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  • vor 10 Stunden
Sie leben in maroden Häusern, müssen auf engstem Raum schlafen, werden wie Sklaven behandelt. Hunderte ausländische Arbeiter schuften in chinesischen Unternehmen in Serbien.

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Transkript
00:00Ein heruntergekommenes Haus. 80 Menschen leben hier auf engstem Raum.
00:06Sie berichten von beschlagnahmten Pässen und körperlicher Gewalt.
00:11Einer unserer Freunde wurde von einer Chinesin körperlich angegriffen.
00:17Ausländische Arbeitskräfte wie Abhanub aus Ägypten sind mutmaßliche Opfer von Menschenhandel in von Chinesen geführten Fabriken in Serbien.
00:26Wenn wir Menschen auf eine Ware reduzieren, ist das Sklaverei.
00:32Wir wollen herausfinden, wie das System der Ausbeutung funktioniert. Und wir folgen den Lieferketten der Unternehmen. Landen ihre Produkte gar
00:40in deutschen Autos?
00:44Wir sind auf dem Weg in die Stadt Schabatz im Westen Serbiens.
00:50Eine Insiderin begleitet uns. Sie möchte nicht erkannt werden.
00:54Sie erzählt uns, dass viele ausländische Arbeiter, die in chinesischen Fabriken in der Regierung beschäftigt sind, unter schwierigen Bedingungen leben.
01:02Als wir vor Ort ankommen, dauert es nicht lange, bis wir einige Arbeiter in ihrer Unterkunft antreffen.
01:10Hallo, guten Morgen. Entschuldigen Sie bitte.
01:13Hallo? Ist jemand zu Hause?
01:18Schön, Sie kennenzulernen. Entschuldigen Sie die Störung. Woher kommen Sie?
01:23Aus Bangladesch.
01:24Wie viele Ihrer Kollegen wohnen hier?
01:28So um die 30, 40 Leute.
01:32Ja, es ist überfüllt. Zu viele Leute.
01:36Wir schauen uns im Haus um.
01:39In manchen Zimmern schlafen bis zu acht Personen.
01:45Überall liegt Müll herum. Es riecht übel, das Atmen fällt schwer.
01:50Offensichtlich wird das Haus dem Verfall überlassen.
01:55Unsere Informantin sagt, sie hatte schon weitaus schlimmere Unterkünfte gesehen.
02:00Im Vergleich zu den Unterkünften, in denen manche Arbeiter aus Ägypten untergebracht sind, ist das hier wie helllichter Tag.
02:07Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.
02:09In einem Haus gab es kein Wasser, manchmal zwei oder drei Tage lang.
02:13Man konnte nicht einmal duschen.
02:17Aber Noob kennt das Haus gut.
02:19Er hat früher selbst einmal dort gewohnt.
02:21Jetzt hat der Ägypter Schutz in einer Unterkunft für Opfer von Menschenhandel gefunden.
02:26Bis 2025 arbeitete er für den chinesischen Automobilzulieferer Mint in einem Werk im Westen Serbiens.
02:33Um den Job zu bekommen, musste er einem Vermittler fast 3000 Euro zahlen und einen Vertrag unterschreiben, den er nicht
02:39verstand.
02:42Wir wussten nicht, was in dem Vertrag stand, weil er auf Serbisch verfasst war.
02:47Und als wir sie baten, davon ein Foto zu machen oder ihn zu übersetzen, lehnten sie ab.
02:55Ausländische Arbeitskräfte werden oft nicht direkt von den Fabriken beschäftigt,
02:59sondern erhalten Verträge über Arbeitsvermittlungsagenturen.
03:02Aber Noobs Vertrag verspricht reguläre Arbeitszeiten, einen Mindestlohn und bezahlte Überstunden.
03:08In Wirklichkeit, so sagt er, arbeiten er und seine Kollegen in zwölf Stundenschichten, sieben Tage die Woche,
03:14für einen festen Monatslohn von 750 Euro.
03:20In den ersten sechs Monaten kam es häufiger vor, dass die Polizei bei Mint Kontrollen durchführte.
03:25Und die Agentur sagte uns, ihr müsst jetzt gehen.
03:28Ihr könnt heute nicht arbeiten, weil die Polizei kontrolliert.
03:32Warum? Wir sind ja nicht als Illegale oder so etwas hierher gekommen.
03:38Tara hat auf ihrem Grundstück eine Unterkunft für Opfer von Menschenhandel eingerichtet.
03:43Aber Noob nahm Kontakt zu ihr auf, nachdem er seinen Job beim Mint gekündigt hatte.
03:48Tara sagt, sie habe bereits Hunderten von Arbeitskräften aus Asien und Afrika geholfen.
03:53Viele von ihnen hätten für Mint und den chinesischen Reifenersteller Linglong gearbeitet.
03:57Wir haben es hier mit echtem Menschenhandel zu tun.
04:03Es gibt Websites, auf denen man so viele Arbeitskräfte bestellen kann, wie man braucht.
04:09Es ist, als wären sie eine Ware.
04:12Aber wenn wir einen Menschen auf eine Ware reduzieren, ist das Sklaverei.
04:21In den Dokumenten, die Abernub uns zeigt, wechseln die Namen der Agenturen regelmäßig.
04:26Doch immer wieder taucht der Name einer chinesischen Geschäftsfrau auf.
04:32Wir versuchen sie zu erreichen, fahren zu der Adresse, unter der eines ihrer derzeitigen Unternehmen registriert ist.
04:40Doch wir finden weder ein Firmenschild, noch den Namen der beteiligten Personen.
04:47Wissen Sie, ob es hier ein Büro einer Arbeitsvermittlungsagentur gibt?
04:52Nein, nicht, dass ich wüsste, die gibt es hier nicht.
04:55Aber es gelingt uns, die Handynummer einer ehemaligen Mitarbeiterin der Agentur zu bekommen,
05:00die viele Vertragsangelegenheiten bearbeitet hat.
05:05Ich war eigentlich kaum involviert.
05:07Ich habe mich lediglich um den Papierkram für ihre Visa gekümmert.
05:11Ich glaube, die Inhaberin ist gerade nicht da. Sie ist nach Afrika gereist.
05:18Der Automobilzulieferer Ling Long antwortet nicht auf unsere Fragen.
05:21Während MINT betont, aktuell keine Arbeitskräfte über Vermittlungsagenturen einzustellen.
05:28MINT nutzt derzeit in Serbien keine Arbeitsvermittlungsmodelle,
05:31bei denen Arbeitnehmer von einer externen Arbeitsvermittlungsagentur beschäftigt werden.
05:38Doch noch im Frühjahr 2026 zitieren lokale Medien mehrere Personen,
05:43die über Drittanbietermodelle bei MINT beschäftigt waren.
05:46Bislang haben alle staatlichen Ermittlungen zu keinerlei rechtlichen Konsequenzen geführt.
05:52China hat Milliarden Euro in Serbien investiert.
05:55Kritiker sagen, dass das Land deshalb bei den mutmaßlichen Missständen ein Auge zudrückt.
06:04Alles ist dokumentiert.
06:06Und dennoch haben die serbischen Institutionen so gut wie nichts unternommen.
06:10Niemand wurde strafrechtlich verfolgt, niemand wurde zur Rechenschaft gezogen.
06:18Letztendlich haben die Betroffenen nie Gerechtigkeit erfahren.
06:21Es ist offensichtlich, dass diese Arbeitgeber vom Staat geschützt werden.
06:29Auf unsere Nachfrage haben serbische Regierungsbehörden die Vorwürfe nicht kommentiert.
06:34Die USA kritisieren bereits 2022 die Arbeitsbedingungen ausländischer Arbeiter bei Linglong in Serbien.
06:412025 verhängten sie sogar ein entsprechendes Importverbot aufgrund mutmaßlicher Zwangsarbeit.
06:48Bei unseren Recherchen stoßen wir auf Geschäftsberichte und Lieferketten Dokumente.
06:52Diese belegen, dass zahlreiche europäische Automobilhersteller Autoteile aus Linglong oder MINT-Werken in Nord- und West-Serbien beziehen.
07:00Werken, die seit Jahren aufgrund mutmaßlicher Fälle von Arbeitsausbeutung in der Kritik stehen.
07:06Eines der beteiligten Unternehmen ist der deutsche Automobilriese Volkswagen.
07:11Auf unsere Anfrage hin erhalten wir vom Hersteller eine kurze schriftliche Antwort.
07:16Wir werden zum jetzigen Zeitpunkt keine Kommentare oder Stellungnahmen abgeben.
07:21Für die betroffenen Arbeiter in den chinesischen Werken gibt es kaum einen Ausweg.
07:26Entweder sie ertragen die Bedingungen oder sie kehren nach Hause zurück, oft mit hohen Schulden.
07:33Oder es gibt noch eine weitere Möglichkeit.
07:35Sie gehen ein noch größeres Risiko ein, indem sie Schleuser bezahlen und weitere Schulden machen, um in die Europäische Union
07:42zu gelangen.
07:42Sie hoffen dort das zu finden, was ihnen in Serbien versprochen wurde, aber nie Wirklichkeit wurde.
07:48Wir alle träumen davon, einen Neuanfang zu machen und ein neues Leben zu beginnen.
07:52Aber jeder sagt mir, nachdem er hierher gekommen ist, es wäre besser gewesen, wenn ich nicht gekommen wäre.
08:01Gemeinsam mit anderen Geschädigten will aber Noob nun Serbiens erste Gewerkschaft für ausländische Arbeitnehmer gründen.
08:07Sie sagen, sie hätten bereits mehr als 80 Mitstreiter und die Zahl wachse stetig weiter.
08:13Das mache ihnen Hoffnung.
08:14So شorai sie.

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