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00:02Inga.
00:03Seit 10 Jahren ist sie verschwunden.
00:06Bis heute fehlt jede Spur.
00:09Wir leben in einer Situation,
00:12wo alles von Misstrauen überschattet ist
00:14und von dieser unsäglichen Ungewissheit.
00:17Wochenlang suchen Hundertschaften nach ihr.
00:21Erfolglos.
00:22Wie kriege ich diesen Übergang
00:24von vermisst zu einem möglichen Kapitalverbrechen?
00:28Wurde wirklich alles getan?
00:31Gab es Fehler auf Seiten der Ermittlungsbehörden?
00:34Das Rätsel um den Fall Inga.
00:36Wir blicken exklusiv in die Akten.
00:51Wilhelmshof bei Stendal.
00:52Hier verschwand Inga am 2. Mai 2015.
00:56Bis heute fehlt von dem damals 5 Jahre alten Mädchen jede Spur.
01:03Ingas Familie war hier zu Besuch.
01:06Zehn Jahre danach sehen wir uns vor Ort um,
01:09wollen verstehen, wie der Tag damals abgelaufen ist.
01:13Wir, das sind Katharina Gebauer, Lars Frohmüller und ich.
01:18Nadja Mallack.
01:21Die sind angekommen gegen Mittag, die beiden Familien.
01:24Dann gab es erst mal Mittagessen.
01:26Dann sind die Kinder rumgelaufen auf dem Platz,
01:29sind wiedergekommen.
01:30Es gab Kaffee und Kuchen.
01:31Da haben wir auch Fotos, wo man gesehen hat,
01:32dass man hier zusammengesessen hat.
01:34Das sind auch kürze Wege durch das Haus.
01:38Man kann schnell was raustragen,
01:39hat die Kinder auch im Blick.
01:40Das ist ja wie ein kleines Dorf,
01:42wo wir vorhin schon festgestellt haben,
01:43wo wir reingekommen sind.
01:46Dieses kleine Dorf ist eine Einrichtung der Diakonie.
01:49Hier leben chronisch suchtkranke und behinderte Menschen
01:52mit ihren Betreuern.
01:54Bei einer Familie, die in der Einrichtung arbeitet,
01:57findet das Treffen statt.
01:59Drei Familien mit ihren Kindern
02:01sind an diesem sonnigen Samstag im Frühling zusammengekommen.
02:06Von der Reihenfolge war Kaffeekuchen, Fußballspiel,
02:13wo dann auch welche andere noch mitgespielt haben, oder?
02:15Genau, Erwachsene waren dabei.
02:17Hier auch der ehemalige Leiter war ja auch dabei.
02:19Auch Familien, die hier einfach auf dem Gelände wohnen.
02:22Das wurde so durchmischt.
02:23Die Kinder waren nie alleine,
02:25die waren immer so gemeinsam unterwegs.
02:26Und dann wollten eigentlich doch die Gerikes fahren.
02:30Genau, die Gerikes haben ja dann noch verlängert.
02:33Die haben gesagt, wir bleiben noch ein bisschen länger,
02:34weil es passte halt alles gerade.
02:37Dann haben sich die Familien entschieden,
02:38auf dem Grillplatz hinten Jan Feuer zu machen.
02:41Der Grillplatz liegt am Rande des Geländes,
02:44direkt am Wald.
02:48Die Frauen haben sich dann entschieden,
02:50Abendessen schon mal vorzubereiten,
02:51ein paar Sachen zu schneiden, zu kochen, wie auch immer.
02:55Und die Kinder wurden dann hierher geschickt,
02:58dann auch die Getränke hierher bringen,
02:59mal so ein bisschen helfen, den Platz vorzubereiten,
03:02das Ganze hier fertig zu machen, damit die Familie dann hier,
03:04da gibt es ja diese Bänke und ganz viel drumherum,
03:07was man schon aufstellen wollte, damit es dann gemütlich wird,
03:10damit man hier grillen kann.
03:14Was safe ist, Inga war hier.
03:17Genau, und da fängt es an, da ist unklar, was passiert.
03:22Ab da wird es lückenhaft und ab irgendwo da ist erstmals sichtbar geworden
03:27für die Familie Inga fehlt.
03:31Es muss so gegen 19 Uhr gewesen sein, als die Mitglieder der drei Familien
03:35anfangen, Inga zu suchen.
03:38Diese Angaben finden wir in den Ermittlungsakten,
03:41die uns exklusiv vorliegen.
03:43Seit eineinhalb Jahren werten wir diese Unterlagen aus.
03:46Den Einsatz am 2. Mai 2015 können wir deshalb detailliert nachvollziehen.
03:53Als Inga nicht gefunden wird, wird um 20.13 Uhr die Polizei alarmiert.
03:58Sofort startet eine groß angelegte Suche.
04:01Noch in der Nacht wird ein Teich in der Nähe durch die Feuerwehr abgepumpt.
04:04Am nächsten Tag beherrscht das Thema die Nachrichten.
04:08Sie sind auf der Suche nach der fünfjährigen Inga aus Schönebeck.
04:11Man wollte gestern Abend eine kleine Feier veranstalten.
04:14Es sollte dazu auch eine Feuerschale entfacht werden.
04:17Dazu waren Kinder, u.a. die Inga Giericke in dem angrenzenden Wald,
04:23wollten möglicherweise Feuerholz holen.
04:26Die Inga kehrte dann nicht zurück.
04:30Über diese Aussage des Pressesprechers stolpern wir in unserer Recherche.
04:34Er sagt damals, Inga habe Holz gesammelt.
04:37Aus den Aussagen der Familien geht aber klar hervor,
04:40dass dies nicht der Fall war.
04:43Hat die Polizei am falschen Ort gesucht?
04:50Acht Jahre danach.
04:522023 hat mein Kollege Lars Frohmüller Ingas Mutter interviewt.
04:56Heute möchte Viktoria Giericke nicht mehr vor die Kamera.
04:59Zu sehr belastet sie der Verlust.
05:02Ich habe im Laufe der Jahre auch gemerkt,
05:05dass es nicht leichter wird, dass es schwerer wird.
05:07Und das Bedürfnis aufzuklären, was mit meinem Kind geschehen ist,
05:11das ist noch ungleich größer geworden.
05:14Das war schon immer groß, das war schon immer da.
05:16Es belastet mich, es belastet meine Kinder.
05:20Es belastet familiäre Beziehungen, auch Freundschaften.
05:24Und ich lebe, und auch die, die mit mir leben,
05:29wir leben in einer Situation, wo alles von Misstrauen überschattet ist.
05:35Und von dieser unsäglichen Ungewissheit.
05:39Kurz nach dem Verschwinden ihrer Tochter hatte Viktoria Giericke
05:43große Hoffnung.
05:45Ihr Eindruck damals?
05:47Die Polizei habe alles Menschenmögliche gemacht.
05:52Die Polizei hat Planquadrate gehabt.
05:55Und die haben auch Methoden, um auszurechnen,
05:59was für Schritte so ein Kind in dem Alter macht
06:02und wie weit es in welcher Zeit kommt und so.
06:05Die haben versucht, uns da einzubeziehen,
06:08wo es Sinn macht für die polizeiliche Arbeit.
06:11Und das hat mir schon den Eindruck vermittelt,
06:14dass die Suche sehr sinnvoll ist.
06:18Und dass die Suche auch wirklich dazu führen kann,
06:21dass Inga gefunden wird.
06:23Vorausgesetzt, sie ist irgendwo im Wald.
06:26Ja.
06:27Aus heutiger Sicht würde ich natürlich sagen,
06:31wenn ich jetzt mich nochmal zurück beamen könnte in die Zeit,
06:34dann würde ich erstmal auf dem Wilhelmshof suchen und nicht im Wald.
06:39Viktoria Giericke meint also auch,
06:41dass vielleicht am falschen Ort gesucht worden ist.
06:44Diesem Verdacht wollen wir genauer nachgehen.
06:53Dazu zeige ich die Akten Prof. Dirk Labudde aus Mittweida.
06:57Der Digitalforenziker sucht in elektronischen Daten
07:00nach Hinweisen, um Straftaten aufzuklären.
07:03Gerade auch bei ungeklärten Altfällen, sogenannten Cold Cases.
07:07Jetzt ist ja so, dass die Polizei immer gesagt hat,
07:11sie ist beim Holzsammeln verschwunden.
07:13Die Kinder waren Holzsammeln.
07:14Ja.
07:15Wenn die natürlich sagen, sie waren hier oben
07:17und es kommt die Meldung oder die Aussage mit dazu,
07:21Holz sammeln für.
07:23Und das ist ja nicht von der Hand zu beweisen.
07:25Das hat ja jemand gesagt.
07:26Also wenn die sich mit dem Holzsammeln wirklich beschäftigt hätte,
07:30dann wäre sie natürlich jetzt hier in diesen Wald gerannt.
07:33Und vielleicht, wenn ich nur so klein bin,
07:35dann finde ich den Rückweg eben nicht.
07:38Anlage A.
07:39Die Polizei ging also anfangs von einem vermissten Fall aus
07:43und nicht von einem Verbrechen.
07:45Die Kripo war noch nicht eingebunden.
07:49Was war denn für Sie das Besondere daran, sich diesen Fall mal anzuschauen?
07:54Ich glaube, das Besondere an solchen Fällen,
07:57jetzt also auch natürlich bezogen auf die kleine Inga,
08:00ist eigentlich, wie kriecht diesen Übergang von vermisst
08:04zu einem möglichen Kapitalverbrechen.
08:05Heute, also zehn Jahre später, lässt sich die Vermutung eben nicht verleugnen,
08:10dass es sich dabei wirklich um ein Verbrechen handelt.
08:13Und jetzt kommt das Tragische an solchen Fällen,
08:16dass du eigentlich mit dem gut gedachten und gut gemeinten
08:20und richtig abgehandelten Suche eigentlich den späteren,
08:25dann erst klar werdenden Tatort eigentlich zerstört hast.
08:30Sind Spuren einmal zerstört, sind sie verloren.
08:35Dirk Labudde hat eine Hypothese entwickelt.
08:38Sie basiert auf Zeugenaussagen zu Ingas Verhalten am Nachmittag,
08:41die er in den Akten findet.
08:44Die Schwester, glaube ich, sagt ja auch, oder irgendeine andere Zeugin.
08:49Sie war so ruhig, ja.
08:50Sie war so ruhig.
08:51Also, wann bin ich denn ruhig eigentlich?
08:53Wenn ich zum Beispiel darüber nachdenke, mach ich's oder mach ich's nicht?
08:56Vielleicht.
08:57Ach, Sie meinen, dass sozusagen dieser Erstkontakt viel eher stattfand?
09:03Genau.
09:03Also, dass ich eigentlich, das ist meine Hypothese, es gab also über diesen Tag,
09:08ja, also gab es vielleicht einen Erstkontakt, ja, und so,
09:12Mensch, kleines Mädchen, liebe Inga oder wer auch immer aus welcher Richtung,
09:16ja, also spricht die an und sagt, möchtest du nicht dieses oder jenes haben?
09:20So, und dann sagt sie, nee, nee, lieber nicht.
09:23Und jetzt nehme ich sozusagen dieses mit und ich denke eigentlich dann viel später darüber nach
09:27und sage, eigentlich wäre es schön, ja, also dieses Geschenk,
09:31das Einlösen des Versprechens oder was auch immer zu bekommen.
09:34Und dann sozusagen treffe ich diese Person zufällig oder auch nicht zufällig sozusagen wieder
09:40und dann habe ich natürlich ein anderes Verhältnis, ja, und ich gehe mit,
09:44weil ich eine dann gesteigerte Erwartungshaltung hätte.
09:48Aber das sind Spekulationen, da muss man sozusagen also auch, glaube ich,
09:52ganz großartige Kriminologen mit dazunehmen.
09:55Also, was ist es eigentlich?
09:56Jetzt kommt sozusagen eigentlich, was für mich ausschlaggebend ist,
10:01bei diesen 38 Objekten, ja, und ungefähr 100 und also weit über 100 Besucher an diesem Tag
10:09oder Menschen, Personen, die an diesem Ort, an diesem Tag waren.
10:14Ja, also dauert es also ganz lange, das irgendwie zu sortieren.
10:17Wer hatte also wirklich unmittelbaren Kontakt und weniger Kontakt mit ihr?
10:22Doch um die möglichen Kontakte nachzuvollziehen, sind die Akten nicht detailliert genug.
10:29Möglicherweise hat der Vater der zweiten Gastfamilie Inga zuletzt gesehen.
10:33Er sagte aus, er habe sie an seinem Fahrzeug aus dem Augenwinkel noch einmal wahrgenommen.
10:39Nur, wo das gewesen sein soll, das ist unklar.
10:43Für Dirk Labudde ergeben sich mehr Fragen als Antworten.
10:46Deswegen möchte er sich selbst ein Bild vor Ort machen.
10:51Magdeburg. Hier bin ich mit Chris Schulenburg verabredet.
10:542015 war er stellvertretender Revierleiter in Stendal.
10:59Heute sitzt er für die CDU im Landtag.
11:01Er erklärt, dass die Polizei gerade bei kleinen Kindern, die vermisst werden,
11:06sofort alle Einsatzkräfte, die benötigt werden, zusammenziehen kann.
11:11Gerade in den Anfangsstunden natürlich, da ist der Druck immens groß.
11:15Weil man kann ja davon ausgehen, dass vielleicht so ein Kind sich tatsächlich im Wald verrannt hat.
11:21Und wir wissen ja, dass auch hier Wölfe aktiv sind in der Altmark, dass da eine Gefahr entstehen könnte.
11:27Und deshalb war natürlich auch der Druck da.
11:28Oder dass sie irgendwo in einen Brunnen oder ein Loch gefallen ist oder in einen See gefallen ist.
11:33Und dass man sie da einfach retten muss.
11:35Aber irgendwann kommt man ja zu diesem Punkt und muss sagen,
11:39nee, jetzt muss die Kriminalpolizei weiter ermitteln.
11:41Den Akten zufolge hat die Kriminalpolizei 36 Stunden nach Ingers Verschwinden ihre Arbeit aufgenommen.
11:50Ergebnisse oder heiße Spuren gibt es aber in den folgenden Jahren nicht.
11:55Dann schließlich gibt die Polizei nach vier Jahren erfolgloser Ermittlungen 2019 bekannt, der Fall wird eingestellt.
12:05Für die Eltern ist das total schlimm. Und das kann ich auch nachvollziehen, dass das unverständlich für sie war.
12:10Aber das ist nun mal auch ein Instrument unseres Rechtsstaates, dass so eine Staatsanwaltschaft sagt,
12:16okay, wir kommen jetzt hier einfach nicht weiter.
12:18Wir sind jetzt jedem Hinweis, den wir bisher hatten, nachgegangen.
12:21Wir kommen jetzt hier nicht weiter, wir packen es erstmal beiseite.
12:24Aber beiseite heißt ja nicht, dass wir nicht weiter ermitteln.
12:26Und das muss man auch den Eltern immer zu verstehen geben, dass man sagt, wir wollen weiter ermitteln.
12:31Gebt uns Hinweise, wenn ihr Hinweise habt, dann gehen wir da sofort nach.
12:35Aber aktuell sehen wir erstmal keinen Ermittlungsansatz.
12:39Die Familie will sich aber nicht damit abfinden, dass seit 2019 nicht mehr ermittelt worden ist.
12:45In Berlin bin ich mit Steffen Zschoppe verabredet.
12:50Der Rechtsanwalt vertritt einen älteren Bruder von Inga, der mittlerweile erwachsen ist.
12:59Die Angehörigen müssen ja mit einem Trauma leben.
13:01Und diese Ungewissheit, was ist aus Inga geworden, jedes Jahr jährt sich ihr Geburtstag.
13:06Und sie denken auch als Geschwisterteil, ich möchte es mir nicht vorstellen, darüber nach, wo ist Inga.
13:12Und dann der zweite Mai, das ist doch für jeden irgendwie belastend.
13:17Rechtsanwalt Schoppe hat sich in den vergangenen Jahren in die Akten eingearbeitet.
13:22Er ist der Meinung, dass Fehler bei den Ermittlungen gemacht worden sind.
13:26Ihm fällt auf, eine Psychologin, die als Gutachterin beauftragt wurde, ist die spätere Ehefrau des leitenden Ermittlers.
13:36Wenn man in Familienangehörigen reinholt ins Boot oder jemanden, mit dem man enger verbunden ist, kann ja auch ein gutes
13:43Motiv gehabt haben.
13:44Dass man sagt, oh, die hat voll die Ahnung, das ist genau ihr Fachgebiet, dann wäre es ja perfekt, ja,
13:49dann wäre es super.
13:51Aber ich habe mir das Gutachten ja angeschaut und ich habe in meinem Beruf viele Gutachten gelesen.
13:58Und viele, die bei Weitem dicker und fundierter waren als das.
14:02Ja, also, ich glaube, die Frau ist auch nicht wirklich eine Rechtspsychologin.
14:09Inkompetenz und persönliche Verbindungen. Schwere Vorwürfe, denen wir nachgehen wollen.
14:15Wir fragen bei der Staatsanwaltschaft nach. Sie ist Herrin des Verfahrens. Wir wollen wissen, wofür genau die Psychologin beauftragt worden
14:23ist.
14:23Die Antwort? Sie sollte einen Zeugen zu seinen Erinnerungen befragen, ein sogenanntes kognitives Interview.
14:32Die verfahrensführende Oberstaatsanwältin entschied, dass die Psychologin beauftragt werden soll,
14:37neben dem kognitiven Interview auch eine psychologische Fallanalyse zu erstellen.
14:46Das Gutachten liegt uns vor. Eine derartige psychologische Analyse geht daraus nicht hervor.
14:53Stattdessen beschreibt die Psychologin ihre Arbeit als Tathergangsanalyse, die den Ermittlern Empfehlungen geben soll.
15:02Doch ist sie dafür überhaupt qualifiziert?
15:06Und da bin ich so ein bisschen drüber gestolpert, ich weiß nicht, Nadja, du ja auch, dass sie diesen Schwerpunkt
15:11eigentlich gar nicht hat.
15:12Also sie macht ja in ihrer Praxis eigentlich was ganz anderes. Sie hat gar keine Erfahrungen in den kriminologischen Fällen
15:18und das ist mir sofort aufgefallen.
15:20Ja, zumal ja OFA, das ist ja die operative Fallanalyse, die gibt es bei allen Länderpolizeien.
15:28Das sind extra ausgebildete Beamte, die da jahrelang in eine Ausbildung gehen.
15:34Da bin ich genauso drüber gestolpert, dass ich es seltsam finde, dass sie mit einer solchen Fallanalyse beauftragt wird.
15:42Also sie ist Diplompsychologin und was aufgefallen ist, dass sie 2004 bis 2005 ein Praktikum gemacht hat, auch damals im
15:52selben Fachkommissariat unter demselben Ermittler.
15:57Also das war derselbe Ermittler, der sie dann damals beauftragt hat. 2016 war das.
16:01Auf ihrer Webseite sehen wir, dass sie zwischen 2008 und 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Magdeburg in der Klinik für
16:13Psychiatrie und Psychotherapie war.
16:16Dort hat sie zu pädosexuellen Straftaten, Neugeborenen-Tötungen und Amokläufen geforscht.
16:26Warum also hat die Staatsanwaltschaft eine eher unerfahrene Psychologin beauftragt, statt erfahrene Spezialisten, die es auch in Sachsen-Anhalt beim
16:36LKA gibt?
16:37Wir bekommen den Auftrag 2016, das geht auch aus den Akten hervor und wir finden da halt eine Mail von
16:42dem damaligen Ermittlungsleiter, der sie selbst beauftragt, also persönlich beauftragt.
16:47Und der spricht dann eben auch noch mit Kollegen darüber und das ist sozusagen auch, geht aus den Akten hervor,
16:53dass sie sich ja jetzt mal eben so eine Psychologin gönnen, um ein Gutachten zu machen. Das fällt natürlich auf.
17:00Laut Staatsanwaltschaft habe der Ermittlungsleiter aber auf ihre Anweisung hingehandelt.
17:05Unsere Recherchen bestätigen aber auch, dass der Ermittlungsleiter und die Psychologin mittlerweile verheiratet sind.
17:12Schon 2015, 2016 sollen sie ein Paar gewesen sein.
17:16Wir versuchen sie zu erreichen. Zu ihren telefonischen Sprechzeiten geht niemand ans Telefon.
17:22Auch auf unsere schriftliche Anfrage reagiert sie nicht.
17:26Ob ihre Arbeit Einfluss auf die Ermittlungen genommen hat, können wir nicht nachvollziehen.
17:31Es gibt aber eine andere, fragwürdige Spur, die die Ermittlungen beeinflusst haben könnte.
17:38Es war die zweite Suchaktion mit Spürrunden und sie führte die Suchtrupps von Stendal über den Berliner Ring und Halle
17:44bis nach Dresden.
17:46Für die Suche wurden immer wieder Autobahnabschnitte gesperrt.
17:51Zwischen Ende Mai und Dezember 2015 wird eine private Hundeführerin von der Ermittlungsgruppe beauftragt.
17:59In einem MDR-Beitrag zu einem anderen Fall beschreibt sie die Fähigkeiten ihrer Hunde.
18:07Sie können halt problemlos Spuren, auch alten Spuren folgen, die aus dem Auto herausgelegt wurden.
18:13Für die Hunde macht es keinen Unterschied, ob einer gefahren oder gelaufen ist.
18:17Man sieht noch nicht mal den Unterschied.
18:20Im vermissten Fall Inga will sie auch die Spur des Mädchens gefunden haben.
18:24Doch der Wegverlauf macht uns stutzig.
18:29Die Hunde mit Frau Bunnbock sind im Diakoniewerk Wilhelmshof direkt gestartet und sind dann die ganze Hauptstraße quasi nach unten
18:35rein in den Ort.
18:39Und hier kreuzen sich dann total viele Linien.
18:42Ja, also die Hunde sind dann quasi immer wieder im Kreis gelaufen scheinbar mit den Hundeführerinnen.
18:47Aber das ist doch total unlogisch, wenn man uns das jetzt hier auf der Karte auch nochmal anguckt.
18:52Es geht ja um die Spur des Kindes im Grunde genommen.
18:55Wie kann die sich kreuzen?
18:56Also es würde ja bedeuten, dass es zweimal einen gleichen Weg für das Kind gibt.
19:00Und das macht ja keinen Sinn.
19:01Die Hunde haben mehrfach das Anzeigeverhalten gezeigt.
19:03Und die Hundeführerinnen waren dann nach Aktenlage sich einig, da muss Inga gewesen sein.
19:09Insgesamt will Andrea von Buddenbrock gemeinsam mit ihrer Assistentin die Spur von Inga von Stendal bis nach Österreich verfolgt haben.
19:21Mehr als 800 Kilometer weit.
19:26Ist das möglich? Wir holen uns Fachmeinungen ein.
19:30Prof. Kai-Uwe Goss vom Helmholtz-Institut in Leipzig ist Umweltchemiker und hat sich auf Gerüche spezialisiert.
19:38Also der erste Einsatz erfolgt dreieinhalb Wochen, nachdem das Kind verschwunden ist.
19:42Das ist schon viel zu alt. Es ist nirgends gezeigt worden, dass irgendein Hund sowas könnte.
19:48Wissenschaftlich ist es auch überhaupt nicht plausibel, dass das möglich sein sollte.
19:52Also wir gehen wissenschaftlich davon aus, dass solche Spuren wenige Stunden alt sein dürfen.
19:57Vielleicht einen Tag, da beginnt dann so die Unsicherheit.
20:01Aber sicherlich nicht mehrere Tage oder Wochen.
20:03Also von dem her hätte man an der Stelle schon aufhören können.
20:06Eine Spur, die so alt ist, da braucht man überhaupt nicht mehr irgendwelchen Aufwand zu treiben.
20:11Und hier kommt dann noch dazu, dass es ja Car-Trails waren.
20:14Also das ist auch etwas, was eine Spezialität von Frau von Buddenbrock ist.
20:17Das bildet sich sonst niemand ein, dass er das könnte.
20:21Das heißt, die Person, um die es geht, wurde im Auto verbracht.
20:24Und da müssten die Hautschuppen also jetzt durch die Lüftung des Autos nach draußen gelangt sein.
20:28Das mag auch möglich sein, aber die werden natürlich dann sehr schnell verwirbelt in dem ganzen Fahrtwind
20:33und sind dann draußen nicht mehr als Spur nachweisbar.
20:36Also das sind die zwei Hauptpunkte aus meiner Sicht, die hier von Anfang an dazu führen, dass man das als
20:41Unsinn abtun muss.
20:44Wir wollen noch eine zweite Meinung aus der Praxis.
20:48Hansjörg Schalkowski ist pensionierter Polizist und hat über Jahrzehnte Hunde ausgebildet.
20:53Im Auftrag des Landgerichts Heidelberg hat er in einem anderen Fall die Arbeit von Andrea von Buddenbrock analysiert.
20:59Das Ergebnis seines Gutachtens aus 2021, von Buddenbrock lenkt die Hunde.
21:05Das war klar erkennbar, wie die Hundeführerin links versetzt läuft und somit verkürzt sie den Radius zum Hund, den Abstand.
21:18Und der Hund wird leicht nach links gezogen und er erkennt, wie beim Spazierengehen eigentlich.
21:25Meine Hundeführerin will jetzt nach links, also passe ich mich an und gehe auch nach links.
21:30Das könne dazu führen, dass in der Folge Ermittlungsfehler passieren, so der pensionierte Polizist.
21:41Das viel Schlimmere, was ich kritisiere, ist, dass da eine Soko oder eine Ermittlungsgruppe in eine Richtung gelenkt wird oder
21:55bestärkt wird,
21:57wo vielleicht eine absolute Fehlspur ist, eine absolute Fehlspur und andere Ansätze nicht weiterverfolgt werden.
22:07Wir haben Andrea von Buddenbrock um eine Stellungnahme gebeten.
22:11Schriftlich lässt sie uns über ihren Anwalt mitteilen, dass Herr Scharkowski nicht kompetent sei, ihre Arbeit zu beurteilen.
22:18Das Landgericht Heidelberg folgte damals aber seinem Gutachten vollumfänglich.
22:24Auch Viktoria Gericke erfährt von der angeblichen Spur nach Österreich.
22:27Für sie eine große emotionale Belastung.
22:33Ich war sehr froh darüber, dass das so viel unternommen wird, dass auch diese Hundestaffel, also diese Mantrailerhunde, dass die
22:45einbezogen wurden,
22:47weil das ist ja auch, ich glaube, zu dem Zeitpunkt noch eine etwas umstrittene Herangehensweise gewesen.
22:54Und ich fand das aber richtig, richtig gut, dass sie das trotzdem gemacht haben.
23:00Und ich habe auch Vertrauen in diese Spezialisten gehabt, die da vor Ort auch unterwegs waren.
23:06Und das macht einfach mit einem, dass man wieder Hoffnung schöpft, große Hoffnung schöpft.
23:14Und wenn das dann aber sich dann wieder so im Sande verläuft, also dann wird man mehrere Stockwerke in die
23:24Tiefe runterbefördert.
23:27Und das macht dann sehr viel Schlimmes mit einem.
23:30Wir stoßen auf einen Hinweis in den Ermittlungsakten.
23:33Im September 2015 meldet sich ein Pfarrer bei der Polizei.
23:38Eine Person will ihm gebeichtet haben, dass Inga lebe.
23:41Und zwar in einem Ort, der wie Silz klingt.
23:45Wir finden im deutschsprachigen Raum etwa elf Orte, die ähnlich ausgesprochen werden.
23:50Die Polizei sieben.
23:52Einen davon in Tirol.
23:54Dorthin hat ein Mann, den die Polizei für möglich tatverdächtig hält, gute Kontakte.
23:59Frau von Buddenbrock wird auch hier eingesetzt und wieder sollen ihre Hunde eindeutig anzeigen, Inga war da.
24:06Die österreichische Polizei ermittelt.
24:08Dies bestätigt uns die Staatsanwaltschaft Stendal auf Anfrage.
24:14Durch die örtlich zuständigen Polizeibehörden erfolgten Überprüfungen von Personen und Rufnummern.
24:23Es gibt aber auch ein Silz in Mecklenburg-Vorpommern.
24:27Auch hier war von Buddenbrock im Einsatz.
24:29Eine Spur von Inga fanden ihre Hunde nicht.
24:32Interessant ist aber, mindestens eine Person, die am Tag von Ingas Verschwinden auf dem Wilhelmshof war, lebte dort in der
24:40Nähe.
24:41Laut Staatsanwaltschaft wurde überall umfassend ermittelt.
24:45Den Akten, die uns vorliegen, lässt sich jedoch nicht entnehmen, dass die Ermittler diesen Ort und diese Person intensiver überprüft
24:54haben.
24:55Der Hinweisgeber ist mittlerweile verstorben.
24:59Zurück in Wilhelmshof.
25:01Wir sind mit Digitalforenziker Dirk Labudde verabredet.
25:04Er will einen persönlichen Eindruck von der Einrichtung gewinnen.
25:08Es ist Anfang April 2025.
25:12An diesem Tag finden zufällig auch Suchmaßnahmen der Polizei statt.
25:17Die Pressesprecherin aus Halle erzählt uns, dass sie jetzt noch einmal den Boden absuchen.
25:23In der Hoffnung, Gegenstände zu finden, die im Laufe der Zeit noch nicht verwittert sind.
25:31Es ist eben quasi das Ausschlussprinzip, um nichts unversucht gelassen zu haben, das Schicksal zu klären.
25:39Kann man sagen, dass Sie quasi die Nadel im Heuhaufen jetzt suchen?
25:43Weil nach so langer Zeit, wenn Sie jetzt quasi einen Schuh finden, ein Kleidungsstück, irgendwas, das kann ja alles sein.
25:48Das kann ja jemand zufällig verloren haben.
25:50Also da müssen Sie ja im Prinzip alles aufsammeln.
25:52Wenn wir was finden, dann ist es natürlich so, dass auch Ermittler dabei sind, die den Fall kennen,
26:00dass wir Kriminaltechnik dabei haben, die dann im Zweifel auch sagen können,
26:06ob das eventuell das Gefundene für den Fall relevant ist oder nicht.
26:10Sie haben recht, sonst müssten wir jede Menge Zivilisationsmüll aufsammeln,
26:15was sicherlich für den Wald gut wäre, aber den Fall nicht voranbringt.
26:19Aber bislang wurde nichts Relevantes gefunden.
26:25Dirk Labudde interessiert vor allem das Gelände selbst.
26:28Wir sind nun in dem Bereich, in dem Inga wahrscheinlich das letzte Mal gesehen wurde.
26:33Nur wo und wie genau, das ist nicht mehr nachvollziehbar.
26:39Wenn du jetzt hier stehst, du siehst 1, 2, 3, 4, 5 sozusagen Weger, die in alle Himmelsrichtungen führen.
26:45So und dann heißt es, ja, ich habe sie gesehen, alles.
26:48Aber du kannst nicht weit gucken.
26:50Genau, sie kann halt in einer Sekunde um die nächste Ecke sein und dann ist alles vorbei.
26:54Je länger man auf diesem Gelände ist, wird klarer, das ist ein ganz schwieriger Ort.
26:59Wenn ich jetzt da stehe, was sehe ich denn? Nichts.
27:03Also diese Bemerkung, um die Ecke, heißt dann wirklich aus dem Blickwinkel.
27:07Um die Ecke, aus dem Blickwinkel.
27:08Also eine Person, die geht normal, ist nicht lange für eine stehende Person sichtbar.
27:14Das ist so.
27:16Ja, deswegen können auch ganz viele andere oder kleinere oder zusammenhängende Aussagen alle richtig sein.
27:22Weil wenn sie da steht, kann ich sie von da und von da sehen.
27:25Geht sie weiter, sehe ich sie nur noch von da.
27:26Ich suche zuerst nach einem vermissten Kind und möchte das Leben dieses Kindes schützen.
27:32Das war die erste Aufgabe und die wurde prima erfüllt.
27:35So im Nachgang wurde sie nicht gefunden und jetzt kippt das.
27:39Und jetzt kriegst du natürlich auch diese detaillierten Aussagen nicht wieder richtig rein.
27:44Denn zu schnell verblassene Erinnerungen werden ungenau.
27:52Ich bin in Halle.
27:54Seit 2023 liegen hier die Ermittlungen.
27:57Mit einem neuen, frischen Blick soll der Fall Inga noch einmal komplett aufgerollt werden.
28:02Und das ohne Zeitdruck, sagt Polizeisprecher Michael Ribke.
28:06Man kann sich vorstellen, dass das zwei große Ermittlungsbereiche sind.
28:10Das ist zum einen das Aktenstudium, die Digitalisierung und die Aufarbeitung dessen.
28:15Und daraus neue Perspektiven und Ermittlungseinsätze zu entwickeln.
28:18Und der zweite Part ist natürlich Ermittlungseinsätze, die sie schon ergeben haben, dass man die weiterverfolgt.
28:24Deshalb wird auch das Waldgebiet noch einmal systematisch durchsucht.
28:28Gut ein Dutzend Mal waren Einsatzkräfte in der Gegend unterwegs.
28:35Ende 2024 wurde ein sogenanntes Aging-Bild von Inga auf Getränkeflaschen veröffentlicht.
28:42So könnte sie jetzt im Alter von 15 Jahren aussehen.
28:47Da muss man sagen, dass das im Monat waren diese Flaschen im Umlauf.
28:52Es haben im Ergebnis bei uns 82 Menschen einen Hinweis gegeben, sehr unterschiedlichen Gehalt.
29:00Und auch dem gehen wir teilweise noch nach.
29:02Aber so ein entscheidender Durchbruch war leider auch noch nicht dabei.
29:06Die Hoffnung auf solch einen Durchbruch motiviert die Ermittler in Halle.
29:10Doch die Zeit ist ihr Gegner.
29:13Seit zehn Jahren ist Inga verschwunden.
29:16Einige Zeugen sind mittlerweile verstorben.
29:18Spuren oder Hinweise vielleicht für immer verloren.
29:22So separate 2020
29:24Wie kann man das Staat bossen electromen?
29:33So thể die Steine delegieren?
29:33Ich kann doch mal cleaner cheap das Thema zu schauen.
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