- vor 8 Stunden
Das Ding mit dem Ork aus Die Legenden von TargAnor Buch 1
Gramir, der Zwerg, wird von seiner Frau zu einem Rasurer geschickt (in späteren Zeiten würde man das Barbier oder Frisör nennen). Da der Rasurer in Dúnbaldur aber erkrankt ist, muss Gramir, wohl oder übel, das Angebot eines Wanderrasurers annehmen.
Musik: Udio AI
Mehr zu TargAnor und dem Autor erfährst du unter: https://dermalzius.ansuess.de
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Gramir, der Zwerg, wird von seiner Frau zu einem Rasurer geschickt (in späteren Zeiten würde man das Barbier oder Frisör nennen). Da der Rasurer in Dúnbaldur aber erkrankt ist, muss Gramir, wohl oder übel, das Angebot eines Wanderrasurers annehmen.
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Kategorie
😹
SpaßTranskript
00:03Musik
00:11Malzius Dampfbart
00:15Geschichtenerzähler
00:16Die Legenden von Targ Anor
00:21Buch 1
00:32Das Ding mit dem Ork
00:36Nugella, die Zwergin, bereitete gerade das Frühstück vor, als sie lautes Poltern aus der Schlafkammer vernahm.
00:42Sie seufzte und sah nur kurz auf, bevor sie die Nomen-Eier, die sie in der Hand hielt, schwungvoll in
00:47die Pfanne warf.
00:49Kurz darauf öffnete sich knarrend die Tür zur Küche und Gramir, ihr Gatter, kam hereingeschlurft.
00:55»Guten Morgen, Schnauzi-Bärchen«, säuselte er und schwankte vom gestrigen Gelager noch schwer gezeichnet auf seinen Stuhl am Esstisch zu.
01:04Er ließ sich schnaufend darauf nieder und grinste sie an.
01:08Nugella versuchte, ihren Mann nicht zu beachten und wendete die Eier in der Pfanne.
01:13»Was gibt es denn Leckeres zum Frühstück? Nomen-Eier?«, fragte der Zwerg und griff nach einem Humpen, der auf
01:20dem Tisch stand.
01:20Er nahm, ohne hinzusehen, einen tiefen Schluck und spuckte sofort danach den Inhalt wieder aus.
01:26»Was ist denn das Ekelhaftes?«, fragte er und verzog dabei Ange wieder das Gesicht.
01:31Nun konnte Nugella nicht mehr an sich halten.
01:34Sie drehte sich energisch um, wobei die Eier, die sie auf dem Wender hatte, hoch in die Luft flogen,
01:39eine kleine Pirouette verführten und dann klatschend auf dem Boden landeten.
01:43»Das Gramir ist, oder besser, war mein selbst angesetzter Braunsumpfsud.
01:47Mit dem wollte ich den Nomenbraten zubereiten. Das kann ich jetzt ja wohl vergessen,«, schimpfte sie wütend.
01:54»Ich glaube nicht, dass mir der Brat mit diesem Sud geschmeckt hätte,«, murmelte Gramir.
01:59»Das ist ein ganz neues Rezept. Das ist der letzte Schrei in Dünbaldur. Von Meisterin Borgfuß selbst kreiert.«
02:06Nugella funkelte ihren Mann finster an und griff nach einem Mob, um die verlorenen Eier zusammenzukehren und in den Müll
02:12zu werfen.
02:12Doch bevor sie dies tun konnte, fegte aus der Wohnkammer ein rattenähnliches Wesen heran
02:17und verschlang die auf dem Boden gefallenen Eier mit zwei schnellen Zügen.
02:21Dann saß die Zwergin an und peitschte mit seinem langen Schwanz.
02:25Nugella lächelte und tätschelte dem Tier den Kopf.
02:28»Ach, Ring, wenn wir dich nicht hätten,« sagte sie. »Du alter Resteverwerter!«
02:33»Ja, ist ein ganz feiner, nicht wahr, Ring? Du bist ja ganz feiner,«, juchzte Gramir,
02:38klaschte sich dann auf die angewinkelten Beine und rief »Na komm, Ring, komm zu Herrchen!«
02:43Das Tier peitschte freudig mit dem langen Schwanz, nahm Anlauf und war mit einem Satz auf dem Schoß des Zwerges
02:49gelandet.
02:49Mit seiner rauen Zunge begann er, Gramir das Gesicht abzulecken.
02:53»Ho, ho, ho!« lachte der Zwerg. »Ja, ein ganz feiner!«
02:58»Wie siehst du eigentlich schon wieder aus?«, fragte seine Gemahlin.
03:02»Wieso? Wie sehe ich denn aus?«, Gramir war verwirrt.
03:06»Deine Haare, das ist ja kaum mit anzusehen!«, gab sie zurück.
03:10»Ich weiß nicht, was du meinst.«
03:13»Du musst zum Rasurer!«
03:15Gramir sprang auf, wobei Ring quietschend und überrascht auf den Boden fiel.
03:19»Nur über meine Leiche!«, brüllte der Zwerg und fasste sich im gleichen Augenblick an den Mund,
03:24als wenn er versuchen wollte, seine ausgesprochenen Worte zurückzuholen.
03:28»Das lässt sich einrichten, Herr Gemahl!«, entgegnete Nugella scharf.
03:33Gramir versuchte, seine Frau zu besänftigen.
03:35»Hör zu, Schnuckelchen! Ich bin ein Zwergenmann, und du weißt genau, dass wir so aussehen müssen!«
03:42»Ach ja?«, fragte Nugella bissig.
03:45»Und wieso sind dann Lorin, Horga, Dafür oder Brimbel viel adretter anzusehen als du?«
03:51Zornesröte stand dem Zwerg im Gesicht.
03:54»Aha! Es geht also mal wieder um diese Schnösel!«, murrte er.
03:59»Diese Schnösel sind stattliche Zwergsbilder, weil sie gepflegt sind!«
04:04»Weil sie gepflegt sind!«, häffte der Zwerg seine Frau nach.
04:07»Ich bin ein Zwerg, wie ein Zwerg sein soll!«
04:10»Halsstarrig, stur und versoffen!«, meinte Nugella.
04:13»Grad, den ich standhaft und...«
04:15»Ringfest!«, versuchte der Zwerg seine Gattin zu verbessern.
04:19»Du warst stutzbetrunken, als du mit drei nach Hause kamst.
04:22Und dann hast du auch noch versucht, mich zu begrapschen!«
04:25»Liebes, ich wollte dir lediglich einen guten Nachtkuss geben!«
04:29»Einen guten Nachtkuss? Du hast gestunken wie eine ganze Schweineherde!
04:33Wolltest du mich damit betäuben, um dich dann über mich herzumachen?«
04:37»Nein!«, antwortete Gramir kleinlaut.
04:40»Du weißt nicht mal mehr was davon, oder?«, fragte sie nach.
04:44»Äh, doch, doch natürlich!«
04:47Der Zwerg versuchte, sich verzweifelt zu erinnern.
04:50Denn wenn seine Frau so mürrisch war, dann musste er es sich doch ziemlich daneben benommen haben.
04:56Da ihm aber nichts einfiel, so sehr er sich auch bemühte, versuchte er es mit einer Ablenkung.
05:01»Du siehst gut aus heute Morgen!«
05:04Mit einem lauten Platsch landete der Mob in seinem Gesicht.
05:09»Schnauzelchen!«, murmelte Gramir.
05:12Das Wischwasser tropfte ihm von den Haaren in den Bart und dann herab auf seinen Wams.
05:16»Es hat sich ausgeschnorzelt!«, schimpfte Nugela.
05:19»Du wirst heute noch zum Rasura gehen!«
05:22Gramir sah ein, dass es keinen Sinn mehr hatte, mit seiner Gemahne zu diskutieren.
05:26»Na schön, wenn du so einen Wert darauf legst!«
05:30»Aber bitte nach dem Frühstück!«
05:33»Nein!«, Nugela stand vor ihm und drohte mit dem Mob.
05:36»Du gehst jetzt sofort! Ich möchte nicht mit einem Zwerg frühstücken, der aussieht, als wenn ein Ork in ein Riesenspinnnetz
05:43gefallen ist!
05:43Da kommen ja die Eier wieder hoch!«
05:46Gramir verschluckte eine Bemerkung, die in diesem Augenblick sein sicheres Ableben bedeutet hätte,
05:51erhob sich mochend und schlurfte in Richtung Schlafkammer.
05:54Kurze Zeit später stand er in voller Kampfrüstung wieder in der Küche.
05:58Nugela verdrehte die Augen.
06:00»Das ist nicht dein Ernst, oder?«, fragte sie.
06:04»Was denn nun schon wieder?«
06:06»Du gehst zum Rasura! Du ziehst nicht in eine Schlacht! Zieh dir gefälligst etwas Normales an!«
06:13Der Zwerg überlegte.
06:15Er war so gut wie immer in seine Kampfrüstung gekleidet.
06:18Was meinte sie denn mit »etwas Normales?«
06:21Nugela hatte am Gesichtsausdruck ihres Mannes die nur in seinem Kopf befindliche Frage erkannt.
06:28»Die Ausgerüstung, Gramir, die meine ich!«
06:31»Ach nö, die ist unbequem, und ich habe sie noch nicht eingelaufen!«, murrte der Zwerg.
06:37»Weil du sie nie trägst! Aber heute ist kein Kampf, keine Schlacht, kein Gelage!
06:42Da wirst du sie anziehen! Ich möchte nicht, dass die anderen Zwerginnen über mich tuscheln!«
06:48»Wer tuschelt denn?«, fragte er nach.
06:51»Herrinde Beresul Malfred Carina!«, gab sie ihm wie aus der Pistole geschossen zurück.
06:57»Sind das nicht die Frauen von den Schnöseln?«, fragte er nach und bereute es sofort wieder.
07:02»Das sind die Frauen von vorzeigbaren Zwergen!«, antwortete Nugela scharf.
07:08Gramir hielt den Mund und verkniff sich jede Erwiderung. Es hatte eh keinen Zweck.
07:12Also zog er sich um, fluchte dabei wie ein Gossenzwerg über die Ausgerüstung und warf ein »Ich geh dann mal«
07:20in die Küche.
07:21Kurze Zeit später stand er vor seiner Behausung und trat den Weg zum Rasura an.
07:26Mehrere Zwerge begegneten ihm auf dem Weg, sahen ihn amüsiert wegen seiner Ausgerüstung an,
07:32vermieden es aber, ihn anzusprechen.
07:35Gramir war als wilder Kämpfer bekannt, der bei der kleinsten Bemerkung eine Schlägerei anfing.
07:40Seiner Laune waren die kurzen Begegnungen nicht gerade förderlich und so stand er schließlich
07:44mit hochrotem Zorneskopf vor der Tür des Rasuras.
07:49»Wegen Krankheit auf unbestimmte Zeit geschlossen«, las Gramir und sein Herz begann zu hüpfen.
07:55Jetzt konnte ihm Nugela nicht mal böse sein, er hatte es schließlich versucht.
08:00Beschwingt trat er den Heimweg an.
08:02Er stieß die Tür auf und rief fröhlich »Ich habe es versucht, aber der Rasura ist krank und ist auf
08:08unbestimmte Zeit geschlossen.«
08:11»Was für ein Unglück«, rief seine Frau, trat aber lächelnd aus der Küche hervor.
08:16»Hier stimmte etwas nicht.«
08:19Gramir fühlte es bis in die Fußspitzen.
08:21Er hatte einen Wutausbruch seiner Frau erwartet, die sich aber schließlich in ihr Schicksal hätte fügen müssen.
08:28Stattdessen lächelte sie.
08:30Das passte ganz und gar nicht.
08:34»Ja«, gab er verwirrt zur Antwort.
08:37»So ein Unglück.«
08:40»Rate mal, wer gerade vorbeigekommen ist.
08:43Herr Rinde, und sie hat mir von einem ganz neuen Rasura erzählt, der etwas außerhalb sein Geschäft aufgemacht hat.
08:49Ist das nicht ein Glück im Unglück?«
08:52Dem Zwerg lief es eiskalt den Rücken herunter und die gute Laune verschwand schlagartig.
08:57»So ein Glück«, murmelte er fassungslos.
09:01»Ja, das finde ich auch.
09:03Es soll wohl kein Zwerg sein, aber wen interessiert das schon?
09:06Auf jeden Fall soll dieser Rasura ganz außergewöhnliche Frisuren schneiden können.
09:11Es ist ein Wanderrasura«, redete Nugella weiter.
09:16»Aha«, mehr fiel Gramir nicht ein.
09:19»Dieses Lookblatt hat sie mir gegeben«, sagte Nugella und reichte dem Zwerg ein Blatt Papyrus.
09:27»Horkus«, »Wanderrasura«, las Gramir.
09:32»Rasurigdick«, »Rasurigfrisur«, stand in weiteren kragligen Buchstaben darauf.
09:36Dann eine Wegbeschreibung und zu guter Letzt ein großes »Billig«.
09:42»Das ist ja außerhalb unseres Reiches«, rief Gramir entsetzt, »mitten im Wald.«
09:48»Na, und wenn schon«, entgegnete seine Frau, »es ist kürzer, als wenn du nach Tinferung gehst.«
09:54»Tinferum? Warum sollte ich denn in das zweite Zwergenreich gehen?«, fragte er verwirrt nach.
10:00»Weil ich dich dort zum Rasura schicken würde. Sei also froh, dass es nur so ein kurzer Weg ist«, antwortete
10:06ihm seine Gattin mürrisch.
10:08»Aber«, versuchte er eine Erwiderung, doch Nugella fiel ihm ins Wort.
10:12»Na los, auf, auf!«
10:14»Ja, doch, Schnäuzelchen«, murmelte der Zwerg, seufzte und griff nach seiner Streitaxt.
10:20»Was willst du denn damit?«, fragte seine Gattin.
10:24»Ich kann doch nicht ohne meine Axt los«, murrte Gramir.
10:29»Die Axt bleibt hier«, sagte Nugella wütend.
10:32»Aber die Axt bleibt hier!«
10:34»Dann bin ich waffenlos«, versuchte der Zwerg es ein letztes Mal.
10:38»Hier, nimm den Mob, wenn du meinst, dass auf dem Weg zum Rasura ein Krieg ausbrechen wird«, entgegnete Nugella schnippisch.
10:44Gramir öffnete den Mund, entschied sich aber, diesen schnell wieder zu schließen.
10:49Schließlich hatte er, für alle Fälle, immer noch einen Dolch in seiner Ausgerüstung.
10:54Diesen hatte er ohne das Wissen seiner Gemahnen heimlich und versteckt eingeschmiedet.
10:59Er winkte und machte sich erneut auf den Weg.
11:02Es dauerte wirklich nur eine Stunde, bis Gramir den Wald erreicht hatte.
11:06Er nahm das Klugblatt hervor, um sich zu vergewissern, dass er auch den richtigen Weg nahm.
11:12Leider war das der Fall.
11:13Er hätte sich wirklich gewünscht, wenn er sich verlaufen würde.
11:18Durch das Dickicht sah er etwas leuchten.
11:21Er seufzte mal wieder, rollte das Flugblatt zusammen und schritt auf das Leuchten zu.
11:27Auf einer kleinen Lichtung stand ein großes Zelt, welches nicht gerade neu wirkte.
11:32Es war an vielen Stellen zerrissen und etliche Löcher hatten sich in die Zeltbahnen gefressen.
11:38An einer Ecke sah es sogar so aus, als wenn es dort Feuer gefangen hatte.
11:44Das Leuchten kam von einer kleinen Laterne, die an einem Stab angebracht war, der tief im Waldboden steckte.
11:50Genau daneben entdeckte er ein Holzschild.
11:54Horkus Rasura, keine Wardezeiten, ohne Termin, stand in den gleichen krakeligen Buchstaben wie auf dem Flugblatt darauf.
12:05Hallo, rief Gramir und sah sich um.
12:09Ich komme gleich, einen Moment, schallte es aus dem Zelt zurück.
12:14Dann polterte es und am Zelteingang erschien ein Kopf.
12:19Ein Ork, brüllte Gramir und griff nach seiner Axt.
12:23Da er diese aber, wie wir wissen, nicht mitnehmen durfte, fasste er ins Leere.
12:28Wo war der Dolch?
12:30Der Ork war mittlerweile aus dem Zelt herausgekommen.
12:32In seinen Händen hielt er ein Rasurmesser.
12:35Der Zwerg wünschte seiner Frau gerade Warzen an Stellen, wo man sie nicht sehen konnte.
12:40Er hatte es gewusst.
12:41Warum nur hatte er klein beigegeben und die Axt nicht mitgenommen?
12:44Schließlich war er der Zwerg im Haus.
12:47Er hätte einfach nur autoritär sein müssen.
12:50Nun stand er diesem Ungeheuer fast waffenlos gegenüber.
12:53Wo war nur der Dolch?
12:56Rasur? fragte der Ork und setzte ein Lächeln auf.
12:59Dabei schwang er das Rasurmesser schwungvoll hin und her.
13:03Das war's, das ist dein Ende, dachte Gramir.
13:06Er mordet von einem Ork, der einen wehrlosen Zwerg mit einem Rasurmesser die Kehle aufgeschlitzt hat.
13:12Ha, Nugella, du wirst dir Vorwürfe machen.
13:15Und das zu Recht.
13:16Wo war der Dolch?
13:19Rasur? fragte der Ork erneut und öffnete den Vorhang, der in das Zelt hineinführte.
13:24Er machte eine einladende Geste.
13:28Gramir war verwirrt und nickte nur.
13:30Bitte, herein!
13:33Der Zwerg machte ein paar Schritte auf das Zelt zu.
13:37Dann sagte er, du bist ein Ork.
13:41Dieser lächelte.
13:42Jawohl!
13:43Du ein Zwerg!
13:45Ich Horkus!
13:46Du?
13:48Was? fragte Gramir.
13:51Ich Horkus!
13:52Du? versuchte es der Ork erneut.
13:56Ich Gramir! antwortete der Zwerg und schüttelte den Kopf, als er sich bewusst darüber wurde, dass er gerade die Sprechweise
14:03des Orks imitierte.
14:05Du komm rein!
14:07Du Rasur!
14:08Ja? fragte Horkus.
14:10Ja, ich Rasur! gab Gramir zurück, während ihn der Ork freundlich aber bestimmt in das Zelt schob.
14:18Mehrere Laternen brannten im Inneren.
14:21An einer Seite stand ein Stuhl, der scheinbar von einem handwerklich Ungeschickten zusammengehämmert worden war.
14:28Vor diesem befand sich ein großes Schild aus Silber, das augenscheinlich einem Ritter gehört hatte.
14:33Es war so poliert worden, dass man sich darin hätte spiegeln können, wenn es nicht so staubig gewesen wäre.
14:41An der anderen Seite des Zeltes standen ein paar Holztafeln, auf denen Steckbriefe von verschiedenen Personen unterschiedlichster Rassen angebracht waren.
14:50Du wolle modische Frisur, ja?
14:54Da, du können gucken! sagte Horkus, gab dem Zwerg einen kleinen Schubs, sodass er im Holzstuhl Platz nahm und drehte
15:00diesen zu den Steckbriefen.
15:02Du wolle so? sagte der Ork und zeigte auf ein Holzschild.
15:07Oder lieber so? er zeigte auf ein anderes.
15:10Nein, nein, nein, danke! Nur die Spitzen schneiden, bitte! entgegnete Gramir verwirrt.
15:17Ah, ich verstehe! Auch Bart schneide? fragte Horkus und hatte im gleichen Augenblick einen Dolch an der Kehle.
15:25Fass meinen Bart an und du bist schneller tot, als du es begreifst, Ork! zischte Gramir wütend.
15:31Horkus riefen ein paar Schweißtropfen auf die Stirn.
15:34Ich sehe, du nur wollen Rasur, sagte er ängstlich.
15:39Du stecke Messerchen bitte weg, sonst ich kann nicht frisuren.
15:44Hm, machte Gramir und steckte den Dolch zurück in seine Halterung.
15:49Dann versuchte er, sich zu merken, wo diese war, damit er ihn das nächste Mal schneller fand.
15:54Horkus wischte sich mit seiner Hand über die Stirn, griff dann nach einem großen, aber verschlissenen Tuch und warf es
16:01dem Zwergekont über den Wams.
16:03Es roch nach Toten Elb.
16:05Ist das ein Elbenumhang? fragte Gramir entsetzt.
16:10Keiner Bange! Besitzer tot! antwortete Horkus lächelnd.
16:14Oh nein, ich nicht tot gemacht! Ich gekauft in Wunsch!
16:19Du hast den Umhang von den Ogern gekauft? fragte der Zwerg ungläubig.
16:24Ja, ist B-Ware, war gunstig. Du jetzt entspanne!
16:30Horkus überlegte kurz und fragte dann, du wolle Haare wasche?
16:35Waschen?
16:36Gramir wäre am liebsten aufgesprungen und hätte den Org für diese Frage, wenn schon nicht die Kehle aufgeschlitzt, dann doch
16:42wenigstens vermöbelt.
16:43Aber dann hätte er keine Rasur mehr bekommen und nur Gella wäre so wütend geworden, dass sie ihn tatsächlich noch
16:48in das zweite Zwergenreich geschickt hätte.
16:51Also sagte er nur, nein, Trockenschnitt bitte!
16:54Ich sehe kein Problem, Kunde ist Konig, entgegnete Horkus, legte das Rasurmesser zur Seite und griff nach einer großen Schere.
17:03Da fiel dem Zwerg etwas ein und er fragte,
17:07Wieso bist du nicht bei deinem Volk, wieso bist du ein Rasurer geworden?
17:11Der Org schwieg eine kleine Weile und klapperte ab und zu mit der Schere.
17:16Dann antwortete er,
17:18Ich nicht mehr mag Tod machen, ich Künstler, ich mag haben Frieden.
17:24Aber ihr Org seid doch, ähm, also,
17:29Gramir rang nach Worten.
17:31Horkus lächelte,
17:31Du könne ruhig sage,
17:34Wir Monster,
17:35Blutrunstige Scheusahle machen alles tot, ja?
17:40Gramir wandte sich unbehaglich.
17:43Naja,
17:44ja,
17:46nicht?
17:47Ah,
17:48das alles nicht stimme,
17:50erfunden von Bolkin und andere.
17:53Wir habe viele Künstler,
17:56male Bilder,
17:57baue Möbel,
17:58Der Stuhl ist für meine Schwibbschwager Mordun gebaut.
18:03Gut, nicht?
18:05Ja,
18:06nicht
18:06schlecht,
18:08gab Gramir zur Antwort.
18:10Ich erster und einziger Rasurer in meine Volk,
18:14erwiderte Horkus stolz.
18:16Ach, sagte der Zwerg,
18:18hast du viele Kunden?
18:21Nein,
18:22leider nicht.
18:23Alle denken,
18:24ich mache Kunden tot.
18:26In Haarsdorf,
18:27sie wollten anzunde meine Zelt.
18:30Schockierend,
18:31ja,
18:31die Menschen sind schon recht unzivilisiert.
18:34Du bitte jetzt nicht bewege.
18:37Ich vorher nur geübt an tote Köpfe.
18:39Du bist erste Kunde,
18:41der am Leben.
18:42Der Zwerg riss die Augen auf.
18:44Willst du damit sagen,
18:46das ist dein Erster?
18:47Du hast vorher noch nie,
18:48noch nie?
18:51Keiner Panik,
18:52ich geübt an viele Köpfe.
18:54Du werde sehe,
18:56ich kann.
18:57Gramir schickte ein Gebet an Koldeur,
19:00den Zwergengott,
19:01und wünschte seiner Gemahnen weitere Geschwüre.
19:03Juckende am besten.
19:05So,
19:06ich jetzt fange an.
19:09Schnipp,
19:10schnapp,
19:11schnipp,
19:12schnapp.
19:13Ah,
19:14geht gut,
19:15wie mit totem Kopf.
19:17Ist sie ganz leicht,
19:18sagte Horkus und freute sich.
19:21Schnipp,
19:21schnapp,
19:23schnipp,
19:24schnapp.
19:25Hm,
19:26murmelte der Ork.
19:27Seine Stimme klang unzufrieden.
19:29Ist es schief?
19:31Nicht gut.
19:32Muss sein gerade.
19:35Ach,
19:35ein bisschen schief ist schon in Ordnung.
19:37Nein,
19:38nein,
19:38muss sein gerade.
19:41Schnipp,
19:42schnapp,
19:43schnipp,
19:44schnapp.
19:45Grunsch,
19:46fluchte Horkus.
19:48Wie da schief?
19:49Hast du bewegt deinen Kopf?
19:51Ich,
19:52ich hab mich nicht bewegt,
19:54erwiderte Gramir.
19:55Doch,
19:56du musst,
19:57weil tote Kopf immer gerade.
19:59Schnipp,
20:01schnapp,
20:02schnipp,
20:03schnapp.
20:04Stille.
20:05Was,
20:06was ist?
20:07fragte der Zwerg aufgeregt.
20:10Ist
20:10alles gut.
20:12Alles
20:13gerade.
20:15Schnipp,
20:16schnapp,
20:17schnipp,
20:18schnapp.
20:19Ist das nicht ein bisschen viel,
20:20schnipp,
20:21schnapp?
20:21Gramir wurde wütend
20:23und gleichzeitig überkam ihn etwas Panik.
20:26Nein,
20:27entgegnete der Ork,
20:28dessen Stimme aber nicht mehr so sicher klang.
20:31Schnipp,
20:32schnapp,
20:34schnapp.
20:34Oh,
20:36wieder Stille.
20:39Was,
20:40meinst du mit
20:41Oh,
20:43fragte Gramir leise.
20:46Stille.
20:48Was,
20:49meinst du mit
20:50Oh,
20:51fragte Gramir nun lauter.
20:53Oh,
20:55gut,
20:56modisch,
20:58gut,
20:59antwortete Horkus.
21:01Immerhin gerade.
21:04Immerhin gerade.
21:06Hast du immerhin gerade gesagt?
21:09Hab ich?
21:10Ja,
21:11hast du.
21:12Ja,
21:13ist modisch.
21:14Trägt man heute so.
21:17Und dann hängte Horkus noch etwas an,
21:19was beim ersten Zuhören als
21:20Wurz war sie so,
21:22zu verstehen war.
21:24Was?
21:25fragte der Zwerg nach.
21:27Wurz war sie so,
21:29antwortete der Ork.
21:30Langsamer und verständlicher Ork,
21:33fauchte Gramir.
21:35Horkus bewegte sich unmerklich mehrere Schritte zurück
21:38und prüfte den Abstand von Zwerg zu sich
21:40und den Zeltausgang.
21:42Dann fasste er sich ein Herz und sagte,
21:44langsam und bedächtig,
21:47kurz,
21:49ha,
21:51Frisur.
21:54Gramir sagte lange Zeit nichts.
21:57Dann kam ein einziges Wort aus ihm heraus.
22:01Spiegel.
22:03Der Ork machte zwei weitere Schritte in Richtung Zeltausgang.
22:07Keiner gute Idee.
22:10Spiegel,
22:11befahl der Zwerg.
22:14Noch zwei Schritte,
22:15dann wäre Horkus am Ausgang angekommen,
22:17denn er wusste,
22:18dass Zwerge zwar gute Sprinter,
22:19aber in der Langstrecke doch hinter Orks zurückbleiben würden.
22:23So hatte es jedenfalls mal ein Zwerg verlauten lassen.
22:25Damals vor der großen Schlacht.
22:29Urplötzlich war Gramir aufgesprungen
22:31und hatte sich umgedreht.
22:32Wo willst du denn hin, Bürschchen?
22:35fragte er und versuchte,
22:37seine Zwergenwut in Zaum zu halten.
22:39Ich,
22:40ich nur wolle,
22:42hohle,
22:43Besen,
22:44ja,
22:45für Haare auf Boden,
22:47antwortete der Angesprochene
22:49und griff nach irgendetwas in seiner Nähe.
22:51Er hielt ein Fläschchen Schwarztopf Haarwasser in den Händen.
22:55Ist sie gar nicht, Besen!
22:58Gramir ging mit schnellen Schritten auf das Silberschild zu,
23:01riss sich den Umhang herunter
23:02und rieb damit darüber.
23:04Nachdem die Staubschicht entfernt war,
23:06sah er hinein und erkannte sein Spiegelbild.
23:10Eiskaltes Grauen erfasste ihn
23:12und sein Innerstes konnte sich nicht entscheiden,
23:15ob er nun vor Wutschnauben
23:16dem Ork das Lebenslicht auspusten
23:18oder lieber weinend im Erdboden versinken wollte.
23:22Meine
23:24Hase!
23:25Der Zwerg schluckte
23:27und eine dicke Träne lief ihm über das Gesicht.
23:30Sein Innerstes hatte sich anscheinend entschieden.
23:33»Du musst nichts bezahlen!«
23:35Die Stimme des Orks schwankte zwischen hohen und tiefen Tönen.
23:39Ein wie aus dem Nichts vor seinem Gesicht aufgetauchter Dolch
23:42bohrte sich in die Haarwasserflasche,
23:44die er gerade vor sich gehalten hatte,
23:46um zu lesen, was in der Gebrauchsanleitung stand.
23:49Nur Millimeter vor seinem Auge.
23:51Horkus warf die Flasche weg
23:53und tauchte durch den Zeltausgang,
23:55verfolgt von einem vor Wut schnaubenden Zwerg,
23:57der ihm die wüstesten Beschimpfungen hinterher rief.
24:00Nach mehreren hundert Metern
24:02wilder Verfolgungsjagd durch den Wald
24:04bewahrheitete sich der Ausspruch
24:06des Zwergs vor der großen Schlacht.
24:08Gramir blieb immer weiter zurück
24:09und Horkus konnte sich so
24:11vor dem sicheren Tode retten.
24:13Schließlich gab es der Zwerg auf
24:15und kehrte zu dem Zelt des ehemaligen Rasuras zurück.
24:18Der Rückweg
24:19in das erste Zwergenreich Dünbaldur
24:21gestaltete sich für Gramir zu einer Tortur,
24:24denn schon,
24:25als sie die Zwergenwachen erblickten,
24:27sah er das Grinsen in deren Gesichtern.
24:30Als er näher kam,
24:31brachen diese in schallendes Gelächter aus
24:33und scherten sich nicht daran,
24:35dass ihnen Gramir jeweils eine Kopfnuss versetzte.
24:38Viele Zwerge fielen auf dem Weg
24:40zu seiner Behausung.
24:41Die meisten brachen vor Lachen zusammen.
24:43Es gab nur ein paar wenige,
24:45die er mit gezielten Fausthieben
24:47zu Boden strecken konnte.
24:48Als ihn seine Frau erblickte,
24:50schloss sie die Augen und sagte,
24:53»Warum tust du mir das an?
24:55Ich wollte doch nur einen retten
24:57und gut aussehenden Zwerg
24:58an meiner Seite haben.
25:00Und nur,
25:01um dich an mir zu rächen,
25:02kommst du so nach Hause.
25:04Du bist gemein!«
25:07Und damit verschwand sie weinend im Schlafgemach
25:08und warf krachend die Türen schloss.
25:12»Aber Schnäuzelchen!«
25:14»Es war ganz anders!«
25:16sagte Gramir kleinlaut,
25:18griff dann nach dem Zwergenschnaps,
25:19ließ sich im Sessel nieder
25:21und leerte die Flasche in einem Zug.
25:24Seiner Ehefrau zu erklären,
25:25wie es wirklich gewesen war,
25:27würde er heute nicht mehr versuchen.
25:30Mehrere Monate sah man im Zwergenreich Dünbaldur
25:33nicht mal mehr einen Fuß von Gramir.
25:35Er fehlte bei den Clanversammlungen
25:37ebenso wie bei den Ratsgesprächen.
25:39Fragte man nach ihm,
25:41erzählte ihn nur Geller,
25:42dass er allein zu einem Verwandtenbesuch
25:44nach Beulhelm aufgebrochen sei.
25:47Dabei wäre er einem Ringträger begegnet,
25:49mit dem er auf eine Mission
25:50zur Rettung der Welt gegangen war.
25:53Diese Geschichte klang zwar ungeheuerlich,
25:56aber die Wahrheit hätte ihn niemand geglaubt.
26:03Diese Geschichte ist vorbei,
26:07doch bald erscheint eine neue.
26:10Vielen Dank, dass ihr mir zugehört habt.
26:13Euer Malzius Dampfbad
26:15Das war's für heute.
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