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  • vor 4 Tagen
Ein Tisch gegen tausend PS – Anrainer wehren sich gegen Auto-Poser in der Wiener City
Beschreibung:
Dröhnende Motoren, Hupkonzerte und Kolonnen im Schritttempo – Wochenende für Wochenende wird die Wiener Innenstadt zur Bühne für die Auto-Poser-Szene. Auf der Runde über Tuchlauben, Brandstätte und Rotenturmstraße drehen hochmotorisierte Luxusautos bis weit nach Mitternacht ihre Schleifen. Anwohner, aber auch Besucher und Touristen leiden seit Jahren unter Lärm und Abgasen.
Trotz wiederholter Polizeikontrollen mit Dutzenden Anzeigen hat sich wenig geändert. Jetzt werden die Bewohner selbst aktiv: Mit Straßenblockaden, einem langen Tisch mitten auf der Fahrbahn und der Forderung nach einem Nachtfahrverbot wehren sie sich gegen den nächtlichen Autokorso.
TV21 war vor Ort und sprach mit Initiatoren der Anrainer-Initiative und Betroffenen.

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Transkript
00:06Dröhnende Motoren, aufheulende Achtzylinder, Kolonnen im Schritttempo. Wochenende für
00:12Wochenende verwandelt sich die Wiener Innenstadt in eine Bühne für die sogenannte Autoposer-Szene.
00:18Auf der Runde über Tuchlauben, Brandstätte und Rotenturmstraße drehen hochmotorisierte
00:23Luxusautos bis weit nach Mitternacht ihre Schleifen. Anwohner, aber auch Besucher und
00:29Touristen, leiden seit Jahren unter Lärm und Abgasen. Trotz wiederholter Schwerpunktaktionen
00:34der Polizei mit dutzenden Anzeigen hat sich an der Situation wenig geändert. Jetzt reicht es den
00:41Bewohnern. Mit Straßenblockaden, einem langen Tisch, mitten auf der Fahrbahn und der Forderung nach
00:46einem Nachtfahrverbot wehren sie sich gegen den nächtlichen Autokorso. TV21 sprach mit Initiatoren
00:53und Betroffenen.
00:57Ich bin Anrainer hier, meine Frau und ich. Seit zwei Jahren circa hat die Autoposer-Szene
01:05diese Straße quasi als ihr Revier auserkoren. Sie fahren halt die Tuchlauben rauf und dann
01:13vor allem die Rotenturmstraße runter. Wir wissen nicht wieso gerade hier, aber es scheint ihnen hier
01:20besonders gut zu gefallen. Und sie zeigen halt ihre schönen Autos, ihre sehr teuren schönen Autos
01:29gerne hierher und drehen hier ihre Runden. Also es ist wirklich so, dass die Autoposer-Szene ja nicht
01:36nur einmal hier durchfährt, sondern sie fahren dann wirklich sechs, sieben, acht, neun, zehnmal hintereinander
01:41ihre Runden. Und das wäre ja alles grundsätzlich noch nichts Schlimmes, aber es hat sich jetzt, es ist so
01:48viel geworden, dass wir hier die ganze Nacht bis zwei, drei Uhr in der Früh Dauerstau haben.
01:54Ja, also es ist unmöglich hier mit dem eigenen Auto durchzukommen. Auch das könnte man noch
02:00vertragen, aber es ist mittlerweile so schlimm geworden. Sie hupen, dann einfach Dauer hupen.
02:06Die Menschen, die hier durchgehen, werden angepöbelt, werden teilweise nachgepfiffen den Damen.
02:12Also es ist wirklich eine unangenehme Situation und es muss einfach nicht sein. Und es ist wirklich
02:17für alle Anrainer hier eine Belastung.
02:20Kann man auch vorstellen, dass er für die Fußgänger nicht ungefährlich ist?
02:23Nein, also tatsächlich, mein Nachbar ist einmal, weil irgendjemand gesagt hat, sehr höflich, er ist ein sehr höflicher
02:28Mensch, bitte hör auf zu hupen, weil so ein Dauer hupen, woraufhin sie mit einem Taser auf ihn
02:34losgegangen sind. Also es gab in dem Fall dann auch ein Strafverfahren, es gab auch eine Verurteilung
02:39wegen Nötigung. Ja, es ist einfach ein Treiben, das als solches, finde ich, nicht in eine Stadt
02:46gehört. Ja, es ist, ich verstehe ja jeden, der ein schönes Auto hat und das gerne herzeigen möchte, aber
02:53dafür fahre ich nicht Runden in der Innenstadt.
02:56Genau, man kann am Wörtersee fahren, das gibt es alle Jahre.
02:59Absolut, absolut. Ja, und es ist ja auch nichts Böses, wenn ich hier in eine Bar gehe und mit dem
03:05Auto reinfahre. Aber wenn es dann so ausartet, dass ich einfach von neun am Abend bis drei Uhr in der
03:12Früh Dauerstau hier habe. Allein die Hitzeentwicklung im Sommer ist enorm. Normalerweise steht hier alles
03:19still. Alles still. Dann gehen sie hier durch, fühlen sich wie am Laufsteg. Jemand wird nachgepfiffen und was auch immer.
03:28Ja, also es ist wirklich eine unangenehme Situation, der wir in den letzten Jahren, also jetzt versuchen herzuwerben mit diesen
03:34Demonstrationen.
03:35Absolut. Und ja, mal schauen, sollte die Politik aktiv werden?
03:39Ja, es sollte die Politik aktiv werden. Wir haben wirklich den Kontakt mit der Politik auch gesucht, über mehrere Monate
03:46hinweg.
03:47Ja, natürlich, wir wurden immer vertröstet. Es ist mehrfach versucht worden, das Gespräch mit uns zu suchen.
03:53Wir haben dann auch Gespräche geführt, aber wirklich passiert ist nichts.
03:57Es gibt hin und wieder Schwerpunktaktionen, für die wir uns auch sehr bedanken.
04:01Ja, natürlich, da spürt man, wenn die Sperrpunktaktionen stattfinden, dass es weniger wird.
04:05Aber in der Sekunde, wo die Polizei nicht mehr da ist, ist das Problem wieder da.
04:11Jetzt wollen wir natürlich fragen, als Frau, ist denn Unbehagen gegeben?
04:14Und genau das ist mein besonderes Anliegen. Jetzt eben nicht nur für diejenigen, die auch wirklich hier wohnen,
04:21sondern auch eben Fußgänger, Gäste aus den Lokalen werden dann angepöbelt.
04:25Dann teilweise ist es so, dass den Frauen eben nachgepfiffen wird und man fühlt sich einfach nicht mehr sicher.
04:30Man hat ja einfach nicht mehr das Gefühl, dass man in der Innenstadt ist und fühlt sich einfach unwohl.
04:36Also ich weiß grundsätzlich von jungen Leuten, dass sie nicht mehr in die Innenstadt kommen,
04:40nicht mehr hier ausgehen, weil das einfach so überhand genommen hat.
04:45Das heißt, ein gutes Zeichen heute gesetzt. Wir werden es natürlich auch weiter verbreiten.
04:50Und jetzt wäre es halt wichtig, dass die Politik was unternimmt.
04:52Und es gibt sicherlich die eine oder andere gesetzliche Möglichkeit, hier in der Regel vorzuschieben
04:56und hohe Strafen zu verhängen.
04:58Wir haben schon einiges heute gehört über die Szene, die sich hier abspielt.
05:03Jetzt habe ich noch eine Betroffene hier.
05:05Ja, durchaus. Ich wohne hier in der Tuchlauben.
05:09Ja, ich schlafe auch zur Tuchlauben hinaus.
05:13Also für mich ist es dadurch wirklich sehr, sehr laut.
05:16Und ich finde allein auch schon die Abgase, die dadurch einfach produziert werden,
05:20für mich, also auch vom gesundheitlichen Aspekt, auch nicht mehr wirklich tragbar.
05:25Wenn ich auf dem Fenster mit dem Finger drüber streiche, ist mein Finger schwarz nach einer Woche.
05:31Und also schon allein das finde ich untragbar.
05:35Aber diese Lautstärke, was sie produzieren, und ich muss auch ehrlich sagen, ich bin eine Frau,
05:39und alleine traue ich mich langsam nicht mehr nach Hause.
05:43Weil ich einfach die Leute, die einfach unterwegs sind, teilweise unangenehm finde.
05:52Ein bisschen ein mulmiges Gefühl, ne?
05:54Es ist nicht so angenehm, nein.
05:57Also wirklich nicht so angenehm.
05:58Und ja, und wir versuchen wirklich einiges, um einfach hier eine Beruhigung hineinzubringen,
06:05weil, ja, es ist nicht mehr so lebenswert.
06:08Also ich habe mir schon überlegt, wegzuziehen, weil ich wohne hier fünf Jahre und es wird jedes Jahr schlimmer.
06:14Also die ersten zwei Jahre, wo ich hier gewohnt habe, war es eigentlich relativ ruhig,
06:19aber mittlerweile ist es einfach nicht mehr tragbar am Freitag und am Samstag, insbesondere Samstag.
06:26Auch gehört, Huptkonzerte.
06:28Einhaken kann genau das dafür nicht sein.
06:30Wir wollen, dass der erste Bezirk eine bewohnte innere Stadt ist und kein Freilichtmuseum.
06:35Wir wollen, dass hier Leute leben können, eine Lebensqualität auch haben.
06:38Und wenn das nicht der Fall ist, dann läuten alle Alarmglocken, auch bei der Bezirkspolitik.
06:43Und ich bin sehr dankbar für diese Initiative der Bewohnerinnen und Bewohner.
06:48Ich wohne selbst auch in diesem Straßenzug und kenne das genauso, auch mit zwei kleinen Kindern und bin auch nicht
06:53glücklich darüber.
06:55Im Sommer ist es zudem auch gar nicht mehr möglich, ohne offene Fenster zu schlafen, gerade in einem denkmalgeschützten Bereich.
07:01Und wir haben deswegen auch erst im Juni einen Antrag eingebracht als SPÖ, haben die Unterstützung auch von ÖVP, Neos
07:09und Grünen bekommen,
07:10um etwas gegen die Autoboser zu tun.
07:12Wir prüfen Fahrverbote und Fahrgebote, aber darüber hinaus ist ganz wichtig für uns,
07:17dass man insgesamt im Bezirk schaut, wie kann man eine wirklich nachhaltige Verkehrsberuhigung schaffen,
07:23weil es einfach nicht sein muss, dass in einem Stadtzentrum innerhalb Europas, innerhalb der EU, alle reinfahren können und hier
07:31bleiben müssen.
07:31Und das ist, glaube ich, das oberste Gebot, dass wir da schnell was tun müssen.
07:37Wir haben das jetzt ein bisschen beobachten können, es sind zwei oder drei Autos vorbeigefahren
07:41und die Handbewege möchte ich jetzt gar nicht beschreiben, die man gesehen hat.
07:44Das ist schon heftig und man sieht, welche Leute das sind.
07:48Ja, umso schöner, dass es hier diese Nachbarschaftsinitiative gibt, wo genau das Gegenteil gezeigt wird,
07:53weil ich muss sagen, dass das, was ich hier erlebt habe jetzt in den letzten, mittlerweile,
07:58ist das das dritte Mal.
07:59Wochen ist was wirklich sehr Bewegendes, auch im Sinne eines Miteinanders in der Nachbarschaft.
08:04Das kennt man gar nicht so sehr oder so oft, ich glaube generell nicht.
08:10Und im ersten Bezirk ist es noch seltener, weil wir uns ja als Bewohnerinnen und Bewohner gar nicht so leicht
08:14auch treffen.
08:15Es gibt viele Wohnhäuser, in denen auch viel Büros oder andere gewerbliche Nutzungen sind.
08:22Und hier wird es wirklich, also dieses Gemeinsame, sich für eine bessere Lebensqualität einsetzen,
08:28extrem solidarisch auch gelebt und auch mit sehr viel Energie.
08:33Das befürworte ich sehr und das hilft uns als Bezirkspolitik auch sehr, solche Themen dann noch rascher voranzutreiben.
08:40Also insofern von unserer Seite auch wirklich ganz große Unterstützung
08:44und wir wollen diesen Druck und diesen Einsatz mitnehmen auf alle Ebenen, wo wir auch wirken dürfen.
08:51Kann man sich ja vorstellen, dass das sehr gut animiert, weil das ist wirklich eine endlose Gerade und das verleitet
08:56natürlich.
08:57Und das kann man ja sicherlich auch baulich unterbinden, könnte man sich ja vorstellen.
09:01Es gibt viele unterschiedliche Maßnahmen, die man da treffen kann.
09:05Also eine habe ich vorher genannt, Fahr-Fair-Boote, Fahr-G-Boote.
09:08Die verkehrsberuhigte innere Stadt spielt auch mit Einfahrtssperren und Sperren für eben bestimmte Gruppen.
09:17Und ich glaube, es wird eine gute Mischung von allem brauchen.
09:20Um einerseits wirklich akut Abhilfe zu verschaffen in diesem Gebiet, aber auch nachhaltig und langfristig.
09:27Ich bin sehr froh, dass jetzt in den vergangenen Wochen schon viele Schwerpunktaktionen gemacht worden sind.
09:32Ich glaube, in einem gemeinsamen Akt mit diesen Aktionen ist das sicher mal vielleicht ein erstes Abschrecken.
09:38Aber man sieht heute, es ist hier Halligalli, es ist total viel los. Es braucht auf jeden Fall noch mehr.
09:45Und wie lange sind die, ist nächste Woche wieder geplant?
09:48Das wollen wir nicht sagen. Wir wollen die Autopause überraschen.
09:51Überraschen.
09:52Ja, und damit es immerhin ein bisschen eine Wirkung hat, mal schauen, weil gestern war wieder auch so viel los.
09:59Also noch wirkt es nicht. Wir brauchen eine nachhaltige Lösung und das ist das Einzige, was bezählt.
10:05Also momentan, es ist super, dass wir uns alle kennenlernen und dass wir zusammen für ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
10:12Aber wir brauchen einfach eine nachhaltige Lösung und das geht halt einfach auch nur mit der Politik und da müssen
10:19wir unterstützt werden.
10:21Ich verstehe voll und ganz. Dann sage ich recht herzlichen Dank.
10:24Super, vielen Dank.
10:24Dankeschön.
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