- vor 23 Stunden
Die zwölfjährige Anneliese wird ermordet. In Verdacht gerät ihr Freund Rolf, weil sie ihm den Laufpass geben wollte. Wolff vermutet den Täter in Terroristenkreisen, und Verena glaubt, dass übersinnliche Kräfte im Spiel sind. (Text: Premiere)
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TVTranskript
00:28Untertitelung des ZDF, 2020
00:34ZDF, 2020
01:05ZDF, 2020
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01:51Ihnen wird etwas Überraschendes zustoßen.
01:54Etwas, was Sie nicht für möglich gehalten haben, geht in Erfüllung.
01:56Wenn du mich bekehren willst, krieg in Mathe eine Eins.
02:01Das ist was, was ich nicht für willig halte.
02:04Ja, Wolf?
02:07Ja?
02:10In welcher Straße?
02:13Ich fahr los.
02:18Du musst doch mal weg.
02:20Ja, die haben eine Leiche gefunden.
02:22Siehst du, in deinem Horoskop stand eine Überraschung auf Sie.
02:27Einen Abend, den ich in Ruhe mit meiner Tochter zuhause verbringe, ohne dass Sie mich rausklingeln?
02:32Das wäre eine Überraschung.
02:34Was darauf alles in einer Erklärung.
02:37Guten Tag!
02:43Nach dem Ausweis von Ihrer Ballettschule heißt sie Anneliese Kreuzer.
02:48Der Gerichtsmediziner schritt der Alter auf etwa zwölf.
02:52Herr Petersen kam nach Hause, ein bisschen beschwitzt, nach einer Party in seinem Büro.
02:57Ziemlich genau um 19 Uhr.
02:59Freue ich mich auf diese Weise nicht dann zu werden.
03:02Eine andere Zeugin sagt aus, sie sei 20.07 Uhr nach Hause gekommen.
03:05Wir können also annehmen, dass das Mädchen zwischen 18.40 Uhr und 19 Uhr erdrosselt wurde.
03:10Wahrscheinlich mit bloßen Händen.
03:12Gibt es Anzeichen für ein Sexualdelikt?
03:14Sieht nicht genau aus.
03:16Auf dem Weg von der Ballettschule nach Hause, hm?
03:20Helen wollte Verena auch mal zum Ballettunterricht anmelden.
03:25Hat schon jemand die Eltern verständigt?
03:33Komm!
03:42Wir hätten nicht hierher gehen sollen.
03:45Ich habe es immer wieder gesagt, aber du hattest ja nur deine Beförderung im Kopf.
03:50Ich bin Filialdirektor der neuen Zweigstelle meiner Bank hier geworden.
03:55Darauf hätte ich in Köln noch Jahre warten müssen.
03:59Und wie lange sind Sie schon in Berlin?
04:02Das sind ja jetzt 14 Monate.
04:06Fällt Ihnen irgendetwas ein, das uns helfen könnte, den Mörder Ihrer Tochter zu finden?
04:10Sie müssen!
04:11Diese Bestie, Sie müssen ihn finden!
04:16Ich weiß nicht, ich...
04:21Ich kenne jemanden, der Sie nicht gern gehabt hätte.
04:25Könnten Sie uns eine Liste mit den Namen Ihrer Freunde geben?
04:28Das mache ich.
04:32Hat sie mal erzählt, dass sie belistigt worden ist?
04:38Sexuell?
04:42Nein.
04:50Wir hätten niemals aus Köln weggehen dürfen.
04:52Ich wusste, dass es uns Unglück bringt. Ich wusste es.
04:58Wolf...
04:58Bitte, es ist kalt.
05:01Ja, gleich.
05:03Was gibt es denn hier noch zu sehen?
05:07Ich weiß nicht.
05:09Es hilft mir einfach, wenn ich mir ein Bild vom Tatort machen kann, wie er vor der Tat ausgesehen hat.
05:14Ihn so zu sehen, wie der Mörder ihn gesehen hat.
05:16Und was ist mit dem Opfer?
05:21In diesem Teil von Berlin verliere ich manchmal noch die Orientierung.
05:25Die Kreuzers wohnen da?
05:26Nee, da.
05:29Aber die Ballettschule ist doch...
05:31Die ist da.
05:35Schaut mal.
05:36Das ist Anneliese.
05:38Könnt ihr es nicht sehen?
05:40Ihr Gesicht ist da an der Wand.
05:42Was ist es?
05:43Beruhige dich.
05:44Das ist Anneliese. Sie ist zurückgekommen.
05:46Hast du Anneliese Kreuzer gekannt?
05:47Sie war meine beste Freundin. Sieht aus wie ein Gespenst.
05:51Nein, ganz ruhig. Das sind nur Licht und Schatten.
05:53Nein, sie ist es. Lassen Sie mich los.
05:55Das ist Anneliese.
05:56Wie heißt du denn?
05:58Rädchen. Rädchen Simmel.
05:59Wir haben alles zusammen gemacht.
06:01Die Hausaufgaben, die Schule, die Ballettstunden.
06:04Wenn ich heute Abend mit ihr zusammengeblieben wäre, dann wäre das vielleicht nicht passiert.
06:07Hast du was heute Abend mit ihr beim Ballettunterricht?
06:10Wir sind zusammen nach Hause gegangen.
06:11Sie wollte noch beim Musikgeschäft vorbeischauen.
06:13Oh Gott, wenn sie das nicht getan hätte, vielleicht wäre ich dann auch tot.
06:16Was denn für ein Musikgeschäft?
06:18Sie wollte noch eine Kassette vor uns Spansi kaufen.
06:20Wir haben heute mit dem Pas de Deux angefangen.
06:22Sie meinte, das war die schönste Musik, die sie je gehört hatte.
06:26Ich musste nach Hause. Ich hatte keine Zeit, auf sie zu warten.
06:29Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe bis...
06:33Das war das letzte Mal.
06:51Sind Sie der Inhaber des Geschäfts?
06:54Darauf kann man sich verlassen.
06:55Wenn ich hier bin, taucht der erste Kunde nicht vor der Mittagspause auf.
07:00Aber lassen Sie mich zehn Minuten so spät kommen und es steht ein ganzer Haufen von Kunden davor,
07:04die ihren Leben davon abhängt, die neue Madonna-CD noch vor ihrer zweiten Tasse Kaffee zu hören.
07:09Kannst du rein, kannst du rein.
07:11Ich zahl doch nicht, um das ganze Viertel mit zu heizen.
07:14Herr Procksch, ich brauche für Ihnen...
07:16Nein, nein, lassen Sie mich zuerst raten.
07:18Ich bin stolz auf meine Fähigkeiten, neuen Kunden richtig einzuschätzen.
07:23Sie sind offensichtlich ein Mann mit einem gewissen Geschmack.
07:27Deshalb ist es nicht diese amerikanische Musik, die einem das Hirn einstapft.
07:31Aber Sie haben auch keine Neigung zur Klassik.
07:34Nein, ich würde sagen, Sie suchen nach Jazz.
07:39Nicht irgendeinen, sondern den schwierigeren, mehr esoterischen Charlie Parker, Charlie Minges, vielleicht sogar Miles Davis.
07:47Habe ich recht?
07:48Ja, aber ich bin nicht privat hier. Kriminalpolizei.
07:51Natürlich. Was kann ich tun, um Ihnen zu helfen?
07:56Sie hatten hier gestern Abend eine Kundin.
07:58Ein junges Mädchen, das Schwanensee suchte.
08:01Mein Gott, ich hoffe, ihr ist nichts zugestoßen.
08:05Sie war sehr hübsch.
08:08Es tut gut zu sehen, dass nicht alle halbwüchsigen Abfahren auf Megadeth oder Antrax oder sonst eine Rock'n'Roll
08:16-Krankheit...
08:17Ich wollte, ich hätte ihr weiterhelfen können.
08:19Sie haben hier keine Kassette verkauft?
08:20Es ist wirklich zu dumm.
08:23Aber sowas Populäres wie Schwanensee und ich hab's nicht mehr vorrätig.
08:28Aber ich sagte ihr, ich würde für Sie bis Freitagmorgen drei verschiedene Aufnahmen zur Auswahl haben.
08:33Was ist mit dir passiert?
08:36Sie ist ermordet worden.
08:40Kaum eine halbe Stunde, nachdem Ihre Freundin sich ja mit Ihnen allein gelassen hat.
08:43Mein Gott.
08:47Haben Sie sie wegen der Kassette zu einem anderen Geschäft geschickt?
08:50Zu einem dieser Mammutläden?
08:52Niemals.
08:54Sie wissen nicht, wie es heutzutage um einen kleinen Betrieb besteht ist.
08:57Ich muss um jeden einzelnen Kunden kämpfen.
09:07Ich hab' ne Sonderbestellung gemacht.
09:09Sehen Sie?
09:12Drei verschiedene Aufnahmen.
09:14Karian, Bernstein und der neu aufgelegte Toscanini.
09:17Lieferung am frühen Freitagmorgen.
09:21Herr Proksch, wann hat das Mädchen ihr Geschäft verlassen?
09:25In welche Richtung ist sie gegangen?
09:26Woher soll ich das wissen?
09:28Was jemand außerhalb meines Ladens macht, geht mich nix an.
09:36Dieses arme, wunderschöne Mädchen.
09:39As flies to wanton boys, so are we to the gods.
09:44Ach, ich hab' vergessen, Sie sind Polizist.
09:46Das war Shakespeare.
09:48Herr Proksch, selbst wir von der Polizei haben lesen gelernt.
09:52Vielleicht langsam und wir müssen dabei die Lippen bewegen.
09:54Aber dafür haben wir eine andere Fähigkeit entwickelt.
09:57Wir spüren, wenn jemand lügt.
10:00Oder etwas verschweigt oder Angst hat.
10:04Also gut.
10:05Vor zwei Wochen tauchten einige von diesen gestaltenden schwarzen Lederjacken hier auf.
10:09Wir heißen sie mit bunten Haaren und so.
10:12Die kamen rein auf der Suche nach Bootlegs oder so.
10:14Hauptkopien.
10:15Ich sagte ihnen, dass ich sowas nicht habe.
10:17Vier von ihnen, die haben mich weiter belästigt.
10:20Haben versucht, mich abzudenken.
10:22Aber ich sah den fünften, den anderen, wie er mehrere Kassetten einsteckte.
10:28Ich drohte damit, die Polizei zu rufen.
10:31Sie schlugen mich.
10:34Jungs.
10:35Noch halbe Kinder.
10:37Wie Tiere es war.
10:39Herr Proksch, was hat das mit den Mädchen zu tun?
10:44Das wunderschöne Mädchen.
10:47Vor dem Laden war einer von ihnen.
10:49Der saß auf dem Moped.
10:51Der hat mit ihr gesprochen.
10:52Nein, nicht gesprochen, gestritten.
10:54Einer aus der Gruppe.
10:55Ja, und das hat mich beunruhigt, weil sie ihn zu kennen schien.
10:59Der Streiter war sehr heftig.
11:03Ich habe damit gerechnet, dass er sie schlägt.
11:05Und da sind sie nicht raus, um ihr zu helfen?
11:07Nein, danke.
11:08Ich hatte noch vom ersten Mal genug.
11:10Als ich wieder hingesehen habe, waren sie verschwunden.
11:13Beide.
11:15Aber wenn er erfährt, dass ich es ihnen erzählt habe...
11:20Tanzschuhe, ein Rucksack, darin eine schmutzige Balletthose und ein T-Shirt.
11:24Ein blauer Ohrring.
11:27Keine Spur von dem anderen?
11:28Oder von...
11:29Dem Stift?
11:31Nee, wir sind extra heute Morgen nochmal bei Tageslicht suchen gegangen.
11:34Na ja, dann der Walkman mit dem Kopfhörer und eine Musikkassette mit der Musik namens Coppelia.
11:40Das ist ein Ballet.
11:41Mhm.
11:42Die Kassette war ein Walkman?
11:44Ja.
11:46Kleingeld, 5 Mark 40 und diese Cellophane-Papierhülle.
11:51Das ist doch eine Verpackung von einer Kassette.
11:58Wolf!
11:59Wir haben einen Verdächtigen gefunden.
12:02Da wohnt ein Perversling im obersten Stock von dem Wohnblock, wo wir die Leiche gefunden haben.
12:06Aha.
12:07Wie heißt er?
12:08Es ist kein Er.
12:10Es ist eine Sie.
12:11Es ist keine Pornografie.
12:13Es ist Kunst.
12:15Es ist Kunst.
12:16Es ist Kunst.
12:17Es ist Kunst.
12:19Es ist wehrlich.
12:21Genau das haben Sie auch gesagt über Rimbaud.
12:24Joyce.
12:25Picasso.
12:27Wie jede große Kunst werden meine Fotografien den Test der Zeit bestehen.
12:32Was mich angeht, können Sie Ihren Sturmbannführer hier einpacken und verschwinden.
12:38Ihre Fotografien interessieren mich nicht, Frau Altheim.
12:41Dein Künstlername ist Davina.
12:43Ich möchte, dass Sie sich gut daran erinnern, wenn ich Sie vor Gericht bringe.
12:46Wegen unrechtmäßigen Vorgehens der Polizei.
12:48Brunhilde, Altheim, Künstlername Davina.
12:53Auch darum geht es mir nicht.
12:56Mir geht es um die Aussage von Herrn Flegel, der einen Stock tiefer wohnt.
12:59Dass ihm Anneliese Kreuzer letzte Woche Dienstag begegnet ist, als sie von hier oben die Treppe runterkam.
13:05Was weiß der denn schon?
13:07Die dreckige alte Säcke wie Flegel sind junge Mädchen nur eines.
13:10Objekte für ihre schmutzige Fantasie.
13:16Ich kenne keine Anneliese Kreuzer.
13:17Ich habe noch nie eine Anneliese Kreuzer gesehen.
13:20Bis heute Morgen habe ich noch nicht einmal von einer Anneliese Kreuzer gehört.
13:23Bewahren Sie da Ihre Negative auf?
13:29Savatsky, pack das da alles ein.
13:32Sie und Ihre werten Kollegen veranstalten heute Nacht eine Wix-Party, was?
13:35Sie enttäuschen mich, Davina.
13:37Das ist Kunst, keine Pornografie.
13:41Sie können die Negative nicht mitnehmen.
13:43Sie sind mein Eigentum.
13:44Sie haben die Wahl.
13:46Entweder wir nehmen diese Negative mit,
13:48oder wir nehmen Sie und die Negative mit.
13:51Und das bedeutet langes Warten in einer kalten Zelle,
13:56bis wir uns vergewissert haben, dass Anneliese Kreuzer keins ihrer Modelle war.
14:00Entscheiden Sie sich.
14:02Ich mache Sie darauf aufmerksam, Herr Hauptkommissar,
14:05dass meine Kunst bei den Gerichten und der öffentlichen Meinung hoch angesehen ist.
14:09Das gilt auch für das Leben eines jungen Mädchens.
14:11Herr Kommissar, das Mädchen, das Sie sprechen wollen, wartet draußen.
14:15Sie kriegen Ihre Negative in einigen Tagen zurück.
14:18Sie haben die Klage meines Anwalts schon morgen.
14:27Hallo, Gretchen.
14:30Macht es dir was aus, wenn ich dir noch ein paar Fragen stelle?
14:33Nein, nein, geht schon.
14:34Die Musik, die Kassette, die Anneliese sich kaufen wollte.
14:39Bist du sicher, dass es Schwanensee war?
14:41Nicht vielleicht Coppelian?
14:43Nein, Coppelia hatte sie schon.
14:45Ihrer Meinung nach war das eine ganz dämliche Geschichte von kleinen Kindern,
14:48mit denen ganzen Puppen die lebendig werden.
14:51Nein, das war Schwanensee.
14:52Er ist so toll.
14:53Sie wollte ihn mir überspielen.
14:55Und noch was anderes.
14:58Annelieses Mutter hat uns eine Liste ihrer Freunde gegeben.
15:01Aber sie sagt, Anneliese hatte keinen festen Freund.
15:05Manchmal erzählen Mädchen ihren Freundinnen doch mehr als ihren Müttern.
15:10Hatte sie einen?
15:11Nein.
15:13Bist du ganz sicher?
15:14Ja.
15:17Vielleicht ist der eine, für den sie sich geschämt und ihren Eltern deshalb nichts von ihm erzählt hat,
15:22aber ihrer besten Freundin.
15:25Vielleicht hat er ein Moped, ein bisschen einer Bande.
15:28Wenn Sie das von Rolf schon wissen, warum sagen Sie es nicht einfach?
15:31Ich muss dir versprechen, es nicht weiter zu erzählen.
15:34Das ist eine polizeiliche Ermittlung, weißt du.
15:37Wir brauchen möglichst viele Hinweise.
15:39Wie heißt Rolf mit Nachnamen?
15:42Ostermann.
15:42Aber es war ja schon aus.
15:44Rolf ist gar nicht so übel.
15:46Er hängt nur dauernd mit diesen abartigen Typen herum.
15:49Sie hat ihm vor ein paar Wochen gesagt, er soll sie in Ruhe lassen.
15:51Aber er hat es nicht getan.
15:53Das weiß ich nicht.
15:54War er gestern nicht hinter euch her?
15:56Nach dem Ballettunterricht?
15:58Nein.
16:00Nein.
16:00Ich habe ihn jedenfalls nicht gesehen.
16:03Danke, Gretchen.
16:27Ich bin auf der Suche nach Rolf Ostermann.
16:31Jetzt erzähl uns erst mal, was uns das angeht.
16:34Gar nichts.
16:35Ich bin Polizist, ich will mit ihm reden.
16:37Scheiß Job.
16:40Die einen sagen so, die anderen so.
16:43Finden Sie ihn.
16:44Dann können Sie mit ihm reden.
16:46Danke.
16:48Den schönen blauen Ohrring.
16:50Wo hast du den her, Rolf?
16:53Arm, bleib hier.
16:54Ich habe eine Menge mit dir zu besprechen.
16:56Lassen Sie mich los.
16:56Los.
16:57Los.
16:58Los.
17:01Wolf, hau ab.
17:02Wir halten ihn fest.
17:30Mann, Watzky.
17:31Noch einen Moment und ich hätte sie klein gekriegt.
17:33Ganz bestimmt.
17:35Mir hat besonders gefallen, wie du mit deinem Auge auf ihre Fäuste losgegangen bist.
17:40Der ist es, für den du dich interessierst?
17:41Ich kriege einen Luft, Mann.
17:44Die kommt schon wieder.
17:45Am besten durch viel reden.
17:47Das werden wir jetzt üben.
17:51Du warst doch der Freund von Anneliese Kreuzer.
18:01Woher hast du ihren Ohrring?
18:02Sie hat ihn mir geschenkt.
18:04Gretchen Semmel hat uns was anderes erzählt.
18:06Sie sagt, Anneliese hat dich zum Teufel gejagt.
18:09Also, woher hast du den Ohrring?
18:10Ich habe ihn gefunden.
18:12Vor ein paar Tagen.
18:13Sie hat ihn verloren.
18:15Was denn?
18:16Hat sie ihn verloren oder hat sie ihn dir geschenkt?
18:19Ich sage doch, sie hat ihn verloren.
18:21Sie wollte nichts mehr von mir wissen.
18:23Aber ich wusste, dass ich sie früher oder später rumkriege.
18:27Ich habe sie geliebt.
18:29Ich wollte etwas von ihr bei mir haben.
18:32Und da habe ich ihn gefunden vor ein paar Tagen, als ich hinter ihr her war.
18:38Vor ein paar Tagen?
18:41Oder gestern?
18:42Ich war immer hinter ihr her.
18:44Gestern hat sie gesagt, ich soll das lassen.
18:46Sie hat gesagt, dass ich ihr auf den Keks gehe.
18:50Du bist wütend auf sie geworden.
18:51Ja, ich war wütend.
18:53Ich habe sie fast geschlagen.
18:55Sie hat sich geduckt.
18:57Sie hatte Angst vor mir.
18:59Aber ich wollte nicht, dass sie Angst vor mir hat.
19:02Ich wusste echt nicht, was ich machen sollte.
19:05Und dann bin ich weggefahren.
19:06Und wo ist das passiert?
19:08In der Bremer Straße.
19:10Vor einem Plattenladen.
19:11Der alte Penner hat uns beobachtet.
19:13Aber ich wusste, dass er nie im Leben die Polizei ruft.
19:16Wolf?
19:18Hast du gesehen, wo Anneliese nach eurer Auseinandersetzung hingegangen ist?
19:22Ich war so sauer, dass ich nicht mal mehr in den Rückspiegel geschaut habe.
19:27Sie glauben wohl, ich denke nicht drüber nach.
19:30Wenn ich bei ihr geblieben wäre.
19:32Wenn ich ihr gefolgt wäre.
19:34Ich hätte verhindert, dass das Dreckschwein sie umbringt.
19:42Mal der Reihe nach.
19:44Welche Rangfolge geben Sie den Verdächtigen?
19:46Schwer zu sagen.
19:48An erster Stelle vielleicht Davina Altheim.
19:52Es gibt einen Zeugen, der behauptet, dass Anneliese Kreuzer letzte Woche aus ihrer Wohnung gekommen ist.
19:56Kein besonders verlässlicher Zeuge, wie ich es verstanden habe.
19:59Gut, er hat so dicke Brillengläser.
20:01Aber vor Gericht wird er beschwören, dass er sich sicher ist.
20:04Und die Verteidigung wird beweisen, dass der Junge blind ist.
20:06Hinzu kommt, dass das Mädchen im Eingang des Hauses gefunden wurde, in dem Frau Altheim wohnt.
20:10Und last but not least, die Eigenart der Kunst von Davina.
20:15Unter der Negativen war kein Foto des Opfers.
20:17Und außerdem, warum sollte Davina das Mädchen umbringen?
20:21Hm?
20:24Na so.
20:26Der Nächste.
20:27Was ist mit Rolf Ostermann?
20:30Wir wissen, dass er ihr gefolgt ist.
20:32Und er trägt ihren Ohrring.
20:34Gretchen Simmel behauptet steif und fest,
20:36Anneliese hätte beide Ohrringe getragen, als sie an jenem Abend nach Hause gegangen sind.
20:40Aber Gretchen Simmel konnte nur auf einer Seite neben mir hergehen.
20:44Sieht man einen Ohrring, dann vermutet man den anderen auf der anderen Seite.
20:47Und auch hier wieder.
20:48Warum sollte Rolf Ostermann sie umbringen?
20:52Sie hat ihn abgewiesen.
20:54Möglich. Aber er liebte sie doch.
20:56Er trug noch immer den anderen Ohrring.
20:57So dumm ist kein Mörder. Auch kein 15-Jähriger.
21:01Und dann der Besitzer des Musikgeschäftes Proksch.
21:04Den haben Sie auch auf der Liste.
21:05Ja, eigentlich nur wegen der leeren Zallofan-Hülle, die wir in ihrem Rucksack gefunden haben.
21:09Aber die einzige Kassette, die Anneliese dabei hatte,
21:12war stark abgespielt, zerkratzt, schlecht aufgewickelt.
21:14Diese Kassette war nicht neu, nein.
21:17Anneliese hat die Schwanesee-Kassette gekauft, genau wie sie es vorhatte.
21:20Deshalb auch die leere Zallofan-Hülle.
21:23Und irgendjemand hat die Kassette weggenommen.
21:27Damit wir sie nicht finden.
21:30Warum, weiß ich nicht.
21:33Oder Herr Proksch hat gelogen.
21:34Oder sie hat sie in einem anderen Musikgeschäft bekommen.
21:37Ich habe Zawatzki auf alle Musikläden im Umkreis von zwei Kilometern angesetzt.
21:41Aber bleibt noch die Möglichkeit, dass der Mord ein Sexualverbrechen war.
21:46Das nur dadurch verhindert wurde, dass der betrunkene Herr Pedersen wieder nach Hause kam.
21:50Aber warum fehlt dann Schwanensee?
21:52Wenn wir nicht davon ausgehen, dass es sich um einen Psychopathen handelt,
21:55der eine übersteigerte Leidenschaft für Tchaikovsky hat,
21:57dann macht der Sexualverbrecher keinen Sinn.
22:03Anneliese Kreuzer.
22:08Kreuzer.
22:11Es gab doch mal einen Terroristen aus Köln namens Kreuzer.
22:17Franz Kreuzer.
22:19Ich weiß, wie gering die Wahrscheinlichkeit beim Namen Kreuzer ist, aber...
22:23Selbst wenn es einen Terroristen in der Familie gab, was hat das mit diesem Fall zu tun?
22:27Ich weiß, ich weiß.
22:29Aber geben Sie einer armen, blinden Henne auch eine kleine Chance.
22:32Ja.
22:32Ich weiß, wie geht es.
23:12Ich finde es schlimm genug, dass ich gegen eine abergläubische Gesellschaft könnte.
23:16Aber dass meine eigene Tochter diesen Blödsinn hier mitmacht.
23:19Oh, Mann.
23:21Ist das nicht ein Wahnsinn?
23:22Nee.
23:23Das sind Schatten.
23:25Von da kommt Licht, von da, wo es Licht gibt, ist doch Schatten.
23:30Das sieht doch nicht mal wie ein Gesicht aus.
23:32Aber vorher hätte niemand irgendwas gesehen.
23:34Vorher ist ja auch niemand gleich nebenan ermordet worden.
23:37Mann, Wolf, sieh da mal hin.
23:38Ja.
23:39Unvereingenehm.
23:39Ja.
23:40Gib doch zu, dass du nicht alles weißt.
23:41Weiß ich auch nicht.
23:43Aber alles, was ich nicht weiß, kann ich nachschlagen.
23:46Und Mädchen, die nach ihrer Ermordung auf einer Hauswand erscheinen,
23:49die findest du im Lexikon unter F wie...
23:53Fantasie, Fälschung, Fata Morgana, Verrücktheit.
23:56Ich glaube, wir sollten, dass wir bei Rechtschränk unterhalten.
23:59Ja, ja, komm, steig ein, ich bin nicht noch raus.
24:03Wir können uns auf den Weg noch eine Pizza essen.
24:25Sie möchten wirklich keinen Tee?
24:27Nein, danke.
24:33Ich würde gern noch etwas über Ihren Bruder erfahren.
24:37Es stimmt, dass er Terrorist war.
24:40Das habe ich nie bestritten.
24:43Franz war ein leidenschaftlicher Mensch.
24:45Er hatte wirre Ideen.
24:48Es gibt Hinweise darauf, dass sie ihm bei der Flucht geholfen haben.
24:51Ich habe ihm nicht bei seiner Flucht geholfen.
24:53Er hat ein paar Tage bei uns gewohnt.
24:55Nachdem er die amerikanischen Soldaten getötet hatte.
24:59Er war mein Bruder.
25:03Haben Sie einen Bruder?
25:04Herr Kommissar?
25:06Nein.
25:09Er war jünger als ich.
25:11Aber ich habe ihn immer beneidet.
25:15Als Kind war ich ängstlich.
25:18Als junger Mensch habe ich eine brave Frau geheiratet
25:22und einen soliden Beruf ergriffen.
25:26Und auf beides ist Verlass.
25:33Mein Bruder dagegen schien von nichts von jemandem Angst zu haben.
25:36Er war von seiner Sache überzeugt.
25:37Darum handelt er.
25:41Vielleicht hat er damals gar nicht so Unrecht.
25:44Vielleicht war es das, was dieses, jenes Deutschland gebraucht hat.
25:49Leute, die ihn den bewaffneten Kampf ansagen.
25:53Wissen Sie, ich sehe meine Altersgenossen immer fetter und konservativer werden.
25:58Ich dagegen scheine immer dünnhäutiger und anarchistischer zu werden.
26:01Schon seltsam.
26:02Für einen Bankangestellten.
26:03Wissen Sie nicht?
26:06Warum haben Sie nichts von Ihrem Bruder erzählt?
26:08Warum habe ich Ihnen nichts von den Gallenstein meines Vaters erzählt
26:10oder von der Schuldigkeit meiner Großmutter?
26:17Welche Bedeutung sollte es haben im Zusammenhang mit dem Tod von Anneliese?
26:21Wissen Sie, wo Ihr Bruder sich jetzt auffällt?
26:25Ich habe was von Libanon und dann was von Libyen gelesen.
26:29Ich habe mehr als sechs Jahre keinen Kontakt mehr mit ihm.
26:32Sie hätten mir sowieso nichts gesagt.
26:36Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich Mut bewiesen habe, Herr Kommissar.
27:13Kann ich Ihnen helfen?
27:16Ich glaube nicht.
27:19Der Musikladen ist ja wohl geschlossen.
27:23Aber der Besitzer hat mir den Schlüssel da gelassen.
27:25Wenn Sie den Laden bieten wollen, können Sie gerne mal einen Blick reinwerfen.
27:28Ich will ihn nicht bieten.
27:29Kann mir eine Art oder zwei.
27:31Ich wollte nur wissen, seit wann dieser Laden geschlossen ist.
27:35Etwas über einen Monat.
27:37Das sind diese riesigen Filialen der Westketten.
27:40Fast bin ich froh darüber, dass Bücher nicht so viel abwerfen wie Musikkonserven.
27:43Nur das hält die Konzerne davon ab, uns kleine Unabhängige auch noch zu schlucken.
27:48Bis jetzt zumindest.
27:49Tschüss.
27:55Entschuldigen Sie, gibt es hier in der Nähe andere kleine Musikläden?
28:00Nur dieses monströse Ding in der Bertolt Brechtstraße.
28:03Den habe ich schon probiert.
28:04Danke sehr.
28:06Hauptkommissar Wolf?
28:07Ja?
28:08Am Geweber von TV100.
28:10Herr Hauptkommissar Wolf, was sagen Sie zum Wunder?
28:14Welches Wunder meinen Sie?
28:16Die Heilung des Lärms, die Brotvermehrung?
28:18Ich meine die wunderbare Erscheinung der Anneliese Kreuzer.
28:21Wann haben Sie das Bild des Mädchens zum ersten Mal wahrgenommen?
28:24Schon in der Mordnacht?
28:26Ich habe gar kein Bild wahrgenommen.
28:28Herr Hauptkommissar Wolf, ist es richtig, dass Sie die Untersuchungen im Mordfall Anneliese Kreuzer leiten?
28:33Ja, das ist richtig.
28:36Wissen Sie, dass allabendlich Hunderte von Menschen sich an der Brandmauer vor dem Tatort versammeln und für das arme Opfer
28:42beten?
28:43Und dass es Hunderte sind, wusste ich nicht.
28:45Diese Menschen, viele von Ihnen sehen TV100.
28:49Das spricht wie die Leute.
28:50Diese Menschen stellen dieselbe Frage, die auch Anneliese stellt.
28:54Wann wird der Mörder entlarvt und seiner gerechten Strafe zugeführt?
28:57Und wissen Sie, wem die Menschen diese Frage stellen?
29:00Ihnen.
29:01Darf ich Ihnen auch eine Frage stellen?
29:03Bitte?
29:05Wissen Sie, was Volksverdummung ist?
29:08Sie glauben also nicht an das Wunder.
29:11Und wissen Sie, welche Strafe darauf steht?
29:12Sie werden es mir sagen.
29:14Sie ist sehr grausam.
29:16Irgendwann erkennt man nämlich, dass man selbst noch dümmer ist als die Leute, die man für dumm verkauft hat.
29:22Herr Dr. Fried, was für eine angenehme Überraschung.
29:26Guten Tag, Darina.
29:28Ich fürchte nur, sie ist nicht ganz so angenehm.
29:37Was ist das?
29:39Sie wissen, was es ist.
29:41Eines der Negative, die wir gerade aus Ihrer Agentur geholt haben.
29:44Anneliese Kreuzer.
29:46Ich rufe wohl besser meinen Anwalt an.
29:48Das ist sicherlich Ihr gutes Recht.
29:50Aber sehen Sie, Darina, Sie und ich, wir haben schon so manches Gerichtsverfahren durchgemacht.
29:56Wegen Paulographie, wegen Ihrer Kunst.
29:59Und ich war immer auf Ihrer Seite.
30:01Aber in diesem Fall verhält es sich anders.
30:03Ich habe diese Negative noch nie in meinem Leben gesehen.
30:06Sie haben Ihrer Agentin gesagt, sie solle dieses und weitere Negative verbrennen,
30:11nachdem die Polizei den Rest hier aus der Wohnung geholt hat.
30:14Eine der Sekretärinnen aber war nicht der Meinung,
30:18dass man in einem Mordfall Beweismaterial vernichten sollte.
30:22Möchten Sie dazu etwas sagen?
30:30Ich habe sie auf der Straße gesehen, vor ein paar Monaten.
30:34Sie erschien mir von einer unfassbaren Schönheit.
30:39Gerade an der Schwelle vom Mädchen zur Frau.
30:41Ein Schmetterling, der gerade aus seinem Kokon schlüpft.
30:45Diesen Augenblick wollte ich unbedingt einfangen.
30:49Für das Protokoll.
30:50Wir sprechen von Anneliese Kreuzer.
30:53Für ein paar lächerliche Mark war sie einverstanden.
30:56Es gab nur ein Problem.
30:58Sie weigerte sich, ihre Eltern zu fragen.
31:00Sie war sicher, dass Sie es ihr verbieten würden.
31:03Deshalb waren die Aufnahmen vorgesehen für meine Privatsammlung.
31:08Sie haben sie ja gesehen.
31:10Es sind vielleicht die Besten, die ich je gemacht habe.
31:13Aber dann haben Sie sie doch verkauft.
31:17Ein japanisches Magazin mit ein paar wenigen treuen Abonnenten bot mir ein kleines Vermögen für die Exklusivrechte.
31:24Sie hatten nicht die Einwilligung Ihrer Eltern.
31:26Und sie war minderjährig.
31:27Das macht es zu einem...
31:29Zu einem schweren Delikt.
31:31Darum habe ich geleugnet, Anneliese zu kennen.
31:34Darum wollte ich die Fotos verbrennen lassen.
31:36Ich habe mit dem Mord nichts zu tun.
31:38Aber ich wollte nicht ins Gefängnis, weil ich diese verdammten Fotos verkauft habe.
31:42Das kann ich sehr gut verstehen.
31:44Aber diese Fotos hier wurden offensichtlich schon vor Monaten aufgenommen.
31:48Wieso hat dann Herr Flegel Anneliese noch vor einer Woche aus ihrer Wohnung kommen sehen?
31:53Sie ist zurückgekommen, um mich zu erpressen.
31:56Sie drohte damit alles über die Fotos ihren Eltern zu erzählen.
32:00Es war traurig.
32:03Aber ich darf nicht daran denken, dass Spießer wie dieser Wolf daraus gemacht hätten.
32:07Ich nehme an, Sie haben etwas bezahlt.
32:1050 Mark.
32:11Es stellte sich heraus, dass sie letztlich nur eine neue Bluse oder sowas haben wollte.
32:16So.
32:19Was denken Sie nun über Ihre kleine Heilige des Mordwunders?
32:23Wir müssen über den Verkauf dieser Fotos an die Japaner noch reden, fürchte ich.
32:28Es wäre besser, wenn Ihr Anwalt sich mit mir in Verbindung setzen würde, Darina.
32:33Hey, Fried.
32:34Es war gut, Sie wiederzusehen.
32:36Alles in allem.
32:43Tja, ist schon wieder ein Tag an.
32:46Aber wir sind kein Stückchen weitergekommen.
32:50Ein paar Verdächtige.
32:53Aber keinerlei Motive.
32:59Sie glauben nicht an die Fotografin und du nicht an die Union.
33:04Richtig.
33:06Bleibt nur noch der Inhaber des Plattenladens.
33:09Die Folie beweist, dass er ihr die Kassette verkauft hat.
33:14Dann ist er ihr gefolgt und...
33:22Nee.
33:24Daran glaube ich nicht.
33:27Dann suchen wir jetzt doch wieder nach einem Geisteskranken?
33:32Naja.
33:33Ich sage euch, was mich irritiert.
33:35Kommen Sie mal bitte.
33:41Was ging?
33:42Du sagst, das hier sind alle Musik- und Plattengeschäfte in der Gegend.
33:46Ich bin zu allen gegangen.
33:48Niemand hat das Mädchen gesehen.
33:50Zumindest erinnert sich niemand daran.
33:52Pass mal auf.
33:56Hier ist die Wohnung Kreuzung.
34:00Und hier ist die Ballettschule.
34:03Und das hier ist das Musikgeschäft Trox.
34:06Fast auf einer Linie.
34:09Ein Mädchen geht von der Ballettstunde nach Hause und schaut unterwegs in ein Musikgeschäft rein.
34:13Das ist logisch.
34:14Aber die Leiche fanden wir...
34:19Hier.
34:21Warum hat Anneliese auf dem Weg nach Hause diesen großen Umweg gemacht?
34:27Ich bin sicher, wir übersehen was.
34:29Ich behaupte, Anneliese ist nach dem Musikgeschäft Prox hier irgendwo hingegangen, um ihre Kassette zu kaufen.
34:37Schwadensee.
34:38Aber du sagst ja, es gibt hier keinen weiteren Plattenladen.
34:40Nur den einen im Osten.
34:43Der vor einem Monat nicht gemacht hat.
34:48Gegenüber von dem Buchladen.
34:49Hier.
34:50Buchladen?
34:51Du hast bisher nie was von einem Buchladen erwähnt.
34:54Das habe ich nicht.
34:56Das kommt daher, dass du mir nicht gesagt hast, dass ich nach Buchläden suchen soll.
35:00Ja, das könnte es sein.
35:03Also ich verstehe, Bahnhof.
35:05Wolf und ich, wir beide kaufen unsere Platten nämlich im Buchladen.
35:25Guck mal, Basti, was ich habe.
35:26Ja, ja, holt's dir doch.
35:30Wenn Sie mir sagen würden, was Sie suchen, dann könnte ich es vielleicht schneller finden,
35:33während Sie auf Ihre Kinder aufpassen.
35:35Oh, nee, nee, danke.
35:36Ich komme schon allein zurecht.
35:38Achso.
35:40Guten Tag, kann ich Ihnen irgendwie helfen?
35:42Guten Tag.
35:43Hallo, wir werden Sie gleich sehen.
35:45Hallo.
35:46Wissen Sie, ich bin ja neu in der Gegend und der Buchhändler, bei dem ich bisher kunde, war,
35:50der hatte auch Platten.
35:52Und jetzt hat mich interessiert, ob Sie auch Platten verkaufen.
35:55Ja, ich habe wirklich einige CDs und Kassetten.
35:57Ich habe sie ganz günstig eingekauft, als der Laden dagegen überdichtmachte.
36:01Allerdings ist das nur klassische Musik.
36:04Ich kann Ihnen aber einen sehr guten Preis machen.
36:06Ja, darf ich Sie mal sehen?
36:08Ja, gern.
36:09Hier im Hinterzimmer.
36:10Tja, Sie sehen, ich habe es noch nicht mal ausgepackt.
36:12Ich stelle Sie mal hier rauf.
36:14Ja, danke schön.
36:15Können Sie ein bisschen wühlen?
36:17Ja, danke.
36:33Ja, du hast was gefunden.
36:34Ja, ich glaube schon.
36:37Wolf, Kriminalpolizei.
36:39Sie heißen Thomas Färmer?
36:45Ja.
36:47Wo liegt das Problem?
36:48Das Problem ist, dass Sie meinem Kollegen nicht gesagt haben, dass Sie auch Kassetten verkaufen.
36:53Ihrem Kollegen.
36:55Ach so.
36:56Der hat mich nicht danach gefragt.
36:58Der wollte nur was über den Laden gegenüber wissen.
37:01Haben Sie einem Mädchen vor einigen Tagen eine Kassette von Schwamse verkauft?
37:05Schwamse.
37:05Was?
37:06Guck mal, hier sind die Kinder.
37:07Nicht, dass ich wüsste.
37:08Das Fischerschiff.
37:12Würden Sie bitte auf Ihre Pens aufpassen?
37:14Das sind ziemlich teure Bücher.
37:16Seid ihr verrückt?
37:17Das sind ganz alte Bücher.
37:25Wie lange haben Sie diesen Laden schon?
37:27Seit fünf Jahren.
37:29Und was haben Sie vorher gemacht?
37:31Ich habe als Bibliothekar gearbeitet.
37:33Auch hier?
37:34In Ostberlin?
37:35Nein, in Weimar.
37:38Wieso fragen Sie das?
37:40Ich rate gern, wo jemand herkommt.
37:43Aber bei Ihnen ist das schwer.
37:44Sie haben gar keinen Akzent.
37:50Auf Wiedersehen, Herr Färmer.
37:53Wiedersehen.
37:59Glaub ich nicht, dass er mein Bruder ist.
38:01Ich glaube, dass Anneliese in den Buchladen gegangen ist, um Schwamseel zu kaufen.
38:05Sie kannte ihren Onkel, oder nicht?
38:07Franzis Empatenonkel.
38:08Ja, sie hat ihn erkannt.
38:09Und weil er Angst hatte, dass sie ausplaudert, wer er ist, hat er sie umgebracht.
38:13Ist auch absurd.
38:14Franz ist lange weg.
38:15Er ist viel zu schlau, um nach Deutschland zurückzukaufen.
38:21Mein Wahn steht da drüben.
38:26Kennen Sie den Ausdruck Penz?
38:27Natürlich.
38:28Jeder Kölner kennt ihn.
38:29Aber außerhalb von Köln ist er ungebräuchlich.
38:32Ich verstehe nicht, was das alles mit Franz zu tun hat.
38:48Da ist der Laden.
38:59Tja, Sie sehen sich den Mann an und sagen mir, ob er es ist oder nicht.
39:29Tut mir leid.
39:32Ich glaube, Sie haben sich getäuscht.
39:35Mein Freund interessiert sich nicht für Bücher.
39:42Der Mann hat keinerlei Ähnlichkeit mit meinem Bruder.
39:46Ja, es war ein Versuch.
39:50Dabei war ich mir so sicher.
39:52Na gut, kommt vor.
39:58Bin ich irgendwie da, wo ich angefangen habe?
40:00Kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause.
40:01Das ist nicht nötig, danke.
40:02Es sind nur ein paar Schritte.
40:03Es tut mir leid, dass ich Sie beherrlicht habe.
40:05Wiedersehen.
40:06Wiedersehen.
40:06, äh, das ist nicht nötig, danke.
40:42Warum hast du mich nicht verraten?
40:45Weißt du mir zu sagen, das geht die Polizei nicht so an.
41:00Karl, ich...
41:02Ich...
41:03Ich weiß nicht, wie es passieren konnte.
41:10Sie sagte...
41:12Franz zu mir.
41:15Onkel Franz.
41:19Plötzlich war alles wieder da.
41:22Diese ständige Angst.
41:25Du?
41:26Franz Kreuzer, du hattest Angst, du?
41:28Immer auf der Hut, immer eine Waffe griffbereit.
41:32Ich konnte nicht mehr.
41:38Ich bin in den Osten gegangen.
41:41Sie haben mir eine bürgerliche Existenz gegeben.
41:44Thomas, Fernau, Buchhändler.
41:48Dein Leben interessiert mich nicht.
41:50Iris, Annelies, warum?
41:51Karl, Karl, Karl, ich...
41:54Karl, ich...
41:57Ich hab ne Frau.
42:01Ich hab...
42:03Zwei kleine Kinder.
42:06Und plötzlich stand Anneliese da.
42:11Alles brach zusammen.
42:13Anneliese wusste...
42:14Ach, und wem hätt sie's erzählt?
42:15Mir!
42:17Und was hätt ich dir getan?
42:18Karl, ich war in Panik.
42:20Ich...
42:20Ich wusste nicht, was ich tat.
42:22Sie...
42:23Sie hatte diesen Namen ausgesprochen,
42:25den's nicht mehr gab.
42:26Diesen...
42:26Diesen scheißgottverfluchten Namen.
42:29Ich...
42:29Ich bin ihr nach...
42:31Zwanghaft.
42:31Ich war...
42:32Ich war geschüttelt vor...
42:34Du Schätz, musst du Angst haben.
42:35Geht!
42:38Geht!
42:39Geht!
42:39Geht!
43:07Geht!
43:29Geht!
43:30Geht!
43:31Geht!
43:36Karl, du! Karl, ich will dich nicht verletzen, aber...
43:45Karl... Karl, ich... Ich will niemanden mehr verletzen.
43:53Karl...
43:57Ich bring dich hin.
44:03Ich bring dich hin.
44:08Ich bring dich hin.
44:25Es reicht. Er hat sie umgebracht. Er hat meine Tochter umgebracht.
44:42Franz Kreuzer. Ich verhafte sie wegen Mordes.
44:48Er hat den Mörder überführt. Aber das Wichtigste hat er nicht verstanden.
44:51Und was ist das?
44:53Dass die Tod ihn dazu aufgefordert hat.
44:55Jetzt habe ich genug davon gehört.
44:58Können wir nicht mal vorbeifahren und uns dieses Wunder ansehen?
45:01Meinetwegen. Dann kannst du ihr bestätigen, dass es keins gibt.
45:08Na Ellen, was siehst du?
45:10Nichts. Ist doch klar.
45:12Jetzt, wo der Mörder gestanden hat, gibt es keinen Rumpfeanalyse noch rumzuhängen.
45:16Das ist der Beweis.
45:19Wofür?
45:24Du hast recht, es gibt Wunder.
45:33Manchmal.
45:36Immer.
45:39Untertitelung des ZDF, 2020