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Gevatter Tod ist ein vom DEFA-Studio für Spielfilme produzierter Märchenfilm von Regisseur Wolfgang Hübner aus dem Jahr 1980. Vorlage für den Film war das Märchen Der Gevatter Tod aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Der Film wurde erstmals am 28. Dezember 1980 im 1. Fernsehprogramm des Deutschen Fernsehfunks gezeigt.

Handlung
Görlitz um 1500: Der arme Bauer Hans Kläusle sucht für sein 13. Kind Jörg einen Gevatter. Nachdem er die Angebote von Gott und Teufel abgelehnt hat, da der eine nur die Reichen satt mache und der andere seinen Sohn verführen würde, wählt er den Tod als Paten für seinen Sohn aus. Der lässt sein Patenkind später an den Universitäten von Perugia und Casablanca Medizin studieren. Als Arzt wird er bald ein berühmter und reicher Stadtmedicus. Nach einer Abmachung mit seinem Gevatter darf er alle Patienten heilen, bei denen er den Tod an ihrem Kopf, nicht aber bei ihren Füßen stehen sieht, denn „Wenn es aus ist, ist es aus.“ In der Stadt bricht um 1530 die Pest aus. Jörg rettet das Leben des kleinen Krakauer Jungen Stanislaus, dessen Mutter und Vater zuvor gestorben sind. Der Bürgermeister der Stadt erkrankt kurz darauf schwer und soll nach dem Willen des Todes ebenfalls sterben. Jörg überlistet den Tod, in dem er den Bürgermeister mit den Füßen an das Kopfende des Krankenbettes legt. Der Tod sieht darüber hinweg, warnt ihn aber, das kein zweites Mal zu versuchen. Bei einem anschließenden Fest wird Jörg feierlich in die Bürgerschaft aufgenommen und lernt Barbara, die Tochter des Bürgermeisters kennen, in die er sich verliebt. Kurz darauf erkrankt jedoch auch diese. Der Bürgermeister verspricht Jörg, ihn als Alleinerben einzusetzen, wenn er Barbaras Leben retten kann. Daher überlistet Jörg den Tod abermals. Der Tod nimmt ihn daraufhin mit in eine Höhle mit Lebenslichtern, unter anderem seines und das Barbaras. Letzteres ist fast abgebrannt und kurz vor dem Erlöschen. Der Tod erinnert Jörg an ihre Abmachung und versucht ihm klarzumachen, dass das Leben nun einmal zu Ende sei, wenn es zu Ende sein soll, und dass an den Gesetzen der Natur weder Jugend noch die Medizin etwas ändern können. Da sich Jörg aber weiterhin weigert, dies einzusehen, fragt der Tod ihn schließlich: „Sag, wie kräftig willst du des Mädchens Leben noch sehen?“ Jörg macht eine folgenschwere Entscheidung: Er greift in das Kerzenmeer und zieht eine beliebige, große Kerze heraus. Der Tod nimmt die Kerze und drückt das Licht Barbaras darauf mit den Worten: „Um deinetwillen.“ Nachdem der Arzt wieder in die Stadt zurückgekehrt ist, sieht er, dass die Lebenskerze seinem kleinen Ziehsohn Stanislaus gehörte, der nun tot auf der Treppe seines Hauses liegt. Erschüttert darüber, was er getan hat, verlässt Jörg nach einer letzten Begegnung mit seinem Gevatter die Stadt fluchtartig. In der letzten Szene trifft Barbara, die ohne Jörg am liebsten nicht mehr leben will, den Tod, der zu ihr sagt: „Gebrauch' Dein Leben, Mädchen, Du lebst noch viele Jahre wohl.“

Kategorie

🎥
Kurzfilme
Transkript
00:00:01Musik
00:00:32Musik
00:00:37Musik
00:00:39Musik
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00:00:41Musik
00:01:05Grüß Gott!
00:01:14Grüß euch, Herr.
00:01:16Was gibt's, dass du an einem Tag wie diesem so traurig bist?
00:01:24Ach, Herr, zwölf Kinder habe ich schon.
00:01:30Verbracht meine Frau mir am Morgen noch ein Dreizehntes auf die Welt.
00:01:35Nun frage ich mich, wer macht einem wie mir den Gevatter?
00:01:40Denn einen Gevatter soll er haben, der Junge.
00:01:44Soll er, wie jedes andere menschliche Wesen.
00:01:50Armer Mann.
00:01:54Du dauerst mich.
00:01:58Ich will dein Kind aus der Taufe heben.
00:02:02Sie, Herr?
00:02:03Wer seid ihr?
00:02:06Der liebe Gott, mein Sohn.
00:02:12Nein, nein, euch will ich nicht.
00:02:16Gebt's den Reichen alle Zeit und uns lasst er Hunger?
00:02:41Melampus Schlampampus, wohin deswegs?
00:02:44Einen Gevatter suchen für mein Dreizehntes.
00:02:48Dreizehn, alle Wette eine gute Zahl.
00:02:51Nimm mich.
00:02:53Ich?
00:02:55Wer bist denn du?
00:02:57Na, was meinst?
00:03:01Niemand anders als der Teufel.
00:03:07Nein, du betrügst uns nur.
00:03:09Würdest mein Kind verführen?
00:03:10Nein, nein, nein.
00:03:13Voll Teufel!
00:03:15Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha.
00:03:19Ha, ha, ha, ha, ha, ha.
00:03:40Mit dem ist auch nicht viel Start zu machen.
00:03:43Willst du in die Stadt zur Fleischbank?
00:03:50Noch nicht.
00:03:52Ab Zeit.
00:03:54Wie alles auf dieser Welt seine Zeit hat.
00:04:00Suchst du noch immer einen Gevatter?
00:04:05Du sollst es nicht bereuen.
00:04:07Du nicht.
00:04:08Und nicht ein Knabe.
00:04:10Ja, aber woher weißt du?
00:04:12Wenn wieder eins lädt, weiß ich's halt.
00:04:15Und was lädt, braucht Zeit.
00:04:16Und einen Gevatter.
00:04:18Und mich.
00:04:20Dich?
00:04:24Mich?
00:04:26Ich bin der Tod.
00:04:31Ja, dann bist du mir der Rechte.
00:04:36Du begünstigst keinen.
00:04:39Dir ist jeder gleich.
00:04:41Na, siehst du.
00:04:43Zeit gebe ich ihm.
00:04:44Und mach einen Klugen aus ihm.
00:04:46Am besten einen Arzt.
00:04:48Da treffen wir öfter zusammen.
00:04:49Ich bin, kann ich wohl sagen, beinahe ein Mitglied dieser Zunft.
00:04:57Ich lass von mir hören.
00:04:59Sag seiner Mutter, wer mich zum Freunde hat, dem wird's an nichts fehlen.
00:05:12Wie soll denn heißen?
00:05:15Jörg?
00:05:18Kinder der Armen sind im Tod am nächsten.
00:05:21Wie wahr?
00:05:24Ja, wer seine Löser kennt, worum soll der noch bangen?
00:05:54Der Fisch ist eine Gottesgabe und für den Freitag wie geschaffen.
00:06:03Löffel von euch.
00:06:04Nur sechs heller der Herr.
00:06:06Fünf.
00:06:07Drei, weil ihr es seid.
00:06:09Dabei so billig und wohlfeil.
00:06:12Kauft Fisch, ihr Leute.
00:06:14Lass ihn in den Korn.
00:06:16Aus Hand, aus Hand.
00:06:17Probiert mal die Säfte.
00:06:19Soll ich über Kirschen und andere von ihm fährt.
00:06:23Bring mir das große Maß.
00:06:25Da.
00:06:29Alter Saufgat.
00:06:30Schaff ihn weg.
00:06:38Hämmerich?
00:06:39Kennt ihr den da?
00:06:41Heute treibt sich viel Volk herum.
00:06:43Von überall her.
00:06:44Wie immer, wenn Fuhren kommen.
00:06:46Er gefällt mir nicht, der Kerl.
00:06:49Habe ein Gefühl, als wollte er auf hoher stiften.
00:06:52Lieber Veit.
00:06:53Euch steckt noch die Angst im Hals.
00:06:56Die Tuchmachergesellen sind ausgestanden seit, äh, seit anno 27.
00:07:01Was sind drei Jahre?
00:07:03Manches Feuer flackert lange nach.
00:07:06Petter, unser Rat ist wohl versehen mit strengen Prokuratores.
00:07:12Hast du denn gar kein anderes Kraut, als diese Zwiebeln?
00:07:17Unterschätzt nicht die Zwiebel, Freund.
00:07:18Sie bekommt den Magen.
00:07:20Bei Husten kocht jede Mutter Saft davon.
00:07:22Ja, und wem sie beim Schlachten fehlt, der jammert, weil ihnen die Augen trocken bleiben.
00:07:25Recht hast du.
00:07:27Auch Tränen können heilen.
00:07:30Ich nehm dir diesen ab.
00:07:32Sag mal, was kratzen dich der Magen und der Husten?
00:07:36Dass du so geläufig davon redest, wie die Katze von der Maus.
00:07:40Ich hab mir Wechsel gereizt von klein auf.
00:07:43Am meisten Kräuter, Schafgarbe, Zintkraut, Wegericht.
00:07:47Sie kosten nur das Suchen.
00:07:48Pack deinen Kram, Jörg.
00:07:49Du bist doch das Sohn vom Hans Kräusler.
00:07:52Ja?
00:07:52Komm.
00:07:55Ich will dir einen Wein spendieren, damit dir dein Herz aufgeht und du hören kannst, was ich dir sagen will.
00:08:02Die Krakauer! Auf der Brücke sind sie schon. Komm!
00:08:16Prosit!
00:08:19Es mögen nützen.
00:08:26Von heute an kennst du deinen Gevater.
00:08:33Du bist der?
00:08:34Keine Angst, mein Junge.
00:08:36Wie es den Wind gibt und den Schall und der Rauch von unten nach oben steigt, so gibt es auch
00:08:42mich.
00:08:43Ha, ha, ha, ha, das ist meine Angst.
00:08:47Ein Hieder lebt mit mir und ich mit ihm auf dieser Welt.
00:08:52Deinen Antworten habe ich angemerkt, es ist an der Zeit.
00:08:56Ich komm ungern zu früh, hab's warten gelernt.
00:09:01Aber jetzt meine ich, sollst du ein Mann werden, der gebraucht wird.
00:09:06Einer, den niemand verlacht, der vielmehr erwartet wird.
00:09:12Von Kranken und Gesunden.
00:09:17Nur, respektier am Ende immer mich.
00:09:21Wenn's aus ist, ist es aus.
00:09:26Drum gib Obacht, wo ich am Bett des Hinfälligen stehe.
00:09:30Hör zu.
00:09:33Ich will dich ein Geheimnis wissen lassen, das niemand anders kennt, als du und ich.
00:09:50Nur Mut, mein Junge. Du bist nicht ohne Begabung.
00:09:58Drei Heller fürs Erste.
00:10:01Alles hat seinen Preis.
00:10:06Aber eines Tages, lieber Wirt, bin ich euer letzter Gast und wird die Zeche prellen.
00:10:11Dann zahlt ihr.
00:10:12Komm.
00:10:13Komm!
00:10:15the hell
00:10:23La la.
00:10:27La la.
00:10:28La la la.
00:10:36La, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la, la,
00:10:46la, la, la, la, la.
00:10:48Was sitzt du hier?
00:10:49Ich sitze bei meiner Mutter. Sie ist erst gestern fort.
00:10:53Und ich habe ihr versprochen, über Tag immer bei ihr zu bleiben.
00:10:56Und was tust du hier über Tag?
00:10:58Ich baue ein Himmelreich und eine Erde.
00:11:02Das ist der Himmel. Dort wohnt Mutter nun.
00:11:05Und hier sind vier auf der Erde. Willst du mitspielen?
00:11:09Gern.
00:11:16Aber hast du denn gar keinen Hunger?
00:11:18Nein.
00:11:19Und niemand ist, der auf dich wartet?
00:11:21Ja, mein kleines Brüderchen. Aber er kann nicht aufstehen.
00:11:25Und hört nicht zu, wenn ich ihm etwas erzähle.
00:11:28Hebt nicht mal den Kopf.
00:11:30Wer ist er denn?
00:11:31Klein. Glaubst du mir nicht?
00:11:36Ist der Vater daheim?
00:11:41Vielleicht eine Nachbarin?
00:11:43Weiß nicht. Vielleicht.
00:11:46Zeig mir dein Brüderchen.
00:11:48Und die Mutter?
00:11:49Die wartet auf dich. Bestimmt.
00:11:52Hier, Mutter. Das, was du spielen hast, im Flüssen.
00:11:57Komm.
00:12:02Hier.
00:12:04Hier.
00:12:19Hier.
00:12:42Ist noch jemand außer dir im Haus?
00:12:44Die Mume, im Hof.
00:12:45Lauf, hol sie. Schnell.
00:13:04Was gibt's?
00:13:05Schnell, Mume, entkleidet das Kind.
00:13:09Aber es fiebert.
00:13:10Ja, gerade drum. Vielleicht reicht seine Atem noch.
00:13:17Wer schickt euch?
00:13:18Ich fand das Mädchen draußen und hörte, was hier ist.
00:13:22Was hier ist.
00:13:24Was hier ist. Ihr seht's ja. Elend ist hier.
00:13:27Und Dreck.
00:13:28Ja, freilich.
00:13:31Rasch, eilt euch.
00:13:39Hab ich's mir dort längst gedacht, sitz ich an der Wiegen, hab den Wedel in der Hand, wer dem Kind
00:13:54die Fliegen.
00:14:17Oh, Jesus.
00:14:29Vater unser, der du bist in dem Himmel geheiligt werdet, dein Name zukommen und dein Reich, dein Wille geschehen.
00:14:35Fass lieber zu.
00:14:45Jetzt kommt's an auf Sorgfalt und Pflege.
00:15:11Das hast du gut gemacht.
00:15:12Ich hab den Toten gesehen, der stund auf von der Bahn, denn der Arzt war gekommen im Sommer vom Jahr.
00:15:29Hat den Armen berührt, übers Haar, ihr ihm streicht, und da fühlt er auf einmal sich sonderlich leicht.
00:15:41Und der Kranke, der tanzet, und der springt auch im Nu, und er jauchzt und vorlocket, selbst Glocken hören zu.
00:15:53Und er jauchzt und vorlocket, selbst Glocken hören zu.
00:15:57Und er jauchzt und vorlocket, selbst Glocken hören zu.
00:16:27Und er jauchzt und vorlocken hören zu.
00:16:59Das ist ein schönes Futter.
00:17:01Nur von Krakow, nur von Krakow.
00:17:05Aber Sie können, Sie können, Sie können.
00:17:08Sie können, Sie können, Sie können.
00:17:10Ich kann nicht für meine Räume.
00:17:11Aber Sie können, Sie können.
00:17:12Die Paninke idet, bitte.
00:17:22Stanisław, was ist?
00:17:24Was ist?
00:17:33Ewunia!
00:17:34O Boer Wielki!
00:17:37Ewunia, obudź się! Obudź się! Ewa!
00:17:40Ewa!
00:18:11Mama!
00:18:13Ojcze nasz, który jesteś niebieświęty,
00:18:15wiesz, święć imię Twoje,
00:18:17bądź królestwo Twoje, bądź wola Twoja,
00:18:19jako tutaj i na ziemi.
00:18:21Ewa!
00:18:21Boże Święty, zbiń tu się nad nami grześnikami
00:18:25i odpuść nam nasze winy,
00:18:27jako i my odpuszczamy naszym miśni.
00:18:30Matko Boska!
00:18:32Boże! Ewa!
00:18:34Ewa!
00:18:37Tata, co jest?
00:18:39Boże Wielki!
00:18:40I nie ma!
00:18:42Ewa!
00:18:44Tata, co jest, co jest?
00:19:00Pani!
00:19:02I nie ma!
00:19:08Pani!
00:19:10Treib den Dengel aus, der hat die Kacke raus!
00:19:13Raus mit den Todsprüngern! Raus!
00:19:17Der hat die Kacke raus!
00:19:24Ich helfe dir, wenn ich auch bei deinen Eltern zu spät kam.
00:19:26Keine Angst, ich verstecke dich bei mir, dort schlägt dir keiner nieder und keiner treibt dich aus.
00:19:30Los!
00:19:35Nicht da, du wirst am Morgen bleiben!
00:19:37Kein einziger von diesem Teufel!
00:19:40Raus!
00:19:41Raus!
00:19:43Raus!
00:19:43Raus!
00:19:44Raus!
00:19:45Raus!
00:19:46Nichts werden wir erreichen gegen die Seuch, wenn wir nicht scharf durchgreifen und jede,
00:19:52jede verdächtige Person hänken!
00:19:59Vetter, gegen Aufruhr mögt ihr Recht haben, unsere Stadt hat's erfahren.
00:20:04Aber dass eine Krankheit wie die, die nach allen Ländern greift, eine Gottesstraf also, mit Gehengten kuriert werden soll?
00:20:15Es müsste, denke ich, mehr Andacht herrschen.
00:20:18Gebete, von morgen bis zur Nacht.
00:20:21Mein Vorschlag wäre, lass den Geistlichen von St. Peter mit uns gemeinsam überlegen, wie dem Sterben beizukommen sei.
00:20:30Habt ihr, Feitschütz, nicht gehört, wie es im Schlesierland verbreitet wurde? Das Unheil?
00:20:36Eine Hundertjährige hat Frischgeborene verbrannt. Sie stand in engster Konnexion mit dem Leibhaftigen, hat ihn allwöchentlich empfangen und mit ihm
00:20:44die Tassen geschwungen.
00:20:45Kurzum, die hat die verbrannten Kindlein, der Roasche vielmehr, in alle Brunnen gestreut. So hat sie's gestanden, unter der Pein.
00:20:52Unter der Pein?
00:20:53Unter der Pein. Obwohl sie lange, ich höre fast ein Jahr, geleugnet hat.
00:20:58Und? Hat es genutzt? Sind die Schlesier befreit gewesen von aller Pest, als die Hex gebrannt hat?
00:21:05Von Stund an? Noch an dem selben Tag?
00:21:09Also soll man Ausschau halten in Tamuros, in unseren Mauern, nach solchen Weibern, die lästerliche Verbindung haben.
00:21:21Mume Ursel, wo gehst du denn hin?
00:21:25Sei still, Kind. Hab keine Angst.
00:21:34Mume Ursel!
00:21:36Man hat uns angezeigt, Mume Ursel, dass es in eurem Haus nicht geheuer sei.
00:21:42Was sagt ihr dazu?
00:21:46Nicht geheuer?
00:21:49Ich weiß nicht, was ihr meint, Herr.
00:21:53Wirklich nicht?
00:21:54Der Kerker bewahrt euch lange genug, bis euch alles wieder einfällt.
00:22:00Ja.
00:22:03Ja, aber...
00:22:06Was soll denn nicht...
00:22:11Wer soll...
00:22:12Holt die Zeugin herein!
00:22:20Was habt ihr erfahren, Frau Jutta, von dem, was in Mume Ursels Haus geschah?
00:22:25Vor Wochen ist meine liebe Nachbarin, die Franziska, an einer fieberigen Krankheit gestorben.
00:22:32Ein Jammer war's, gestrenge Herren, wie sie da niederlag und röchelte. Und nach... nach Atem ran sie...
00:22:39Schon gut. Wer von uns hat nicht schon einen Verröcheln gesehen?
00:22:43So, ihr Herren, habt ihr nimmer einen röcheln sehen. Man wusste auf den ersten Blick, die ringt mit dem Teufel,
00:22:51die Gute.
00:22:51Und wer, meint ihr, hat den Teufel hereingelassen?
00:22:59Die würde ich sagen.
00:23:01Hab keinen eingelassen.
00:23:03Also weiter, Frau Jutta.
00:23:05Kaum war meine liebe Franziska unter der Erde, liegt der Knabe mit Fieber.
00:23:12Na, denke ich, jetzt holt der Teufel den.
00:23:16Denn Kinderseelen sind ihm besonders schmackhaft.
00:23:21Aber dann... dann ist es ganz anders gekommen.
00:23:25Ihr habt vorgebracht, die Mume treibt's mit dem Teufel und sagt, der Bub ist nicht gestorben.
00:23:29Aber nein, das war ja das Verwunderliche.
00:23:32Schon eine Woche später sprang er herum im Hof.
00:23:35Und der Beweis, der Schluss, den ihr zieht, Frau Jutta?
00:23:38Ganz einfach.
00:23:41Der Teufel braucht den Knaben noch.
00:23:48Und lässt ihn bei der erst einführen ins heidnische Handwerk.
00:23:54Oder hat einer von euch, ihr Herren, jemals ein Kind gesehen, das vom Stickfieber genesen konnte?
00:24:02Es gibt keins!
00:24:04Was ist an alledem?
00:24:07Wahr ist es. Der Kleine ward geheilt.
00:24:10Von wem?
00:24:12Von einem jungen Mann, der stand eines Tags in der Küche, hatte dem Mädchen geheißen, mich zu rufen.
00:24:18Und dann ging alles ganz schnell.
00:24:20Kaum ein Vaterunser und der Kleine ward gerettet.
00:24:24Durch einen Schnitt am Hals.
00:24:27Ihr könnt gehen, Frau Jutta.
00:24:30Wir rufen euch erneut, wenn's an der Zeit ist.
00:24:38Mume Ursel.
00:24:40Das Gericht hat derlei nie gehört.
00:24:43Und ich halte euch vor, ihr müsst nur Wahres sprechen.
00:24:47Ansonsten der Scharfrichter euch mit Zangen peiniglich befragen wird.
00:24:51Aber ich schwör bei Gott zu was?
00:24:53Was?
00:24:56Bitte, ihr Herren, fragt jemand anderen als Frau Jutta.
00:25:02Sie ist mir gram, weil ich ihr eine Gans nicht verkaufte.
00:25:09Viele kennen den Retter, andere kennen ihn.
00:25:15Jedermann kann man fast sagen.
00:25:17Im Rat zu Görlitz sitzt kein Jedermann.
00:25:21Und kein Jedermann hält hier Gericht.
00:25:24Also nenne sie uns den Namen Frau und auch das Haus, wo euer Wundertätiger zu finden ist.
00:25:33Ich weiß es nicht.
00:25:35In den Kerker!
00:25:42Ja!
00:25:42Haben wir das verdient?
00:25:44Kann der Verzweiflung sein?
00:25:45Das ist arme Sündergeleit.
00:25:47Herr, mein Gott, wann wir uns so verlassen?
00:25:50Macht, dass sie bald brennt, die Hexe!
00:25:53Ja, man wird von uns genommen, das Elend!
00:25:57Höchst, Brüderin!
00:25:59Verdammte!
00:26:04Was für Mönchchen!
00:26:06Ärger als Teufel!
00:26:08Wie sie sich drängen!
00:26:10Teufelsbrut!
00:26:11Verfluchte!
00:26:13Bleib hier, aber zeig dich nicht.
00:26:16Noch sind alle toll vor Angst und Elend.
00:26:18Ich muss zum Rat.
00:26:39Also ist es ausgestanden.
00:26:49Kommen wir morgen wieder. Jetzt tagt der Rat.
00:26:53Heute, wo wir uns von der Pest gereinigt haben, soll keiner von dieser Schwelle gewiesen werden.
00:27:00Lasst den Bittsteller herein.
00:27:12Was ist euer Begehr?
00:27:14Seid ihr verwandt mit der Gerichteten?
00:27:17Sohn oder Kindeskind?
00:27:19Mitnichten, ihr Herrn.
00:27:22Doch hört dich, Herr Bürgermeister, wie ihr davon spracht.
00:27:26Nun sei die Stadt frei und ledig der Pest.
00:27:31Bursche, was erdreistet er sich.
00:27:33Wenn wir, die Herren der Stadt, den Beschluss des Gerichts respektieren, dann doch zum Wohl aller Bürger.
00:27:41Und jeder weiß, wo eine Hexe brennt, weicht Pestilenz.
00:27:46Eine Frage.
00:27:49Seid ihr ein Bürger unserer Stadt?
00:27:52Noch nicht.
00:27:53Letztes Jahr studierte ich noch in Perugia und Casablanca.
00:27:57Doch blieb ich gern bei euch.
00:28:00Drum stehe ich hier.
00:28:02Ist er ein Medikus?
00:28:04Ein Medikus.
00:28:04Und will in einer Zeit des großen Sterbens in unsere Mauern.
00:28:08Das glaubt wer will.
00:28:10Hat er nicht Leichen in der Stadt gesehen?
00:28:13Eben drum.
00:28:16Es ist nicht Zeit noch Stunde, um den ehrenwerten Rat dieser freien Stadt, merkt er sich, einer freien Stadt zu
00:28:22nahes führen.
00:28:24Sagt klipp und klar, was euer Sinn und Trachten sei.
00:28:26Wenn ein Tier nimmt eine Katz, sein Ende nahen fühlt, verkriecht es sich.
00:28:35Es sondert sich von allen anderen ab, um die Art zu schonen.
00:28:41Was aber sehen wir bei Menschen, die kranken, die gebrestigen?
00:28:46Sie kriechen noch zuhauf.
00:28:49Und haben sie die erste Beule gar entdeckt?
00:28:52Da laufen's in die Kirche, wo Gesunde und Ungesunde um Hilfe flehen.
00:28:58Sie bringen ihre stinkenden Glieder in die Nähe der Reinen.
00:29:03Und wenn's Gedränge angeht, dann beim Abendmahl schiebt eins das andere.
00:29:08Und der als Gesunder eintrat, in der Schenke gar den anderen noch tafelt und bechert, weil er sich kräftig fühlt,
00:29:17Keatai mit dem Tod. Deshalb meine ich eine arme, hingerichtete Seel.
00:29:24Vermag nichts auszurichten.
00:29:27Nimmt nichts von dieser Stadt.
00:29:29Ihr wisst, ihr sprecht vor erfahrenen Leuten hier.
00:29:34Und die Erkenntnisse der Kirche, wer wagt sie anzutasten?
00:29:39Also, woher habt ihr, Medikus, eure Weisheit?
00:29:45Lehrt man dergleichen in Casablanca?
00:29:48Aus bloßer Anschauung der Natur hab ich's.
00:29:51Und natürlicher Kreaturen.
00:29:54Und durch Nachdenken.
00:29:58Wenn ich euch folgen konnte,
00:30:01meint ihr, man sollte den Ansammlungen der Bürger wehren?
00:30:07Und überdies sollte man Kranke und Gesunde streng sondern.
00:30:12Auch dürften die Kleider der Toten nicht bleiben in der Stadt,
00:30:15sondern all ihr Gerät, das sie zuletzt berührt.
00:30:18Und insbesondere ihr Kleid müsste vernichtet werden.
00:30:22Nicht Menschen sollten brennen,
00:30:24vielmehr die Toten und all ihre Habseligkeiten.
00:30:28Müssen wir uns das anhören?
00:30:29Das ist Gotteslästerung!
00:30:31Unter dem Segen der Kirche, versteht sich.
00:30:35Der Rat wird bedenken, was ihr hervorgebracht habt.
00:30:39Und entscheiden, ob und wie wir eure Hilfe in Anspruch nehmen.
00:30:46Hasen Sie mich geladen?
00:30:58Der Rat wird bedenken, was ihr jetzt so schnell,
00:30:59Und als würde es nicht die Leitungen beherrscht,
00:31:00Das ist noch nicht die Leitsche Freunden,
00:31:02ihr habt, ihr habt bedenkt,
00:31:03Wir sind bzw.
00:31:03gonna machen.
00:31:21Und nehm da.
00:31:24Danke.
00:31:39Kamera!
00:31:47Vater!
00:31:51Grete, Kanz, Eva!
00:31:56Vater!
00:32:00Komm!
00:32:01Zu Bett, rasch!
00:32:11Papa!
00:32:13Ein Schützer, den Medikus holen.
00:32:17Den aus Casablanca.
00:32:20Ja.
00:32:21Geh ab, bis ich zurück bin.
00:32:23Weich nicht von vater Seite.
00:32:25Es werden Zeichen geschehen an der Sonne.
00:32:29Tons und Sternen.
00:32:30Und auf Erden wird den Leuten bange sein.
00:32:33Sie werden verschmacken.
00:32:37Es geht, glaube ich, aufs Letzte.
00:32:42Das wird der Arzt befinden.
00:32:44Für euch wäre es besser, ihr kennt nicht mit ans Krankenlager.
00:32:47Seid bedankt für eure Begleitung.
00:32:49Wenn ihr meint, ich schließe euren Vater ein in mein Gebet, Barbara.
00:32:53Und wenn ihr weiter Rat und Hilfe braucht,
00:32:56mein Haus ist allzeit auch euer Heim.
00:32:58Willst nicht vergessen, Ohrheim.
00:33:02Kommt!
00:33:19Es ist die Seuch.
00:33:22Tut, was in eurer Macht steht.
00:33:24Mein Vater wird zwar gelten mit Tuch und Gold.
00:33:26Er macht euch glücklich, wenn er ihn heilt.
00:33:28Bitte helft.
00:33:31Will allen Verstand bemühen.
00:33:42Ich meine, für die Schümmel.
00:33:43Um, ich schließe ja schon mal.
00:33:55Schümmel, wo wir sagen,
00:33:55und ich, meine Schümmel, wenn ich auch nicht war.
00:33:57Ich habe nichts für sie verletzend.
00:33:57dass ich mir lege,
00:33:57in der Zeit gut sind.
00:33:57Es ist was,
00:33:59dass ich mich auch glücklich bear,
00:34:00und ich mich zue ich lese.
00:34:11Wird er überleben?
00:34:14Noch ist er nicht beim Tod.
00:34:18Wasser für die Hände hätte ich gern.
00:34:26Morgen früh schaue ich erneut vorbei nach ihm.
00:34:29Es ist im Anfangsstadium.
00:34:31Glaub mir.
00:35:00Was habt ihr die Fenster verhängt?
00:35:01Das Fräulein hieß es uns. Sie meint wohl, es wäre ihres Vaters letzter Erdentag.
00:35:13Vertrauen wir dem Medikus.
00:35:31Lass mich zuerst allein mit ihm.
00:36:02Und ich?
00:36:02Wer bedarf des Vaters noch?
00:36:03Wer bedarf wessen nicht?
00:36:06Bei dem Knaben hast du mich auch gewähren lassen.
00:36:08Bei dem Knaben.
00:36:16Das Licht verlöscht, wenn alles Wachs ist abgelaufen.
00:36:28Eva, brauche ein Sud fürs Bad aus Thymian und Pfefferminzen.
00:36:31Und du lauf und hol noch andere Knechte, dass wir ihn ins Bad schaffen.
00:36:34So ist Hoffnung?
00:36:34Die Medici haben allerlei ersonnen mit der Zeit.
00:36:38Kommt der Herr, dass er der Prozedur beiwohnt?
00:36:53Na und?
00:36:56Ist es an der Zeit, den Prediger zu rufen zur letzten Ölung?
00:37:07Sind die Tücher bereit? Tücher und frische Laken.
00:37:10Gleich.
00:37:15Elfa! Tücher, frische Laken!
00:37:27Die Tücher, wechselt die Laken.
00:37:59Aufs Bett.
00:38:08Doch, ähm...
00:38:09Die Füße dort aufs Kissen.
00:38:11Dort aufs Kissen.
00:38:37Das nenn ich ein Erwachen.
00:38:41Aber...
00:38:43Ein Schluck Wein geht mir gut jetzt.
00:38:54Hätte ich's nicht gesehen, mit eigenen Augen.
00:38:59Ich hätt' es nicht geglaubt.
00:39:01Ohe!
00:39:04Ohe!
00:39:18Ohe!
00:39:28Musik
00:40:09Silenzium, hochglübliche Bürger, Freunde und Verwandte dieser Stadt.
00:40:18Jörg Kläusle soll leben. An meiner Seite, in unserer aller Mitte, als unsersgleichen von Stund an.
00:41:00Und nun eine Überraschung.
00:41:13Ich wusste gar nicht, wie ihr bekannt seid, Jörg.
00:41:44Musik
00:41:51Musik
00:41:56Und der Kranke, der tanzt und der springt auch im Nu und er jauchzt und vorlocket, selbst Glocken hören zu.
00:42:07Musik
00:42:07Und er jauchzt und vorlocket, selbst Glocken hören zu.
00:42:13Musik
00:42:18Bravo!
00:42:19Bravo!
00:42:48Applaus
00:42:59Ein Teufel von Musikanten
00:43:01Ein Teufel von Musik
00:43:40Ein tolles Stück. Er bietet wie ein Teufel.
00:43:44Bravo!
00:43:46Bravo!
00:43:47Bravo!
00:43:48Bravo!
00:43:49Bravo!
00:44:00Applaus
00:44:03Wie heißt's so lieb? Und der Kranke, der tanzt und springt auch im Nu.
00:44:09und der kranke, der dann wird das.
00:44:10Es ist nicht so lieb.
00:44:11Das ist nicht so lieb.
00:44:27Wir sehen uns mit der Kranke.
00:44:58Der Himmel kann
00:45:00einfallen und uns breitschlagen wie Pfandkuchen.
00:45:03Jederzeit.
00:45:04Die Stunde kommt, die Stunde vergeht.
00:45:07Der Tag bricht an und endet.
00:45:10Jahre wechseln mit Jahren.
00:45:12Und zuletzt geht aller Betteltanz zu Ende.
00:45:16Da segelst du ab.
00:45:22Und die Ärzte,
00:45:25die und die Köche,
00:45:27die Weiber, der Wein,
00:45:29die fegen die Erde leer,
00:45:32eh unser einziges versieht.
00:45:34Was die Medizie angeht,
00:45:36möchte ich widersprechen.
00:45:37Tut das, Jörg.
00:45:39Krankheiten müssen nicht tödlich enden,
00:45:41wenn der Arzt die rechten Mittel weiß.
00:45:44Ihr nährt die Krankheiten noch,
00:45:46damit euer Säckel schwillt.
00:45:48Und wenn am Ende dem Patienten
00:45:50die Leber geschrumpft ist,
00:45:52was sagt ihr dann, hä?
00:45:55Der Tod ist das Ende aller Übel.
00:45:58Die Alten sagten nicht,
00:46:00er ist gestorben.
00:46:02Sie sagten,
00:46:03wixit.
00:46:04Er hat aufgehört zu leben.
00:46:05Das ist ein feiner Unterschied.
00:46:07Er nimmt vom Arzt da alle Schuld.
00:46:11Schuld?
00:46:13Das Menschen eigener Lebenslauf ist's,
00:46:15der verschuldet.
00:46:17Üppigkeit.
00:46:19Völlerei.
00:46:21Satt sein und ludern.
00:46:23Kommt ihr zum Arzt,
00:46:25dann soll er in einer Stunde wettmachen,
00:46:26was ihr in Jahren versäumtet,
00:46:27an euren Körpern.
00:46:30Der ist ungeachtet.
00:46:33Die Zeit ist nicht mehr fern,
00:46:36wo wir von den Sternen der Geburt
00:46:38alle Konstellationen
00:46:39werden ausrechnen können,
00:46:41die das Leben verlängern.
00:46:43Frei sei der Mensch von Todesfurcht,
00:46:46weil er begreift.
00:46:48Ich bin's,
00:46:50der den Tod abwenden kann.
00:46:53Mit meiner Vernunft.
00:46:56Und wir, die Ärzte,
00:46:59werden die Lehrer der Menschheit sein.
00:47:05Hängt ihr, Medikus,
00:47:06solchen Lehren an,
00:47:08wonach das Leben der Menschen
00:47:09von denselben Gesetzen abhängt
00:47:11wie das Leben der Tiere?
00:47:13Das Leben eines Menschen
00:47:14ist im Ganzen nicht wichtiger
00:47:16als das Leben eines Krebses.
00:47:18Auch ihm ist der Tod nichts
00:47:20als ein letzter Gnadenstoß der Natur.
00:47:23Ergo Gott.
00:47:25Den lasst ihr wohl ganz aus eurem Sinn.
00:47:28Der wohltätige Schöpfer
00:47:30hat den Tod
00:47:30an das Ende unseres Lebens gesetzt.
00:47:35Was wäre unser Leben,
00:47:37wenn er ihn an den Anfang gesetzt hätte?
00:47:41Nichts.
00:47:42Gar nichts.
00:47:57Lieber Pfein.
00:48:00Ja, das ist einfach nicht so schön.
00:48:14Na, glücklich?
00:48:21Hast mich überlistet,
00:48:24den Kranken gedreht,
00:48:26damit ich nicht mehr zu Füßen stand.
00:48:30Warum?
00:48:34Wozu, mein Sohn?
00:48:36Er hatte seine Bahn
00:48:37beinahe schon beendet.
00:48:40Ihr Vater, ein einziges Mal
00:48:41magst du verzeihen.
00:48:43Und außerdem,
00:48:44ich sagte es schon,
00:48:45die Tochter,
00:48:46das Mädchenbedarf des Vaters noch.
00:48:49Und auch die Stadt,
00:48:50sie kann in schwerer Zeit
00:48:51ihren Ersten nicht entbehren.
00:48:52Bist du sicher?
00:48:54Ganz gewiss.
00:48:55Und nur deshalb
00:48:56wagtest du es.
00:49:02Einst hattest du versprochen.
00:49:04Den Eltern und auch mir
00:49:06es sollte mir wohl ergehen.
00:49:09An nichts soll's fehlen.
00:49:11Und keiner wird es wagen,
00:49:12mich zu verlachen.
00:49:13Und nun,
00:49:14nun endlich ist es wahr,
00:49:16was du gesagt vor Jahren.
00:49:17Wir werden sehen,
00:49:18ob es nutzt.
00:49:22Aber
00:49:24ein zweites Mal
00:49:25tust du es nicht.
00:49:41Bringt's in die Kammer.
00:49:48Sieh nur.
00:49:50Ah.
00:49:53Der Schnurrpfeifer hält uns
00:49:55die Mäuse vom Hals.
00:50:00Ist das ein Palastmaushund?
00:50:05Der König von Porn
00:50:07kann nicht besser wohnen.
00:50:09Wo finde ich den Herrn Stadtmedikus?
00:50:11Der Bürgermeister schickt
00:50:12eine Botschaft.
00:50:27Euch zu ehren wollen wir
00:50:29in Familie
00:50:30eine Fahrt zu Pfingsten
00:50:32ins Tal hinaus machen.
00:50:34Der Bürgermeister.
00:50:37Na,
00:50:39Stanislaus,
00:50:40da lassen wir uns
00:50:41doch nicht lange bitten.
00:50:42Komm.
00:50:44Komm.
00:50:44Komm.
00:51:14Ich habe eine.
00:51:19Zu Tisch.
00:51:26Mit Tisch? Zu Tisch.
00:51:32So lässt sich's wohl sein.
00:51:43Ja?
00:51:44Mit Fischen aus dem eigenen Bach, im eigenen Forst, da lässt sich's wohl sein.
00:51:49Auf eigenem Grund.
00:51:50Und der schönste besitzt die Dörferau und Widerau, ganz in der Nähe.
00:51:55Der Vater erwarb sie erst vor einem Jahr. Sie sind sein ganzer Stolz.
00:51:59Ja, und gewiss kein schlechtes Geschäft.
00:52:02Weiß nicht, wie viele Bauern. Gehöfte und Stallungen sind schon zahlreich.
00:52:05Und dann das Weideland dazu.
00:52:07Viel.
00:52:13Nehmt's mir, Barbara. Das arme Tier hat ausgelitten, nur ich noch nicht.
00:52:17Ihr werdet doch wohl einen Herrn Doktor nicht verlachen.
00:52:19Ivo, nur wisst ihr nicht, was es heißt, wenn zwei ein Fischlein teilen?
00:52:24Nun?
00:52:25Wisst ihr's wirklich nicht?
00:52:26Nein.
00:52:26Das heißt, die zwei werden auch unter eine Decke schlüpfen.
00:52:31So mag ich's.
00:52:33Eine frohe Runde.
00:52:34Und kein Grießgraben dabei.
00:52:39Bitte.
00:52:40Danke.
00:52:43Mich frostelt.
00:52:45Ei, Barbara.
00:52:47Bei diesem Sonnenschein?
00:53:07Es wäre besser, heimzukehren.
00:53:10Kaum, dass man sich gesetzt hat.
00:53:15Komm, Standislaus. Das Vollein muss rasch nach Haus.
00:53:23Ich will es nicht verschreien, aber mir scheint, es ist Eile geboten.
00:53:30Wenn's so steht.
00:53:38Aber ihr seid ja da, Medikus.
00:53:40Da ist mir nicht bange.
00:53:43Jörg, ihr wisst ich halt Wort.
00:53:46Wenn sie nicht krank und sich wird, von was ärgern, will ich nicht reden.
00:53:50Ich übermache euch Haus und Hof, wenn meine Stunde schlägt.
00:53:54Als meinem Schwiegersohn.
00:53:57Und einzigen Erben.
00:54:23Überlass die Kranke jetzt mir.
00:54:24Lauf zur Apotheke, Eva, sag's mir für mich.
00:54:27Melissensaft und Beerenklaupulver.
00:54:29Ja.
00:54:30Lauf zur Apotheke, Eva, sag's mir für mich.
00:54:43Lauf zur Apotheke, Eva, sag's mir für mich.
00:54:49Ja.
00:54:55Lauf zur Apotheke.
00:55:08Wie steht's?
00:55:13Seht selbst.
00:55:18Das Füße hochlagern entlastet das Herz und leitet so das Fieber ab.
00:55:26Erzählt euch kommen.
00:55:28Das Schlimmste ist überwunden.
00:55:33Mein Sohn.
00:55:35Was euch bis heute noch gefehlt?
00:55:37Von Stund an sollt ihr auch das nicht mehr müssen.
00:55:57Was gibt das?
00:56:01Geheimnis.
00:56:04Aber mir kannst du's doch anvertrauen.
00:56:06Ich verrat dich niemandem.
00:56:07Weiß aber nicht, ob's glückt.
00:56:10Obwohl, heute ist ein günstiger Tag.
00:56:22Frag sie fort.
00:56:23Es könnte sonst sein, dass sie ausplaudert, was sie bei uns gesehen.
00:56:29Lies einmal den Titel.
00:56:32Kern der Alchemie.
00:56:34Geschrieben von Irenaus Philoponus Philaletta.
00:56:38Mit einem einzigen Gran vom Stein der Weisen, sagt der Autor, kann man nicht weniger als 304.666.666 Thaler
00:56:48hervorbringen.
00:56:49Was will denn einer mit so viel Gold?
00:56:51Noch hat es keiner.
00:56:53Und noch fehlt es uns am Stein der Weisen.
00:56:56Aber, wenn ich ihn fände, Stanislaus, wir reisten durch die ganze Welt.
00:57:01Ich hab dir doch erzählt von den vielen fremden Städten.
00:57:03Dabei gibt's 100 bestimmt auf dieser Erde.
00:57:05Ach, was sag ich.
00:57:06500 und mehr.
00:57:08Gibt es da auch Ratsherr und eine Magistrat?
00:57:11Und werden da auch Hexen verbrannt und in Kirchen gegen Ketzer gepredigt?
00:57:15Fragen hast du manchmal.
00:57:16Ich meine ja nur, wenn's andere Sau nicht viel besser ist, bleib ich lieber daheim.
00:57:20In Deutschland.
00:57:21Wenn ich's bedenke, Stanislaus, mein Junge, wird's doch ein recht wunderliches Kind.
00:57:24Warum?
00:57:25Guckst immer gescheiter um dich herum.
00:57:28Das mag, weil es mir bei dir so wohl geht.
00:57:31Also gut.
00:57:32Wenn du willst, zieh ich mit dir in die Welt.
00:57:34Noch ziehen wir nicht.
00:57:35Denn noch glänzt der Stein der Weisen nicht auf unserem Tisch.
00:57:40So spät?
00:57:42Vielleicht, dass eine Zahnweep lag.
00:57:44Sieh nach, wer pocht.
00:57:58Ein Knist, auch der Schenke gab dieses ab.
00:58:01Vielleicht zeigt einer seine Wohnung an, weil er mein Rad braucht.
00:58:07Tatsächlich.
00:58:08Am Tor zu den Weinbergen werde ich warten.
00:58:23Geh schon zu Bett, Stanislaus.
00:58:27Wenn ich einer Frau an den Wehen beistehen soll.
00:58:31Kann's lang dauern.
00:58:45Einen guten Abend zur Nacht.
00:59:05Ist niemand sonst?
00:59:06Es ist.
00:59:10Gut, dass du nicht gezögert hast.
00:59:12Komm.
00:59:24Komm weiter, Jörg.
00:59:25Komm.
00:59:55Untertitelung des ZDF, 2020
01:00:00Hast du heute einen zweiten Streich gewagt, so sei auch jetzt nicht bange.
01:00:16Sieh hin auf alles dieses Leben.
01:00:25Gevater, mein Leben beginnt das jetzt so zu werden, wie du es versprochen hast. Wohlgefällig.
01:00:29Mit Lügen, Jörg. Mit Trügen.
01:00:33Als ich das Mädchen bettete, da war wahrhaftig das Herz entlastet und das Fieber abgeleitet.
01:00:40Was du den Menschen erzählst, ist deine Sache. Und Sache der Menschen, wenn sie dir glauben.
01:00:45Nur mich, Jörg, sollst du nicht mit Reedereien ärgern. Und gar nicht mit Betrug.
01:00:52Es war abgemacht. Stehe ich am Kopf des Kranken, magst du ihm Heilung bringen. Zu deinem Ruhme.
01:01:00Stehe ich zu Füßen, ist die Uhr abgelaufen.
01:01:04Aber ein so junges Mädchen, noch keine 18.
01:01:07Sagtest du nicht, das Leben des Menschen ist im Ganzen nicht wichtiger als das Leben des Krebses?
01:01:12Es läuft nach denselben Gesetzen ab.
01:01:14So sagte ich wohl, es war eine lange Nacht, da habe ich viel gesprochen.
01:01:18Wie wahr? Auch das. Ärzte werden die Lehrer der Menschheit sein.
01:01:25Ich glaubte, du hättest begriffen.
01:01:28Minerale verwittern, das Gras verdorrt, die Blüten fallen ab, Tiere verwesen.
01:01:35Warum wollt ihr Menschen Ausnahmen sein?
01:01:38Der Tod ist der letzte Gnadenstoß der Natur.
01:01:42Auch das waren deine Worte, Jörg.
01:01:47Und nun meinst du, du kannst den Tod, die Natur überlisten?
01:01:52Kannst dehnen und strecken, wo nur noch Fünkchen sind.
01:01:58Glaubst du denn, das Leben wäre ein Hanfseil ohne Ende?
01:02:01Was geschieht, wenn du es allzu zerrst?
01:02:04Es reißt an seiner schwächsten Stelle.
01:02:08Das Leben des Menschen ist kein zerschlissen Seil.
01:02:12Du weißt so gut wie ich, wenn die Substanz erschöpft ist, läuft das Leben ab, wie das Wachs der Kerzen.
01:02:20Hier, Gevatter, was wurde inzwischen alles gefunden?
01:02:26Tinkturen, Pastillen, Mathe wurden durch solches wiederbelebt.
01:02:30Wenn es aus ist, ist es aus.
01:02:33Begreif doch endlich, ich bin ewig.
01:02:36Und Gott und Teufel?
01:02:37Leben nur in dir.
01:02:42Schau sie nur an.
01:02:46So fließt das Leben.
01:02:48Und segeln die Schiffe.
01:02:51Und nun was?
01:02:53Was forderst du, Gevatter?
01:02:55Meinst du, ich sei ein Wucherer?
01:02:57Nehm Zins?
01:02:58Und Zins ist Zins nur für ein Leben, das eh in sich verrinnt?
01:03:01Was willst du dann?
01:03:04Nur, dass du begreifst.
01:03:06Aber was?
01:03:08Ein kleines Wort von großer Kraft.
01:03:11Nun, ein kleines Wort.
01:03:15Endgültig.
01:03:17Das meint, was es sagt.
01:03:19Dass das Ende gültig ist.
01:03:25Wo ist mein Licht?
01:03:26Da.
01:03:29Aber, aber das kann meins nicht sein, wenn mir gleich die letzte Stunde schlägt.
01:03:34Stand ich bei dir?
01:03:35An deinem Bette?
01:03:38Um Barbara geht es, das Mädchen.
01:03:44Nicht Barbara.
01:03:47Ich werde sie heilen, bei meinem Wort.
01:03:49Und werde ihr Mann sein.
01:03:50Wie lange des Menschen Unbelehrbarkeit doch dauern kann.
01:03:54Und ich meine dir wahrhaftig,
01:03:55du könntest unter die gelehrten Köpfe deiner Zeit gezählt werden.
01:03:59Nein!
01:04:03Nimm irgendeins.
01:04:05Ein anderes.
01:04:07Aber verlängere Barbaras Erdenfrist.
01:04:10Um meinetwillen.
01:04:13Gevatter, bitte!
01:04:15Bedenk es wohl.
01:04:18Und auch die Folgen.
01:04:20Es gibt nichts länger zu bedenken.
01:04:23Tu's.
01:04:25Ich bitte dich.
01:04:27Noch einmal.
01:04:29Wenn du der alten Märchenweisheit erproben willst.
01:04:32Gut.
01:04:33Auch eine dritte Versuchung sei dir gestattet.
01:04:36Als letzte.
01:04:37Und
01:04:38höre mich gut an.
01:04:41Als endgültige.
01:04:44Sag,
01:04:45wie kräftig willst du des Mädchens Leben noch sehen?
01:04:53Wie dieses.
01:05:01Um deinetwillen.
01:05:03, wie das ist.
01:05:41Standeslaß!
01:05:46Standeslaß!
01:06:01Standeslaß!
01:06:08Standeslaß!
01:06:09Das war nicht Glück.
01:06:13Junge, das war nicht!
01:06:16Oh!
01:06:46Gevater! Gevater!
01:06:58Gevater! Wo wirst du?
01:07:02Zeig dich doch!
01:07:13Gevater!
01:07:38Gevater!
01:07:40Barbiert mich!
01:07:42Sehr wohl!
01:07:44Du?
01:07:46Wo warst du? Ich suchte dich!
01:07:48Wirklich?
01:07:50Ich wollte, dass du den Jungen, den Stanislaus, erwächst mit meinem Leben!
01:07:54Du wolltest dein Leben geben?
01:07:56Aber ja!
01:07:58Endgültig ist endgültig, Jörg!
01:08:00Da ist der Schluss gemacht!
01:08:03Aber glaubst du denn, das hätte dich befreit?
01:08:07Ich werde es, ich werde es, ich werde es nie vergessen, Gevater, wie, wie er an der Treppe lag!
01:08:13Und wenn es ein anderes Kind gewesen wäre, ein fremdes, unbekanntes, dann wird es dich nicht im Schlafe stören!
01:08:21Ein Herz, das man nicht selbst geliebt, wird gern missachtet!
01:08:25Und die Hand, die du nicht selbst in Händen hieltest, rührt dich ebenso wenig wie ein Auge, in das du
01:08:32selber nie geschaut!
01:08:35So war es!
01:08:37Kein Zufall!
01:08:40Es war kein Zufall!
01:08:42Es war deine Wahl!
01:09:03– Es war kein Zufall!
01:09:03– Arrrr!
01:09:03– Arrrr!
01:09:14– Arrrr!
01:09:15– Arrrr!
01:09:15Das war die Wahrheit, wie sie in alten Märchen steckt!
01:09:19– Arrrrla!
01:09:21– Arrrr!
01:09:26– Er sollakeswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärtswärts wie ein Auge und Skaugier entsp Sustainable Software
01:09:33wieder gewonnen? Das schon. Aber was nützt das noch, wo ich vergeblich seit Tagen schon auf meinen Jörg
01:09:42warte? Kennt ihr ihn vielleicht? Saat, wo er steckt? Den Medikus, den kenne ich gut. Ich bin sein
01:09:49Gevatter und sah ihn vor drei Tagen auf dem Untermarkt. Nur glaube ich, Jörg ist fort. Für
01:09:57Wochen? Endgültig meine ich. Denn wer vor sich selbst ausreist, kann langlaufen. Dann wäre ich besser
01:10:07tot. Gebrauch dein Leben, Mädchen. Ich bin gewiss, du lebst noch viele Jahre wohl. Lebe und leb wohl.
01:10:38Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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01:12:41Vielen Dank.

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