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  • vor 2 Tagen
In Lyon hat das erste "Haus der Diversität" Frankreichs eröffnet. Das Wohnprojekt richtet sich an queere Menschen über 55 - und bietet neben einem Dach über dem Kopf auch Schutz vor Einsamkeit und Ausgrenzung im Alter.

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Transkript
00:00Ich wurde nach meiner Transition dreimal täglich angegriffen. Im ersten Jahr hat man mich täglich beschimpft.
00:08Als mir bewusst wurde, dass ich schwul bin, habe ich die Flucht ergriffen. Es war eine Frage von Leben und
00:13Tod.
00:14Alice und François sind beide nicht mehr berufstätig, queer und kinderlos. Sie eint die Frage nach einem sicheren Rückzugsort im
00:22Alter.
00:23Uns haben kläre Menschen erzählt, dass sie in Altersheimen gemobbt werden und ihre Identität nicht leben können.
00:27Das Haus der Diversität im französischen Lyon möchte das anders machen. Ein Ort, an dem queere Menschen ab 55 sein
00:36können sollen, wer sie sind.
00:39François Bourie liebt seine neue 40 Quadratmeter Mietwohnung. Hier kann der 65-jährige Schwule endlich aufatmen.
00:48Hier darf ich sein, wer ich bin. Wenn wir zum Beispiel abends etwas zusammen trinken, kann ich ohne Sorge sagen,
00:56Oh, der Elektriker neulich, der war aber süß.
01:01Diesen Pulli habe ich zum Geburtstag bekommen.
01:06Drei Stockwerke weiter oben wohnt die 56-jährige Alice auf 20 Quadratmetern.
01:12Ihre Transition zur Frau hat sie vor sechs Jahren gemacht.
01:16Damals wohnte sie in einer kleineren Stadt nördlich von Lyon und musste sich dort eine harte Schale zulegen.
01:24In meinem ehemaligen Wohnort verstecken sich Schwule, Lesben und Transmenschen.
01:30Ich wurde nach meiner Transition dreimal täglich angegriffen.
01:34Im ersten Jahr hat man mich täglich beschimpft. Ich habe mich damals oft alleine gefühlt.
01:42François hat seine sexuelle Identität oft so weit es ging versteckt.
01:46Seine Eltern waren Fabrikarbeiter in einem kleinen Dorf.
01:49Einfache Leute mit einfachen Werten, wie er sagt.
01:55Damals beschimpften alle die Homosexuellen.
01:58Als mir bewusst wurde, dass ich schwul bin, wusste ich, ich würde meiner Familie Schande bereiten.
02:03Ich habe die Flucht ergriffen. Es war eine Frage von Leben und Tod.
02:08Es gab keinen Platz für mich dort.
02:13François findet einen festen Partner und einen Job als Erzieher.
02:181982 entkriminalisiert Frankreich die Homosexualität.
02:22Doch die gesellschaftlichen Vorurteile und Ablehnungen verschwinden nicht von heute auf morgen.
02:26Und dann erlebt François einen Schicksalsschlag, der sein Gefühl der Isolation noch verstärkt.
02:33Wenn dir ein Arzt sagt, du hast Aids, ich konnte nicht anders als
02:52an all unsere Freunde zu denken,
03:01unsere Freunde zu denken, die an der Krankheit gestorben sind.
03:05Ich sagte mir, jetzt bin ich an der Reihe.
03:09HIV-Infizierte haben inzwischen dieselbe Lebenserwartung wie gesunde Menschen,
03:13dank des medizinischen Fortschritts.
03:15Im Haus der Diversität sind sie ausdrücklich willkommen.
03:1815 Wohnungen sind hier zu vermieten, für 300 bis 800 Euro pro Monat.
03:2340 Leute hatten sich darauf beworben.
03:25Es gibt einen Waschraum, eine Gemeinschaftsküche,
03:28ein gemeinsames Wohnzimmer und regelmäßige Workshops.
03:31Heute ist ein Verein da, der Theaterateliers mit Taubstummen anbietet.
03:36Wir würden zwischen September und März gemeinsame Workshops organisieren.
03:43Als ich hier eingezogen bin, hatte ich gehofft, dass unser Haus genau das macht,
03:48sich mit anderen Initiativen zu verknüpfen.
03:53Fünf weitere Häuser der Diversität will man in den nächsten Jahren in ganz Frankreich aufmachen.
03:58Dann auch mit medizinischer Betreuung.
04:00Doch das reiche nicht, so die Organisatoren.
04:03Schließlich gäbe es eine Million queere Menschen, die sich dem Rentenalter nähern.
04:10Erst seit 2013 dürfen Homosexuelle in Frankreich heiraten und adoptieren.
04:15Eine ganze Generation hat also keine Kinder und damit naheliegende Unterstützer.
04:19Uns haben queere Menschen erzählt, dass sie in Altersheimen gemobbt werden
04:22und ihre Identität nicht leben können.
04:24Wir geben ihnen die Möglichkeit, sie selbst zu sein bis zum Tod,
04:28ohne sich verstecken zu müssen.
04:29Aber dafür brauchen wir mehr politische Unterstützung.
04:33Alice und François gehen in ein Theatercafé.
04:36Das Viertel, eine frühere Hochburg der Seidenweberei,
04:40ist heute eine Gegend mit reichem Kulturangebot.
04:43Sie fühlen sich hier wohl.
04:45Auch wenn das Leben im Haus nicht immer einfach ist.
04:49Es ist schwer, mit anderen Menschen klarzukommen.
04:52Es gab schon Momente, in denen ich dachte, ich sollte ausziehen.
04:56Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige.
04:59Ich habe von Anfang an einen gewissen Abstand eingehalten.
05:02Ich habe mir gesagt, wir werden 30 Jahre zusammenleben.
05:05Da kann man nicht von heute auf morgen Freunde werden.
05:10Kein ganz unbeschwertes Gespräch.
05:12Doch eins ist kein Thema mehr.
05:15Ihre sexuelle Orientierung.
05:17Es ist, als wären sie angekommen.
05:19Amour est un bouquet de violence.
05:26Hierher zu ziehen, hat mein Leben verändert.
05:28Seitdem wurde ich nicht einmal wegen meines Aussehens beleidigt.
05:34In diesem Haus zu wohnen, ist vielleicht mein letzter militanter Akt.
05:37Wir wollen uns auch aussuchen dürfen, mit wem wir alt werden.
05:40Und wollen nicht mit engstirnigen Heterosexuellen zusammengesteckt werden,
05:44die uns diskriminieren.
05:45Wir wollen uns auch einfach inscrimine.
05:47Wir wollen uns auch nicht in diesem Haus.
05:54Vertraue und glaube, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
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