- vor 1 Tag
Eine Creepypasta mit dem Titel "Stahlstadt", erzählt von Schattenlilly.
In einer Stadt aus Stahl und Rauch wird ein "schöner Tag" angekündigt, verkündet von der Ministerin für allgemeinen Frieden. Während die Bevölkerung jubelt, offenbart sich langsam die grausame Wahrheit hinter Euphorie, Propaganda und blinder Loyalität. In "Stahlstadt" verschwimmen Normalität und Grauen zu einer beklemmenden Dystopie, in der Menschlichkeit nur noch ein Relikt vergangener Zeiten ist.
Nachzulesen unter:
https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Stahlstadt
Diese Geschichte ist frei erfunden.
In einer Stadt aus Stahl und Rauch wird ein "schöner Tag" angekündigt, verkündet von der Ministerin für allgemeinen Frieden. Während die Bevölkerung jubelt, offenbart sich langsam die grausame Wahrheit hinter Euphorie, Propaganda und blinder Loyalität. In "Stahlstadt" verschwimmen Normalität und Grauen zu einer beklemmenden Dystopie, in der Menschlichkeit nur noch ein Relikt vergangener Zeiten ist.
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Diese Geschichte ist frei erfunden.
Kategorie
😹
SpaßTranskript
00:03Stahlstadt
00:58Stahlstadt
01:28Stahlstadt
01:57Stahlstadt
01:58Stahlstadt
02:08Stahlstadt
02:17Stahlstadt
02:35Stahlstadt
02:36Stahlstadt
02:37Stahlstadt
02:47Stahlstadt
02:48nach Formulare und den Augen der Liffersäulen. Mein Erziehungsautomat hatte mir schon in der
02:54Grundschule erklärt, wie selten es vorkommt, dass man eine Bestie lebend durch die ewigen
02:59Mauern bekommt. Natürlich, tote oder verweste Exemplare bilden bis heute einen Großteil
03:05unserer Ernährung. Das wurde vor Jahrhunderten vom Ministerium festgelegt. Höchstwahrscheinlich
03:11war in meinem Kaffee gerade der ein oder andere Tropfen Blut, Fett oder sogar ganze
03:15Gewebestücke. Fleisch ist wichtig, um den Tag zu starten. Ein Blick auf eine der digitalen
03:22Turmuhren verrät mir, dass ich noch 6621 Sekunden bis zu dem Treffen auf dem Ratsplatz habe. Man
03:30erwartet wahrscheinlich, dass ich mich fein anziehe, aber ich weiß auch, wie dreckig solche
03:35Schlachtungen werden können. Ich könnte meinen freien Tag also noch ein bisschen nutzen. Immerhin,
03:41es ist mein erster freier Tag seit einer langen, langen Zeit. Das Lächeln, welches ich im Café
03:48aufgelegt habe, taucht wieder auf, während ich an einer Kameralaterne vorbeigehe, deren rotleuchtendes
03:54Auge mir hinterher starrt. Mir stehen sämtliche Möglichkeiten offen, die Stahlstadt zu bieten
04:00hat. Ich könnte dem Streichelzoo im nord-südlichen Distrikt einen Besuch abstatten und mir die mechanischen
04:06Tierautomaten anschauen. Oder in den Trockenwasserrutschenpark auf der Quecksilberinsel gehen, wo wir
04:13damals den Firmenausflug gemacht haben. Es war kein besonders toller Firmenausflug, da er bereits nach
04:18897 Sekunden wegen sexueller Ausschweifung abgebrochen wurde. Aber dafür konnten wir ja nichts.
04:26Billy hat sicherlich nicht mit Absicht nach Patricks Ellenbogen gegriffen. Vielleicht würde die Zeit aber
04:32auch ausreichen, um noch einmal in das Kino zu gehen, wo das Ministerium früher die Staatsverräter
04:37hinrichten ließ. Ein Blick zur nächsten Turmuhr genügt aber, um meine Pläne platzen zu lassen.
04:44Nur noch 6500 Sekunden. Der Platz muss mittlerweile überfüllt sein. Wahrscheinlich wird die ganze
04:51Bevölkerung von Stahlstadt anwesend sein, um einen Blick auf die gefangene Bestie zu werfen. Nur
04:57wenigen wird es vermutlich gelingen, tatsächlich an der Schlachtung teilzunehmen. Ich eile zunächst
05:03gelegen in U-Bahn, die natürlich komplett überfüllt ist, und zahle einen Wochenlohn, um zum Ratsplatz
05:09zu reisen. Ich habe ihn bisher nur ein paar Mal gesehen, bei Visiten, Jahrmärkten, Auspeitschungen,
05:15solche Sachen halt. Stahlstadt ist groß und man müsste schon mehrere Monate einplanen, um es von der
05:21einen Seite der Mauer bis zur anderen zu schaffen. Dafür ist die U-Bahn umso schneller. Nach weniger
05:28als 100 Sekunden erreichen wir den gewünschten Bahnhof, das posierende Herz der Stahlstadt. Wie zu
05:34erwarten hat sich bereits eine gigantische Menschenmenge gebildet, als ich am Ratsplatz ankomme. Was habe
05:40ich mir nur dabei gedacht, so lange rumzutrödeln? Von den Bonzen im Platin-Distrikt bis zu den Bewohnern
05:47der Rostslums scheint jeder gekommen zu sein, der Beine hat, um zu laufen. Dem Staat sei Dank ist
05:53der Platz groß genug, und so kann ich mich mit Ach und Krach in die vorderste Reihe drängeln.
05:58Natürlich stets bemüht, niemanden an den Ellbogen zu fassen. Es muss mehrere Generationen von
06:04Steuerzahlern gegeben haben, um dieses Monument zu erbauen. Vielleicht stammt es noch aus der Zeit,
06:10bevor sich die Regierung dazu entschied, die Sonne abzudunkeln, da sie die Metallhochhäuser zu
06:15sehr erhitzte. Vor dem Platz steht das Rathaus, ein gewaltiges Manifest der Regierung mit
06:21kilometerhohen Türmen aus Weißgold und Titan. Hart und prächtig wie die ewigen Mauern. In einem
06:2820 Meter Radius ist der Platz frei, denn dort steht das Pult, und niemand außer einem Diener
06:34des Ministeriums darf sich ihm nähern. Ob es heute wohl genauso sein wird? Während ich warte, denke ich
06:42darüber nach, wie hoch meine Chancen sind, Teil der Schlachtung zu werden. Ich war immer ein guter
06:47Läufer, habe für meine Firma immer die Botengänge gemacht, welche die Strecke eines Marathons
06:52übersteigen. Außerdem bin ich stark. Das hat jedenfalls mein Erziehungsautomat gesagt. Vielleicht
06:59habe ich hier eine gute Chance, denke ich, und muss wieder lächeln. Endlich nach einer gefühlten
07:05Ewigkeit öffnen sich die eisernen Türen des Rathauses und eine kleine, dürre Frau tritt ans
07:10Pult. Die Ministerin erscheint in der siebentausendsten Sekunde, ganz wie sie es angekündigt hat. Das
07:18Geräusch ihrer Aluminiumschuhe hallt auf dem Stahlboden wieder. Sie hat sich schick gemacht,
07:23das erkennt man gleich. Sie trägt das weiße Friedensgewand einer Politikerin und hat die grauen
07:29Haare zu einem klobigen Dutt zusammengebunden, sperrig wie die Bürokratie. Neben ihr erscheinen
07:36einige Logikpriester, die traditionellerweise der Schlachtung beiwohnen. Sie sind nackt wie die
07:42Wahrheit und am ganzen Körper mit Zahlen und Formeln tätowiert. In ihren Gesichtern tragen sie
07:48platte Masken aus Silber, um ihre Weisheit und Allwissenheit zu signalisieren. Natürlich sind sie
07:55keine wirklichen Priester. Technisch gesehen sind sie Wissenschaftler, die das Wissen dadurch schaffen,
08:00dass sie das gefährliche Nicht- oder Halbwissen sammeln. Wahrheit von Unwahrheit trennen und
08:06letztere den Feuern der Vernunft übergeben. Außerhalb von Stahlstadt soll es Stämme geben,
08:12wo die Menschen angeblich an Sachen wie ein allumfassendes Schicksal oder sogar an einen
08:17Gott glauben, obwohl sie dafür keinerlei Beweise haben. Verächtlich rümpfe ich bei dem Gedanken die
08:23Nase. So etwas wäre bei uns sofort im Kino gelandet.
08:28Bürger, beginnt die Ministerin schließlich und ihre Stimme wird tausendfach von den Lautsprechern
08:33wiedergeworfen. Es freut mich, dass sie alle den Weg hierher gefunden haben, heute an diesem
08:39guten, glorreichen und wundervollen Tag. Viele gute Männer haben für diesen Tag ihr Leben gelassen,
08:46um unserer Nation dieses Geschenk zu überreichen. Ihre Worte werden ein wenig leiser und sie senkt
08:52den Kopf. Merken Sie sich, Bürger, niemand darf jemals die ewigen Mauern ohne die Erlaubnis
08:59des Ministeriums verlassen. Hier sind sie sicher vor dem Chaos und den Bestien der ungezähmten
09:06Natur. Nur hier und hier allein befindet sich die letzte große Nation auf Erden. Denn die Welt
09:13von außen ist grell und erfüllt mit Wahnsinn. Denn die Welt ist grell und erfüllt mit Wahnsinn,
09:21murmeln wir zurück. Der Ansatz eines Lächelns geht über ihren farblosen Mund. Ich bin stolz auf sie,
09:28meine Bürger, sagt sie und Tränen bilden sich in ihren Augen. Ich bin stolz, ihre zum 54. Mal in Folge
09:36gewählte Ersteministerin des Allgemeinen Friedens zu sein. Jeder von ihnen ist ein treuer Diener unserer
09:42Stadt. Jeder von ihnen ist frei. Denn keiner von ihnen hat etwas zu verbergen. Denn keiner von uns hat
09:51etwas zu verbergen, antwortet die Masse. Und deshalb, sie klatscht in die Hände, will ich ihnen nicht länger
09:58ihr Recht auf das vorenthalten, was ihnen zusteht. Die Türen des Rathauses öffnen sich und zwei Logikpriester
10:06treten ins Freie, die die Bestie an ihren Armen festhalten. Auf dem Platz hält die Welt den Atem
10:12an, während sie sie vor die Ministerin schleifen. Ich weiß, was, was man sich erzählt hat, aber das
10:19hier übersteigt alles, was ich mir jemals hätte vorstellen können. Ich habe noch nie etwas so
10:25Wunderschönes gesehen. Lasst mich los, bitte, winselt die Bestie, während sie Rotz und Wasser heult.
10:32Blaue Augen blicken panisch in die Masse, nass und glänzend und voller Schönheit. Ich kann nicht
10:38glauben, dass ich so etwas sehen darf. Die Bestie ist in bunten, herrlichen Stoffen gekleidet, gelbe und
10:45grüne Farben mit verwischten Schattierungen und Mustern, wo die Messer der Priester sie geschnitten
10:50haben. Ihr rötliches Haar steht in alle Richtungen ab, wie Fasern von reinstem Kupfer. Und sogar die
10:57Blutergüsse auf ihrer rosa Haut leuchten in unbeschreiblicher Pracht. Wenn sie nicht so
11:02bunt wäre, würde die Bestie fast wie ein Mensch aussehen. Ein junger Mann vielleicht, der gerade
11:08einen lebenslangen Vertrag mit seiner Firma abgeschlossen hat.
11:12Bitte, schreit sie noch einmal. Ich habe nichts getan. Ich weiß nicht, wer ihr seid. Ich schwöre,
11:19ich werde nichts sagen. Aber bitte lasst mich. Die Ministerin tritt an sie heran. In ihren
11:25behandschuhten Händen hält sie ein glänzendes Messer aus Kobalt, bedeckt mit einer teerschwarzen
11:30Flüssigkeit. Wir ehren den Staat mit dieser Tat, ruft sie in Ekstase. Wir ehren das Volk mit diesem
11:38Opfer. Wir ehren das Ministerium mit diesem Fleisch. Mit diesen Worten schneidet sie der Bestie die
11:45Kehle durch. Das Geräusch ihrer Klinge bleibt noch lange in der Luft hängen. Verdutzt blickt das Ding,
11:52welches wie ein Mann aussieht, uns an. Vielleicht hatte es wirklich damit gerechnet, dass jemand das
11:58retten würde. Schwer zu sagen, wie solche Wesen denken. Seine Hände greifen nach seinem Hals, im
12:05verzweifelten Versuch, das Blut zurückzuhalten. Es sickert ungebremst zwischen seinen Fingern,
12:11wie ein roter Sturzbach. Rot, denke ich. Rot. Rot. Rot. Die Menschen neben mir werden unruhig. Wir
12:21alle wissen, was gleich passieren wird. Wir alle haben uns so viele Jahre darauf vorbereitet und
12:27nachts davon geträumt. Während das Leben aus dem Wesen herausläuft, verlassen die Ministerin und die
12:33den Platz. Ihre Arbeit ist getan und sie wissen, was jetzt passieren wird. Mein ganzer Körper zittert
12:41vor Erregung, als ich sehe, wie sich das Gift des Ministeriums langsam im Kreislauf des Dings
12:47ausbreitet. Der Leib der Bestie beginnt sich aufzublähen. Ihre Gliedmaßen schwellen auf das
12:53Dreifache ihrer Größe an. Ihre bunte, bunte Kleidung zerreißt, während Brust und Bauch sich immer mehr
12:59ausdehnen. Die Metamorphose, sie beginnt, schreit ein Mann neben mir und geht lachend und weinend
13:06auf die Knie. Graue, klobige Fleischwarzen bilden sich auf der Haut der Bestie. Tumore und Beulen
13:13durchzogen von geschwollenen Arterien in allen Farben, während zusätzliche Arme und Auswüchse aus der Haut
13:20hervorbrechen. Aber immer noch lebt dieses Ding, welches fast ein Mensch sein könnte, obwohl seine Schönheit
13:26immer mehr in den Bergen von grauer Materie versenkt. Immer noch kommen die Tränen aus seinen
13:32Augen. Ich kann mich nicht mehr beherrschen. Mit bloßer Faust schlage ich eine Frau, die neben mir
13:39steht, zu Boden und renne auf die Bestie zu. Andere tun es mir gleich, haben die 20-Meter-Regel
13:46vergessen. Alle wollen dieses Fleisch. Alle wollen so viel wie möglich für sich. Als ich ankomme,
13:53haben sich die ersten Bürger von Stahlstadt bereits in das Gewebe gepresst und krallen
13:58sich in die Haut der Bestie, fest wie graue Zecken. Das dünne Gewebe reißt auf, als ich
14:04mich auf den Fleischberg stürze und Muskeln, Eiter und Fett aus den Wunden quälen. Durch
14:09die Lautsprecher höre ich die Ministerin sprechen, aber ich verstehe ihre Worte nicht. Alles ist
14:15bunt, alles leuchtet, so viele Farben. Andere Menschen krallen sich neben mir in die Kreatur,
14:21über mir, auf mir, erdrücken mich förmlich unter ihrem Gewicht. Auf dem Platz prügeln
14:27sich die, die zu spät losgelaufen sind, schlagen sich die Köpfe ein und kratzen sich nach vorne.
14:33Das schmerzerfüllte Schluchzen der Bestie lässt ihre deformierten Zellen erweben. Mir
14:38ist alles davon egal. Ich grabe mich immer tiefer in das Fleisch, in die Farben, wühle durch
14:44Eingeweide und Körperflüssigkeiten. Es gehört mir, alles mir. Seine Farben, seine Träume,
14:51seine Schönheit. Meins, meins. Immer hastiger stopfe ich mir grobe Klumpen Fleisch in den Mund,
14:59reibe mich damit ein, bade darin. Die ganze Welt schmeckt nach Bestienblut und Clowns-Kaffee,
15:05nach Muttermilch und Motoröl, nach Schönheit, nach Farben, nach Farben. Violetter Pflaumen wächst
15:13auf meinen Händen, grüne Schuppen auf meinen Armen und blauer Zahnstein unter meinen Fingernägeln,
15:18während ich immer mehr von der Bestie konsumiere. Trunken vor Glück und weinend vor Erleichterung
15:24danke ich der Ministerin, dem Staat, der Stahlstadt, dass ich diesen Tag erleben durfte. Und während
15:31die Menge anfängt, in ihrem blinden Hunger auch mich zu zerreißen, blicke ich noch einmal
15:36in den Himmel, der das letzte Mal so hell und scheinend war, als wir noch eine Sonne hatten.
15:41Ich habe mich nie so lebendig gefühlt.
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