- vor 4 Tagen
Ein Schwabe lernt im Ruhrpott, kleinere Brötchen zu backen.
„Gottes schönste Gabe ist der Schwabe“, mit derlei Kalendersprüchen aus dem Ländle kann Roland Reuter (Hans-Jochen Wagner) in Duisburg nicht landen. Der Abgesandte der Stuttgarter Großbäckerei „Weckle“ soll die Filiale in der grauen Ruhrpottstadt aufmotzen – stößt aber bald auf unüberwindlich scheinende kulturelle Differenzen. Gleichzeitig entfremdet sich Reuter von seiner Frau Sybille und der Tochter daheim…
„Gottes schönste Gabe ist der Schwabe“, mit derlei Kalendersprüchen aus dem Ländle kann Roland Reuter (Hans-Jochen Wagner) in Duisburg nicht landen. Der Abgesandte der Stuttgarter Großbäckerei „Weckle“ soll die Filiale in der grauen Ruhrpottstadt aufmotzen – stößt aber bald auf unüberwindlich scheinende kulturelle Differenzen. Gleichzeitig entfremdet sich Reuter von seiner Frau Sybille und der Tochter daheim…
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KurzfilmeTranskript
00:00:01Gleich große runde Ballen aus Teig werden automatisch mit Mehl bestäubt.
00:00:05Eine dünne Teigrolle fällt aus einer Maschine. Zwei Hände formen eine Brezel.
00:00:09Ein Blech mit gebackenen Brezeln wird in ein Regal geschoben.
00:00:13Unter einer goldenen Brezel steht Weckle Mitarbeiter des Jahres 2014.
00:00:18Brezeln für den Pott. Mit den Hauptdarstellern Hans-Jochen Wagner als Roland Reuter, Ulrike Zetscharre als Sibylle Reuter.
00:00:26Ein großer dunkelhaariger Mann trägt einen Karton durch ein Vorzimmer.
00:00:32Das ist ja nicht für immer, Frau Braun. Und sobald ich wieder zurück bin aus dem Pott, nehmen wir mir
00:00:36beide Ihren Tisch und dann geht's direkt hinauf in die dritte Etage. In der Vorstadt, gell?
00:00:41Ja.
00:00:41Katharina Abt als Marita Watzke, Marian Meder als Dietmar Grabowski.
00:00:46Können Sie vielleicht mir mal die Tür aufmachen?
00:00:48Eine dunkelhaarige tritt ins Freie. Ihm gegenüber erstreckt sich ein langgezogenes Fabrikgebäude aus Backstein. Auf dem Gelände herrscht träger Arbeitsverkehr.
00:00:56Dumme kleines Auto.
00:00:57Ein Bäcker stellt einen Korb mit Brezeln in den Kofferraum eines silbernen Kombis.
00:01:01Setz dich da drauf, gell?
00:01:04Na nee, danke.
00:01:05Ein älterer Mann in hellem Trenchcoat nähert sich.
00:01:08Ist ja noch hoch hergegangen gestern Abend, nach allem, was ich gehört hab.
00:01:11Na, soll keiner sagen, dass wir im Weckle nicht Feuer kennen.
00:01:15Also, wir seht uns dann in zwei Jahren.
00:01:17Solange wir nicht brauchen.
00:01:18Umso besser.
00:01:19Im halben Jahr hab ich unsere Niederlassung in Duisburg auf Vordermann gebracht.
00:01:22Sagen Sie, hätten Sie es Ihrer Frau eigentlich schon gesagt?
00:01:26Nein, wir nicht.
00:01:27Oh ja, die wird sich freuen, die Sibylle ist doch eine kluge, vernünftige Frau.
00:01:32Und mehr Geld hinterher dann auch.
00:01:34Der Dunkelhaarige lächelt gequält.
00:01:36Er trägt den Korb mit den Brezeln durch einen Schulkorridor.
00:01:40Buch per Klemeth Franz Müller.
00:01:43Kamera Michael Boxrucker.
00:01:44Regie Matthias Steuerer.
00:01:47Vor der geschlossenen Tür des Lehrerzimmers bleibt er lauschend stehen.
00:01:53Innen hängen französische Wimpel.
00:01:55Man trinkt Rotwein und isst.
00:01:57Da kommt der Brezel-Express.
00:01:59Na klar.
00:02:00Zwar von gestern, aber immer noch ein bisschen Qualität vom Weckle.
00:02:04Bevor die wegkommen, willst du eigentlich?
00:02:06Nein, danke.
00:02:07Hallo, du bist aber früh dran.
00:02:08Ja, ich war früher fertig.
00:02:11Ich dachte, ich hab hier Konferenz.
00:02:13Nee, eine Konferenz nicht, aber ein Vorbereitungstreffen.
00:02:16Magst du dich nicht noch kurz dazusetzen?
00:02:18Ja, wir sind noch nicht ganz fertig.
00:02:19Ja, du seh.
00:02:20Jetzt komm, jetzt setz dich doch.
00:02:22Es ist auch noch was von der Buia Besta.
00:02:24Es ist deine, Gide, oder?
00:02:25Die kann ich wärmstens.
00:02:28Nein, danke.
00:02:28Ich esse keinen Fisch.
00:02:29Ich wollte ja auch gleich mit der Sibylle noch was essen gehen.
00:02:32Aber ein Gläschen trinkst du noch mit uns mit, gell?
00:02:34Nein, ich muss noch fahren.
00:02:35Ach, jetzt komm.
00:02:36Tut bitte wärme, oder mich?
00:02:38Ein schlanker, dunkelhaariger Mann mit einer weißen Haarsträhne füllt ein Glas.
00:02:43Wir müssen doch noch die Aufteilung der Klassen besprechen.
00:02:45Wir haben ja dieses Jahr drei Kunstwerk hast, die nach Paris fahren.
00:02:48Sibylle, eine schlanke, dunkelhaarige, lächelt ihren Kollegen an.
00:02:51Ich verstehe, deshalb mache ich das mit dem Essen, der Musik, als Inspiration.
00:02:58Bei dem, ça va vivre.
00:03:01Betreten setzt Sibylle ihr Weinglas ab.
00:03:03Ein älterer Kollege flüstert hinter vorgehaltener Hand.
00:03:07Savoir, Savoir vivre, heißt das?
00:03:09Ich weiß, wie das heißt.
00:03:17Ihr Ehemann schaut zu.
00:03:20Mit großer Geste zeigt eine Kollegin auf dem gedeckten Tisch.
00:03:23Sibylle blickt ihren Mann an.
00:03:25Ein Hund wird durch eine nächtliche Straße mit hellen Doppelhäusern geführt.
00:03:30Durch eine offene Tür schaut der Dunkelhaarige im Schlafanzug zu Sibylle,
00:03:34die in einem Doppelbett sitzend in einem Katalog blättert.
00:03:37Ich werde befördert.
00:03:38Sibylle blickt auf.
00:03:41Hä?
00:03:42Ich werde befördert.
00:03:45Das ist ja super, gratuliere.
00:03:48Aber wir müssen jetzt umziehen.
00:03:50Er beugt sich über das Waschbecken.
00:03:52Nach Duisburg-Meiderich.
00:03:54Wie bitte?
00:03:58Nach Duisburg-Meiderich.
00:04:00Sie hört auf zu lächeln.
00:04:03Das war schon seit drei Jahren, dass es für mich mal weitergeht, mein Beckel.
00:04:06Sie fegen den äußeren Eingangsbereich.
00:04:08Du hast doch selber gesagt, dass ich mich weiterentwickeln muss.
00:04:10Seine Gesichtszüge sind weich.
00:04:12Du kannst doch das Sabbatjahr einlegen.
00:04:14Du hast doch schon lange machen wollen.
00:04:16Ich wollte ins Ausland.
00:04:17Ich wollte nach Italien, Spanien, nach Südfrankreich.
00:04:20Aber doch nicht ins Ruhrgebiet.
00:04:21Entnervt wirbelt sie Laub auf.
00:04:23Das ist keine Beförderung, das ist eine Strafversetzung.
00:04:26Luftveränderung wäre es trotzdem.
00:04:28Luftveränderung im Ruhrgebiet.
00:04:29Da ist Smog.
00:04:30Überall Autobahn und Dreck.
00:04:31Das sind die schlechtesten Luftwerte Deutschlands.
00:04:33Das ist doch reine Propaganda von den Ökos.
00:04:36Im Hausinneren.
00:04:37Ich habe es unterschrieben, ich kann es nicht mal ändern.
00:04:39Ja, das ist ja ganz toll.
00:04:41Das wird bestimmt super da im Porte.
00:04:44Hättest ja vorher was sagen können.
00:04:45Sie presst Orangen.
00:04:47Naja gut.
00:04:48Du nimmst dir erstmal ein Zimmer und am Wochenende kommst du dann mal mit.
00:04:51Zimmer?
00:04:51Du weißt doch, wie die sind beim Weckl.
00:04:53Die haben mich dort bestimmt super unterbracht.
00:04:55Ein so schönes Hotel mit Sparbereich.
00:04:57Dann könnt ihr ja auch mal kommen.
00:04:58Dann können wir doch ein bisschen Wellness machen.
00:05:00Also, ich glaube nicht, dass die Lea freiwillig ins Ruhrgebiet geht.
00:05:03Angespannt schauen beide zu einem etwa 15-jährigen langhaarigen Mädchen mit großen Kopfhörern,
00:05:08welches unter den vorwurfsvollen Blicken ihrer Eltern eine Flasche aus dem Kühlschrank nimmt.
00:05:16Hast du ja die Cola gekauft.
00:05:18Er hebt die Schultern.
00:05:20Dir ist schon klar, dass ich gesagt habe, dass hier so lange keine Cola ins Haus kommt,
00:05:22solange sie nicht für ihre Matheklausur arbeitet.
00:05:24Kohl, lass sie doch.
00:05:25Ja, du machst es dir leicht.
00:05:27Fräulein Prinzessin hier, Fräulein Prinzessin da.
00:05:29Du, als ich nie am Alter war, da habe ich auch Cola getrunken.
00:05:31Und es ist trotzdem was aus mir geworden.
00:05:33Na, Duisburg-Meiterich.
00:05:35Sie blickt von der Orangenpresse auf und schaut ihn an.
00:05:38Dann lächelt sie.
00:05:39Er lächelt zurück.
00:05:40Im Keller packt er Tiefkühlpizzen in eine Kühltruhe.
00:05:43Hastig schließt er den Deckel.
00:05:47Lea kommt um die Ecke.
00:05:48Bist du jetzt nur noch an den Wochenenden hier?
00:05:51Naja, erst mal.
00:05:53Aber vielleicht kriege ich es schneller geschafft, dann bin ich früh wieder da.
00:05:57Könnt mich nicht wundern.
00:05:58Sie umarmen einander herzlich.
00:06:01Und sei nicht so frech, dass deiner Mutter so lange ich weg bin, gell?
00:06:03Sie grinst.
00:06:06Du, Papa.
00:06:08Ich könnte doch auch auf eine Fachoberschule gehen.
00:06:10Wie Sophia.
00:06:12Ja, ich meine, ich brauche gar kein Abitur, wenn ich Hotelmanagerin werden will.
00:06:15Das kommt überhaupt nicht in Frage.
00:06:16Du würdest es später bereuen, wenn du kein Abitur gemacht hast.
00:06:19Ja, aber du hast doch auch kein Abi.
00:06:21Ja, stimmt doch.
00:06:22Und ich meine, wenn es nach Mama ginge, würde ich nur noch auf meinem Zimmer hocken,
00:06:25den ganzen Tag Büffeln und Biomöhren essen.
00:06:27Dass du nicht nur noch Biomöhren essen musst, dafür habe ich gesorgt.
00:06:30Guck mal.
00:06:30Er öffnet die Truhe.
00:06:31Ja.
00:06:32Sie lächelt.
00:06:33Aber kein Wort zu deiner Mutter.
00:06:35Versparen.
00:06:36Sie schlagen die erhobenen Handflächen gegeneinander.
00:06:39Er bedeckt die Pizzen mit Salat.
00:06:41Lea trägt ihrem Vater zwei Anzughüllen zum bepackten Wagen.
00:06:45Lächeln, auf.
00:06:47Danke.
00:06:49Roland, das hast du vergessen.
00:06:51Sie bringt eine Frischhaltebox.
00:06:53Da.
00:06:55Tschüss.
00:06:55Lächelnd beugt er sich zu Lea, die ihn fest umarmt.
00:06:59Pass auf die Hof, okay?
00:07:02Ich melde mich noch, wenn ich da bin.
00:07:03Sibylle nickt lächelnd.
00:07:05Fahr gut.
00:07:05Ja.
00:07:06Er stellt die Frischhaltebox, die mit Rohkost gefüllt ist, auf den Beifahrersitz neben
00:07:10eine CD, Audioguide, Geschichte und Kultur, das Ruhrgebiet.
00:07:14Er lächelt hinaus.
00:07:16Die Frauen winken.
00:07:18Lea blickt bekümmert.
00:07:19Sibylle lächelt.
00:07:21Der Kombi passiert eine höher gelegene Straße, von der sich ein Ausblick auf Stuttgarts
00:07:25Talkessel ergibt.
00:07:27Über Autobahnen und durch hügelige Landschaften erreicht er das Ruhrgebiet mit qualmenden Schornsteinen,
00:07:32Fördertürmen und Autobahnknoten.
00:07:34Mitten im zentralen europäischen Wirtschaftsraum gelegen, gilt das Ruhrgebiet, oft auch das Revier
00:07:40oder der Pott genannt, als die am besten erschlossene Region Europas.
00:07:45So sind über die Straßen in allen Himmelsrichtungen und in nur drei Stunden Fahrzeit mehr als 60 Millionen
00:07:51Menschen zu erreichen.
00:07:53Und die Menschen leben gerne hier.
00:07:56Auf dem Glücksindex erreicht der Pott sieben von zehn Punkten.
00:07:59Sicher auch eine Folge des Strukturwandels in dieser Region.
00:08:04Viel Geld wurde in die Verbesserung der Lebensqualität investiert.
00:08:08Weniger Schwerindustrie, dafür Kulturangebote, mehr Grün, bessere Luft.
00:08:13Wer zum Beispiel aus dem Süden in das Revier einfährt, kann feststellen, die Lärmbelastung
00:08:19Er schließt das Fenster seines Hotelzimmers, hinter dem eine Schnellstraße verläuft.
00:08:24Mit Blick auf die Frischhaltebox mit Rohkost auf dem Hotelbett zieht er sein Jackett an und
00:08:29geht an die Rezeption.
00:08:30Eine Frau mit aufgesteckten Haaren hantiert an einem Schlüsselregal.
00:08:35Entschuldigung, kriege ich bei Ihnen hier noch was zum Essen?
00:08:39Ja, also ab 21 Uhr, da haben wir hier nur noch Ruhmservice.
00:08:42Sie reicht ihm eine Karte und nimmt erwartungsvoll ihre Brille ab.
00:08:45Ja, ein bisschen teuer. Gibt es da irgendwas anderes? Was weiß ich, einen Kriecher oder eine Pizzeria? Völlig wurscht.
00:08:54Also ich meine, das Einzige, was jetzt nur auffällt, das ist Eddys Ballrohm.
00:08:57Eddys was?
00:08:58Eddys Ballrohm. Da gehen Sie hier runter, dann einmal links und dann nochmal links.
00:09:02Sie hat sich abgewandt.
00:09:04Danke.
00:09:04Was?
00:09:05Auf dem Weg zur Tür.
00:09:07Äh, vielen Dank.
00:09:08Ja.
00:09:09Ein älterer Mann kreuzt seinen Weg, als er zu Eddys Ballrohm geht, vor dessen Tür ein Zigarettenautomat hängt.
00:09:15Mit leicht geöffnetem Mund schaut er zu dem Schild der Gaststätte hinauf.
00:09:19Licht fällt auf ihn, als ein junges Paar das Lokal verlässt.
00:09:23Im Inneren ist es voll. Unterschiedliche Altersstufen sind vertreten.
00:09:27Menschen im Western-Stil und unauffälliger Gekleidete.
00:09:31Der Wirt trägt einen Cowboy-Hut.
00:09:35Ist gut?
00:09:36Ja.
00:09:36Eine Getränkekarte wird vor ihm auf die Theke gelegt.
00:09:40Er zieht seine Steppjacke aus, hängt sie über einen Barhocker und setzt sich darauf.
00:09:46Plötzlich greift er sich an die Seite und schaut sich um.
00:09:50Einige Meter entfernt, neben einem Billardtisch, stehen eine blonde und eine dunkelhaarige Frau an einem Stehtisch und werfen Nüsse nach
00:09:57ihm.
00:09:57Er entdeckt die beiden.
00:10:00Er lächelt gezwungen und hebt kurz die Hand.
00:10:02Die beiden Frauen stoßen sich an und kommen mit ihren Gläsern zu ihm.
00:10:07Hör mal, bist du neu hier, oder?
00:10:10Wir haben dich hier jedenfalls noch nicht gesehen.
00:10:13Nee, das wäre uns nämlich aufgefallen.
00:10:17Pilzbier oder Schnäpse?
00:10:19Wie bitte was?
00:10:20Beides?
00:10:21Hui.
00:10:21Die Blonde verschwindet.
00:10:24Hi, ich bin der Walker.
00:10:25Eddie!
00:10:26Und du?
00:10:27Äh, Reuter.
00:10:28Roland Reuter.
00:10:29Roland Reuter?
00:10:31RR?
00:10:32Gibst du mir?
00:10:32Passt.
00:10:33Passt.
00:10:34So, Schätzchen.
00:10:35Die Blonde kommt mit einem Tablett.
00:10:37Sehr.
00:10:38Und lässt ein volles Schnapsglas in ihr Bierglas fallen.
00:10:41Ups!
00:10:43Auf RR, den Rolls-Royce unter den Kern.
00:10:46Hopp, hopp, hopp.
00:10:46Rinn in den Kopf.
00:10:47Die Blonde greift nach der vorbeieilenden Kellnerin.
00:10:50Steffi!
00:10:51Sie nimmt drei Longdrinks von deren Tablett und stellt sie auf die Theke.
00:10:57Der Walker legt Bierdeckel auf die Gläser.
00:11:00Auf die Männer, die wir lieben und die Penner, die wir kriegen.
00:11:02Hopp, hopp, rinn in den Kopf.
00:11:03Die Frauen setzen ihre Gläser hart auf die Theke und trinken den aufgeschäumten Inhalt in einem Zug.
00:11:10Ich muss morgen früh raus.
00:11:11Ach, nee, nee, nee, warte mal, du bleibst mal noch ein bisschen hier.
00:11:13Komm, jetzt lass ihn.
00:11:14Er muss morgen ganz früh raus, der Ärmste.
00:11:17Putzi, putzi, putzi, putzi.
00:11:19Die Blonde kneift ihm in die Wangen und verliert das Gleichgewicht.
00:11:22Er geht.
00:11:23Tschüss, Schnucklchen.
00:11:24Tschüss, Schnucklchen.
00:11:26Die Blonde krümmt ihre Finger zu Krallen.
00:11:29Rolli!
00:11:29Der Morgen dämmert über der diesigen Industrielandschaft.
00:11:33Eine Straßenbahn fährt auf eine Zeche zu.
00:11:36Blick auf das Werksgelände von Weckle.
00:11:38Grabowski mein Name.
00:11:40Ich hoffe, Sie hatten eine gute Anreise und eine ruhige Nacht.
00:11:45Ja, schon recht.
00:11:46Da oben links wäre dann gleich auch Ihr Büro.
00:11:49Aha.
00:11:50Ach, darf ich bekannt machen?
00:11:52Horst Abramschik, Roland Reuter.
00:11:55Ist gut.
00:11:56Ich bin ja der Systemadministrator.
00:11:58Ja, dann auf gute Zusammenarbeit, gell?
00:11:59Willkommen im Pott.
00:12:01Da rechts sitzt Herr Pistorius vom Fuhrpark.
00:12:03Reuter schaut in ein leeres Büro.
00:12:06Normalerweise zumindest.
00:12:07Wie dem auch sei.
00:12:09Hilflos schaut Grabowski durch die offene Tür eines weiteren Büros.
00:12:12Und das ist Ihr Reich.
00:12:14Hinter einer runden Wand aus Glasbausteinen erstreckt sich ein langgezogenes Büro im Stil der 60er Jahre.
00:12:20Grabowski ist ein schmaler Mann mit halblangen Haaren.
00:12:23Und das ist Frau Batzke, Ihre Sekretärin.
00:12:26Reuter erstarrt.
00:12:27Am anderen Ende des Büros steht die Blonde aus dem Ballruhm.
00:12:30Na, dat ist jetzt mal richtig peinlich.
00:12:32Reuter presst die Lippen aufeinander.
00:12:34Sie kennen sich?
00:12:37Ja.
00:12:38Wir hatten gestern Abend schon das Vergnügen.
00:12:40Aber unter ganz andere Voraussetzungen.
00:12:42Sie kommt zu ihm.
00:12:43Guten Tag.
00:12:44Das kann man wohl sagen.
00:12:45Sie schütteln sich die Hand.
00:12:47Wie dem auch sei.
00:12:48Ja, aber keine Sorge.
00:12:50Schnaps ist Schnaps und Arbeit ist Arbeit.
00:12:53Ungläubig beobachtet Reuter, wie sie Wasser auf eine Tablette in eine Tasse gießt.
00:12:59Ich bin gleich soweit.
00:13:00Ich bringe mich nur noch kurz in Form.
00:13:01Die werden Sie auch brauchen.
00:13:02Suchen Sie mir gleich mal die Bilanzer von den letzten zwei Jahren, sagen wir mal von den letzten vier Jahren
00:13:06aus.
00:13:07Er registriert an der Garderobe einen grau karierten Schal und einen Hut.
00:13:11Ungeduldig dreht er sich zu Frau Watzke um.
00:13:13Ähm, jawohl.
00:13:14Schon unterwegs.
00:13:15Mit entnervtem Blick zu Grabowski wendet sie sich ab.
00:13:18Verwirrt schaut der zu Reuter, der eine Flasche Apfelkorn in einem Regal betrachtet.
00:13:22Dann einen vollen Aschenbecher.
00:13:24So.
00:13:25Und jetzt wird hier nicht mehr geraucht.
00:13:26Das finde ich sehr, sehr nachhaltig.
00:13:29Reuter setzt sich auf seinen Schreibtischsessel.
00:13:31Was ist das?
00:13:32Er deutet auf eine Pflanze.
00:13:33Die gehört Frau Watzke.
00:13:35Die fliegt raus.
00:13:35Die kriegt bloß Wasser.
00:13:36Wasser kostet Geld und Geld haben wir gekäußt.
00:13:38Grabowski tippt.
00:13:39Was machen Sie hier eigentlich?
00:13:40Grabowski blickt von seinem Tablet auf.
00:13:43Notizen?
00:13:44Na, ich meine, was schaffen Sie hier?
00:13:46Ja, welche Positionen haben Sie in Betrieb?
00:13:49Assistenz der Geschäftsführung.
00:13:50Aha.
00:13:51Seit wann?
00:13:52Ich habe Verwaltungsfachangestellter gelernt und Ihr Vorgänger, der Herr Kiesel.
00:13:57Da hat der kärle sich als Sekretärin und noch einen Assistenten geleistet.
00:14:01Grabowski reißt die Augen auf.
00:14:03Reuter blickt kurz zu ihm.
00:14:04Ja, von jetzt an arbeitet sie in der Buchhaltung.
00:14:07Ja?
00:14:07Aber vorher kann ich sie noch brauchen.
00:14:09Scheint es sicher auszukennen.
00:14:11So.
00:14:12Jetzt zeigen Sie mir mal, wie die Leute hier so schaffen.
00:14:14Wo wollen Sie denn anfangen?
00:14:16Eine Backhalle.
00:14:17Grüß Gott.
00:14:18Sie passieren eine helle Kantine, in der Frauen mit Haarschutz arbeiten.
00:14:22In der Backhalle werden Bleche mit Puddingteilchen in ein mobiles Blechregal mit weiterem Gebäck geschoben.
00:14:28Leisten mit Teigballen rotieren durch eine Maschine.
00:14:31Reuter lächelt.
00:14:34Wenn ich in die schwarzen Zahlen kommen würde, kann ich zwei Dinge tun.
00:14:36Ich kann die Einnahmen erhöhen oder...
00:14:38Er zeigt es mit Händen.
00:14:39Ich kann die Einnahmen erhöhen oder die Ausgaben senken.
00:14:45Genau.
00:14:47Senken.
00:14:48Reuter deutet auf eine Treppe.
00:14:49Wo geht's da hin?
00:14:50Da unten, da sind die Toiletten.
00:14:52Bringt da immer Licht?
00:14:53Wie soll ich da einen Zettel anbringen, auf dem Licht aufsteht?
00:14:55Zettel bringen ja gar nichts.
00:14:56Der hilft bloß Hightech.
00:14:57Da wird ein Bewegungsmelder installiert.
00:15:00Die haben sich in acht Monaten amortisiert.
00:15:03Bewegungsmelder.
00:15:04Grabowski tippt und eilt Reuter hinterher, der einen Abstellraum betritt.
00:15:08Heiland, satt.
00:15:09Zwischen Körben und Brötchen stehen Taubenkäfige.
00:15:12Was ist denn das?
00:15:13Grabowski senkt den Blick.
00:15:15So, für 16.30 Uhr ruft sie eine Vollversammlung der Belegschaft ein.
00:15:19Wenn nur das Jahr jeder da ist.
00:15:21Und danach knüpfen wir uns den Betriebsrat vor.
00:15:24Heute noch?
00:15:25Im Raucherraum.
00:15:27Wo kommt der denn überhaupt her?
00:15:31Der Raucherraum wird geschlossen.
00:15:32Das habe ich dem Herrn Kiesinger auch schon vorgestellt.
00:15:34Nein, die kosten für die Fläche.
00:15:36Heizkosten, Nebelkosten.
00:15:37Und jetzt haben wir draußen grau.
00:15:38Hey, sowieso hoch sind.
00:15:40Bei der Versammlung.
00:15:41Warum bei uns die Ausgaben über den Einnahmen liegen, das brauche ich euch nicht zu sagen.
00:15:46Hier, alles bloß rote Zahlen.
00:15:48Er zeigt Schaubilder.
00:15:49Es hängt von uns alle ab.
00:15:51Ob wir da hinkommen.
00:15:53Die Einnahmen liegen über den Ausgaben.
00:15:57Wir sind ein Team.
00:15:58Ein junger Mann.
00:15:59Das haben Sie meinem Bruder bei Opel auch erzählt.
00:16:01Und was ist?
00:16:02Den Laden haben Sie trotzdem nicht gemacht.
00:16:03Aber wir sind hier beim Weckle, junger Mann.
00:16:05Und nicht beim Opel.
00:16:07Beim Weckle werden die Entscheidungen bei uns in Stuttgart getroffen.
00:16:09Nicht irgendwo in Amerika.
00:16:12Bloß wenn wir zusammenhalten, können wir es schaffen.
00:16:15Und dazu ist zweierlei erforderlich.
00:16:18Erstens, wir müssen Vollgas geben.
00:16:20Er ballt die Faust.
00:16:21Und zweitens, wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.
00:16:24Von nichts kommt nichts.
00:16:26So, weiß jemand, was das zu bedeuten hat?
00:16:29Alle blicken zur Leinwand.
00:16:30Auf dem Foto sieht man, wie die Chinesen das Stahlwerk in Dortmund abbauen.
00:16:35Die berühmte Westfalenhütte.
00:16:37Das sagt Ihnen doch sicher was.
00:16:38Die bauen die ganze Hütte ab und bauen sie in China wieder auf.
00:16:42Und dann arbeitet da drin.
00:16:45Er hebt den Finger.
00:16:47Richtig, Chinesen.
00:16:49Solange wir die internationale Finanzkrise nicht unter Kontrolle kriegen,
00:16:52wird es immer so weitergehen.
00:16:53Ihr habt die Wahl hier im Ruhrgebiet.
00:16:56Entweder ihr guckt weiter zu, wie eure Jobs nach China verschifft werdet,
00:16:59oder ihr packt selbst mit an und nehmt euer Schicksal in die eigene Hand.
00:17:04Der Strukturwandel, das seid ihr selbst.
00:17:08Ihr könnt entscheiden, welche Türe ihr nehmt.
00:17:10Er zeigt.
00:17:11Dort geht's nach China.
00:17:13Und dort geht's in die Zukunft für Weckle Meiderich.
00:17:20Das ist die Tür zu dem Toiletten, Chef.
00:17:23Einige Mitarbeiter sitzen in Reuters Büro.
00:17:26Ja, Herr Reuter, alles schön und gut.
00:17:28Das mit dem Weihnachtsgeld, das kann ich noch verstehen.
00:17:31Irgendwo.
00:17:32Aber dass wir im dritten Folgejahr eine Nullrunde mitmachen sollen,
00:17:36nein, das geht nicht.
00:17:38Ja, es muss aber.
00:17:39Nee, die Lebenshaltungskosten steigen ja auch.
00:17:42Alles wird teurer.
00:17:43Brot, Butter, Bananen.
00:17:45Ihr hättet am liebsten Rabattmarke, wie damals in der DDR.
00:17:47Die Leute, die hier im Betrieb arbeiten, die müssen ihre Familien ernähren.
00:17:51Die können sich kaum noch die Miete für ihre Wohnung leisten.
00:17:54Wir müssen alle einen Schnitt in Kauf nehmen, wenn's aufwärts gehen soll, mit unserem Betrieb.
00:17:58Herr Reuter, das sagen Sie so leicht.
00:18:01Sie kommen hier angebraust aus Stuttgart, wohnen hier in so ne Fünf-Sterne-Hütte.
00:18:05Vier, ja, beziehungsweise drei.
00:18:07Egal, Sie wohnen hier wie Gott in Frankreich, während sich Ihre Mitarbeiter mit Mühe und
00:18:11Not ne Sozialwohnung leisten können von dem, was sie beim Weckle verdienen.
00:18:15Das sind teilweise regelrecht Löcher.
00:18:18Das stimmt.
00:18:19Seit Jahren will ich neben der Kuckerei wegziehen.
00:18:21Aber mit dem Gehalt geht das nicht.
00:18:22Also ich hab früher auch einfach gelebt.
00:18:24Und ich muss Ihnen das sagen, wenn ich mich heute daran erinnere, waren das eigentlich
00:18:27die glücklichsten Jahre meines Lebens.
00:18:28Wunderbar.
00:18:29Bei mir im Haus ist noch ne Wohnung frei.
00:18:31Wie groß?
00:18:31Der Befragte schaut irritiert.
00:18:3365 Quadratmeter.
00:18:35Wieso?
00:18:35Das ist ein Deal.
00:18:36Die nehm ich.
00:18:37Alle blicken ihn verwundert an.
00:18:40Im Treppenhaus.
00:18:41Chef, ich weiß nicht, ob das mit der Wohnung so richtig ist.
00:18:44Ich meine, wollen Sie sich nicht doch nochmal überlegen?
00:18:46Ich will aber keine Extra, Herr Schlachtler.
00:18:47Ja, aber Sie sind doch ganz neu hier.
00:18:50Wir können nicht alles außer Hochdeutsch.
00:18:51Sagt Ihnen das was?
00:18:54Gottes schönste Gabe ist der Schwabe, der doch gelacht.
00:18:58In der Tür wendet er sich nochmals um.
00:19:00Sagen Sie, wer war eigentlich der freche Pingel da vorhin?
00:19:05Wer?
00:19:06Na, der Kerl mit dem Blech im Gesicht, wo es Maul so aufgerissen hat, von wegen Finanzwirtschaft.
00:19:09Und ein ganzer Blödsinn.
00:19:10Ach so, das ist der Cem.
00:19:12Der Cem Yildirim.
00:19:13Der ist der Zubi in der Verwaltung.
00:19:15Aha.
00:19:16Bei uns drüben sagt man, ein fauler Apfel kann der ganze Körper verderben.
00:19:20Das ist gut.
00:19:21Zu einem Bäcker.
00:19:22Grüß Gott.
00:19:23Tag.
00:19:24Tag.
00:19:25Tag.
00:19:26Reuter rollt seinen Koffer zu einem Mietshaus neben einer kleinen Gaststätte.
00:19:30Was ist das, Herr Einer?
00:19:32Nicht von hier.
00:19:34Vor dem runden Pavillon mit Namen zum runden Eck stehen zwei Männer an Stehtischen mit Plastikwecken.
00:19:39Einer von beiden, ein rotblonder mit Schnauzer, schaut Reuter hinterher, der müde das Klingelbrett betrachtet.
00:19:45Er drückt den Knopf neben dem handgeschriebenen Namen Demir.
00:19:50Wir kriegen, verdammte Mann!
00:19:53Ein Mann in blauer Trainingsjacke rennt an Reuter vorbei.
00:19:56Ich hole den Schlüssel.
00:19:57Demir geht in eine Küche.
00:19:59Komm, ist da bitte rein.
00:20:01Vor dem Fernseher sitzen zwei Jungen.
00:20:15Demir bleibt vor dem Wohnzimmer stehen.
00:20:21Er folgt Reuter eine Treppe hinauf.
00:20:24Soll ich vielleicht doch die Verfahrt nehmen?
00:20:27Nein, den schaffe ich auch.
00:20:29Bist vielleicht.
00:20:30Er nimmt ihm die Anzughüllen ab.
00:20:32Danke.
00:20:34So, bitteschön.
00:20:36In der Wohnung schaltet Demir hinter Reuter das Licht an und hängt die Hüllen an eine Garderobe gegenüber der Wohnungstür.
00:20:42Reuter blickt sich interessiert um.
00:20:44Er stellt seinen Koffer in das erste Zimmer, das links von dem engen Flur abgeht.
00:20:48Beim Verlassen des Zimmers fällt sein Blick auf einen Stuhl vor einer Panoramawand mit Südsee-Motiv.
00:20:54Er nickt Demir zu.
00:20:55Das nächste Zimmer ist eine schmucklose und funktional eingerichtete Küche.
00:20:59Demir schaut ihn erwartungsvoll an.
00:21:01Ja, ist doch ganz, äh...
00:21:04Also wenn Sie möchten, kommen Sie später zum Essen runter.
00:21:06Nein, nein, ich komme schon klar.
00:21:08Danke, gell.
00:21:09Schlüssel steckt und wenn Sie irgendwas brauchen, dingeln Sie einfach.
00:21:12Ja.
00:21:13Reuter dreht sich zum Küchenfenster um, vor dem ein Holztisch und zwei Stühle stehen.
00:21:17Hinter dem Fenster stößt eine Kokerei Qualm in den verhangenen Himmel.
00:21:21Im Abendlicht trägt Reuter mühsam eine verpackte Matratze am runden Eck vorbei, vor dem Demir und der Rotblonde stehen.
00:21:28Sollen wir mit anpacken, Meister?
00:21:31Ja, gern.
00:21:32Der Rotblonde kommt zu Reuter.
00:21:34Lass mal, Chef.
00:21:35Demir folgt.
00:21:37Zu zweit geht's einfacher.
00:21:38Sie heben die Matratze an.
00:21:41Danke.
00:21:42Demir und der Rotblonde tragen sie zur Wohnungstür, an der Reuter sie entgegennimmt.
00:21:46Abfahrten stehen die Männer vor ihm.
00:21:48Reuter blickt sie verständnislos an.
00:21:51Achso.
00:21:52Er nimmt Geld aus seinem Portemonnaie.
00:21:54Aber Herr Reuter, wir sind doch Nachbarn.
00:21:57Gut dann.
00:21:58Wir nehmen den Heimann.
00:22:00Dann können wir unten noch eine Runde ausgeben.
00:22:02Schönen Abend, Reuter.
00:22:04Dass sie für jeden zwei Pilz gehen.
00:22:06Reuter telefoniert online.
00:22:08Weißt du, in dem Hotel, das war halt dann doch ein bisschen, wie soll ich sagen, ein bisschen eng.
00:22:10Sibylle blickt ernst.
00:22:12Das ist wirklich viel besser so.
00:22:13Eine eigene Wohnung.
00:22:14Sie nickt.
00:22:15Auch für uns.
00:22:17Das ist ja auch gar nicht so grau hier, wie du denkst.
00:22:20Es gibt hier echt ein sehr interessantes Kulturangebot.
00:22:24Du, Du, Duisburg hat sogar eigene Oper.
00:22:27Also zusammen mit Düsseldorf.
00:22:29Ich habe irgendwo gelesen, dass das Ruhrgebiet die höchste Museumssichte von ganz Europa hat.
00:22:34Sie blickt zweifelnd.
00:22:36Ja, da können wir schon mal was machen, wenn ihr am Wochenende kommt.
00:22:40Ja?
00:22:42Ja, aber jetzt zeig doch mal die neue Wohnung.
00:22:45Du, das ist gerade schlecht, weil der Akku ist gleich leer und das Kabel von der Steckdose, das langt bloß
00:22:50bis hierher und darum ist das ein bisschen schwierig.
00:22:53Roland?
00:22:54Sie grinst.
00:22:55Ja?
00:22:56Er klappt den Laptop halb zu.
00:22:58Roland?
00:22:59Mühsam steht er von seiner Matratze auf und hält flüchtig den Laptop in die Küche.
00:23:04Die geräumige Küche.
00:23:05Er streift das Bad.
00:23:07Und hier fließt das Bad.
00:23:09Roland?
00:23:10Er blickt zum Laptop.
00:23:11Und hier?
00:23:12Er schaltet das Licht an.
00:23:14Das Wohnzimmer.
00:23:15Du bist ja lustig.
00:23:16Er schaut sich um.
00:23:17Roland?
00:23:18Blickt zum Stuhl.
00:23:19Hallo?
00:23:20Stellt ihn vor die Panoramawand.
00:23:21Roland?
00:23:22Setzt sich und klappt den Bildschirm auf.
00:23:25Mit Aussicht.
00:23:26Sibylle schaut entgeistert.
00:23:28Hinter ihm ragen Palmen ins Bild.
00:23:31Romantisch.
00:23:34Ja, das ist ja nicht für immer.
00:23:36Resigniert schaut sie zur Seite.
00:23:37Du fälschst mir.
00:23:39Ich habe mich da selber schuld.
00:23:40Du füllst dich auch nach Duisburg.
00:23:42Ich habe ja extra das Rasierwasser drauf, du, was du so gern hast.
00:23:45Sie lächelt.
00:23:46Hör auf, wenn du es jetzt gerade riechen kannst.
00:23:49Sie blickt auf.
00:23:50Du fälschst mir auch.
00:23:52Ich lauf gut, Schneckeli.
00:23:53Wow, Schneckeli.
00:23:55Die Online-Telefonie wird beendet.
00:23:58Reuter klappt den Laptop zu und blickt auf die große Kokerei, deren Anlage das gesamte Fenster ausfüllt.
00:24:04Vor dem Bürohaus der Firma Weckle wirft Cem einen Plastikbecher in eine Tonne mit blauem Deckel.
00:24:10Hey, mein lieber Freund.
00:24:13Cem trägt Kopfhörer auf den Ohren.
00:24:15Nimmst du mal bitte das Ding ab?
00:24:16Cem gehorcht.
00:24:17Sag mal, kannst du nicht lesen?
00:24:19Hier steht Altpapier drauf.
00:24:22Die große Politik, die kannst du ja schon, aber beim Tagesgeschäft, da hapert es noch, was?
00:24:26Ja, aber das wird ja am Ende eh alles zusammengeworfen und in der MV ein paar Tropfen verbrannt.
00:24:30Ach so, Herr Oberschlaule, aber darum geht es gar nicht.
00:24:32Dieser Müll wird gewogen und wenn der Plastik drin liegt, dann zahle ich mir das Doppelte.
00:24:36Cem blickt zur Seite.
00:24:38So.
00:24:38Reuter holt den Becher heraus.
00:24:40Jetzt machst du es gleich nochmal.
00:24:41Und zwar richtig.
00:24:42Auf geht's.
00:24:42Komm.
00:24:43Widerwillig nimmt Cem ihm den Becher aus der Hand und wirft ihn mit Blick auf Reuter in
00:24:47die Tonne mit dem gelben Deckel.
00:24:49Also, geht doch.
00:24:52Sag mal, hast du schon mal eine Brezel backen?
00:24:54Nee.
00:24:54Gut, dann kommst du jetzt mal mit.
00:24:56Cem steckt sich eine Zigarette in den Mund.
00:24:58Na, auf geht's.
00:24:58Zigarette weg.
00:24:59Komm.
00:25:00Zwei Hände rollen Teig.
00:25:02Ich hab das mit 14 von meinem Vater gelernt.
00:25:04Cem nickt.
00:25:05Und wenn du beim Wettbewerb schaffen willst, dann musst du wissen, wie man eine Brezel backt.
00:25:08Weil das ist die Basis von allem.
00:25:11Und ihr, junge Leute, ihr seid die Zukunft vom Weglegen.
00:25:15So.
00:25:16Nicht zu viel Teig und nicht zu wenig.
00:25:17Und das Wichtigste ist der Schwung.
00:25:19Er schwingt den Teig zu einer Brezel.
00:25:21Und?
00:25:22Cem lächelt.
00:25:23Nicht schlecht.
00:25:24Das ist ein Brezel.
00:25:26So.
00:25:27Er hält Cem Teig hin.
00:25:28Komm.
00:25:29Der nimmt ihn.
00:25:30Schön rollen.
00:25:32Na, auf.
00:25:33Cem rollt den Teig.
00:25:35Genau.
00:25:35Die mit Schwung geworfene Rolle landet als Schlinge auf dem Tisch.
00:25:40Hey, das ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
00:25:42Mach nochmal.
00:25:44Einträchtig stehen sie vor der Arbeitsfläche.
00:25:46Cem rollt und wirft.
00:25:47Eine Brezel ist erkennbar.
00:25:49Na also.
00:25:50Cem strahlt.
00:25:51Ich hab doch gleich gewusst, dass du mehr in der Lage bist, als bloß blöde Sprüche zu klopfen.
00:25:56So.
00:25:57Die nächsten zwei Wochen bleibst du hier und übst.
00:25:59Weil Übung macht den Meister.
00:26:01Aber ich bin in der Verwaltung.
00:26:03Da schlafen schon genug Leute.
00:26:04Lächelnd geht Reuter.
00:26:06In seinem Büro.
00:26:07So.
00:26:08Vor einem Whiteboard.
00:26:09Das ist besser als jeder Computer.
00:26:11Zu Grabowski.
00:26:12Da hat man das Wichtigste sofort vor Augen und weiß immer, woran man ist.
00:26:15Guck dir.
00:26:16Das ist die Ausgabenlinie und das ist die Einnahmenlinie.
00:26:20Verstehen Sie?
00:26:21Und in dem Moment, wo die beiden Linien, die rote und die grüne, sich treffen,
00:26:25dann haben wir es geschafft.
00:26:26Und dass das möglichst früh passiert, das ist unser Ziel.
00:26:28Was?
00:26:28Er kneift die Augen zusammen.
00:26:30Was?
00:26:31Na, Sie sind jetzt Teil einer Taskforce, ja?
00:26:33Und das Ziel von der Taskforce ist es, dass die beiden Linien sich möglichst früh kreuzet.
00:26:39Ja, logisch.
00:26:40So, das wird von jetzt an immer Ihre erste Tat am Morgen sein, da die Daten einzutragen, gell?
00:26:45Es kann ja nicht sein, dass mir hier die einzige Niederlassung von Beklis sind, die keine schwarze Zahlen schreibt.
00:26:50Und das bei dem Absatzmarkt vom gesamten Ruhrgebiet.
00:26:53Alles klar, Chef.
00:26:54Ja.
00:26:55Gelangweilt reicht Watzke Reuter die Post und blickt auf das Whiteboard.
00:26:58Ich verstehe ja nichts davon, aber ein bisschen Farbe kann nicht schaden.
00:27:01Um die Farben geht es nicht, Frau Watzke.
00:27:03Sie nickt Grabowski zu.
00:27:05Frau Watzke?
00:27:06Was ist eigentlich mit dem Termin mit der Gebäudereinigung?
00:27:08Die müssen doch längst da sein.
00:27:10Ah, das mache ich jetzt gleich.
00:27:12Wie, jetzt gleich?
00:27:13Ich konnte gestern keine E-Mails mehr verschicken.
00:27:15Was?
00:27:16Spieltag, MSV.
00:27:18Da kann ich ab elf keine E-Mails mehr verschicken.
00:27:20Reuter starrt sie an.
00:27:22Wegen den Ergebnissen.
00:27:24Darf ich mal?
00:27:25Sie stellt ihre Kaffeetasse ab und schreibt auf das Whiteboard.
00:27:27Elf?
00:27:29Frau Watzke.
00:27:29Ist eins, eins, ja?
00:27:3214 Uhr.
00:27:33Sie blickt Grabowski an.
00:27:36Eins, vier.
00:27:37Das habe ich einmal gemacht.
00:27:39Da habe ich um drei, also 15 Uhr, eine Mail verschickt.
00:27:42Da haben die Zebras 1,5 verloren gegen Düsseldorf.
00:27:45Ja, das mache ich nicht noch mal.
00:27:47Das ist aber nur an Spieltagen.
00:27:49Und meistens spielt der MSV ja Samstag, Sonntag.
00:27:51Ach ja.
00:27:52Und vor elf geht natürlich immer.
00:27:54Zehn ist?
00:27:55Grabowski, Nachblick auf das Board.
00:27:56Eins, null.
00:27:58Sie schlägt ihm auf den Oberarm, hebt den Daumen Richtung Reuter und geht zu ihrem Schreibtisch.
00:28:03Stolz lächelt Grabowski Reuter an.
00:28:05Wie macht ihr das weg?
00:28:06Reuter schüttelt mit geschlossenen Augen den Kopf und massiert seine Nasenwurzel.
00:28:11Zeit ist Geld.
00:28:12Wir können jetzt weiter rumsitzen und diskutieren, warum Frau Watzke den Termin nicht ausgemacht hat.
00:28:16Oder wir nutzen die Zeit und machen jetzt die Tour, die wir eigentlich morgen vorgehabt haben.
00:28:20Also nach meinen Berechnungen wäre es am besten, wir fangen in den Sternhausen.
00:28:23Ist mir völlig egal, wo wir anfangen.
00:28:24Jetzt kommen jetzt sowieso alle dran.
00:28:26So, komm jetzt.
00:28:27Grabowski tippt auf seinem Tablet und steigt in den Kombi.
00:28:30Zwei Angestellte blicken rauchend zu ihnen herüber.
00:28:34An einer roten Ampel fällt Reuters Blick auf ein Plakat.
00:28:38Extraschicht.
00:28:38Die Nacht der Industriekultur.
00:28:41Was ist das?
00:28:42Was?
00:28:43Na da, das Plakat.
00:28:44Grabowski lässt sein Fenster hinunter.
00:28:46Das?
00:28:46Das ist die Extraschicht.
00:28:48Das ist eine Veranstaltung mit 50 Spielorten hier in Pott.
00:28:52Geld, aber Kultur, ja?
00:28:53Ich glaube, da wollte man Arbeitsplätze mitschaffen.
00:28:56Erst kommt das Fressen, dann die Kultur.
00:28:58Der Kombi parkt vor einer Weckle-Bäckerei mit einem beschlagenen Schaufenster.
00:29:03Das ist unsere Filiale Sternhausen.
00:29:06Aha.
00:29:09Diskret nickend blickt Grabowski weg.
00:29:13Ja, Lian?
00:29:15Papa, Mama dreht jetzt völlig durch.
00:29:17Was ist denn los?
00:29:19Ich darf jetzt nicht zur Geburtstagsparty von Maike, weil ich lernen soll.
00:29:23Ja gut, ich schwätze mit ihr.
00:29:25Ja und wann?
00:29:26Am Wochenende.
00:29:28Es ist viel zu spät, die Party ist schon am Donnerstag.
00:29:30Grabowski nähert sich.
00:29:31Klar, selbstverständlich, ich werde mich da persönlich drum kümmern.
00:29:34Ja.
00:29:35Genau, und ich melde mich dann später nochmal.
00:29:37Ja, bis dann.
00:29:39Der Hauptsitz in Stuttgart?
00:29:41Ja, genau.
00:29:42Auf geht's.
00:29:44Sie betreten die Weckle-Filiale.
00:29:47Ja, gut, tschüss.
00:29:49Dankeschön.
00:29:50Rauch zieht vorbei.
00:29:51Sind Sie hier die Filialeiterin?
00:29:53Jawohl, Schätzchen.
00:29:55Sind Sie darüber im Klaren, dass Ihre Bäckerei eine Filiale der Firma Weckle ist?
00:29:59Ja, es steht doch draußen dran, Wolf.
00:30:00Wieso?
00:30:02Im Lebensmittelhandel ist das Rauchen strikt untersagt.
00:30:04Er zeigt auf einen Raucher.
00:30:05In 15 Jahren beim Weckle habe ich sowas noch nie erlebt.
00:30:07Ist er nur heute.
00:30:09Wegen Sie Kälte heute.
00:30:11Wissen Sie, dass der Laden hier dicht gemacht werden kann?
00:30:14Und zwar morgen, wenn in der Verkaufsstelle geraucht wird.
00:30:16Ich spreche hier als Ihr Arbeitgeber.
00:30:18Es geht um Ihren Arbeitsplatz.
00:30:20Wenn der zuständige Beamte vom Gesundheitsamt den Saustall sieht,
00:30:23dann können Sie Ihre sieben Sachen packen.
00:30:25Und zwar schneller, als dass Sie Hallo sagen können.
00:30:26Hallo?
00:30:27Der zuständige Beamte, der sitzt da.
00:30:30Entgeistert schaut Reuter zu dem älteren Mann in grauem Jackett und grauem Pullover,
00:30:34der gerade seine Zigarette ausdrückt.
00:30:36Und anschließend zu Grabowski.
00:30:38Sie fahren an der Zeche vorbei.
00:30:40Mit den Händen am Steuer blickt Grabowski auf zwei Fotos am Armaturenbrett.
00:30:45Ist das Ihre Familie?
00:30:48Ja, ja.
00:30:49Da können Sie aber stolz drauf sein, wenn ich das mal so sagen darf.
00:30:53Ja, das dürfen Sie.
00:30:55Und Sie und Ihre Frau, wo haben Sie sich kennengelernt?
00:30:59Ja, das ist eine lange Geschichte.
00:31:02Blick auf das Werksgelände von Weckle.
00:31:05Zu meinem großen Bedauern bin ich mich getwungen, Ihnen mitzuteilen,
00:31:09dass ich einen Beamten Ihrer Behörde in, und ich betone, in,
00:31:14einer unserer Verkaufsfilialen rauchend angetroffen habe.
00:31:17Hennen Sie das?
00:31:17Ja.
00:31:18Gut.
00:31:19Ich bitte Sie, die notwendigen disziplinarischen Schritte umgehen.
00:31:22Herr Reuter.
00:31:23Hä?
00:31:24Entschuldigung.
00:31:25Aber wollen Sie das nicht noch mal übers Wochenende liegen lassen?
00:31:27Warum?
00:31:28Wollen Sie wirklich das Gesundheitsamt gegen sich aufbringen?
00:31:31Frau Watzke, es handelt sich hier um ein nicht tolerierbares Verhalten
00:31:34eines Beamten einer staatlichen Behörde.
00:31:37Wo kommen wir denn da hin?
00:31:38Wir sind heute in Italien.
00:31:40Ja, ich wollte es ja nur mal gesagt haben.
00:31:41Also, wo sind wir stehen bleiben?
00:31:43Disziplinarische Schritte.
00:31:44Umgehend einzuleiten, ja, und dann MFG und der ganze Schnickschnack.
00:31:47Und das schicken Sie bitte heute noch als E-Mail raus.
00:31:49Resigniert blickt Watzke auf ihre Armbanduhr.
00:31:52Vor dem runden Eck stellt ein Mann mit Stoppelfrisur dem Rotblonden
00:31:56eine Flasche Bier auf den Tisch.
00:31:58Danke, Rudi.
00:32:00Der Rotblonde blickt zu Reuter, der einen Stapel Mappen zum Haus trägt.
00:32:04Nachtmeister.
00:32:04Ohne sich umzuschauen hebt Reuter die Hand.
00:32:07In kariertem Hemd sitzt Reuter an seinem Küchentisch,
00:32:10vor sich eine aufgeschlagene Mappe,
00:32:12dahinter zwei weitere Stapel und sein Laptop.
00:32:15Er dreht sich zu einer Mikrowelle um
00:32:16und entnimmt ihr eine Aluschale mit einem Fertiggericht.
00:32:19An einem Bandkalender streicht er einen Tag durch.
00:32:22In der Kantine stellt Grabowski ein Tablett mit zwei Mahlzeiten auf den Tisch.
00:32:26Danke.
00:32:28Einen guten.
00:32:29Ihnen auch.
00:32:30Grabowski klemmt sich eine Papierserviette in seinen Pullover-Ausschnitt.
00:32:34Im Zimmer mit der Südsee-Wand montiert Reuter ein schwarzes Holzregal.
00:32:39Reuter vervollständigt die Linien auf dem Whiteboard.
00:32:42Sie verlaufen parallel.
00:32:44Er streicht sich über die Augen.
00:32:47Im Dunklen kommt Reuter aus dem Mietshaus.
00:32:49Drei Männer stehen vor dem runden Eck.
00:32:52Hör doch auf.
00:32:54Das ist unser Krachenmeister.
00:32:57Schönes Wochenende, Herr Reuter.
00:32:58Bis Montag beim Beckle.
00:32:59Gute Fahrt.
00:33:00Danke.
00:33:01Zwei Tage, eins im Frühjahr.
00:33:03Naja, vielleicht sieben.
00:33:04Reuter legt sein Gepäck in den Kofferraum seines Kombis.
00:33:07Blick auf Stuttgart im Sonnenlicht.
00:33:10Hier ein Aufschlag.
00:33:11In der Halle des Tennisclub Killesberg spielen Reuter und Sibylle gegen ihren Kollegen und eine blonde Frau.
00:33:17Deren Ball landet im Netz.
00:33:19Ja.
00:33:200,15.
00:33:21Macht doch nix.
00:33:23Komm.
00:33:24Ja.
00:33:25Der Kollege schlägt auf.
00:33:26Reuter steht auf der hinteren Linie und pariert.
00:33:29Die blonde schlägt einen langen Ball über das Netz, der an Reuter vorbeigeht.
00:33:35Super Ball.
00:33:3715 Ohr.
00:33:37Spiel gefälligst auf die Rückhand von den Mädels.
00:33:39Das ist der Schwachpunkt von denen, ja?
00:33:40Ich spiele so gut, wie ich kann.
00:33:41Es hat nichts damit zu tun, wie gut man spielt.
00:33:43Es geht um Taktik.
00:33:44Ja, tut mir leid, dann bin ich da wohl zu blöd dafür.
00:33:46Warum sag ich dir, das Spiel auf ihrer Rückhand ist ihre Schwachstelle?
00:33:48Das ist doch Quatsch.
00:33:49Du sagst, das Spiel schon verlieren wir.
00:33:51Ja, und?
00:33:52Ähm, sollen wir vielleicht mal wechseln?
00:33:54Ja, total gern.
00:33:55Sibylle wechselt die Seite.
00:33:57Ja, von mir aus.
00:33:58Die Frauen klatschen sich ab.
00:34:00Willst du aufschlagen oder gleich wieder vor?
00:34:03Zu der Blonden.
00:34:04Ah, da kannst du ruhig vorne bleiben.
00:34:06Kopfschüttelnd geht Reuter zur Grundlinie.
00:34:08Dieser Scheißsektor.
00:34:10Er begibt sich in Position und zupft am Ärmel seines blauen Shirts.
00:34:14Der Kollege bereitet seinen Aufschlag vor.
00:34:16Bist du bereit?
00:34:17Ja, mach.
00:34:18Der Kollege schlägt auf, Reuter pariert.
00:34:22Die Männer wechseln Bälle.
00:34:24Dann schlägt Sibylle den Ball an ihrem Mann vorbei.
00:34:28Sie macht eine Siegesgeste.
00:34:30Ihr Kollege grinst.
00:34:31Warum musst du eigentlich immer so verbissen sein beim Tennis?
00:34:34Weil ich winne will.
00:34:35Das kann doch nicht nur darum gehen.
00:34:37Ich meine, guck mal, wir sind doch befreundet mit dem Alexander.
00:34:39Das ist doch voll peinlich.
00:34:41Auf dem Platz bin ich wie niemand befreundet.
00:34:42Ach, du bist echt so...
00:34:44Na, was macht ihr denn heute noch?
00:34:46Eine Staatsgalerie, ist eine Hockney-Ausstellung.
00:34:48Ach ja, klar. Viel Spaß.
00:34:49Danke.
00:34:50Kannst du ja nachkommen.
00:34:51Ja, gern.
00:34:52Bis später.
00:34:53Auf dem herbstlichen Parkplatz schaut Reuter an der offenen Heckklappe Sibylle skeptisch an,
00:34:58während Alexander und seine Begleiterin auf ein altes französisches Auto zustreben.
00:35:03Alexander grinst Reuter an.
00:35:05Das Ehepaar Reuter sitzt im Kombi in einer Waschstraße und starrt auf eine breite Reinigungsbürste,
00:35:10die die Frontscheibe säubert.
00:35:12Können wir vielleicht auch mal was zusammen unternehmen, was nichts mit Sport zu tun hat?
00:35:16Warum?
00:35:16Du bist doch Sportlehrerin.
00:35:18Langsam wird der Kombi durch die Waschstraße gezogen.
00:35:22Ich war jetzt drei Wochen allein mit der Lea daheim. Das, was auch nicht ausmacht.
00:35:26Ja, ich weiß. Ich versuche ja bloß so schnell wie möglich zurückzukommen.
00:35:30Und an dem Wochenende, da habe ich dort ein Büro in Mayruhe.
00:35:34Sibylle atmet tief ein, während Reuter sie aus den Augenwinkeln anblickt.
00:35:41Jetzt habe ich die Lea ganze Wochenende nicht gesehen.
00:35:44In ihrem Haus.
00:35:45Ich kann ja schlecht verbieten, bei der Sophia zu übernachten, weil der Vater jetzt in Duisburg arbeitet.
00:35:49Ich meine ja bloß.
00:35:51Reuter packt seine Reisetasche.
00:35:52Mir wäre es auch lieber, wenn du mehr hier wärst.
00:35:55Dann könntest du ja vor allem diesen Quatsch mit der Voss ausreden.
00:35:57Voss?
00:35:59Fachoberschule.
00:36:00Deine Tochter will das Gymnasium abbrechen und Hotelfahrfrau werden.
00:36:04Ja, ich schwätze mit ihr.
00:36:06Langsam blickt Reuter auf.
00:36:09Das ist ja nett, dass du die Arme ablicken lässt.
00:36:11Hi Papa.
00:36:13Ich muss gleich wieder los.
00:36:14Ja, ich habe bei Sophia geschlafen und dann lasse ich auf einmal fünf.
00:36:17Und dann, keine Ahnung.
00:36:19Lea geht.
00:36:21Sibylle stößt ihren Mann an.
00:36:23Hotelfahrfrau ist kein Beruf.
00:36:25Klar ist das ein Beruf.
00:36:27Sophia macht das auch.
00:36:28Lea kommt zurück.
00:36:29Beide schauen kurz zu Roland.
00:36:31Ich meine, du willst doch immer, dass ich Sprachen lerne.
00:36:33Als Hotelfahrfrau kannst du auf der ganzen Welt arbeiten.
00:36:36Und in der Voss musst du auch Sprachen lernen.
00:36:38Sophia kann schon voll gut Russisch.
00:36:39Was willst du mit Russisch?
00:36:41Du kannst ja nun nicht mal richtig Englisch.
00:36:42Ja, Englisch lernt man da auch.
00:36:44Ohne Abitur bist du niemand.
00:36:46Na komm mal, echt.
00:36:46Vielen Dank, ja.
00:36:48Das habe ich jetzt so nicht gemeint.
00:36:50Also, ja, aber es stimmt doch.
00:36:52Heutzutage kriegst du ohne Abitur nicht mal eine Lehrstelle.
00:36:55Ja, aber mit Fach habe ich schon.
00:36:58Eindringlich nickt Sibylle ihrem Mann zu.
00:37:00Ja, jetzt komm, Lea.
00:37:03Der Mutter hat schon recht.
00:37:05Ja, die zweite, die haben sich halt einfach geändert.
00:37:08Er hebt die Schultern.
00:37:10Du bist so feige, Papa, ne?
00:37:12Du hast doch nur keinen Bock, dich mit Mama zu streiten.
00:37:14Ich? Feige?
00:37:15Ja, feige.
00:37:16Auch letztens, als du so blöd offiziell am Telefon geredet hast.
00:37:19Du hast mich nicht mehr zurückgerufen.
00:37:22Ey, ihr seid so scheiße, ne?
00:37:23Alle, beide.
00:37:24Betroffen blickt Sibylle ihr hinterher.
00:37:26Sie dreht sich zu ihrem Mann um, der auf den Tisch starrt.
00:37:29Was war denn da am Telefon?
00:37:30Er schüttelt abwiegelnd den Kopf.
00:37:35Lea.
00:37:36Was ist?
00:37:37In einem hellen Dachzimmer liegt Lea Beuchlings auf ihrem Bett und schaut sich Fotos an.
00:37:42Ihr Vater tritt ein.
00:37:45Du, es tut mir leid, weil ich den Telefon hat neulich.
00:37:49Reuter setzt sich auf einen Sitzball am Fußende.
00:37:53Aber was, wenn ich von meiner Angestellten in Duisburg verlange, dass ich mitziehe,
00:37:57dann muss ich selber mit gutem Beispiel vorangehen.
00:38:01Und dann kann ich nicht in der Arbeitszeit Privatgespräche führen.
00:38:05Man kann ja wenigstens mal Tschüss sagen oder zurückrufen.
00:38:08Naja, das stimmt.
00:38:10Zerknirscht lächelt er sie an.
00:38:13Stehst du jetzt auf grün?
00:38:15Wieso?
00:38:16Nein, deine Fingernägel, die waren sonst immer schwarz.
00:38:19Ihr Blick gleitet zu ihren grün lackierten Fingernägeln.
00:38:22Ja.
00:38:24Das steht hier.
00:38:26Das ist doch besser als immer bloß schwarz.
00:38:27So ein bisschen lebensbejahend, das kann ja nicht schade.
00:38:31Er lächelt sie offen an.
00:38:33Lea grinst und wirft mit einem Kissen nach ihm.
00:38:36Sei vorsichtig, Papa.
00:38:39Er presst lächelnd die Lippen zusammen und klopft auf ihr Bein.
00:38:43An der Tür dreht er sich nochmals um.
00:38:46Tschüss.
00:38:47Lea lächelt traurig und drückt ein Kissen an sich.
00:38:51Fahr gut.
00:38:53Sibylle bleibt an der Haustür stehen, während Reuter mit seiner Reisetasche zum Kombi geht.
00:38:57Sie blickt auf ihr Smartphone und tippt lächelnd mit einer Hand eine Nachricht.
00:39:01Ihr Mann beobachtet sie von der Straße aus.
00:39:05Tschüss.
00:39:06Mhm.
00:39:07Sie blickt nur kurz von ihrem Smartphone auf.
00:39:12Aus dem Auto beobachtet er, wie sie ins Haus geht und ohne sich umzudrehen die Tür hinter sich schließt.
00:39:23Abendlicht fällt auf die regenfeuchte Autobahn.
00:39:25Im Hintergrund erhebt sich eine beleuchtete Burg auf einer kleinen Anhöhe.
00:39:32Reuter fährt vor seinem Mietshaus vor.
00:39:34Die Jalousien des einstöckigen, runden Eck sind vor den beleuchteten Fenstern heruntergelassen.
00:39:40Reuter parkt rückwärts in eine Parklücke ein.
00:39:43Mit fragendem Blick dreht er sich um und steigt raus.
00:39:50Er entdeckt eine tote Taube zwischen Reifen- und Bordsteinkante.
00:39:54Widerliche Flugrate.
00:39:56Reuter wirft einen prüfenden Blick zum runden Eck und öffnet den Kofferraum.
00:40:00Mit einem Küchentuch hebt er die Taube auf, legt sie an ein Backsteinmäuerchen, das das Mietshaus vom Bürgersteig trennt, und
00:40:07scharrt mit dem Fuß Laub auf sie.
00:40:09Die weißen Deckfedern der Taube sind gleichmäßig schwarz gemustert.
00:40:13Der taghelle Himmel über dem Werksgelände der Firma Weckle ist leicht bewölkt.
00:40:18Grabowski beobachtet eifrig die Handgriffe eines Monteurs an einer Maschine.
00:40:26Energisch nähert sich Reuter von hinten.
00:40:28So, was ist los hier?
00:40:29Chef, wir haben schon alles versucht.
00:40:32Die Maschine ist kaputt.
00:40:33Der ist nicht.
00:40:34Warum eine neue?
00:40:35Der stellt euch so ein Passer.
00:40:37Nichts da.
00:40:38So, sie ruft jetzt sofort den Stuttgart an und lasst dich mit dem Wartungsdienst verbinden, ja?
00:40:41Gucken Sie hier.
00:40:42D, E, B, 34.
00:40:44Die Nummer brauche ich.
00:40:45Auf geht's.
00:40:46Beflissen notiert Grabowski die Nummer.
00:40:48Durch einen Spalt zwischen zwei Maschinen beobachtet Reuter, wie Cem mit Kopfhörern auf dem Kopf umständlich Teigrollen knotet.
00:40:54Was bitte soll das sein?
00:40:57Ey.
00:40:58Er tat nimmt Cem die Kopfhörer ab.
00:41:00Was bitte soll das sein?
00:41:01Na was wohl?
00:41:03Aber ihr habt ja doch gezeigt, wie das geht mit dem Schwung.
00:41:06Ich bin Auszubildende in der Verwaltung und nicht in der Fertigung.
00:41:08Ja, das kann ja sein, aber du sollst hier erstmal schaffen lernen.
00:41:10Ja, aber das ist mir auf Dauer viel zu stumpf.
00:41:12Wie bitte?
00:41:13Ja, ich bin doch nicht hier zum Kuchenbacken.
00:41:15So, dafür bleibst du jetzt noch zwei Wochen länger hier.
00:41:17Ja, und deine Kopfhörer, ja, die kannst du auch ausziehen.
00:41:19Sowas hat in der Backhalle nichts verloren.
00:41:21Cem streckt sich.
00:41:22Dann geh ich mal zum Betriebsrat.
00:41:23Das kannst du versuchen, aber noch bin ich der Chef hier.
00:41:25Hinter Reuters Rücken schleudert Cem einige Teigstücke zu Boden.
00:41:29Jäh dreht Reuter sich um.
00:41:31Cem lehnt sich gegen einen zweiten Arbeitstisch.
00:41:33So, Kerle, jetzt reicht's.
00:41:36Du stehst schön auf.
00:41:38Stehst du auf?
00:41:39Steh auf!
00:41:40Einige Bäcker drehen sich um.
00:41:42Mein lieber Freund, es ist nicht so, dass es hier um mich geht, ja?
00:41:46Dass du deinen Chef respektlos behandelst.
00:41:48Das ist mir egal.
00:41:48Es geht darum, dass du Firmen-Eigentum zweckentfremdest.
00:41:52Er hebt den Teig vom Boden auf.
00:41:54Leute!
00:41:55Das kostet Geld.
00:41:57In dem Batze-Teig steckt eine Arbeitsleistung.
00:42:00Verstehst?
00:42:00Cem verschränkt die Arme.
00:42:02Nicht schaffen wolle, aber Geld verdienen.
00:42:04So siehst du aus.
00:42:05Ich will nicht wissen, was es kostet, sich da so einen Nase-Ring durch die Lippe ziehen zu lassen.
00:42:09Für sowas habt ihr Geld.
00:42:10Das hab ich mir selbst gemacht.
00:42:11Weißt du, wie egal mir das grad ist?
00:42:14Weil ich jetzt nämlich hier mal ein Exempel stationierer werd, ein Statuierer werd.
00:42:18Und zwar an dir.
00:42:19Damit du mal auf den Boden der Tatsachen kommst.
00:42:21Du kannst heute nur deine Zeug packen.
00:42:23Du bist fristlos gekündigt.
00:42:25Ach, hast du, wie sie haben Kündigungsfrist.
00:42:27Du, von mir aus, tat ich dir dein Gehalt bis zum St. Nimmerleins-Tag.
00:42:30Wenn du heute aus dem Betrieb verschwindest, dann ist es unter dem Strich immer noch billiger für uns alle.
00:42:35Beim Weckle.
00:42:36Dann kann ich ja jetzt gehen.
00:42:37Ja, und zwar sofort.
00:42:39Betont langsam nimmt Cem seine Bäckermütze herunter.
00:42:42Und ich soll es schaffen.
00:42:43Und ich glotze.
00:42:44Bestürzt senkt Grabowski den Blick auf sein Tablet.
00:42:46Cem bindet seine Schürze auf.
00:42:50Mach mal die Maschine sauber.
00:42:51Sieht aus wie im Saustall hier.
00:42:54Er geht.
00:42:54Cem wirft die Schürze zu Boden.
00:42:58In seinem Büro steht Reuter am Fenster und trinkt Wasser.
00:43:01Der Cem ist eigentlich ein guter Junge.
00:43:04Was hab ich gemerkt?
00:43:05Der kommt aus schwierigen Verhältnissen.
00:43:07Die Mutter lebt nicht mehr, der Vater trinkt und die beiden älteren Brüder sind arbeitslos.
00:43:12Umso wichtiger ist es, dass der Kerl wieder auf den Pfad der Tugend zurückfindet.
00:43:15Ich kenne den Cem jetzt schon, seit er so groß ist.
00:43:18Der hat das Herz am rechten Fleck.
00:43:20Aber die Geschichte mit seiner Mutter.
00:43:22Ich bin aber nicht vom Sozialamt.
00:43:24Ich bin dafür da, dass der Ladeherr funktioniert.
00:43:28Und ihr könnt nicht froh sein, dass ich überhaupt irgendjemanden nachstelle, der dafür sorgt, dass ihr ihr beste Fresse habt.
00:43:32Grabowski blickt vom Whiteboard auf.
00:43:33Watzke greift zu einem Fax.
00:43:35Hier, von wegen Amt, ja.
00:43:38Vom Gesundheitsamt.
00:43:39Gequält schaut Reuter sie an.
00:43:40Ab jetzt alle 14 Tage Kontrolle in alle Weckle-Filialen in NRW.
00:43:46Reuter nimmt ihr das Fax ab und liest.
00:43:49Chef, soll ich nach dem Gesundheitsamt gehen und mit denen reden?
00:43:52Ja, machen Sie das doch mal, Herr Grabowski.
00:43:54Der geht beflissen.
00:43:55Na, ob der Dietmar da der Richtige für ist?
00:43:58Warum? Dem Herrn Grabowski traue ich einiges zu.
00:44:01Der will wenigstens schaffen.
00:44:03Entgeistert blickt Watzke ihm hinterher.
00:44:06Im Dunkeln schließt Reuter die Heckklappe seines Kombis.
00:44:08Mit einer Papiertüte in der Hand geht er am runden Eck vorbei Richtung Mietshaus.
00:44:13An dem Backsteinmäuerchen bleibt er stehen.
00:44:18Er folgt dem Pfeifen hinter den runden Pavillon.
00:44:21Dort stehen einige Menschen mit gesenkten Köpfen im Kreis.
00:44:25Was ist denn hier los?
00:44:26Da Walker...
00:44:27Die Mavi ist überfahren worden.
00:44:28Was?
00:44:30Das ist ja...
00:44:32Das tut mir aber leid.
00:44:34Schwein ist einfach abgehauen.
00:44:36Fahrerflucht.
00:44:37Und was sagt die Polizei?
00:44:38Die haben Wichtigeres zu tun.
00:44:40Die müssen doch wegen der Beweisaufnahme machen.
00:44:42Die rücken doch wegen der Taube nicht aus.
00:44:45Wie...
00:44:47Ach so.
00:44:49Die Mavi war bloß der Taube.
00:44:52Was heißt denn hier bloß?
00:44:54Alle drehen sich mit einem Ruck zu ihm um und starren ihn an.
00:44:58Keine Runde auskäppen.
00:45:00So zur Beerdigung.
00:45:02Nee, nee, lass mal.
00:45:04An Sonntag ist uns nicht nach Feiern zumute.
00:45:07Ich sag euch eins, das waren bestimmt die von der Roten Feder.
00:45:10Das ist kein Zufall.
00:45:12Das hat ausgerechnet die Mavi war.
00:45:13Unser bestes Pferd in den Stall.
00:45:15Vorletzte Woche Lissabon, diese Woche Kiew.
00:45:18Das wäre ein deutscher Rekord in einem Monat.
00:45:21Wenn ich den finde, mache ich den fertig.
00:45:24Der Rotblonde schlägt eine Faust in seine Handfläche.
00:45:28Reuters Lippen zucken.
00:45:30Demir küsst ein Kreuz aus Zweigen und steckt es in einen Erdhaufen.
00:45:33Horst nimmt seine Mütze ab.
00:45:37Reuter steht mit seinem Handy am Ohr am Fenster, hinter dem die Kokerei in den Abendhimmel ragt.
00:45:43In Stuttgart steht das schnurlose Telefon in einer Ladestation.
00:45:47Reuter löscht das Licht in seiner Wohnung und verlässt sie.
00:45:51Vor Eddies Ballruhm stehen zwei Fahrräder.
00:45:54Drei Billiardkugeln liegen auf grünem Filz.
00:45:58Herr Reuter?
00:45:59Ach, das gibt es doch nicht.
00:46:01Spielen Sie etwa ganz alleine?
00:46:03Ich versuche mich gerade selber zu schlagen.
00:46:05Das kann ich ja ganz gut.
00:46:07Watzke trägt einen MSV-Fanschal.
00:46:09Jedenfalls lege die volle vorne.
00:46:11Na, das wird sich gleich ändern.
00:46:13Darf ich?
00:46:13Sie nimmt ihm den Kö ab, stellt ihr Bierglas auf die Tischkante,
00:46:17stößt ihn mit der Hüfte zur Seite und beugt sich über den Tisch.
00:46:20Reuter nickt.
00:46:22Er greift zu seinem Bier.
00:46:24Sie lächelt ihn mit geschlossenen Lippen an und kreidet den Kö ein.
00:46:28Was ich mache, mache ich falsch.
00:46:31Vieles machen Sie doch schon ganz gut.
00:46:33Ja, die Kurven auf Ihrem Dienstag, die nähern sich doch schon an.
00:46:37Ja, das stimmt.
00:46:40Aber sonst...
00:46:41Unsicher blickt er sie an.
00:46:44Sie sitzen an einem Tisch.
00:46:46Dabei meine ich alles gut, aber...
00:46:48Es wird alles bloß schlecht.
00:46:50Aufmerksam hört sie zu.
00:46:53Wir ticken hier ein bisschen anders als die Menschen bei Ihnen in Stuttgart.
00:46:57Wie meine ich Sie das?
00:46:59Na ja, wir haben hier nicht so schicke Fahrzeuge und teure Wellnessbäder.
00:47:03Jeder hat hier ein paar Arbeitslose in der Familie.
00:47:06Er kippt sich Erdnüsse mit der Hand in den Mund.
00:47:09Aber um ein bisschen Spaß zu haben, brauchen wir auch nicht viel.
00:47:12Er lächelt kaum.
00:47:13Und wir halten zusammen, egal was kommt.
00:47:18Es ist eigentlich ganz einfach.
00:47:20Sie blickt ihm in die Augen.
00:47:21Sie müssen auf die Menschen zugehen, Herr Reuter.
00:47:24Ja, wenn sie das sagt.
00:47:27Er nickt scheu und trinkt einen Schluck Bier.
00:47:30Blick auf eine Voliere mit taubenden, trübem Tageslicht.
00:47:33Im runden Eck brennt Licht.
00:47:36Kommen wir zur Top 2.
00:47:38Schlagbesichtigung im Vereinsheim der alten Kameraden in Gladbeck.
00:47:42Anschließend Umtrunkf.
00:47:44Kostenbeitrag 89 pro Person.
00:47:46Wer ist dafür?
00:47:47Von das letztes Mal nicht nur 88?
00:47:49Und sonst ist nur der Tod.
00:47:51Bitteschön.
00:47:52Also, wer ist dafür?
00:47:53Ja.
00:47:55Horst steht auf und zählt die erhobenen Hände.
00:48:00Einstimmig.
00:48:01So, Top 3.
00:48:03Sehr gut.
00:48:04Top 3.
00:48:05Im Frühjahr ist die 52. westfälische Rassentaubenschau in Herne.
00:48:09Anmeldeschluss ist der 31.12.
00:48:12Boah, wenn wir die Mavi noch hätten, ne?
00:48:14Na, dann können die sich schön warm anziehen.
00:48:16Hauptsache die rote Feder gewinnt nicht.
00:48:18Stimmt.
00:48:18Die haben doch das Irrsinnszieche mit den weißen Spänkern.
00:48:21Wie heißt die nochmal?
00:48:22Ähm, hier, warte mal.
00:48:23Irgendwas mit A.
00:48:25Antje?
00:48:25Ne, das war ein Junge, war das.
00:48:27Anton?
00:48:28Mit einem Pappkarton unter dem Arm betritt Reuter das runde Eck.
00:48:31Und Ellen?
00:48:32Reuter?
00:48:34Ja, was verschafft uns denn die Ehre?
00:48:35Ja, also, so, ich hab aus Versehen eine Taube ersteigert.
00:48:40Da Vorka strahlt.
00:48:42Also, im Internet.
00:48:43Ich hab da die Taste gedrückt.
00:48:45Ja, ich wollte einfach bloß ein bisschen gucken, aber dann war es zu spät.
00:48:50Naja, weil ich gewusst hab, dass sie sich hier immer versammelt, dann hab ich gedacht,
00:48:53dass ich...
00:48:54Herr Reuter, ich wusste ja gar nicht, dass Sie ein Taubenfreund sind.
00:48:57Ja, bin ich auch gar nicht.
00:48:58Aber ich hab einfach gedacht, dass die hier vielleicht ganz gut aufgehoben werden.
00:49:03Er stellt den Karton auf einen Stehtisch.
00:49:05Der Rotblonde steht neugierig auf.
00:49:07Top 4!
00:49:08Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein.
00:49:10Ich melde hiermit einen neuen Tagesordnungspunkt an.
00:49:14Top 3a.
00:49:15Aufnahme eines neuen Mitglieds.
00:49:17Bitte?
00:49:19Ne, ne, ich hab bloß die Taube.
00:49:22Apokulores.
00:49:22Wer ist dafür?
00:49:23Außer Horst heben alle ihre Hände.
00:49:25Ey, das geht nicht.
00:49:27Wieso Dattel nicht?
00:49:28Leute, er ist noch nicht mal in Duisburg gemeldet.
00:49:31Ja, das ist richtig.
00:49:32Pappele, pappele, papp.
00:49:33Wer ist dafür?
00:49:34Am hinteren Tisch stehen alle mit erhobenen Händen auf.
00:49:37Horst zählt durch.
00:49:40Von mir aus, Reuter.
00:49:43Herr Reuter, herzlichen Glückwunsch zur Mitgliedschaft in unserem Taubenzüchterverein Kehre-Wieder.
00:49:50Sie haben die Mitgliedsnummer 23.
00:49:53Unter Taubenzüchterverein Kehre-Wieder hat eine traditionsreiche Geschichte.
00:49:56Alles, hör doch mal auf.
00:49:58Jetzt gib mir das Tier mal rüber.
00:49:59Ergriffen schüttelt Demir Reuter die Hand und bringt Davorka den Karton.
00:50:04Willkommen, Meister.
00:50:05Wenigstens sind wir jetzt einer mehr als die rote Feder.
00:50:07Dann haben wir die schon mal wieder überholt.
00:50:10Mitgliedermäßig.
00:50:11Horst verzieht das Gesicht.
00:50:12Mein lieber Kokoschitzki, wen haben wir denn da?
00:50:15Die hat aber ordentlich was im Rücken.
00:50:17Ich glaube, die heißt Veronika.
00:50:20Das kam mit dem Karton.
00:50:22Reuter reicht Horst ein Faltblatt.
00:50:25Mann, Mann, Mann, Mann, Mann, und sie hat doch noch einen ausgezeichneten Stammbaum.
00:50:30Boah, die muss ja ein Vermögen gekostet haben.
00:50:33Demir entkorkt eine Flasche.
00:50:35Ich wusste, dass der richtige Moment für diesen edlen Tropfen noch kommen wird.
00:50:38Der Rotblonde schenkt ein.
00:50:41Auf unser 23. Mitglied.
00:50:44Und auf Veronika.
00:50:45Wir begrüßen Herr Reuter mit einem dreifachen Gut-Pflug.
00:50:48Gut-Pflug.
00:50:49Gut-Pflug.
00:50:51Sie flattern mit angewinkelten Armen.
00:50:53Verwirrt blickt Reuter sich um.
00:50:55Blick auf die nächtliche Autobahn mit der beleuchteten Burg im Hintergrund.
00:50:59Reuter öffnet die Tür seines Hauses.
00:51:01Hallo.
00:51:02Sibylle eilt an ihm vorbei.
00:51:04Hallo.
00:51:04Da bist du ja endlich.
00:51:05Sie trägt ein kurzes Kleid.
00:51:07Wo will ich denn du hin?
00:51:08Ja, auf die Vanissage.
00:51:10Hä?
00:51:11Sie zieht einen Mantel an.
00:51:12Jenny hat doch die Ausstellung.
00:51:13Da wollten wir zusammen hin.
00:51:15Sag mal, hörst du mir auch nicht jemals zu?
00:51:17Ach so, die Vanissage.
00:51:19Sag mal, können wir da einfach was essen gehen?
00:51:20Nein, wir sind eh schon spät dran.
00:51:23Ich hab aber Hunger.
00:51:24Sie schaut ihn im Spiegel an und dreht sich dann zu ihm um.
00:51:28Ja, wenn du lieber hierbleiben möchtest.
00:51:30Nein, das ist schon okay.
00:51:32Er zieht die Jacke an.
00:51:33Aber du ziehst ja schon noch was anderes an.
00:51:35Er blickt an sich hinunter.
00:51:37Er trägt Pullover und Korthose.
00:51:40Er drückt ihr Schal und Jacke in den Arm.
00:51:43Bei der Vanissage.
00:51:44Darf ich Ihnen noch was anbieten?
00:51:45Warum mir nicht, vielen Dank.
00:51:46Gerne.
00:51:47Zu Reuter.
00:51:47Darf ich Ihnen auch noch was anbieten?
00:51:49Mhm.
00:51:50Er bedient sich ausgiebig vom Tablett mit Häppchen.
00:51:53So, die Profit.
00:51:55Du.
00:51:56Zu Sibylle.
00:51:57Ich frage mal, wenn ich das Geld vers esse.
00:51:58Lächelnd dreht sie sich zu ihm.
00:52:00Ich will schon mal probieren.
00:52:01Alexander nähert sich.
00:52:02Sibylle.
00:52:03Hallo.
00:52:04Da seid ihr.
00:52:05Jenny ist schon ganz aufgeregt.
00:52:07Angela Benetti ist da.
00:52:09Ja?
00:52:09Angela Benetti vom Ausschuss für die Stipendienvergabe für die Villa Massimo.
00:52:13Ach was.
00:52:14Ja, der Herr hinter mir, das ist Ludwig Kreil.
00:52:17Wer?
00:52:19Ludwig Kreil, der Insignal von der Staatsoper.
00:52:21Herr Kreil, Verzeihung, darf ich kurz vorstellen?
00:52:24Sibylle Reuter, Kollegin und eine große Liebhaberin der Kunst.
00:52:28Hallo.
00:52:29Nach einem Handkuss?
00:52:30Angenehm.
00:52:31Frau Reuter ist übrigens auch im Förderkreis der Staatsoper.
00:52:34Freut mich, dass Sie uns unterstützen.
00:52:35Ja, da weiß ich jetzt wenigstens, wo mein Geld vom Kunde so hingeht, ja?
00:52:38Und, wer sind Sie?
00:52:39Ah, Entschuldigung.
00:52:40Roland Reuter.
00:52:41Für Ehemann.
00:52:42Ah, ja.
00:52:43Sie entschuldigen mich.
00:52:45Kreil steuert auf einen Mann im hinteren Teil der Galerie zu.
00:52:48Das Licht wird langsam gedimmt.
00:52:50Die fangen jetzt gleich an.
00:52:51Wir sehen uns das spät.
00:52:53Zu ihrem Mann.
00:52:54Es geht gleich los.
00:52:55Er blickt missmutig.
00:52:56Seit wann schminkst du dir eigentlich die Augen?
00:52:58Hä?
00:52:59Ja, seitdem du dir das so Liedscherpelt drauf tust.
00:53:01Keine Ahnung, warum gefällt es dir nicht?
00:53:03Doch, aber es ist ja früher nicht.
00:53:05Alexander dreht sich lächelnd zu ihnen um, während zwei weißgekleidete Frauen auf einer Treppe eine einfache Choreografie aufführen.
00:53:12Sie tragen archaische Masken.
00:53:14Sibylle legt den Kopf schief.
00:53:21Also ich verstehe überhaupt nichts.
00:53:23Kreil stellt sich neben Sibylle.
00:53:25Also was darf man ja wahrscheinlich nicht laut sagen, gell?
00:53:28Kreil lacht.
00:53:29Er blickt Sibylle und den lächelnden Reuter an.
00:53:31Die Bewegungen der Frauen sind getragen.
00:53:33Sibylles Schultern zucken.
00:53:35Reuter schaut sie von der Seite an.
00:53:37Psst.
00:53:38Einvernehmlich grinsen sie.
00:53:46Herbstlicher Nebel liegt über Stuttgarts Talkessel.
00:53:49Reuter fegt den äußeren Eingangsbereich ihres Hauses.
00:53:54Morgen.
00:53:55Morgen.
00:53:56Ein Nachbar hebt grüßend die Hand.
00:54:01Sibylle korrigiert am Esstisch Klassenarbeiten.
00:54:03Von hinten nähert sich Reuter mit einem Glas Milch in der Hand.
00:54:06Sie schaut kurz auf.
00:54:08Kann ich irgendwas helfen?
00:54:10Dann könnt ihr mir noch was unternehmen.
00:54:12Na, du kannst ja schlecht die Französische Aufsätze für mich korrigieren.
00:54:15Sie lächelt leicht und er nickt.
00:54:20Als Roland den Raum verlässt, schaut sie flüchtig hinter ihm her.
00:54:25In Leas Zimmer.
00:54:27Lea?
00:54:28Oh, lass mich in Ruhe.
00:54:30Die Bettdecke bewegt sich.
00:54:31Langsam öffnet sich die Tür.
00:54:34So, ist doch schon Mittag.
00:54:35Na, und?
00:54:37Du, ich hab dacht mir zwei, ihr könntet was unternehmen.
00:54:40Ins Eiskaffee gehen oder so.
00:54:43Bis deine Mutter fertig ist.
00:54:45Träge öffnet Lea die Augen.
00:54:46Oh, ich weiß nicht.
00:54:48Er mustert sie enttäuscht.
00:54:50Reuter verstaut sein Gepäck im Kombi,
00:54:52wendet sich dem Haus zu und lässt seinen Blick über die Fassade gleiten.
00:54:56Aus dem Auto schaut er noch einmal zur geschlossenen Haustür.
00:54:59Von älteren Fotos am Armaturenbrett lächeln ihn Lea und Sibylle an.
00:55:05Die Sonne geht hinter einem Stadion mit Flutlichtmasten unter.
00:55:08Am Gesimmsstreifen steht Stadtwerke Duisburg.
00:55:12In seinem Büro stellt Reuter die Zeiger einer schmiedeeisernen Wanduhr.
00:55:17Zebra, weiß, blau, unser Klub der MSV.
00:55:21Auswärtssieh!
00:55:23Schalalalala, auswärtssieh!
00:55:25Reuter durchquert das Büro.
00:55:26Auswärtssieh!
00:55:27Oh, Entschuldigung.
00:55:28Aber der MSV hat gestern gewonnen.
00:55:304-2!
00:55:30Sie trägt den Fanschal.
00:55:32Gibt's die überhaupt noch?
00:55:33Ich hab dacht, ihr hättest die Lizenz hinzugewommen.
00:55:35Hallo?
00:55:36Wir haben noch eine Spielberechtigung für die dritte Liga.
00:55:39Dritte Liga?
00:55:40Ja, schönen Wetter-Fan kann jeder.
00:55:42Aber gerade in schwierigen Zeiten musst du dem Verein beistehen.
00:55:45Wenn man masochistisch vororaktisch vielleicht.
00:55:47Er führt seine Kaffeetasse zum Mund.
00:55:49Watzke schaut ihn böse an und er lässt den Arm wieder sinken.
00:55:52Wolltet ihr auch einen Kaffee?
00:55:54Nee.
00:55:55Mit hängenden Schultern betritt Grabowski das Büro.
00:56:00Wo kommen Sie jetzt her, Herr Grabowski?
00:56:02Aus der Stadt, vom Gesundheitsamt.
00:56:04Ah, und?
00:56:07Die haben unsere Filiale Sternhausen.
00:56:09Watzke blickt auf.
00:56:10Dicht gemacht.
00:56:12Häme schnickt sie Reuter zu.
00:56:13Der wirft ihr einen Blick zu.
00:56:17Wenn ich dir mal sage,
00:56:18da hat uns das Gesundheitsamt einen Gefallen getan.
00:56:21Die Filiale hätten wir sowieso dicht machen müssen.
00:56:24So kommen wir wenigstens um die Abfindung rum.
00:56:26Watzke wendet sich entnervt ab.
00:56:28Reuter blickt aus den Augenwinkeln
00:56:29zum fassungslosen Grabowski und zurück zu Watzke.
00:56:32Dann trinkt er einen Schluck Kaffee.
00:56:34Vor dem Mäuerchen seines Wohnhauses.
00:56:36Reuter auch eins.
00:56:37Reuter schaut zum runden Eck.
00:56:39Er lächelt.
00:56:40Warum nicht?
00:56:42Zwei Pilze sind auch eine Brezel.
00:56:44An einem Tisch
00:56:44Danke, Rudi.
00:56:45stehen Horst, Demir und der Rotblonde.
00:56:48Auf Ironika.
00:56:50Dass dir gut geht, dem neuen Verschlag.
00:56:53Gut Fluch.
00:56:54Reuter setzt die Flasche ab und schaut zur Seite.
00:56:57Er nickt.
00:56:59Hallo, Herr Jölderim.
00:57:00Cem bleibt stehen.
00:57:01Lange nicht gesehen.
00:57:03Tja, warum wohl?
00:57:05Und, wie läuft's?
00:57:07Bestens.
00:57:07Seit ich eigentlich die Zeit habe, da...
00:57:09Er klopft auf sein Instrument.
00:57:10Starten wir so richtig durch mit der Band.
00:57:12Eigentlich das Beste, was mir je passieren konnte.
00:57:15Cem, willst du einen mittrinken?
00:57:16Ich lade dich ein.
00:57:16Danke, Herr Jan Amscher.
00:57:17Ich muss los zur Probe.
00:57:20Es ist doch toll, dass es dem Kerl so gut geht.
00:57:22Von wegen.
00:57:23Der hat nur eine große Klappe.
00:57:24Das hat er von meinem Cousin gehabt.
00:57:2740 Bewerbungen und kein Vorstellungsgespräch.
00:57:29Nicht ein einziges.
00:57:31Und die Band?
00:57:32Band.
00:57:33Vielleicht mal ein Auftritt.
00:57:36Darauf kann ja keiner leben.
00:57:38Weil da Traumtänzer sind.
00:57:40Sie heben ihre Flaschen und prosten sich zu.
00:57:42Reuter blickt Cem sorgenvoll hinterher.
00:57:45Du, heut sind die Quartalszahler reinkommen.
00:57:47Vor dem Laptop.
00:57:48Ich konnte die Ausgabe an fast 4% senken.
00:57:50Zu Sibylle.
00:57:51Ich werde dann der jüngste Vorstand, den es beim Weckler je gegeben hat.
00:57:53Mit geschlossenen Augen reibt sie sich die Schläfe.
00:57:57Ich erzähl dir gerade, dass ich wahrscheinlich sieben Monate früher heimkomme.
00:58:00Dich interessiert das gar nicht?
00:58:02Doch, doch.
00:58:03Sie springt auf und läuft aus dem Bild.
00:58:05Jetzt mach mal die Musikleister zum Dokument oder mal.
00:58:09Mit einem Rotweinglas kommt Sibylle zurück.
00:58:13Kriege ich da jemand noch so auf den Tor?
00:58:14Sie trinkt einen Schluck und blickt ihn an.
00:58:42Sie rollt die Augen und trinkt einen Schluck.
00:58:45Vielleicht sollte die mal eher auf euch aufpassen.
00:58:48Sie stutzt.
00:58:50Lustig.
00:58:51Ich merke, wie der Alexander dich angräbt und tu ihn.
00:58:53Was?
00:58:54Ja, ja.
00:58:55Nötig da auf der Vernissage von der Jenny.
00:58:57Das war ja nämlich feierlich.
00:58:58Sie lächelt verständnislos.
00:59:00So ein Quatsch?
00:59:01Ich habe ein Auge im Kopf.
00:59:03Und jetzt noch Paris?
00:59:04Sie hält einen Kontoauszug vor die Webcam.
00:59:07Sagt dir das was?
00:59:08Sie blinzelt.
00:59:12Veronika, 850 Euro.
00:59:15Sie hält den Auszug näher an die Kamera.
00:59:17Sibylle, es ist was anderes.
00:59:19Ich fahre nicht zum Spaß nach Paris.
00:59:21Ohne noch einmal in die Kamera zu schauen, unterbricht sie die Verbindung.
00:59:25Watzke stempelt Papiere ab, während Reuter im Internet Carinas Reiseblog Paris die Stadt der Liebe betrachtet.
00:59:35Zerknirscht blickt er zu ihr herüber.
00:59:37Frau Watzke?
00:59:38Ja, bitte.
00:59:40Kann ich Sie mal was fragen?
00:59:43So von Mann zu Frau.
00:59:46In der Kantine.
00:59:47Ja, und da vorne, da hat er sich so weiße Strähnenlein einmachen lassen.
00:59:50Ich sage Ihnen, das sieht schlecht aus.
00:59:53Es gibt Typen, da sieht das richtig süß aus.
00:59:55Sein Lächeln gefriert.
00:59:57Ich meine, bei Ihnen würde ich das jetzt auch nicht machen lassen, aber wenn man da Typ für ist.
01:00:00Also als Erwachsener Mann macht man sich da heute so Muckeschissle nei.
01:00:03Hä?
01:00:04Ja, so Strähnle.
01:00:05Sie lächelt.
01:00:07Sagen Sie mal, wieso interessiert Sie das eigentlich so, Herr Reuter?
01:00:11Ich meine, bei Ihnen kommt das doch sowieso nicht in Frage.
01:00:15Unter ihrem aufmerksamen Blick senkt er den Kopf.
01:00:20Ganz schlecht, der Kuchen vom Wickele, gell?
01:00:23Reuter schaut sie kurz befangen an und blickt dann aus dem Fenster.
01:00:27Vor dem beleuchteten runden Eck steht ein rauchender Mann.
01:00:31Wenn die Arbeitsagentur dir einen Job gibt, dann musst du den noch nehmen.
01:00:34Das ist doch gut wo los.
01:00:36Mein Vater hat hier schon unter Tage gearbeitet.
01:00:38Die kann ich nicht auf mich.
01:00:40Und da soll ich jetzt auf einmal zu den Käsköpfen?
01:00:42Komm, ich mache das Gejammer.
01:00:44Was sagt denn Ihre Frau dazu, wenn Sie nur am Wochenende in Stuttgart sind?
01:00:49Für die ist das in Ordnung.
01:00:50Demir wirft Horst einen Blick zu.
01:00:52Ja, ich meine, Sie weiß ja, dass es nicht anders geht, gell?
01:00:55Ist halt so.
01:00:57Was sein muss, muss sein, ja.
01:00:58Also meine Gülsern, die würden mir den Kopf abreißen, wenn ich nur am Wochenende zu Hause wäre.
01:01:05Ja, Familie ist doch das Wichtigste im Leben.
01:01:08Ja, da sagst du das.
01:01:09Allerdings.
01:01:10Nachdenklich schaut Reuter vor sich hin.
01:01:11Die anderen prosten ihm zu.
01:01:13Grabowski tritt herein.
01:01:14Im Arm hält er ein weißes Frettchen.
01:01:17Ach, guck mal, der lebt auch noch.
01:01:19Hast du dich verlaufen, Junge?
01:01:21Grabowski blickt zur Theke.
01:01:22Ach, Tag, Chef.
01:01:23Was ist das für eine Ratte?
01:01:25Das ist Tupac.
01:01:27Tupac ist ein Frettchen, habe ich von meinem Bruder Ralle geerbt.
01:01:31Und wieso heißt der Tupac?
01:01:33Keine Ahnung, hat Ralle mir nie erzählt.
01:01:36Der meinte, ich soll mich um seinen Kram kümmern, bevor er nach Sheffield gezogen ist.
01:01:40Und da war der Tupac eben dabei.
01:01:44Und das ist ja auch Bier.
01:01:46Unter der Woche trinke ich keinen Alkohol vor 19 Uhr.
01:01:49Dann nehme ich das.
01:01:51Mal ein Bier bitte.
01:01:52Ja, komm hier, also, auf der Familie.
01:01:55Aufkehre wieder.
01:01:56Auf der Weckle, gell?
01:01:58Genau.
01:01:59Zum Frettchen.
01:02:00Auf der Weckle.
01:02:02Reuter kommt das Treppenhaus herauf.
01:02:04Das Licht geht aus.
01:02:06Ja, ja, und zack, geht mir alles kaputt.
01:02:09Er stolpert auf den Stufen.
01:02:12Scheiße.
01:02:13Er nimmt einen Schlüsselbund aus der Hosentasche.
01:02:15Auf der Treppe oberhalb seiner Wohnungstür kauert eine schlafende Person mit Wollmütze.
01:02:22Durch die geöffnete Tür fällt Licht auf Lea, die langsam den Kopf hebt.
01:02:27Papa?
01:02:28Erstaunt dreht er sich um.
01:02:31Lea?
01:02:33Was machst denn du hier?
01:02:35Traurig senkt sie den Kopf.
01:02:37Dann springt sie auf und drückt sich an ihn.
01:02:39Er legt seine Arme um sie, seine Wange auf ihren Kopf und wiegt sie liebevoll.
01:02:46Ja, ich glaube, das ist nur bereuerisch, dass ich nicht mitfahre nach Paris.
01:02:49Sie sitzen am Küchentisch.
01:02:51Also, ich war noch nie dort, aber das ist bestimmt schäu da.
01:02:55Ist mir egal.
01:02:57Er trinkt aus seiner Bierflasche.
01:02:58Ich fahre auf keinen Fall mit Mama und diesen ganzen Strebern auf Klassenfahrt.
01:03:02Das ist voll krass.
01:03:04Die tun jetzt alle so, als fänden sie es super, da den ganzen Tag im Museum rumzuhängen.
01:03:08Nur weil sie denken, dass sie dann bessere Noten kriegen.
01:03:11Das ist peinlich, Papa.
01:03:14Ja, ich kann dich auch verstehen.
01:03:17Es kann aber schon ganz schön aufgehen, wenn der Alexander noch eine ganze Zeit noch Franzosen macht.
01:03:23So, oui, oui, merci, baguette, baguette.
01:03:31Krass, das ist ja.
01:03:33Der Breuer ist eigentlich noch der Netteste von den Kunstlehrern.
01:03:36Der ist cool.
01:03:38Alexander, cool.
01:03:40Mit den Strähnen.
01:03:42Komm, die sind nur gefördert.
01:03:45Ich glaube, die sind echt, Papa.
01:03:47Ungerührt trinkt sie einen Schluck Cola.
01:03:49Blinzelnd führt er seine Bierflasche zum Mund.
01:03:53Ich will nicht zurück auf diese scheiß Elite-Schule.
01:03:55Ich will hier bleiben.
01:03:57Sie schaut ihn mit großen Augen an.
01:03:59Ich habe schon im Internet geguckt.
01:04:01Hier gibt es Fachoberschulen, genauso wie in Stuttgart.
01:04:04Ja, aber alle sind so einfach.
01:04:06Ich bin 15 und mit 15 kann man selbst entscheiden.
01:04:09Ja, schon.
01:04:10Du hast doch immer gesagt, dass Arbeit besser ist als umsitzen.
01:04:14Er schaut sie lange an und lächelt.
01:04:17Nein, das ist richtig.
01:04:20Sie lächelt zurück.
01:04:22Jetzt die schirrsch mal auf.
01:04:24Komm.
01:04:27Er sitzt mit dem Telefon im dunklen Treppenhaus.
01:04:29Wie, die ist bei dir in Duisburg?
01:04:32Ich dachte, die ist bei ihrer Freundin.
01:04:33Na ja, sie fuhr in den Räumen kommen,
01:04:35wir sind vor der Tür gesessen.
01:04:36Ja, sag mal, spinnt die?
01:04:37Wir fahren morgen nach Paris.
01:04:39Wie sollen die noch rechtzeitig zurückkommen?
01:04:41Ja, die will nicht mit auf die Klasse fahren.
01:04:44Sibylle schüttelt den Kopf.
01:04:45Ich kann nicht mehr.
01:04:46Dann kannst du nicht herkommen,
01:04:47weil mir redet beide mit ihr.
01:04:49Es gibt immer nur Streit und immer bin ich die Böse.
01:04:51Na jetzt komm, das übertreibt schon ein bisschen.
01:04:53So schlimm wird es heute sein.
01:04:54Doch, ist es aber.
01:04:56Die Lea ist so irgendwie...
01:04:59Sie ist ein Teenager.
01:05:01Sie schaut nachdenklich.
01:05:04Das Beste ist, sie bleibt jetzt erst mal bei dir.
01:05:05Was?
01:05:06Doch, Roland.
01:05:07Jetzt bist du mal dran.
01:05:09Vielleicht ist es ihr auch ganz gut,
01:05:11wenn ihr euch mal auseinandersetzt.
01:05:12Komm, Sibylle, stopp.
01:05:12Ich höre jetzt auf.
01:05:13Sibylle.
01:05:16Bestürzt blickt er auf das Telefon in seiner Hand.
01:05:21Lea liegt auf einem bezogenen Sofa im Zimmer mit der Panoramawand.
01:05:26Reuter zieht ihr die Decke über die Schultern
01:05:28und löscht eine Stehlampe.
01:05:31Lächelnd betrachtet er die schlafende Lea und geht.
01:05:37Gewaltige Industrieanlagen am Rhein stoßen
01:05:39dicke weiße Rauchwolken in den Morgenhimmel.
01:05:42So, was ist los?
01:05:43Reuter zieht die Jacke an.
01:05:44Du kümmerst dich heute mal um deine Fachoberschule, ja?
01:05:46Wie soll ich das jetzt machen?
01:05:47Dann hast du was einfallen.
01:05:50Ich habe schon selber gesagt, bist du groß genug.
01:05:51Lea sitzt vor einem kargen Frühstück.
01:05:54Und was sagt Mama dazu?
01:05:56Bedächtig hebt Reuter den Kopf.
01:05:59Für dich ist es okay, wenn du erstmal hier bleibst.
01:06:01Mama will nicht, dass ich zurückkomme.
01:06:03Er schaut sie betreten an.
01:06:05Du rufst halt selber mal an, ja?
01:06:09Tschüss.
01:06:10Tschüss, Papa.
01:06:11Lustlos beißt sie in ein Knäckebrot,
01:06:13dreht sich zum Fenster um und blickt auf die Kokerei.
01:06:17Grabowski aktualisiert die Linien auf dem Whiteboard.
01:06:20Ich verstehe das nicht.
01:06:21Er dreht sich zu Reuter um.
01:06:23Chef, wir müssen eigentlich schon weiter sein.
01:06:25Ich rechne das nochmal nach.
01:06:28Entnervt nickt Reuter.
01:06:29Grabowski geht.
01:06:32Reuter greift in die Innentasche seine Jacketts.
01:06:34Ja, was ist denn schon wieder?
01:06:36Papa, ich hab Hunger.
01:06:37Ne, wir haben doch noch was im Kühlschrank.
01:06:39Ich will aber was Richtiges essen.
01:06:42Ja, dann geh ich halt nur noch ins Runde der Ekonolsch oder was.
01:06:44Ja?
01:06:45Also bis später.
01:06:46Bis später.
01:06:48Sie schlägt die Tür des Kühlschranks zu,
01:06:50auf dem ein gerahmtes Bild von ihr mit ihrer Mutter steht.
01:06:54Verzagt schaut Reuter auf das Diagramm,
01:06:56dessen Gewinnlinie sinkt.
01:06:58Abends vor dem runden Eck.
01:07:00Cem und Lea tragen ihre Gläser und Teller hinein,
01:07:02während Reuter mit seinem Kombi vorfährt.
01:07:05Konsterniert schaut er den beiden hinterher.
01:07:07Ja klar, cool.
01:07:08Das soll so eine Liebesgeschichte werden.
01:07:10Das ist eine richtig rockige.
01:07:11Das klingt doch geil.
01:07:12Das ist ja cool.
01:07:13Er tritt zu den beiden.
01:07:15Ich dachte, Herr Reuter.
01:07:16Hallo.
01:07:17Ihr kennt euch.
01:07:20Allerdings.
01:07:20Hallo Dings.
01:07:21Muss ich das jetzt verstehen?
01:07:24Du, ich muss zur Probe.
01:07:25Bis später, ja?
01:07:26Komm mal.
01:07:27Cem nickt Reuter zu.
01:07:29Lea lächelt Cem hinterher.
01:07:30Und?
01:07:31Hast du was erreicht?
01:07:32Sie zuckt mit den Schultern.
01:07:34Ja, ich hab mich mal erkundigt.
01:07:35Es gibt echt ein paar tolle Schulen.
01:07:36Ja, dann ruft doch gleich mal deine Mutter an.
01:07:37Erzähle das, ne?
01:07:38Ja, okay.
01:07:40Bier bitte.
01:07:41Sie wendet sich mit ihrem Smartphone von ihm ab,
01:07:44während Reuter die Flasche zum Mund führt.
01:07:46Ja, hallo?
01:07:48Herr Breuer, hi.
01:07:49Reuter stutzt.
01:07:50Ja, ach so.
01:07:53Ja, können Sie meiner Mutter ausrichten,
01:07:54dass ich angerufen hab?
01:07:57Danke.
01:07:58Ja, und Ihnen noch ein paar schöne Tage in Paris.
01:08:01Ja, mach ich.
01:08:02Tschüss.
01:08:03Fassungslos starrt Reuter auf Leas Rücken.
01:08:05Was war denn das jetzt?
01:08:07Ich soll dich von Herrn Breuer grüßen.
01:08:08Und wieso, bitteschön, geht da Alexander an das Handy von deiner Mutter?
01:08:12Keine Ahnung.
01:08:13Stimmt doch was nicht.
01:08:14Ich meine, das ist doch nicht normal.
01:08:16Ich weiß auch nicht.
01:08:17Ich meine, was machen die zwei da?
01:08:18Und wo sind die andere?
01:08:20Papa, ich kann's dir auch nicht sagen.
01:08:21Sie nimmt ihre Mütze.
01:08:22Wo willst du hin?
01:08:24Ich hab'n Date.
01:08:25Bis später.
01:08:26Entgeistert blickt er ihr hinterher.
01:08:28Ho, ho, ho, ihr Säcke.
01:08:30Horst tritt im Weihnachtsmann-Kostüm ein.
01:08:33Rudi, tu mich doch mal Glühwein.
01:08:36Ich rede mal die Pimpanellen heute.
01:08:38Das ist vielleicht kalt draußen.
01:08:40Horst tritt, ist das denn ein bisschen arg früh für deinen Aufzug?
01:08:42Ach, Herr Reuter.
01:08:44Haben Sie eine Ahnung, wer heute alles schon auf mich wartet?
01:08:46Jetzt komm ich grad vom Kegeltrupp Alte Damen.
01:08:50Und gleich geht's nach dem Fußballtreffen Sportfreund.
01:08:54Chef.
01:08:55Chef.
01:08:55Was machen Sie denn hier?
01:08:57Das ist unsere Mitglieds Nummer 5.
01:08:58Typischer Fall von Karteileiche.
01:09:00Aber jetzt, wo Sie mitmachen, kommt der vielleicht wieder ein bisschen öfter, ne?
01:09:03Chef.
01:09:04Es ist unglaublich.
01:09:05Herr Reister, Veronika ist weg.
01:09:07Wie?
01:09:08Weg.
01:09:08Ja, die ist gestern einfach nicht nach Hause gekommen von ihrem Ausflug.
01:09:11Sie vermuten, dass die rote Feder dahinter steckt.
01:09:13Wer?
01:09:14Hier.
01:09:14Sie reicht ihm ein Bild.
01:09:15Das ist der Taubenturm.
01:09:18Taubenturm?
01:09:18Ja, von der roten Feder.
01:09:20Ja, die haben einen Partnerverein in Lille.
01:09:22Und da waren die mal.
01:09:22Und von dort haben sie diesen Taubenturm mitgebracht.
01:09:25Weil sie Angeber sind.
01:09:26Sie zeigt ein Foto.
01:09:27Und das, das ist der Angelo.
01:09:29Angelo?
01:09:31Das ist denen ihre Locktaube.
01:09:32Einen ganz eitlen Täuberich.
01:09:34Den haben die sich nur angeschafft, damit er andere Taubenweibchen anbaggert.
01:09:38Der sitzt bei denen oben auf dem Turm.
01:09:40Und dann fliegt der ab und an los, nur um andere Tauben anzulocken.
01:09:44Ich verstehe das ganz drüber.
01:09:46Dieser Angelo ist eine Art Womanizer für Tauben.
01:09:50Die haben ihm sogar die Federn heller gefährt, die Schweine.
01:09:54Kommt bei den Weibchen gut an.
01:09:55Letztes Jahr haben unsere Bella verloren an die rote Feder.
01:09:58Chef.
01:09:59Chef, ich kann nicht.
01:10:00Zeig mal her.
01:10:00Er vergrößert das Foto des Täuberichs auf Davorcas Kamera.
01:10:05Diese Sau.
01:10:06Sieht schon süß aus.
01:10:09Aber diese weiße Strähnchen, die sind also nicht echt.
01:10:11Ja, das ist gefärbt, sieht man doch.
01:10:14Die Weiber stehen auf sowas.
01:10:16Locktaube.
01:10:17Ich hab's ja schön noch gewusst.
01:10:18Aber wir machen hier kurzer Prozess.
01:10:20Das lassen wir uns nicht gefallen.
01:10:23Nicht mit Roland Reuter.
01:10:24Alle weichen ein wenig zurück.
01:10:26Herr Ravowski.
01:10:27Der salutiert.
01:10:28Wir brauchen ihr Tier.
01:10:29Jawohl, Chef.
01:10:31Das ist Angelo.
01:10:33Dem Zeitbass.
01:10:34In einem nächtlichen Park steht der Taubenturm auf einem kleinen Hügel.
01:10:40Benno.
01:10:42Der rotblonde Benno winkt die übrigen durch ein geöffnetes Metalltor.
01:10:46Andächtig starren sie den Pfosten hinauf zum Taubenhaus.
01:10:51Da oben, da ist er, der Angelo.
01:10:54So.
01:10:55Also auf geht's.
01:10:57Showtime.
01:10:58Reuter und Grabowski gehen vor.
01:11:01Showtime?
01:11:02Showtime.
01:11:03Auf geht's, komm.
01:11:05Grabowski setzt Tupac an den Fuß des Turmpfostens.
01:11:08Tupac.
01:11:09Der kriecht in ein Gebüsch.
01:11:11Fass, fass.
01:11:12Tupac.
01:11:13Komm, oben ist der Angelo.
01:11:14Hier oben ist der Angelo.
01:11:15Hier ist der Angelo.
01:11:16Komm, Tupac.
01:11:17Tupac.
01:11:18Tupac.
01:11:20Tupac.
01:11:21Tupac.
01:11:22Tupac.
01:11:22Reuter schüttelt den Kopf.
01:11:23Tupac.
01:11:26Tupac.
01:11:27Tupac, komm zurück.
01:11:30Tupac.
01:11:30Die anderen vier beobachten vom Tor aus das Geschehen.
01:11:33Tupac ist weg.
01:11:35Tja.
01:11:35Scheiße.
01:11:36Das war's dann wohl.
01:11:37Schönen Abend.
01:11:38Lasst uns umkehren.
01:11:39Die anderen werden sich auch ohne ein paar Pilzchen übrig gelassen haben.
01:11:42Nix da.
01:11:42Erschrocken drehen sie sich um.
01:11:44Das zieh er mir jetzt durch.
01:11:46Der Gefährte, der Lack aufglaubt, der kann uns die Frau ausspannen.
01:11:49Dann mach er mir denn völlig.
01:11:51Ach, wie sollen wir das jetzt machen?
01:11:53Reuter schaut den Turm hinauf.
01:11:55Ich geh'n selber mal auf.
01:11:57Chefsache.
01:11:59Chefsache.
01:11:59Grabowski.
01:12:02Reuterleiter.
01:12:02Er rennt zum Turm.
01:12:03Reuterleiter?
01:12:04Horst schüttelt den Kopf.
01:12:06Grabowski eilt zu Reuter.
01:12:08Reuterleiter.
01:12:09Alles klar, Chef.
01:12:10Wie dem auch sei.
01:12:13Das Taubenhaus sitzt etwa drei Meter oben auf dem Pfosten.
01:12:19Das zeige doch.
01:12:20Flachland, Picasso.
01:12:22Er zerrt an der Außenverschalung und verliert das Gleichgewicht.
01:12:27Alles in Ordnung, Chef.
01:12:30Grabowski hilft ihm auf.
01:12:32Scheiße.
01:12:36Er streckt sich.
01:12:39Mann.
01:12:40Riecht mich, du Marsch.
01:12:41Ach.
01:12:43Eine einzelne Taube sitzt auf der Turmspitze.
01:12:49Reuter.
01:12:50Was ist los?
01:12:51Weg, weg hier.
01:12:52Horst setzt seinen Weihnachtsmann-Bart auf.
01:12:55Benno schließt das Tor.
01:12:56Grabowski bückt sich nach Tupacs Leine.
01:12:58Weg, weg.
01:12:59Alle rennen fort.
01:13:00Horst bleibt kurz stehen.
01:13:02Zwei Polizisten betreten das Gelände und packen Reuter.
01:13:06Halt.
01:13:06Polizei.
01:13:08Lassen Sie mich einfach los.
01:13:10Sie wissen, wer ich bin.
01:13:13Ihren Lebenslauf können Sie uns gleich auf der Wache erzählen.
01:13:15Ich beschäftige 127 Menschen in Ihrer Stadt.
01:13:18Und in der Wecke wären die alle auf Hartz IV.
01:13:20Ja, da hat der Herr Reuter recht.
01:13:24Gehören Sie hier auch dazu?
01:13:26Grabowski hat Kehrt gemacht.
01:13:28Er nickt.
01:13:29Zwei Polizisten verlassen eine Wache.
01:13:32Reuter steht vor einer dunklen Wand.
01:13:34Warum sind Sie eigentlich vorhin, der dann verweiligelaufen ist?
01:13:37Das hätte sich nicht richtig angefühlt.
01:13:39Er sitzt oben auf einem Etagenbett.
01:13:42Irgendwie.
01:13:42Und blickt zu Reuter.
01:13:45Dass Tupac einfach abgehauen ist.
01:13:48Reuter dreht sich vor einer Fensterluke stehend zu Grabowski um.
01:13:52Ja, der wird schon wieder kommen.
01:13:54Ja, und wenn nicht?
01:13:55Reuter schaut ihn ernst an.
01:13:57Tupac war immer schon ganz aufgeregt, wenn ich nach Hause gekommen bin.
01:14:01Dann hat er an der Tür geschabt und ist immer so an mir hochgesprungen.
01:14:08Dabei machen Frettchen das sonst gar nicht.
01:14:11Seine Augen sind feucht.
01:14:12Reuter kommt näher.
01:14:16Ist gut, wenn man jemand hat.
01:14:17Er setzt sich auf das untere Bett.
01:14:20Wenn man weiß, dass jemand da ist.
01:14:24Manchmal denke ich, dass Ralle Tupac noch nicht mit nach Sheffield genommen hat,
01:14:28damit ich hier nicht ganz alleine bin.
01:14:31Er sitzt kerzengerade.
01:14:33Seine Beine baumeln.
01:14:38Wollt es immer noch besser, wie ich meine Frau kennengelernt habe?
01:14:42Mhm.
01:14:46In Tübingen, da gab es einen Italiener.
01:14:49Das Portofino.
01:14:51Da sind immer in den Norganger.
01:14:53Ich habe damals ein paar berufsbegleitende Kurse gemacht.
01:14:57Ja, und...
01:14:58Sibylle, also...
01:14:59Meine Frau...
01:15:01Die war bei den Pädagogen.
01:15:04Grabowski lächelt leicht und bewegt die Füße.
01:15:07Ja.
01:15:10Reuter steht auf.
01:15:13Naja...
01:15:14Er lehnt sich an das obere Bett.
01:15:16Eines Tages da in der Neustadt gesessen.
01:15:19Allein hat auf ihr Essen gewartet.
01:15:22Die armen Würstchen vom Land.
01:15:24Ich habe gleich gesehen, dass sie aus besserem Hause ist.
01:15:28Ja, die hat immer so eine Art gehabt, den Kopf so schräg zu halten und einen so anzugucken.
01:15:34Er hält den Kopf schief und blickt in die Ferne.
01:15:37Grabowski macht es nach.
01:15:38Das hat mich imponiert.
01:15:41Ja, und dann bin ich am Nebentisch gesessen und dann haben wir einen Blick gewechselt.
01:15:45Er schaut Grabowski an.
01:15:47Und dann habe ich die ganze Zeit bloß überlegt, wie spreche ich diese Frau an.
01:15:52Und dann habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen.
01:15:55Und dann habe...
01:15:56Hey, ich weiß gar nicht mehr, was ich gesagt habe.
01:16:00Aber ich glaube, irgendwas Freches.
01:16:03Und genau die Forscherart, die...
01:16:06Die hat euch gefallen.
01:16:08Ergriffen lächelt Grabowski ihn an.
01:16:11Damals zumindest noch.
01:16:13Grabowski wendet den Blick ab.
01:16:14Ja, und dann ist der erste gekommen.
01:16:18Spaghetti alla Potonesca.
01:16:20Aber das hat die überhaupt nicht geschmeckt.
01:16:23Dann habe ich sie gefragt, ob sie mit mir nach Portofino fahren will.
01:16:26Und richtige Spaghetti alla Potonesca essen.
01:16:29Portofino?
01:16:30Warum denn Portofino?
01:16:31Der Lader hat so geheißen.
01:16:33Und dahinter da war so ein großes Foto von der Küste von Portofino.
01:16:35Ja, und was hat sie gesagt?
01:16:38Dann hat sie gefragt, wann?
01:16:41Dann habe ich gesagt, jetzt?
01:16:43Dann hat sie gefragt, im Ernst?
01:16:46Dann habe ich gesagt, ja.
01:16:49Dann sind wir rausgegangen.
01:16:51Sind mein altes Auto gestiegen und noch...
01:16:53In derselben Nacht sind wir nach Italien runterbrettert.
01:16:59Weil war so...
01:17:01Portofino?
01:17:03Wahnsinn.
01:17:04Traurig holt Reuter Luft,
01:17:05schaut Grabowski aus den Augenwinkeln an und wendet sich ab.
01:17:10Was wollte sie mir eigentlich die ganze Zeit sagen?
01:17:13Ich?
01:17:13Ja, fuhr ihn vom Rundereck.
01:17:15Ach so.
01:17:17Eifrig springt er vom oberen Bett und stellt sich vor Reuter.
01:17:20Chef, da war wohl was falsch.
01:17:24Also gerechnet.
01:17:26Er zieht einen Zettel aus der Gesäßtasche.
01:17:28Hier.
01:17:29Stolz faltet er den Zettel auseinander.
01:17:32Wir sind in den schwarzen Zeilen.
01:17:34Die grüne Linie kreuzt die rote.
01:17:37Unwillig wendet Reuter sich von Grabowski ab und der Fensterluke zu.
01:17:41Enttäuscht faltet Grabowski den Zettel wieder zusammen.
01:17:45Über rauchausstoßenden Industrieanlagen geht die Sonne auf.
01:17:48Der schlafende Reuter beschattet die Augen mit seinem Arm.
01:17:51Morgen, die Herren.
01:17:53Grabowski fährt auf und lässt verwirrt den Blick schweifen.
01:17:55Auch Reuter wacht auf.
01:17:57Abmarsch.
01:17:58Wir können gehen.
01:18:00Grabowski nickt verzagt.
01:18:02Der Polizist zieht den Schlüssel aus dem Schloss
01:18:04und lässt hinter sich die Tür offen.
01:18:06Mühsam richtet Reuter sich auf.
01:18:08Grabowski lässt sich vom Etagenbett heruntergleiten
01:18:11und setzt sich neben ihn.
01:18:13Simultan ziehen sie ihre Schuhe an.
01:18:21Sie verlassen die Wache.
01:18:25Wehmütig betrachtet Grabowski Tupaks Halsband in seinen Händen.
01:18:29Also, Herr Grabowski, den Arm.
01:18:33Danke, ne?
01:18:34Sie schauen einander in die Augen.
01:18:36Feierlis.
01:18:37Reuter zieht Grabowski jäh an sich.
01:18:39Starr lässt er es geschehen.
01:18:44Ich hab zu lange, Chef.
01:18:46Bis morgen dann, beim Weckle.
01:18:48Eilig geht Grabowski weg.
01:18:49Auf der anderen Seite eines schmiedeeisernen Zaunes
01:18:52steigt Sibylle aus seinem Wagen.
01:18:56Die Lea hat mich angerufen.
01:18:58Sie schauen sich durch die eisernen Stäbe an.
01:19:01Ich bin extra von Paris hergefahren.
01:19:03Sie hebt lächelnd eine Schulter.
01:19:04Er lächelt zurück.
01:19:08Sie spazieren am Rheinufer entlang.
01:19:12Ja, dann, wenn er wieder runtergefallen ist,
01:19:17dann ist die Polizei gekommen,
01:19:18dann sind alle weggerannt.
01:19:20Also, wie sagt der Dietmar?
01:19:23Ja, der Grabowski irren.
01:19:28Wegen der Taube?
01:19:30Er bleibt stehen.
01:19:31Also Roland, ich verstehe ja, wenn die hier...
01:19:34Sie dreht sich um und betrachtet ihren Mann,
01:19:36der über das Wasser blickt.
01:19:43Sie tritt neben ihn.
01:19:46Was ist denn los mit dir?
01:19:49Du kletterst auf den Taubenturm mitten in der Nacht.
01:19:53Hast du mit ihm geschlafen?
01:19:55Er schaut ihr in die Augen.
01:19:57Mit dem Kollegen, Alexander.
01:19:59Sie blickt ihn mit feuchten Augen an.
01:20:03Hast du doch schon nicht.
01:20:05Sie schaut von ihm zum Fluss.
01:20:10Er beobachtet sie unverwandt.
01:20:14Wir unterrichten in der gleichen Schule.
01:20:16Wir spielen ab und zu Tennis miteinander.
01:20:18Wir sind Freunde.
01:20:22Und mehr nicht.
01:20:26Mehr nicht.
01:20:27Sie erwidert seinen Blick.
01:20:34Er schaut auf das Display seines Smartphones.
01:20:37Ist der Chef?
01:20:38Ja, mach.
01:20:39Sie entfernt sich einige Schritte von ihm.
01:20:44Ja, Herr Rottekulbe.
01:20:45Ist gut.
01:20:46Der Spengler von der PR-Abteilung hat mich gerade aufrufen.
01:20:49Sagen Sie, stimmt die Geschichte?
01:20:51Ja, das ist richtig.
01:20:52Ja, das wird Konsequenzen haben.
01:20:55Wir können einfach niemanden in den Vorstand aufnehmen, der sich zu solchen Aktionen hinreißen lässt.
01:21:00Das hat überhaupt nichts mit Ihrer Arbeit dort oben zu tun.
01:21:03Wir wissen sehr genau, was wir in Ihnen haben.
01:21:06Ich kann Ihnen nur sagen, reißen Sie sich zusammen.
01:21:10Als Geschäftsführer einer Weckle-Niederlassung,
01:21:12hätten Sie eine gewisse Vorbildfunktion,
01:21:15auch wenn die Niederlassung jetzt in dem Fall in Duisburg liegt.
01:21:17Reuter lässt das Smartphone sinken.
01:21:19Herr Reuter?
01:21:21Hallo?
01:21:23Herr Reuter?
01:21:23Reuter drückt das Telefonat weg.
01:21:30Er geht Sibylle hinterher und stellt sich neben sie.
01:21:34Und? Was war?
01:21:38Na, sieht so aus, als müsste ich erst mal hierbleiben.
01:21:43Also, länger, als ich gekauft habe.
01:21:47Am anderen Ufer liegen große Industrieanlagen.
01:21:50Ist doch ganz schön.
01:21:52Da drüben.
01:21:53Sie schauen beide über den Fluss, bevor sie sich anlächeln.
01:21:57Sag ich doch.
01:21:59Er geht. Sie blickt ihm hilflos hinterher.
01:22:03Dann holt sie ihn ein.
01:22:05Ja, was du sagst, ist das eine. Aber was du meinst.
01:22:08Was meinst denn du?
01:22:09Sie passieren zwei Angler.
01:22:11Wir reden immer miteinander.
01:22:13Aber das tun wir doch.
01:22:15Ja, wir reden, aber wir reden nie über uns.
01:22:18Und das ist nicht erst, seitdem du nach Duisburg bist.
01:22:21Nebeneinander gehen sie einen Trampelpfad entlang.
01:22:24Und das war das schon vorher so.
01:22:25In Stuttgart.
01:22:26Die letzten Jahre.
01:22:27Du bist irgendwie da, aber nicht wirklich.
01:22:30Sie gehen über eine Landzunge.
01:22:32Im Hintergrund fährt ein Frachtschiff parallel zu einer langen Brücke.
01:22:38Reuters Mietshaus liegt im Dunkeln.
01:22:40Wuschtest du wirklich heute Nacht wieder zurück nach Paris?
01:22:43Mhm.
01:22:44Sie sitzen nebeneinander im Auto und schauen heraus.
01:22:48Reuter schüttelt unmerklich den Kopf.
01:22:53Was machen wir denn jetzt?
01:22:57Langsam wendet sie ihm den Kopf zu.
01:23:00Ihr Blick ist ernst.
01:23:01Er hat den Kopf gegen die Kopfstütze gelehnt.
01:23:06Liebst du mich eigentlich nur?
01:23:09Sie lässt den Kopf hängen.
01:23:13Langsam schauen sie einander in die Augen.
01:23:18Und du?
01:23:19Ihr Mann blickt hinaus.
01:23:22Lea geht zu Cem und gibt ihm einen Kuss.
01:23:24Was macht denn unsere Tochter da?
01:23:25Die ist ja viel zu leicht angezogen.
01:23:27Lea lächelt Cem an.
01:23:29Lea!
01:23:30Entgeistert dreht Lea sich um.
01:23:32Wo willst du denn hin?
01:23:33Mama, was machst du hier?
01:23:34In dem Aufzug.
01:23:35Du holst sie ja einen Tod.
01:23:36Oh Mama bitte, ich will das jetzt wirklich nicht.
01:23:38Guten Abend Frau Reuter.
01:23:40Hallo.
01:23:41Auch Reuter tritt zu ihnen.
01:23:43Guten Abend Herr Chef.
01:23:45Äh, Ex-Chef.
01:23:46Ihr kennt euch?
01:23:47Sie grinsen.
01:23:48Allerdings.
01:23:51Cem und ich wollen heute Abend auf ein Konzert.
01:23:53In die alte Zeche.
01:23:54Was denn für eine alte Zeche?
01:23:55Da gibt es Kultur.
01:23:57Das ist ein Kulturzentrum.
01:23:58Sibylle schaut skeptisch.
01:23:59Ich bin um eins wieder zu Hause.
01:24:01Auffordernd blickt Sibylle ihren Mann an.
01:24:04Also du bist spätestens um eins wieder da.
01:24:07Besprochen.
01:24:08Lea lächelt versöhnlich und wendet sich Cems Moped zu.
01:24:11Warte.
01:24:12Sibylle legt Lea ihren Schal um.
01:24:14Nimm wenigstens den.
01:24:15Mama.
01:24:16Und pass auf dich auf.
01:24:18Sie streichelt Leas Arm.
01:24:21Ich bin der junge Mann hier.
01:24:22Sibylle.
01:24:23Der junge Mann kommt morgen in mein Büro.
01:24:25Es gibt Arbeit.
01:24:26Danke Papa.
01:24:28Lächelnd fahren Cem und Lea davon und lächelnd blicken die Eltern ihnen hinterher.
01:24:36Reuter wird wieder ernst.
01:24:38Sibylle schaut ihn an.
01:24:43Ich melde mich dann, wenn ich in Paris angekommen bin.
01:24:46Er blickt an ihr vorbei.
01:24:50Und wenn du nächste Woche nach Stuttgart kommst, dann...
01:24:52Er wendet sich ihr zu.
01:24:54Was denn?
01:24:55Sie schauen sich an, bevor sie kurz den Blick senkt.
01:25:02Schließlich tritt sie näher und streicht ihm zärtlich über die Haare.
01:25:05Du hast zwar hier nicht so hübsche Strähnchen, aber du bist's.
01:25:14Sie schauen sich in die Augen.
01:25:16Nach einer Weile zuckt Sibylle mit den Schultern.
01:25:19Ich weiß es doch auch nicht.
01:25:21Sie geht.
01:25:22Er blickt ihr nach, wie sie in das Auto mit einem französischen Kennzeichen steigt und
01:25:26langsam am weihnachtlich erleuchteten runden Eck vorbeifährt.
01:25:35Sein Blick ist ernst.
01:25:38Der Aufmacher der lokalen Zeitung lautet der Taubenkrieg.
01:25:42Glücklicherweise ist die Zuchttaube Angelo, gegen die sich die kaltblütig geplante und
01:25:48heimtückisch ausgeführte Aktion der Heimkehrer gerichtet hat, mit dem Schrecken davongekommen
01:25:53und wohl auf.
01:25:55Guten Abend.
01:25:56Demir nimmt seine Brille ab.
01:25:58Ich schnaufe es bitte.
01:26:01Watzke gibt dem Wirt ein Zeichen.
01:26:07Naja, ist ja gut.
01:26:09Ist ja gut.
01:26:10Ist ja gut.
01:26:11Ist ja gut.
01:26:14Den hast du es aber gezeigt, Chef.
01:26:16Aufkehre wieder.
01:26:17Und ihr Wiederkehrer.
01:26:18Hopp, hopp.
01:26:19Rinn in den Kopf.
01:26:20Watzke, Grabowski und Reuter trinken einen klaren.
01:26:23Ich dachte, ich trinken kein Alkohol.
01:26:26Wochentags, nicht vor 19 Uhr.
01:26:27Am Wochenende schon.
01:26:28So, lasst uns mal die Silvesterparty weiter planen.
01:26:31Die letzte war ja wohl legendär.
01:26:33Ein Wunder, der hat Vereinsheim überhaupt noch steht.
01:26:36Watzke und Reuter tauschen einen Blick.
01:26:38Top 2.
01:26:39Top 2.
01:26:40Ich soll euch wieder für die Pyro?
01:26:42Ja, und ich bring mein Bleigießet mit.
01:26:45Dieht man nicht schon wieder.
01:26:47Top 2 A.
01:26:49Bleigießet ist gestrichen.
01:26:50Das sollten wir mal abstimmen.
01:26:52Grabowski strafft erwartungsvoll den Rücken.
01:26:55Das Auto mit dem französischen Kennzeichen bleibt auf regennasser Straße mit eingeschalteter
01:27:00Warnblinkanlage stehen.
01:27:03Sibylle tippt eine Nachricht auf ihrem Smartphone.
01:27:08Sie lächelt und fährt weiter.
01:27:12Jetzt hört doch mal auf.
01:27:14Wer ist gegen Bleigießen?
01:27:16Arme hoch.
01:27:17Ja.
01:27:17Reuters Blick streift Watzke, die glückstrahlend einen Finger hebt.
01:27:21Gut, also, Bleigießen entfällt, angenommen, mit einer Enthaltung.
01:27:28Watzke geht zu Reuter.
01:27:30Und wir zwei beide, wir fackeln den Tischfeuerwerk ab, und zwar ein ganz wildes.
01:27:34Chef, bei Ihnen vibriert da was in der Hose.
01:27:40Reuter zieht sein Smartphone heraus und liest die SMS von Sibylle.
01:27:45Silvester, Portofino.
01:27:47Silvester kann ja nicht.
01:27:48Was?
01:27:49Das kommt gar nicht in Frage.
01:27:51Reuter, das ist Vereinsmitgliedspflicht.
01:27:53Sie hätten mal Kleingedruckte lesen müssen.
01:27:55Silvester bin in Portofino.
01:27:57Er schaut Grabowski an und geht hinaus.
01:27:59Portofino.
01:28:02Ja, Portofino, Italien.
01:28:05Da hat der Reuter die Sibylle, also seine Frau, ihn entführt damals.
01:28:08Vor dem runden Eck tippt Reuter eine Nachricht auf seinem Handy und blickt dann zum Himmel hinauf.
01:28:23Das war Brezeln für den Pott.
01:28:25Mit Hans-Jochen Wagner als Roland Reuter, Ulrike C. Csarra als Sibylle Reuter, Katharina Abt als Marita Batzke, Marian Meder
01:28:33als Dietmar Grabowski und anderen.
01:28:36Produktionsleitung Peter Faber, Redaktion Katja Kirchen, Regie Matthias Steuerer.
01:28:42Eine Produktion der Zeitsprung Pictures GmbH.
01:28:56Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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