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Deutschland im Freudentaumel: 1990 gewinnt die Nationalelf unter Teamchef Franz Beckenbauer die Fußball-WM. Lothar Matthäus, Rudi Völler und andere Stars blicken auf das Sportereignis zurück. (Text: Sky)

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Transkript
00:00:00In Italien zu dem Zeitpunkt war die Crème de la Crème des Weltfußballs.
00:00:03Da wollte jeder Spieler hin, weil die Maradonas und Van Bastens der Welt alle in Italien waren.
00:00:09Das hat einen auch erfüllt mit einer unglaublichen Energie, sich beweisen zu wollen, sich zeigen zu wollen, dass wir gut
00:00:17sind, dass wir mithalten können.
00:00:22Vor dem Turnier war das Gefühl bei uns, dass wir da hinreisen werden und wir wollen das Turnier um jeden
00:00:29Preis gewinnen.
00:00:37Heute winken uns die Leute auf der Straße oder von der Straße aus wieder zu. Das haben wir seit 1974
00:00:42nicht mehr erlebt.
00:00:43Wir haben jetzt wieder eine junge, neue Generation, die man es ansieht, dass es ihnen Spaß macht, Fußball zu spielen.
00:00:52Es ist eine Freude, den Spielern zuzuschauen.
00:01:13Ich kann mich an unglaublich viele Campingwagen erinnern, an viele Fans, die hier mit Deutschland fahren, am Straßenrand gestanden haben
00:01:22und uns begrüßt haben.
00:01:24Und ja, es haben alle so mitgefiebert. Also es war hier richtig Leben, hier in diesem kleinen Örtchen.
00:01:30Schwarz-Rot-Gold, das war überall. Und natürlich hast du auch die Stimmung zu Hause mitbekommen.
00:01:36Das spornt dich natürlich noch an, das nimmt dich ja in eine Verpflichtung.
00:01:39Und die waren ja vor dem Haupttor, waren die da unten gestanden und haben tagelang übernachtet.
00:01:46Und du hast ja gemerkt, am Dialekt, wo sie herkommen, da musst du es dir gar nicht fragen.
00:01:51Es war ja kurz davor die Wende, der Mauerfall. Und die Leute, die vorher nie aus der DDR rausgekommen sind,
00:02:02haben das wahrgenommen, dass sie dann rauskommen können.
00:02:05Wir haben ja auch mit Leuten unterhalten, haben sie nicht vorstellen können, da ist die Grenze, da dürfen sie drüber,
00:02:10die nächste Grenze dürfen sie drüber.
00:02:12Und ich glaube, es hat ihnen schon sehr geholfen, dass da Ostdeutsche eben auch in Italien waren.
00:02:36André.
00:02:39Du bist gekommen.
00:02:40Mal wieder hier.
00:02:41Du bist gekommen.
00:02:42Oh Gott.
00:02:43Ja?
00:02:43Ja, ja.
00:02:43Also, jetzt gerade. Um 9 Uhr bin ich weggeflogen.
00:02:46Das hat sich total verändert.
00:02:48Ich war vor, ich glaube, 6, 7 Jahren war ich da, wollte es mir mal anschauen.
00:02:54Ich bin ja hier hoch.
00:02:55Da oben war der Franz.
00:02:56Ja, ich weiß.
00:02:58Alles schön angelegt. Auch die Villa hier.
00:03:00Ich kann mich noch erinnern, ich glaube, ich war in der, irgendwo in dieser Ecke.
00:03:03Du warst da, hinter der Gitter.
00:03:07Wahrscheinlich, ja, genau.
00:03:08Die Ersatzspieler waren hinter Gittern.
00:03:11Genau.
00:03:11Und die Stammspieler waren hier vorne drin.
00:03:14Ich glaube, der Lothar hat hier rein gewohnt.
00:03:16Dem hat das ganze Haus gehört.
00:03:19Kannst du dir an das noch erinnern?
00:03:20Also, das Haus habe ich überhaupt nicht auf dem Radar.
00:03:22Habe ich auch nicht auf dem Radar, aber ich habe die alten Bilder gesehen, da sieht man es gut.
00:03:36Kann mir ja gar nichts erinnern.
00:03:37Da unten war das.
00:03:38Ja, genau. Dann war hier der Fußballplatz in dem Fall, oder?
00:03:40Ja, da unten.
00:03:41Ja, genau.
00:03:42Da haben sie...
00:03:42Aber die haben das terrassenförmig aufgebaut.
00:03:45Ich meine...
00:03:46Das war eine Ebene.
00:03:46Das war eine Ebene unten.
00:03:47Ja, ja.
00:03:48Gut, das war ja kein Fußballplatz in dem Sinn.
00:03:50Das war ja so ein kleiner Platz.
00:03:52An den kann ich mich auch ganz gut erinnern.
00:03:53Den haben wir ja öfter benutzt dürfen.
00:03:55Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Franz mal angerufen hat.
00:03:58So, pass mal auf, Andi.
00:03:59Und hast Zeit? Hast Lust?
00:04:00Und ich so, ja, so was?
00:04:02Ja, wir machen ein bisschen Eckchen unten.
00:04:04Kommst du runter, ja?
00:04:05Und ich so, ja.
00:04:06Und dann der Uwe hat geschlafen.
00:04:08Wo gehst du denn jetzt hin?
00:04:08Ja, der Franz hat angerufen.
00:04:09Der will Eckchen spielen irgendwie.
00:04:11Hat er mit der Ersatzspieler das gemacht?
00:04:12Ja, ja, genau.
00:04:13Und ich so schnell, hab mich schnell angezogen.
00:04:14Dann bin ich hier runtergerannt.
00:04:15Dann hat der Franz mit uns noch ein bisschen gespielt.
00:04:17Ich kann mich noch erinnern.
00:04:18Ja, das war schon eine geile Zeit, gell?
00:04:19Ja.
00:04:20Ja, die Atmosphäre war toll.
00:04:22Das Klima, die Mannschaft, die...
00:04:25Wir waren ja alles irgendwie...
00:04:26Das war eine Freundschaft war da da, ja.
00:04:28Das war irgendwie eine Kameradschaft.
00:04:31Das war wirklich ein Märchen.
00:04:35Damals war das ja für mich das erste Mal so,
00:04:37dass ich überhaupt so Richtung Italien kam.
00:04:40Ich glaube, wir haben das erste Mal im Leben
00:04:41gescheite Spaghetti gegessen.
00:04:42Das war wie.
00:04:43Das ganze Lebensgefühl hier,
00:04:45weißt du, die Art von den Italienern,
00:04:47wie die einfach leben oder wie das Leben genießen,
00:04:50das war dann schon so das erste Mal eigentlich,
00:04:52dass ich das so und so kennengelernt habe.
00:04:54Wir hatten mal einen Tag frei.
00:04:56Der Franz hat ja auch mal so einen freien Tag gegeben.
00:04:58Da bin ich ein bisschen am Comersee spazieren gegangen.
00:05:00Guck so auf den See.
00:05:03Boah, super, guck mal, was für ein tolles Boot.
00:05:05Und so, und auf einmal winkt da jemand.
00:05:07Und ich so, du, pass mal auf, der winkt ja mir.
00:05:09Und da stand der Lothar am Lenkrad von dem Boot.
00:05:14Ach ja, der wird hier kaputt.
00:05:15Ja, genau.
00:05:16Das war der Wahnsinn, war das.
00:05:18Das war ja alles viel einfacher auch für die Spieler.
00:05:21Du konntest ja alles machen.
00:05:22Da gab es keine Handys, gar nichts.
00:05:23Es gab ein Telefon auf dem Zimmer, im Doppelzimmer.
00:05:25Ich war mit dem Uwe Bein.
00:05:27Ich glaube, der hat das ganze Telefon blockiert.
00:05:29Die ganzen vier Wochen.
00:05:30Ich musste gucken, dass der ins Bad geht.
00:05:32Dass der mal irgendwie, dass er das Telefon kommt.
00:05:34Ich hab gedacht, das kann nicht sein.
00:05:36Das war echt eine Wahnsinns-Atmosphäre dann auch innerhalb von der Mannschaft.
00:05:40Ja, geile Zeit gewesen.
00:05:41Das sind mal alte Männer, die sitzen hier.
00:05:43Also nochmal auf die WM 1990.
00:05:451990, 90, genau.
00:05:46Auf die stoßen wir nochmal an.
00:06:06Druck hatten wir schon.
00:06:08Davor zweimal im Finale gewesen.
00:06:10Dass die Ansprüche natürlich groß sind.
00:06:13Hier bei unseren deutschen Anhängern, dass man wieder weit kommt.
00:06:16Und ja, Druck war schon da.
00:06:19Aber wir waren natürlich auch selbstbewusst.
00:06:21Wir haben alle das große Gefühl gehabt, dass hier kann was Großartiges entstehen.
00:06:27Und wir waren eine Gemeinschaft, die nur eines im Fokus hatte, diese Weltmeisterschaft zu gewinnen.
00:06:36Das erste Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Mannschaft.
00:06:40Deutschland gegen Jugoslawien.
00:06:45Die Spieler sind in einer hervorragenden Verfassung, konditionellen Verfassung, geistigen Verfassung.
00:06:50Ich sag halt immer, die anderen sind nicht stärker als wir und die müssen uns erstmal schlagen.
00:06:55Die Mannschaft ist eigentlich bestens eingestellt.
00:06:58Wir haben im Vorfeld alles geleistet, was geleistet werden muss.
00:07:00Und ich glaube, wir werden in hoher Konzentration diese Fahrt angehen.
00:07:04Wie geht denn das?
00:07:05Ein lustiges Lied auf dem Lippen jetzt in der Stunde?
00:07:07Wir werden unsere italienischen CD-Platten spielen lassen.
00:07:10Und ansonsten wird jeder so seinen Gedanken nachgehen.
00:07:14Das erste Spiel ist natürlich immer ein Marschtag.
00:07:18Wenn man jetzt mit Ach und Krach ins Turnier startet, vielleicht knapp verliert oder auch nur einen Punkt holt,
00:07:25dann hat das Einfluss auf den Rest der Spiele.
00:07:28Wir wussten, wir müssen das erste Spiel gewinnen, damit wir, weil man kennt ja Deutschland,
00:07:34wenn du jetzt nur unentschieden gespielt hättest oder hättest verloren,
00:07:36dann hättest du erstmal wieder einen auf die Fresse gekriegt.
00:07:38Und das wollten wir nicht.
00:07:4178.900 fasst das Merzer-Stadion und etwa die Hälfte, sagt man, davon kommen aus Deutschland.
00:07:50Aber auch viele der Italiener werden der deutschen Mannschaft den Rücken stärken,
00:07:53denn hier spielen ja Breme, Matthäus und Klinsmann.
00:07:58Wir hatten eigentlich nur Heimspiel in Italien.
00:08:02Die Italiener waren ja hinter uns gestanden.
00:08:05Und wir hatten deutsche Fans aus Ost und West.
00:08:09Das war ja auch was Neues.
00:08:10Das war ja das erste Turnier, wo beide Fans uns supportet haben.
00:08:15Also wenn sie nicht Italien-Fans, dann waren die Italiener, dann wurden sie praktisch in unserer Gegend.
00:08:19Weil immer bei Inter Mailand waren, wurden sie Deutschland-Fans.
00:08:22Und deswegen war so eine positive und freundliche und herzliche Stimmung auch bei den Italienern im Umgang mit uns.
00:08:31Das war ein absoluter Genuss.
00:08:38Jugoslawien vor der Weltmeisterschaft eigentlich der Geheimfavorit.
00:08:41Die hatten eine richtig starke Mannschaft.
00:08:43Wir wussten schon, und Franz hat uns darauf auch eingestellt, dass wir das Spiel hochkonzentriert gestalten müssten.
00:08:50Und das Spiel war ganz sicher schwieriger, wie das Ergebnis aussah.
00:08:56Die Vorgabe von Franz war, gleich allen zu zeigen, dass wir hier sind, um das Turnier zu gewinnen.
00:09:19Wir haben auseinandergepflückt und ihre Einzelteile zerlegt.
00:09:23Und das war so das Startzeichen gewesen für uns, dass wir gesehen haben, wir können auch gute Mannschaften bezwingen.
00:09:28Und das war beeindruckend.
00:09:33Und jetzt ist es 2 zu 0 durch Jürgen Glienzmann.
00:09:38Eine Gemeinschaftsproduktion der Inter Mailand-Spieler Andreas Brehme und Jürgen Glienzmann.
00:09:45Bewusst gemessen wie kein anderer an Toren, an nackten Zahlen im Prinzip.
00:09:50Und deswegen ist es für jeden Sturm enorm wichtig, dass er dieses erste Tor sehr schnell in einem Turnier macht.
00:09:59Tor, Anschlusstreffen.
00:10:00So, jetzt wird es nochmal mulmig.
00:10:02Franz Beckmauer schimpft.
00:10:03Da haben wir geschlafen da hinten.
00:10:06Ich habe ja selber mit Lothar Matthäus sehr lange zusammengespielt.
00:10:10Und das war für mich das außergewöhnlichste Spiel, was ich von ihm gesehen habe.
00:10:15Da hat er jahrelang drauf hintrainiert.
00:10:17Er hatte Trapattoni als Trainer und er hat mit ihm oft nach Trainingseinheiten Hütchen auf dem Platz aufgestellt.
00:10:24Ist so im Slalom durch.
00:10:25Wo er da wie das Lalom stand, das Mittelfeld.
00:10:30Matthäus wieder.
00:10:36Und das ist das Tor.
00:10:38Weltklasse, Weltklasse, einmalig, einmalig.
00:10:44Also bärenstark, dieser Lothar Matthäus heute.
00:10:47Unglaublich.
00:10:48Das war ein Schuss wie am Strich.
00:10:52Dass das natürlich in so einem Spiel, in so einem wichtigen Spiel funktioniert, ist umso schöner.
00:10:57Du trainierst dein ganzes Leben auf so einen Moment hin.
00:10:59Es war nicht nur ein Weltklasse-Tor, sondern es war einfach auch ein Signal an alle anderen teilnehmenden Nationen,
00:11:06dass ihr mit Deutschland zu rechnen habt.
00:11:08Bremen.
00:11:10Oh, ey.
00:11:11Das Trend.
00:11:12Ball ist drin.
00:11:134-1.
00:11:15Rudi Völler.
00:11:16Super, jetzt haben wir gewonnen.
00:11:18Das war so ein bisschen der Türöffner.
00:11:20Da haben wir eine wunderbare Leistung gebracht.
00:11:22Das hat uns dann so das Turnier getragen.
00:11:26Das hat uns dann nach dem Spiel Franz Beckmann gesagt.
00:11:29So, ich habe euch nicht irgendein Schmal erzählt, dass wir eine Chance haben, ganz oben mitzuspielen
00:11:34oder um die Meisterschaft zu spielen, sondern jetzt habt ihr es gezeigt und das wollen wir
00:11:39die nächsten Spiele wieder haben.
00:11:42Viele Zuschauer haben gesagt, Inter Mailand hat heute Jugoslawien geschlagen.
00:11:47Nein, wir haben ja alle Jugoslawien geschlagen.
00:11:49Sicher freut es uns besonders, dass wir in unserem Stadion in Anführungszeichen Tore machen konnten.
00:11:54Das ist schon ein sehr, sehr schönes Gefühl, aber wir sind alle füreinander da.
00:11:57Ja, wir sind 22 Spieler und da hält der eine zum anderen und das ist der Ausschlag für diese Truppe.
00:12:03Dass das Spiel jetzt so ausgehen würde, damit haben wir auch nicht gerechnet.
00:12:06Aber jetzt wissen wir, wo wir stehen und was wir können.
00:12:08Jetzt dürfen wir bloß nicht den Fehler machen und dass wir die anderen beiden Gegner zu leicht nehmen.
00:12:12Aber das glaube ich, das wird keiner tun, weil wir haben so viel vor hier bei der Weltmeisterschaft,
00:12:17dass wir das erreichte Ziel, was wir uns vornehmen, dass wir das auch vielleicht erreichen.
00:12:30Es gab schon eine Hierarchie.
00:12:32Lothar Matthäus war sicherlich der Chef schlechthin zu der Zeit.
00:12:35Er war sicher auch mit der beste Spieler von dem Turnier.
00:12:38Und da hat man natürlich als junger Spieler schon aufgeschaut.
00:12:41Lothar war natürlich unser Leitwolf.
00:12:42Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Spielfeldes.
00:12:47Der eben auch ein Ohr hatte für die Nummer 13, 15, 18.
00:12:52Der immer der verlängerte Arm von Franz Beckenbauer war und selber auch seine Meinung gesagt hat.
00:13:00Damals war ich mehr so der Lehrling und er war schon der Meister.
00:13:03Der Altersunterschied, natürlich seine Klasse.
00:13:06Also er war damals absolut auf dem Peak.
00:13:09Der Weltfußballer 1990.
00:13:12Und da hatte ich natürlich einen unglaublichen Respekt und den habe ich heute noch vor ihm.
00:13:18Wir hatten Probleme miteinander später, also wenn wir einfach verschiedene Charaktere sind.
00:13:23Wir waren halt nicht immer auf einer Wellenlänge.
00:13:25Aber auf dem Platz hat kein Blatt Papier zwischen uns gepasst.
00:13:30Das Tor gegen Jugoslawien, das 3 zu 1.
00:13:34Da muss man den Jubel von mir, aber wer war der Erste, der bei mir war?
00:13:38Am Boden, rechts bei der Fahne da hinten, vor der Eckfahne?
00:13:41Jürgen Klinsmann.
00:13:41Weil wir beide immer den Erfolg gesucht haben und wir wussten auch beide, es geht nur miteinander.
00:13:48Ich profitiere von Jürgen, wenn er Dore macht und er profitiert, wenn ich die Mannschaft führe.
00:13:53Und das war immer bei uns.
00:14:00In Mailand spielt heute die deutsche Fußballnationalmannschaft ihre zweite Begegnung gegen die Vereinigten Arabischen Emirate.
00:14:09Das war ja im Grunde genommen auch nicht so die Herausforderung und wir werden ja in der ersten halben Stunde
00:14:15schon 3, 4 Tore schießen können.
00:14:17Und die Chance für Rudi Völler!
00:14:19Kommt da noch ran, jawohl!
00:14:21Der Ball in die Mitte hoch, Klinsmann trifft das Tor nicht!
00:14:24In der Mitte wartet Völler, Pass in die Mitte, abgeblockt zunächst einmal.
00:14:27Klinsmann, Schuss, abgewährt, Völler zum Vorbein!
00:14:32Bild eine Chance für Rudi Völler!
00:14:35Mit diesem einen Spiel hätt's schon fünf Dinger schießen können und dann wärst du schon Torschützenkönig gewesen der WM 90.
00:14:41Also im Nachhinein einfach eine verpasste Gelegenheit da noch ein paar draufzulegen als Stürmer.
00:14:48Ich denke, Rudi denkt da genauso drüber.
00:14:50Wir hatten die ersten 20 Minuten, beide so viele Chancen, die wir normalerweise immer im Schlaf reinmachen, wenn wir die
00:14:56Chancen bekommen und wir haben sie nicht reingemacht.
00:14:58Wir sind schon fast verzweifelt.
00:15:00Dann kommt der Querpass und Völler macht das Tor!
00:15:04Rudi Völler macht das erlösende 1 zu 0 in der 36. Spielminute.
00:15:11Mit dem rechten Fuß nach hinten und das Tor!
00:15:13Klinsmann und diese beiden Spieler, die zuvor nicht getroffen haben, treffen jetzt innerhalb von 120 Sekunden.
00:15:24Thomas Hessler springt unter dem Ball durch.
00:15:28Die Emirate haben ein Tor erzielt durch Khalid Ismail Mubarak.
00:15:32Das einzige Tor, das die Emirate bei einer Weltmeisterschaft in Jena geschossen hat,
00:15:36das ist große Fußballgeschichte in den Vereinigten Emiraten.
00:15:40Und jetzt ist alles vorbei, meine Damen und Herren.
00:15:435 zu 1!
00:15:49Ich bin häufig in Dubai und dann wird man auf dieses Spiel schon noch von der älteren, reiferen Generation angesprochen,
00:15:55dass sie da stolz sind, dass sie gegen den späteren Weltmeister ihr einziges WM-Tor geschossen haben.
00:16:20Ich glaube, dass innerhalb dieser Mannschaft eine unheimliche Ruhe entstanden ist,
00:16:25weil jeder fokussiert war, jeder wusste, wie stark er ist, jeder wusste, was er kann und vielleicht, was er nicht
00:16:33kann.
00:16:34Und man hat alles so gebündelt mit Franz Beckenbauer zusammen, der dann auch nochmal eingewirkt hat auf die Spieler,
00:16:42dass man einfach so selbstbewusst war und dann kann man auch Ziele erreichen, die vielleicht vorher nicht möglich gewesen wären.
00:16:57Das Schöne war, dass wir am Tag nach den Spielen ganz oft einen Tag freigekriegt haben.
00:17:03Franz wollte immer, dass alle nochmal massiert werden, gepflegt werden nach dem Spiel,
00:17:07dass keiner das Hotel verlässt, direkt nach dem Spiel.
00:17:10Aber am Tag danach, nach dem Auslaufen, nach dem Regenerationstraining, hat er gesagt,
00:17:14also Jungs, wir sehen uns morgen wieder.
00:17:26Die Zimmerverteilung ist extrem wichtig bei so einem Turnier.
00:17:29Das ist wie ein Ehepartner, da muss man sechs Wochen miteinander auskommen
00:17:33und man muss sich einfach auch wohlfühlen, um dann so ein großes Turnier zu spielen.
00:17:40Ich habe mit meinem Kollegen, Freund, aber für mich eigentlich so einen Bruder mit Andreas Brehme immer schon vorher zusammen
00:17:49übernachtet.
00:17:50Wir wussten alles voneinander, weil wenn du jahrelang, eigentlich jahrelang, über 150, 200 Tage zusammen übernachtest,
00:17:57dann weißt du vom anderen alles. Du weißt sein ganzes Privatleben, du weißt seine Probleme,
00:18:03du teilst seine Freuden mit ihm und so weiter und so fort.
00:18:06Und für mich war, und für Andi auch, war es ganz klar, dass wir gemeinsam diese Wochen miteinander verbringen.
00:18:15Ich war mit Andreas Köpke sehr zufrieden und wir haben uns jeden Abend auch lieb guten Nacht gesagt und morgens
00:18:23guten Morgen.
00:18:25Mit Liddy war es lustig und auch abwechslungsreich.
00:18:29Und es war halt einfach schön, weil das irgendwie, das war schon sehr intim und vertraulich.
00:18:34Hier kamen auch kaum Leute von auswärts rein, das war ganz gut abgeschirmt.
00:18:4112 Uhr morgens, beziehungsweise mittags, da guckt man also dann direkt schon mal ins Bad hinein.
00:18:47Da guckt man dann direkt aus dem Fenster hinaus.
00:18:50Ich hatte die Kamera damals neu und hatte gedacht, gut, in der WM ist natürlich ein tolles Erlebnis, ein einmaliges
00:18:56Erlebnis.
00:18:57Dann fange ich da mal an zu filmen und schaue mal.
00:18:59Ja, jetzt komme ich leider zu meiner Ecke, die hier auch einen sehr unordentlichen Eindruck macht, würde ich zugeben.
00:19:06War mir überhaupt nicht mehr bewusst, dass ich das alles da auf der Kamera hatte.
00:19:09War eine Spielerei am Anfang. Ich habe auch nicht mehr lange gefilmt.
00:19:13Ich glaube, ich habe nur in der ersten Zeit hier in Erba und Mailand gefilmt.
00:19:17Und nachher, dann hat ja die WM so richtig die Fahrt aufgenommen.
00:19:44Das dritte Heimspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft bei dieser Weltmeisterschaft.
00:19:49Ein Spiel, bei dem normal nichts mehr passieren sollte.
00:19:54Wir waren ja schon qualifiziert nach den ersten beiden Siegen.
00:19:57Wir waren schon durch, wollten natürlich auch Gruppenerster bleiben und dass wir in Mailand weiterspielen konnten.
00:20:04Dass wir weiterhin unser Camp hier nicht wechseln mussten.
00:20:09Das war Strapazen, du hättest vielleicht umziehen müssen, vielleicht hast du in Süditalien gespielt.
00:20:14Auch für die Fans war es einfacher mit Mailand.
00:20:16Die mussten über die Alpen fahren und schon waren sie im Stadion.
00:20:32Du brauchst erfahrene Spieler, du brauchst eine gute Hierarchie innerhalb einer Mannschaft.
00:20:37Nun gab es im Grunde die, die einfach marschiert sind, die gar nicht so viele Fragen gestellt haben.
00:20:42Ähnlich ging es mir.
00:20:43Ich war happy als junger Spieler dabei sein zu können und wäre auch sicher 150 Minuten am Stück gelaufen und
00:20:54nicht nur 90, einfach um dabei zu sein.
00:20:57Man will jedem, vor allem natürlich innerhalb der Mannschaft, beweisen, dass du ein Guter bist.
00:21:02Dass du gerechtfertigt hier bist in dieser Gruppe von Elitespielern, die dann letztendlich vielleicht gar die WM gewinnen.
00:21:13Und die Gitter kommt.
00:21:16Schauen Sie sich diesen frechen Torwart an.
00:21:20Wie immer Südamerikaner war ein guter Kicker, er wurde Fußballer und war lange ein ordentliches Spiel, ein bisschen zäh.
00:21:28Andreas Bremer hat uns erstmal gefehlt, er hat zwei gelbe Karten bekommen, hat Hans Pflügler seinen Einsatz bekommen.
00:21:34Ich war froh, einmal gespielt zu haben, aber da ist es halt dann für mich nicht ganz so einfach gewesen,
00:21:40eine bessere Leistung zu zeigen.
00:21:42Ich habe gespielt, ich habe keinen besonderen Fehler gemacht, aber das war halt auch kein besonders gutes Spiel.
00:21:47Aber es kommt vor.
00:21:49Gerade gegen Südamerikaner ist das nie so einfach.
00:21:53Die sind immer ganz besonders motiviert, wenn sie gegen Europäer spielen.
00:21:59Augenthaler-Faulspiel hat am Trikot gezogen.
00:22:01Walter Rahmer?
00:22:02Ja, den hat er mal ein bisschen gefault, er ist fast gestorben.
00:22:07Walter Rahmer.
00:22:10Walter Rahmer, das war das Schauspiel schlechthin.
00:22:13Sehr provokanter Spieler und das hat er auch in diesem Spiel gezeigt, wo er zehn Minuten praktisch tot war, bei
00:22:20Verletzungen.
00:22:21Und dann, wie sie ihn rausgetragen haben, ist er wieder von der Trage gesprungen und auf den Platz gesprintet.
00:22:27So schnell war er vorher im ganzen Spiel nicht.
00:22:28Ja, das war ein bisschen Schauspielerei.
00:22:31Da kann ich mich gut erinnern, weil ich den Assis gegeben habe zu Bialit Barski im Mittelfeld zu dem Ball
00:22:37bekommen habe,
00:22:37habe einen noch ausgespielt und schon dann liebte ich den Ball mit dem Außen und das rüber gespielt und der
00:22:41hat dann ein wunderschönes Tor gemacht.
00:22:43Tor!
00:22:50Jetzt sollten Sie mal einen befreiten Teamchef sehen.
00:22:54Aber immer ärgerlich, wenn du einen kassierst.
00:22:57Liegt dem Abseits und Ausgleich.
00:23:02Bandschuss.
00:23:03Schiebt ihn durch die Beine durch.
00:23:05Jeder Kolumbianer, der mich dann erkennt, der erinnert sich an dieses Tor.
00:23:09Also da bin ich sehr beliebt, da kann ich jederzeit hinfahren.
00:23:12Das hat mich dann schon ein bisschen gewurmt, weil das Spiel hatten wir eigentlich im Sack und das war also
00:23:16vollkommen unnötig.
00:23:22Und Schlussgriff.
00:23:24Ein gerechtes 1 zu 1 zwischen Deutschland und Kolumbien.
00:23:28Es war wichtig gewesen, dass wir nicht verlieren.
00:23:30Und deswegen waren wir mit dem Unentschieden am Ende des Tages auch zufrieden gewesen.
00:23:34Es lief so wie geplant, sagen wir es mal so.
00:23:46Wir haben täglich Pressekonferenzen gehabt.
00:23:49Es gab immer so diese einstündige Pressestunde vor dem Mittagessen.
00:23:53Es war schon ein Ritual und viele Spiele hat das gestresst.
00:23:59Für mich war es eigentlich eher Freude, weil ich kannte die ganzen Journalisten und dann haben wir es einfach mal
00:24:05umgedreht.
00:24:05Ja, das war, kam dem Ditti irgendwie die Idee, pass mal auf, warum sollen uns eigentlich die Journalisten immer nur
00:24:11uns interviewen und jeden Tag das Gleiche.
00:24:13Wir drehen einfach mal den Spieß um.
00:24:15Bodo Oegner hat sich die Kamera geschnappt, beide, glaube ich, Sonnenbrille auf gehabt und dann habe ich die Journalisten interviewt.
00:24:25Ich habe nur eine Frage.
00:24:25Haben Sie Angst, sich im Fernsehen zu zeigen oder warum sind Sie immer noch beim Radio?
00:24:29Ich habe schon eine gewisse Grundangst, mich im Fernsehen zu zeigen.
00:24:32Meine Mutter, die sagt auch immer, Junge, bleib da, wo du bist, damit dich keiner sieht.
00:24:36Ist besser für die Zuhörer und besser für die Zuschauer natürlich.
00:24:39Die Mannschaft 74 und 90, können Sie die kurz vergleichen, ist die 74er Mannschaft besser gewesen?
00:24:45Die 74er Mannschaft ist heute älter.
00:24:47Er hat älter.
00:24:48Wir müssen uns ins Gewühle.
00:24:49Der Bodo muss doch filmen.
00:24:51So, alles klar.
00:24:51So, Bodo.
00:24:52Okay.
00:24:52Bodo.
00:24:53Okay.
00:24:55Ja, einfach um den Lagerkoller ein bisschen zu entkommen.
00:24:58Es ist ja doch eine lange Zeit, so eine WM.
00:25:00Ich gebe zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.
00:25:03Recht herzlichen Dank und auf Wiederhören.
00:25:23Das ist schon schön, ne?
00:25:24Ist natürlich was anderes als Havel und Spree, ne?
00:25:29Es ist ja so interessanter und schöner zu sehen, wie eigentlich Komo aussieht.
00:25:36Aber du bist nicht unbedingt ein Wassermensch, ne?
00:25:38Oder?
00:25:39Nee, nee.
00:25:40Überhaupt nicht.
00:25:41Wasser ist nicht Wasser.
00:25:42Was ist mit Wasser schienen?
00:25:43Wasser, fliegen, Feuer, alle Scheiße.
00:25:45Bei mir.
00:25:49Erst, wenn du wieder hier bist, kommt die ein oder andere Erinnerung hoch.
00:25:55Ich kann mich dann erinnern, dass wir dann am Pool Blödsinn gemacht haben.
00:26:00Alle, alle!
00:26:06Jetzt habe ich zum ersten Mal in drei Wochen eine gute Hose.
00:26:08Die Erinnerung, die kommen erst jetzt so langsam wieder, wenn du jetzt auch, wenn du das Hotel siehst oder so.
00:26:15Oder wenn du auch hier, die Bootsfahrt, jetzt so langsam kommt das mit der Bootsfahrt wieder.
00:26:26Wir hatten mal einen Ausflug gehabt mit der Mannschaft.
00:26:29Wo haben wir da hingefahren?
00:26:30Weißt du das noch?
00:26:31Ja, die sind nur auf dem See ein bisschen rumgefahren.
00:26:33Ja, wir waren irgendwo auf dem See rumgefahren, haben dann irgendwo angelegt, damit wir einen Kaffee trinken oder was gegessen
00:26:39haben.
00:26:48Wo der Franz dann, der blieb ich vom Auge, der auf dem Boot, hat immer Angst, dass er dann das
00:26:56Wasser fallen lässt.
00:26:57Der Franz, der war so unbeholfen mit dem Baby.
00:27:00Mit dem Fußball war er besser.
00:27:22Von der ersten Tag an sind wir so praktisch auf einer rosa Wolke gespielt und sind damit durch das ganze
00:27:27Turnier geflogen.
00:27:28Das war wirklich wie eine große Familie gewesen, wo jeder den anderen beschützt hatte.
00:27:33Und wenn irgendwo jemand mal ausholen wollte, kam von rechts gleich Schnauze.
00:27:37Also muss man ehrlich sagen.
00:27:39Also du hast wirklich eine tolle Mannschaft gehabt.
00:27:42Und ich habe ja noch das ein oder andere Turnier spielen dürfen, kam nicht mehr daran.
00:27:53Ich finde es immer so schön, wenn man nach 35 Jahren auch beim Trainingscamp mitmacht und dann kommt der Papa
00:28:00an und sagt zu seinem Sohn, guck mal, da ist ein Weltmeister.
00:28:03Und das macht mich dann halt stolz, dass der Papa damals, ist auch noch jünger als ich, aber sein Sohn
00:28:09sagt, guck mal, den habe ich damals als 7-Jähriger oder 8-Jähriger oder als 10-Jähriger gesehen, wie der
00:28:15Weltmeister wurde.
00:28:16Und das macht mich dann stolz, dass heutzutage noch Menschen ihren Kindern sagen, der war 1990 Weltmeister.
00:28:23Und das macht mich dann.
00:28:36Und das macht mich dann.
00:28:57Andi ist ja im Vorfeld, als der WM-Star gehandelt wurde und er hat am Anfang überhaupt nicht gespielt.
00:29:02Das war schon nicht nur einmal, dass Andi abreisen wollte, sondern 2-3 Mal.
00:29:09Naja, abreisen, das ist jetzt maßlos übertrieben.
00:29:13Aber ich kann schon sagen, dass ich natürlich schon frustriert war.
00:29:18Ich habe gesagt, was willst du jetzt machen? Du kannst jetzt nicht abreisen.
00:29:20Dann ist deine ganze Fußballkarriere irgendwo im Eimer.
00:29:23Ich wäre nie abgereist. War vielleicht richtig sauer. Ja, das kann schon sein.
00:29:29Aber er hat mich dann trotzdem immer wieder beruhigt.
00:29:32Auch in Gesprächen mit anderen Spielern kam mir auch immer mal das Gefühl rüber, oder wenn man mal mit Lothar
00:29:38gesprochen hat,
00:29:39dass er gesagt hat, pass auf Andi, mach dich nicht verrückt, der Franz denkt an dich und so.
00:29:42Also ich wurde da schon weiter motiviert und das war auch gut so.
00:30:00Es durften ja nur 16 Spieler nominiert werden, also die 11, die gespielt haben und 5, die auf der Ersatzbank
00:30:06waren.
00:30:07Die anderen 6 mussten auf der Tribüne sitzen. Das waren ja alles hervorragende Spieler.
00:30:12Das waren Top-Leute in ihren Klubs. Und auf einmal bist du bei der WM und sitzt auf der Tribüne,
00:30:16obwohl du ja zum Team gehörst.
00:30:18Es war für mich dann mental schon nicht einfach.
00:30:22Wenn man natürlich dabei ist, dann möchte man auch spielen. Aber die Situation hat es einfach nicht ergeben.
00:30:28Also wenn ich ehrlich bin, bin ich natürlich mit der Absicht nach Italien gefahren, die Nummer 1 zu sein.
00:30:34Aber ich habe dann festgestellt, dass es eben nicht so ist. Und dann war ich nur ein Teil der Gruppe.
00:30:39Was heißt nur? Ich meine, ich war unglaublich stolz darauf. Denn auch eine Nummer 2 kann ja seinen Beitrag dazu
00:30:45leisten.
00:30:46Auch Andi Köpke war die Nummer 3. Also wir Torhüter haben ja auch, sag ich mal, gut funktioniert und harmoniert.
00:30:53Und dann leider haben wir 5 überhaupt nie gespielt von denen.
00:30:57Man musste im Prinzip ja mehr Spieler glücklich und zufrieden halten, die nicht spielen, als die eigentlich die Elf, die
00:31:03gespielt haben.
00:31:03Wenn die nicht spielenden Spieler irgendwann mal zum Stinkstiefel werden, weil es ihnen einfach, was weiß ich, zu viel wird,
00:31:11ist das Ding kaputt.
00:31:18Es ist die Kunst, dass jeder seine Rolle, die ihm zugedacht ist, auch akzeptiert.
00:31:23Weil es geht nur um den gemeinsamen Erfolg. Und dann musst du das eigene Ego vielleicht auch mal beiseite lassen.
00:31:41In der Zeit damals war das extrem gewesen gegen Holland. Also da war wirklich jetzt nicht eine Feindschaft, aber so
00:31:47eine große Rivalität, dass man unbedingt gegen die gewinnen wollte.
00:31:52Da war ja so viel Dampf auf dem Kessel, das kann man sich ja gar nicht vorstellen als Außenstehender.
00:31:58Strenger Blick von Franz Beckenbauer.
00:32:05Rudi Föller.
00:32:08Röde gefoult und das müsste jetzt mal gelb werden.
00:32:13Ich kann Frank Röckert vorher immer nur als Sportsmann, als Weltklassefußballer.
00:32:17Das hat sich ein bisschen geärgert, weil er mich im Mittelfeld gefoult, nicht schlimm, hat ein bisschen eingefügelt und hat
00:32:26ihm gelb gegeben.
00:32:28Völlig korrekter Entscheid. Und wenn der Rudi wäre, wäre er auf und davon gewesen.
00:32:32Das Schlimmste war, dass er mich angespuckt hat. Da war ich ja völlig perplex. Da verstand die Welt nicht mehr.
00:32:43Man kann Foul spielen, man kann bewusst einen Foul machen, aber jemanden ins Gesicht zu spucken, das ist die unterste
00:32:50Schublade.
00:32:51Ich habe das auch erst gar nicht glauben können, ob das der Frank Röckert wirklich gemacht hat. Also es war
00:32:58für uns alle unglaublich.
00:33:01Da gibt es nochmal gelb. Gegen Rudi Föller.
00:33:06Das sind für mich so Entscheidungen von Schiedsmittern, die ich nicht ganz verstehe.
00:33:09Da gibt es für ein relativ brutales Foulgelb und dann für ein Meckern praktisch dieselbe Strafe.
00:33:15Das sind Sachen, die ich nicht ganz kapiere und verstehe.
00:33:17Hier sehen wir es nochmal. Föller schwer getroffen. Achtung!
00:33:20Der Ball rollte auf von Bröcklen zu, Torhüter der Holländer. Und Rudi ging hinterher, aber...
00:33:27Der Rudi Föller scheint mir sehr erregt zu sein im Moment. Der Föller ist außer Rand und Band.
00:33:33Dann habe ich dann nichts wie weg, den Rudi wegziehen, dass jetzt nicht der Schiedsmittern noch denkt, das muss er
00:33:37ihm nochmal irgendwas geben.
00:33:39Und so kam es ja dann. Da haben die das provoziert, als ob er einen Foul gegen den Torwart gemacht
00:33:43hat.
00:33:44Und dann kam die zweite Gelbe an beide Spieler. Das kann ja nicht wahr sein. Das ist ja Wahnsinn.
00:33:49Ein Gift im Rudi! Das kann nicht sein. Das ist ein Skandal, diese Entscheidung.
00:33:54Das ist unglaublich! Und Rai Katt auch!
00:34:01Das war natürlich für mich unfassbar. Wir sind ja bei einer Weltmeisterschaft, mit der zu dem Zeitpunkt auch die Wellen
00:34:06für mich vorbei sein können.
00:34:08Das war für mich furchtbar.
00:34:11Und auf einmal wurde er nochmal bespuckt und war absolut fassungslos.
00:34:25Und ich weiß, dass die das dann unten in der Kabine nochmal etwas ausdiskutiert haben, die Situation.
00:34:33Und ja, da flogen, glaube ich, auch die Fäuste.
00:34:35Da musste ich versuchen, natürlich auch ein bisschen im Griff zu halten.
00:34:37Wir sind danach in der Kabine, da gab es noch eine kleine Rangelei dann später im Kabinengang.
00:34:44Wir wussten, das kann nicht sein, dass so eine Ungerechtigkeit den Ausschlag gibt, dass die Niederländer weiterkommen.
00:34:51Das hat uns nochmal alle unheimlich sogar Kraft und Power gegeben.
00:34:57Wut war bei uns allen drin, nach diesem Vorfall.
00:35:00Also wir waren entsetzt, wir waren richtig sauer, wir waren extrem aggressiv dann in unseren Gedanken.
00:35:09Mein Gefühl im Spiel war, wir wollen den Rudi Völler rächen.
00:35:13Ich habe das selber bei mir auch gemerkt im Spiel.
00:35:16Wir haben versucht, denen dann so ein bisschen was heimzuzahlen.
00:35:20Der Ausfall von Frank Reichertz hat ja nicht sich wehgetan.
00:35:23Frank Reichertz war schon ein ganz wichtiger Spieler für die Holländer.
00:35:26Und dann 10 gegen 10, Jürgen hatte dann Platz, konnte auch seine enorme Laufbereitschaft richtig in Szene setzen.
00:35:33Kämpft toll, der Jürgen Klinsmann da vorne alleine auf Weiterflur gegen drei Holländer.
00:35:37Ich habe immer gesagt, der Jürgen ist ein bisschen stolperer.
00:35:39Der hat er sehr ins Spiel hingelegt.
00:35:42Vielleicht auch, er war so Gerechtigkeitsfanatiker, dass er noch mehr Gas gegeben hat,
00:35:48weil die rote Karte von Rudi Völler war so was von ungerecht.
00:35:52Der hat also da ein Feuerwerk abgebrannt, wie ich selten gesehen habe.
00:35:57Das schafft Lauf und gibt dem Klinsmann Gelegenheit, dann nochmal den Van Tichelen abzuhängen.
00:36:03Unglaublich, was der läuft.
00:36:07Und die Leute feiern ihn.
00:36:09Als wenn er um sein Leben läuft, von links nach rechts, nach hinten, nach vorne, war torgefährlich.
00:36:14Ich glaube, in dem Spiel, das war ein Jahrhundertspiel von ihm.
00:36:20Buchwald.
00:36:25Ja!
00:36:26Ja!
00:36:27Ja!
00:36:28Jawohl durch Klinsmann!
00:36:42In der 51. Spielminute.
00:36:46Franz, nur freu dich mal.
00:36:47Führt Deutschland mit 1 zu 0.
00:36:54Toll gemacht von Guido Buchwald.
00:36:56Es ist ein normal technisch kein sehr guter Spiel, aber in der Szene hat er mich an einen Brasilianer erinnert.
00:37:01Jetzt gibt es Beifall für Jürgen Klinsmann, der vielleicht heute sein bestes Länderspiel gemacht hat.
00:37:06Er hat ein Tor geschossen.
00:37:08Er ist gigantisch gelaufen.
00:37:10Jürgen war wirklich der Hero.
00:37:13Nicht nur wegen des Tores, sondern vor allem wegen seiner Art und Weise, wie er sich für die Mannschaft aufgeopfert
00:37:18hat.
00:37:20Noch 6 Minuten, liebe Zuschauer.
00:37:221 zu 0 für Deutschland.
00:37:24Und hat Eckball durch Lippmasken.
00:37:28Guido Buchwald.
00:37:31Bremen, kommt sie drauf.
00:37:34Ja!
00:37:36Das war's!
00:37:36Das ist der Sieg!
00:37:38Das ist das Viertelfinale.
00:37:40Lange hat sich an die Bremen zurückgehalten, um dann diesen Kunstschuss abzugeben in der 85. Spielminute.
00:37:49Wo er dann da so reinzieht und aufs lange Eck zählt, war natürlich wahrscheinlich eins der schönsten Tore auch von
00:37:55uns bei der WM.
00:37:56Ich glaube, das war der wichtigste Sieg.
00:37:58Das hast du auch Franz Beckenbauer angemerkt, vor dem Spiel, nach dem Spiel.
00:38:01Da pfeift er ab!
00:38:04Deutschland ist im Viertelfinale!
00:38:07Schlägt die Niederlander mit 2 zu 1!
00:38:31Herr Beckenbauer, wir müssen unbedingt noch ein Wort über den Schiedsrechter verlieren.
00:38:34Ich habe Sie da unten noch am Spielfeldrand gesehen.
00:38:36Sie haben da mitgezittert und haben auch sicherlich nicht jede Entscheidung mittragen können heute.
00:38:40Na gut, ich weiß nicht, wie lange man sich das noch gefallen lassen kann, was hier bei dieser Weltmeisterschaft gepfiffen
00:38:45wird.
00:38:45Also das passt schon nicht mehr auf eine Kuhhaut.
00:38:47Was der heute wieder veranstaltet hat, ich glaube, langsam wird es zu einer lächerlichen Veranstaltung.
00:38:58Dann musste ich nach Rom, es gab eine Verhandlung.
00:39:00Lothar ist mitgeflogen, weil Lothar hatte zu Unrecht eine gelbe Karte bekommen.
00:39:04Es wurde beides verhandelt, erst meins, dann seins.
00:39:06Ich hatte gehofft, dass ich nicht gesperrt werde, aber die FIFA hat dann nicht die rote Karte zurückgenommen und wurde
00:39:14leider dann ein Spiel gesperrt, hat wehgetan.
00:39:19Wir hatten dann noch ein bisschen Zeit, Lothar und ich.
00:39:22Wir hätten eigentlich dann am späten Nachmittag zurückliegen müssen nach Mailand.
00:39:28Und dann damals muss man sich ja vorstellen, es gab ja noch keine sozialen Medien, es gab noch keine Handys,
00:39:34keine Fotohandys.
00:39:34Ich habe gesagt, wir bleiben noch ein bisschen hier, wir sagen einfach, wir haben Flieger verpasst, das hat ja keiner
00:39:38kontrolliert.
00:39:39Und dann sind wir schön in schönem Wasser, schönem Meer, in Fiumicino, ist in der Nähe vom Fröhmischen Flughafen.
00:39:48Da sind wir dann beim guten Freund von mir im Lokal, sind wir dann schön essen gegangen, haben zwei, drei
00:39:54Flaschen Wein getrunken und sind später, ein bisschen später nach Mailand zurückgeflogen.
00:40:15Für mich war das ja dann auch vorbei. Ich bin dann Weltmeister geworden mit meinen Freunden.
00:40:20Da geht das Leben ja weiter. Ich glaube, ihn hat das natürlich Zeit seines Lebens dann auch schon belastet, weil
00:40:26er ja normalerweise sowas nicht macht, weil es halt immer wieder zu sehen war.
00:40:30Ich glaube, es war für Frank eine viel schwierige Situation, damit umgehen zu müssen, als für mich.
00:40:55Das ist jetzt noch wieder Gänsehaut pur. Diese Erinnerungen, diese tollen Siege, die wir hier gehabt haben.
00:41:05Wir haben fünf Spiele hier gemacht und das war dann schon fast unsere Heimat.
00:41:18Die ganzen Italiener, die waren immer auf unserer Seite. Das war wie eine Heimmannschaft. Das war die Basis für den
00:41:26WM-Titel, das Stadion.
00:41:32Ich sitze jetzt auch gerade quasi an der Seite, wo ich die Flanke dem jungen Kinsmann gemacht habe und da
00:41:39kommen dann schon die Erinnerungen wieder auf.
00:41:42Das ganze Stadion hat da gebebt und das war so ein Tote, das ich in meinem Leben wahrscheinlich nie vergessen
00:41:49werde.
00:41:52Wir haben untereinander so viel Spaß und Freude gehabt und das hat uns geprägt und ich glaube, das hat man
00:41:58auch bis nach außen hin, hat man das gespürt,
00:42:01dass wir einfach ein Team waren von Persönlichkeiten, die aber alle untereinander mit der Zeit jeden Tag mehr befreundet wurden.
00:42:17Ich glaube, wenn man Weltmeister wird, es gibt vier Weltmeisterschaften, die Deutschland gewonnen hat und man war bei einer dabei.
00:42:24Man gehört zu der Mannschaft, die die beste auf der Welt ist. Ich glaube, das ist schon eine Sache, die
00:42:30das ganze Leben einen prägt.
00:42:58Das war so richtig familiär und das hat er natürlich.
00:43:02Er war natürlich auch zelebriert, der Franz und das war, glaube ich, der große Knackpunkt, dass wir eben auch als
00:43:08Gemeinschaft so harmoniert haben.
00:43:14Da gab es keinen Lagerkoller, das war auch das, was Franz wollte, dass man sich da frei bewegen kann, dass
00:43:22man seinen Spaß hat.
00:43:28Dadurch, dass die Familien auch da waren im Nachbarort in einem Hotel, ist auch viel von der Spannung rausgenommen worden.
00:43:35Denn auch die Spieler, die eigentlich unzufrieden waren, weil sie nicht dabei waren, die hatten dann die Möglichkeit, bei ihren
00:43:42Partnerinnen, Frauen und so weiter, ihren Frust loszuwerden und waren dann wieder relativ gemäßigt.
00:43:47Das war eigentlich eine gute Maßnahme.
00:43:51Holger studiert schon wieder die gegnerischen Mannschaften.
00:43:55Franz hat uns schon auch freigegeben. Wir hatten auch den einen oder anderen freien Tag.
00:44:00Und jeder hat halt das gemacht, auf was er Lust hatte.
00:44:03Ein paar Spieler haben um die Ecke gewohnt. Lothar ist ab und zu mit dem Boot auf dem See.
00:44:09Und dann habe ich die Jungs zum Motorboot fahren eingeladen, wir sind Wasserski gefahren.
00:44:13Also ich habe dann noch die Urlaubsgestaltung ein bisschen gemacht, dass den Jungs gut geht.
00:44:17Wir sind zwei oder dreimal gefahren. Lothar ist mit dem Boot gefahren, wie er Fußball gespielt hat. Vollgas.
00:44:22Aber gefährlicher war es eigentlich noch im Auto.
00:44:24Boot hätte ich gar nicht wissen wollen, weil Lothar Matthäus ist gefahren wie ein Henker.
00:44:35Ich war mehr im Hotel. Ich bin leicht zufriedenzustellen. Es gab einen tollen Pool.
00:44:41Den hat der DFB damals extra für uns erbauen lassen. Das war wunderbar.
00:44:45Da gab es eine so Pool-Kombo. Und da haben wir das immer genossen.
00:44:49Nach dem Training haben wir uns alle am Pool getroffen und haben uns da sehr wohl gefühlt.
00:44:54Die drei Bayern-Spieler, die sogenannte Bayern-Mafia, bei ihrer Lieblingsbeschäftigung.
00:45:02Wo hast du diese katastrophale CD?
00:45:04Litti hatte ja immer seinen eigenen Koffer dabei, seine Musikanlage.
00:45:09Und er hat dann schon immer richtig Gas gegeben und aufgedreht.
00:45:13Wobei ein Lied, das lief immer.
00:45:15Hot Chocolate, So You Win Again.
00:45:18Kann ich heute noch auswendig?
00:45:20Den Big Bauer ausspielen, Olaf!
00:45:24Wir waren ja schon eher so Schafkopf-Spieler.
00:45:27Damals war ich immer der Schreiber.
00:45:29Da gibt es ja welche, du die Karten spielst.
00:45:31Ob jetzt Poker oder Skat spielst, dann musst du ja immer schreiben.
00:45:34Dann hat er noch die Kasse, das war dann immer ich.
00:45:36Und das haben wir dann auch oft in der Freizeit gemacht.
00:45:42Ich kann mich an Geschichten erinnern, dass wir uns von Jungs, die draußen gestanden haben, Motorrad ausgeliehen haben.
00:45:48Das war topfrisiert. Das waren zwei alte Gurken.
00:45:52Und dann ging Liti dahin und hat gesagt, können wir die mal haben?
00:45:55Wir wollen mal nach Como fahren.
00:45:58Und dann haben die gesagt, selbstverständlich.
00:45:59Das waren alles Fans.
00:46:01Dann sind wir mit diesen frisierten, klapprigen Mofas mit vier Mann nach Como gefahren.
00:46:10Mein Lenker, der hat sich nach oben und bewegt.
00:46:14Bei dem anderen ging das Licht nicht.
00:46:15Der dritte, der Sitz war kaputt.
00:46:19Heute, wenn sie uns direkt aus dem Verkehr ziehen, ohne Helm, ohne Schutzanzug, dann sind wir da hingefahren und wieder
00:46:26zurück.
00:46:26Und dann hat Franz das mitbekommen.
00:46:28Statt dann da einen großen Ausstand zu machen, hat er dann dafür gesorgt, dass dann da drei neue Mopeds standen,
00:46:33die dann sicher waren, die für Bremsen richtig funktioniert haben,
00:46:37die nicht frisiert waren, damit man sicher gehen konnte, dass das auch alles sicher verläuft.
00:46:44Franz hat eigentlich alles gewusst.
00:46:46Aber er hat uns schon vertraut auch.
00:46:49Ich glaube, wenn es zu extrem gewesen wäre, hätte Franz reagiert.
00:46:56Ich glaube, dass das auch eine Kunst ist.
00:46:58Lange Leine ist immer so ein tolles Wort.
00:47:00Aber einfach auch Freiräume geben.
00:47:02Ich glaube, darum geht es eigentlich mehr.
00:47:04Und zu beobachten, nutzen diese Spieler die aus, diese Freiräume, oder können sie auch damit umgehen.
00:47:09Und ich glaube, das Gefühl hatte Franz und dieses Gespür dafür hatte er auch.
00:47:20Wir wurden damals extrem gut von Franz Beckenbauer auf den Gegner vorbereitet.
00:47:24Das heißt immer, dass Beckenbauer alles zugeflogen ist.
00:47:28Aber das war nicht so.
00:47:29Er hat sehr akribisch und fleißig die Mannschaft vorbereitet.
00:47:33Wenn er von dem Gegner erzählt hatte, du wurdest immer kleiner am Stuhl,
00:47:36weil er sagte, der ist klasse, der ist klasse, der ist auch klasse.
00:47:41Und dann wurdest du immer kleiner, bis er dann sagte, aber ihr seid besser.
00:47:45Und das hat ihn ausgezeichnet.
00:47:46Da hast du ein bisschen wieder aufgerichtet, hast dich hingesetzt, hast du so in der Brust bekommen
00:47:49und hast nur noch drauf gewartet, bis er gesagt hat, so jetzt geht raus, macht euch warm.
00:47:53Und das war auch so das Credo.
00:47:55Wenn wir dann auf den Platz gegangen sind, war die Überzeugung da,
00:47:59wir sind die bessere Mannschaft.
00:48:07Ich habe mich natürlich tierisch gefreut, dass ich in der Anfangsformation war.
00:48:11Und natürlich spürt man dann ein bisschen mehr Druck,
00:48:12weil man weiß ja, okay, ich muss jetzt den Rudi Völler ersetzen, was ja nicht einfach ist.
00:48:17Aber ich habe mir jetzt nicht zu viel Druck gemacht.
00:48:19Also ich wusste ja auch, was ich kann.
00:48:21Und Franz hätte mir ja das Vertrauen sonst auch nicht schenkt,
00:48:23wenn er gedacht hätte, ich kann das jetzt nicht.
00:48:27Ich dachte dann wieder oben auf der Tribüne
00:48:29und dann habe ich die da umgedrückt.
00:48:33Erstmal so, wie uns Franz Beckenbauer das gesagt hat,
00:48:36wir sind der Favorit, wir sind die Tschechei.
00:48:39Und so haben wir auch die erste halbe Stunde gespielt.
00:48:4324. Minute, Foul-Elfmeter für Deutschland und der Kapitän tritt selbst.
00:48:50Lothar Matthäus.
00:48:56Unhaltbar!
00:48:58Deutschland führt 1 zu 0 durch Lothar Matthäus.
00:49:05Wir führen 1 zu 0, die kriegen eine rote Karte und wir schaffen es nicht, die Mannschaft zu dominieren.
00:49:14Wir haben wirklich da rumgeguckt und wir haben so schlecht gespielt, dass dem Franz der Kragen platzte.
00:49:22Franz Beckenbauer, dem da manches nicht passt.
00:49:24Das Spiel war nicht gut gestaltet von uns, war zu hektisch, viele Ballverluste.
00:49:30Auf einmal hat sich das Spiel gedreht.
00:49:32Die Mannschaft in Unterzahl hat auf einmal die Chancen gehabt und hat das Spiel bestimmt.
00:49:36Und jetzt Klinsmann, zu durchsichtig und Franz schimpft.
00:49:43Ich kann mich noch an Kommentare erinnern, während des Spiels spiel den Klinsmann nicht mehr an,
00:49:49der ist sowieso jeder Ball weg.
00:49:51Ich erinnere mich gut an die Kabinenansprache in der Halbzeitpause, wo Franz Beckenbauer zu mir sagte,
00:49:56mach hier nicht den Pelé, du bist nicht Pelé.
00:50:00Weil ich habe zwei Hackentricke versucht, die beide fehlgeschlagen sind.
00:50:05Und dann hat er auf mich mal kurz losgebrüllt, sagt, du bist der Klinsmann, du bist nicht der Pelé.
00:50:13Ihr spielt einen Schmarrn zusammen.
00:50:16Der ist wie ein HB-Männchen da hin und her gerannt und hat sich aufgeregt.
00:50:22Für uns Ergänzungsspieler war es eine Katastrophe, weil jeder wollte ja nicht eingewechselt werden.
00:50:29Weil der Franz hat so getobt, dass jeder natürlich für sich gedacht hat, um Gottes Willen, bitte wechsel mich ja
00:50:36nicht ein.
00:50:39Da hat er ausgewechselt.
00:50:41Da hat er gesagt, Trainer, er soll rausgehen.
00:50:44Da hat er gesagt, such deine aus.
00:50:46Da hat er gesagt, man muss sich mal vorstellen, bei einem WM-Spieler, sagt er zu seinem Spieler, den Einwechseler,
00:50:52such deine raus.
00:50:53Also haben sie alle scheiße gespielt.
00:50:56Den Lothar, den hat er an die Außenlinie geholt, hat er gesagt, Lothar, was bist du Kapitän?
00:51:00Du bist der Blinder.
00:51:02Ihr müsst es doch umsetzen.
00:51:04Ich kann mich da sehr gut erinnern, dass er den Balljungen eingewechselt hätte, wenn nicht die Regeln irgendwie im Weg
00:51:15gestanden hätten.
00:51:16Und der hätte bestimmt das besser gemacht als wir.
00:51:20Das Spiel ist aus, liebe Zuschauer.
00:51:23Die gute Nachricht zuerst.
00:51:24Deutschland ist bei der Weltmeisterschaft 1990 im Albfinale in Turin.
00:51:32Wir haben 1 zu 0 gewonnen und wir waren eigentlich total happy mit diesem Ergebnis.
00:51:37Nur einer war überhaupt nicht glücklich, das war der Franz.
00:51:43Sie waren eben stocksauer, als wir hier ankamen.
00:51:46Ja, das ist richtig. Ich meine, eben dümmer kann man sich nicht mehr anstellen.
00:51:48Es ist für mich auch unverständlich, dass wir gegen 10 Schäden schlechter ausgesehen haben als gegen 11.
00:51:54Sie sagten eben ein paar deutliche Worte gefunden. Was haben Sie den Spielern gesagt in der Kabine?
00:51:59Das kann ich ja nicht wiedergeben.
00:52:00Unter Kontrolle hat er sich nicht gehabt, der Franz.
00:52:02Das muss man ganz sagen. Erstmal hat er gewartet, bis alle da waren.
00:52:06Wer zu viel da war, wer in der Kabine nichts zu suchen hat, hat er die Tür gezeigt. Raus!
00:52:11Auf einmal scheppert die Tür. Der Franz knallt die Tür zu, fängt an zu schreien.
00:52:16Und dann hat er angefangen und geschimpft und geschimpft.
00:52:20So habe ich ihn noch nie erlebt, die ganze Zeit, wo ich ihn kannte.
00:52:23Der hat den Eiskübel weggehauen.
00:52:25Dann sind die ganzen Eiswürfel durch die Kabine geflogen.
00:52:27Hat sich dabei wohl ein Fuß, auch böse weh getan, ist dann zwei Tage nur gehumpelt.
00:52:32Das Eis flog da durch den Raum und ja, es war ein bisschen skurril, weil wir waren am Feiern, so
00:52:37ungefähr Viertelfinale, oh wow, Sieg.
00:52:40Und dann kommt Franz rein und hat natürlich die Stimmung etwas gedrückt.
00:52:43Da ist jede Entdeckung. Jeder. Inklusive Lothar.
00:52:47Es war ein Wahnsinn. Da hat er fünf Minuten gehabt, wo er total alles rausgelassen hat.
00:52:52Andy Bremer, da war der Erste, der dann gesagt hat, was ist denn hier los? Wir sind im Halbfinale, es
00:52:57wird gefeiert.
00:52:58Und danach wurde die Stimmung ein bisschen locker.
00:53:03Ich bin selbst überrascht, dass ich mich so aufgeführt habe.
00:53:06Aber ich lebe halt mit dieser Mannschaft. Ich mag diese Mannschaft und ich will, dass sie gut spielt.
00:53:10Und das hat sie in den letzten 20 Minuten nicht getan. Und deswegen war ich ein bisschen granddick.
00:53:16Durch seine Reaktion hat er die Mannschaft richtig wachgerüttelt.
00:53:20Danach war klar, dass es so nicht weitergehen konnte, dass wir wieder an unsere Stärken, unsere Tugenden wieder rangehen.
00:53:28Und also es war eine Standpauke zum richtigen Zeitpunkt.
00:53:31Ich war ja dann selber viele Jahre Teamchef, 2000 dann und 2002 bei der WM.
00:53:38Ich weiß, dass es natürlich bei aller Freude, dass es natürlich auch sehr anstrengend sein kann,
00:53:44für so was dann, für so eine Aufgabe dann verantwortlich zu sein.
00:53:48Und wir sind wochenlang zusammen. Wir haben zwar gut gespielt,
00:53:52es gab immer mal auch ein paar Tiefen dazwischen, wo er nicht ganz so zufrieden war.
00:53:56Und das ist, ja, das beschäftigt einen. Das hat man auch nachts im Kopf,
00:53:59wacht dann auch manchmal nachts auf, was kann man verbessern am nächsten Tag.
00:54:03Für Franz war es auch sehr anstrengend, klar.
00:54:25Der Franz schwebt ja immer über allen. Da musste er ja in das Turmzimmer, ist ja auch klar.
00:54:30Aber ich weiß gar nicht, da war ich glaube, da durfte ich nie rein in das Zimmer.
00:54:34Da hat der Franz schon da oben getrohnt über allen.
00:54:41Von da aus hat er natürlich die beste Übersicht gehabt.
00:54:44Der wusste also, wenn jemand kam und wenn jemand ging.
00:54:47Ja, er machte mal einen Spruch bei mir. Also ich hatte mein Auto ja da geparkt,
00:54:51mein Käfer, Cabrio. Und als wir zum Training weggefahren sind, hat er so zurückgeschaut.
00:54:56Ich saß weiter vorne im Bus und sagte, ja, Jürgen, du hast aber deinen Käfer,
00:54:58das sehe ich auch nicht immer hier. Und dann habe ich gesagt, ja, richtig, Trainer.
00:55:03Ich bin auch nicht immer hier.
00:55:08Thomas Bert und ich, wir hatten das Zimmer unter ihm. Das war ja alles sehr eng.
00:55:11Er ist sehr klein, aber er war natürlich irgendwie auch lustig.
00:55:14Wir waren ja total für uns in diesem Bereich.
00:55:18Und er musste dann ja auch mal die Treppe an uns vorbei.
00:55:23Ich habe einen Spalt erblickt in seinem Zimmer.
00:55:26Es war offen und ich habe mich einfach mal da reingeschlichen.
00:55:29Und da waren ein Riesenberg an VHS-Kassetten.
00:55:33Ich war häufig Gast da oben im Turm. Im Turmzimmer ganz oben waren wir abends häufig und öfters und länger
00:55:40zusammengesessen.
00:55:42Und er hat viele Kassetten damals gehabt.
00:55:45Wir sind einige Kassetten durchgegangen.
00:55:47Nicht die ganzen Spiele, sondern Ausschnitte aus dem Spiel des Gegners, Ausschnitte aus unseren Spielen.
00:55:53Ah, noch mal zurück. Guck dir das mal an. Der da und der da.
00:55:57Und das war schon ein bisschen mühsam.
00:56:00Aber der Franz war detailversessen.
00:56:03Der hat also nichts dem Zufall überlassen, obwohl es nach außen hin oft so leicht rüberkam.
00:56:15Ich habe ihn ab und zu gesehen, wie er dann herausgestanden ist, philosophiert hat.
00:56:21Manchmal ist er zu uns gekommen, zu Klaus Augenthaler und zu mir.
00:56:24Wir waren beide Raucher damals.
00:56:26Dann hat er so gemacht.
00:56:28Dann haben wir ab und zu alleine zusammen geraucht.
00:56:30Das hat er dann auch genossen.
00:56:33Und er war natürlich auch als Person, war er für uns wie ein Vater.
00:56:41Auch dieses Miteinander, das Franz Beckenbauer uns erlaubt hat zu leben, hat er nicht auf die Uhr geschaut,
00:56:46wenn mal abends ein Spieler mit den anderen noch um elf an der Bar gesessen ist und ein Glas Wein
00:56:51getrunken hat.
00:56:52Also Franz hat uns Freiheiten gelassen, hat uns erwachsen sein lassen.
00:56:57Und ich glaube, die Mannschaft hat es nicht ausgenutzt, sondern hat davon dann im Endeffekt profitiert,
00:57:02sodass wir auch dem Franz was zurückgeben konnten.
00:57:13Deutschland oder England?
00:57:15Wen führt der Weg ins Endspiel nach Rom?
00:57:18Heute Abend fällt hier im Alpenstadion in Turin die Entscheidung.
00:57:25Gegen England zu spielen, das ist immer ein besonderes Spiel.
00:57:28Das ist ein Klassiker.
00:57:30Und gerade im Halbfinale.
00:57:31Der Franz hat ganz klar gesagt, gegen die Engländer brauchen wir robuste Kerle, die dagegen halten.
00:57:40Ich sah so ein bisschen meine Felle davon schwimmen und habe mich fürchterlich aufgeregt.
00:57:46Aber Franz hat Olaf Thun für mich reingebracht und im Endeffekt hat er recht gehabt.
00:57:53Wer dann gespielt hat, war ja fast praktisch schon egal.
00:57:56Die haben ja alle funktioniert.
00:57:58Alle, die auch zwei Wochen auf der Bank gesessen sind.
00:58:02Olaf Thun.
00:58:05Das ist ein schöner Schuss.
00:58:07Gegen England war es das ausgeglichenste Spiel der Weltmeisterschaft.
00:58:10Es war ein Spiel rauf und runter, nach vorne.
00:58:12Kein Kick und Rush von den Engländern, sondern ein richtiges Fußballspiel.
00:58:15War vielleicht auch das Spiel mit der höchsten Qualität bei dieser Weltmeisterschaft,
00:58:19weil beide Mannschaften auf Augenhöhe sich begegnet sind.
00:58:22Matthäus.
00:58:24Oh, der Ball.
00:58:25Oh, ist noch nicht im Aus.
00:58:26Komm, Lund.
00:58:26Matthäus, komm.
00:58:27Yippe, weiter.
00:58:31Wir wussten natürlich um unsere Stärke.
00:58:33Wir wussten aber natürlich auch um die Stärke von den Engländern.
00:58:36Und dass das ein knappes Spiel werden wird, das war, glaube ich, allen Beteiligten klar.
00:58:42Es wäre nicht und äußerst.
00:58:57Torwart, wo bist du?
00:59:00Torwart, wo bist du?
00:59:02Mann, Lineker.
00:59:05Je, oje.
00:59:07Das ist schade.
00:59:08Eins zu eins.
00:59:10Hans Beckenbauer.
00:59:13Fassungslos.
00:59:14Spannend war es natürlich bis zum Schluss.
00:59:17Elfmeterschießen können die Engländer nicht.
00:59:19Das weiß jeder.
00:59:20Und dann haben wir es so lange rausgezögert bis zum Elfmeterschießen.
00:59:25Spiel ist um, alle in die Mitte, Elfmeterschießen.
00:59:28Ich war normalerweise auch eingeteilt bei den Elfmeterschützen, aber ich hatte mich ja in der ersten Halbzeit verletzt, war dann
00:59:34schon nicht mehr auf dem Platz.
00:59:35Und ich wusste, wir haben drei, vier Schützen, die können das. Ein, zwei sind immer so ein paar Wackelkandidaten.
00:59:42Kurz vor Spielende hatte ich eine hundertprozentige Chance mit dem Kopfball und habe ihn nicht reingemacht.
00:59:49Und ich war so was von sauer auf mich.
00:59:52Und als Franz dann fragte, wie sieht's aus, dann hat er gesagt, ich bin stinkig, ich bin sauer.
00:59:56Ich hätte das Ding schon entscheiden müssen.
00:59:58Es müsste gar kein Elfmeterschießen geben, wenn ich den Kopfball reinmache.
01:00:01Und dann hat er gesagt, ja gut, dann nehmen wir mal einen anderen.
01:00:06Gut, zunächst ist es einmal wichtig, die fünf zu finden, die selbstbewusst genug sind und da hingehen und den Elfmeterschießen.
01:00:14Die Spieler wie Andi Brehme, Lothar Matthäus, Thomas Berthold, Olaf Thun, die haben sich sofort bereit erklärt, als ich sie
01:00:21gefragt habe, was ist los, habt ihr das Selbstvertrauen zu schießen.
01:00:24Der Kalle Riedle war sich nicht ganz schlüssig.
01:00:27Irgendwann hat er dann natürlich den Schützen drei, vier gesucht.
01:00:31Und dann kam er zuerst zu mir her und, ja, Kalle, kannst du spielen?
01:00:36Dann habe ich gesagt, oh, ich habe noch nie einen Elfmeter geschossen in meiner Profikarriere.
01:00:40Und dann ist er gleich weggelaufen und hat dann, sagen wir, bei anderen Spielern geschaut.
01:00:45Die Stefan Reuter, den hatte ich einem für sich vorgesehen, der hat gesagt, nein, bitte lieber nicht, ein anderer wäre
01:00:50mir lieber.
01:00:53Also ich habe in meiner Karriere einige Elfmeter geschossen, aber keinen reingebracht.
01:00:57Oder einen mal im dritten Versuch gegen Bauer Xalunicki.
01:01:01Und ich war ganz mutig und Franz hat gefragt gehabt, sag ich, Franz, ich schieße.
01:01:07Sag ich, du?
01:01:08Nein, du nicht.
01:01:10Sag ich, wieso?
01:01:12Sag ich, das sind elf Meter, nicht zwanzig Meter.
01:01:17Dann habe ich mir so gedacht, okay, komm, also bevor ich jetzt einen Abwehrspieler schießen lasse, dann habe ich ihm
01:01:22gesagt, du, Franz, ich fühle mich fit.
01:01:25Ich glaube, ich schieße den rein.
01:01:26Man weiß ja, also wenn das Ding verschießt, dann bist du der Idiot der Nation.
01:01:29Und deshalb war mir dann schon bewusst, was da für ein Druck auch auf mich zukommt, dass ich den auch
01:01:36versenke.
01:01:37Da frage ich mich jetzt, warum glaubt ihr, der schießt und ich nicht.
01:01:42Komm, Bodo, alles oder nichts, rennen wir sollen.
01:01:441 zu 0.
01:01:521 zu 1.
01:01:57Ich war wirklich entspannt.
01:01:59Ich verspürte keine Nervosität.
01:02:00Das ist natürlich zum einen, dass der Torwart mehr zu gewinnen hat, als zu verlieren.
01:02:04Ein Schütze, wenn der zerfehlt, dann ist das ein Drama.
01:02:09Peter Schilden macht sich bereit.
01:02:14Aber der Lothar hat ihn reingenagelt.
01:02:172 zu 2.
01:02:23Das ist ein Anlauf kürzer als der der anderen.
01:02:27Ach, und ich glaube, Erkta war dran.
01:02:30Beim Kalle Riedli hatte ich dann meine Bedenken, weil er sich ja am Anfang nicht schlüssig war.
01:02:35Und ich habe zum Rudi Völler, der neben mir stand, gesagt, Rudi, pass auf, wenn der Kalle diesen Elfmeter verwandelt,
01:02:40gewinnen wir das Elfmeterschiss.
01:02:41Ich war relativ klar, wo ich ihn hinschießen wollte.
01:02:45Ich habe ein bisschen bei den ersten zwei Schützen geschaut, wo der Peter Schilden war ja damals schon knapp 40,
01:02:51glaube ich.
01:02:51Er war immer der Allerschnellste und hat sich, glaube ich, auch immer für eine Ecke entschieden gehabt, die Rechte, wo
01:02:55er runtergegangen ist.
01:02:57Und daher gedacht, ja, okay, Ziel einfach links, links oben, also von mir aus gesehen rechts oben Richtung Winkel, halb,
01:03:03also hoch, dann sollte das klappen.
01:03:06Karl-Heinz Riedli, 3 zu 2 für England.
01:03:12Und 3 zu 3.
01:03:14Herrlich geschossen.
01:03:18Rudi Völler war ein sehr starker Torhüter.
01:03:22Ich hatte die Vermutung, dass er beim Elfmeterschießen vielleicht nicht eine Superhilfe sein könnte.
01:03:30Ich kannte ihn vom Training her und er hatte da andere Qualitäten, die mehr herausstachen.
01:03:37Er ist kein Torhüter, der einen Elfmeter ahnt oder einen Elfmeter riecht.
01:03:42Wir haben ja sehr viel Elfmeterschießen trainiert und dabei war der Bodo immer eine einzige Katastrophe.
01:03:49Franz hat immer wieder gesagt, dass das nicht meine Stärke war.
01:03:52Das habe ich für mich persönlich zu dem Zeitpunkt anders gesehen.
01:03:55Ich habe das auch anders gespürt.
01:03:57Und ich war sehr, sehr selbstsicher, dass ich Minimum einen Elfmeter halten werde.
01:04:01Das war mir von vornherein klar.
01:04:23Und jetzt kommt Chris Waddle.
01:04:36Oh, und er verschießt und damit sind was.
01:04:39Deutschland ist im Endspiel.
01:04:41Und dann müssen Sie sehen, wie sie alle hinsausen.
01:04:46Deutschland ist im Endspiel am Sonntag in Rom gegen den Weltmeister Argentin.
01:04:54Und es kommt zur Revanche.
01:05:00Und Franz, der Schwarz, ist das denn zu glauben?
01:05:04Was tut er mir leid?
01:05:05Der arme Chris Waddle, bei aller Freude, die ich empfinde, für Deutschlands Weiterkommen.
01:05:16Franz Beckenbauer, die sind alle auf dem Platz gestürmt mit ihren Anzügen.
01:05:19Ich weiß noch, wie die Bordeaux-farbenen Sakkos gewählt haben.
01:05:22Ich glaube, Krawatte haben sie auch noch angehabt.
01:05:24Was für eine hässliche Krawatte.
01:05:25Aber es war halt damals modern.
01:05:27Und ja, da die Freude riesengroß, auch in der Kabine, ist Bodo Ilkner, der Torhüter, gefeiert worden.
01:05:34Der im Endeffekt ja dann dafür verantwortlich war, dass der England zwei Elfmeter verschossen hat.
01:05:40Bodo! Bodo! Bodo!
01:05:44Ich muss sagen, ganz ehrlich, Bodo, bei diesem Elfmeterschießen ist er über sich hinausgewachsen und hat natürlich auch den entscheidenden
01:05:51gehalten.
01:05:52Er hat das bravourös gemacht und ich glaube, das war außergewöhnlich.
01:06:01Also als Kind tatsächlich habe ich davon geträumt.
01:06:04Das ist der Traum von unserer, von dieser Generation damals auf jeden Fall gewesen.
01:06:08Heute haben die Jungs vielleicht ein bisschen andere Träume.
01:06:10Influencer, da wird man ein bisschen leichter manchmal, als da lange Jahre hart zu arbeiten und alle Jugendmannschaften, alle Auswahlmannschaften
01:06:18zu durchlaufen und im Winter sich in den Matsch zu schmeißen und im Sommer bei der Hitze auf dem Platz
01:06:23zu stehen.
01:06:25Und wenn der Trainer sagt, noch eine Runde, dann noch eine zu laufen, das ist ja nicht leicht.
01:06:29Man sieht uns dann da zwar auf dem Platz und man sieht den Pokal und man liest darüber, wie viel
01:06:34Geld dahinter steckt.
01:06:35Aber ich meine, da haben auch schon andere, manche sich erbrochen im Trainingslager bei den Trainingseinheiten am Morgen, wenn das
01:06:42dann da die nächste Runde und nochmal und dann die Stoppuhr liebt.
01:06:45Das darf man ja nicht vergessen, da steckt eine ganze Menge Arbeit dahinter.
01:07:02Dann haben wir die Koffer gepackt und wir hatten so eine richtig gute Stimmung.
01:07:07Nach Rom in die ewige Stadt und dort das Finale zu spielen.
01:07:14Und es war für uns klar und so hatte man auch das Gefühl auch in der Mannschaft, dass wir Weltmeister
01:07:20werden.
01:07:21Irgendwie, da gab es irgendwie keinen Zweifel.
01:07:24Für mich war das ganz klar, wir werden jetzt Weltmeister.
01:07:33Am nächsten Tag auf dem Weg, natürlich links und rechts Menschen, vor allem je näher du zum Stadion gekommen bist,
01:07:39umso mehr Menschen.
01:07:40Viele Deutsche, aber auch die italienischen Fans.
01:07:43Die Polizei, die haben ja richtig Spaß gehabt da.
01:07:45Mit Motorrädern vor uns gefahren, die haben die Autos, die im Weg waren, die haben mit ihren Schlagstöchen auf die
01:07:51Motorhauben gehauen, dass die zur Seite fahren.
01:07:53Allein die Einfahrt in dieses Stadio Olimpico mit diesen Pinienwäldern davor und mit der ganzen Kulisse Menschenmengen von deutschen Fans
01:08:02dann auch da gewesen, das war schon ein unglaubliches Gefühl.
01:08:06Das genießt man dann, diese Fahrt zum Stadion, das nimmt man auf, man ist euphorisiert.
01:08:12Ich habe mich gefreut auf das Finale und das war dann auch vor dem Spiel so, dass wir früh im
01:08:17Stadion waren und im Mittelkreis auf dem Rasen gesetzt haben und Fotos gab.
01:08:23Also es war wirklich auch ein großes Selbstbewusstsein bei der Mannschaft.
01:08:33Um dieses Stadion herum, meine Damen und Herren, um das Olympiastadion in Rom, das Sie hier eingeblendet sehen, herrschte gestern
01:08:41Abend, heute die ganze Nacht eine fantastische Stimmung.
01:08:44Verbrüderung zwischen den deutschen und den italienischen Fußballfans, einträchtig beieinander.
01:08:51Argentinien hat ja Italien ausgeschaltet, die waren dann wieder in Rom auf unserer Seite, weil wir noch Rudi Völler, den
01:08:57Hero von Rom, in unseren Reihen hatten und somit war das gefühlt wieder ein Heimspiel.
01:09:02Alle wollten natürlich auch, die Italiener wollten natürlich auch, dass wir das Finale gewinnen.
01:09:07Nein, das war eine wunderbare Stimmung.
01:09:13Da war ein unglaublicher Fokus da.
01:09:17Ich konnte es in jedem Gesicht ablesen, dass es Ihnen ganz, ganz genau bewusst ist, dass wir uns diese Chance
01:09:24nie hingehen lassen werden.
01:09:25Nie hingehen lassen werden.
01:09:36Die Mannschaft war selbstbewusst, sie strotzte vor Selbstbewusstsein, nicht vor Überheblichkeit.
01:09:40Das darf man nicht so verstehen, sondern sie war selbstbewusst.
01:09:43Und es war auch nie eine Frage oder ein Gedankenspiel, dass wir das nicht packen würden.
01:09:50Ich erinnere mich noch, wie er zum Guido Buchwald gesagt hat, Guido, du spielst jetzt mal gegen Diego Maradona, aber
01:09:56was sagt er ganz ehrlich, du bist viel besser, du bist in der Form deines Lebens.
01:10:00Guido, klar, Maradona ist halt deine Aufgabe und wie man ihn am besten aus dem Spiel nimmt, dass er wenig
01:10:08Ballkontakte hat, dass er, man kann auch agieren, wenn man keinen Ball hat,
01:10:14dass ich immer ihn so hinschiebe, dass er den Ball mit dem Rücken zu mir annehmen muss.
01:10:21Die Nacht davor hat man eigentlich schon gar nicht so gut geschlafen, man ist immer wieder seine Bewegungen durch den
01:10:27Kopf gegangen.
01:10:28Wie macht man das, wenn er dementsprechend sich bewegt?
01:10:35Vor jedem Spiel war ich nervös.
01:10:38Ich kann mich noch gut erinnern, jetzt bist du im Finale, die Stimmung im Stadion.
01:10:44Und dann kommst du die Treppe hoch von der Kabine und dann steht dieser Weltpokal da.
01:10:51Und da habe ich gedacht, du hast so viel auf dich genommen, verletzt gewesen und dann hast du unter Schmerzen
01:10:58trainiert.
01:10:59Ohne diesen Cup gehe ich nicht heim.
01:11:02Ich muss Ihnen ganz ehrlich bestehen, meine Damen und Herren, auch wir hier oben, ich hoffe Ihnen zu Hause geht
01:11:08es nicht anders, haben feuchte Hände vor diesem Finale.
01:11:12Die Spannung war ohnehin schon sehr groß.
01:11:15Und Franz hat dann seinen Standardsatz gesagt, geht's raus und spielt Fußball.
01:11:21Und da muss man nicht viel sagen, vor so einem Finale.
01:11:25Auf geht's, Beginn des WM-Finales. Argentinien gegen die Bundesrepublik Deutschland.
01:11:42Das war ein sehr einseitiges Endspiel, weil wir einfach total überlegen waren.
01:11:48Und gerade unser Tor war der Bodo Ilchner, was ich für viele Bälle musste er nicht halten.
01:11:54Also ich kann mich nie erinnern, dass ich irgendjemandem mal in die Augen geschaut habe von denen.
01:11:58Die waren alle zu weit weg immer.
01:11:59Die Argentinier kam kaum ins Spiel. Wir haben schnell den Ball zurückgeobert.
01:12:04Viele Ballstaffetten, gute Kombinationen.
01:12:07Gut gestaffelt schon im Mittelfeld, die Deutschen.
01:12:10Die hatten sich auch total in die Hose gemacht für uns, weil wir so gut, stark, konzentriert gespielt haben,
01:12:16dass sie sich gedacht haben, oh oh, da kommt was auf uns zu.
01:12:19Wir hatten fünf, sechs, sieben Hochkaräter gehabt, wo wir hätten schon 1 oder 2-0 führen können.
01:12:35Wir wussten, dass wir Geduld haben müssen.
01:12:38Diego Maradona natürlich ein Spieler, der dann mit seiner persönlichen Qualität auch 1990 ein Spiel alleine entscheiden hätte können.
01:12:46Wenn der ins Spiel kommt, dann kann er tödliche Bälle spielen oder er kann auch 1 gegen 1 was machen.
01:12:51Aber wir wussten, wir haben unseren Guido und der wird ihn ausschalten.
01:12:55Wohin Maradona auch entweicht, Buchwald ist schon da.
01:12:58Der Künstler gegen den Handwerker.
01:13:00In diesem Finale hat der Guido Buchwald das Handwerk zur Kunst erhoben.
01:13:05Guido Buchwald mit seinen langen Gräten, haben wir immer gesagt, der ist einfach überall, konnte er nochmal rein stochern.
01:13:12Und ja, hatte eine Aufgabe in dem Spiel, Diego aus dem Spiel zu nehmen.
01:13:19Ufrasch in jeder Lage, mit 1000 Füßler.
01:13:23Er hat Diego Maradona, den vielleicht besten Fußballer zu dieser Zeit, einfach aus dem Spiel genommen.
01:13:30Der Junge hatte keinen Spaß am Fußball.
01:13:33Guido Buchwald hat gegen den besten Fußballer der Welt gespielt.
01:13:36Wo war der in dem Spiel?
01:13:37Er hat manchmal auch zu mir hochgeschaut.
01:13:40Jürgen und dann hat er dann irgendwie gemerkt, ich glaube, heute habe ich keine Chance.
01:13:50Das Spiel entwickelte sich so, dass wir noch mehr Spielanteile hatten.
01:13:55Wir hatten wirklich gute Torchancen.
01:13:57Ein Elfmeter gegen Augenthaler wurde nicht gepfiffen.
01:14:02Klares Foul.
01:14:03Augenthaler!
01:14:05Augenthaler!
01:14:06Und!
01:14:09Ah, das muss er pfeifen!
01:14:11Das ist ein ganz klarer Pfiff.
01:14:14Aber dem Augenthaler ist fast das Herz in die Hose gedutscht.
01:14:18Ich hatte nicht die Zeit, sich darüber zu ärgern, weil es ungerecht war, weil es ein Elfmeter gewesen wäre.
01:14:23Jetzt, Jahre später, denken wir halt immer wieder drüber nach.
01:14:26Mensch, den Ball haben wir super gestoppt.
01:14:28Ich habe die Situation noch genau vor Augen.
01:14:31Und wenn mich der Torwart nicht fault, dann hätte ich vielleicht das 1-0 gemacht.
01:14:34Heutzutage mit dem VAR wäre das mit Sicherheit ein Elfmeter gewesen.
01:14:38Und von daher, ich erinnere mich da schon dran, weil wir uns natürlich auch aufgeregt haben.
01:14:42Aber im Endeffekt wäre das der Elfmeter gewesen.
01:14:46Zwei, drei Tage vorher noch hier in Erba beim Training, sage ich zu Rudi,
01:14:51ey Rudi, ich komme aus dem Mittelfeld mit dem Ball und du gehst halb rechts oder halb links weg
01:14:56und ich spiele dir den Ball rein und dann kannst du abschließen.
01:14:58Haben wir vorher nie gemacht.
01:15:00Nur zwei, drei Tage vor dem Endspiel.
01:15:03Dann in Rom beim Endspiel, ich kriege den Ball auf der halbrechten Seite.
01:15:07Der argentinische Spieler kommt raus, ich spiele den Rudi Völler,
01:15:10den Ball in den Lauf und er wird gefoult.
01:15:13Und was gibt er? Er gibt Elfmeter! Er gibt Elfmeter!
01:15:18Also den vorherigen Augenzahler, den hätte ich zehnmal eher gepfiffen als den Abfüllern.
01:15:25Ich glaube, der mexikanische Schiedsrichter hat irgendwann der Punkt, wo er gesagt hat, jetzt reicht's.
01:15:29Es war dann einfach die Masse, die Fülle der Fouls, die die Argentinier dann auch gemacht haben.
01:15:36Es war eine Kantsituation und es war, glaube ich, dann schon eine ausgleichende Gerechtigkeit.
01:15:42War natürlich umstritten, ganz klar.
01:15:44Und konnte auch die Argentinier verstehen, die das natürlich dann lautstark diskutierten.
01:15:51Wer wird?
01:15:52Ich tippe auf, würde ich sagen, Matthäus.
01:15:53Ich sage an die Bremse.
01:15:56Mein gewohnter Schuh ist der Stollen unten rausgebrochen.
01:16:01Und ich habe in der Halbzeitpause meine Schuhe gewechselt, aber nicht den gleichen Schuh,
01:16:05sondern einen neuen Schuh, der rausgekommen ist zur Weltmeisterschaft in Italien.
01:16:09Und eine halbe Nummer zu groß.
01:16:12Ich habe Schuhgröße sieben und es waren siebenhalber.
01:16:17Und neue Schuhe ist schon ein komisches Gefühl, aber ich wollte jetzt nicht sagen,
01:16:23ich muss ausgewechselt werden, weil ich keine Schuhe mehr habe.
01:16:27Und Andi wusste das, dass ich neue Schuhe sage, Andi, ich schieße nicht.
01:16:31Kurz, kurz, nur kurz, zwei Sekunden.
01:16:33Die Entscheidung war klar, ich fühle mich nicht sicher.
01:16:36Und Andi und ich, wir haben uns ja blind verstanden, wie Brüder.
01:16:39Man gibt das dann ab, obwohl der eigentlich die Nummer eins war.
01:16:42Da muss man sagen, ein Shampoo, also dann hast du alles richtig gemacht.
01:16:46Es war meine klügste Entscheidung in meiner ganzen Karriere, auf diesen Elfmeter zu verzichten.
01:16:54Dann habe ich gesagt, irgendwas muss ich dem jetzt noch sagen.
01:16:56Dann gehe ich zu Andi und sage, Andi, du weißt schon, wir werden Reichsicher Weltmeister.
01:17:01In dem und als ich gesagt habe, bin ich schon zusammengezogen, das habe ich Ihnen jetzt erzählt.
01:17:05Und Andi sagt dann auch, danke, vielen Dank zu mir.
01:17:12Ich wollte eigentlich schon eine Pizza essen gehen, weil ich genau wusste, der schießt das Ding rein.
01:17:15Weil bei dem wusstest du nicht, ob der mit links, ob der mit rechts schießt, weil der war so stark
01:17:19mit beiden Beinen gewesen.
01:17:21Ich war mir tausendprozentig sicher, dass er den rein macht.
01:17:24Und im Nachgang hat er mir erzählt, mit links schießt er einen Tick härter, mit rechts einen Tick platzierter.
01:17:32Andreas Behme wurde auch geboren ohne das Gen der Nervosität.
01:17:38Der war nie nervös.
01:17:39Das war ganz klar, dass er den reinschießt.
01:17:41Und es ging für mich dann nur darum, die richtige Position zu haben, dass ich gleich zu ihm hinrennen kann
01:17:47und in der Traube mit ihm feiere.
01:18:17Und das war ganz klar, dass er sich in der Traube mit links schießt, dass er sich in der Traube
01:18:20mit links schießt.
01:18:201986 bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale gegen Mexiko in Monterrey im Elfmeterschießen einen Elfmeter mit links geschossen hat er reingeschossen.
01:18:31Und vier Jahre später einen entscheidenden Elfmeter im Finale mit rechts geschossen.
01:18:36Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das wird es dem Fußball in der Form niemals mehr
01:18:41geben.
01:18:41Andreas Behme ist für mich vielleicht der kompletteste Spieler, den ich je gesehen habe.
01:18:49Gepaart mit einer menschlichen Wärme, der, ich habe den nie sauer gesehen, der hat eine Gelassenheit gehabt.
01:18:58Der Einzige, der eigentlich Zugang hatte zu allen.
01:19:02Zu allen. Und jedem ins Gesicht sagen konnte, was er sofort denkt.
01:19:06Ohne Wenn und Aber.
01:19:08Das war Andi Brehme.
01:19:09Andi Brehme konnte Lothar sagen, mal so oder so.
01:19:12Oder er konnte dem Rudi sagen, mal so oder so.
01:19:14Oder auch uns Jungen dann sagen, passt mal auf Freunde jetzt, so weiter nicht weiter.
01:19:19Andi Brehme war der Balanceakt.
01:19:21Und vielleicht deswegen schießt er rechts wie links genauso gut.
01:19:25Also er ist einzigartig.
01:19:42Natürlich scheiße, dass er nicht mehr da ist.
01:19:47Er war halt derjenige, welcher der uns zum Weltmeister machte.
01:19:57Schock groß. Also ich konnte es gar nicht fassen.
01:20:00Als ich davon gehört habe, dass er dann nachts im Bett dann den Herzstillstand hatte.
01:20:06Also ich war geschockt.
01:20:08Er war auch viel zu jung.
01:20:10Und dann sage ich es ja mein Alter.
01:20:15Ja, und war ein großer Verlust, ist ein großer Verlust.
01:20:21Und man denkt ja auch jetzt noch ab und zu nach, wenn man so Hände in die Hand nimmt,
01:20:27den kann ich nicht mehr anrufen, den sehe ich nicht mehr.
01:20:30Menschen, die da so nah waren und nach wie vor irgendwo dabei sind, jetzt wo wir jetzt hier reden.
01:20:38Und Andi hat mich immer gedeckt. Andi hat mich immer unterstützt.
01:20:41Aber das gleiche kam von meiner Seite zu ihm.
01:20:44Und deswegen würde ich schon sagen, dass es gerade mit Andi das engste Verhältnis war,
01:20:52das ich zu einem Fußballspiel hatte.
01:20:56Meine Damen und Herren, ich glaube, Sie können zu Hause schon bald den Champus hervorholen.
01:21:00Jetzt könnt ihr so langsam abpfeifen. Ist das zwei Minuten drüber?
01:21:04Wir zählen die Sekunden.
01:21:06Du schaust permanent auf die Uhr. Pfeif doch ab, pfeif doch ab.
01:21:10Und ja, man konnte sich aber nicht sicher sein.
01:21:14Maradona war immer für ein Tor gut, auch in der letzten Minute.
01:21:17Noch drei Minuten, noch zwei Minuten. Wann pfeift er endlich ab?
01:21:20Ich habe selten, also niemals mehr vorher und auch danach nicht solche Minuten genossen.
01:21:26Die letzten vier, fünf Minuten war man total euphorisiert.
01:21:31Man wusste, man ist schon Weltmeister. Es wird gleich der Schlusspfiff kommen.
01:21:34Man hat es geschafft.
01:21:35Und es war nicht nur ein Moment beim Pfiff, sondern vorher schon die Minuten.
01:21:40Die waren unglaublich schön.
01:21:43Das sind Gefühle, für die man auch dieses tägliche Training macht und sich schindet
01:21:49und noch mal eine Einheit extra macht, um das erleben zu können.
01:21:54Jawohl! Aus! Das Spiel ist aus!
01:21:57Deutschland ist vollkommen zurecht nach einer erstklassigen Vorstellung.
01:22:02Fußball-Weltmeister 1990!
01:22:26Das ist ja der Traum eines jeden Jungen, mal Profifußballer zu werden,
01:22:31Nationalspieler zu werden und dann am Ende Weltmeister zu werden.
01:22:35Das ist ja für uns alle dann zu dem Zeitpunkt in Erfüllung gegangen.
01:22:39Und ich glaube, das hatte jeder so ein bisschen im Kopf.
01:23:03Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, das geht nicht. Das ist das Maß aller Dinge.
01:23:06Und man ist ja auch immer, komischerweise, man kann zigmal deutscher Meister werden.
01:23:11Das ist zwar schön in dem Moment, ein Riesenerfolg für alle,
01:23:14aber dann geht im nächsten Jahr, wird es ein anderer oder passiert war.
01:23:18Weltmeister ist man immer irgendwie.
01:23:21Man ist, egal wie lange es hier ist, man ist immer, es bleibt.
01:23:23Der Begriff Weltmeister bleibt.
01:23:31Ein wahnsinniger Moment, den du in dieser Zeit, in dem Moment, gar nicht realisieren kannst,
01:23:38was da eigentlich passiert ist.
01:23:42Du hast dich einfach gefreut. Es war sehr viel drumherum, viel Jubel, viel Begeisterung.
01:23:47Viele Leute haben dich umarmt, gedrückt, geküsst. Ja, es war Wahnsinn.
01:23:53Ich glaube, jeder, der an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, hat schon irgendwo ein Ziel erreicht.
01:24:01Und ich hatte das Glück, dass ich einfach mit einer Mannschaft, mit einem Trainer,
01:24:05mit einem Umfeld diese Weltmeisterschaft erleben durfte, die dann eben auch so erfolgreich war.
01:24:14Das ist schon eine ganz große Ehre für mich gewesen.
01:24:37Der Franz war auch so ein Mensch, der eigentlich von Trubel wollte einmal ein paar Minuten Ruhe haben,
01:24:43da er sich besinnt.
01:24:44Und ich glaube auch, das war hauptsächlich deshalb, weil er hat vor der WM 90,
01:24:48wie er Bundestrainer war, hat gesagt, nach der WM höre ich auf.
01:24:52Und dann ist ihm das wieder durch den Kopf gegangen, was er eigentlich,
01:24:56wenn er sagt, er hört jetzt auf, dass er dann noch Weltmeister wird, als Trainer.
01:25:01Er ist als Spieler geworden, Weltmeister mit mir, und dann noch als Trainer Weltmeister wird,
01:25:05als Cheftrainer sozusagen.
01:25:07Und ich glaube auch, dass der Franz auch ein bisschen so sentimental war,
01:25:12dass er sich dachte, jetzt möchte ich ganz für mich in Ruhe sein,
01:25:15und die Leute lassen mir die Leute schreien, aber ich habe jetzt meine eigenen Gedanken.
01:25:42Helmut Kohl kam dann auch noch in die Kabine.
01:25:46Das hat aber damals ein wenig, hat niemand interessiert.
01:25:49Wir waren so mit uns selber beschäftigt.
01:26:05Sie sind so mit uns selber beschäftigt.
01:26:10Sie sind so mit uns selber beschäftigt.
01:26:21Ich glaube, dass diese Gruppe, die sich da gefunden hat, 1990, einfach auch ein Spiegelbild der Gesellschaft war.
01:26:29Man kam wieder zueinander, Ost- und Westdeutschland. Es gab viele Probleme natürlich. Wie bauen wir denn jetzt Deutschland auf?
01:26:36Aber es gab irgendwie eine Stimmung, zusammenzurücken. Wir wollten einfach zusammenkommen wieder, auch wenn es Probleme vielleicht gibt,
01:26:44auch wenn wir vielleicht anders denken und anders handhaben die Dinge. Und dafür wurde diese 90er-Mannschaft so das Sinnbild
01:26:50dafür.
01:26:51Und da war der Franz einfach, da habe ich auch, die perfekte Persönlichkeit in diesem speziellen Moment, Leute zueinander zu
01:26:58bringen.
01:27:16Alles gut, aber jeder!
01:27:20Ich habe andere Weltmeisterschaften mitgemacht, die waren nicht so erfolgreich, aber es war, und da hatten wir auch Qualitätsspiele,
01:27:27vielleicht sogar noch mehr Qualität, die 1990 dabei war. Aber die 1990er, die hatte den Charakter und darauf bin ich
01:27:34stolz.
01:27:36Ja.
01:27:46Vielleicht ist das so erfolgreich, wieviel Zadefon.
01:27:46Nein?
01:27:55Untertitelung des ZDF, 2020

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