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  • vor 2 Tagen
Eine Creepypasta mit dem Titel "Der Junge im Schrank", erzählt von Schattenlilly.

An einem verschneiten Weihnachtsabend versteckt sich Emil aus Trotz im Kleiderschrank und bleibt dort länger als je zuvor. Sein Bruder versucht verzweifelt, ihn herauszulocken. Er klopft, redet und bringt sogar Emils Lieblingsessen vorbei. Doch niemand antwortet. Stattdessen breitet sich eine seltsame Stille aus und unheimliche Gerüche erfüllen das Haus.

Nachzulesen unter:
https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Der_Junge_im_Schrank
von Mr.Zaru

Diese Geschichte ist frei erfunden.

Kategorie

😹
Spaß
Transkript
00:03Der Junge im Schrank
00:30Komm endlich aus dem Schrank, sagte ich mit matter Stimme, das Teil lässt sich bestimmt wieder reparieren. Als älterer Bruder,
00:38der zumindest die Reife eines Teenagers besaß, wusste ich, dass das, was ich sagte, Blödsinn war. Das Teil war hinüber,
00:46wie meiner spartes Taschengeld für die nächste Zeit.
00:49Zu meiner Verteidigung, ich hatte ihm die Konsole deshalb entrissen, da er nicht teilen wollte. Dabei zerbrach sie schneller, als
00:57ich erwartet hatte. Später an diesem Abend war es bereits dunkel. Über der verschneiten Stadt hing der Nebel wie ein
01:05Vorhang. Kälte drang durch das Fenster, also schloss ich es. Und wie ich meinen Bruder kannte, würde er in Kürze
01:12wieder aus dem Schrank steigen.
01:14Was dieses Mal jedoch nicht passierte. 19.18 Uhr. So lange war er noch nie da drin, was mich ein
01:22wenig verwunderte. Andererseits war Sturheit nichts Neues bei ihm. Ich klopfte ein paar Mal an die Schranktür. Nichts passierte.
01:32Weißt du noch, wie du einmal in einem Karton eingepennt bist? sagte ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Dabei
01:39stieg ein erdiger Geruch auf. Vielleicht wegen der frischen Luft oder einfach nur wegen meiner laufenden Nase. Ich klopfte vier
01:47weitere Male.
01:49Bleibst du da echt die ganze Nacht hocken? fragte ich. Hallo? Jemand da? Nach einem letzten Klopfen gab ich schließlich
01:58auf. Ich wollte nicht den restlichen Abend damit verbringen, den Kleiderschrank anzustarren.
02:04Soll er doch drin versauern? dachte ich. Ich fröstelte plötzlich, ohne zu wissen warum, als ich noch einmal kurz hinter
02:12mich blickte, bevor ich mich zum Gehen bewegte. Das Fenster war zu.
02:17Ich begab mich in die Küche. Der geöffnete Kühlschrank füllte mein Gesicht in ein kaltes Licht, als ich zum Tiramisu
02:24des Vortages griff. In der Auflaufform sah es inzwischen wie von übergroßen Ratten angefressen aus. Es schmeckte aber noch.
02:33Wie immer grüßte mich das Krümelmonster, als ich den Kühlschrank wieder schloss. Ich setzte mich auf das Sofa. Dabei sinnierte
02:41ich über das merkwürdige Verhalten meines Bruders. Was tat er so lange im Schrank?
02:46Im Dunkeln sitzen und Däumchen drehen? War das wirklich seine Art, um Stress abzubauen? Um mich abzulenken, schaltete ich den
02:55Fernseher an. Galileo. Der tausendste Dönerbeitrag. Ich wechselte das Programm. Eine Sendung über Weihnachtsmärkte. Irgendwann dürstete es mich nach einer
03:06Milch. Wieder das blaue Monster. Unverändert grinsen.
03:11Der Gedanke an Emi ließ mir keine Ruhe, als erneut ein Hauch von Erde aufzog. Ein Geruch, der hier nicht
03:18hingehörte. Fremd. Eigenartig.
03:21Ich kontrollierte die Fenster. Alle geschlossen. Alle Jalousien abgesackten. Das irritierte mich mehr, als ich zugeben wollte. Ich ging wieder
03:32nach oben, zum Kleiderschrank.
03:33Sag mal, riechst du das auch? Fragte ich. Keine Antwort. Ich klopfte. Dieses Mal klang das Holz dumpfer. Etwas anders.
03:45Fast erstickt.
03:47Ich klopfte etwas stärker. Kannst du mich hören? Fragte ich. Ein Satz, der an diesem Abend unzählige Male folgen würde.
03:56Bedenkst du, dort für immer zu bleiben? Keine Antwort.
04:00Da er immer noch die beleidigte Leberwurst spielte, überlegte ich, wie ich ihn herauslocken konnte. Mir kam eine Idee. Also
04:09wieder nach unten. Nochmals am Krümelmonster vorbei.
04:13Worauf ich es abgesehen hatte, befand sich unter einer Halufolie. Auch das war noch vom Vortag übrig.
04:20Nimm ins Lieblingsessen. Kinebohnenlasagne. Dazu konnte er sicherlich nicht Nein sagen.
04:27Ich habe eine Überraschung für dich. Sie wird dir gefallen, rief ich.
04:33Mehr oder weniger kam mir die Stille aus dem Zimmer zu dicht vor. Bestimmt nur meine Nerven.
04:38Ich erwärmte die Lasagne in der Mikrowelle, kehrte zurück und stellte den dampfenden Teller vor den Schrank, als wollte ich
04:46einen Geist besänftigen.
04:48Zuversichtlich klopfte ich.
04:50Hey, ich habe hier dein Lieblingsessen.
04:53Keine Reaktion.
04:54Das Klopfen klang dumpfer, als würde etwas hinter der Tür nachgeben, und es erfolgte erneut dieser unbestimmte Erdgeruch, stärker als
05:04zuvor.
05:05Wenn du aufgegessen hast, bring den Teller zum Spülen in die Küche, sagte ich, zunächst mit gefasster Stimme.
05:12Dann langsam koch mir die Stille mehr in die Ohren, als ich zugeben wollte.
05:17Bevor ich ging, und bitte, komm raus.
05:21Den weiteren Abend verbrachte ich mit dem Lesen von Memes, mit Zerro-Posts und Diskussionen auf Twitter.
05:28Dann hatte ich keine Lust mehr und legte das Handy weg.
05:31Mein Blick wanderte zur Treppe, die im Halbschatten lag, der Weg nach oben, zum Schrank.
05:37Kommst du raus? rief ich nach oben.
05:41Stille.
05:42Steinernes Schweigen erfüllte das Haus.
05:45Ich überlegte fieberhaft, was ich tun könnte, um ihn herauszulocken.
05:50Mein Blick blieb am Christbaum hängen, reichlich geschmückt mit Gelanden, Weihnachtsgugeln und Lichterketten.
05:57Vereinzelt hingen Figürchen von Nussknackern und Engeln.
06:01Auf der Spitze des Baumes glomm ein Stern, und unterhalb lagen bereits die ersten Geschenke.
06:08Mama gab sich, wie jedes Jahr, besonders viel Mühe beim Schmücken.
06:12Wenn sie mich bei meinem Vorhaben erwischen würde, gäbe es Ärger.
06:17Obwohl es eigentlich erst morgen soweit war, klemmte ich mir das Weihnachtsgeschenk für Emil unter den Arm.
06:23Ein blaues Paket mit roten Schleifen, und kehrte damit zum Schrank zurück.
06:28Die Lasagne stand noch immer unangetastet da.
06:32Der erdige Geruch war stärker geworden.
06:35Der Baum redete ich mir ein.
06:37Nein, ein billiges Plastikteil.
06:40Ein echter, frisch geschlagener Nadelbaum aus dem Wald.
06:44Vielleicht war es der Christbaum.
06:47Hoffentlich.
06:49Hörst du mich?
06:49Ich, fragte ich.
06:51Weißt du noch, das Baumhaus?
06:53Du oben, ich unten an der Leiter.
06:55Du hast so hastig gesägt, und die ganzen Späne flogen in mein Gesicht.
06:59Wir haben uns totgelacht.
07:01Ich stellte das Geschenk vor den Schrank.
07:04Es war das kleine Holzbrett, ein Überbleibsel, frisch geschliffen, mit Emils Initialen.
07:10Jedenfalls, ich hab dir ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk mitgebracht.
07:14Es hat mit der alten Geschichte zu tun, sagte ich.
07:17Vielleicht willst du doch rauskommen.
07:20Nichts.
07:21Ein Gefühl von Enge breitete sich in meiner Brust aus.
07:25Vielleicht wegen der Erinnerungen.
07:27Vielleicht wegen der Stille.
07:29Seltsam, wie klar ich die Szene mit den Sägespänen vor Augen hatte.
07:33Ich klopfte.
07:35Immer wieder.
07:36Das Klopfen schien nicht nur huller zu klingen, als lege Stoff dahinter.
07:40Ich meinte sogar, etwas Feines wie Späne auf meinem Kopf zu spüren.
07:44Ein Rieseln.
07:46Aber da war nichts.
07:48Mich beschlich ein mulmiges Gefühl.
07:50Bitte, komm einfach raus.
07:53Mehr brachte ich nicht heraus.
07:56Ich hatte fest damit gerechnet, spätestens zur Schlafenszeit, 23 Uhr, hektische Schritte
08:02und was Zerfetzen des Geschenkpapiers zu hören.
08:05Aber nichts.
08:06Nur der Abspann eines Weihnachtsfilms rang aus dem Wohnzimmer.
08:10Ich lief im Flur auf und ab, immer wieder zur Kommode schälend.
08:15Dort befanden sich das Telefon und die Notiz.
08:18Sind bis morgen bei einem Geschäftsessen.
08:20Zwischen 20 und 1 Uhr nur im Notfall anrufen.
08:24Haben euch lieb.
08:26Ich schluckte.
08:27Kannst du mich hören?
08:29Ich war wieder im Zimmer, vor dem Schrank.
08:33Willst du eine Entschuldigung?
08:34Ist es das, was du willst?
08:36Fragte ich mit wachsendem Missmut.
08:39Okay.
08:39Es tut mir leid.
08:41Bist du jetzt zufrieden?
08:42Die anhaltende Geräuschlosigkeit fühlte sich falsch an und ließ meine Vergrossenheit
08:48größer werden.
08:49Die Stille wurde zu dicht.
08:51Zu schwer.
08:53Meine Vergrossenheit schlug um in Ärger und mein Ärger schlug allmängig um in Verzweiflung.
09:00Draußen ist das Telefon, sagte ich.
09:02Wenn du jetzt nicht rauskommst, rufe ich Mama an.
09:05Ich hob die Faust und klopfte.
09:08Käthe kroch mir die Glieder hoch.
09:10Nicht von draußen, nicht vom Fenster.
09:13Der Erdberuch hing schwer in der Luft.
09:16Das Klopfen klang dumpfer als jemals zuvor.
09:20Ich atmete flach ein und ich hatte das Gefühl, mir ein paar feine Staubkörner aus dem Haar reiben
09:27zu müssen.
09:28Bitte, komm raus.
09:30Bitte.
09:32Kaum mehr als ein Stottern spuckte ich aus.
09:35Geh mir.
09:37Inzwischen war mein Arm völlig ausgelaubt, schwer wie Blei.
09:40Das Klopfen fühlte sich an, als ob man gegen Erde schlägt.
09:45Ein merkwürdiges Vibrieren.
09:48Schwindel überkam mich.
09:49Ich zitterte und ich hatte das Gefühl, etwas drückt in meine Brust zu sein.
09:54Warum war es plötzlich so eng?
09:57Warum roch ich Erde?
10:00Ihre Gedanken rasten durch meinen Verstand.
10:03Nichts ließ sich mehr sortieren.
10:06Alles zog sich zusammen.
10:08Und das nicht nur in meinem Kopf.
10:11Ich tastete nach etwas Festem, Altem.
10:15Ein stiller Widerstand.
10:16Das Holz über mir drückte wie ein Deckel.
10:20Lockere Erde rieselte von oben.
10:23Seit wann lag ich hier unten?
10:26Die eigene Hand konnte ich vor Augen nicht sehen.
10:29Eine erdrückende Enge.
10:31So stickig, dass das Atmen schwer fiel.
10:35Ich schlug.
10:36Immer wieder.
10:38Der Widerstand blieb stumm.
10:41Raus Holz war alles, wonach ich tastete.
10:44Mit jedem Trommeln, Schreien und Hämmern rieselten Erdgrümel auf mein Gesicht.
10:50Kein Emil.
10:51Kein Schrank.
10:53Kein Zuhause.
10:55Ich schrie und schlug um mich.
10:57Noch lauter, fester, aber ohne Echo.
10:59Keiner konnte mich hören im Dunkeln.
11:03Bis auf die Würmer um mich herum.
11:06Holz.
11:07Erde.
11:09Totenstille.
11:11Mein einsamer Gabstein.
11:14Lichter brannten in den Straßen hinter dem Totenacker.
11:17An einem anderen Ort würde gleich der Gänsebraten serviert.
11:23Später gäbe es die Bescherung.
11:25Heute, am Weihnachtsabend.
11:28Nachtgeist.
11:29Nachdem.
11:30Tschüss.
11:33Heute, wenn wir hier im Dunkeln haben.
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