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00:01When it's about the Osten, he says, there's always a psychologous look into the game.
00:07So, we have to find out, where the failure is in the head.
00:11It's about ost-deutsche Befindlichkeit.
00:14It's about how young people feel after the end of the Osten.
00:19Someone comes around and says, we know that we have a life.
00:25It's not böse gemeint.
00:26It's not böse gemeint, but sometimes it's so.
00:29And that's the problem.
00:30It's Risse and Prüche.
00:33And exactly for that has Lucas Ritschel a special nerve.
00:36Dazwischen to be, is not so easy.
00:39Here's Lucas Ritschel.
00:41Welcome, Lucas Ritschel.
00:43Schön, dass Sie da sind.
00:46My name is Lucas Ritschel.
00:48I'm Schriftsteller.
00:501994 was I born in Recklwitz.
00:52I grew up in Kamenz.
00:53I grew up and grew up.
00:55I live and work in Görlitz.
00:58Also, for me is the fact that I stay here.
01:02For me is this my place.
01:07I come a lot around.
01:08I see a lot.
01:09And the better it is, I have this the first time.
01:11I had this here in Kamenz, not in Kassel,
01:14so that I have the feeling, okay, here I am home.
01:18I have to go to my house.
01:23Man can sit on the Untermarkt,
01:26where Tarantino did, Glorious Bastards.
01:29There is sometimes the feeling in the summer,
01:30when they all sit down,
01:32that it has something Sicilianic, Italian.
01:37There are Straßenzugs that have something from Prague.
01:41So a very böhmish one,
01:43which was a long time ago.
01:47And then, when you go out,
01:49you can feel like you're in Leipzig,
01:53you're in Berlin.
01:54And then we have a bit of an ost-modern architecture.
01:57You can feel like you're in a different world.
02:06Also for writing is great,
02:07just here to be.
02:08And it's still short ways.
02:11It's built very compact,
02:12it's not settled.
02:13And it's also the constant confrontation
02:15with the past and the past,
02:17with the wounds that are still there.
02:19I like it.
02:20It could be more going,
02:22it could be a bit younger,
02:23it could be a bit experimental.
02:26I wish my life back in this beautiful city.
02:30And I want to see,
02:31when and if that happens.
02:33I grew up with a supervisor,
02:37who told me,
02:39if you want something to do,
02:40you have to leave here.
02:42There's no one on you.
02:44And here's nothing for you to hold.
02:49Many of my friends in Görlitz,
02:51they're all away.
02:53They're going to go to Leipzig and Berlin.
02:54And actually,
02:56that would be my,
02:57my, my, my way to write.
02:58Then,
02:58long-term,
02:59not to be there anymore.
03:08And there's a lot of things
03:09I was to write in a book,
03:10and that's what I had to write.
03:14I was to write now.
03:15And I was to write a book.
03:17And I don't know what the place is.
03:18that's what happened.
03:18And I was thinking
03:19that's what happened,
03:19then PEGIDA 2014,
03:21then 2014,
03:22the AFD in the Sächsian
03:23and I thought it was a big focus in the public eye.
03:27I sat there in Kassel and watched it and thought,
03:29what did I get with it?
03:30What happened to me in all the years,
03:34that this situation just happened?
03:36And then 2015 was the point of the Flüchtlings-Krise.
03:40I saw friends and friends,
03:43who gathered in the AfD,
03:44who protested against Flüchtlingsheim.
03:46I was shocked.
03:49But I asked myself,
03:50I asked myself,
03:50what is my Anteil?
03:52What is this?
03:54And I tried to write in this book
03:56and not to show my way,
03:59where I came from,
04:02and I went to the West and studied there.
04:04That's a very difficult story.
04:06I wanted to find out,
04:08what is it, if I stay there?
04:09And then came the thought,
04:12I must go back.
04:15He goes back.
04:16From Kassel,
04:47from the West,
04:47where he could not study
04:49We want to achieve, that the new countries will soon be blaring in the future.
04:58Germany must also have to be economic and social as soon as possible.
05:05The first experiences with the new time, the hard struggles,
05:09are in many of the East for Frust and Wut.
05:18Ein von Eiern getroffener Bundeskanzler Kohl, der anders als üblich reagiert.
05:23Statt Flucht unter Regenschirme schlägt der erboste Regierungschef zurück,
05:26von seinen Leibwächtern kaum zu bremsen.
05:32Die Stimmung ist aufgeladen. Es bleibt nicht bei Eierwürfen.
05:36Asylbewerberheime brennen.
05:38Mit den in den 90er Jahren Geborenen wird darüber nie gesprochen.
05:41Heuerswerda im Ausnahmezustand Mitte September 91.
05:45Eine Woche lang terrorisieren rechte jugendliche Asylbewerberheime.
05:49Es fliegen Stahlkuchen und Molotow-Cocktails.
05:52Die Polizei ist überfordert. Die Gewalt eskaliert.
05:55Die Polizei muss die Asylbewerberheime schützen.
05:58Als das nicht mehr gelingt, werden sie in Sicherheit gebracht.
06:01Raus aus Heuerswerda. Fast nicht mehr vorstellbar.
06:04Die Menschen jubeln.
06:14Es ist nie aufgetaucht. Es kam nie der Moment von, okay, die Gesellschaft, zu der wir dazugehören nach der Wiedervereinigung,
06:24die war fremdenfeindlich zu großen Teilen.
06:29Und die war radikal zu großen Teilen.
06:31Und die war enttäuscht oder was auch immer.
06:33Und hatte ein enormes Gewaltpotenzial auf jeden Fall.
06:36Nur so kann ich mir das erklären, dass es auch für meine Eltern und Großeltern Schockmomente waren,
06:41die sie so nicht vermutet hatten, die sie so nicht geahnt hätten, dass sowas passiert.
06:55Für Ritschel sind Wende und Wiedervereinigung und das Jahrzehnt danach bereits Geschichte.
07:05Sein erster Roman, mit der Faust in die Welt schlagen, beschreibt, wie seine Generation aufwächst.
07:11In einer Zeit, in der die Eltern schweigen und die Ruinen von einem Land künden, das einst aus Ruinen auferstanden
07:17war.
07:22Clemens Meyer hat es ja herausragend ausgeleuchtet, so diese 90er Jahre vor allem.
07:27Und jetzt wenden wir uns wahrscheinlich eher diesen 2000ern zu und stellen fest, so viel hat sich da noch gar
07:32nicht verändert.
07:33Also wir erzählen ja immer auch ein bisschen dadurch über uns und was haben wir gelernt und wer sind wir
07:39eigentlich?
07:41Wie sind wir geworden, wer wir jetzt sind?
07:48Sofort nach seinem ersten Roman wird er als die Stimme des Ostens hochgelobt.
07:52Mit gerade mal 24 Jahren ist er eine Art Ostbeauftragter der Herzen.
07:59Mich überrascht es schon, dass ich dann da jetzt stehe und diese Rolle jetzt hier so einnehme, weil ich, so
08:05war das nie geplant.
08:06Also ich habe diesen ersten Roman geschrieben, weil ich dachte, ich versuche vor allem politisch auseinanderzusetzen,
08:12warum Menschen sich radikalisieren, warum die sich von unserer Gesellschaft abwenden.
08:17Und am Ende ist daraus aber so eine Ostgeschichte geworden, ohne dass das von mir intendiert war.
08:23Und auf einmal meldeten sich Leute und meinten, ja, aber so bin ich auch aufgewachsen und ich kenne das und
08:26ich kenne diese Bilder und ich kenne diese Menschen.
08:28Und ich dachte einfach nur, ich erzähle etwas Politisches. Aber das war es am Ende auch. Es war politisch, es
08:34war ostpolitisch.
08:382021 erscheint Lukas Ritschels zweiter Roman, Raumfahrer. Auch darin thematisiert er die Nachwendeerfahrungen der Ostdeutschen, der Generation seiner Eltern.
08:48Er beschreibt sie als Raumfahrer, weil sie zwischen den Zeiten schweben.
08:53Wir sind Fischer, sagte er. Das interessiert die vielleicht nicht, aber wir sind Fischer. Das ganze beschissene Land haben wir
09:01ernährt.
09:01Und jetzt sollen wir Hausmeisterfirmen gründen oder was, Computer reparieren, den grünen Streifen pflegen.
09:08Ich sag dir mal was. Dabei wandte er sich an seine alten Arbeitskollegen.
09:14Wenn mir mal jemand ins Gesicht sagt, ich soll eine Ich-AG gründen oder an einer Maßnahme teilnehmen oder was
09:21auch immer, dann schlage ich dem die Fresse ein.
09:28Er war das erste Mal hier, als gerade sein erster Roman zum Bestseller geworden war, mit der Faust in die
09:34Welt schlagen.
09:35Jetzt legt er nach, Raumfahrer. Wieder so ein brillantes Buch, in dem er das macht, was er am allerbesten kann.
09:42Er erzählt ostdeutsche Familiengeschichte und er sagt mit Blick auf Marco Wanderwitz, ich finde es ein bisschen schwierig,
09:47wenn sich jemand von der CDU hinstellt und den Ostdeutschen sagt, wen man denn zu wählen hätte. Wie meint er
09:54das?
09:55Fragen an Lukas Rietschel. Herzlich willkommen. Freue mich sehr.
09:57Man telefoniert mit der Redaktion und sagen, naja, wir würden jetzt gerne Sendung machen und wir würden mit Marco Wanderwitz
10:03sprechen wollen.
10:04Und wie stehen sie zu diesem Begriff der Diktatursozialisation? Und ich so, boah, also Leute, jetzt geht's aber los.
10:12Und war da erst mal, da war ich schon ein bisschen verunsichert, eben weil ich so gemerkt habe, okay, aber
10:16irgendwie hat er ja recht, der Mann.
10:18Also ich denke, es ist noch ja Lauterbach ist noch da und wir würden gerne über Impfpflicht sprechen.
10:23Das war auch noch so ein Thema. Das wurde da heiß diskutiert in dem Sommer.
10:26Und diese Unterschiede STIKO und SIKO, also es gibt ja die Ständige Impfkommission und die Sächsische Impfkommission.
10:32Also der Freistaat Saks hat ja immer noch mal so Eigenheiten. Und ich weiß noch, ich habe dieses Vorgespräch geführt
10:40und ich dachte, das kann ich nicht, was soll das für eine Sendung werden?
10:43Das schaffe ich nicht. Bin dann nach Hamburg gefahren, schön mit diesem tschechischen Zug, der ja so über Prag, Dresden,
10:50Hamburg fährt und habe dann da die ganze Zeit in diesem sehr guten Speiseabteil gesessen
10:56und habe mir da mein Gulasch reingezwirbelt und habe dann die ganze Zeit versucht zu recherchieren über Vor- und
11:02Nachteile von Impfpflicht, weil ich dachte, ich muss ja irgendwie in dieser Sendung bestehen können.
11:07Und dann habe ich also Lanz getroffen und das Erste, was er so meinte, war, der Marco Wanderwitz, komm, das
11:12machen wir heute, den nehmen wir in die Zange heute.
11:16Und da war ich auf eine Art beruhigt, weil ich dachte, okay, Gott sei Dank, ich muss nicht über die
11:19Impfpflicht reden.
11:22Und Wanderwitz ist auf eine Art ein super charismatischer Typ. Also der ist groß und der kommt da rein mit
11:27seinem jungen Assistenten, der ihm da so den Block hinterher trägt und schüttelt mir sehr selbstbewusst die Hand.
11:35Und war so, na, schön, dass ich da bin und schön, dass wir uns mal kennenlernen. Und das ist auch
11:40nochmal schwierig, wenn jemand sympathisch am Anfang ist und du musst versuchen, eine kritische Distanz zu dem einzuhalten.
11:46Also zunächst einmal mag ich gerne nochmal das Thema Diktatur sozialisiert erklären. Das habe ich nicht böse oder abwertend gemeint,
11:52mir ist nur wirklich nichts Besseres eingefallen.
11:54Ich bin auch die ersten 14 Lebensjahre in einer Diktatur sozialisiert worden, weil das war die ehemalige DDR nun mal.
12:01Und wer jetzt aktuell beispielsweise in Nordkorea groß wird, wird auch in einer Diktatur sozialisiert.
12:08Und dann erlebe ich Menschen und leider nicht wenige, keine Mehrheit, aber nicht so wenige, dass ich nicht drüber reden
12:13muss, die alles das, was der Mehrzahl in diesem Land wichtig ist, kategorisch ablehnen.
12:19Die wollen weniger Demokratie, die wollen weniger Minderheitenrechte beispielsweise, die wollen eine kulturell homogene Gesellschaft nach ihrem Bilde.
12:35Und ich finde das fatal. Und das ist auch nicht das Europa, in das wir uns weiter hineinentwickeln wollen, zumindest
12:42nicht das der Mehrheit der Gesellschaft.
12:43Ist das nicht vielleicht etwas komplizierter?
12:46Ich glaube auch, dass es viel komplizierter ist und vor allem machen wir es uns leicht, wenn wir das auf
12:50diese Diktaturerfahrung allein zentrieren.
12:53Ich glaube, dass die unmittelbare Demokratieerfahrung mindestens genauso wichtig war, nämlich die Erfahrung zu machen, wie ist das jetzt in
13:00diesem Parlamentarismus, wie ist das jetzt mit Verein, mit Gewerkschaft, mit Kirche, wie organisieren wir uns, wie organisiert sich eine
13:07Gesellschaft, was können wir von Politik erwarten, wie können wir in der Politik tätig werden.
13:13Und ich glaube, dass dort viel mehr kaputt gegangen ist, als alles das, was vielleicht sogar die DDR aufgebaut hat
13:18oder erschaffen hat.
13:19Bin ich ganz bei Ihnen.
13:20Genau, aber die Frage ist ja viel entscheidender, nämlich, was bieten sie an?
13:24Und gerade sie als OSPA-Auftrag, da müssen ja eben nicht diese Menschen beschimpfen, so wie Herr Machowitz das formuliert
13:32hat, sondern eigentlich ja deren Interessen vertreten, sich für diese Leute stark machen, Angebote machen.
13:37Und sehen Sie, ich verstehe das, dass Sie sagen, ich als CDU-Mann, ich möchte...
13:42Ich habe nichts mit der Partei.
13:43Nee, nee, genau, das ist nämlich der Punkt.
13:45Ich möchte hier nicht in der Partei...
13:46Sie werden keinen seriösen Politiker finden, egal welcher Partei er angehört, der zum Beseelsorger für harte Rechtsradikale werden will.
13:52Richtig, und das meine ich nämlich, aber Sie haben ja...
13:53Das ist ein Teil dieser Klientel, über die wir sprechen.
13:56Sie haben ja nicht...
13:56Das sind nicht drei Prozent, das sind mehr.
13:59Richtig, und Sie haben ja nicht nur eine Verantwortung gegenüber Ihrer Partei oder jeder anderen Partei, sondern eine Verantwortung gegenüber
14:04der Demokratie.
14:06Genau.
14:06Und diese Leute abzuschreiben für die Demokratie, von diesem System auszuschließen, was Sie verbal auf eine Art tun, das halte
14:15ich für wirklich fatal, mindestens.
14:17Ich bin befangen in der Art und Weise, wie ich über den Osten rede.
14:19Ich dachte auch da, ich kann einen neutralen Punkt einnehmen, weil ich Nachgeborener bin, aber das bin ich nicht.
14:25Ich bin befangen, weil ich aufgewachsen bin in dieser Gegend mit diesen Menschen, in dieser Familie, die alle eine ähnliche
14:32Biografie haben.
14:33Wenn das nicht die Nachgeborenen machen, wenn die nicht eine kritische Distanz einnehmen, wer soll es denn sonst machen?
14:39Man kann es ja nicht wieder dem Westen überlassen.
14:41Wir kannten das, unser Land, nicht.
14:45Es musste etwas hereingebrochen sein über unser Land.
14:50Ich verstehe nicht, wie die sich das alles vorgestellt haben.
14:53Wer was?
14:54Nein, die uns das versprochen haben.
14:57Kaum ein Bus mehr, kaum ein Bahnhof, leere Werke, wie lau sitzt das schlafende Land.
15:04Hinter jedem Fenster einer, der nicht weiß, was er anfangen soll mit sich.
15:08Arbeitslos, Abschluss, aberkannt, Umschulung, Umschulung, Weiterbildung.
15:13Alle anderen dürfen stolz auf ihr Land sein.
15:17Nur in Deutschland ist das verboten.
15:19Wer so macht, ist der ein Nazi?
15:22Wir lassen uns die Heimat nicht leben.
15:25Wir von hier.
15:26Von hier.
15:27Woher möchtest du denn?
15:29Auf alles einschlagen.
15:31Richtig rein mit der Faust, bis alles blutet.
15:34Und der ganze Mist, das er wegspritzt, wie Schlamm, nachdem Gott auf die Erde eingetroschen hat.
15:42Mit einem Schlag und dann!
15:49Dann kommt die Flut.
15:51Also ich hatte schon Sorge, dass da so eine rechte Szene kommt und die dann sagt, jetzt sagt es mal
15:56einer.
15:56Da sind wir ja, jetzt werden wir mal gesehen.
15:58Das sind ja genau unsere Probleme.
16:00Ich glaube einfach an den mündigen Leser und die mündige Leser.
16:03Also dass man das hinkriegt, sich eine eigene Haltung auch zu erarbeiten.
16:06Die muss ich nicht vorgeben.
16:08Aber dazwischen zu sein, ist auch nicht so einfach.
16:14Also es ist auch Arbeit, sich eine Distanz zu bewahren.
16:192024 wird die Verfilmung des Romans mit der Faust in die Welt schlagen ins Kino kommen.
16:26So, auf Anfang alle!
16:30Regie führt Constanze Klaue, geboren 1985 in Berlin-Ost.
16:35Und bitte!
16:39Gedreht wurde unter anderem hier in Görlitz, in einer stillgelegten DDR-Schule.
16:44Eine Schule wie diese hat Lukas einst selbst besucht.
16:51Hallo Lukas!
16:52Hallo, ich grüße dich.
16:54Das ist eine komische Tür hier.
17:00Also wir drehen im Zweiten.
17:03Die Hofbänke haben wir auch ein bisschen benutzt.
17:05Diese da?
17:06Um den Hof auszustatten.
17:08Ah, okay.
17:09Den Dreck versuchen wir tatsächlich extra nicht wegzuwachen.
17:13Aber wird dann auch nochmal direkt im Treppenhaus auch gedreht und so?
17:17Okay.
17:18Und das war übrigens genauso bei mir damals in der Schule.
17:20Also es gab immer diese Verengung.
17:22Und dann standen wir hier immer links und rechts und dann gab es so, gab es wie so die Schubsgasse.
17:28Dann kamen immer die Kleineren aus dem Raum und dann standen wir da so und dann wurden die immer so
17:32hin und her gebonzt.
17:39Was ich ja so spannend finde, ist so ein bisschen an unserer Biografie, wie sind andere Jahrgänge, da liegen Jahre
17:44dazwischen, aber wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht mit diesem auch mal in den Westen gehen.
17:48Du bist ja noch weiter, du bist ja nach Köln sogar gegangen.
17:52Hast du das Gefühl, dass du auch dort so eine, dass da so ein, Valerie Schönem würde sagen, so ein
17:57Ostbewusstsein entstanden ist bei dir?
18:00Das hört man so oft, dass es immer erst durch diesen Abgleich West-Ost passiert ist.
18:04Total. Also ich habe das mehr oder weniger durch Jana Hänsel gelesen.
18:07Die hat auch so einen ähnlichen Satz geschrieben, wie dass sie, als sie hatte, glaube ich, ein Auslandssemester in Marseille
18:12gemacht.
18:12Genau, ich bin Zonkindern oder in dem Buch danach, glaube ich, kann auch sein.
18:16Sie hat ein Auslandssemester in Marseille gemacht und erst dann ist ihr bewusst geworden, dass sie eine Ostdeutsche ist.
18:21Also erst durch den Weggang aus der Heimat ist ihr aufgefallen, dass sie anders ist und das ging mir tatsächlich
18:27ganz genauso.
18:28Also als ich dann so im Westen quasi gelebt habe, und das war ja zuerst noch nicht mal Köln, sondern
18:34es war Osnabrück.
18:36Das muss man immer dazu sagen.
18:37Und ich habe in Dresden gelebt, also ich bin nach dem Abi nach Dresden gegangen und habe mich da sehr
18:41wohl gefühlt.
18:42Und Dresden ist ja auch noch mal viel östlicher als Berlin, wo ich aufgewachsen bin und mochte das wahnsinnig gern.
18:49Und dann nach Osnabrück, das war der totale Kulturschock.
18:52Und das war alles gemacht, alles fertig, also der Klassiker, das fertige Haus, der gemachte Weg, der schöne See, eine
19:02Idylle, total.
19:03Also es war wunderschön und ich habe so unendlich irgendwas vermisst.
19:07Ich habe eine totale Sehnsucht gehabt, zuerst nach meinen Freunden, weil ich gemerkt habe, meine Freunde in Dresden und Berlin
19:13waren komplett anders, viel reifer, viel weiter.
19:15Also Kassel ist überhaupt nicht reich, also da gab es das eben gar nicht, aber trotzdem strahlten da, die strahlten
19:22was anderes aus.
19:23Wir waren eine Generation, aber nur, allein dass die Westdeutsch waren, machte irgendwas in ihrem Verständnis, in ihrem Auftritt.
19:30Ich kenne ja auch diese Wessi-Witze mit, diese Brötchenwitze, diese Kaiserbrötchen, sodass die von außen toll aussäen und wenn
19:36man sie aber aufschneidet, ist halt nur Luft drin.
19:38Das ist immer so dieses Hülle und Innere, das ist, finde ich, so ein klassischer Wessi-Witz.
19:42Aber ich habe das irgendwie gespürt, dass da irgendwas ist, was ich nicht habe.
19:47Also ein Auftreten, das ich nicht kenne, das mir nicht vermittelt wurde.
19:51Total. Ich finde tatsächlich, das, was du gesagt hast, das Selbstbewusstsein, daran merkt man es wahnsinnig.
19:56Was mir ja dann vor allem in Köln passiert ist, dass ich mich ewig für meine Herkunft rechtfertigen musste.
20:01Ja, ja, total.
20:02Dass ich ewig sagen musste, ich meine, es hieß dann immer, du bist ja Berlinerin, du bist ja, das ist
20:05ja was anderes, du bist ja nicht richtig in Ossi, ne?
20:08Ähm, aber dass ich ewig sagen musste, nein, Dresden hat auch noch mehr als nur Nazis.
20:13Ich habe halt gemerkt, dass ich mich in so einem ewigen Rechtfertigungsmodus bewegt habe, immer zu sagen, nein, nein, nein,
20:17nein, nein, nein, nein, nein, wir sind nicht alle dumm.
20:19Aber hast du manchmal auch Dinge gerechtfertigt, die dich eigentlich, wenn du dann vor Ort wärst, die dich eigentlich auch
20:23nerven würden oder stören würden?
20:25Total.
20:25Ja, was war das bei dir?
20:27Ich habe gemerkt, dass sobald jemand, oder sobald ich erkannt habe, da kommt jemand aus dem Osten, also es waren
20:34eher Menschen, die mich eigentlich nerven würden, war es aber so ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich zusammentut, dass man
20:42sich findet und dass es so ein Gefühl ist eben wieder von Heimat.
20:45Man findet sich, weiß ich nicht, das ist eben tatsächlich wie so eine, als hätten wir alle so eine Art
20:52Migrationserfahrung, ne?
20:53Die zehn Jahre Westdeutschland haben mich auch komplett geprägt.
20:58Ich bin ja quasi auch jetzt mit einem Wessi zusammen.
21:01Okay.
21:01Du nicht auch?
21:02Ich auch, ja.
21:03Ich hatte noch nie eine ostdeutsche Freundin.
21:05Siehste.
21:08So, warte mal.
21:09Ich glaube, nee, eins weiter.
21:11Hier ist Frau Wenzers Klasse, beziehungsweise Tobis Klasse.
21:16Ah, ja.
21:17Ah, ja, okay, das ist noch fertig ausgestattet.
21:20Erdkunde, beziehungsweise Geografie.
21:24Jetzt stehen wir auch noch ausgerechnet vor so einer Deutschlandkarte.
21:26Das ist eigentlich auch ein Klischee eigentlich.
21:30Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin da in so einer Zwischenwelt, wo ich überhaupt nicht weiß, wo gehöre ich
21:35dazu und fände ich das eigentlich gut, als Ossi erkannt zu werden oder nicht?
21:39Also, ich weiß es nicht mehr.
21:41Ich weiß nicht, wie du das einschätzt.
21:43Aber ich glaube, das ist ja auch gerade, also das ist ja eigentlich auch das Hauptmerkmal unserer Generation.
21:48Wir sind weder, wir sind dazwischen.
21:50Wir sind weder die einen noch die anderen.
21:53Ich meine, ich bin zwar noch im Osten geboren, aber ich war vier, als die Mauer gefallen ist.
21:58Was bleibt denn davon übrig?
22:00Ich kann mir das ganz schwer ausmalen.
22:02Ich weiß nicht, ich glaube, solange sich nicht wirklich die Strukturen verändern und es, glaube ich, eine tatsächlich realistische Perspektive
22:10auch gibt für eine, tatsächlich für eine Angleichung auch der Ost- oder der neuen Bundesländer zu den alten Bundesländern,
22:19glaube ich, wird es lange noch aufrecht.
22:20Also, das meine ich, das ist wie so ein Generationstrauma, was dann immer weiter vererbt wird, weil du bist ja
22:26auch schon das beste Beispiel. Wann bist du geboren?
22:2894.
22:2894, ja.
22:29Was mir jetzt auch im Zuge dessen auffällt, wer sitzt eigentlich an welchen Hebeln?
22:35Wer hat eigentlich das Geld? Wer hat eigentlich Entscheidungshoheiten? Das ist schon interessant, dass halt einfach die Ossis immer nicht
22:42mitspielen oder sehr, sehr wenig mitspielen.
22:48Das Stauspiel Leipzig wollte ein Theaterstück haben und dann haben die mich gefragt, wie sieht es denn aus? Kannst du
22:53dir das vorstellen? Würdest du für uns mal ein Stück schreiben wollen?
22:57Da war ich erstmal baff, weil ich so dachte, wie kommt ihr da rauf? Ich wollte kein großstädtisches Stück geben
23:04im Sinne von, lass uns mal wieder über Feminismus diskutieren oder sozusagen kein klares politisches Stück, wo die großstädtische Bubble
23:11da sitzt und sich am Ende auf die Schulter klopft und sagt, ja, wir haben es wieder richtig gemacht und
23:15wir verstehen es.
23:17Das ist, glaube ich, so die Schwierigkeit an meiner Arbeit oder vielleicht auch, wie ich auftrete, dass ich für die
23:22Leute in der Provinz auch nicht so richtig dazugehöre.
23:25Für die wirke ich wie ein Großstädter und gleichzeitig bin ich für die Großstädter irgendwie so ein Landei und irgendwie
23:32auch innerhalb dieses Literaturbetriebs wie so eine Besonderheit, weil das nicht oft vorkommt, also jetzt mal Juli C. und so
23:39ausgenommen, dass man also außerhalb der literarischen Großzentren lebt.
23:45Und irgendwie habe ich manchmal schon das Gefühl, ich gehöre da gar nicht so richtig dazu. So diese Zwischenwelten, die
23:51faszinieren mich.
23:57Wir haben ja letzte Woche die Gleise demontiert und seitdem liegen die alten Bahnschwellen noch rum. Das ist massives Eichenholz.
24:03Würdest du sagen, das taugt was?
24:05Wieso fragst du mich das?
24:06Naja, du bist doch aus Leipzig.
24:07Ich komme von hier.
24:08Du weißt, was ich meine.
24:09Nein, weiß ich nicht.
24:11Okay, einfache Frage. Würdest du einen Tisch kaufen, der aus so einem Holz gemacht ist?
24:15Keine Ahnung, vielleicht.
24:16Ein bisschen aufarbeiten, irgendwas mit Edelstahl.
24:18Wieso Edelstahl?
24:19Kein Edelstahl, sehr gut.
24:20Na, höchstens als Beine.
24:21Als Beine, klar. Und die Schwellen als Platte, vielleicht halbiert oder geviertelt, damit Bretter draus werden.
24:26Bisschen Ölen fertig, Leinöl-Firniss. Auf sowas steht ihr doch.
24:30Was soll das?
24:31Ich nehme die ganzen Dinger mit. Ich frage einen Kumpel, dann laden wir dir auf. Du hast mir sehr geholfen,
24:35danke.
24:35Ich verstehe nicht.
24:36Na, das meinte ich doch vorhin. Als Leipzigerin, da kennst du dich mit sowas halt aus. Da stehen die Leute
24:40auf so einem Kram.
24:42Ich sage immer, pack den ganzen Plunder ein, stell dich in Leipzig auf den Markt und die Leute reißen dir
24:46das Zeug aus den Händen.
24:47Aus dem wurmstichigsten Holz, was wir hier nur noch zum Verfeuern verwenden würden, machen die sich dort Regale und Schränke.
24:52Aber wir sind die Hinterwäldler.
24:53Ich entwickle da manchmal so eine Leipzig-Abneigung. Gar nicht, weil ich die Stadt nicht mag. Ich meine, es ist
24:58toll hier und es hat auch einen Grund, weshalb die Leute hier sind.
25:01Aber ich bin da so neidisch drauf, weil ich mir denke, ey, ihr kriegt unsere ganzen guten Leute. Ihr seid
25:07wie so Magneten und zieht die raus aus der Provinz.
25:09Und ich könnte die aber alle richtig gut gebrauchen bei mir vor Ort. Und stattdessen landen die hier bei euch.
25:14Mensch, ey, wenn ihr nicht gegangen wärt, wenn ihr wieder zurückkommen könntet, wir könnten uns eine richtig gute Zeit machen
25:22zusammen.
25:26März 2023. Lukas Ritschel wird in der Dresdner Frauenkirche mit seinem Schriftsteller-Kollegen Uwe Tellkamp über die Grenzen der Meinungsfreiheit
25:36sprechen.
25:37Ich weiß nicht, warum ich zugesagt habe. Ich war neugierig. Ich war auch neugierig, Tellkamp kennenzulernen.
25:44Ich bin ein ganz großartiger Schriftsteller und bin auf die persönliche Begegnung gespannt. Ich glaube, sowas habe ich noch nicht
25:52gemacht.
25:53Und ja, also mir geht ganz schön die Pumpe auf jeden Fall.
26:05Uwe Tellkamp polarisiert seit Jahren mit seinen Äußerungen zu diversen Themen. Flüchtlingspolitik, Corona und anderes.
26:12So sehr, dass es vorab sogar aus der Kirchengemeinde Protest gegen diese Veranstaltung gab.
26:17Dennoch sind rund 500 Dresdner in die Frauenkirche gekommen. Das Thema bewegt viele.
26:24Nur 45 Prozent der Befragten haben das Gefühl, die politische Meinung könne frei geäußert werden.
26:31Das ist also nicht mal jeder Zweite in dieser Republik.
26:34Und da möchte ich gleich mal von Ihnen wissen, Herr Tellkamp, ich fange mal mit Ihnen an.
26:37Was sagen Sie zu diesem Befund?
26:42Natürlich kannst du alles sagen. Nur musst du dann die Konsequenzen tragen.
26:48Wer öffentlich sich äußert, muss den Widerstand vertragen.
26:52Und was es sonst so gibt, an Plattitüden plagen.
26:57So kommt es denn, dass auch in unseren Tagen die Dinge liegen, wie sie lagen.
27:03Im Raume die bekannten, umstrittenen Elefanten.
27:10Gut, lassen wir einen Moment so stehen.
27:13Ich hatte sowas vermutet, weil wir sind rausgegangen aus diesem, ich sage mal, Backstage-Raum.
27:18Wo es übrigens eine ganz gelassene, fröhliche Stimmung gab.
27:20Und auch Herrn Tellkamp gefragt hat, ist er eigentlich aufgeregt von solchen Veranstaltungen?
27:23Natürlich ist er das. Also wäre seltsam, wenn nicht.
27:26Und dann sagt er, ich muss noch mal kurz in meinem Rucksack und hole dir dann also diese Zettel da
27:30raus.
27:31Und auch Frau Gerlach, die Moderatorin, hat dann schon gesagt,
27:33Ach, Herr Tellkamp, was haben Sie denn hier vorbereitet? Ohne zu wissen, was gleich passieren würde.
27:37Als Mittel, als Methode war das schon interessant.
27:40Also zu sagen, ich unterlaufe jetzt mal hier die Erwartungshaltung.
27:43Ich weiß eigentlich, welche Fragen kommen. Das steckt ja dahinter.
27:46Dass er eigentlich nur, also alles, was er uns gezeigt hat, war,
27:48ich weiß, welche Fragen Sie stellen werden. Ich weiß, worum es gehen wird.
27:51Also nehme ich das mal vorweg und bereite da mal ein paar Verse vor.
27:54Ich versuche es jetzt bei Ihnen.
27:56Ich habe keine Reime dabei.
27:58Sie haben keine Reime dabei?
27:59Nein, ich wusste das nicht.
28:01Das ist natürlich jetzt.
28:04Das ist natürlich schwierig.
28:08Versuchen wir es nochmal anders.
28:09Hat sich in der Debatte, in der öffentlichen Debatte, der Ton verändert aus Ihrem Empfinden in den letzten Jahren?
28:16Ich glaube, wenn wir über diese Meinungsfreiheit sprechen, müssen wir uns vor Augen führen,
28:22dass es hier im Kern, das ist zumindest meine Diagnose, eigentlich um einen Streit geht zwischen,
28:28ich nenne es mal den Außenseitern und den Etablierten.
28:30Es gibt viele kleine Gruppen, die sich Gehör verschaffen, die laut werden.
28:34Das macht uns als Gesellschaft eigentlich aus und stark, dass es die gibt und dass wir denen zuhören.
28:40Uns gelingt das gerade nicht.
28:41Deswegen sitzen wir hier und diskutieren darüber.
28:44Ich finde es bewundernswert an Herrn Telkamp, dass er trotzdem immer wieder sich dann auch hinsetzt und diesen Gegenwind in
28:51Kauf nimmt.
28:53Manchmal habe ich das Gefühl, das ist so eine Spirale, die sich dann auch so weiterdreht und aus der man
28:57schwer wieder rauskommt.
28:59Aber was Herr Telkamp uns schildert, nämlich, dass er mit Diffamierungen zu kämpfen hat, dass er geschnitten wird, das ist
29:08ein Befund, den wir auch ernst nehmen müssen.
29:09Wir müssen uns natürlich dann auch jeder für sich reflektieren, muss das so scharf sein, muss das so diffamierend sein,
29:18müssen wir Worte verwenden, hinter die wir nicht mehr zurückkommen.
29:21Manchmal sind wir sehr schnell mit unseren Labels, wenn ich das mal so sagen darf, mit unseren Stempeln, die wir
29:27so aufdrücken und dann ist so eine Debatte auch einfach schnell vergiftet.
29:30Also ich finde, eine freie Gesellschaft verträgt viel an Freiheit und muss eigentlich bis auf bestimmte Punkte keine Einschränkungen haben.
29:40Und wenn sich eine Zivilgesellschaft, die Antifa oder wer auch immer aufschwingt zu Debattenrichtern, wer etwas sagen soll, darf oder
29:49nicht,
29:50dann läuft was in diesem Land und ja nicht nur hier gewaltig schief.
29:56Was dieser Abend illustriert hat und was, glaube ich, viel eindrücklicher und nachdrücklicher ist als alles, was wir da hätten
30:04inhaltlich besprechen können,
30:05ist, glaube ich, zu zeigen, eine Diskussion kann nicht funktionieren, wenn immer nur eine Seite die Hände reicht.
30:11Wenn immer nur ich in dem Fall Herrn Telkamp zustimme, ihm Recht gebe, auf ihn zugehe.
30:16Und solange das nur von einer Seite passiert, wird es keinen Austausch geben.
30:21Herr Telkamp fühlt sich vielleicht auch wohl in dieser Ecke.
30:24Er hat diese Rolle angenommen und nur wenn er diese Ecke verlässt, kann es wieder eine Annäherung geben.
30:31Das Problem, was ich sehe in diesem Land bei diesen schwierigen Themen, eben nicht, sagen wir mal, bei einer Sportveranstaltung,
30:37sondern bei den existenziellen Sachen, ist die, dass diese Argumente nicht gern gehört oder wenn sie in eine angeblich falsche
30:45Richtung laufen,
30:46nicht gern gehört werden.
30:47Hier geht es um Ideologie und damit geht es um Weltsicht und es geht um Klimawandel und der ist ganz
30:53unbezweifelbar und der ist unbezweifelbar menschengemacht.
30:55Und wenn Sie eine andere Meinung dazu haben, sind Sie ein Vollidiot.
30:58Und da fängt die Moral an, da fängt die Wertung an und das ist das Problem.
31:03Manchmal ist es so schwer zu diskutieren, weil das Fundament grundsätzlich fehlt, weil es immer wieder angezweifelt wird.
31:10Wir können jede Debatte der letzten Jahre nehmen, selbst jetzt bei dem Angriffskrieg gegen die Ukraine,
31:15dass wir über diese Gaslieferung diskutieren, über Friedensverhandlungen,
31:18aber dass der eigentliche Fakt, nämlich dass Russland die Ukraine angegriffen hat,
31:23dass selbst das immer wieder angezweifelt wird und verdreht wird.
31:27Und das ist, wo es mir wahnsinnig schwerfällt, in diese Diskussion einzusteigen.
31:31Weil wovon gehen wir denn aus? Was nehmen wir denn jetzt mal an als Fundament und entwickeln uns weiter?
31:37Und das wäre für mich eine fruchtbare Diskussion.
31:39Aber wenn diese Faktenlage nicht anerkannt wird, dann weiß ich nicht, wo wir ansetzen sollen.
31:44Ja, da würde ich gerne nochmal einhafen.
31:46Wissen Sie, die jungen Pioniere, in denen ich mal Mitglied war mit ihren zehn Geboten,
31:50die wussten auch ganz genau, was die Fakten sind.
31:53Und ich bin 54 Jahre alt, ich habe schon ein paar absolut faktensichere Gebäude zusammenbrechen sehen.
31:59Das ist das Problem.
32:00Und demzufolge bin ich skeptisch, wenn mir die Wissenschaft, die es nicht gibt,
32:04wenn die mir sagt, das ist jetzt so und das läuft genau so
32:08und wenn du das nicht glaubst oder wenn du das nicht weißt, bist du ein Vollidiot.
32:11Und das ist das Problem.
32:12Und diese Ecke, in die Herr Telkamp sich gedrückt fühlt, für die ist er zu einem Stück weit auch selbst
32:18verantwortlich.
32:19Und das könnte man brechen an so einem Abend und man könnte aufeinander zugehen.
32:22Und Herr Telkamp hätte uns alle und mich überraschen können, wenn er da auf einmal sitzt und sagt,
32:27nee klar, Klimawandel, das ist ein Riesenproblem.
32:28Das müssen wir angehen.
32:29Und eben weil man kennt die Antwort, man weiß, er wird es nicht sagen,
32:34aber diese Diskussion könnte einen ganz anderen Ausgang nehmen.
32:38Und ich habe mir das nicht gewünscht, aber es wäre interessant gewesen.
32:43Es wäre, weil es eine Erwartungshaltung aufgebrochen hätte.
32:47Und so haben wir einfach nur gezeigt, und Herr Telkamp hat es selber für sich gezeigt,
32:51wenn er da stehen bleibt, wo er steht, dann ist es sehr leicht immer zu sagen,
32:55aber die anderen sind schuld und die anderen sind dafür verantwortlich.
32:58Ich finde, da gehören schon auch ein bisschen zwei dazu.
33:00Genau.
33:01Herr Telkamp, ich habe mich sehr gefreut, dass wir uns mal kennengelernt haben.
33:04Ich hoffe, wir können uns das nächste Mal über Literatur unterhalten,
33:06weil da hätte ich ganz viele Fragen.
33:09Ja, hoffe ich auch.
33:10Okay.
33:11Okay.
33:13Bis zum nächsten Mal.
33:19Am Abend danach ein Heimspiel für Lukas Rietzel.
33:22Beinahe.
33:23Am deutsch-sorbischen Volkstheater Bautzen hat sein Stück Widerstand Premiere.
33:28Das Stück, das coronabedingt in Leipzig nur als Theaterfilm uraufgeführt werden konnte.
33:39Es hat geklappt.
33:41Pssst.
33:41Es hat geklappt.
33:42Wo warst du denn so lange?
33:44Ich hatte Damenbesuch.
33:46Du?
33:47Hast du die vorher betäubt, oder warst du?
33:50Es gibt Frauen, die stehen auf mich.
33:52Ob ihr es glaubt oder nicht.
33:53Oder warst du wieder bei den Kühen?
33:55Ach, deswegen waren die heute so unruhig.
33:57Ich hoffe, du hast wenigstens verhütet.
34:01Ein Stück vom Lande, dessen heitere Szenen gut ankommen.
34:05Aber Widerstand ist auch ein Stück, in dem Rietzel die Grenzen der Toleranzfähigkeit auslotet.
34:10Fast wie am Vorabend in der Frauenkirche.
34:13Es handelt von Männern, die sich radikalisieren.
34:16Einer von ihnen ist der Vater von Isabel, der jungen Frau, die aus Leipzig in die Provinz zurückgekehrt ist.
34:22Aber was habt ihr denn gemacht?
34:27Volksverräter!
34:30Das ist unser Land.
34:33Unsere Heimat.
34:35Wir geben das nicht her.
34:38Widerstand.
34:41Wenn man jemanden erschießen müsste, dann...
34:44den Staat.
34:46Ich will, dass die in Panik geraten.
34:50Sowas passiert nicht, wenn der scheiß Bus nicht kommt.
34:54Du musst doch mal ein bisschen Verständnis haben.
34:56Für uns hier.
34:58Ich kann kein Verständnis mehr haben.
35:00Ich habe mich bemüht.
35:01Ich habe alles zu verstehen versucht.
35:03Habe geredet, geredet, geredet.
35:06Und zugehört.
35:07Als es losging mit dieser...
35:09mit dieser Sprache.
35:10Mit diesen Hass-Tiraden.
35:12Und sogar, als sie aus dem Heide brannten.
35:15Es reicht.
35:15Er ist ein Mann!
35:31Das war echt krass.
35:33Das war echt krass.
35:34Das Einzige, was ich echt als selten empfunden hab, war nach...
35:45Yeah, but that's the worst thing that could happen.
35:50And then...
35:51And then also after the Isabel-Monologue,
35:55there was also the worst thing that could happen,
35:59if someone thinks, finally say it to someone.
36:02It could not be better.
36:04I noticed that, so I was very shocked,
36:08that people in the theater would not go to Leipzig.
36:12And that they see it now, that they see it,
36:16that they see it, that it's actually the best thing that could happen.
36:19That's when Kunst works, that's the wrong word,
36:24but when it works out of the own Blase,
36:27from the reference frame,
36:28from the entire time, from the resonance frame,
36:32that's how to break it.
36:34Im Herbst 2022
36:35will Lucas Rietschel
36:36with the Sächsischen Literaturpreis.
36:39The call from the Vannette,
36:40the Karin Großmann was called the Jury-Vorsitzant,
36:43and he just told them,
36:45they just said,
36:45can you just 10.000 Euro need to be paid?
36:48Who said no?
36:49In his books,
36:52in his books,
36:53and in his books,
36:54he talks about Verwerfungen
36:56in the biographies
36:58of Verunsicherungen
37:01and verwüsteten Seelen.
37:03How is that,
37:06when people suddenly
37:07lose their feet
37:08and lose their feet
37:10and lose their feet
37:11and out of all
37:13trusted relationships.
37:14And then came
37:15that with the
37:16and they said,
37:16yes, we have chosen that
37:18and we wish them
37:19and we wish them
37:19and I couldn't
37:21do that in the moment.
37:22I can't understand that
37:22until today,
37:24because I'm still young,
37:25because I feel like
37:26I didn't feel so much
37:27about it.
37:27I gratuliere herzlich
37:29zum Sächsischen Literaturpreis,
37:31während ich gleichzeitig hoffe,
37:32dass in den kommenden Jahren
37:34immer weniger
37:35vom ostdeutschen Schriftsteller
37:37Lukas Ritschel
37:37die Rede sein wird,
37:39bald nur noch
37:39vom deutschen
37:40oder vom Schriftsteller
37:41Lukas Ritschel.
37:44Ich habe oft das Gefühl,
37:45dass gerade an solchen
37:46Abenden und in Sachsen
37:47sagen wir,
37:47wenn man so gebauchmietzelt wird,
37:49also wenn einem so das Ego
37:50gestreichelt wird,
37:51dass man in so eine Hybris
37:51verfallen könnte
37:52und dann überschätzt man
37:54so die eigene Rolle
37:55und wenn es eine Sache gibt,
37:56vor der ich große Sorge habe,
37:57die eigene Rolle
37:58und den eigenen Raum
37:58zu überschätzen,
38:00in dem man sich gerade befindet
38:01und dann irgendwelche
38:02vermeintlich klugen Sachen
38:03erzählt über Literatur
38:05oder über Politik
38:06und über Dinge,
38:07die eigentlich überhaupt
38:09nicht wichtig sind
38:09in dem Fall.
38:10Und deswegen möchte ich
38:12einfach nur Danke sagen,
38:14weil das viel wichtiger ist.
38:16Jetzt geht's los.
38:20Ja, das war klar.
38:26Ich bin schon viel unterwegs.
38:30Welchen Anteil hat das?
38:31Also ich wünschte mir,
38:32ich hätte mehr Zeit,
38:33zu Hause zu sein.
38:35Ich weiß noch,
38:36als Kind war das so,
38:38Hotelübernachtung war das Größte.
38:40Also mit einem Hotelfrühstück.
38:41Und mit meinen Eltern,
38:43klar, wir waren im Urlaub,
38:45aber so ein Hotel, Hotel,
38:46das war jetzt,
38:47das war was Besonderes.
38:48Das heißt,
38:49ich bin gestartet,
38:50als es losging,
38:51mit meinem Autorendasein
38:52und mit dem ersten Buch.
38:54Ich hab mich da richtig drauf gefreut.
38:55Ich hab so geil,
38:56wieder ein Hotel.
38:56Und dann gibt's ein schönes Rührei
38:58am nächsten Tag.
39:02Ich will mich da gar nicht beschweren,
39:04weil das ist ein Riesenprivileg,
39:06eingeladen zu werden,
39:07irgendwo lesen zu dürfen,
39:08dass also Veranstalter,
39:10Veranstalterinnen mir zutrauen,
39:11dass das ein guter Abend ist
39:12und so weiter.
39:14Aber es schlaucht enorm.
39:16Vollkommen richtig.
39:17Herr Brause?
39:18Ich grüße Sie.
39:20Grüße Sie.
39:20Hallo, schön hier zu sein.
39:21Ja, wunderbar.
39:23So, hier ist ein Hund.
39:25Namens Hüse.
39:26Bitte komm her.
39:29Hallo.
39:30Hier soll das Ganze stattfinden.
39:32Ja, das ist doch super.
39:33Ja.
39:33Sie haben auch Wein besorgt.
39:35Wir haben Wein und Wasser besorgt.
39:36Wenn Sie möchten,
39:37weiß, rot oder Wasser.
39:39Ich bleib bei Wasser.
39:39Alles klar.
39:40Steht schon für Sie bereit.
39:42Fantastisch.
39:42Wenn Sie noch irgendwas brauchen,
39:44dann sagen Sie mir jetzt.
39:44Ich meld mich, ja.
39:45Aber erst mal ist alles super so.
39:47Okay.
39:48Ich kann da so schlecht Nein sagen,
39:49weil ich finanziell abhängig davon bin.
39:52Bücherverkäufe werfen kaum was ab.
39:54Dann kommt hin und wieder mal eine Textanfrage
39:57vielleicht von der Zeitung oder sowas.
39:59Das mache ich dann.
40:00Aber um wirklich so die Fixkosten reinzuholen,
40:03muss ich also Pi mal Daumen eigentlich zwei, drei Lesungen im Monat haben,
40:07damit das wirklich, damit ich vielleicht sogar noch ein bisschen was habe,
40:09um was zurücklegen zu können.
40:11Da sind wir ja noch wo ganz anders, ne.
40:12Altersvorsorge und so.
40:14Einer der ersten großen Erfolge von Georg Baselitz, so stand es in den Katalogen, waren die sogenannten
40:21Heldenbilder gewesen, entstanden in den 60er Jahren.
40:25Damals lebte Hans Georg Kern, wie er sich nicht mehr nannte, bereits im Westen.
40:29Ein bisschen haben wir es schon gehört.
40:30Also Hans Georg Kern ist dann zum Studium nach Berlin gegangen,
40:34hat dort Kunst studiert und hat sich irgendwann den Namen Baselitz gegeben,
40:38den sie also heute kennen vielleicht als einen der größten Künstler der BRD,
40:42aber eigentlich hat er eine ganz klare Ostbiografie.
40:46Ich habe dann Autorinnen und Autoren darüber geredet,
40:50die auch viel länger schon dabei sind und auch wesentlich erfolgreicher,
40:53die mir dann gesagt haben, ich habe auch so angefangen.
40:57Das war bei mir genau das Gleiche.
40:59Und die auch irgendwann mal war so gefühlt die Kraft weg, aber die wussten,
41:04selbst wenn da fünf Leute sind und bei der nächsten Bucherscheinung erinnern die sich daran
41:08und dann kaufen die das Buch und so baust du dir ja dann auch irgendwie so eine Leserschaft auf
41:12und so ein Publikum auf und auch da, das ist so eine Langzeitwette auf eine Art.
41:18Und selbst wenn ich da ganz viel Kraft reinstecke und eben danach so leer gepumpt bin und so matschig,
41:24aber das hebt mich dann schon auf.
41:25Man kann bis heute sagen, es gibt Ostdeutsche, weil es immer wieder auch ein Narrativ über Ostdeutsche gibt.
41:32Also das geht bei meinen Eltern los, die also damit konfrontiert waren,
41:36dass sie angeblich nicht wussten, was eine Banane ist und wie man die schält.
41:39Und also so dieses Narrativ des Mangel-Systems und des Minderwertigkeits.
41:44Genau, Zonengabi mit der ersten Banane und das, ja ja genau, das war was anderes.
41:50Und dann aber, und dann aber, und dann aber die, und dann geht es weiter über die, über die 2010er
41:58Jahre über, das sind ja alles Neonazis und das sind ja alles Nazis und bis heute hinein, das sind ja
42:04alles Corona-Leugner.
42:09Im Osten ist es gefühlt emotionaler.
42:11Weil die Leute, die Geschichten, die ich erzähle, die können die nachvollziehen, die kennen das von sich und dann passiert
42:17es eben dort oft, dass dann Nachlesungen oder währenddessen, dass die dann anfangen, ihre Geschichten so zu erzählen.
42:23Und allein, dass auch das passiert, zeugt ja davon, dass die sich wohlgefühlt haben, dass die sich in der Atmosphäre
42:30auch wertgeschätzt gefühlt haben.
42:31Das ist im Westen anders. Diese Lesungen berühren nicht so sehr das Herz, da geht es eher um den Kopf,
42:36glaube ich.
42:36Da geht es eher um, ah ok, das wusste ich gar nicht. Schön, dass mal jemand kommt und uns das
42:41mal erzählt. Das sind, glaube ich, die Unterschiede.
42:47Hallo, Christian. Hallo.
42:49Grüß Gott.
42:50Grüß Gott.
42:50Ich wollte gerne einen High-Check, bitte.
42:53Hallo.
42:53Für Ritschel.
42:55Ja.
42:56So.
42:57Eine Person?
42:58Ja, genau.
42:59Sie meint?
43:00Super.
43:01Frühstück morgen früh?
43:02Ei oder so, na gut.
43:03Ei, Sprühe-Ei, Spiegel-Ei.
43:05Ein Rührei zum Beispiel, ja.
43:07Ich muss nicht, dass ich so viel auswählen habe.
43:09Nein.
43:09Super.
43:15Ich kann das alles nicht mehr sehen.
43:17Ich komme dieses in diese Zimmer reinkommen.
43:22Manchmal riecht es nicht so gut.
43:23Es sind jetzt nicht immer die Besten absteigen.
43:27Und dann liegst du da und guckst dann nochmal so ein Fernsehen abends und denkst dich meist
43:32halt eigentlich nur, ey, ich freue mich echt wieder zu Hause zu sein.
43:42Na ja, ich bin über, ja genau, ich bin Ochsenfurt nach Würzburg, dann Würzburg nach Bamberg, Bamberg nach Erfurt, Erfurt
43:57-Leipzig, Leipzig-Dresden und dann Dresden-Gürlitz.
44:01Und ich hatte, was absehbar war, der hatte dann so Verspätung, dass ich den von Dresden nach Gürlitz nicht mehr
44:06geschafft habe.
44:07Aber ja, aber okay, also danach war wieder gut.
44:13Jetzt gerade bin ich glücklich hier.
44:15Ich möchte hier eigentlich gerne alt werden.
44:16So wie die meisten Menschen, die hier sind.
44:18Weil ich nicht вдруг stark dabei war.
44:21Von mir jetzt geing� Dulgulst undvinglitzern.
44:22Und dann drehen wir darauf derived auf, wenn ich da nicht traurigte, um eigentlich laute.
44:22All又 komplett dwarf dich.
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