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Agatha Christie Und Der Orient
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00:00:11With the end of the 30s, the famous English author, Agatha Christie, was in the Middle East.
00:00:18This trip should change her life forever.
00:00:22She had a new life and all that, what she had in England.
00:00:28And many other things, from which she didn't know that it was.
00:00:55I think most people, particularly journalists,
00:01:01especially journalists, who talk with me,
00:01:04were already convinced that she was only one person.
00:01:10And that was she not. She was actually two people.
00:01:14Also, Agatha Christie hatte eigentlich zwei Leben, wenn man so will.
00:01:18Das eine ist als englische Autorin, in England lebend und eben im englischen Garten sitzend,
00:01:26wie man die Leute denken, dass sie Marple ist.
00:01:29Und dann das zweite an der Seite ihres zweiten Mannes im Orient, der war Archäologe.
00:01:35Und sie hat ihn jahrelang auf seine Grabungen nach Syrien und in den Irak begleitet.
00:01:44Das sind die Reisepässe, die Nima, so nannten wir meine Grossmutter, im Laufe ihres Lebens hatte.
00:01:50Das war eine alte Art von Reisepass, bei der man, wenn der Platz ausging, weil man in so vielen Ländern
00:01:55war,
00:01:56einfach einen neuen dran geklebt hat.
00:02:01Sehr beeindruckend. All diese Stempel, das sind die Tage ihrer Ankunft.
00:02:08Das ist der Irak. Ja, 1952.
00:02:12Ja, und da sind sie nach Bagdad gereist.
00:02:18Die Tatsache, dass Agatha Christie einen wichtigen und großen Teil ihres Lebens auf Reisen im Nahen Osten verbrachte,
00:02:25ist unter ihren vielen Lesern kaum bekannt.
00:02:29Agatha Mary Clarissa Miller wird 1890 in Torquay geboren,
00:02:35wo sie eine glückliche und behütete Kindheit und Jugend verbringt.
00:02:40Im Jahr 1914 heiratet sie Colonel Archibald Christie
00:02:45und meldet sich während des Krieges freiwillig als Krankenschwester.
00:02:50Ihr einziges Kind, Rosalind, wird 1919 geboren.
00:02:55Ihre Kriminalromane sind ein großer Erfolg.
00:02:58Und mit Anfang 30 ist sie schon eine etablierte Autorin.
00:03:02Doch alles gerät aus den Fugen, als Archie sie verlässt und die Scheidung will.
00:03:06Dies ist der Wendepunkt.
00:03:08Tief verletzt verschwindet sie für elf Tage, was zu einer landesweiten Jagd nach ihr führt.
00:03:13Diese Erfahrung mag ihre lebenslange Abneigung gegen Publicity erklären.
00:03:18Sie will weg und beschließt, in den Irak zu reisen.
00:03:22Neue Orte, neue Eindrücke, um sich auf neue Gedanken zu bringen.
00:03:28Als sie im Herbst 1928 zum ersten Mal nach Ur aufbrach, war sie, glaube ich, auf der Suche nach Abenteuern.
00:03:36Sie wollte etwas anderes, Aufregendes finden.
00:03:40Und für Agatha waren Züge, wie wir alle wissen, vor allem der Orient Express selbst, eine Form von Flucht.
00:03:48Und ich glaube, als sie sich auf diese schicksalhafte Reise durch Europa und schliesslich nach Bagdad und weiter begab,
00:03:55dass dies der Beginn eines neuen Lebens, des modernen Lebens für sie war.
00:04:01Jetzt reiste ich allein, ohne Begleitung.
00:04:05Nun bot sich mir die Gelegenheit, zu entdecken, was für eine Art von Mensch ich war.
00:04:09Ob ich auf andere Menschen angewiesen war, wie ich fürchtete.
00:04:13Ich konnte meine Leidenschaft frönen, fremde Länder zu besuchen, konnte mich jederzeit anders besinnen.
00:04:19Ich brauchte auf niemanden außer mir selbst Rücksicht zu nehmen. Ich würde ja sehen, wie mir das behagte.
00:04:26In Bagdad angekommen, ist sie zunächst ein wenig enttäuscht. So viele andere Engländer, zu viel Tee und zu viel Tennis.
00:04:34Mit Freude nimmt sie eine Einladung an, die antike Stadt Ur im Südirak zu besuchen.
00:04:40Catherine Woolley, die kapriziöse Frau von Leonard Woolley, dem berühmten Archäologen, ist ein großer Fan von Agathas Büchern.
00:04:48Mit der Ausgrabung von Ur verwirklichte Leonard Woolley seinen Lebenstraum.
00:04:53Bis heute ist Ur die wichtigste Ausgrabungsstätte für Archäologen, die versuchen, das Leben der Menschen in Mesopotamien vor mehr als
00:05:004000 Jahren zu verstehen.
00:05:02Agathas Besuch ist ein voller Erfolg. Catherine und Leonard laden sie ein, im nächsten Jahr wiederzukommen.
00:05:07Ur ist eine der bedeutendsten und wichtigsten Fundstätten, die einfach die Archäologie der altpapylogischen Zeit perfekt veranschaulichen.
00:05:21Und nirgends ist man so nah an den Menschen des zweiten Jahrtausends vor Christus.
00:05:31Den Reiz des Ausgrabens im Orient macht es aus, dass es so fremd ist und so anders und dass man
00:05:38ein völlig anderer Mensch dort ist.
00:05:40Man muss sich 100 Prozent fallen lassen in dieses Erfahren des anderen Landes, um es zu leben, um es zu
00:05:52spüren, dass man ein anderer Mensch ist.
00:05:56Und das ist das, was süchtig macht.
00:06:00Ich verliebte mich in Ur mit der Schönheit der Abende, der in geheimnisvolle Schatten gehüllten Sigurdat und dem unendlichen Sandmeer,
00:06:10das jede Minute seine zarten Farben zwischen Apricot, Rosé, Blau und Violett wechselte.
00:06:17Es machte mir Freude, die Arbeiter zu beobachten, die ganze Technik und das Leben.
00:06:22Der Zauber der Vergangenheit nahm mich gefangen. Einen Dolch zu sehen, der mit seinem Goldschimmer langsam im Sand erscheint, war
00:06:31romantisch.
00:06:32Die Sorgfalt, mit der Töpfe und Krüge aus der Erde geborgen wurden, erfüllte mich mit dem sehnsüchtigen Verlangen, selbst Archäologin
00:06:41zu sein.
00:06:42Es war dort, dass sie Max Mallowen kennengelernt hat. Und zwar lustigerweise erst im zweiten Jahr, als sie es besucht
00:06:50hat, diesen Fundort.
00:06:52Also im ersten Jahr war er irgendwie gerade weg, obwohl er ja der persönliche Assistent des Grabungsleiters Leonard Woolies war.
00:07:00Und im zweiten Jahr war er dann da, aber er fiel Agatha Christie ja erstmal als ein besonders stiller, schweigsamer
00:07:07Mensch auf.
00:07:10Max Mallowen war ein magerer, dunkelhaariger und sehr stiller junger Mann.
00:07:16Er äußerte nur selten seine Meinung, zeigte sich aber gegenüber allem, was von ihm verlangt wurde, sehr aufgeschlossen.
00:07:25Max, hier mit seinem jüngeren Bruder, war der Sohn eines österreichischen Geschäftsmannes, der nach England gezogen war und dort eine
00:07:32Französin geheiratet hatte.
00:07:35Als begabter Student in Oxford zog Max bald die Aufmerksamkeit auf sich.
00:07:40Als Leonard Woolie einen Assistenten suchte, bekam Max die Stelle.
00:07:44Bald war er für die Woolies unentbehrlich. Er musste sich für sie um wichtige Besucher kümmern, wie zum Beispiel Agatha
00:07:50Christie.
00:07:50Dann wurde er eines Tages von Catherine Woolie dazu verdonnert, diese Besucherin herumzuführen und eine Rundreise mit ihr zu machen
00:08:03nach Kerwala und Nechev.
00:08:05Und dann blieben sie in einem Wadi stecken.
00:08:11Die Stunden verrannen. Es war immer noch entsetzlich heiss. Ich legte mich in den Schatten des Wagens und schlief ein.
00:08:20An diesem Nachmittag, beichtete mir Max später, wurde ihm bewusst, dass ich ihm eine ausgezeichnete Frau sein würde.
00:08:27Du hast dich nie beklagt, mir nicht die Schuld gegeben oder mir vorgeworfen, dass wir hier nicht hätten halten sollen.
00:08:34Es schien dir völlig egal, ob wir weiterfahren oder nicht.
00:08:39Es war in diesem Moment, dass ich begann, dich ganz wunderbar zu finden.
00:08:49Frau Prof. Adelheid Otto und ihr Ehemann Dr. Berthold Einwaag haben ihn ur-ausgegraben und die von Lennart Woolie begonnene
00:08:57Arbeit fortgesetzt.
00:09:03Das sind also die Häuser, dieses berühmte Häuserviertel, was Woolie mit Mellauen und anderen ausgegraben hat.
00:09:11Das war wirklich das oder ist immer noch heute das Modell einer altpaphylonischen Wohnstadt.
00:09:20Und das sieht man hier hinten auf diesem Bild im Hintergrund.
00:09:26Also diese Ausgrabung hat nicht ein Haus zutage gefördert.
00:09:30Das sind Dutzende eng aneinander gebaut mit Straßen, die sich hier durchschlängeln, zum Teil Sackgassen, die hier blind enden.
00:09:40Nachdem beide wieder in England sind, sehen Agatha und Max sich oft.
00:09:45Nur sechs Monate nach ihrer ersten Begegnung macht Max ihr einen Antrag.
00:09:50Sie zögert. Schliesslich ist er fast 14 Jahre jünger.
00:09:53Doch Max überzeugt sie.
00:09:56Und im Juni oder Juli 1930 kam Max bei einem Wochenendbesuch spät in der Nacht in ihr Schlafzimmer,
00:10:03angeblich um ein ausgeliehenes Buch zurückzugeben, setzte sich auf das Bettende und machte ihr einen Heiratsantrag.
00:10:11Was, wie ich finde, für einen jungen Mann schon ein gewisses Mass an Selbstvertrauen zeigt.
00:10:17Im September 1930 heiraten Agatha und Max in Edinburgh.
00:10:23Unsere Hochzeit war ein Triumph. Es gab keine Reporter, denn von unserem Geheimnis war nichts an die Öffentlichkeit gedrungen.
00:10:32Er mochte die Woolies und war lange Zeit in Catherine Woolie verliebt, bevor Agatha auf der Bildfläche erschien und ihn
00:10:40Catherine wegnahm.
00:10:42Und ich glaube, dass er bei ihnen geblieben wäre.
00:10:45Aber Catherine wollte keine andere Ehefrau bei den Ausgrabungen.
00:10:49Und ich glaube, das war der echte Grund, warum sie mit Reginald Campbell Thompson nach Nineveh gingen.
00:11:01Im Herbst 1931 begann Max mit Reginald Campbell Thompson in Nineveh zu arbeiten.
00:11:08Agatha begleitete ihren Mann bei der Ausgrabung, so wie sie es in den nächsten Jahrzehnten immer tun würde.
00:11:13Heute ist Nineveh ein Teil von Mosul im Nordirak.
00:11:19Mosul am Ufer des Tigris. Mit 1,7 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Irak.
00:11:27Mosul hat in den letzten 20 Jahren viele Konflikte und viel Leid erfahren.
00:11:32Die Stadt hat die Besetzung durch den IS und die Schlacht um Mosul erlebt, die mit der Befreiung endete.
00:11:38Große Teile der Stadt wurden zerstört.
00:11:43Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen wurden auch die archäologischen Städten indirekt in Mitleidenschaft gezogen.
00:11:49Seit Jahren hat hier kein Archäologe mehr gearbeitet.
00:11:57Nineveh heute. Der Ort, an dem sich einst die alte Hauptstadt des Asyrischen Reiches befand.
00:12:08Ohne militärischen Schutz ist ein Besuch der antiken Städten nicht möglich.
00:12:13Archäologen aus Mosul, wie Dr. El-Jumayli, sind daran gewöhnt.
00:12:21Nineveh ist der Ort, an dem ein großer Teil der Menschheitsgeschichte seinen Ursprung nahm.
00:12:27Er wird überall erwähnt, im Alten Testament, im Neuen Testament, im Koran, in der Bibel.
00:12:33Der Name stand für etwas Großes. Die Stadt ist in der Geschichte sehr bekannt.
00:12:39Nineveh ist 4500 bis 5000 Jahre alt.
00:12:44In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es von europäischen Archäologen wiederentdeckt und ausgegraben.
00:13:00Max nutzt die Gelegenheit, die sich ihm bietet.
00:13:05Mit der Zustimmung von Grabungsleiter Campbell Thompson legt er einen tiefen Schnitt von 34 Metern an.
00:13:13Zum ersten Mal ist es so möglich, die 5000-jährige Geschichte Ninevehs anhand der verschiedenen Schichten zu ordnen.
00:13:25Er war wirklich durch und durch Wissenschaftler und hat ja dann auch in Nineveh,
00:13:30was natürlich berühmt ist als asyrische Königsnekropole mit fantastischen Palästen und riesiger Großkunst.
00:13:37Was hat er gemacht? Er hat einen Tiefschnitt gemacht.
00:13:39Einen 34 Meter tiefen Tiefschnitt, um zu unterst irgendwelche Lehmbrocken,
00:13:48bemalte Scherben und Steine zu finden und war begeistert.
00:13:52Und dieser Tiefschnitt ist heute noch wissenschaftlich hochbedeutend,
00:13:57sodass ganze Perioden nach diesem Tiefschnitt genannt wird.
00:14:01Also die Nineveh-5-Periode ist nach Max Mallowans Tiefschnitt in Nineveh die fünfte Schicht,
00:14:07wo er diese spezielle Keramik gefunden hat.
00:14:11Also eher so bedeutsam war diese Ausgrabung.
00:14:18Zum ersten Mal erlebt Agatha das Leben als Teilnehmerin an einer archäologischen Expedition nicht nur als Besucherin.
00:14:26Sie ist begeistert.
00:14:30Sobald sie auf ihrer ersten richtigen archäologischen Expedition war, war sie absolut begeistert.
00:14:35Und sie und Barbara Campbell-Thompson gingen jeden Tag mit dem Frühstück auf den Hügel,
00:14:40während die Männer bei der Arbeit waren.
00:14:43Und Agatha blieb dort oben mit einer Tasse in der Hand und wanderte einfach umher und blickte auf die Ebene
00:14:49vor ihr.
00:14:49Und stellte sich vor, hier wäre vor 3000 Jahren das Zentrum der Welt gewesen.
00:14:59Ich versuche immer zu erklären, was Archäologie ist mit Agatha Christis Begeisterung für die Kriminalistik.
00:15:09Denn das, was wir machen, ist einfach Detektivarbeit.
00:15:12Wir finden auf einer Grabung winzige Schnipsel, also irgendwelche Scherbchen.
00:15:17Und jetzt ist es an uns, daraus die gesamte Vergangenheit zu rekonstruieren.
00:15:23Das ist wahnsinnig schwierig.
00:15:24Also das sind Proben, die wir, die sind dann direkt aus Ur.
00:15:29Die haben wir mitgenommen für naturwissenschaftliche Untersuchungen,
00:15:32um beispielsweise anhand dieser kleinen Staubreste herauszufinden, was in so einem Gefäß drin war.
00:15:42Und das ist hier höchstwahrscheinlich eine Probe, die aus einem Biergefäß stammt,
00:15:49das so ähnlich ausgesehen hat, vermutlich wie dieses hier. Und das wird dann im Labor untersucht.
00:15:57Agathas Erlebnisse fließen in ihre Bücher ein.
00:16:00Das alte Expeditionshaus in Ur ist Schauplatz von Mord in Mesopotamien,
00:16:05in dem die Frau des Expeditionsleiters, die sehr an Catherine Wooley erinnert, ermordet wird.
00:16:10Ich finde es ganz wunderbar, wie am Ende von Mord in Mesopotamien,
00:16:17als Hercule Poirot seine Lösung des Mordes zum Besten gibt,
00:16:24wie dann dieser Dr. Leitner, der Mörder, zu ihm sagt,
00:16:31Herr Poirot, Sie wären ein guter Archäologe geworden.
00:16:35Sie haben die Gabe, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen.
00:16:40Und genau das ist es. Also es ist wirklich eins zu eins dasselbe, was ein Detektiv macht und was ein
00:16:47Archäologe macht.
00:16:48Ich denke, dass die Heirat mit Agatha Christie ein ziemlich cooler Karriereschritt war,
00:16:54denn das trug enorm zur Stellung von Max bei.
00:16:58Bevor er Agatha heiratete, arbeitete er im Sommer als junge Assistent im Britischen Museum.
00:17:04Aber als Agatha auftauchte, war sie bereits sehr bekannt. Sie hatte vier sehr erfolgreiche Bücher geschrieben.
00:17:11Und natürlich hatte sie Geld, was einen großen Unterschied machte.
00:17:16Denn in jenen Tagen wurden archäologische Expeditionen von Sponsoren finanziert.
00:17:26Max gefiel die Arbeit mit Campbell Thompson. Aber er spürte, dass es an der Zeit war für seine erste eigene
00:17:32Ausgrabung.
00:17:34Im Jahr 1933 begann er mit der Arbeit in Tel Apatia in der Nähe von Mossul.
00:17:40Insbesondere gab es da einen ganz kleinen Grabhügel.
00:17:43Er hiess Apatia und lag etwa vier Meilen östlich der grossen Anlage von Ninive.
00:17:49Max hat es sehr gefallen.
00:17:51Ich habe ihn darin bestärkt, weil ich die Tongefäße so schön fand.
00:17:55Und es so spannend wäre, mehr darüber herauszufinden.
00:17:59Max hielt das für ein Risiko.
00:18:07Auf diesem Hügel, Tel Apatia, hat der britische Archäologe Max Mallowan zwei Jahre von 1932 bis 1933 gearbeitet.
00:18:19Zusammen mit seiner Frau Agatha Christie und dem Ingenieur John Ross.
00:18:24Sie haben an der ältesten Stadtzivilisation im Mittleren Osten gearbeitet.
00:18:28Ungefähr 6000 vor Christi Geburt, der sogenannten Halaf-Periode.
00:18:46Die Bilder der Grabungsarbeiter von damals scheinen nicht nur aus einer anderen Zeit, sondern aus einer anderen Welt.
00:19:02Es gibt keine Müllabfuhr.
00:19:04Jeder sieht hier den Sand und wirft seinen Müll drauf.
00:19:08Das macht mich traurig.
00:19:09Wenn ich könnte, würde ich den Müll selbst wegbringen.
00:19:19Das Gruppenfoto von Agatha, Max und allen Arbeitern.
00:19:24Von dieser ersten Expedition existieren nicht viele Bilder.
00:19:28Agatha hatte ihre Rolle als offizielle Fotografin bei den Ausgrabungen noch nicht für sich entdeckt.
00:19:38Sie hat sich, sagen wir mal so langsam reingearbeitet, 1933 in Tel Arpatschia, die erste Grabung von Mallowan.
00:19:46Da hat sie erst mal so ein bisschen gezeichnet. Sie hatte vorher einen Zeichnungskurs genommen.
00:19:51Das ist aber nicht so ihr Ding gewesen.
00:19:53Sie hatte dann katalogisiert, das ging natürlich gut.
00:19:56Und was sie vor allem gemacht hat, war Keramik zusammenzusetzen.
00:20:00Das ganze Dorf kennt ihre Geschichte. Und die des Hügels.
00:20:05Die Leute sammelten Gegenstände für Max Mallowan, wofür sie von ihm eine Belohnung erhielten.
00:20:10Ohne Fund kein Barkschisch.
00:20:14Sie kamen von überall her, arbeiteten mit ihm und gingen abends zurück in ihre Dörfer.
00:20:37Ihre Heirat mit Max war für Agatha nicht nur eine Einführung in die Welt der Archäologie im Mittleren Osten,
00:20:43es war auch der Anfang ihrer vielen Reisen in der gesamten Region.
00:20:501934 reisten Max, Agatha und ihre Tochter Rosalind zusammen nach Ägypten.
00:20:56Es war Agathas zweite Reise dorthin.
00:20:58Die erste hatte sie mit ihrer Mutter unternommen, als sie erst 19 Jahre alt war,
00:21:03und sie hatte damals wenig Interesse an den Altertümern gezeigt.
00:21:07Mit Max an ihrer Seite, der sich für alles interessierte, sah auch sie vieles mit anderen Augen.
00:21:17Brennende Scham überkam mich, als ich daran zurückdachte, wie Mutter in Kairo versucht hatte,
00:21:22mich zu einem Ausflug nach Luxor und Aswan zu überreden,
00:21:26um mich die vergangene Pracht Ägyptens erleben zu lassen.
00:21:29Und ich hatte nichts anderes im Kopf gehabt, als junge Männer kennenzulernen
00:21:33und bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen.
00:21:37Es kommt wohl für alles die richtige Zeit.
00:21:54Die Bilder, die auf dieser Reise entstehen, sind glückliche Bilder.
00:22:02Rosalind auf der Spitze der großen Pyramide.
00:22:06Agatha und Max auf Eseln reitend.
00:22:11Aber als scharfe Beobachterin war sie immer auch auf der Suche nach Ideen für ihre Bücher.
00:22:17Eine Nilkreuzfahrt lieferte die Inspiration für einen ihrer berühmtesten Kriminalromane.
00:22:32Ihr Buch, Tod auf dem Nil, wurde drei Jahre später veröffentlicht.
00:22:37Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Nil wird Schauplatz eines Maudes.
00:22:40Das Schiff, das sie 1934 bestieg, ist immer noch in Betrieb.
00:22:46Die SS Karnak des Buches ist im wirklichen Leben die SS Sudan.
00:22:50Und die Erinnerungen an ihren berühmtesten Passagier werden bis heute von Schiffsmanager Mr. Amir liebevoll gepflegt.
00:23:02Agatha wurde zusammen mit ihrem Mann 1934 eingeladen, ein paar Tage in Oberägypten zu verbringen.
00:23:09Und ihr Aufenthalt auf diesem Boot hat sie dazu inspiriert, Tod auf dem Nil zu schreiben.
00:23:15Wir sind ganz sicher, dass sie die ersten Kapitel ihres Buches hier an Bord geschrieben hat.
00:23:27Die Agatha Christie Suite ist wunderbar. So sollte man leben. Ich könnte das ein Leben lang machen.
00:23:38Ich bin ein Agatha Christie Fan. Ich habe ihre Bücher gelesen, auch Tod auf dem Nil.
00:23:43Und die SS Sudan vermittelt genau das Gefühl der damaligen Zeit.
00:23:48Deshalb haben wir uns für diesen Ort entschieden.
00:23:50Wir wollten auch an der Eleganz teilhaben, die sie damals erlebt hat.
00:23:55Es ist alles Teil der gleichen Romantik, der gleichen romantischen Umgebung, der gleichen vergangenen Zeit.
00:24:03Und deshalb ist es grossartig, aber wir machen uns keine Sorgen, dass jemand ermordet wird.
00:24:10Ich finde das Wunderbare an ihren Reise- und Archäologieromanen ist,
00:24:15dass sie buchstäblich und im übertragenen Sinn voll Sonnenlicht sind. Es sind frohe, glückliche Bücher.
00:24:28Das Old Cataract Hotel in Aswan, wo Hercule Poirot ein interessantes und verdächtiges Gespräch auf der Terrasse belauscht hat,
00:24:35bevor er an Bord der SS-Kanag ging. Er würde das Hotel bis heute unverändert vorfinden.
00:24:48Neu ist nur der kleine Sekretär, auf dem Agatha den Tod auf dem Nil geschrieben haben soll.
00:24:53Ein Höhepunkt der täglichen Agatha Christie Tour um halb sechs, nach dem Tee.
00:25:00Dazu gehört auch die Agatha Christie Suite. Poirot würde überrascht sein. Und sie wohl auch.
00:25:27Niemand weiß mehr über Agatha Christie als Fotografin als ihr Neffe John Mallowen.
00:25:33Ihre Ausrüstung und die meisten ihrer Negative sind in seiner Obhut. Ein Schatz.
00:25:44Das Fotografieren war ein Talent, das sie weiterentwickeln wollte. Ein Talent, das sehr nützlich sein würde.
00:25:51Und dann war es auch etwas, für das sie sich wirklich interessiert hat.
00:25:56Ich meine, sie war eine Schlüsselperson bei den Ausgrabungen. Sie war die Fotografin.
00:26:02Sie hat also mitgearbeitet und bei den Artefakten geholfen. Das ist die Leica, die Agatha oft benutzt hat.
00:26:21Jede archäologische Expedition braucht einen Fotografen, um die Funde zuverlässig fotografisch festzuhalten.
00:26:28Es wurde schnell klar, dass diese Rolle ideal zu Agatha passte.
00:26:34Im Laufe der Zeit, als sie dann in Syrien waren, da hat sie dann fotografiert.
00:26:41Und das war das ganz große Verdienst von Agatha Christie, dass sie wirklich Unglaubliches geleistet hat als Fotografin auf diesen
00:26:50Grabungen.
00:26:51Eine schwierige, anspruchsvolle und sehr anstrengende Tätigkeit, weil da war Staub, Dreck und so weiter.
00:27:01Und man muss ja diese Platten da reinigen mit diesen Kameras und so weiter.
00:27:06Und da hat sie wirklich richtig hart mitgearbeitet, weil bei jeder Grabung, die man macht, wird ja was zerstört, unwiderruflich.
00:27:16Ja, deswegen ist die Dokumentation bei der archäologischen Grabung, hat einen ganz hohen Stellenwert.
00:27:23Ich glaube, sie hat einfach beobachtet.
00:27:25Aber einer der Gründe, warum es vergleichsweise wenige Bilder von Agatha selbst gibt, ist,
00:27:31dass sie normalerweise hinter der Kamera stand, nicht davor.
00:27:35Das ist auch der Grund, warum es so wenige Bilder von ihr gibt.
00:27:38Ich bin sicher, sie würde sich darüber freuen.
00:27:43Chaga Basar in Nordsyrien.
00:27:461935 begann Max hier mit seinen Ausgrabungen.
00:27:53Es muss vieles fotografiert werden. Und ich entwickle wieder.
00:27:58Als ich an diesem heissen Tag aus meiner pilzübersäten Dunkelkammer krieche,
00:28:02komme ich mir wahrhaftig auch wie ein Pilz vor.
00:28:06Das Personal hat die Aufgabe, mich mit verhältnismässig sauberem Wasser zu versorgen.
00:28:11Erst wird der grobe Schmutz weggefiltert und dann seilt man das Wasser durch Watte in verschiedene Eimer.
00:28:18Wenn ich es für die negative verwende, sind nur noch ein paar Sandkörner und etwas Staub aus der Luft darin,
00:28:24sodass die Resultate ganz befriedigend ausfallen.
00:28:30Und die Schmalfilmkamera ist identisch mit der, die sie benutzt hat.
00:28:34Leider habe ich das Original nicht mehr, aber ich erinnere mich daran, dass sie identisch war.
00:28:40Das Schöne an dieser Schmalfilmkamera ist, dass sie robust ist.
00:28:45Und eine Filmkassette hat, mit der man zwei Minuten drehen kann.
00:28:50Und man kann dann das Filmmaterial wechseln. Und wenn man es aufzieht, hat man 20 Sekunden Aufnahmezeit.
00:29:02Insgesamt hat Agape also zweieinhalb Stunden Film gedreht. Also, das muss man sich mal vorstellen.
00:29:11Ich schaute mich um. Im Dorden erstreckt sich die türkische Bergkette. Im Westen, Süden und Osten dehnt sich die fruchtbare
00:29:20Steppe aus.
00:29:21Grün und im Frühling mit Blumen übersät. Die Landschaft ist getüpfelt mit Tullull und braunen Beduinenzelten.
00:29:29Das alles wirkt so friedlich und weit weg von der Zivilisation. Ich mag Chagabazar.
00:29:35Ja. Sie selber war eher schüchtern. Sie hat sich immer eher zurückgenommen, war nicht jemand, der nach vorne ging und
00:29:42Leute angesprochen hat und so weiter.
00:29:45Aber sie beobachtete, sie war eine hervorragende Beobachterin.
00:29:48Dann hat sie auch diesen Film, also diese Filme gemacht.
00:29:52Ja, etwas ganz Sensationelles, weil erst 1935 kam, glaube ich, das erste Kodak-Farbfilmmaterial für Amateure auf den Markt.
00:30:03Und sie hat tatsächlich in ihren frühen 38er-Filmen, 1938er-Filmen in Syrien, auf den Grabungen, hat sie sowohl schwarz
00:30:14-weiss wie Farbfilmmaterial verwendet.
00:30:17Unser Haus steht. Von der Spitze des Hügels aus betrachtet, erweckt es einen heiligen Anschein mit seiner riesigen Kuppel,
00:30:25die sich weiss von dem sonnenverbrannten Boden abhebt.
00:30:30Und nächstes Jahr kehren wir wieder zurück in unser Heim.
00:30:34Denn dieser Kuppelbau, mitten im Nirgendwo, ist unser Zuhause geworden.
00:30:39Es ist sehr familiär alles.
00:30:43Also man muss, wenn man dort im Orient ausgräbt, und das beschreibt sie auch sehr schön von ihren Ausgrabungen in
00:30:50Telprak und Chagabazaar,
00:30:52dass Max wirklich wie ein Vater geliebt wurde.
00:31:23Aleppo war für Max und Agatha
00:31:25ein häufiger und beliebter Zwischenstopp und eine willkommene erste Gelegenheit für ein heißes Bad nach Wochen bei den Ausgrabungen.
00:31:33Einige der alten Wahrzeichen sind auch heute noch in der vom Krieg gezeichneten Stadt zu finden.
00:31:43Pitschnass und todmüde kamen wir schliesslich nach Aleppo, wo wir im relativ luxuriösen Barons Hotel Aufnahme fanden.
00:31:52Wir wurden von Coco Baron, dem Sohn des Hauses, willkommen geheissen.
00:31:57Er hat einen großen, runden Kopf, ein leicht gelbliches Gesicht und schwermütige dunkle Augen.
00:32:05Mein sehnlichster Wunsch war ein heißes Bad.
00:32:12Reiseführer Abdul Heyadur weiß alles über Agatha und das Hotel.
00:32:17Vor dem Krieg war er oft mit Touristen hier.
00:32:19So, hier ist das Hotel Baron.
00:32:23Das berühmte Hotel, wo Agatha Christie, Lorenz of Arabia und andere Personen, wichtige Personen, hatten hier gewohnt.
00:32:45Heute kommen keine Gäste mehr. Der Krieg hat dem ein Ende gesetzt.
00:32:59Aber die Erinnerung an Agatha Christie ist immer noch lebendig und manchmal erstaunlich spezifisch.
00:33:10Agatha hat in diesem Zimmer, ich glaube, zwei Romans geschrieben.
00:33:16Die Crime in Mesopotamien und Crime in the Orient Express.
00:33:25Wenn Max Malawan war in Tal Ahmar oder Tal Brak in Al-Jazeera für die Ausgrabung,
00:33:33manchmal Agatha bleibte hier für eine Woche, zwei Wochen.
00:33:38Nur die Charme von Aleppo zu sehen und ruhig hier in diesem Hotel Ideen,
00:33:47was sie will später als Roman schreiben.
00:34:13Mein Vater hat immer erzählt, wenn er mit meiner Mutter unsere Hönig zu verkaufen konnte,
00:34:20in die Ecke zwischen Hotel Baron und dem alten Zug.
00:34:25Immer kommt eine Dame mit einem großen Chabot und interessiert nicht für unseren Honig oder Oliven oder so etwas,
00:34:36das aber mit der Kleidung von meiner Mutter und meinem Vater und war immer neugierig, ein bisschen zu probieren, etwas
00:34:45zu sagen.
00:34:46Später, mein Vater hat ein Buch gesehen und er sagt, diese Dame, dieselbe Dame, die kommt bei uns in Aleppo
00:34:55durch den Zug.
00:34:57Und wir hatten gesagt, diese Dame ist eine sehr wichtige Dame und die heißt Agatha Christie und sie schreibt Bücher
00:35:04und so und so.
00:35:10Auch der Bazar in Aleppo hat durch den Krieg sehr gelitten.
00:35:15Während ein Teil mit Hilfe des Aga Khan wiederhergestellt wurde, liegen große Teile noch immer in Trümmern.
00:35:21Und alle warten darauf, dass die Touristen zurückkehren.
00:35:24Was bei der derzeitigen politischen Lage unwahrscheinlich ist.
00:35:43Unser Leben ist einfacher als das Leben in Europa.
00:35:49Leute hier, alle haben Zeit.
00:35:53Wenn sie, wenn sie laufen in dem Staat, in dem Zug oder irgendwo, hallo, Tee trinken.
00:36:00Sie trinken eine Stunde, zwei Stunden, die Leute immer haben Zeit für sie.
00:36:13Wir sind in Bagdad Bahnhof.
00:36:16Das ist die Mahatad-Bagdad, sagt man.
00:36:19Und das ist einer von den ältesten Bahnhofs in der Welt.
00:36:27Die Linie ist zwischen Berlin, Istanbul, Aleppo, Bagdad.
00:36:35Und die Leute immer in dieser langen Reise brauchen eine Station in einer schönen Stadt Aleppo.
00:36:44Und deshalb waren viele interessante Leute in dieser Station gewesen.
00:36:54Seit 2011 ist kein Zug mehr an diesem Bahnhof angekommen oder von ihm abgefahren.
00:37:01Für Europäer Aleppo, Bagdad waren große Namen.
00:37:09Das ist die Orientstädte.
00:37:12Die kann man hier eine andere Welt treffen und sehen.
00:37:18Der Traum von vielen Leuten, so wie Agatha Christie, war einmal von Aleppo nach Bagdad und weiter nach Ur oder
00:37:28Ninive zu gehen.
00:37:32Auch das Museum in Aleppo hat gelitten.
00:37:35Hier sind Funde von Max aus Chagabazaar und Tel Brak.
00:37:39Alle Funde wurden damals zu gleichen Teilen zwischen den ausländischen Archäologen und den lokalen Behörden aufgeteilt.
00:37:48Wir befinden uns hier in diesem Saal, der für die Funde von Tel Brak eingerichtet wurde, wo Mr. Melloran zwischen
00:37:561934 und 1938 arbeitete.
00:38:02Was wir hier sehen, ist zum Beispiel ein Fries aus einem Tempel in Tel Brak, datiert auf 3200 vor Christus.
00:38:12Und Sie sehen Goldbleche.
00:38:14Echtes Gold aus dieser Zeit, dem vierten Jahrtausend vor Christus.
00:38:19Auch dieses Blumenornament.
00:38:21Wie schön gemacht.
00:38:22Ebenfalls aus dem vierten Jahrtausend vor Christus.
00:38:263200 vor Christus.
00:38:28Aus Tel Brak.
00:38:31Ausgegraben von Mr. Melloran.
00:38:35Die Schätze aus Tel Brak sind ein bewegendes Bindeglied zwischen Syrien und Europa, zwischen Krieg und Frieden.
00:38:42Ihre Gegenstücke sind im britischen Museum.
00:38:45In Sicherheit.
00:38:47Charlotte Trümpler sucht nach Fundstücken von Max, die derzeit nicht ausgestellt sind.
00:39:01Die Ausgrabungen von Agatha und Max in Tel Brak im Jahr 1938 waren sehr aufregend.
00:39:07Sie hatten im Irak gearbeitet und dann versucht, ein wenig nach Nordwesten zu expandieren.
00:39:11Die Augen hatten sicherlich eine andere Farbe und es ist durchaus möglich, dass sie schwarz waren.
00:39:16Ein schwarzer Stein zum Beispiel. Aber sie könnten auch blau gewesen sein.
00:39:19Es gibt Beispiele für sumerische Skulpturen, die einen blauen Stein, Lapislazuli, enthalten.
00:39:27Lassen Sie uns das hier hinlegen.
00:39:30Ja, und ich wollte Ihnen das Bild zeigen, das sie zu einer Zeit machte, als sie in Tel Brak war.
00:39:40Das Problem war, sie wurde ausgebildet, um sehr genaue Fotos zu machen.
00:39:48Max bestand darauf.
00:39:49Und dann ging sie 1937 an die Commercial School of Photography hier in London.
00:39:54Und dort begann sie, oder sie lernte, Experimente zu machen.
00:40:00Sie wollte also den Schatten sehen und so weiter.
00:40:03Und Max war natürlich sehr wütend, weil er sagte, das sei nicht die wissenschaftliche Art, ein Foto zu machen.
00:40:11Wie Sie bereits erwähnten, befand sich Agatha in einer künstlerischen Phase, als sie das gemacht hat.
00:40:16Da wir das betreffende Objekt besitzen, haben wir durch das Fehlen des Maßstabs auf dem Foto keine Informationen verloren.
00:40:21Aber ich finde es sehr schön und historisch, dass wir dieses Foto haben.
00:40:26Ja, Sie sehen hier eine sehr schöne Seite über Tel Brak, die zeigt, wie wichtig das war, weil es sogar
00:40:32in einer englischen Zeitung veröffentlicht wurde.
00:40:47Die Ausgrabungsstätte von Chagabazar in Syrien liegt nicht weit von Tel Brak entfernt.
00:40:52Auch hierher kam der Krieg.
00:40:54Viele der Dorfbewohner flohen, als der IS angriff.
00:40:58Für den Archäologen Yussef Mohammed ist es das erste Mal seit Jahren, dass er in sein altes Dorf zurückkehrt.
00:41:09Ich laufe durch das Dorf Chagabazar und erinnere mich an die glückliche Zeit, die ich hier als Kind verbracht habe.
00:41:24Der Hügel, den sie hinter mir sehen, ist, wo der Archäologe Max Melloran und seine Frau Agatha Christie ihre Ausgrabungen
00:41:32gemacht haben.
00:41:52In den Büchern von Agatha Christie lesen wir alles über dieses Dorf.
00:41:58Wir finden hier alles, was im Buch steht. Die Häuser, wie sie gebaut sind.
00:42:08Einige der Älteren tragen noch dieselbe traditionelle Kleidung. Ihr Akzent ist noch derselbe. Auch die Sprache.
00:42:21Wir müssen dafür sorgen, dass all das für uns erhalten bleibt. Dass wir alles dokumentieren.
00:42:28Wie Agatha Christie und Max Melloran.
00:42:40Als der IS drohte, das Dorf zu erobern, war Yussef als Student in Damaskus.
00:42:45Doch bevor seine Mutter floh, versteckte sie das, was ihrem Sohn am wichtigsten war. Seine Bücher.
00:42:51Sie wusste, dass der IS alle Bücher, die er finden könnte, vernichten würde.
00:42:58Das ist der Tank. Ich habe ihn jetzt geöffnet. Ich hatte nicht erwartet, ihn so vorzufinden.
00:43:06Eine tolle Idee meiner Eltern, die Bücher im Wassertank zu verstecken.
00:43:11Meine Mutter hat sie hier versteckt, damit ihnen nichts passiert. Sie waren sogar in Plastik eingewickelt.
00:43:19Jede Buchreihe zusammen und dann im Wassertank versteckt.
00:43:25Für die Bücher war das bestimmt der sicherste Ort. Mir wäre dieser Ort nicht eingefallen.
00:43:49Und hier sind die Bücher von Agatha Christie.
00:43:58Endlich habe ich sie gefunden.
00:44:01Hier sind sie.
00:44:06Ehrlich gesagt, hätte ich nie geglaubt, die Bücher in diesem Zustand zu finden.
00:44:15Ich habe diese Bücher damals alle zusammengekauft.
00:44:19Ich hatte das Geld gespart und ich habe diese Sammlung gekauft.
00:44:33Auf jedem Buch ist natürlich das Bild von Agatha Christie.
00:44:49Die friedliche Landschaft Syriens in den 30er Jahren fand sich auch auf den Umschlägen von Agatha Christie's Büchern und in
00:44:57ihrem Haus wieder.
00:44:59Das ist ein Bild von Telbrack, dem Hügel von Telbrack, gemalt von Robin McCartney, wahrscheinlich in den 30er Jahren.
00:45:09Und es ist etwas ganz Besonderes, denn während der ganzen Zeit, in der ich Nima in Greenway kannte, hing dieses
00:45:17Bild am Fussende ihres Bettes.
00:45:19Und sie wissen ja, dass sie Syrien geliebt hat.
00:45:26Der junge Architekt Robin McCartney gehörte zu dem kleinen Expeditionsteam in Syrien.
00:45:32Nach einem schwierigen Start, er war sehr wortkarg, was die Gespräche mit der sehr schüchternen Agatha erschwerte, kamen sie gut
00:45:39miteinander aus.
00:45:40Und sie entdeckte sein Talent als Maler.
00:45:45Sie fragte ihn, ob er nicht ein paar Umschläge für ihre Bücher machen könnte.
00:45:52Und das hier ist dieses wunderbare Titelbild, das er für »Tod auf dem Nil« gestaltet hat und das dann der
00:46:00Umschlag für die erste Ausgabe wurde.
00:46:07Und für ein paar andere Bücher. »Verabredung mit dem Tod« oder »Mord in Mesopotamien«.
00:46:16Und er war nicht nur ein begabter Künstler, sondern meiner Großmutter hat es besonders gut gefallen,
00:46:22dass man auf diesem Bild etwas erkennen kann, wenn man es sich genau ansieht,
00:46:27dass man sieht, dass es um den Nil geht, weil man einen Nildampfer sieht, Palmen und auch einen Tempel und
00:46:33so weiter.
00:46:34Meine Großmutter verbrachte den Großteil ihres Lebens damit, ihre Verleger zu überreden,
00:46:39ihren Büchern Umschläge zu geben, die in irgendeiner Weise den Inhalt wiedergaben.
00:46:44Aber mit Robin McCartney hatte sie dieses Problem nicht.
00:46:55In Tel Brak gibt es, wie überall in Syrien seit 2011, keine von Ausländern geführten Ausgrabungen mehr.
00:47:02Es ist nun die Aufgabe, syrische Archäologen wie Hadnan Bari wenigstens zu versuchen, die wertvollen Städten zu schützen.
00:47:13Auf unserem Rundgang hier an der Ausgrabung Tel Brak sehen wir einige wichtige Städten.
00:47:19Den Nagrada-Hügel hier vorne.
00:47:24Und den Augentempel, über dem der Naramsin-Palast errichtet wurde.
00:47:33Für viele einheimische Familien wurde die Arbeit für ausländische Archäologen zu einer Tradition.
00:47:40Bis zum Krieg.
00:47:46Ich war Vorarbeiter hier. Ich habe hier gegraben.
00:47:53Die Archäologen hatten markierte Quadrate in den Boden gegraben.
00:48:01Einige gruben an den Fundamenten, andere suchten nach Gegenständen wie kleinen Schmuckstücken oder bunten Steinen aus der Zeit der Könige.
00:48:32Der Stein, auf dem wir stehen, ist ein Teil des Fundaments des Augentempels.
00:48:39Er wiegt etwa 20 Tonnen und wurde für Opfergaben verwendet.
00:48:49Hier wurden die vielen Augenidole gefunden, über die die ganze Welt gestaunt hat.
00:48:58Diese Idole wurden hier aufgestellt, um das Böse fernzuhalten.
00:49:15Das Gebäude, aus dem sie kamen, wird Augentempel genannt.
00:49:18Aber was es wirklich war und die genaue Datierung der Grabungsschichten ist schwierig.
00:49:23Aber es ist sicherlich ein altes Gebäude, vielleicht aus dem 4. Jahrtausend vor Christus mit all diesen Tausenden von Gegenständen.
00:49:31Ob dies wirklich für eine Gottheit war, die dem Augenlicht half, wissen wir nicht.
00:49:36Aber wir denken, dass es sich um kleine Figuren handelt, die als Votivgaben in den Tempel gebracht wurden.
00:49:44Eine solche Entdeckung ist ein großer Schatz für die Archäologie.
00:49:48Diese Ausgrabung wurde weltweit als ein großes Ereignis angesehen.
00:49:54Auch Adelheid Otto hat früher in Syrien gegraben. Sie erinnert sich gut daran.
00:50:00Syrien auf dem Land war das friedlichste und harmonischste und fast schon langweilig war es, weil es so friedlich und
00:50:09so ruhig war.
00:50:10Außer Schafen und ein paar Menschen war dort nichts los.
00:50:17Und dass das in ein Schlachtfeld verwandelt ist, das kann ich mir nicht vorstellen.
00:50:25Ich sehne mich nach den von Agatha Christie so gut beschriebenen Zeiten, als es Sicherheit gab, was das Wichtigste im
00:50:34Leben ist.
00:50:36Als die Menschen ehrlich waren, als es freundschaftliche Beziehungen gab, als Syrien als eine der wichtigsten Zivilisationen galt.
00:50:46Es treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man an diese Zeiten zurückdenkt.
00:50:57Die Bedingungen waren in den 80er und 90er Jahren und 2000er Jahren nicht so unterschiedlich wie das, was Agatha Christie
00:51:07vor dem Zweiten Weltkrieg dort erlebt hat.
00:51:09Also es ist immer noch so, dieses unglaublich einfache Leben, was man da hat und wirklich entbehrungsreich.
00:51:17Aber sie hat das genossen, weil sie diese Andersartigkeit der Menschen dort ja auch fasziniert hat.
00:51:26Und genau diese Extremen, das ist eigentlich, was einen dazu bringt, immer wieder in diese Länder zur Fahndung auszugraben.
00:51:39Es ist jetzt eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. Die Trillerpfeife erklingt. Alle schreien Fidos, Fidos, werfen ihre Körbe in die
00:51:48Luft, fangen sie wieder auf und rennen rufend und lachend den Hang hinab.
00:51:52Wieder ist ein Arbeitstag zu Ende. Die Männer aus den drei bis fünf Kilometer entfernten Dörfern machen sich auf den
00:52:01Heimweg.
00:52:12Dann ist Zahltag. Max verschwindet im Auto. Am Fenster des Fahrersitzes taucht sein Gesicht auf.
00:52:21Er wirkt ein bisschen wie ein Beamter an einem Fahrkartenschalter. Max öffnet eine riesige Kladde und der Spass beginnt.
00:52:30Aufgerufen tritt ein Team nach dem anderen vor und erhält seinen Lohn.
00:52:35Mit ungeheuren Rechenkunststücken haben wir in der vergangenen Nacht bis zum Morgengrauen das tägliche Backschisch eines jeden Arbeiters nachgeprüft und
00:52:44zu seinem übrigen Lohn addiert.
00:52:49Scherze und Sticheleien schwirren durch die Luft, denn alle, auch die vom Glück nicht Begünstigten, sind fröhlich.
00:52:56Endlich sind nach zwei Stunden alle Löhne ausgezahlt.
00:53:00Freundlich grüssen, verabschieden sie sich.
00:53:03An diesem Abend heilt unser Hof von Tanz und Gesang wieder.
00:53:16Alle ihre Filme haben eine fast biblische Qualität, weil sich das Leben so wenig verändert hat.
00:53:22Aber es ist alles zutiefst mitfühlend. Es hat ganz und gar, es hat nichts Herablassendes an sich.
00:53:28Sie begegnete ihnen auf Augenhöhe.
00:53:32Und sie liebte das Leben dort. Und das lag nicht nur daran, dass sie dort anonym war.
00:53:37Sie war die Frau des Expeditionsleiters. Ich denke, sie hat dort wirklich Frieden und Trost gefunden.
00:53:45Ich lasse die Arbeiter hinter mir und setze mich auf der anderen Seite des Hügels, mitten in die Blumen, dem
00:53:52Blick auf die blaue Hügelkette im Norden.
00:53:55Eine Schar Frauen kommt aus der Ferne auf mich zu. Die bunten Farben weisen sie als Kurdinnen aus.
00:54:03Sie steuern schnurstracks auf mich zu. Kurdinnen sind heiter und hübsch und in bunte Farben verliebt.
00:54:13Sie gehen sehr aufrecht. Und da sie sich bei ihrer Größe leicht zurücklehnen, wirken sie stets stolz.
00:54:26Ich habe auch selbst gegraben. In Syrien und im Ausland, im Libanon und anderswo.
00:54:33Seit dem Beginn des Krieges in Syrien im Jahr 2011 gab es keine archäologischen Expeditionen mehr.
00:54:40Zu dieser Zeit sind viele Menschen weggegangen und haben Syrien verlassen.
00:54:47Aber ich wusste, dass ich bleiben musste, um meine Aufgabe als Archäologe in dieser kulturell sehr reichen Region mit ihren
00:54:54vielen Kulturschätzen zu erfüllen.
00:55:02Hier haben wir alles gelagert, was wir in den Häusern der archäologischen Expeditionen gefunden haben, um es zu schützen.
00:55:10Wir machen das seit Beginn des Krieges. Aus den Expeditionshäusern in Chagabazar, El Mavkat, Aleppo, von überall her.
00:55:17Wir lagern es hier. Das ist unser kulturelles Erbe.
00:55:34Als Max Mellowen und Agatha Christie in Chagabazar waren, beschäftigten sie sich hauptsächlich mit der Halaf-Periode, weil dies die
00:55:43wichtigste Periode dort war.
00:55:49Zumindest im Moment scheinen die wertvollen Funde sicher zu sein. Agathas Reisen führten sie auch nach Palmyra.
00:56:01Gestern reisten wir noch innerhalb der Zivilisation. Heute verlassen wir sie jäh.
00:56:10Nach ein, zwei Stunden ist kein grünes Helmchen mehr zu sehen. Nur braune, sandige Wüste um uns her.
00:56:25Nur selten begegnen wir einem Lastwagen, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht.
00:56:32Es ist heiss. Die Hitze, die holprigen Wege, die ausgeleierte Federung des Taxis.
00:56:41Dazu der Staub, der sich im Hals und auch auf dem Gesicht festsetzt, bis es sich hart und steif anfühlt.
00:56:51Die ungeheure Einöde ohne jede Vegetation ist schrecklich und zugleich faszinierend.
00:57:01Und dann, nach sieben Stunden eintöniger Glut und Einsamkeit, Palmyra.
00:57:16Wie zauberhaft ist Palmyra, wenn es in seiner zarten, milchigen Schönheit sich wie ein Gebilde unserer Fantasie aus dem heissen
00:57:25Sand erhebt.
00:57:26Es ist lieblich und unwirklich und märchenhaft.
00:57:35Der unbegreifliche Traum auf einer Bühne mit Höfen, Tempeln.
00:58:01Palmyra heute. Ein Synonym für den Terror des IS.
00:58:05Der IS sprengte im Jahr 2015 Teile der antiken Stadt. Der zentrale Baal-Tempel wurde zerstört.
00:58:14Der leitende Archäologe Khaled al-Assad wurde auf dem Hauptplatz enthauptet.
00:58:21Dr. Khalil al-Khariri war der Direktor des Museums in Palmyra.
00:58:30Der Schmerz, den ich empfinde, wenn ich nach Palmyra zurückkehre, überwiegt bei weitem die Freude, nach Hause zu kommen.
00:58:40Wenn ich über das Gelände laufe, schnürt es mir die Kehle zu.
00:58:47Vom mächtigen Baal-Tempel steht nur noch das Eingangstor.
00:59:13Viele Menschen wurden hier in diesem Theater ermordet.
00:59:16Der IS hat diesen Ort des Feierns, der Erholung und der Freude in einen Ort der Trauer verwandelt.
00:59:24Hier ermordeten sie Mitglieder der syrischen Armee.
00:59:28Die Hinrichtungen wurden von Kindern durchgeführt, nicht von Erwachsenen.
00:59:33Den Kindern wurde befohlen, sich hinter eine Person zu stellen, sie zu erschießen, zu töten.
00:59:53Khalil al-Assad war der Initiator für die architektonische Wiederauferstehung der antiken Stadt Palmyra.
01:00:00Natürlich kannte ich Khalil al-Assad schon, als ich noch ein Kind war.
01:00:03Er baute eine Mauer um dieses Theater und machte sie höher, für möglichst viele Zuschauer.
01:00:09Er hat es fast so wiederhergestellt, wie es früher einmal war.
01:00:13Seine Rolle war bedeutend.
01:00:15Ich sage Ihnen, er war eine der Säulen, eine der Gründungssäulen von Palmyra.
01:00:20Er hat den Steinen von Palmyra seinen Stempel aufgedrückt.
01:00:24Khalil al-Assad war diese Art von Mann, einer von den vielen, die wir verloren haben.
01:00:29Ich habe eine reiche Quelle verloren, aus der ich Kraft schöpfen konnte.
01:00:34Ich habe einen Vater verloren.
01:00:47Das Museum in Palmyra.
01:00:50Der blinde Hass des IS hat es in eine Ruine verwandelt.
01:00:57Ich kann Ihnen sagen, dass es in diesem Museum keinen Saal, keine Decke und keinen Gang gibt, der nicht in
01:01:04Mitleidenschaft gezogen wurde.
01:01:06Wenn etwas nicht von der einen Bombe getroffen wurde, wurde es von der nächsten Bombe getroffen.
01:01:17Dies ist ein Grabmal. Aus dem Gräberfeld von Malko.
01:01:23Sehen Sie, wie der IS es zerstört hat. Die verstümmelten Gesichter. Jedes einzelne.
01:01:30Jedes Mal, wenn Sie ein Gesicht sehen, zerstören Sie es.
01:01:34Sie haben nichts übrig gelassen. Auch diese Frau völlig zerstört.
01:01:43Nachdem Palmyra von der syrischen Armee vom IS befreit worden war, bildeten wir eine Arbeitsgruppe, um zu überprüfen, welche Objekte
01:01:52sich noch im Museum befanden, welche zerstört und welche gestohlen worden waren.
01:01:58Als wir hier ankamen, war ich vor dem Betreten des Museums fassungslos über das, was ich sah.
01:02:05Bevor ich das Museum betrat, setzte ich mich an den Museumseingang, an die Museumstreppe und weinte einfach.
01:02:13Und mit jeder Stufe weinte ich mehr.
01:02:16Ich hatte mit diesem Museum gelebt. Ich habe mehr Zeit im Museum verbracht als in meinem Haus.
01:02:23Es ist wie ein Teil von mir. Es ist wie eines meiner Kinder.
01:02:27Jedes Statue und jedes Stück ist wie ein Teil meines Zuhauses.
01:02:33Deshalb bitten wir als Palmyra-Museum und ganz allgemein alle Menschen in der Welt, zur Renovierung dieser Stücke und des
01:02:41Museums beizutragen.
01:02:43Denn das Museum und seine Altertümer gehören der ganzen Welt.
01:02:59Die friedliche Zeit der Ausgrabungen und Reisen in Syrien und dem gesamten Nahen Osten ging für Max und Agatha mit
01:03:06dem Beginn des Zweiten Weltkriegs zu Ende.
01:03:13Wegen seiner Kenntnisse der arabischen Sprache und des Nahen Ostens wurde Max eine Stelle bei der Royal Air Force in
01:03:19Nordafrika angeboten.
01:03:23Agatha blieb in London. Sie arbeitete in der Apotheke des University College Hospital.
01:03:29Sie schrieb Kriminalromane. Aber auch, um sich an glücklichere Zeiten zu erinnern,
01:03:33Come tell me how you live. Ihr sehr persönlicher Bericht über das Leben bei den Ausgrabungen mit Max.
01:03:40Also ich finde es eine wunderbare Autobiografie, die eben so ein Leben auf einer Grabung schildert als Insider, der aber
01:03:51einen Blick von aussen hat.
01:03:53Also wenn ein Archäologe dieses Buch schreiben würde, dann wäre das garantiert nicht so humorvoll und nicht so leicht geschrieben.
01:04:01Ich kann Ihnen meine Lieblingsstelle vorlesen.
01:04:05Ja, bitte.
01:04:07Sie ist ganz einfach zu finden. Es ist ganz am Schluss.
01:04:20Ich glaube, ich brauche meine Brille dafür.
01:04:33Darin heißt es, und ich glaube, der Grund, warum ich diese Passage besonders liebe, ist, dass sie in wenigen Worten
01:04:40zusammenfasst, was Nima über Syrien dachte.
01:04:44Ich liebe dieses sanfte, fruchtbare Land und seine einfachen Bewohner, die zu lachen verstehen und das Leben genießen können, die
01:04:53mit Fröhlichkeit faul sind, Würde, Stil und gewaltig viel Humor besitzen und die den Tod nicht fürchten.
01:05:03Inschallah, ich werde wiederkommen. Und was ich liebe, wird nicht untergehen auf dieser Erde.
01:05:11Das Traurige daran ist, dass diese Dinge in vielerlei Hinsicht untergegangen sind. Und wie aufgebracht wären meine Großeltern, wenn sie
01:05:18das wüssten.
01:05:20Nach dem Krieg verlegte Max seinen Schwerpunkt auf Ausgrabungen im Irak.
01:05:25Bagdad und die British School of Archaeology wurden zu einem häufigen Zwischenstopp auf dem Weg zu Ausgrabungen in Nimrud bei
01:05:32Mossul.
01:05:34Die Welt hatte sich verändert.
01:05:37Also die 30er Jahre Ausgrabungen waren natürlich viel kleiner.
01:05:40Also er hat in einem kleinsten Team, einem kleinstmöglichen Team gearbeitet.
01:05:46Und dann, Nimrud war ganz gross. Also das war richtig institutionell.
01:05:51Also da konnte er machen, weil er Professor war in London, weil er British School of Iraq und so weiter
01:05:58im Hintergrund hatte.
01:05:59Und also da war das Team gross und richtig professionell.
01:06:07Die Fotos, die Agatha vom Gebäude der British School of Archaeology am Ufer des Tigris und von ihrem Zimmer gemacht
01:06:14hat,
01:06:14zeigen, wie verbunden sie und Max diesem Ort waren.
01:06:23Er kehrte 1949 in den Irak zurück und begann mit den Ausgrabungen in Nimrud, die bis 1963 andauerten.
01:06:36Und er war während dieser ganzen Zeit offiziell der Leiter der Ausgrabungen in Nimrud und der British School of Archaeology
01:06:44im Irak.
01:06:591962 war ich als Student am British Institute in Bagdad.
01:07:03Der britischen Schule für Archäologie.
01:07:06Und Max und Agatha kamen als Gäste der irakischen Regierung.
01:07:13Der Ort, an dem sie wohnten, war natürlich die britische Schule.
01:07:16Ein Haus mit Blick auf den Tigris.
01:07:19Ein altes, osmanisches Haus.
01:07:21Und sie blieben dort mit mir und zwei oder drei anderen Studenten, zwei oder drei Wochen lang.
01:07:28So lernte ich sie kennen.
01:07:30Max war immer sehr lebhaft und Agatha war eher ruhig und man könnte fast sagen schüchtern.
01:07:36Aber man hatte den Eindruck, dass sie immer sehr genau beobachtete, was vor sich ging.
01:07:41Und sie stellte immer sehr scharfsinnige Fragen zu dieser oder jener Sache.
01:07:47Sie hat keine Unterhaltungen angefangen.
01:07:50Uns wurde immer gesagt, dass es verboten sei, ihre Romane zu erwähnen, weil es ein Thema war, von dem sie
01:07:56einfach genug hatte.
01:07:58Also habe ich nie mit ihr darüber gesprochen.
01:08:09Es besteht kein Zweifel daran, dass sie zu Anfang seine Karriere förderte und, so glaube ich, eine Stiftung einrichtete,
01:08:17die es ihm ermöglichte, Professor an der Universität London zu werden.
01:08:22Das gab ihm also eine Plattform, von der aus er die Ausgrabungen in Nimrud organisieren konnte.
01:08:28Das war nach Talbrak und Chagabasa und sie hatte zweifellos großes Interesse an seiner Arbeit.
01:08:38Sie scheint sogar in gewisser Weise das Wichtigste in beider Leben geworden zu sein und nicht nur das Schreiben von
01:08:44Romanen.
01:08:47Sie war also eine enorme Stütze, daran besteht kein Zweifel, in moralischer und finanzieller Hinsicht, ganz klar.
01:08:59Max und Agatha hatten Nimrud in der Nähe von Mosul zum ersten Mal in den Jahren 1931 und 1932 besucht,
01:09:07als Max mit Campbell Thompson in Nineveh grub.
01:09:10Max, der sich nie von der Größe einer Aufgabe einschüchtern ließ, beschloss in Nimrud, dieser sagenumwobenen Stadt,
01:09:17Ausgrabungen durchzuführen und damit die Arbeit des großen Archäologen Layard fortzusetzen.
01:09:27Wir befinden uns auf dem Hügel, auf dem einst die assyrischen Paläste standen.
01:09:35In Nimrud, das früher auch Kalach oder Kachoch genannt wurde.
01:09:48Austin Henry Layard hat ja Mitte des 19. Jahrhunderts, als er diese riesigen reliefierten Steinplatten
01:09:56und auch diese riesigen Lamassu-Konosse ins British Museum geschafft hat,
01:10:02so eine Orientbegeisterung erst ausgelöst.
01:10:06Und Max Mallowen kommt jetzt her und gräbt nicht nur weiter in diesen Palästen,
01:10:13sondern erforscht auf viel modernere Weise durch diesen Tiefschnitt.
01:10:19Aber zum Beispiel auch, dass er Häuser ausgegraben hat, Wohnhäuser.
01:10:23Oder dass er sich eben für die weniger spektakulären Dinge, die aber wissenschaftlich einfach total interessant sind, interessiert hat.
01:10:33Also er wollte wirklich nicht nur spektakuläre Funde für die Museen, er wollte wirklich das Leben von damals erkunden.
01:10:45Was war das doch damals für ein herrliches Fleckchen Erde?
01:10:49Der Tigris war nur eine Meile weit weg und auf dem gewaltigen Grabhügel der Akropolis ragten grosse assyrische Steinköpfe aus
01:10:58dem Boden.
01:11:00An einer Seite war der mächtige Flügel eines Erdgeistes zu sehen.
01:11:05Es war eine hinreißend schöne Landschaft, friedlich, romantisch und von der Vergangenheit durchtränkt.
01:11:17In Nimrud war sie sehr beliebt. Sie liebte die Iraker, sie liebte die Landschaft, die Blumen.
01:11:23Man muss nur Come Tell Me How You Live lesen, um zu wissen, was sie über den Nahen Osten dachte.
01:11:30Nimrud ist genau wie Ur sind das mit die Fundorte, die Grundlagen legen für das gesamte Wissen.
01:11:40Also wenn sie sich mit neuasyrischer Zeit befassen, also mit der Zeit von etwa 900 bis 700 vor Christus oder
01:11:47600 vor Christus,
01:11:48dann müssen sie unbedingt diese Stadt kennen.
01:11:55Kurz gesagt ist dieser Ort einfach das Größte, was die Menschheitsgeschichte zu bieten hat.
01:12:08Der IS hat 99,9 Prozent der Kulturstätten hier zerstört.
01:12:14Die ISIS-Terrorbande hat den Palast von Assur Nasirpal II. völlig zerstört.
01:12:20Sie zerstörten 70 Prozent der Zikorat, sprengten den Eingang des Nabu-Tempels und rissen die Mauern ein,
01:12:29zerstörten den Ishtar-Tempel und plünderten darüber hinaus alles, was sich hier befand.
01:12:40Diesen Palast, der jetzt mit viel Mühe dort in Nimrud ja wieder aufgebaut und restauriert wurde und auch für Touristen
01:12:48zugänglich gemacht wurde,
01:12:50den erst auszublündern und dann publikumswirksam in die Luft zu sprengen vor laufenden Kameras,
01:12:58das ist schon ein sehr gezielter Schlag gegen allgemeines kulturelles Erbe.
01:13:11Glauben Sie mir, ich habe geweint, als ich die Videos von der Zerstörung sah.
01:13:17Überall, besonders hier in Nimrud. Es war, als hätte ich mein Zuhause verloren.
01:13:22Ich weinte, weil ich hier seit über drei Jahren Ausgrabungen durchgeführt hatte.
01:13:43Hinter mir stand das Haus, in dem Agatha Christie lebte.
01:13:49Agatha Christie und Max Mallowan fanden den Eingang zu dem Hügel, auf dem wir stehen,
01:13:55der sich vor dem Nabu-Tempel, unter dem Hügel befindet.
01:14:06Nimrud ist der heutige Name des alten Kolach, der militärischen Hauptstadt der alten Assyrer.
01:14:12Wir waren sehr stolz auf unser Haus. Wir haben in Zelten geschlafen.
01:14:18Ein oder zwei Jahre später haben wir an das Haus angebaut.
01:14:21Ein kleines Büro mit einem Fenster nach draussen, durch das wir die Männer am Zahltag bezahlen konnten.
01:14:28Dahinter war das übliche Hundeloch, in dem die arme Fotografin entwickeln und neue Platten in die Kamera laden musste.
01:14:39Wir werden dieses legendäre Haus wieder aufbauen.
01:14:43Es hat einen starken emotionalen Wert für uns.
01:14:47Heute ist es ein historisches Denkmal.
01:14:49Es ist ein historischer.
01:14:50He is second, and he is the management of the Salopah here.
01:15:31Now lives in Nimrud.
01:15:33With our Planeuropen have we the city deep Narben slain.
01:15:38The holes are filled with the earth again.
01:15:42A day will the wounds be healed, and there will be the Frühlingsblumens friessen.
01:15:48Hier stand einst Kalach, die grosse Stadt
01:15:52Dann schlief Kalach
01:15:55Layat kam und störte seinen Frieden
01:15:59Und wieder schlief Kalach, Nimrud
01:16:04Es kamen Max Mallowan und seine Frau
01:16:07Und wieder schläft Kalach
01:16:10Wer wird als nächster hier die Ruhe stören?
01:16:15Wir wissen es nicht
01:16:26Die Elfenbeinschnitzereien, die Max in Nimrud ausgegraben hat
01:16:29Gehören zu den schönsten Objekten, die jemals dort gefunden wurden
01:16:35Alle hat Agatha liebevoll fotografiert
01:16:38Heute befinden sich viele von ihnen im britischen Museum
01:16:46Es zeigt diese Löwen, die diesem Nubier in den Hals beißt
01:16:54Eine sehr grausame Szene
01:16:59Aber auch unglaublich schön
01:17:01Das ist einfach ein umwerfendes Stück
01:17:04Ich muss sagen, dass es für mich persönlich sehr aufregend ist, es hier zu halten
01:17:07Ich habe es vorher noch nie in meinen Händen gehabt
01:17:10Dieses Stück ist so berühmt, dass wir den ganzen Tag damit verbringen könnten, nur über dieses Artefakt und seine Auswirkungen
01:17:16zu sprechen
01:17:18Als sie sie fanden, waren all diese Objekte, all diese Funde voll Schlamm und sehr, sehr schmutzig
01:17:26Und es war die Aufgabe von Agatha Christie, diese zu reinigen
01:17:33Und da sie während des Zweiten Weltkriegs in einer Apotheke gearbeitet hatte, kannte sie sich ein wenig mit Materialien aus
01:17:40Und so reinigte sie die Funde mit ihrer Gesichtscreme
01:17:46Ihre Geschichte, wie Agatha die Elfenbeinschnitzereien mit ihrer Gesichtscreme konservierte, ist wahr
01:17:53Und vielleicht war das für die damalige Zeit das Beste, was man tun konnte
01:17:57Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht, aber sie macht uns deutlich, wie wertvoll diese Objekte sind
01:18:03Dass sie mehr als ein Echo aus unserer tiefen Vergangenheit sind
01:18:06Und wie wichtig es für uns ist, sie zu bewahren und der Welt zugänglich zu machen, damit sie diese sehen
01:18:12und verstehen können
01:18:17Vor dem Krieg hatte Agatha Greenway in Devon gekauft
01:18:21Nach dem Krieg verbrachten sie und Max ihre Sommer hier
01:18:25Ihre alten Gewohnheit folgend, sich für ihre Bücher vom wirklichen Leben inspirieren zu lassen
01:18:30Nutzt sie es in Deadman's Folly als Schauplatz eines Mordes
01:18:34Die Realität war friedlicher
01:18:39Ein Sommertag in Greenway
01:18:41Es gab sehr altmodische House-Partys
01:18:44Und die Gäste wurden königlich bewirtet
01:18:50Ich meine, sie bekamen um 8 Uhr Tee im Bett in ihrem Schlafzimmer
01:18:55Man konnte sogar die Schuhe vor dem Schlafzimmer stehen und sie putzen lassen
01:19:00Und morgens gab es ein gekochtes Frühstück
01:19:03Sie wissen schon, Eier und Speck, gekochte Eier, Würstchen
01:19:06Das variierte von Tag zu Tag
01:19:08Alle Gäste konnten mehr oder weniger tun, was sie wollten
01:19:11Aber Onkel Max hat morgens immer irgendeine Arbeit gemacht
01:19:15Meistens Korrespondenz
01:19:17Agatha tat dasselbe, kümmerte sich um Rechnungen
01:19:27Agathas Koffer
01:19:28Eine Erinnerung von vielen an ihre Reisen, die man hier findet
01:19:43Eine Perlmuttkommode, die Agatha im Bazar von Damaskus gekauft hat
01:19:47Und unter großen Schwierigkeiten nach England bringen ließ
01:20:12Sie war eine sehr einfallsreiche Person und ich glaube, sie war auch künstlerisch veranlagt
01:20:19In Greenway spielte sie immer für sich selbst Klavier und hat auch für sich selbst gesungen
01:20:24Ich glaube, sie wollte irgendwann einmal sogar Opernsängerin werden
01:20:27Aber ich weiß nicht, ob es ihr an Talent fehlte oder ob es ihr irgendjemand ausgeredet hat
01:20:33Aber auf jeden Fall hat sie immer gerne für sich gespielt und gesungen
01:20:41Wer auch immer sie war und wie berühmt sie auch sein mochte
01:20:45Es war ihr sehr wichtig, mir eine gute Großmutter zu sein
01:20:48Und sie nahm sich immer Zeit herauszufinden, was mir Spass machen könnte
01:20:53Und versuchte zu fördern und sicherzustellen, dass ich Zugang zu Dingen hatte
01:20:58Die mir noch mehr über das beibringen würden, was mir wirklich Spass machte
01:21:02Ich denke, Musik ist das beste Beispiel dafür
01:21:05Alles, was ich heute über Musik weiß, hat wahrscheinlich mit ihr angefangen
01:21:31Es war immer ein glücklicher Ort
01:21:33Ich meine, es war ein Ferienhaus, man ging dorthin, um sich zu erholen, um sich zu entspannen
01:21:40Und deshalb liebte Agatha es so sehr
01:21:43Man muss sich einfach entspannen, wenn man in Greenway herumläuft
01:21:56Wir verbrachten acht Wochen im Sommer in Greenway
01:21:59Und das waren sozusagen meine kompletten Schulferien
01:22:02Und ich habe es genossen
01:22:19Und wenn ich dort ankam, wollte ich eigentlich den ganzen Tag nur mit Cricket-Spielen verbringen
01:22:24Einem dummen englischen Spiel mit einem harten Ball und einem Schläger
01:22:50Es ist bestimmt wahr, dass sie eine bessere Zuhörerin war als eine Rednerin
01:22:54Ich habe meinen Kindern und Enkelkindern immer gesagt, dass sie die beste Zuhörerin war, die ich je traf
01:23:01Es war vielleicht die größte Lektion, die ich von ihr gelernt habe, dass es manchmal tatsächlich besser funktioniert, wenn man
01:23:07zuhört, was die Leute einem sagen, anstatt einfach weiterzureden
01:23:16Oskar Kokoschkas Porträt von Agatha Christie
01:23:20Er malte sie 1969, als sie beide fast 80 Jahre alt waren
01:23:26Oder er war vielleicht knapp über 80 und sie noch nicht ganz 80
01:23:30Und das war das Ergebnis
01:23:31Das Auffälligste daran ist, wie ihre rechte Hand auf der Armlehne ruht
01:23:37Der Armlehne des Stuhls
01:23:39Und als sie lebte, hatte sie diese für sie sehr typische Geste
01:23:49Auf den Stuhl zu klopfen
01:23:52Aber was ich mir immer ansehe, wenn ich in meinem Stuhl sitze, der dort drüben steht, sind ihre Augen
01:23:58Denn sie zeigen das Interesse an der Welt, die Lebendigkeit, die Fantasie und die Intelligenz, die ich von ihr in
01:24:06Erinnerung habe
01:24:12Hat Agatha ihr eigenes Porträt gefallen?
01:24:16Am Anfang hatte sie, glaube ich, ein bisschen Angst davor
01:24:19Ich denke, mit Porträts ist das so eine Sache
01:24:22Und das habe ich gelernt, als dieses Bild entstand
01:24:25Dass nämlich alles daran so ist wie die Person, aber eben noch mehr als normal
01:24:30Ich erinnere mich daran, wie ich eines Abends neben ihr beim Abendessen saß und sie sich das Bild ansah, das
01:24:36am anderen Ende des Zimmers hing
01:24:38Und sie sah Max an und sagte
01:24:40Weißt du, ich glaube wirklich, dass mir das ziemlich ähnlich ist
01:24:53Das letzte Mal sah ich ihn im britischen Museum
01:24:56Wir waren in irgendeinem Büro gewesen und er sagte
01:25:00Julian, bringst du mich bitte zu meinem Auto
01:25:03Und wir gingen durch das Museum und er blieb vor einer Elfenbeinschnitzerei stehen
01:25:08Einem seiner besten Fundstücke
01:25:10Er stand eine halbe Minute lang da und schaute es sich an
01:25:14Ja, er hat es geradezu mit den Augen verschlungen
01:25:17Ich hatte das Gefühl, dass er sich von diesem Stück verabschiedete
01:25:21Und diese besondere Entdeckung noch einmal feierte
01:25:32Ich glaube nicht, dass es möglich ist, sich die Trauer und die Wut vorzustellen
01:25:37Die meine Großeltern angesichts der aktuellen Situation in Syrien und im Irak empfinden würden
01:25:49Ich glaube, was die meisten Menschen nicht verstehen, ist, dass es für Max oder Nima nie darum ging, in diesen
01:25:56Teil der Welt zu fahren
01:25:57Ein paar schöne Keramik- oder Elfenbeinstücke auszugraben, heimzukommen, das Ganze auf die Titelseite der Illustrated London News zu bringen
01:26:05Und damit Erfolg zu haben
01:26:07Das war nur ein Aspekt
01:26:16Ich denke, dass die beiden wirklich eine Beziehung zu allen Menschen hatten, mit denen sie in diesen Ländern zusammenarbeiteten
01:26:22Und es war ein Gefühl echter Liebe zwischen ihnen und den Einheimischen in Syrien und im Irak
01:26:28Den Menschen, die sich um sie kümmerten und denen, die die Ausgrabungen durchführten
01:26:33Und all den anderen Menschen, mit denen sie zu tun hatten, bis hin zum König des Irak selbst
01:26:49Nach vier Jahren Krieg merke ich, wie meine Gedanken sich mehr und mehr jenen Tagen in Syrien zuwanden
01:26:57Denn es tut gut, sich an jene Tage, an jene Gegend zu erinnern
01:27:04Es tut gut, sich zu erinnern, dass in diesem Augenblick mein Hügelchen mit blühenden Ringeblumen bedeckt ist
01:27:13Und weissbärtige Greise, die mühsam hinter ihrem kleinen Esel herziehen, von einem Krieg nichts wissen
01:27:21Das berührt uns hier nicht
01:27:25Denn nach vier Kriegsjahren in London, weiss ich, wie unsäglich schön das Leben dort gewesen ist
01:27:33Welch ein Glück, welch eine Ermutigung, diese Tage als Gegenwart heraufzubeschwören
01:27:39Die Niederschrift dieses einfachen Berichtes war für mich keine Pflicht
01:27:44Sondern ein Werk der Liebe
01:27:46Ich wollte nicht in die Vergangenheit flüchten
01:27:49Sondern in die Mühsal und das Leid von heute etwas Unzerstörbares einbringen
01:27:55Das wir nicht nur besassen, sondern noch immer besitzen
01:28:01Ich liebe dieses sanfte, fruchtbare Land und seine einfachen Bewohner
01:28:06Die zu lachen verstehen und das Leben geniessen können
01:28:09Die mit Fröhlichkeit faul sind
01:28:12Würde, Stil
01:28:15Und gewaltig viel Humor besitzen
01:28:18Die den Tod nicht fürchten
01:28:22Inschallah, ich werde wiederkommen
01:28:25Und was ich liebe, wird nicht untergehen auf dieser Erde
01:28:29Und was ich liebe, wird nicht untergehen auf dieser Erde
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