00:01Verheerende Waldbrände wüten im Süden und Westen Europas.
00:05Besonders betroffen sind Spanien mit mehreren Feuern in Regionen nahe der Hauptstadt Madrid sowie Frankreich.
00:14Dort brennt es vor allem bei Bordeaux.
00:16Fast 3000 Feuerwehrleute versuchen pausenlos die Flammen unter Kontrolle zu bringen.
00:22Aus mehreren europäischen Ländern gibt es Hilfe, Löschflugzeuge und Helikopter etwa.
00:28Dass sich die Flammen so schnell und massiv ausbreiten konnten, liegt auch daran, dass im Wald vor Bordeaux vor langer
00:35Zeit vor allem Seekiefern gepflanzt wurden.
00:38Der Fourette des Landes ist der größte Nutzwald Westeuropas, eine entzündliche Monokultur.
00:44Wo das Feuer wütete, bleibt verbrannte Erde. Die Brände waren nur noch 15 Kilometer von der Großstadt Bordeaux entfernt.
00:52Seit vergangenem Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in der Region an der Atlantikküste in Sicherheit gebracht, unter anderem
01:00in ein Messezentrum.
01:03Die Behörden haben viel geleistet, es gab viele Freiwillige, dafür sind wir sehr dankbar.
01:10Wir möchten unser Zuhause zurück. Die Kinder sind so beunruhigt, es geht ihnen überhaupt nicht gut. Wir müssen uns rund
01:17um die Uhr um sie kümmern.
01:20Doch an eine Rückkehr ist bei vielen vorerst nicht zu denken.
01:25Wir haben es mit einem beispiellosen Waldbrand zu tun. Die Situation, mit der wir konfrontiert sind, ist die schlimmste, seit
01:32es Aufzeichnungen gibt und die schwerste seit dem Zweiten Weltkrieg.
01:35Mehr als 160.000 Hektar sind abgebrannt und die Saison ist noch lange nicht vorbei.
01:41Die Feuer kommen nicht von ungefähr, sagen Experten, angesichts großer Hitze und Trockenheit.
01:49Es ist außergewöhnlich, dass es zu Beginn dieses Sommers vier Hitzewellen hintereinander gab.
01:54Ende Mai, Ende Juni, Anfang Juli und nun Ende Juli und Anfang August. Eine solche Abfolge ist beispiellos.
02:02In der Vergangenheit gab es im Sommer immer wieder stabile Hochdrucklagen.
02:07Durch den Klimawandel aber begünstigen diese Wetterlagen heute deutlich stärker die Entwicklung von Hitzeperioden und Hitzewellen.
02:16So heftig wüten die Brände, dass es zu sogenannten Feuerwolken kam.
02:21Glühend heißen Wolken mit eigenem Wetter. Eine unberechenbare Lage.
02:25Ein Phänomen, das Frankreich nun zum ersten Mal erlebte.
02:33Auch in Spanien stellen die Waldbrände alles bisher Dagewesene in den Schatten.
02:38Besonders betroffen sind die Regionen um die Hauptstadt Madrid und bei Valencia am Mittelmeer.
02:43Nahe Avila, eine gute Stunde westlich von Madrid, wütet das größte Feuer in der Geschichte Spaniens.
02:49Über 500 Quadratkilometer sind ihm bereits zum Opfer gefallen.
02:53Insgesamt gingen in Spanien bereits mehr als 1700 Quadratkilometer in Flammen auf.
02:59Sechs Mal mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.
03:04Nach etwas weniger Hitze und Winter, Montag und Dienstag, rollt am Mittwoch bereits die nächste Hitzewelle heran mit bis zu
03:1140 Grad Celsius.
03:14Wir haben noch schwierige Stunden und Tage vor uns.
03:18Die Temperaturen werden wieder steigen auf der gesamten iberischen Halbinsel, sagt der staatliche Meteorologische Dienst.
03:24Deshalb, ich rufe alle Einwohner Spaniens weiter zu extremer Vorsicht und Vorsorge auf.
03:35Die Feuer breiteten sich teilweise mit großer Geschwindigkeit aus, angefacht durch den Wind, wie diese Aufnahmen einer Kamera auf einem
03:44Hausdach zeigen.
03:48Ich kann die Hilflosigkeit gar nicht beschreiben, die man empfindet, wenn man sieht, wie das eigene Haus, die der Nachbarn,
03:54das Viertel, die ganze Stadt brennen, das totale Chaos.
03:58Es war wie im Film, wenn der Boden sich auftut und man die rote Hölle sieht. Genauso war es hier.
04:04In diesem Wohngebiet schlugen die Flammen 15 bis 20 Meter hoch, es war grausam mit anzusehen.
04:11Die Menschen in den betroffenen Gebieten sind verzweifelt und wütend.
04:19Angesichts der ständigen Hindernisse, die sie einem in den Weg legen bei der Viehzucht, beim Anbau von Ananas, beim Sammeln
04:26von Brennholz,
04:27Dürfen wir unsere Wälder nicht säubern? Wollen sie, dass sie abbrennen? Was passiert da gerade? Ist es das, was sie
04:34wollen? Alles zerstören?
04:35Wollen sie, dass Spanien zu einer Wüste wird?
04:41Fast 80.000 Menschen mussten in Spanien bereits ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften, bei Freunden und Familie oder in
04:49Hotels unterkommen.
04:54Wir wurden ganz plötzlich evakuiert. Ich bin nur mit dem hier raus, weil ich gerade erst beim Anziehen war.
05:00Man hat uns gesagt, dass die ganze Stadt voller Rauch ist, dass man die Luft kaum atmen kann.
05:0811 Löschflugzeuge aus mehreren Ländern sind mittlerweile in Spanien im Einsatz.
05:13Sie können die Feuer nicht löschen, aber für eine kurze Entlastung der Feuerwehrleute am Boden sorgen, damit die weiter vorrücken
05:20können.
05:21Allerdings kommt die EU mit ihrer Hilfe an ihre Grenzen, denn auch in Portugal, Italien und Schottland sind neue Brände
05:28ausgebrochen.
05:28Das auf dem ersten Blick Paradoxe in Spanien? Im Januar und Februar hatte es dort viel geregnet, überall gab es
05:35reichlich frisches Grün zu sehen.
05:37Aber die ersten Hitzewellen ließen alles wieder verdorren und dadurch finden die Feuer jetzt viel Nahrung.
05:48Die Waldbrandsaison wird eindeutig länger und intensiver. Warum? Weil die Hitze früher einsetzt und länger anhält.
05:55Doch das ist nicht nur ein meteorologisches Problem.
05:58Waldbrände müssen das ganze Jahr über bekämpft werden. Es spielt keine Rolle, ob Sommer oder Winter ist.
06:03Eine kontinuierliche Waldbewirtschaftung ist erforderlich, damit die Wälder im Falle eines Brandes in bestmöglichem Zustand sind
06:10und die Feuerwehrleute ihn einfacher eindämmen und bekämpfen können.
06:15Das deutsche Umweltbundesamt sagt, die eigentliche Gefahr und Gesundheitsgefährdung bei Brändenseuchen-Ausmaße sei weniger das Feuer selbst,
06:23sondern die hohe Feinstaubbelastung durch den Rauch. Dem könne man nämlich kaum ausweichen.
06:28Experten rechnen deshalb durch die Brände mit zehntausenden zusätzlichen Todesfällen in Europa.
06:33Wir sehen uns beim nächsten Mal.
06:37Wir sehen uns beim nächsten Mal.