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Rund 6.000 Tonnen Müll täglich überfordern Bengaluru. Bürgerinitiativen setzen auf Mülltrennung, Kompostierung und Aufklärung. Lokale Projekte zeigen, wie Abfallmanagement funktionieren kann – wenn alle mitmachen.

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Transkript
00:01Dieser Müllberg dürfte hier eigentlich nicht liegen.
00:04Der Abfall wird regelmäßig abgeholt und doch entsteht fast sofort wieder ein neuer Haufen, sagt Umar, der ganz in der
00:11Nähe wohnt.
00:15Mein Haus ist direkt daneben. Hier sind Kinder. Es gibt so viele Ratten und der Gestank ist schrecklich.
00:23Der Müll liegt auf der Straße und blockiert sie. Das führt zu Unfällen.
00:31Wir sind in Jaya Chamarachendra, Naga, im Norden von Bengaluru.
00:38Doch solche Müllkippen, rund 800 davon, gibt es überall in der Stadt.
00:44In Bengaluru gibt es keine öffentlichen Mülleimer.
00:50Aber die Anwohner haben genug. Mit sogenannten Plogging-Aktionen sammeln sie Müll auf, während sie joggen.
00:59Nagarach organisiert diese Aktionen regelmäßig und hat alle Hände voll zu tun.
01:05Die Stadt produziert täglich zwischen 5000 und 6000 Tonnen Abfall.
01:10Das Hauptproblem sei Bequemlichkeit, sagt er.
01:13Zum Beispiel in einzelnen kleineren Haushalten ist es schwierig, wenn die Sammelfahrzeuge nicht pünktlich kommen.
01:20Vor allem, wenn Mann und Frau arbeiten, dann stellen sie den Müll leider irgendwo an die Straßenecke und gehen.
01:25Das liegt erstens am Zeitmangel, zweitens an fehlendem Verantwortungsbewusstsein.
01:29Sie sagen sich, mein Haus ist sauber, warum sollt ihr mich interessieren, was mit den anderen passiert?
01:38Die Stadt verfügt über 6000 Müllsammelfahrzeuge.
01:42Trotzdem hat das System große Lücken, sagt Sunita Jayaran.
01:47Sie ist Direktorin eines Unternehmens für Abfallmanagement.
01:53Müllhaufen entstehen meist dort, wo Abfälle nicht an die Sammelfahrzeuge übergeben werden.
02:01Das kann daran liegen, dass Menschen ihren Müll nicht trennen wollen oder ihn nicht abgeben, wenn das Fahrzeug kommt, obwohl
02:08sie da sind.
02:11Oder daran, dass viele sehr früh zur Arbeit gehen und erst spät zurückkommen.
02:18Jetzt geht es nach HSA Layout, ein begehrtes Wohnviertel im Süden von Bengaluru.
02:23Hier ist Mülltrennung Pflicht. Biomüll wird vom Rest getrennt.
02:29Die Trennquote liegt inzwischen bei 90 Prozent.
02:34Ein Erfolg, der vollständig von den Bewohnern selbst getragen wird, sagt Padma Shree Mahesh vom HSA Citizen Forum.
02:44Wir sind Schritt für Schritt vorgegangen.
02:47Zuerst haben wir auf Aufklärung gesetzt.
02:49Danach kam das Thema Kompostierung.
02:51Dann ist eine Plastikinitiative dazugekommen.
02:54Und im Wesentlichen ist das alles der aktiven Beteiligung der Bürger zu verdanken.
03:00Allein dieses Viertel produziert jeden Monat 15 Tonnen organischen Abfall.
03:06Während anderer Müll quer durch die Stadt zu Deponien transportiert wird,
03:10wird der Biomüll direkt hier kompostiert.
03:13So bequem wie möglich für die Bewohner.
03:19Jeden Morgen ab etwa 6.30 Uhr oder 7 Uhr wird der Abfall aus den Haushalten eingesammelt und hierher gebracht.
03:27Mit Kokosfasern, altem Kompost und zerkleinerten, trockenen Blättern vermischt und an Schichtweise aufgetragen.
03:35Kameras neben den Kompostanlagen verhindern illegale Müllentsorgung.
03:40Die Bewohner können den frischen Kompost für ihre Gärten abholen.
03:46Ein Modell, das ihrer Meinung nach auch anderswo übernommen werden sollte.
03:52Ganz in der Nähe befindet sich das Swatch Graha Kalika Kendra, ein Lernzentrum für Abfallmanagement.
03:59Seit acht Jahren kommen Menschen hierher, um alles über Kompostierung zu lernen, auch Methoden für zu Hause.
04:07Heute ist Preti Sriwaisan hier.
04:12An einen Ort zu kommen, ihn zu sehen und zu erleben, ist etwas ganz anderes als Dinge auf YouTube zu
04:17lernen.
04:18Wenn es keine Möglichkeit gibt, so einen Ort zu besuchen, hat man keine Wahl.
04:22Aber wenn es diese Optionen gibt, sollten Gruppen hierher gebracht werden.
04:27Man muss das sehen, fühlen, den Kompost anfassen. Das macht den Unterschied.
04:36Inzwischen kommen nicht mehr nur Anwohner hierher, auch Vertreter anderer Kommunen haben das Zentrum besucht.
04:43Darauf ist man hier besonders stolz.
04:47Ein weiteres Beispiel findet sich im Süden von Bengaluru, eine Wohnanlage in Raksha-Radishwari, Nagar.
04:54Ihre 900 Bewohner produzieren täglich rund 600 Kilogramm organischen Abfall.
04:59Seit 2023 ist ein privater Dienstleister für die Abholung zuständig.
05:05Als wir gesehen haben, was der Dienstleister wirklich mit dem Müll macht, war das der Wendepunkt.
05:11Er sammelte den Abfall ein, mischte dann alles und kippte es an einen unbekannten Ort.
05:21Die Bewohner wollten Veränderung und übernahmen selbst die Kontrolle.
05:27Sie trennten organischen Müll strikt vom Hausmüll und führten unterschiedliche Abholtage ein.
05:39Es hat fast drei Monate gedauert, bis wir wirklich erreicht haben, dass alle ihren Müll trennen.
05:46Der zweite Punkt war die Schulung unseres Reinigungspersonals.
05:51Ihnen beizubringen, Nein zu sagen, war entscheidend.
05:55Wenn der Müll nicht getrennt ist, darf er nicht mitgenommen werden.
06:04Heute zahlt die gesamte Wohnanlage nur noch ein Viertel der früheren kommunalen Müllgebühren
06:10und erzielt sogar zusätzliche Einnahmen durch den produzierten Kompost.
06:15Solche Projekte allein werden Bengalurus Müllkrise nicht lösen.
06:19Die Stadt braucht dringend ein Abfallmanagementsystem.
06:23Doch lokale Initiativen zeigen, was möglich ist, wenn jeder seinen Teil beiträgt.
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