00:00Auf den ersten Blick verspricht dieser Baum erneut eine Rekordernte.
00:04In den vergangenen Jahren erntete Serif Achimedowitsch allein von diesem Baum bis zu 200 Kilogramm Äpfel.
00:11Doch dieses Jahr könnte alles anders sein.
00:16Ich bin mir über den Zustand dieses Obstbaums nicht sicher. Ob er vergiftet ist oder nicht, weiß ich nicht.
00:25Sein Haus in der Gemeinde Varesch in Zentralbosien liegt nur wenige hundert Meter von einer Silber-, Blei-, Gold- und
00:31Zinkmine entfernt, die er als Ursache der Verschmutzung vermutet.
00:36Deshalb will er kein Gemüse mehr für den Eigenbedarf seiner Familie anbauen.
00:41Es wurden uns Berichte vorgelegt, die belegen, dass der Boden kontaminiert ist.
00:45Auf eigenes Risiko kann ausgesät werden. Das bedeutet, dass niemand für irgendetwas verantwortlich ist.
00:53Jeden Tag transportieren Dutzende Lastwagen Erz durch Varesch.
00:57Bei mehr als 300 untersuchten Einwohnern wurde Blei im Blut nachgewiesen.
01:05Bei mehreren Personen lagen die Blut-Bleikonzentrationen deutlich über den empfohlenen Grenzwerten.
01:13Laut der Weltgesundheitsorganisation kann Blei im Blut schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
01:21Umweltorganisationen machen auf das Problem aufmerksam und vermuten, dass die intensive Erzförderung die Ursache sein könnte.
01:28Die Behörden betonen, dass sie keine Vergiftung mit unmittelbaren, sichtbaren Symptomen festgestellt haben.
01:34Wir haben hier jedoch eine chronische Vergiftung.
01:36Das bedeutet, eine langfristige Belastung durch Blei, die zu bestimmten Gesundheitsproblemen führt.
01:44Selbstverständlich mache ich mir Sorgen, denn ich bin herzkrank und hatte bereits einen Herzinfarkt.
01:49Wenn Blei im Blut nachgewiesen wird, wirkt sich das auf meinen Gesundheitszustand aus.
01:54Alle hier sind besorgt.
01:57Im April stellten 265 Eltern aus Varesch einen Antrag.
02:02Schulkinder sollten systematisch auf Blei und andere Schwermetalle im Blut untersucht werden.
02:07Denn Kinder sind besonders anfällig für die giftigen Wirkungen von Blei.
02:11Sie können dadurch dauerhafte gesundheitliche Schäden, insbesondere bei der Entwicklung des zentralen Nervensystems erleiden.
02:18Die Behörden haben bis heute nicht reagiert.
02:21Kein einziges Ministerium hat geantwortet.
02:24NGOs und Einwohner protestieren gegen das ihrer Ansicht nach langsame und unzureichende Vorgehen der zuständigen Behörden.
02:31Niemand tut etwas.
02:32Das heißt, es ist nie jemand hierher gekommen, um herauszufinden, worin das Problem besteht.
02:39Umweltorganisationen haben beschlossen, Beschwerden gegen die verantwortlichen Personen in den Unternehmen, die das Erz fördern,
02:45sowie gegen die Behörden einzureichen.
02:50Wir sehen, dass sowohl das System zum Schutz der Öffentlichkeit als auch das Umweltschutzsystem völlig versagt haben.
02:57Es gibt weder Präventionsmaßnahmen noch Kontrollen oder Reaktionen.
03:01Wir müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
03:07Varesch war schon immer eine Bergbaustadt.
03:09Der Bosnienkrieg und die Privatisierungen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in den 1990er Jahren
03:14brachten die lokale Wirtschaft an den Abgrund.
03:16Es folgte eine Massenabwanderung, insbesondere junger Menschen.
03:20Die Wiederaufnahme der Produktion und Investitionen in die Minen gaben den Einheimischen neue Hoffnung.
03:25Nun wachsen jedoch ihre Sorgen um die Gesundheit.
03:29Wir sind für den Bergbau, aber bei der Luftqualität sind wir nicht ausreichend geschützt.
03:33Die Mine wurde im Jahr 2025 vom kanadischen Unternehmen DPM Metals übernommen.
03:40Nach einer Anfrage erklärte die zuständige PR-Agentur, dass das Unternehmen den Umwelt- und Gesundheitsschutz sehr ernst nehme.
03:48Außerdem habe es das vom Gesundheitszentrum Varesch durchgeführte Testprogramm finanziert.
03:53Betont wurde auch, dass die bisherigen Ergebnisse keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Aktivitäten des Unternehmens
04:00und den erhöhten Bleikonzentrationen im Blut der Bevölkerung nachweisen konnten.
04:05Die Gemeinde Varesch erklärt, dass die Gesundheit der Bevölkerung oberste Priorität habe und alle Schutzmaßnahmen ergriffen würden.
04:12Gleichzeitig sagt sie, dass sie die aktuelle Situation allein nicht bewältigen könne.
04:18Wir haben die übergeordneten Behörden um Unterstützung gebeten.
04:22Wir brauchen medizinisches Personal und weitere Untersuchungen der Bevölkerung.
04:28Im April richtete die Regierung von Bosnien und Herzegowina ein multidisziplinäres Experten-Team ein,
04:34das die Umweltbedingungen überwachen und mögliche Gesundheitsrisiken bewerten soll.
04:39Die Ergebnisse dieses Teams werden darüber entscheiden, welche Maßnahmen als nächstes ergriffen werden.
04:45Bis dahin haben die Einwohner immer noch keine Antworten auf ihre Fragen.
04:48Sie sorgen sich um ihre Gesundheit und sie wollen wissen, wie sicher ihre Häuser, Gärten und die Luft sind.
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