ich hatte ein klitzekleines bisschen gesoffen.
19:34Sagen Sie, kann ich jetzt eigentlich gehen?
19:35Ja, ja, danke.
19:36Das war's fürs Erste.
19:37Danke.
19:38Danke.
19:39Danke.
19:40Danke.
19:43Danke.
19:46Das war eine Herzzerreißen-Inszenierung.
20:00Wissen Sie eigentlich, was der Moretti mit seinen Büchern verdient hat?
20:03Der hat sein Eigenheim bestimmt schon zusammen.
20:05Ja, und nicht nur der.
20:07Was glauben Sie denn, wer bei den Sachbuch-Bestsellerlisten ganz oben steht?
20:10Profiler, Gerichtsmediziner und Kriminalkommissare.
20:14Ich meine, und Sie schreiben alle nur über Ihre Arbeit.
20:16Ja, manche Menschen haben eben ziemlich großes Mitteilungsbedürfnis.
20:20Oder, Ebbe, auf dem Konto.
20:22Ich meine, ich könnte doch auch so ein Buch schreiben, mit links.
20:27Unterschätzen Sie das mal nicht?
20:28Da steckt eine ganze Menge Arbeit hinter.
20:30Ach, na ja, ich meine, ich bin ja ein echter Profi.
20:32Sie haben ja vorhin den Herrn Kiesewetter gehört.
20:34Ja, ja, das personifizierte Polizeiwissen.
20:38Was ist denn jetzt mit Amos Begierde?
20:40Ähm, das bringt mich doch völlig durcheinander.
20:44Mal treibt es die mit dem, und dann treibt es schon wieder der mit der.
20:48Und die können sich einfach alle nicht entscheiden.
20:51Ja, so kann man es auch nennen.
20:52Also keine Hinweise.
20:54Ich habe Frau Bachs Alibi überprüft.
20:56Die war zur Tatzeit tatsächlich dann gut tanzen.
20:58Und danach hat sie im Durstchen noch mächtig einen über den Durst getrunken.
21:01Also bleiben nur Moretti und Frau Eriksson übrig?
21:04Ja, und Moretti hat kein Alibi.
21:06Ja, aber der hat auch keinen Grund, seinen Verleger umzubringen.
21:09Ja, und als Alleinerbin hätte Frau Eriksson zumindest ein Motiv.
21:13Ja, aber die hat ein Alibi.
21:16Obwohl.
21:17Schröter, checken Sie doch mal, ob es gestern Abend eine Taxi-Tour von Hamburg nach Lübeck gab,
21:22beziehungsweise später von Lübeck nach Hamburg.
21:24Ja, klar.
21:27Die KTU hat an den Drohbriefen keine verwertbaren Spuren gefunden.
21:30Aber in den Briefen, da geht es ziemlich zur Sache.
21:33Hier, Gustav Eriksson, Sie sind ein widerlicher Pornograf.
21:37Oder du bist des Teufels und wirst in der Hölle schmoren.
21:42Ja, und manche Briefe haben sogar einen Absender.
21:44Leni Henning.
21:45Die Dahmer war besonders fleißig.
21:47Die hat fast jede Woche geschrieben.
21:48Es wäre gesünder für Sie, wenn Sie ihr schmutziges Handwerk woanders erledigen würden.
21:55Das ist ziemlich heftig.
21:56Moment, die Frau Henning, die wohnt in der Höchststraße und hat eine kleine Druckerei.
22:00Das ist doch aber in unmittelbarer Nähe von Erikssons Verlag.
22:03Ja, die Druckerei ist ziemlich in der Nähe.
22:07Ja, kommen Sie.
22:09Wir stöten Frau Henning mal einen Besuch ab.
22:21Was ist denn nun?
22:23Mein Gott, nicht schon wieder.
22:39Scheißmaschine!
22:40Na, Gewalt ist aber auch keine Lösung, he?
22:44Sie?
22:44Sie?
22:46Wir suchen Frau Henning.
22:48Wenn meine Frau erfährt, dass ich bei dieser Lesung war, dann reißt die mir den Kopf ab.
22:52Sie hasst nur die.
22:53Ja, genau deswegen sind wir ja hier.
22:55Ich verpätz Sie nicht.
22:57Leni?
22:59Leni?
23:00Leni?
23:02Bist du endlich fertig?
23:03Nee, die Maschine zickt wieder rum, genau wie gestern.
23:06Das ist mir egal, die Hand hat, du musst langsam fertig werden.
23:07Also quatsch nicht rum und komm in die Puschen, ja?
23:10Und, wie kann ich Ihnen helfen?
23:11Kripo Lübeck, Kiesewetter mein Name, das ist meine Kollegin Frau Schwabenbeck.
23:16Schon mal gesehen?
23:18Ich stehe dazu.
23:19Gustav Eriksson ist ein Dreckschwein.
23:21Eriksson ist tot.
23:23Er wurde gestern ermordet.
23:25Das wusste ich nicht.
23:27Sie haben in Ihren Briefen gegen Herrn Eriksson sehr weit ausgeholt.
23:30Gustav Eriksson hatte sich gegen Gott versündigt.
23:33Aber ich bin nicht Gottes Richter auf Erden.
23:35Vielleicht seine Richterin?
23:38Wo waren Sie denn gestern zwischen 22 und 0 Uhr?
23:42Hier?
23:42In der Druckerei?
23:44Ich muss immer sehr lange arbeiten, oft bis nach Mitternacht.
23:46Können Sie das bestätigen?
23:51Ja, da haben wir noch gearbeitet.
23:53Es ist immer viel zu tun.
23:55Zeig mal hier.
23:56Ja, allerdings ist ja der Tatort gerade mal fünf Minuten von hier entfernt, oder?
23:59Das kann schon sein.
24:01Aber wie Ihnen mein Mann nun gerade bestätigt hat.
24:02Ja, ja, das habe ich ja verstanden.
24:05Falls Sie kurzfristig einen Urlaub planen oder so, sagen Sie das lieber ab.
24:08Wir kommen sicher noch mal auf Sie zu.
24:10Darf ich mal sehen?
24:12Natürlich.
24:15Treffen der Höchsener Gewerbetreibenden in Manfreds Fischstube.
24:18Da kann man gut und vor allem sehr preiswert essen.
24:21Ah, darf ich das behalten?
24:24Gerne.
24:25Danke.
24:26Malte, lass mal weiter.
24:34Guck mal, für Toni.
24:37Herzlich, Didier Moretti.
24:40Ich werde mich mit einem anständigen Old Grae bei ihm bedanken.
24:43Du solltest lieber mal wieder Thomas Mann lesen, dann wüsstest du auch wieder, was anständige Literatur ist.
24:50Oh, ihr lest Moretti.
24:53Er friert die Rolle zu.
24:55Ich lese Moretti.
24:56Ich kenne alle seine Bücher.
24:58Das ist doch ein Möchtegern.
24:59Das sind die allerschlimmsten.
25:01Ich gebe zu, Ria.
25:02Nicht alle seine Werke erreichen die Brillanz des Dirigenten.
25:05Aber ich wette, dass nach dieser Mordgeschichte die Auflage seiner Bücher steigen wird.
25:10Also, stimmt es, dass Sie seinen Verleger erschlagen haben?
25:12Ja, ja.
25:13Eriksen heißt er, oder?
25:15Und, habt ihr schon einen Verdächtigen?
25:16Nein, du?
25:18Ja, alle, die seine Bücher nicht leiden können.
25:21Na, da wäre ich ja aus dem Schneider.
25:22Ja, und ich kann kein Blut sehen.
25:24Was hast du denn da?
25:25Das ist der neue Moretti.
25:27Der erscheint bald.
25:29Du hast den neuen.
25:31Na ja, eigentlich wollte ich ja.
25:34Aber wenn du möchtest, bin eh zu müde.
25:36Viel Spaß.
25:37Danke.
25:38Nimm die Leiter mit.
25:44Amors Begierde.
25:48Meinst du, Finn verdächtigt Moretti?
25:51Ja, klar.
25:52Warum hat er sonst das Manuskript mitgenommen?
25:54Lass mal gucken.
25:55Ach nein.
25:56Jetzt möchtest du es haben, hm?
25:59Nein.
26:01Nein.
26:11Ich habe ein Rosenbad vorbereitet.
26:13Ja, strikt nach Anleitung.
26:14Mit Blüten und ganz viel Öl und Kerzenschein.
26:17Und was macht Holger?
26:18Der kommt ins Bad, guckt mich komisch an und fragt mich, ob ich nicht mehr glücklich bin mit ihm.
26:22Ich meine, ich wollte doch nur mal ein bisschen ver...
26:26Christian, ich muss jetzt Schluss machen.
26:30Ich wollte nur fragen, ob Sie mein Buch gegenlesen würden.
26:34Sie wissen doch, das Fachbuch, von dem ich Ihnen erzählt habe, wäre doch gelacht, wenn ich nicht reich und berühmt
26:41werde.
26:43Das ist aber ein dünnes Buch.
26:44Ja, die ersten 50 Seiten sind schon fertig.
26:50Wow, da waren Sie aber fix dabei.
26:53Ich bin halt ein Profi, der was zu erzählen hat.
26:58Herr Schröter, Herr Schröter, ich bin begeistert.
27:11Morgen, Lars.
27:13Morgen.
27:14Na, schon ein Handtäschchen gefunden?
27:16Lass mal sein.
27:17Last Englund weiß schon, was Frauen wünschen.
27:29Ich geh nur noch mal die Drohbriefe durch.
27:31Du traust diese Henning nicht, was?
27:33Ja, zumindest hat die eine ausgeprägte militante Ader.
27:38Geht mit ihrem Mann nicht gerade zimperlich um.
27:39Der steht ganz schön unter ihrer Fuchtel.
27:54Frau Schwartenbeck?
27:56Ja?
27:57Frau Schwartenbeck, kommen Sie mal her.
28:03Gucken Sie mal.
28:05Oh wow, das bedeutet ja...
28:08Ja, ganz genau.
28:12Komm, schaut der Chef vorbei.
28:14Schon kommt Bewegung in die Sache, was?
28:17Weiter so.
28:28Hört ihr denn etwas auf?
28:31Das ist dieselbe Handschrift?
28:33Ja.
28:34Ja, aber ich hab nur diesen einen Brief geschrieben.
28:36Um Leni moralisch zu unterstützen und wegen Morettis Eiszeit.
28:40Äh, ich dachte, Sie sind Moretti-Fan.
28:42Ich bin ein Fan von Dirigent der Liebe.
28:45Das ist ein Meisterwerk.
28:47Alles, was Moretti sonst geschrieben hat, ist doch absoluter Dreck.
28:50Und mit den Briefen Ihrer Frau haben Sie nichts zu tun?
28:52Nein, ich hab nur ab und zu mal da einen eingeschmissen.
28:55Tja, mitgehangen, mitgefangen.
28:57Wir haben doch da nur so ein bisschen Dampf abgelassen, das ist doch nur nicht strafbar.
29:00Naja, üble Nachrede und Beleidigungen können mit Geldstrafe und Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.
29:07Wieso hat sich Ihre Frau eigentlich so auf Eriksson eingeschossen? Immerhin hat Moretti die Bücher geschrieben.
29:12Für Leni war Moretti nur Erikssons Werkzeug. Der wahre Schuldige, das war Eriksson.
29:18War Ihre Frau schon immer so ein Moralapostel?
29:22Naja, Sie müssen das verstehen. Also, die Druckerei gehört Leni. Und ohne die Kirche, da könntest du den Laden dicht
29:27machen.
29:28Wieso?
29:29Ja, weil die Kirche alles bei uns drucken lässt. Bücher, Noten, alles, was so anfällt.
29:34Gut, gehen wir die Sache doch nochmal durch. Also, Sie haben zur Tatzeit in der Druckerei gearbeitet.
29:40Ja.
29:41Bis 24 Uhr.
29:42Ja, bis nachts um halb zwei. Das heißt, man sieht wie viele Überstunden ich schieben muss. Ist ja nicht ohne
29:47Grund so fertig aus.
29:51Was braucht ein guter Kommissar, um erfolgreich zu sein?
29:55Instinkt, Erfahrung und Durchhaltevermögen.
29:59Braucht ein guter Partner auch?
30:02Du unterbrich mich nicht andauernd.
30:04Ja, du wolltest meine Meinung hören.
30:05Ja, aber nicht bei jedem Satz.
30:08Herr Schröter, was gibt's denn für Neuigkeiten?
30:12Äh, ich hab mir die Hotelquittung von Frau Eriksson nochmal vorgenommen.
30:16Frau Eriksson hat in der Tat das Hotel im Voraus mit Karte bezahlt.
30:21Aber sie hat nicht dort übernachtet.
30:23Sie hat am Abend den Schlüssel in der Rezeption abgegeben, aber nie abgeholt.
30:29Aha. Das wirft doch gleich ein ganz anderes Licht auf den Fall.
30:33Eben.
30:34Frau Eriksson übernachtet zum Schein in einem Hamburger Hotel und am Abend fährt sie mit der Bahn nach Lübeck und
30:42zack, erschlägt sie ihren Ehemann.
30:45Der perfekte Mord.
30:47Werder nicht, unser Herr Schröter.
30:50Chapeau.
30:50Na, zumindest heißt es erstmal, dass Frau Eriksson nicht die Wahrheit gesagt hat.
30:55Wir sollten sie nochmal gründlich unter die Lupe nehmen.
30:57Vielleicht hat die gute Frau ja noch mehr Geheimnisse.
31:01Observierung genehmigt?
31:02Einverstanden.
31:11Was machen Sie da?
31:12Ich konzentriere mich.
31:14Da vorn spielt die Musik.
31:16Musik?
31:18Frau Eriksson sitzt seit einer halben Stunde im Café und nichts passiert.
31:21Vorher war sie im Biomarkt einkaufen und davor beim Friseur.
31:24Ist es nicht einfacher, wie verhören Sie?
31:26Einfacher schon, aber ich wollte mal raus aus dem Büro an die frische Luft.
31:29Den Bauern kriegt man aus Ihnen aber auch nicht mehr raus, oder?
31:31Der Bauer in mir hat Ihnen gerade im Biomarkt den besten Apfel rausgesucht.
31:38Achtung.
31:42Das ist ja der Moretti.
31:44Ja, hätten Sie das im Vorhör auch rausbekommen?
31:47Die gehen aber ziemlich vertraut miteinander um.
31:50Ja, ziemlich.
31:52Glauben Sie, die haben was miteinander?
31:55Nach einer normalen Geschäftsbeziehung sieht das jedenfalls nicht aus.
32:00Also wenn die Eriksson und der Moretti tatsächlich ein Verhältnis haben...
32:05Dann stand der Eriksson im Weg.
32:06Fragt sich nur wem.
32:08Die Frau oder dem Moretti?
32:10Vielleicht ja sogar beiden.
32:24Stimmt was nicht mit der Rechnung?
32:26Ach, die Rechnung an sich ist ganz in Ordnung.
32:28Nur haben Sie in diesem Hotel gar nicht übernachtet.
32:32Oh, Ihnen entgeht aber auch gar nichts.
32:35Das ist mein Job.
32:39Überraschungsangriff.
32:40Verdächtige sofort unter Druck setzen.
32:43Dass wir die Nacht zusammen verbracht haben.
32:47In Hamburg.
32:49Edgar ist mein Liebhaber.
32:51Wir waren essen abends und danach sind wir zu ihm gefahren.
32:54Normalerweise fahren wir in mein Hotel.
32:56Aber diesmal hat es sich irgendwie anders ergeben.
32:59Ich überprüfe das mal.
33:01Eventuelle Alibis sofort überprüfen.
33:04Wieso haben Sie uns das nicht gleich in der ersten Befragung erzählt?
33:07Warum sollte ich?
33:08Das geht doch niemanden etwas an.
33:10In diesem Fall allerdings.
33:12Na gut.
33:13Wusste jemand von der Affäre?
33:15Wir waren in solchen Dingen immer sehr tolerant.
33:18Wir waren Backwarnjünger.
33:21Anhänger der freien Liebe.
33:23Darum hat Gustav auch den Verlag gegründet.
33:26Um gegen den monogamen, kleinbürgerlichen Ehrtrott ein Zeichen zu setzen.
33:31Nun, dann erklärt er Ihr freizügiges Eheleben vielleicht auch das hier.
33:37Und so weiter.
33:39Wow!
33:40Sie haben mich observiert.
33:42Ja, hätten Sie, was Hamburg angeht, die Wahrheit gesagt, dann wären das erspart geblieben.
33:46Glauben Sie ernsthaft?
33:48Didier und ich, wir haben was miteinander.
33:50Erklären Sie es mir einfach.
33:51Herr Kommissar, mein Mann ist tot.
33:54Ermordet worden.
33:56Didi ist dein Freund.
33:58Ich brauchte Trost.
34:00Und er steht mir bei.
34:01Wie ein guter Freund.
34:04Mehr ist da nicht.
34:06Aber auch nicht weniger.
34:07Das mag ja von Ihnen aus so sein, aber vielleicht wollte Moretti mehr von Ihnen.
34:11Sie sind attraktiv, Sie sind reich, Sie sind plötzlich Witwe.
34:15Ich passe nicht in sein Beuteschema.
34:18Der braucht das junge Gemüse.
34:20Aber im Moment können ihn die Frauen sowieso alle kreuzweise.
34:23Dann sind also die zahlreichen erotischen Abenteuer Morettis nun Gerücht?
34:29Marketing.
34:31Den man sich voll und ganz unterzuordnen hat.
34:34Nein, aber so läuft das heute.
34:38Nachdem sein Dirigent eingeschlagen war wie eine Bombe, wollte man die Kur auch melken.
34:43Sie wollte Moretti keine Milch mehr geben.
34:45Im Gegenteil.
34:46Er konnte vorher von seinen Büchern mehr schlecht als recht leben.
34:50Das Geld, das ihm der Dirigent eingespielt hat, das konnte er wirklich gut gebrauchen.
34:56So manch einer kann ja mit so plötzlichem Erfolg gar nicht umgehen.
35:00Also Gerät unter Druck.
35:01Ja, Sie haben recht, das stimmte.
35:04Je erfolgreicher er wurde, desto unglücklicher wirkte er eigentlich auch auf mich.
35:17Vielleicht leidet der Moretti ja unter Depressionen.
35:22Deshalb bringt man doch seinen Verleger nicht um.
35:25Ich habe auch manchmal einen kleinen Depri.
35:29Also ich weiß nicht, was da drin steht, aber wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, hören Sie nicht auf
35:33diese Ratgeberbücher.
35:34Seien Sie einfach Sie selbst.
35:37Was mit der Ericsson, das war ja wohl ein Schuss in den Ofen, was?
35:41Ja, bin ich mir noch nicht so sicher.
35:44Was ist das da?
35:47Herr Schröter, alle seine gelösten Kriminalfälle, hört sich fast nach einer unangemeldeten Nebentätigkeit an, was?
35:55Nein, da sitze ich nur in meiner gesetzlich mir zugesicherten Frühstücks- und Mittagspause dran.
36:00Ah ja.
36:01Und was soll das werden, wenn es fertig ist?
36:03Ein kriminalistisches Fachbuch.
36:05Ein Fachbuch von einem Fachmann.
36:08Was braucht ein guter Kommissar, um erfolgreich zu sein?
36:12Instinkt, Erfahrung und Durchhaltevermögen.
36:16Moment mal, das ist doch die Einleitung zu Top Secret.
36:20Das Buch von meinem alten Ausbilder.
36:22Hermann Joy, ich weiß.
36:23Aber es ist doch nur ein Zitat.
36:25Moment, Moment, Moment.
36:27Wie inspiziere ich einen Tatort?
36:29Wie verhöre ich einen Verdächtigen?
36:30Sie haben das gesamte Inhaltsverzeichnis von Top Secret kopiert.
36:33Ich habe mich auch noch auf andere Quellen berufen.
36:36Beim heiligen Gutenberg, das ist geistiger Diebstahl.
36:40Merken Sie sich eins, Herr Schröter.
36:41Ja?
36:42Plagiieren ist genau wie Ladendiebstahl.
36:46Kein Wunder, dass hier nichts weitergeht.
36:51Sie sind ja ein kleines Genie, Schröter.
36:54Doch, doch, doch.
36:55Sie haben mich da auf eine Idee gebracht.
36:57Der Malte Henning hat doch behauptet,
36:59dass alles, was Moretti vor dem Dirigenten geschrieben hat,
37:02Schrott sei.
37:02Hat er gesagt.
37:04Er hat vielleicht sogar recht.
37:06Schrott weg, halten Sie die Stellung?
37:08Ich bin mal kurz weg.
37:11Das ist gemein, Ria.
37:13Eine ungeheuerliche Unterstellung.
37:15Ja, ich gebe ja zu, ich habe Dir Unrecht getan.
37:19Dieser Moretti schreibt ganz ordentlich.
37:22Amos Begierde erinnert mich sogar an ihn.
37:24Ja, ja, ja, ja.
37:25Damit hat Moretti den literarischen Olymp erklommen.
37:28Trotzdem, wenn Amos Begierde und die Eiszeit
37:31von einem und demselben Autor stammen,
37:32dann fresse ich einen Besen.
37:34Jetzt fängst du wieder an.
37:35Och man, jetzt fließ doch mal und vergleich doch mal.
37:38Vergleich mal die Wahl der Verben und der Adjektive.
37:40Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.
37:43Amos Begierde und Dirigent der Liebe.
37:45Gut, das lasse ich mir ja noch nicht fallen.
37:46Aber diese Eiszeit ist das Allerletzte.
37:49Was machst du denn du eigentlich hier?
37:51Das hat sich schon erledigt.
37:53Aber es ist schön, dass es euch gibt.
37:58Warte, warte, warte, warte, warte, warte, warte, warte, warte, warte, so war das alles gar nicht.
38:01Das war alles Gustavs Idee.
38:03Also es fing alles letztes Jahr an.
38:05Er hatte seit einigen Monaten eine Schreibblockade.
38:06Mich fiel einfach nichts mehr ein.
38:08Ja, und dann legte mir Gustav plötzlich dieses Manuskript vor.
38:11Den Dirigenten der Liebe.
38:12Ein grandioses Skript.
38:14Einfach göttlich.
38:16Ja.
38:17Und er meinte, wir sollten es unter meinem Namen rausbringen.
38:20Und da ich finanziell eh auf dem Schlauch stand, habe ich ihm zugestimmt.
38:23Ja, das Buch wurde ein Hit.
38:25Sie hatten plötzlich Erfolg, kamen zu Geld.
38:27Und dann?
38:28Ja, er wollte gleich wieder einen Hit.
38:30Er wollte, dass Amos Begierde dann auch unter meinem Namen rauskommt.
38:34Und Sie waren dagegen.
38:35Warum?
38:36In der Zwischenzeit hatte ich endlich wieder was Eigenes geschrieben, doch Gustav fand das furchtbar.
38:40Und leider hatte er doch damit recht.
38:42Auf dem Buch, was wir bei Herrn Eriksson gefunden haben, stand aber Ihr Name.
38:46Ja, aber er hätte doch längst Tatsachen geschaffen.
38:49Er hätte schon Plakate drucken lassen und in zwei Wochen sollte das Buch auf den Markt kommen.
38:53Deswegen haben wir uns auch gestritten.
38:55Sie fühlten sich bei Ihrer schriftstellerischen Ehre gepackt, oder wie?
38:59Ich habe das alles nur noch als Schändlicher.
39:02Und deshalb haben Sie ihn umgebracht?
39:04Also wie oft denn noch?
39:06Ich habe ihn nicht getötet.
39:10Das muss dieser Verrückte gewesen sein.
39:12Welcher Verrückte?
39:13Ja, der Typ, der meine letzten Bücher geschrieben hat.
39:17Moment, der...
39:20Der Typ, der mich umein will.
39:22Bitte.
39:26Wenn du Amos Begierde veröffentlichst, stopfe ich dir als nächstes das Maul.
39:31Ja.
39:34Diese Nachricht hat Moretti heute in seinem Briefkasten gefunden.
39:39Der Kerl, der das geschrieben hat, hat Gustav Eriksson auf dem Gewissen.
39:42Und wo war das denn noch?
39:43Da nehme ich noch fest.
39:44Moretti hat nur keine Ahnung, wer sein Ghostwriter ist.
39:47Ja, deswegen heißt es ja auch Ghostwriter.
39:49Moment mal.
39:50Keiner weiß, wer der Kerl ist?
39:52Ja.
39:53Dieses Geheimnis hat Eriksson auch mal mit ins Grab genommen.
39:57Obwohl...
39:57Darf ich mal was?
39:59Entschuldigung.
40:05Und?
40:05Hast du dich für eine Farbe entschieden?
40:07Was gibt's denn da zu entscheiden?
40:08Hallo Frau Bach, Kiesewetter hier.
40:10Ich habe da mal eine Frage.
40:12Wissen Sie, wo Ihr Chef immer die Originalmanuskripte aufbewahrt?
40:21Was hoffen Sie denn zu finden, Chef?
40:25Wissen Sie sich überraschen?
40:29Wurde mir niemals so ein Safe anschaffen.
40:31Lockt nur die Bahn.
40:35Amos Begierde.
40:36Das Original.
40:38Aber ohne Hinweis auf den Verfasser.
40:58Kommt Ihnen die Schrift bekannt vor?
40:59Die habe ich doch schon mal irgendwo gesehen.
41:04Treffen der Höchstner Gewerbetreibung in Manfreds Fischstuber.
41:09Was beweist uns das jetzt?
41:11Wir wissen jetzt, wer Morettis Ghostwriter ist und wer Eriksson auf dem Gewissen hat.
41:16Richtig.
41:18Wo ist er?
41:20Wer?
41:21Ihr Mann.
41:22Wieso? Der ist auf der Toilette.
41:23Vielleicht will er fliehen.
41:27Frau Schwartenbeck.
41:29Das ist eine innenliegende Toilette.
41:31Da gibt's also gar kein Fenster.
41:33Wir brauchen nur zu warten.
41:41Wir müssen Sie leider bitten, mit aus Revier zu kommen.
41:44Da gibt's ja einige Kollegen, die wollen den echten Dirigenten der Liebe kennenlernen.
41:50Malte.
41:53Das soll der Dirigent der Liebe sein?
41:56Den habe ich mir aber auch anders vorgestellt.
41:58Irgendwie attraktiver.
42:00Mehr wie unser Chef.
42:03Naja, vielleicht sollte ich auch mal ein Buch schreiben.
42:06Genug zu erzählen hätte ich ja.
42:09Wenn du Amors Begierde veröffentlichst, stopfe ich dir als nächstes das Maul.
42:17Herr Henning, die Papierproben aus Ihrer Druckerei sowie die Analyse Ihres Computers beweisen eindeutig, dass dieser Text von Ihnen stammt.
42:26Außerdem hat Ihre Frau gerade gestanden, dass Sie zur Tatzeit gar nicht in der Druckerei waren, sondern den Höchstner Botschafter
42:31verteilt haben.
42:32Dieses Miststück.
42:36Sie müssen an diesem Abend sehr wütend auf Erikson gewesen sein.
42:40Naja, ich habe Erikson vor ungefähr einem Jahr den Dirigenten der Liebe geschickt.
42:48Den habe ich hinter Lenis Rücken geschrieben.
42:51Ja, aber Erikson hat abgelehnt.
42:53So, und dann hat er einfach mein Manuskript unter Morettis Namen veröffentlicht.
42:57Wieso sind Sie dagegen nicht angegangen?
42:58Ich wusste ja nicht, dass es so ein Erfolg wird.
43:02Und wenn Lenny herausgefunden hätte, wer hinter dem Dirigenten steckt, da hätte mir doch was ins Essen getan.
43:08So, und dann wurde der Dirigent ein Bestseller.
43:10Wissen Sie, was das für ein elendes Gefühl ist, wenn man monatelang in einem Roman schreibt und irgendjemand anders der
43:18Heimständer die Lobel in für ein?
43:20Der Dirigent, ja.
43:22Der hatte sieben Auslagen innerhalb eines Jahres.
43:25Dann stand jemand anders im Scheinwerferlicht, nämlich Moretti.
43:29Der Moretti, der war doch eher unbedeutend vorher.
43:32Erst mit meinem Dirigenten, da hat er den Durchbruch geschafft.
43:35Und dann haben Sie Erikson zur Rede gestellt?
43:37Ja.
43:38Und dann gab er mir so ein kleines Ausfallhonorar.
43:41Ich habe einen Vorschuss für meinen nächsten Roman.
43:43Den wollte er dann unter meinem Namen veröffentlichen.
43:45Da wollte er mich ganz groß rausbringen.
43:47Und da haben Sie ihm Amos Begierde geliefert?
43:50Ja.
43:51Aber dann habe ich nichts mehr von ihm gehört.
43:53Und dann lese ich auf einmal dieses Werbeplakat, kürze Morettis Amos Begierde.
43:59Ich dachte, ich spinne.
44:01Der wollte mich ja schon wieder über den Tisch ziehen.
44:03Na ja, da bin ich aber zu ihm hin.
44:05Und er hat mich nur ausgelacht.
44:07Und dann hat er mir dieses Ding da mit Morettis Namen gezeigt.
44:09Und ich fragte ihn, warum denn, warum denn?
44:13Da antwortete er mit so einem, verstehen Sie, so einem widerlichen Grinsen.
44:17Na ja, so ein Moretti, der verkauft sich eben besser.
44:20Und eine Witzfigur wie Sie, die kriege ich ja in keine Talkshow.
44:24Witzfigur.
44:26Mein Gott, ich bin sensibel.
44:29Ich bin Künstler.
44:32Nicht Drucker.
44:34Na ja, da habe ich dann eben rot gesehen.
44:42Amos Begierde.
44:46Das wäre irgendwie das, das Ticket in die Freiheit gewesen.
44:53Raus aus dieser, dieser verfluchten Ehehölle.
45:00Schreibt deine Steffi nicht auch gerade an einem Kinderbuch?
45:10Entschuldigen Sie bitte, darf ich die behalten?
45:15Ich meine, eigentlich ist das ja sowieso mein Preis.
45:41Schönen Feierabend.
45:42Ja, schönen Abend.
45:46Schönen Abend.
45:48Ich wollte mich nochmal bei Ihnen bedanken für Ihren Rat.
45:51Also den Rat, nicht auf so Ratgeberbücher zu hören, sondern mehr auf die eigene Stimme.
45:56Bei sich zu, ach, Sie wissen schon, was ich meine.
45:58Da nicht.
46:02Was haben Sie denn noch vor?
46:03Holger und ich, wir feiern heute unser Jubiläum.
46:06Als sich Holger in mich verliebt hat, da habe ich einen Uniform angehabt.
46:09Und das Knöllchen, was ich ihm damals an die Windschutzscheibe gepappt habe, das hängt heute noch gerammt in unserer Küche.
46:16Ja, dann lassen Sie mal Ihren Holger nicht zu lange warten.
46:19Da habe ich nicht vor.
46:19Schönen Abend.
46:31Also, gute Arbeit, Madame.
46:33Na ja, sag das lieber Finn.
46:34Was?
46:35Den Teufel will ich tun.
46:36Übrigens, Steffi hat angerufen.
46:38Der Paketdienst hat die Tasche gebracht.
46:39Und sollst du dir was sagen?
46:40Ein Volltreffer.
46:41Was, in grün?
46:42Nein, nein, ich habe sie in schwarz gekauft.
46:44Ich habe auf deinem Rat gehört.
46:45Schwarz steht den meisten Frauen.
46:47Na ja, bis nächstes Jahr kennst du ihre Lieblingsfarbe.
46:49Ja, schön verhörtend.
46:52Tschüss.
46:54Sagt dir Mannis Fischstuben was?
46:56Ja, da kann man gut und vor allem preiswert essen.
46:59Das ist ein Knaller.
47:00Zu zweit schmeckt es besser.
47:02Kommst du mit?
47:03Mhm.
47:08Ja, da kann man gut und vor allem.
47:36Das ist ein Knaller.
47:36누가 man gut und vor allem.
47:42Ich meine, bis jetzt wie schon ein Knaller.
47:43Die Zwechstuben-Caßel haben connections.
47:43Die Zwechstuben sind auch eine Zeugger 1st.
47:44Vielen Dank.
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