00:05Für den Krieg in der Ukraine rekrutiert Russland Ausländer.
00:09Ich habe mich dafür entschieden, damit ich in Kuba nicht verhungere.
00:13Aus weit entfernten und wirtschaftlich schwachen Regionen.
00:17Einige wissen, worauf sie sich einlassen, andere werden getäuscht.
00:22Sie landen an der Front, oft als Kanonenfutter eingesetzt.
00:28Als die Mine explodierte, wurden fast alle getötet.
00:32Für ihre Familien zu Hause ist es schwer, Informationen zu bekommen oder sich um eine würdige Bestattung zu kümmern.
00:40Das Schlimmste ist, seine Leiche wurde in einem Wald in Russland verscharrt.
00:45Wir treffen Angehörige von Soldaten aus Bangladesch, Kenia und Kuba.
00:51Sie gingen nach Russland, um gegen die Ukraine zu kämpfen.
01:10Alles, was von Juan Vion de Mendoza bleibt, sind diese Erinnerungen.
01:16Hier ist er 16 oder 17.
01:19Und dieses wurde schon in Moskau aufgenommen, in Militäruniform.
01:23Juan ging nach Russland.
01:26Ihm wurde Geld versprochen.
01:29Geld, das er brauchte, um zu seinem Bruder Michael in die USA zu ziehen.
01:33Der hat Krebs und wird hier im Bundesstaat Kentucky therapiert.
01:38Andere familiäre Unterstützung gibt es nicht.
01:41Yuan wurden 2000 Dollar monatlich versprochen.
01:44Eine enorme Summe für kubanische Verhältnisse.
01:47Der durchschnittliche Lohn liegt hier bei etwa 20 Dollar.
01:52Die Nachrichtenagentur Reuters filmte Yuan und andere junge Kubaner, die im September 2023 nach Russland gehen wollten.
02:02Alle sagten, ich mache das, damit ich in Kuba nicht verhungere.
02:06Sie wussten genau, wohin sie gehen.
02:07Ich weiß genau, wohin ich gehe.
02:12In diesem WhatsApp-Chat schreibt eine Vermittlerin ausdrücklich, dass Yuan einen Vertrag mit dem russischen Militär unterschreiben soll.
02:20Hier steht's.
02:21Wenn du einverstanden bist, schick mir ein Foto deines Passes.
02:24Das habe ich gemacht.
02:26Michael versuchte, ihn aufzuhalten.
02:28Vergeblich.
02:32Als ich meinen Bruder wieder sah, war das für mich sehr schmerzhaft.
02:36Er stand in einem russischen Feld.
02:40Der Schnee reichte ihm bis zur Brust.
02:43Uniformiert als Soldat mit einer AK-47, die größer war als er selbst.
02:49Yuan versuchte zu desertieren.
02:51Doch allein in einem fremden Land, tief im Kriegsgebiet, ohne Pass, wusste er nicht, wohin er gehen sollte.
03:01Er sagte zu mir, du musst mich hier rausholen.
03:06Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es tut mir leid.
03:11Bitte hol mich hier raus.
03:13Schnell.
03:18Tausende Kilometer entfernt in Kentucky versucht Michael Tag und Nacht seinem Bruder zu helfen.
03:23Sie sprechen fast täglich miteinander.
03:25Aber eines Tages kommen keine Anrufe mehr.
03:39Auf der anderen Seite der Welt, im Westen Kenias.
03:42Charles Motoka kann nur zu gut nachempfinden, wie Michael sich fühlt.
03:47Sein einziger Sohn, Oskar Kagola Motoka, ehemaliger kenianischer Soldat, ging 2025 ebenfalls nach Russland.
03:58Er kam und sagte, Papa, ich habe einen Job in Russland gefunden.
04:02Ich sagte ihm, dass es sehr gefährlich ist, dorthin zu gehen, weil er im Militär landen wird.
04:11Ob er wusste, worauf er sich einließ oder nicht, Oskar hörte nicht auf seinen Vater.
04:18Seine Familie erfuhr die Wahrheit durch dieses Foto.
04:22Das einzige, das Oskar je aus Russland schickte.
04:27Wenige Wochen später war Oskar tot.
04:31Seine Frau Milka Nelima und andere Familienmitglieder erfuhren es über inoffizielle Wege.
04:38Oskar ging auf schwierige Missionen und er kämpfte an vorderster Front.
04:45Früher hat er es immer geschafft, irgendwie zurückzukommen.
04:49Ich konnte nicht glauben, dass er tot ist.
04:52Ich glaube es bis heute noch nicht.
05:02Seine Familie wartete monatelang darauf, dass sein Leichnam nach Hause zurückgebracht wird.
05:07Die kenianische Regierung hatte Hilfe versprochen.
05:10Vergeblich.
05:12Im Mai hielten sie schließlich eine symbolische Beerdigung ab.
05:15Ohne Leiche.
05:17Seitdem haben sie zumindest einen Ort zum Beten.
05:22Aber nicht für einen echten Abschied.
05:30Das Schlimmste ist, ich habe keine Ahnung, ob er begraben wurde oder ob sein Körper in einem Wald in Russland
05:36weggeworfen wurde.
05:39Zu weit weg. Von zu Hause.
05:46Oskars Grabstein liegt neben dem seiner Mutter, die vor sechs Jahren starb.
05:50Sein Vater lebt nun allein im Haus der Familie.
05:58Oskar und Johann sind nicht die einzigen.
06:01Russland rekrutiert aktiv Männer aus weltweiten, krisenhaften Regionen, sagt Ilya Nusov von der Internationalen Föderation für Menschenrechte.
06:13Russland hat ein globales System räuberischer Rekrutierungen aufgebaut, das ausländische Staatsangehörige ins Visier nimmt, um sie im Krieg gegen die
06:21Ukraine auszubeuten.
06:24Vor allem wirtschaftlich, sozial und rechtlich schwache Personen in der ganzen Welt.
06:30Die Methoden reichen von Anlockung, Übertäuschung bis hin zu Zwang.
06:37Diese Politik löst international Empörung aus.
06:41Weltweit gehen Angehörige auf die Straße, wie hier in Peru, und fordern die Rückkehr ihrer Liebsten.
06:47Russland versucht zu beschwichtigen.
06:50Außenminister Sergej Lavrov räumt die Beteiligung ausländischer Kämpfer ein, bezeichnet sich jedoch als Freiwillige.
07:00Russland rekrutiert niemanden. Freiwillige beteiligen sich im Einklang mit dem russischen Recht an dieser speziellen Militäroperation.
07:12Wir haben die russische Regierung um weitere Informationen gebeten, erhielten jedoch keine Antwort.
07:19Im Februar erließ Russland berichten zufolge einen Stopp der Rekrutierung aus einigen befreundeten Ländern.
07:28Der Zustrom aus einigen Ländern wurde reduziert oder zeitweise gestoppt.
07:34Aber Russland findet Wege, das zu umgehen. Sie rekrutieren in anderen Ländern.
07:40Die Zahl der ausländischen Kämpfer steigt weiter.
07:47Ukrainische Geheimdienste sprechen von mehr als 27.000 ausländischen Kämpfern auf russischer Seite.
07:52Die meisten stammen aus Zentralasien, viele aber auch aus Lateinamerika, Afrika und Südostasien.
08:06Fatima Begum und Akram Mondol leben in Bangladesch.
08:09Sie hatten Glück, denn ihr einziger Sohn Alman kehrte lebend aus dem Krieg zurück.
08:16Doch seine Gesundheit und seine Zukunft sind zerstört.
08:26Diese Bilder werde ich nicht los.
08:29Wie Menschen sterben, ihre Gesichter entstellt.
08:35Einige wurden von Minen zerrissen.
08:38Ständig griffen Drohnen an.
08:42Gliedmaßen wurden abgerissen.
08:45Es war schrecklich.
08:52Wie Millionen junger Menschen in Bangladesch träumte Arman von einem Job im Ausland.
09:00Sein Vater nahm Kredite auf und verkaufte Land, um einen Vermittler zu bezahlen.
09:05Arman reiste mit einem Touristenvisum nach Russland.
09:08Ihm wurde ein Job in der Lebensmittelwirtschaft versprochen.
09:11Stattdessen zwang man ihn, einen Vertrag beim Militär zu unterschreiben.
09:17Sie behandelten uns sehr schlecht.
09:20Wir waren immer an der Front, während sie selbst hinten blieben.
09:24Sie benutzten uns als menschliche Schutzschilde.
09:30Bei einer Mission fuhr ihr Fahrzeug auf eine Mine.
09:37Als die Mine explodierte, wurden fast alle getötet.
09:41Nur zwei überlebten.
09:42Eine Person hat schwere Verletzungen an der Hand und am Bein erlitten.
09:46Ich habe mir das Bein verletzt.
09:48Dann schlug eine Drohne ein.
09:50Mein Bein wurde nochmal verletzt.
09:54Die Spuren sind noch sichtbar.
09:57Splitter stecken in seinem Bein.
10:02Arman konnte fliehen.
10:04Doch zurück in Bangladesch bekommt er keine Entschädigung oder Hilfe.
10:12Meine Medikamente kosten jeden Monat 65 bis 75 Dollar.
10:16Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll.
10:18Mit diesem Bein kann ich nicht genug verdienen.
10:23Er irrt durch sein Dorf, ohne Arbeit.
10:26Und sucht online nach einer Zukunft.
10:37In den USA wartet Michael weiter verzweifelt auf ein Lebenszeichen seines Bruders.
10:44Vor drei Monaten tauchte Joans Name auf einer Liste gefallener ausländischer Kämpfer auf.
10:52Ich kann nicht fassen, dass mein Bruder nicht mehr da ist.
10:58Michael hat Kleidung für Johan gekauft.
11:04Alles neue Sachen für ihn.
11:09Nun kauft er nichts mehr.
11:11Stattdessen steht dort eine Urne für Johan.
11:19In Kenia war Oskar der Ernährer, als ältester Sohn und Vater von fünf Kindern.
11:24Er hatte angefangen, ein Haus für seinen Vater zu bauen.
11:27Es wird nie fertig werden.
11:29Seine Familie bekommt nichts.
11:32Weder aus Russland noch aus Kenia.
11:38Es wird über Entschädigung gesprochen, aber kein Geld kann unseren Schmerz lindern.
11:47Ein Schmerz, den sie mit hunderten anderen Familien in Kenia teilt.
11:54Was ist das für ein Krieg?
11:56Was hat er mit uns zu tun?
11:59Lasst Afrika in Ruhe.
12:00Das ist nicht unser Krieg.
12:01Dafür werden sie teuer bezahlen.
12:04Dafür, dass sie unsere afrikanischen Söhne in ihren eigenen Krieg geschickt haben.
12:12Das Schlachtfeld in der Ukraine ist weit entfernt von diesem Dorf in Kenia.
12:17Aber der Krieg wirkt sich bis hierher aus.
12:20Ebenso in Kuba, Bangladesch und anderen Ländern, aus denen Russland Kämpfer rekrutiert.
12:28Das ist nicht so, wie sie in der Ukraine sind.
12:31Untertitelung des Zandes, die Ukraine ist nicht so, wie sie in der Ukraine sind.
12:32Sie sind so, wie sie in der Ukraine sind.
12:34Untertitelung des ZDF, 2020
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