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00:19What I'm interested in, Frau Süßmuth, is to be in the public, how often do people come and want to
00:25speak with you a political conversation or whatever you want to start?
00:29Sehr häufig und liebevoller als früher, als ich im Ampfer.
00:35Das haben Sie sich verdient.
00:38Woran mag das liegen? Sie waren doch beliebt. Sie waren als Politikerin sehr beliebt.
00:42Ja, aber da, wissen Sie, in solchen Ämtern entsteht Abstand. Wenn Sie mich einführen als Frau Professor Dr. Süßmuth, dann
00:50schafft das einen Riesenabstand.
00:52Sagen Sie einfach meinen Namen und dann ist es gut.
00:56Okay, wir fangen doch mal an.
00:58Es freut mich sehr, dass Sie da sind. Wollen wir ein bisschen zurückblicken?
01:02Wenn Sie wollen.
01:0365 Jahre und ein Tag. Mutter Hedwig arbeitete im Juweliergeschäft Ihres Vaters, war hochschwanger mit Ihnen.
01:11Und dann kommt da ein Einbrecher vorbei. Die Wehen setzen ein. Was hat Ihre Mutter unternommen?
01:19Also zunächst hat sie noch mal die Polizei angerufen.
01:23Mutige Frau.
01:24Und hat das auch noch erreicht. Das Kabel war auch damals noch nicht durchgeschnitten.
01:28Ja.
01:28Und kaum, dass die Einbrecher gepackt waren, kam dann auch sehr bald der Krankenwagen, um sie ins Krankenhaus zu bringen.
01:39Und ich bin dann in den Morgenstunden vom Rosenmontag auf den Rosendienstag entbunden worden.
01:44Also Mutter war aber so mutig, sie ist erst mal dort geblieben und nicht geflüchtet.
01:48Nein. Der eigene Vater war ganz aufgeregt, ob sie sich in Gefahr begebe, weil sie auch an die Tür ging.
01:56Nein, sie hat also mutig zugepackt.
01:59Ja. Wie viel Kämpfernatur haben Sie von Ihrer Mutter so mitbekommen, wenn man das Beispiel jetzt mal nimmt?
02:05Das habe ich früher nie so überlegt, aber ich denke, dass ich immer wieder auch im Alltagsleben nicht aufgebe.
02:15Also erst aufgebe, wenn es gar nicht anders geht.
02:18Wovor haben Sie konkret Angst? Was macht Ihnen im Alltag Angst?
02:20Also Angst macht mir im Alltag nach wie vor die Frage Trennung und Verlust oder schlechte Nachrichten oder aus der
02:31Politik, was passiert wieder im Hintergrund.
02:34Stichwort auch Intrigen. Also die schlechte Nachricht.
02:39Oder ich nenne es Ihnen mal an anderen Beispielen.
02:43Oftmals, wenn ich in der Politik nach vorn gegangen bin, also nicht den normalen Mitruderweg eingeschlagen habe, sondern gesagt habe,
02:52hier muss ich Einspruch erheben, dann war das nie eine Spontanaktion, sondern ich malte mir aus, was passiert, wenn du
03:00das tust.
03:01Also da waren auch Ängste im Spiel vor Sanktionen, vor Abmahnungen, vor Rausschmiss.
03:08Aber ich habe es am Ende doch immer gewagt, ob das AIDS war oder ob das Lebensschutz 218 war.
03:15Das sind die politischen Themen. Ich meine das mehr so als eigene Reaktion.
03:19Sie haben eben gesagt, Intrigen, dass da ein Anruf kommt und es könnte eine schlechte Nachricht sein.
03:23Also ich meine jetzt im Privaten.
03:24Wie mache ich das im Privaten?
03:26Im Privaten eigentlich auch durch Aktivitäten dagegen setzen.
03:31Also wenn mich sowas überfällt, dann brauche ich zum Beispiel gute Musik.
03:35Oder ich gehe nach draußen, um mich frei zu atmen und frei zu gehen.
03:41Also ich brauche solche Dinge, damit sich das nicht in mir verkrampft.
03:45Das ist ja überraschend, weil Sie haben ja als kleines Kind sehr frühzeitig Verantwortung übernehmen müssen.
03:49Das war auch gut so.
03:50Also 1945, da gab es eine Situation, das Trauma der Bombennächte.
03:54Der Vater war noch im Krieg, kam es später zurück 1945.
03:57Die Mutter war schwer krank, war Typhus erkrankt.
03:59Und wie ist das?
04:00Also es ist für die jetzige Generation ja kaum vorstellbar.
04:03Ein achtjähriges Mädchen, das für die ganze Familie sorgt.
04:06Wie haben Sie das hingekriegt?
04:08Das kann ich heute kaum mehr sagen.
04:10Sie handeln dann in der Situation.
04:13Und da war noch meine Schwester.
04:16Aber wir waren als Kinder allein.
04:18Und ich habe eigentlich in dieser Zeit gelernt, alles was man im Haushalt braucht, was man tun muss, um seine
04:25Geschwister zu schützen, aber auch Hilfe von Erwachsenen zu suchen.
04:30Sodass ich sagen muss, in den ersten Nachkriegsjahren spielte Schule die untergeordnetste Rolle der Welt.
04:37Wir waren unterwegs auf dem Feld hamstern, Äpfel suchen, Eier hamstern.
04:43Das war eine ganz andere Kindheit und Jugend, allerdings dann nach dem Krieg auf dem Lande mit einer wahnsinnigen Weite
04:53und oftmals auch, wir hatten ja fünf Kinder, für die Eltern überhaupt nicht kontrollierbar und erreichbar.
05:00Das war auch eine befreiende Kindheit.
05:03Das klingt jetzt so, als wenn Sie ein wilder Teenager gewesen wären.
05:05Nein, das war ich gar nicht.
05:06Es hat eine Zeit gegeben, ich war bis zum zwölften Lebensjahr auf einer Schule mit Ordensfrauen, in der ich vieles
05:15nicht lernte, was ich hätte lernen sollen, zum Beispiel Sport.
05:18Ich kam als Zwölfjährige.
05:20Ich dachte, jetzt ist was anderes, aber okay.
05:22Und ich habe dann also kräftig nachgeholt, nicht nur im Sport, sondern als es dann in die Tanzstunde ging.
05:28Es gab mal drei Vierteljahre, wo ich wirklich außer Rand und Band war und jede Gelegenheit zum Tanzen wahrnahm.
05:33Das kann ich mir nicht vorstellen, Frau Süßmo. Wie hat sich das geäußert? Sie außer Rand und Band?
05:37Ja, also meine Eltern waren gewöhnt, dass ich zu Hause war. Das war ich nicht mehr.
05:42Ich kam abends nicht pünktlich. Ich machte so gut wie keine Schularbeiten, aber es war, ich sage Ihnen trotzdem, es
05:49war auch wunderschön.
05:50Nach dem Dreivierteljahr kam es dann wieder in geordnete Bahnen und ich möchte diese Zeit nicht missen.
05:57Also diese Zeit in Frankreich. Sie sind mit 21 dort hingegangen. Sie haben erst Romanistik studiert, dann später Erziehungswissenschaften, Soziologie,
06:04Psychologie.
06:05Und dann ging es nach Paris als 21-jähriges Mädchen. 1958 in diese Stadt. Das muss doch großartig gewesen sein.
06:12Wie sah das aus? Hatten Sie den Haarschnitt auch so wie Juliette Gréco, filterlose Zigaretten geraucht? Was haben Sie gemacht?
06:17In der Zeit hatte ich beim ersten Besuch noch einen Pferdeschwanz zurück, gekämpftes Haar mit sehr viel Krause und einem
06:27Pferdeschwanz.
06:28Beim zweiten Mal hatte ich schon kurzes Haar. Aber ich gebe Ihnen recht, ja, diese Pariser Zeit war für mich
06:34eine ganz entscheidende.
06:36Also ich sage bei dieser Gelegenheit, ich bin auf dem Land groß geworden, hat allenfalls Kleinstädte erlebt und kam in
06:45diese Riesenstadt.
06:46In diese sündhafte Stadt.
06:48Ja, die war aber auch spannend zu erleben, was vor allen Dingen in den Nächten in Paris passierte.
06:56Es war meine erste Begegnung auch mit interkultureller Welt.
06:59Ich erlebte nordafrikanische Studierende. Meistens kamen sie aus gutem Elternhaus, aber da ich mir mein Studium auch verdienen musste, war
07:09ich als Au-pair-Mädchen oft in den Tüllerien mit den Kindern.
07:13Und erlebte genauso die armen Nordafrikaner, insbesondere die Algerier.
07:19Und es waren neue Welten, auch die Welt der Ästhetik, des Films, des Theaters. Also ich hatte eigentlich kein Geld.
07:27Und der Philosophie und der Existenzialisten.
07:29In der Bibliothek sind Sie auf Jean-Paul Sartre getroffen. Also der Weiberheld Jean-Paul Sartre. Wie nah sind Sie
07:36ihm gekommen?
07:37Ganz große Entfernung. Ich bin oft Schulter an Schulter mit ihm durch das Gate gegangen, wenn wir in die Nationalbibliothek
07:46wollten.
07:47Das war ja etwas später, Anfang der 60er Jahre. Und dann habe ich ihn beobachtet an seinem Arbeitsplatz oder wenn
07:54er recherchierte.
07:55Und er war von einer außergewöhnlichen Pünktlichkeit. Man konnte morgens fast die Uhr danach stellen, wann er in die Nationalbibliothek
08:03kam.
08:04Und ich hatte ihn 58, 59 an das Sorbonne gehört. Und das erste Mal erlebt, wie ein Schriftsteller Worte, Farbe
08:17und Musik miteinander komponierte und uns die Ästhetik erklärte.
08:22Also an seine Frauengeschichten habe ich damals gar nicht gedacht.
08:25Frau Süßmut, Ihre Augen leuchten jetzt, wenn Sie darüber reden. Waren Sie ein bisschen verliebt in Jean-Paul Sartre?
08:31War ich nicht, aber sehr interessiert. Und ich muss sagen, ich war damals so darauf aus, diese neue Welt ein
08:39bisschen zu erkunden, dass ich alles spannend fand, was so ganz anders war als in meiner bisherigen Welt.
08:45Das heißt, jetzt waren Sie nicht mehr die angstbesessene Frau, sondern richtig mutig?
08:50Ich meine, Angst und Mut schließen sich überhaupt nicht aus. Die Angst ist ja auch ein Schutz für den Menschen.
08:57Und Angst kann lähmen, kann aber auch aktivieren.
09:01Also ich finde, das habe ich im Verlauf der Jahre gelernt, dass Angst und Mut sich nicht ausschließen. Aber es
09:08ist wichtig, es zu reflektieren. Sonst wäre es tollkühn. Und Mut hat für mich immer auch eine Verbindung zur Angst.
09:17Ich meine, nach dem Studium haben Sie sich dazu entschlossen, eine akademische Laufbahn zu machen. Als Frau. Wir reden vom
09:23Jahr 1966, als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Ruhr.
09:29Also das war schon ungewöhnlich in jeder Hinsicht. Da waren doch mehr die Kerle unterwegs. Welche Hürden mussten Sie damals
09:34überwinden als Frau?
09:36Also da musste ich noch keine Hürden überwinden. Also ich hatte ja meinen Vater erlebt als meinen Förderer. Und ich
09:43erlebte, Hochschullehrer, Frauen gab es ja nicht.
09:46Die auch Frauen förderten. Und ich weiß, mein berühmte Romanist Jaus besorgte mir ein Stipendium.
09:55Hat damals kräftig dafür gekämpft, dass ich nicht in der Pädagogik, sondern in der Romanistik promovieren sollte.
10:01Meine erste Assistentenhilfstelle war in Stuttgart an der Universität bei Robert Speymann, also Philosophie.
10:09Da habe ich diese Benachteiligung überhaupt nicht gespürt und habe die Chance auch wahrgenommen.
10:16Also ich hatte ja nicht von Anfang an mit 16 vor, in eine akademische Laufbahn zu gehen.
10:21Aber als ich erst mal studierte, da fand ich, dass ich hätte mein ganzes Leben studieren können, wenn ich nicht
10:27hätte Geld verdienen müssen.
10:31Ein anderer Schritt nochmal. Also als Sie dann eingestiegen sind in diese akademische Welt und Dozentin waren, da passierte was,
10:37was eigentlich nicht passieren sollte.
10:39Richtig.
10:40Sie waren gerade angefangen. Dann waren Sie schwanger.
10:45Waren Sie ein bisschen unvorsichtig?
10:48Also was heißt, sonst bekommen Sie ja nie Kinder, wenn wir nicht mal in der Ehe den Kinderwunsch erfüllen.
10:55Es war nur so, dass die Bewerbung zu dieser ersten Dozentur, die hat mich das erste Mal ganz bewusst werden
11:03lassen als Frau.
11:04Weil im Rahmen dieser, es gibt Vorstellungen, Sie halten eine Vorlesung, ein Seminar und ein anschließendes Kollopium.
11:11Und dann kam die Frage, was ist, wenn ein Kind kommt?
11:16Die hat mich so erschrocken gemacht, diese Frage.
11:18Dass Sie gleich schwanger geworden sind.
11:19So kann man auch sagen.
11:22Oder auch die Frage, was ist, wenn Sie vor Ihrem Mann Dozentin sind?
11:27Das fand ich alles ganz...
11:29Oder damit hatte jemand kein Problem?
11:31Mein Mann nicht, aber die Kollegen, die mich berufen sollten.
11:35Ich habe die Stelle hinterher bekommen, aber es passierte tatsächlich, ich war kaum an dieser Hochschule.
11:41Und wurde schwanger und habe dann gedacht, um Gottes Willen, die Kollegen, die sich für dich eingesetzt haben.
11:48Also ich habe bis zum letzten, fast bis zum letzten Tag meine Arbeit getan und bin auch nach sechs Wochen
11:55wieder...
11:56Die Einbrecher aus dem Hörsaal rausgeschickt, wie Ihre Mutter damals.
11:59Ich vergesse nie, es gab früher solche Landessitzungen aller Hochschulkollegen.
12:07Und natürlich waren die neugierig auf die junge neue Kollegin und der ältere Kollege sagt, die kann nicht kommen, weil
12:14sie eine Grippe hat.
12:14Wir haben unsere Claudia Lange die Claudia-Gruppe genannt.
12:18Das war die Ausrede, die benutzt wurde, Sie wollten das kaschieren.
12:21Haben Sie lange Kleider getragen, so weite Kleider die ganze Zeit, damit keiner merkte, dass Sie schwanger sind.
12:25Gut, aber die Kollegen der anderen Hochschule erleben Sie ja nicht laufen.
12:29Ich habe schon den Eindruck gehabt, es war dem Kollegen peinlich, nun sagen zu müssen, hinterher war es selbstverständlich, aber
12:36jetzt war die Geburt.
12:37War Claudia ein Wunschkind?
12:39Ja.
12:40Ja.
12:41Sie war nicht geplant, aber sie war ein Wunschkind.
12:44Aber ich wollte jetzt einfach mal auf Ihre Anfänge zurückkommen.
12:471985, da waren Sie sehr erfolgreich in Hannover mit Ihrer Frauen- und Gesellschaftsarbeit.
12:54Sie haben ja dieses Institut dort geleitet und haben das sehr erfolgreich aufgebaut.
12:58Und da kam dieser wusste Anruf vom damaligen Kanzler Kohl.
13:04Wie haben Sie das erlebt?
13:06Ja, zunächst wusste ich es ja nicht, worum es ging.
13:09Ich muss sogar schildern, es war ziemlich naiv, wie ich daran gegangen bin.
13:15Ich saß im Zug von Hannover nach Hamburg, wollte zur Brigitte.
13:19Es ging um neue Technologien und Frauen.
13:22Und es gab ja früher schon das Telefon im ICE.
13:25Ruf noch mal im Büro an und dann wird mir gesagt, Sie möchten bitte in Bonn folgende Nummer anrufen.
13:32Wäre Ihnen schon bekannt?
13:33Nee, sage ich, die Nummer kenne ich nicht.
13:35Und als ich dann in Hamburg in der Brigitte dort anrief, war es das Kanzleramt.
13:40Und die Antwortler, Sie möchten bitte einmal zum Kanzler kommen.
13:45Ich möchte gerne einen Termin machen.
13:47Und ich fragte in aller Naivität, welche Forschungsunterlagen soll ich denn mitbringen?
13:53Die Antwort war keine.
13:55So fing es an.
13:57Und welchen Eindruck hatten Sie bei Ihrer ersten Begegnung von Kohl?
14:02Einen sehr positiven.
14:03Ich hatte, wir tragen ja immer Bilder mit uns herum.
14:06Ich hatte überhaupt nicht die Vorstellung, dass es ein Mensch, der sehr viel gelesen hat, der sich nicht nur in
14:14der Geschichte, in der Politik, sondern auch in der Theologie auskennt, der mich überhaupt nicht bedrängt hat.
14:21Er hat die Frage, ob ich Nachfolgerin von Heiner Geisler werden wollte, erst sehr spät gestellt, hat mir dann ja
14:29auch Bedenkzeit gelassen.
14:30Nein, der Eindruck war positiv.
14:32Aber das blieb dann nicht immer so, das blieb nicht immer so.
14:35Aber physisch war er doch ein Raumverdränger.
14:38Also hat er Ihnen physisch nicht irgendwie Angst gemacht?
14:41Ja, ich habe es ja im Buch nochmal beschrieben, wie sehr Körpersprache raumfüllend sein kann.
14:51Jetzt müsste ich vorstellen, ich kleiner Wicht daneben.
14:54Das war schon vom Äußeren her eine gewaltige Diskrepanz.
15:00Und ich glaube auch, dass es dann für kleinere Menschen, Männer und Frauen, das ist anderen wie Lothar de Maizière
15:08auch so gegangen, also das ist schwierig.
15:11Wenn jemand groß, raumfüllend ist, dann ist eigentlich für sie kein Platz.
15:17Und dieses Spiel wäre jetzt praktisch, Willi ist krank.
15:22Das heißt, ich sage zu meiner Nachbarin zur Rechten, Willi ist krank.
15:26Sie fragen, was hat er denn?
15:27Nee, so.
15:30Dann muss ich jetzt meinen Zahnarzt konsultieren.
15:33Das geht.
15:36Was hat er denn?
15:37Dann sage ich, eine möglichst komplizierte Krankheit.
15:40Eine möglichst komplizierte Krankheit.
15:43Und dann würden Sie zu Frau Süßmuth sagen, Willi ist krank.
15:48Frau Süßmuth sagen, was hat er denn?
15:50Sie nennen beide Krankheiten, also meine und ihre neue.
15:55Und so geht das weiter.
15:56Also wir fangen mal an.
15:58Ich bin entschuldig.
16:00Willi ist krank.
16:01Oh, ich habe er denn.
16:03Herr Fassistisch Willi.
16:08Herr Fassistisch Willi.
16:19Sie haben so ein schönes Werkchen auch.
16:21Willi ist krank.
16:23Wow.
16:32Herr Fassistisch Willi und Blüterentzündung.
16:36Was?
16:37Blüterentzündung.
16:38Herr Fassistisch Willi.
16:40Schade.
16:42Die Fassistisch Willi.
16:43Herr Fassistisch Willi.
16:51Herr Fassistisch Willi.
16:52Herr Fassistisch Willi.
16:52Und Willi.
16:55Und ich will die Deckung.
16:57Hallo.
17:02Das ist schwieriger, das geholt.
17:03Jetzt erst essen, ne?
17:05Yes, yes.
17:06I can't go to the house.
17:08Yes, yes.
17:10One moment.
17:12Yes.
17:16What?
17:21What?
17:22What?
17:25What?
17:27What?
17:29What?
17:36What?
17:36What?
17:38What?
17:40Ich denke gerade, das hätte sie bei der Fraktionssitze mit Helmut Kohl machen sollen.
17:44Das hat mir alles Spaß bekommen.
17:49Das war extrem lustig.
17:50Da haben wir gemerkt, ist das nicht toll,
17:52wenn Politiker auch mal so in der Öffentlichkeit sich anders zeigen und lachen können.
17:56Sind Sie oft auf diesen Auftritt eigentlich angesprochen worden?
17:58Ja, viel.
17:59Und das ist auch wie heute Abend.
18:03Es gibt auch noch was anderes.
18:05Ja.
18:05Und man hat immer schon feste Bilder, wie die Person sein sollte, könnte und was nicht zu ihr passt.
18:13Wie sind Sie in der Partei, in der Fraktion damit umgegangen, wenn Sie eben das unterstützen mussten, auch nach außen,
18:22was Sie eigentlich aus Ihrer politischen Überzeugung gar nicht wollten?
18:27Also einmal gehört dazu, jetzt sind wir bei Ihrem Thema, dass ich begründe, Sie können nicht bei jedem Bauchkrummeln sagen,
18:37also hier stimme ich nicht zu.
18:38Sondern Sie müssen auch abwägen, was ist wichtig und was ist weniger wichtig.
18:43Das ist das eine.
18:44Und man muss es offen sagen, an welchem Punkt hätte ich lieber eine Veränderung gehabt, die habe ich nicht mehr
18:51durchbekommen.
18:52Und dann gibt es andere Punkte, die sind so zentral.
18:56Ich erinnere mal an die großen Debatten auch zu 218 zum Schutz des ungeborenen Lebens.
19:03Und da wissen Sie, wenn Sie eine andere Meinung vertreten, es wird heftig.
19:08Und es gibt da auch Verletzungen.
19:11Also wenn Bischöfe dann fordern, sagen das ist eine Mörderin, die muss zurücktreten, das geht einem schon unter die Haut.
19:18Also mit dieser dicken Haut, von der immer geredet wird, die ist ja oft vorgetäuscht, damit der andere nicht noch
19:24stärker zuschlägt.
19:26Wenn man nämlich zu stark reagiert, dann wird noch stärker zugeschlagen.
19:32Aber es muss sein.
19:34Wobei ich auch, wenn ich das hier heute so sage, hinzufügen muss, das waren nie Spontanreaktionen.
19:43Ich erinnere mich, als es mal um den Kandidaten für das Bundespräsidentenamt Heidmayer ging.
19:50Da war ich eigentlich in Asien.
19:52Es hat drei bis vier Wochen gedauert.
19:55Was machst du jetzt?
19:58Stellst du nochmal Fragen in der Fraktion oder hältst du den Mund?
20:02Also ich war dann entschieden, als ich zurückkam, ich stelle Fragen.
20:07Aber das war eine turbulente Fraktionssitzung.
20:11Haben Sie es bereut hinterher oder waren Sie befreit?
20:14Nein, aber es gab dann auch große Tageszeitungen eine, die titulierte, sie redete sich um Kopf und Kragen.
20:22Oh Gott.
20:23Ich sah das und am anderen Morgen bekam ich einen Fax von unserer Tochter, die sagte, Mama, ich bin stolz
20:29auf dich.
20:29Ach toll.
20:33Wir haben gerade auch gesagt, man muss auch aufpassen auf die Menschen, die Angst haben und deswegen eben auf die
20:40Straße gehen und die nicht einfach nur verteufeln.
20:42Da gibt es einerseits die Angst, was wird mit mir, wird meine Lebenslage durch sie viel schlechter bis hin, was
20:50mit meiner Wohnung, was mit den Steuern, was mit meinem Arbeitsplatz.
20:55Haben wir nur über fremdete Kulturen noch, das werde ich ganz häufig gefragt, statt mal erst zu fragen, wie werden
21:03wir mit unserer eigenen Kultur wieder offensiver, ob das nun in Glaubensfragen oder in Kulturfragen ist.
21:11Europa hat solche Schätze, von der Angst können wir nicht leben, aber ich sage mal, die Sorgen der Bürger und
21:19Bürgerinnen, damit muss ich umgehen.
21:22Ich muss mich auch einer konfrontativen, sehr aufreibenden Diskussion stellen.
21:28Ich erreiche nicht alle, aber es muss der Eindruck glaubhaft vermittelt werden, wir kümmern euch um eure Ängste und bauen
21:40sie ab.
21:40Wir sind nicht in der Lage, diese Ängste durch klare Sicherheiten umzuwandeln, aber indem wir die Ängste der anderen thematisieren,
21:52meine auch, kommen wir viel näher, einander näher und suchen miteinander nach Lösungen.
22:00Die alten Sicherheiten gibt es nicht mehr. Und auch wenn wir meinen, die haben alle nach Hause zu gehen, die
22:08Lage ist so beklemmend in der Welt, das wissen wir ja nun seit langem, wir haben 60 Millionen Flüchtlinge heute,
22:15jahrelang hatten wir 45 Millionen und es erwischt uns jetzt.
22:20Und jetzt kommt es darauf an, wie machen wir das Beste raus und wie finden wir auch zurück zu mehr
22:28Solidarität. Deutschland kann das nicht allein verkraften.
22:32Frau Süßmann, wer oder was hat sie geprägt, hat sie zu so einem, auch zu einer ungewöhnlichen Zeit damals, selbstbewussten,
22:40emanzipierten Menschen gemacht? Waren das Ihre Eltern?
22:44Ja, mein Vater. War eine ganz wichtige Prägung für mich. Er hat darüber nicht viel geredet, er war Linkskatholik, würde
22:55ich sagen.
22:56Linkskatholik, ist aber auch selten.
22:59Das waren damals die Frankfurter Hefte, wo Christen nach dem Krieg eintraten, was haben wir eigentlich alles verloren und was
23:08müssen wir wiederholen.
23:10Das ist das eine. Zum anderen muss ich ganz offen sagen, ich war kein etablierter, emanzipierter Mensch als Kind.
23:20Ich hatte wohl, mein Vater sagte immer, der widerspenstigen Zähmung, es war schwierig, wenn ich mir was in den Kopf
23:27gesetzt hatte, mir das auszureden.
23:31Aber das war es auch schon. Ich bin eigentlich erst im Verlauf der Oberstufe und im Studium, ich habe wahnsinnig
23:40gern studiert, immer wieder zu der Frage gekommen, wer ist der Mensch eigentlich?
23:48Die Bestie, was hat er Gutes? Und wir erleben ja immer beides.
23:56Dann habe ich mich den Kindern zugewandt. Und auch nicht zunächst über die Psychologie, sondern über die Literatur.
24:03Also das unschuldige Kind und das Kind mit allen Tricks und Eigenarten.
24:11Also diese Zwiespältigkeiten und Widersprüche im Menschlichen. Und wie gehen wir damit um?
24:19Und ich war auch nicht von vornherein auf die Politik ausgeregt. Ich war ein politisch interessierter Mensch.
24:26Das auch schon durch meine Familie, aber auch durch meinen Bildungsweg.
24:32Und ich hatte Interesse an Menschen. Wollte ja eigentlich Krankenschwester werden.
24:38Dann sagte mein Vater, mach mal wenigstens erst Abitur.
24:41Dann sagte er, studiere Jura. Nein, das ist nicht mein Fach. Ich habe ja dann, wie Sie, Romanistik.
24:49Genau, wir haben überhaupt viel gemeint. Beide aus Wuppertal. In Münster haben Sie auch teilweise studiert.
24:54In Paris, Au-Pair. Und Romanistik.
24:56Ich war noch in Kübingen, aber Sie waren auch noch an einem anderen Ort. Ist egal.
25:00Also Romanistik, was war das andere?
25:02Geschichte und Philosophie.
25:04Also ich habe später erst Sozialwissenschaften, also nach dem Examen gemacht. Und für mich waren ganz wichtig antike Philosophen.
25:13Also für meine spätere politische Arbeit habe ich am meisten bei Platon in sokratischen Schriften gelernt.
25:21Der andere kann auch Recht haben. Gehe respektvoll mit ihm um.
25:26Die glauben gar nicht, wie wichtig das in der parlamentarischen Arbeit ist.
25:30Ja, das glaube ich.
25:31Weil immer einer Recht haben will.
25:32Aber andererseits muss es doch für Sie dann auch sehr schwer gewesen zu sein, in dieser politischen Welt, in die
25:37Sie dann reingeraten sind, Ihre Überzeugungen weiter zu vertreten.
25:42Sie hatten ja so einen Gegenwind. Also alleine Helmut Kohl. Wie haben Sie das immer weiter durchgehalten?
25:47Sie hätten auch sagen können, nee, ich strecke die Segel, ich gehe wieder zurück in die Wissenschaft.
25:51Ich glaube nicht, dass ich das völlig transparent und in sich konsistent beantworten kann.
25:59Aber wenn Sie von etwas überzeugt sind, dann halten Sie länger durch.
26:06Also ich bin ja oft hingefallen, bin auch gescheitert, aber ich habe auch durch Menschen angefangen, von meinem Partner, die
26:17wieder aufgestanden.
26:18Und immer wenn die dachten, jetzt sind wir sie los und wir werden sie losbekommen, wir kriegen die schon klein,
26:25dann habe ich gedacht, nochmal versuchen, ob du nicht doch durchhältst.
26:30Was mich noch interessiert, wie haben Sie das eigentlich gemacht?
26:33Sie haben mal am Anfang Ihrer politischen Laufbahn gesagt, was ich nicht möchte, ich möchte nicht irgendwann mal dickfällig werden
26:39und hart durch meine politischen Erfahrungen.
26:41Sie haben aber sehr viel kämpfen müssen gegen Widerstände.
26:44Wie haben Sie das geschafft, trotzdem so zu bleiben und immer weiterzumachen?
26:48Das weiß ich nicht.
26:52Ich sage mal, ich habe immer wieder auch Menschen gefunden, wenn ich wirklich am Boden lag, die mich wieder aufgerichtet
27:00haben.
27:01Und ich selbst mag nicht Resignation.
27:05Also da kann man nichts machen, ich bin ohnmächtig.
27:08Selbst wenn ich hartes Nein hatte zu Neuordnung des Paragrafen 218, sprich Lebensschutz.
27:15Wenn ich hartes Nein zur Quote hatte, da bin ich mir zweimal durchgefallen.
27:21Ich weiß nicht, woher ich die Energie genommen habe, aber die mussten damit rechnen, die kommt wieder.
27:37Also ich habe viele Fragen, bist du nicht mit größter Bitterkeit und Enttäuschung aus der Politik gegangen?
27:47Da muss ich Ihnen sagen, nein.
27:49Ich mache ja heute auch weiter.
27:50Das ist ein so entscheidend wichtiges Feld für unser Leben, dass ich eigentlich vielen Bürgern wünsche, schaut in euren Gemeinden,
27:59schaut in euren Heimatorten, was ihr tun könnt.
28:03Und zum anderen, ich mag keine ohnmächtigen Menschen, ich mache, ich tue viel dafür, auch bei Kindern, werdet stark.
28:12Auch bei Ihren Enkelkindern?
28:13Ja.
28:14Fünf Enkelkindern, das kommt noch dazu.
28:16Bei einer Tochter.
28:18Bei einer Tochter.
28:19Ist das auch der Grund, wachzurütteln, darauf hinzuweisen, dass Sie diesen Brief an Ihre Enkelkinder geschrieben haben?
28:30Das war eigentlich mein 80. Geburtstag, da sehen Sie, ich bin ja eigentlich schon alter Mensch, aber ich bin im
28:36Kopf nicht alt und habe auch noch Temperament und Leidenschaft und möchte mit den Generationen, das ist jetzt nicht nur
28:47meine Enkel, was ich Ihnen hinterlassen wollte, worauf kam es mir ja nicht an?
28:53Was ist mir wichtig, wofür habe ich gelebt, was könnt ihr machen?
28:57Ich habe Enkelkinder, die glauben gar nicht, wie schön das ist.
29:01Also wenn die so morgens ans Bett getippelt kamen und hören wollten, wie war das denn? Wie war das im
29:07Krieg? Wie hast du denn Ferien gemacht?
29:12Also sie hören zu, erzählen und wollen mehr wissen.
29:16Also das möchte ich allen sagen, glaube nicht, dass die nur sagen, die Alten haben sowieso keine Ahnung.
29:22Sie möchten auch von denen Lebensgeschichten. Was sie nicht möchten, ist, dass wir sie belehren wollen.
29:30Also dann haben wir verloren, dann hören sie nicht mehr zu.
29:33Natürlich habe ich Vorstellungen, auch manchmal Ängste, wenn sie unterwegs sind.
29:38Aber wir müssen sie befähigen, auch mit schwierigen Situationen verantwortlich umzugehen.
29:58Also, ich möchte es aber auch mit dem Zeitraum zurückbek reporten.
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