00:03Die Zeichen verdichten sich. Sony plant anscheinend, sich mit sofortiger Wirkung
00:08aus dem PC-Gaming-Geschäft zurückzuziehen. Schon vor ein paar Wochen berichtete Bloomberg-Journalist
00:14Jason Schreier, dass dieser Strategiewechsel bevorsteht. Die Studios unter dem PlayStation-Banner
00:19haben nun zudem sämtliche Verweise auf PC-Versionen von ihren Webseiten entfernt. Schreier zufolge
00:26ist das Ende von PlayStation-Spielen auf Steam und Co. vorerst gekommen. Lediglich Multiplayer-Spiele
00:31in Sonys Portfolio wie etwa Helldivers 2 oder Marathon sollen weiterhin auch auf dem PC
00:37beheimatet sein. Große Singleplayer-Blockbuster wie die God of War-Reihe oder das kommende
00:42Marvels Wolverine, für die die Firma bekannt ist, jedoch nicht. Schon Ghost of Yotei und
00:48das bevorstehende Saras werden laut Schreier keine PC-Ports mehr bekommen. Eine erneute
00:54Ära der Exklusivspiele ist also anscheinend in greifbarer Nähe. In diesem Video wollen
00:59wir uns einmal anschauen, warum Sony diesen Schritt vollziehen sollte, was sich die Firma
01:04von der PS5-Exklusivität erwartet, wie sinnvoll dieser Spurwechsel überhaupt ist und welche
01:09Konsequenzen damit womöglich auf uns zukommen werden.
01:13Die erste Meldung, dass Sony unverzüglich aufhören will, Spiele für den PC zu veröffentlichen,
01:18ist schon von Ende Februar. Jason Schreier erwähnte den Strategiewechsel in seinem regulären
01:23Podcast TripleClick. Später bestätigte er mit einem Post auf ResetError, dass seine Aussagen
01:29keine Spekulation seien, sondern Informationen aus vertrauenswürdiger Quelle. Die volle Story
01:35sollte etwas später auf Bloomberg veröffentlicht werden. Darin legt Schreier dar, dass Sonys
01:40Pläne zwar ständig wechseln würden, die aktuelle Marschrichtung der Firma aber vorsieht,
01:45keine First-Party-Titel mehr für den PC zu veröffentlichen. Spiele von Drittunternehmen
01:50wie Kojima Productions Death Stranding 2, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht erhältlich
01:55war, seien davon nicht betroffen. Die erwarteten Top-Titel, Saras, Wolverine und der PC-Port von
02:01Ghost of Yotei hingegen schon.
02:03Die Gründe scheinen in erster Linie finanzieller Natur zu sein. Die jüngsten PC-Ports haben
02:08sich nicht so verkauft, wie Sony das gern gehabt hätte. Während PS4-Spiele wie God of War und
02:13Horizon Zero Dawn mit geschätzt 4 bis 4,5 Millionen verkauften Einheiten auf Steam noch gut abschneiden,
02:20war Sony mit den Multi-Plattform-Titeln Spider-Man 2 und God of War Ragnarok zuletzt immer weniger
02:26erfolgreich. Zwar bringt die Division Geld ein, aber längst nicht so viel, dass sich die Portierungen
02:31auf Dauer rentieren würden. Die Entscheidungsträger bei Sony haben womöglich langsam den Eindruck,
02:37dass die PC-Ports der Marke mehr schaden als nützen. PlayStation lockte in der Vergangenheit immer
02:42mit starken Exklusiv-Titeln zum Kauf ihrer aktuellen Konsole. Seit es PlayStation-Spiele auch für den PC gibt,
02:48ist der Besitz einer PS5 aber nicht mehr essentiell. Die Führungsebene sieht das Konsolengeschäft aber
02:54auch in Zukunft als den Kern der Marke, durch den Shift zurück zur Exklusivität soll dieser nicht
02:59noch weiter verwässert werden. Dass Sony im PC-Gaming-Geschäft nicht wirklich Fuß fassen
03:04konnte, ist aber auch kein unerklärliches Phänomen. Der Konzern ist zum Teil auch selbst schuld an den
03:10schwachen Verkaufszahlen. PC-Gaming ist extrem umsatzstark und wird den Konsolenmarkt nach aktuellen
03:16Hochrechnungen bis 2028 sogar überholen. Und trotzdem behandelt Sony die Zweitveröffentlichungen
03:22auf Steam schon von Anfang an viel zu stiefmütterlich. Der Release der PC-Version erfolgte
03:27immer erst deutlich später als der ursprüngliche Release auf der PS5. Der Anfangshype hätte den
03:33Verkaufszahlen sicher gut getan. Schauen wir uns zum Beispiel etwa die Verkaufszahlen von einem
03:37Multi-Plattform-Titel wie Monster Hunter Wilds an. Das Spiel von Capcom ist auf allen Systemen
03:42gleichzeitig erschienen und bietet dort von Anfang an Cross-Play sowie Cross-Progression.
03:47Und obwohl die User-Bewertungen der PC-Version eher mäßig sind und das Spiel bei Release mit
03:52heftigen Performance-Problemen zu kämpfen hatte, hat es sich auf Steam verkauft wie geschnitten Brot.
03:58Auch inhaltlich haben Fans an Monster Hunter mehr zu kritisieren, als etwa an einem God of War
04:03Ragnarök oder Horizon Forbidden West. Trotzdem können die Sony-Spiele nicht ansatzweise so einen Erfolg
04:09vorweisen. Wenn ein Spiel auf allen Plattformen gleichzeitig erscheint und eine Version ein
04:15bisschen Probleme hat, ist das heutzutage nicht mehr kriegsentscheidend. Wenn ein Spiel allerdings
04:19erst Monate später als Port rauskommt, ist die Erwartungshaltung deutlich höher. Und hier
04:25hat Sony auch keine strahlend weiße Weste. Horizon Zero Dawn, The Last of Us Part 1 und die
04:31Uncharted Legacy of Thieves Collection launchten alle mit teils heftigen technischen Problemen,
04:36wie Abstürzen, Performance-Einbrüchen und Grafikfehlern. Da ist die Erstattung natürlich
04:41schnell beantragt. Zumal Sony bei den Steam-Releases noch einen weiteren Kapitalfehler
04:47begangen hat. Die Spiele sind für den PC-Gaming-Markt schlichtweg viel zu teuer.
04:51Zum Zeitpunkt des PC-Releases sind Sonys Spiele schon mehrere Monate alt, manchmal sogar Jahre.
04:58Trotzdem werden sie als Vollpreistitel verkauft und das sogar teurer als viele brandneue PC-Releases.
05:03God of War Ragnarok, Ghost of Tsushima, Horizon Forbidden West und Sackboy kosteten alle 60
05:10Euro auf Steam und waren bei Release teils schon zwei Jahre alt. Zum Vergleich, Hits wie Ark Raiders
05:16und Claire Obscure sind dort seit jeher 10 bis 20 Euro günstiger zu haben. Und auch
05:20schweineteure Spiele wie etwa Metal Gear Solid Delta Snake Eater, das bei Release schlappe 80
05:26Tacken kostete, oder Sid Meier's Civ 7, für das 2K Games immerhin 70 verlangte, wurden schon ein Jahr
05:33später deutlich reduziert angeboten. Die Auswahl an PC-Spielen ist gigantisch und ein Spiel muss
05:39viel mehr Glück oder Qualität haben, um ein Hit zu werden. Sales mit dicken Rabatten auf Steam und
05:44GOG sowie die Präsenz von Key-Resellern und Raubkopien sorgen dafür, dass Spielefirmen immer
05:50mit drastisch niedrigeren Angeboten konkurrieren müssen. Das richtige Preisniveau zu wählen ist eine
05:55elementare Herausforderung, die es zu meistern gilt. Außerdem gibt's auf Steam einfach den meisten
06:01Krempel. Ein Slay the Spire 2 kann hier schnell mal das neue Resident Evil abhängen. Es kommen
06:06eigentlich wöchentlich Spiele raus, die einem unerwartet den Rang ablaufen können. Sony hat
06:11unterschätzt, wie wichtig Aktualität, Qualität und Konstanz sind, um sich in einem neuen Markt zu
06:17etablieren. Als potenzieller Kunde muss ich mich ja darauf verlassen können, dass ein Produkt auch
06:22gewiss für mein System erscheint. Sony behandelte die PC-Versionen aber wie optionale Dreingaben. Auch
06:29dass die Firma z.B. bei einem Spiel wie Sackboy kein Crossplay zwischen PC und Playstation erlaubt,
06:34ist bezeichnend. Und schade, denn die PC-Ports waren zuletzt richtig gut. Mit Nixis Software,
06:41die seit 2021 zu Sony gehören und die Spider-Man-Spiele, Ghost of Tsushima, Forbidden West
06:47und Ratchet & Clank für den PC adaptierten, sind offensichtlich vom Fach. Was bei einem
06:52Rückzug von Sony aus dem PC-Spielegeschäft mit der niederländischen Firma geschehen wird,
06:57ist leider auch absehbar. Dabei können die am wenigsten was für die niedrigen Verkaufszahlen.
07:04Betrachtet man die Pläne der Konkurrenz, fällt uns noch ein weiterer Grund ein,
07:07warum Sony genau jetzt mit dem PC-Gaminggeschäft bricht. Es soll verhindert werden, dass Microsoft
07:13und Valve demnächst PS5-Spiele auf ihre eigenen Konsolen bringen. Mit Steam und dem Microsoft
07:18Game Pass setzen die US-Firmen auf plattformübergreifendes Spielen und sie liefern jeweils
07:24eine dieser Plattformen. Die nächste Xbox soll angeblich Windows als Betriebssystem haben und
07:29somit Steam starten können. Das Versprechen der Konsole, egal wo ihr seid und wo eure Spielebibliothek
07:36ist, ihr habt Zugriff auf eure Spiele. Microsoft will Leute mit Windows und seinem Entwicklerportfolio,
07:42zu dem unter anderem Activision Blizzard und Bethesda gehören, erreichen. Die eigene Hardware
07:47ist nicht mehr das Zentrum der Strategie, soll aber durchaus auf dem Markt mithalten können. Auf
07:52dem Steam Deck und der kommenden Steam Machine laufen im Gegenzug Game Pass-Spiele und Drittanbieter-Apps
07:58wie GOG, Epic und so weiter. Valve's Geräte laufen mit dem extra für das Steam Deck entwickelten
08:03Betriebssystem SteamOS, das auf Linux basiert. Aufgrund der aktuellen RAM-Krise gibt es diese
08:09Geräte derzeit aber noch nicht bzw. nicht mehr zu kaufen. Auf der anderen Seite steht Nintendo.
08:16Der japanische Konzern geht traditionell eigene Wege, wenn es um Hardware geht. Mit der Nintendo
08:21Switch hat Nintendo einen Trend zur Hybrid-Konsole losgetreten, der bis heute anhält. Das Gerücht
08:28kursiert, dass sowohl Microsoft als auch Sony für die nächste Konsolengeneration auf portable
08:33Handheld-Endgeräte setzen werden. Statt ihr System für Steam und Co. zu öffnen,
08:38setzt Nintendo bei seiner Hardware auf die Strahlkraft seiner Exklusivtitel. Mario,
08:43Zelda und Metroid gibt's halt nur bei Nintendo. Ob diese Strategie auf Dauer gegen die gigantische
08:48Spielebibliothek mithalten kann, die Microsoft und Valve versprechen, wird sich zeigen. Obwohl die
08:54Switch 2 ein Verkaufsschlager ist, ist die Zahl der Top-Titel dafür eher überschaubar. Klar,
08:59ein Donkey Kong Bonanza ist ein super Spiel und mit Fire Emblem, Fortune's Weave und dem neuen
09:04Pokémon kommen auch weiterhin begehrte Titel nach, aber viele Switch-2-Releases sind auch einfach nur
09:09Remastered-Versionen der ersten Switch. Die Entwicklungszeiten sind lang und für Nintendo
09:14wird es schwer, mit der nächsten Generation von Handhelds mitzuhalten, wenn diese theoretisch
09:19einfach jeden neuen Release auf Steam abspielen können, ohne dass diese extra portiert werden
09:24müssen. PlayStation geht in die gleiche Richtung wie Nintendo und setzt auf Multi-Plattform-Titel
09:29und eigenes System-Seller. Das ergibt schon Sinn, aber die Probleme, die auf Nintendo zukommen werden,
09:35sollten Sony eigentlich noch mehr beunruhigen. Schauen wir uns die PlayStation und ihre Exklusivtitel
09:40im Lauf der Jahre so an, fällt auf, dass es immer weniger Spiele von den Unternehmen gibt,
09:45die traditionell Flaggschiff-Titel für das System geliefert haben. In der PS3-Ära veröffentlichte
09:51etwa Naughty Dog 3 Uncharted-Spiele und The Last of Us. Für die PS4 gab's Uncharted 4 und Last of
09:57Us 2 und für die PS5 bisher gar kein neues Naughty Dog-Spiel, obwohl die Konsole schon in
10:03ihrem sechsten Dienstjahr ist. Intergalactic The Heretic Prophet soll noch für die aktuelle Konsole
10:09erscheinen, aber das war's dann auch. Und wir gehen nicht davon aus, dass Entwicklungszeiten für
10:14große Blockbuster in den Folgejahren schrumpfen werden. Für die PS6 braucht Sony aber ein fettes
10:19Line-Up. Mit der aktuellen Hardware-Krise ist die Bereitschaft, sich eine gänzlich neue Konsole
10:25zuzulegen, auch eher niedrig. Von anderen Krisen mal ganz zu schweigen. Wenn Sprit, Wohnraum und
10:31Lebensmittel immer teurer werden, schwindet der Enthusiasmus, mal schnell 800 Euro alleine für die
10:36Anschaffung neuer Hardware hinzublättern. Außerdem ist Sony traditionell gieriger bei
10:41Zubehör wie dem DualSense-Controller. Der kostet im Geschäft 80 Euro, 20 mehr als der
10:47aktuelle Drücker für die Xbox Series. Drittanbieter-Hardware für die PS5 ist meist sogar teurer
10:52als das Original, während Hersteller wie Turtle Beach oder 8-Bit-Do für PC, Xbox und Switch 2
10:58kostengünstigere Alternativen bereithalten. Klar, davon haben die Konsolenhersteller selber erstmal nix,
11:04die geschröpfte Kundschaft wird das aber sicher in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen.
11:09Kaufe ich eine brandneue PS6 und warte möglicherweise mehrere Jahre drauf, bis ein Top-Titel erscheint,
11:15für den sich das Teil erst richtig rentiert? Oder kaufe ich mir eine Steam-Machine oder Xbox und
11:20spiele schon mal das Zeug, das ich schon gekauft habe? Relativ einfache Rechnung. Zumal Valve Steam
11:25Service keine Abo-Gebühren verlangt, um online spielen zu können. PlayStation Plus müsste also
11:31ordentlich Mehrwert bieten, wenn Sony hier konkurrenzfähig bleiben möchte. Auch wenn die
11:36Entscheidung, sich vom PC zurückzuziehen, aktuell nicht gravierend erscheinen mag,
11:40so viele Spiele-Ports gab's ja schließlich nicht dafür und mordserfolgreich waren sie anscheinend auch
11:45nicht, die Zukunftsstrategie von Sony ist durchaus radikal. Es hätten sicher die wenigsten was dagegen,
11:51wenn Sony es schafft, die nächste Playsee wieder zum Entertainment-Produkt Nummer 1 zu machen,
11:56das alleine mit der Qualität seiner Exklusivspiele zum Must-Have wird, aber die Konkurrenz schläft
12:01nicht und hat ein paar fette Argumente mit dabei, zumindest wenn die ganzen Gerüchte zutreffen.
12:07Wie so oft wird ja auch immer erstmal viel geredet, bevor dann tatsächlich irgendwas passiert. Und
12:12freilich kann Sony in den nächsten Monaten auch locker nochmal den Kurs wechseln und es wieder mit
12:17dem PC versuchen. So wie es gerade aussieht, brauchen wir uns als PC-Spieler aber nicht mehr
12:22auf Ghost of Yotei oder Intergalactic freuen. Wie bewertet ihr die Strategie von Sony? Glaubt
12:28ihr daran, dass die Firma es schafft, endlich wieder DIE Konsole für epische Singleplayer-Spiele
12:33zu liefern? Oder schneidet sich Sony mit dem PC-Ausstieg ins eigene Fleisch? Schreibt uns
12:38gerne eure Gedanken in die Kommentare und danke fürs Zuschauen!
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