00:06Dröhnende Motoren, aufheulende Achtzylinder, Kolonnen im Schritttempo. Wochenende für
00:12Wochenende verwandelt sich die Wiener Innenstadt in eine Bühne für die sogenannte Autoposer-Szene.
00:18Auf der Runde über Tuchlauben, Brandstätte und Rotenturmstraße drehen hochmotorisierte
00:23Luxusautos bis weit nach Mitternacht ihre Schleifen. Anwohner, aber auch Besucher und
00:29Touristen, leiden seit Jahren unter Lärm und Abgasen. Trotz wiederholter Schwerpunktaktionen
00:34der Polizei mit dutzenden Anzeigen hat sich an der Situation wenig geändert. Jetzt reicht es den
00:41Bewohnern. Mit Straßenblockaden, einem langen Tisch, mitten auf der Fahrbahn und der Forderung nach
00:46einem Nachtfahrverbot wehren sie sich gegen den nächtlichen Autokorso. TV21 sprach mit Initiatoren
00:53und Betroffenen.
00:57Ich bin Anrainer hier, meine Frau und ich. Seit zwei Jahren circa hat die Autoposer-Szene
01:05diese Straße quasi als ihr Revier auserkoren. Sie fahren halt die Tuchlauben rauf und dann
01:13vor allem die Rotenturmstraße runter. Wir wissen nicht wieso gerade hier, aber es scheint ihnen hier
01:20besonders gut zu gefallen. Und sie zeigen halt ihre schönen Autos, ihre sehr teuren schönen Autos
01:29gerne hierher und drehen hier ihre Runden. Also es ist wirklich so, dass die Autoposer-Szene ja nicht
01:36nur einmal hier durchfährt, sondern sie fahren dann wirklich sechs, sieben, acht, neun, zehnmal hintereinander
01:41ihre Runden. Und das wäre ja alles grundsätzlich noch nichts Schlimmes, aber es hat sich jetzt, es ist so
01:48viel geworden, dass wir hier die ganze Nacht bis zwei, drei Uhr in der Früh Dauerstau haben.
01:54Ja, also es ist unmöglich hier mit dem eigenen Auto durchzukommen. Auch das könnte man noch
02:00vertragen, aber es ist mittlerweile so schlimm geworden. Sie hupen, dann einfach Dauer hupen.
02:06Die Menschen, die hier durchgehen, werden angepöbelt, werden teilweise nachgepfiffen den Damen.
02:12Also es ist wirklich eine unangenehme Situation und es muss einfach nicht sein. Und es ist wirklich
02:17für alle Anrainer hier eine Belastung.
02:20Kann man auch vorstellen, dass er für die Fußgänger nicht ungefährlich ist?
02:23Nein, also tatsächlich, mein Nachbar ist einmal, weil irgendjemand gesagt hat, sehr höflich, er ist ein sehr höflicher
02:28Mensch, bitte hör auf zu hupen, weil so ein Dauer hupen, woraufhin sie mit einem Taser auf ihn
02:34losgegangen sind. Also es gab in dem Fall dann auch ein Strafverfahren, es gab auch eine Verurteilung
02:39wegen Nötigung. Ja, es ist einfach ein Treiben, das als solches, finde ich, nicht in eine Stadt
02:46gehört. Ja, es ist, ich verstehe ja jeden, der ein schönes Auto hat und das gerne herzeigen möchte, aber
02:53dafür fahre ich nicht Runden in der Innenstadt.
02:56Genau, man kann am Wörtersee fahren, das gibt es alle Jahre.
02:59Absolut, absolut. Ja, und es ist ja auch nichts Böses, wenn ich hier in eine Bar gehe und mit dem
03:05Auto reinfahre. Aber wenn es dann so ausartet, dass ich einfach von neun am Abend bis drei Uhr in der
03:12Früh Dauerstau hier habe. Allein die Hitzeentwicklung im Sommer ist enorm. Normalerweise steht hier alles
03:19still. Alles still. Dann gehen sie hier durch, fühlen sich wie am Laufsteg. Jemand wird nachgepfiffen und was auch immer.
03:28Ja, also es ist wirklich eine unangenehme Situation, der wir in den letzten Jahren, also jetzt versuchen herzuwerben mit diesen
03:34Demonstrationen.
03:35Absolut. Und ja, mal schauen, sollte die Politik aktiv werden?
03:39Ja, es sollte die Politik aktiv werden. Wir haben wirklich den Kontakt mit der Politik auch gesucht, über mehrere Monate
03:46hinweg.
03:47Ja, natürlich, wir wurden immer vertröstet. Es ist mehrfach versucht worden, das Gespräch mit uns zu suchen.
03:53Wir haben dann auch Gespräche geführt, aber wirklich passiert ist nichts.
03:57Es gibt hin und wieder Schwerpunktaktionen, für die wir uns auch sehr bedanken.
04:01Ja, natürlich, da spürt man, wenn die Sperrpunktaktionen stattfinden, dass es weniger wird.
04:05Aber in der Sekunde, wo die Polizei nicht mehr da ist, ist das Problem wieder da.
04:11Jetzt wollen wir natürlich fragen, als Frau, ist denn Unbehagen gegeben?
04:14Und genau das ist mein besonderes Anliegen. Jetzt eben nicht nur für diejenigen, die auch wirklich hier wohnen,
04:21sondern auch eben Fußgänger, Gäste aus den Lokalen werden dann angepöbelt.
04:25Dann teilweise ist es so, dass den Frauen eben nachgepfiffen wird und man fühlt sich einfach nicht mehr sicher.
04:30Man hat ja einfach nicht mehr das Gefühl, dass man in der Innenstadt ist und fühlt sich einfach unwohl.
04:36Also ich weiß grundsätzlich von jungen Leuten, dass sie nicht mehr in die Innenstadt kommen,
04:40nicht mehr hier ausgehen, weil das einfach so überhand genommen hat.
04:45Das heißt, ein gutes Zeichen heute gesetzt. Wir werden es natürlich auch weiter verbreiten.
04:50Und jetzt wäre es halt wichtig, dass die Politik was unternimmt.
04:52Und es gibt sicherlich die eine oder andere gesetzliche Möglichkeit, hier in der Regel vorzuschieben
04:56und hohe Strafen zu verhängen.
04:58Wir haben schon einiges heute gehört über die Szene, die sich hier abspielt.
05:03Jetzt habe ich noch eine Betroffene hier.
05:05Ja, durchaus. Ich wohne hier in der Tuchlauben.
05:09Ja, ich schlafe auch zur Tuchlauben hinaus.
05:13Also für mich ist es dadurch wirklich sehr, sehr laut.
05:16Und ich finde allein auch schon die Abgase, die dadurch einfach produziert werden,
05:20für mich, also auch vom gesundheitlichen Aspekt, auch nicht mehr wirklich tragbar.
05:25Wenn ich auf dem Fenster mit dem Finger drüber streiche, ist mein Finger schwarz nach einer Woche.
05:31Und also schon allein das finde ich untragbar.
05:35Aber diese Lautstärke, was sie produzieren, und ich muss auch ehrlich sagen, ich bin eine Frau,
05:39und alleine traue ich mich langsam nicht mehr nach Hause.
05:43Weil ich einfach die Leute, die einfach unterwegs sind, teilweise unangenehm finde.
05:52Ein bisschen ein mulmiges Gefühl, ne?
05:54Es ist nicht so angenehm, nein.
05:57Also wirklich nicht so angenehm.
05:58Und ja, und wir versuchen wirklich einiges, um einfach hier eine Beruhigung hineinzubringen,
06:05weil, ja, es ist nicht mehr so lebenswert.
06:08Also ich habe mir schon überlegt, wegzuziehen, weil ich wohne hier fünf Jahre und es wird jedes Jahr schlimmer.
06:14Also die ersten zwei Jahre, wo ich hier gewohnt habe, war es eigentlich relativ ruhig,
06:19aber mittlerweile ist es einfach nicht mehr tragbar am Freitag und am Samstag, insbesondere Samstag.
06:26Auch gehört, Huptkonzerte.
06:28Einhaken kann genau das dafür nicht sein.
06:30Wir wollen, dass der erste Bezirk eine bewohnte innere Stadt ist und kein Freilichtmuseum.
06:35Wir wollen, dass hier Leute leben können, eine Lebensqualität auch haben.
06:38Und wenn das nicht der Fall ist, dann läuten alle Alarmglocken, auch bei der Bezirkspolitik.
06:43Und ich bin sehr dankbar für diese Initiative der Bewohnerinnen und Bewohner.
06:48Ich wohne selbst auch in diesem Straßenzug und kenne das genauso, auch mit zwei kleinen Kindern und bin auch nicht
06:53glücklich darüber.
06:55Im Sommer ist es zudem auch gar nicht mehr möglich, ohne offene Fenster zu schlafen, gerade in einem denkmalgeschützten Bereich.
07:01Und wir haben deswegen auch erst im Juni einen Antrag eingebracht als SPÖ, haben die Unterstützung auch von ÖVP, Neos
07:09und Grünen bekommen,
07:10um etwas gegen die Autoboser zu tun.
07:12Wir prüfen Fahrverbote und Fahrgebote, aber darüber hinaus ist ganz wichtig für uns,
07:17dass man insgesamt im Bezirk schaut, wie kann man eine wirklich nachhaltige Verkehrsberuhigung schaffen,
07:23weil es einfach nicht sein muss, dass in einem Stadtzentrum innerhalb Europas, innerhalb der EU, alle reinfahren können und hier
07:31bleiben müssen.
07:31Und das ist, glaube ich, das oberste Gebot, dass wir da schnell was tun müssen.
07:37Wir haben das jetzt ein bisschen beobachten können, es sind zwei oder drei Autos vorbeigefahren
07:41und die Handbewege möchte ich jetzt gar nicht beschreiben, die man gesehen hat.
07:44Das ist schon heftig und man sieht, welche Leute das sind.
07:48Ja, umso schöner, dass es hier diese Nachbarschaftsinitiative gibt, wo genau das Gegenteil gezeigt wird,
07:53weil ich muss sagen, dass das, was ich hier erlebt habe jetzt in den letzten, mittlerweile,
07:58ist das das dritte Mal.
07:59Wochen ist was wirklich sehr Bewegendes, auch im Sinne eines Miteinanders in der Nachbarschaft.
08:04Das kennt man gar nicht so sehr oder so oft, ich glaube generell nicht.
08:10Und im ersten Bezirk ist es noch seltener, weil wir uns ja als Bewohnerinnen und Bewohner gar nicht so leicht
08:14auch treffen.
08:15Es gibt viele Wohnhäuser, in denen auch viel Büros oder andere gewerbliche Nutzungen sind.
08:22Und hier wird es wirklich, also dieses Gemeinsame, sich für eine bessere Lebensqualität einsetzen,
08:28extrem solidarisch auch gelebt und auch mit sehr viel Energie.
08:33Das befürworte ich sehr und das hilft uns als Bezirkspolitik auch sehr, solche Themen dann noch rascher voranzutreiben.
08:40Also insofern von unserer Seite auch wirklich ganz große Unterstützung
08:44und wir wollen diesen Druck und diesen Einsatz mitnehmen auf alle Ebenen, wo wir auch wirken dürfen.
08:51Kann man sich ja vorstellen, dass das sehr gut animiert, weil das ist wirklich eine endlose Gerade und das verleitet
08:56natürlich.
08:57Und das kann man ja sicherlich auch baulich unterbinden, könnte man sich ja vorstellen.
09:01Es gibt viele unterschiedliche Maßnahmen, die man da treffen kann.
09:05Also eine habe ich vorher genannt, Fahr-Fair-Boote, Fahr-G-Boote.
09:08Die verkehrsberuhigte innere Stadt spielt auch mit Einfahrtssperren und Sperren für eben bestimmte Gruppen.
09:17Und ich glaube, es wird eine gute Mischung von allem brauchen.
09:20Um einerseits wirklich akut Abhilfe zu verschaffen in diesem Gebiet, aber auch nachhaltig und langfristig.
09:27Ich bin sehr froh, dass jetzt in den vergangenen Wochen schon viele Schwerpunktaktionen gemacht worden sind.
09:32Ich glaube, in einem gemeinsamen Akt mit diesen Aktionen ist das sicher mal vielleicht ein erstes Abschrecken.
09:38Aber man sieht heute, es ist hier Halligalli, es ist total viel los. Es braucht auf jeden Fall noch mehr.
09:45Und wie lange sind die, ist nächste Woche wieder geplant?
09:48Das wollen wir nicht sagen. Wir wollen die Autopause überraschen.
09:51Überraschen.
09:52Ja, und damit es immerhin ein bisschen eine Wirkung hat, mal schauen, weil gestern war wieder auch so viel los.
09:59Also noch wirkt es nicht. Wir brauchen eine nachhaltige Lösung und das ist das Einzige, was bezählt.
10:05Also momentan, es ist super, dass wir uns alle kennenlernen und dass wir zusammen für ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
10:12Aber wir brauchen einfach eine nachhaltige Lösung und das geht halt einfach auch nur mit der Politik und da müssen
10:19wir unterstützt werden.
10:21Ich verstehe voll und ganz. Dann sage ich recht herzlichen Dank.
10:24Super, vielen Dank.
10:24Dankeschön.
Kommentare